Ausgabe 
19.1.1909 Erstes Blatt
 
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yierung hat sich nämlich veranlaßt gesehen, auf das Ent­schiedenste die vomLibre Parole" in Umlauf gesetzte Nach­richt zu dementieren, wonach Kabinctt-chcf Clsmenceau i i Laufe eines Tiners bei Herrn de la Gargentieres sich ge­äußert haben soll, das; ein Krieg zwischen Frank- reichundTeutichlan di n diese m Frühjahrun­vermeidlich sei und das; um jeden Preis die Trennung Italiens vom Dreibünde vollzogen werden müßte, und ba§ ClLmenceau ähnlichen Acußerungcn gegenüber dem Komitee des Syndikats der Presse gemacht haben soll.

Tie^ Treödencr Wahlrechlsdemoristratiou.

Ter am Sonntag aus Aula,; der Wahlrechts-Demvn strationen erfolgte Zusammenstoß der Menge mit der Po­lizei scheint doch ernsterer Statur gewesen zu sein, als die ersten Nachrichten annehmen ließen. Stach dec Tarßcllung der sozialdemokratischen Dresdener Volkszeitung sollen 4 oder 5 Personen schwer verletzt lvorden sein. Kleine Ver letzungen sollen zahlreiä^ Demonstranten erlitten haben. Tas Blatt berichtet weiter, einem Mann sei ein Stück Kop - l;aut abgeschlagen worden, ein 10 jähriger Junge habe einen Säbelhieb erhalten und sei blutend weggebracht worden, ein Samaritec sei durch einen Sabelljicb an der rechten Hand schwer verletzt worden, als er einem Verwundeten habe beilpringen wollen, ein anderer Mann hat einen Stich in den Rücken erhalten.

Deutsches Neicy.

Die preisgekrönten Entwürfe für das neue 25 Pf.»Stück. DemReichsanzeiger"' zufolge ha. das Preisgericht, das über die Entwürfe für ein neue*! 25 Pfennig-Stück entscheiden sollte, den ersten Preis mi 2000 Mart Herrn August H äußer in Böckingen (Württem berg) zuerkannt, den zweiten Preis mit 1500 SJtart Herr. Hugo Kaufmann in Berlin, den dritten mit 1000 Mar. - Herrn H. K'raumann in Frankfurt a. M.

Der erbliche Adel ist dem UnterslaatssekreLar im Finanzministerium, DoinboiS, verliehen worden.

Tie Reichstagsersatzwahl für den Abg Held (natlib.) im 6. hannoverschen Wahlkreise ist auf den 26. Februar festgesetzt.

Der Regierungspräsident von Schleswig, Herr von Dolega-KozierowSti, tritt am 1. März zurüa. Sein Nachfolger wird der Regierungspräsident von Fiedle, in Erfurt.

Das Fest des Schwarzen Adlerordens ha! gestern in der üblichen Form im königlichen Schlosse zu Berlin stattgefunden.

Das H o s m arsch a lla m t in Gera teilt mit, das Fürstenpaar verbitte sich anläßlich seiner Silber-Hochzei beschenke und kostbare Adressen.

Berichtigung, ©eneralleuinaut o o n SB allen bereu Kommandant der Stadt Breslau, dessen Ableben wir gestern meldeten, hat ein Alter von uS1-, Jahren erreicht (nicht 65'/,, wie es infolge eines Trnck'ehlerL hieß).

ilUdtanO.

Tie Zahlder Geburten in Frankreich nimmt zu. Zmn ersten Male seit Jahren verzeichnet das- Amtsblatt in der Statistik der Bevöllerung für das erste Halbjahr 1908 eine Zu uahme der Geburten.

Tie englische Admiralität hat sich entschlossen, einen neuen Kriegs Has en am Firth in Forth zu bauen. An der Küste _bcc Bucht wird ein Marine-Arsenal errichtet werden. Drahtlose Telegraphen-Stationen nach verschiedenen Systemen wer- den bereits an der Küste erriästet. Silles deutet darauf hin, daß an dieser Stelle eine strategische Flvttcubajis ersten Stange-J ge­schaffen werden wird.

Iswolsky soll nid;t mehr auf den Botschafterposten in Berlin reflektieren. Ter Gehilfe des Ministers des Innern, Kryschanowsli, wirb wegen ernster Differenzen zurncktreten.

Aus a l l e n T e i l e n P c r s i e n s gehen beunruhigende Nach­richten eilt, die allerdings unvollständig sind. Die Postoerbindung nach dem Süden ist nittcrbrodjcn, die Postboten wurden ermordei. Man befürchtet den Ausbruch eines Ausstandes in ganz Südpersien.

Revrasentantenhaus der Bereinigten Staa­ten. Als sich der Abgeordnete Willet in der gestrigen Sitzung in den heftigsten Sckrmipstvortcn gegen btit Präsidenten Roosevelt erging, beschloß das Haus mit 126 gegen 78 Stimmen, Rillet das Wort zu entziel;en.

Streik. In Newyork hat am 18. Januar ein General­streik der Hutmaciier begonnen, der sich aus 75 Fabriken mit rund 25000 Arbeitern erstreckt. Der größere Teil der Streikenden gehört Wcwovrfct Fabriken an. Der 'Anlaß zu dem Streik liegt darin, daß die Arbeitgebervereinigung den Hutinachern die weitere Anbringung der Kontrollmarke des Gcwerkfchastsvorstandes in den Hüten untersagt bat.

gcrung entwickelt sich seine Handlung, aber leicht überstürzt sich dieses fortdrängende Tempo seiner Szenensührnng, wird die Lragit übersteigert unb schlägt in groben Thealerefselten uul Wilden - brttch steht dann, z. B. in seinemFürsten von Lewna" oder im neuen Herrn" dem Dichter bv-1 Sturms und Drangs ooec Grabbe üt der maßlosen Ueoerspannutig der Leidenschaften näher, als seüte Vorbilder Scktiller und Kleist. Seine selben können sich dann nicht genugtuu int Schwören und Prahlen mit ihrer Kraft; seine Frauen verfallen in einen visionären Wahnsinn. Der Schluß verliert sich I;<atrig ut einem iviibert FvrAmmo, ohne ,-u einer eigentlichen Lösung geführt zu werden Immer wieder aber versöhnen luiinbcrvollc Sckwnl-citen, sinnbildlich.kühne Vorgänge in eine geheimnisvolle. Stimmung gctaudjie Bilder, dramatisch ergreifende Eifindungen, wie sie nur dem gcoßen Talente gelingen können. Als Wtldenbruch in denQuitzolus" sich uom Charakter- Drama zunt malerisch breitansgesührten Situationsstück wandle, befand er sich auf seinem eigensten Gebiet. Hier gluckte ihm eine Vereinigung realer und idealer Elemente: tragische Pathetik nnd volkstümlicher Humor vereinten sich zu einer künstlerisch beftiedigenden Wirkung. Auch in dem vtelgespielten Toppeldrama Heinrich mib Heinrichs Gesellscksast" sind solche phaniaficnoll ausgcführten Geschichtsbilder der erquicklichste Teil des Werkes, das in Der vsvchowgtil.,en Entwicklung c.s iutabtii, ses ztönigs und Kaisers Heinrich trvn einzelner f hier Au i «ätze völlig versagt. In derRabeniteinerin" sammeln sich nod? einmal diese volkstüm­lichen, Romaiuisd;-ärchcnhaftes mir Realistisch-Tragtschcm vcr- bördelnden Züge zu einer gescküossenen Wirkung.

Wildcnbrad s Hittwendung zur ,/Moderne", die in seiner Dra­matik mit den gutbcavbeitctcn aber künstlerisch schwockren Milieu^ stucken,Die HaubetUerche" undMaster Balzer" ihren Höcepuukt circid)t, zeigte sich noch deutlicher in iciitcn erzählenden Dichtungen. Romane wieEifernde Liebe" und Sensationsnovellen wieTer Astroiwm" undTas wandernde Licht" zeigen ein ausgezeichnetes Erzählertalent im Kamps mit Stegen, diirdi die es zu wilden Effekten mrd Nebertretbungen aufgcveitscht luirb. Erst die ftw.ercn ?tavellen, wie sic in denTiefen Wassern' vereinigt sind, taten eine beruhigte Ataßignng und schöne Innigkeit im Ton der Darstellung erkennen. Das Schönste und Reifste gab der Dichter in seinen Kindergeschictaen. Die innerlich idüidiL' Tragik solch junger Seelen hat er mit so seltener Sicheren Dnt'cfrcUt, wie konm ein Poet vor ihm Die ..Kinderlrurten", dasEste Blut", Neid" und die uitüergcbtidcBtzemama" gtnvi reu e .i ntciiiren Etnl'lick in diese einfältig stille Welt eurer ruh . cu.. . . \n. oe.rrrm fo größeren Tragt! Wie icdcr ed'te Tick. : war eu Wilden, ruch dem Kinde verwandt, ein Sohn der naiven großen Natur.

Dr. P. L,

Aus Stabt und Land.

Dießen, 19. Januar 1909.

Gedenket der hungernden Vögel!

Tageskalender «ür TienStag, 19. Janrrar. Stabt- t Beat er: Gast'viel von Albert Baffermann: ,Bom anderen User'. Anmng 8 Uhr.

Kundgeb mifl für die Temsck'en in Oesterreich. Vortrag von Abg. K. H. W o l s. Abends 9 Uhr tu Steins Garten.

* Unser Wandkalender. Tie Auflage des Gießener Anzeigers ist in den letzten Wochen so erheblich ge­diegen, baß der diesjährige Vorrat unseres Wandkalenders vollständig vergriffen ift. Es wird deshalb demnächst ein Neudruck erfolgen und wir bitten Lille, die bis jetzt noch feinen Kalender erhalten haben, sich bis zur Fertigstellung dieser Neuauflage gedulden zu wollen.

Ordensverleihung. S. K. H. der Gro ß herz oa staben dem Hauptmann und Adjutanten der 5. Division Frhrn. v. Preuschen, seither Koiupagnieches im Leibgarbe- Jnfanterie-Regimenl (1. Großh. Heff.) Nr. 115, das Ritter- kreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deZ Groß­mütigen verliehen.

** Beim preußischen Ordensfest wurden nach Hessen und in unsere nähere preußische Nachbarschaft fol­gende Orden verliehen: der Role Aolerorden 4. Kl. an Postdirektor Bernius in Mainz, Postrat Pormann in Darmstadt, Oberstabsarzt Tr. Pust vom 5. Hess. Jnf.-Rcgt. Nr. US in Offenbach, Eisenbahnf<Aretär Rechnungsrat Schulze in Mainz, Hauptmann Wagner vom Jäger- jataiiloit Nr. 11 in Marburg, Oberlandmesser Wolf in Homberg (Bez. Kassel); der Kronenorden 3. Kl. Divisions­arzt Generaloberarzt Tr. Thiele in Darmstadt; der Kronenorden 4. Kl. Inspektor K ü st e r in Gieße n, Sekre­tär Perle-Wetzlar; das Kreuz des Allg. Ehrenzeichens uie Vizefeldwebel Rincke und Will). Schmidt in Mainz; jas Allg. Ehrenzeichen Bergrat Kramer I in Fellings hausen, Oberpedell Fischer in Marburg, Schlosser Kern in Marburg, Lokomotivführer Kleinmann in Kassel, Jnspeltor Lind in Tarmstadt.

** In Audtenz empfangen wurde von S. K. H tem Großherzog am Samstag u. a. Biiigerineister Tr. Kayser von Bad-Nauheim, sowie Felbbcrcimgungsgeometei Ludwig und Oktioiinchektor Ntäser von Gießen.

Aus bem M11 itärwochenblatt. Orbens- Verleihungen zum OrbenSfest 1909. Ten Roten Adlerorden 3. Klasse mit dec Schleife: Oberst Noc l bech en, Kommandeur der 25. Feld-Art.-Brigabe (Großh. Hess.), Geh. Kriegsiat Welter bei der Jntend. des 18. ^lrmee- forp§; den Roten Lldlerorden 4. Klasse: Kriegsgerichtsral Koch (Wilhelm) bei der Großh. Hess. (25.) Tiv.; den Kgl. Kroneuorden 3. Klasse: Obctfll. Krause beim Stade des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Dr. Thile, Div.-Arzt der Großh. Hess. (25.) Dio.; den Kgl. Kronen­orden 4. Klasse: Stabsveterinär Schneider, Obcrzahlrneistei Jung beim 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 61; dad JlUgcmcinc Ehrenzeichen: Unterzahlineisler Kühl int Inf.- Regt. Kaiser Wllhelin (2. Großh. Heff.) Nr. 116.

* * Todesfall. Im Alter von fast 81 Jahren starb am 12. d. M. auf fernem 0)nte Brotzen in Westpreußen der einstige (von 1887 bis 1890) Kommandeur der hessischen Tiviswn, General der Infanterie z. D. Friedrich v. Wifs- maini; er war am 23. Januar 1828 zu Potsdam geboren.

* Die Prüfuug int Htlfbeschlag haben bestanden und sind demgemäß berechtigt, den Hufdeschlag selbständig ausznüden Wilh. Schäfer aus Henchelheim, Konr. Phil. Schenk aus Stammheiln und Joh. Jost Rühl aus.Ober- ivalgern.

** Die Zukunft unsere r Töchter. Ter Vor­trag von Frau Joh. W ae schc r-Kvssel bedeutete für den Kausin. Verein wetbl. Angestellter einen glänzenden Er­folg: Frau Waeschcr sprach vor dicht besetztem Saale über Die Zukunft unserer Töchter, indem sie zuerst die Bildung der Söhne mit der der Töchter verglich. Sie führte aus, daß man dem Sohne gewöhnlich eine gute Ausbildung zu teil werden ließe, von der Tochter aber erwarte, daß sic sich bald verheirate. Verheiratet sich die Tochter aber nicht, oder ist sie während oder nach der Ehe gezwungen, für sich oder ihre Angehörigett zu erwerben, dann muß sic gar oft Arbeiten verrichten, die weit unter ihrcin^ Stande^sind, weil sie eben nichts gründlich gelernt hat. Für die Töchter der gebildeten Stände kam früher nur der Lchrcriuneuberuf in Betracht, in neuerer Zcic auch bei der Krcmkeirpflege und der kausmcütuische Berttf, so­weit es sich nicht um ein Univeriirätsstudrum handelt. Alic Eltern sollten ihre Töchter, je nach ihrer Neigung und Fähig­keit, in irgend einem Berufe gründlich ausbildeu lassen. Sclbstverftäudlich soll zunächu jedes junge Mädchen min­destens ein Jahr im Hausbalte gründlich ausgebildet wer­den. Staat und (4cmein Den müssen behilflich sein, durch eine Reform der Mädchenschulen und durch Gründmig von Fachschulen für Mädchen, den Töchtern eine bessere Mög­lichkeit zu gründlicher Ausbildung zu geben. Bon einer besseren Erziehung und einer braitqeueren Ausbitamtg der Frau ist mit Recht eine Gcsutrdnng des Fanttlieulebens und damit die der Gesellschaft und des Staates zu erwarten! Reick)er Beifall lohnte Frau Waeschers Ausführungen.

* * Goethes Far b e n th c o r ie. ES sei daraus hin» gewiesen, daß der Physiker Prof. Dr. König in betGie­ßener Freien Stud. ntenschast" einen Vortrag halten wird über bas Thema:Goethes Farstenthcoric." Er findet am Mittwoch, den 20. Januar, int (Safe Metro pol statt.

Vortrag Wolfs. Auch an dieser Stelle sei noch- malS an den Vortrag beS üsterreichifchen ReichSrals-Adge. ordneten Wolf erinnert. Der Vortrag, bei bent auch Damen sehr willkominen sind, findet um 9 Uhr in .Steins (Sorten* statt. Die Veranstaltung wird em rein nationales, kein po­litisches Gepräge Hatzen. Einladungen sind an alle bürger­lichen Parteien ergangen.

** Lustigcr Aden b. Morgen ftttdet in Sterns Saal­bau der einmalige Vortragsabend von Marcel'l Saizer statt. Wer den betaunten jungen Meister nur einmal gehört hat, weiß, welch gediegener tunsUer.scher Genuß, tvelch selten schöne Unterhaltung seinem Publikum winkt.

eScc Eoang. Arbeileroerein veranstaltete am letzten Sonntag im AeremSlokal seinen 4. Vortrags­abend, der sich eines guten Besuches erfreute. Nach einer furzen Begrüßung durch den Vorntzenden Otzertzttzltothekar Dr. Heuser hielt Dr. med. Müller einen äußerst inte- reffanten Vortrag über Australien. Tic Llnwesenden üer­folgten die Ausführungen deS Referenten mit großer Auf­

merksamkeit und spendeten am Schluß des Vortrags reichen Beifall. Ganz besonberS gefielen bie Echildert>ngen über bie eignen Erlebmsie beS Vortragenden rvöhrenb seiner dortigen längeren Wirksamkeit. Tie einzelnen Ausführungen ge­stalteten sich durch die Vorführung von Lichtbildern sowie bie Vorzeigung von Gebrauchsgegenftänden besonberS inte­ressant. Zum Schluß bankte bcc Vorsitzende bein Rebner bes Abends für die intcresfantcn Ausführungen wie auch Prof. Koob für die Ueberlaffung des LichtbltderapparatS so- ivie die Vorführung der Lichtbilder.

ee A m Sonntag feierte der Zweigoerein Dießen und Umgegend des Bundes deutscher Nttlttäranwärter lin (Safe Ebel den Geburtstag Sr. Mas. des Katsers, verbunden nut Weihnachtsverlofung. Ter Saal war biS auf den letzten Platz besetzt. Nachdem der 1. Vorsitzende em Hoch auf den Kaiser auSgebracht hatte, trug Fräulein WaaS unter großem Beifall einen Prolog vor. Alsdann erfolgte die WcihuachtSverlosung. Bei Gesang und Tai'z enlflol en die Stunden nur allzu rasch und die Teilnehmer trennten sich erst nach Mitternacht.

** W ie sich die Phantasie der Kinder wegen des Lustmordes im Walde gesteigert bat, beweist solgendcr Fall: Gestern nachmittag 4 Uhr erschien in einem Bäckerladen in der Stein- straße ein kleines Madä)en und holte einen Laib Brot, dabei erzählte es, daß es soeben auf der Straße von einem Manne nach dem Wege zum Philosophenwald geiragt worden sei. Ta iUfällig auch gleich zwei Schutzleute in die Backerei tarnen, fragen auch diese das Kind und es wiedertzolte feine Angabe, aber die SchuNleute konnten den Mann nicht entdecken. Bis zum Abend hatte das Kind sich die Sache weiter auSgebaut und erzählte seinen Eltern, zwei Atamter kitten cs angesprochui, mit in den Wald ju gehen, der eine habe es festgehalten, der andere ihm beide Hände züsamrnengebunden und als Die beiden Schutzleute gekommen, feien die Atauner sortgelausen. Tas Kind hatte inzwisck)en auch noch einem andern Kinde die Geschichte erzählt und dies bestätigte dann, daß cs den Vorgang mit angesehen habe. Ter Vater d-es Kindes erschien dann nod) abends auf der Polizei um Anzeige zu machen und brachte die beiden Kinder mit, da aber die beiden Schutzleute, die die Sache mit angesehen halten und anwesend waren, klärte sich die Sache als harmlos auf.

** Ausgerückt. Seit Weihnach^aoend ist die Inha­berin eines Ladengeschafis am Seltersweg, Fräulein A. Fischer, verschwunden. Wie sich heransgestellt, hat fic nicht nur den Ladenvennieter, sondern auch andere Geschäftsleute herein- julegen verstanden. Schon als sie den Laden mietete, er,; if)lte sie Lern Vermieter, sie habe ihrem Brnder 2000 Mark geliehen, die Dieser im Herbst zurückzahle, und erlangte daraufhin von dem Vermieter ein Darlehen von mehreren hundert Mark, die sie angeblich ins Geschäft steckte. Ter Herbst kam wohl, aber die 2000 Mark blieben aus und so verschwand die Perion und der Vermieter hatte das Nachsehen. Die int Laden gebliebenen Warm deckten nicht die Miete, geschweige denn das Darlehn und die lonftigcn Verbindlichkeiten. Eine Untersuchung gegen die F. ist eingeleitet, da der Bcnher mit den 2000 Mark gar nicht qp stiercn soll.

** Tie reiche Miß. Vor einigen Tagen logierte sich in einem hiesigen Gasthaus eine Frauensperson eilt, die sich als reiche Engländerin ausgad und angeblich ein Billet itach Vliessiiigen hatte. Abends lud sie die Wirtin und einige Gäste zu einer Bowle ein. Ta die Wirlin diese aber nicht l)erstelltc, bestellte fic Wein und sagte, ein Pfund dürfe die Zeche ausmachen. Sie renommierte dann mit Schecks, die fic bei sich führe, und fchimpfte weidlich auf einen Bankier, der ihr beim Wechseln eines Schecks zu viel abgenommen habe. Als es am andern Tage ans bezahlen ging, hatte die Person fein Geld. Tie Polizei nahm sich ihrer an und stellte fest, daß es sich um eine wegen Betrugs mehrmals vcrbestrafte Person aus Gotha handelte.

In Amerika verstortzene Hessen. Frau Frie­derike Klünder aus Gcüntzerg, 59 Jahre alt, zu Konoscha, Wtök.

i. Klein-Linden, 18. Jan. Ter Kriegerverein hielt geifern bet guter Beteiligung seine Hauptversamm­lung auf derBurg" ab. Der Vorsitzende wies auf die Be­deutung des 18. Januar als den Tag der Wicberaufrichtung b.'s deutschm Reiches hin und brachte ein Hoch auf Malier und Groß­herzog aus. Tann verlas der Vereinsrechner Ph. Mandler beit RechnnngsberickK über das Jahr 1908. Darnack) betragen die Einnahmen ca. 400 M., bie Ausgaben 373 M., das Vereins- vermögen beläuft sich auf etwa 530 M. An Unterstützung für bedürftige Kameraden wurden aus der Vereinskasse nahezu 90 M. bezahlt, zwei Halbwaisen erhielten zur Kvnfirniatwii vom $ ertaub je 10 M., zwei Kamerwden als Unterstülcung 50 M. Vom 1. Jan. 1908 bis 1. Jan. 1909 traten 23 Mitglieder dem Verein bei, eine Zahl, die seit Bestehen des Vereins nicht erreicht wurde. Tie Mitgliederzahl ist auf 110 gestiegen. Tas Andenken der vier verswrbenen Mitglieder würbe durch Erheben von den Sitzen geehrt. Bon besonderer Bedeulinig war die Anlage eines Schieß- st a n b e s hinter der Burg. Tie Eröffnung war mit einer Gra- velottefeier verbunden. Kaisers und Großherzogs Geburtstag wur­den in schöner Weise gefeiert. Taß bas Vereinsleben in 1908 recht rege war, geht auch noch daraus hervor, daß 42 .Hessische Kamerad" gelesen werden und 89 .Hassiakalender abgesctzt wurden. Zur Sterbckasse wurden 17 Anträge abgeschlossen, 5 weitere stehen bevor. Mügliederversammlungcn wurden ad*t abgehallni. 'Als dieueinrichtnng wurde eine VereinL--Slainmliste angelegt. Zur Ehrung der Kriegcveleranen soll int Frahw.hr ein Schcibenschießm abgetanen werden. Tas Winterfest soll verbnnd.m mit der Ge­burtstagsfeier des Kaisers am 6. Februar in derTentschen Eiche." stattsindeit. Tie Vvrsiandswabl ergab die Wiederwahl fast des b'*' n Vorstandes, als Beisitzer wurden neugewählt PH. Jung un.) Schön. Der Burschende teilte mit, daß nach Mit­teilung des Vorsitzend.n deS .Hassia-Bezirfs Gießen, Lehrer Daab- Lollar, ein Besuch der Schlachtfelder um Metz mit einem Abstecher nach Straßburg für Pfingsten 1909 geplant sei. Nach Schluß der Beratungen 'childcrtc Veteran Stecher Episoden aus den Kämpsen nm St. Cuauui 1870/71. Ter "2. Vorsitzende 2 öngeS dankte dem Redner und toastete aus die Kricgsoeteranen. Der Gesang von Vaterlands- und Soldatenliedern verlieh der Haupt­versammlung einen schönen Absck-taß.

ta. Lich, 17. Jan. Gestern abenb veranstaltete die Prä- paranden an st alt ivieder pinai Unterhaltungsabend nn Stein scheu Saalbau, der bis auf den letzten Platz gehillt war. Die Schülervvrfuhrangen, die in Chorge'angen, Vrolin» uiti) Klavicrvorträgen, sowie Cranuiitfden Tarstellungcn bestanden, geben der Leistungssäliigkeit und dem Monncn der Anstalt das beste Zeugnis. Was u. a. die Änfiuhrung ses Th^terstucksTer Vetter von Bremen" ancelangt, so mizß es Vorsteher Lorenz als ein Vero-icnlf zugcsckuieoen werceig, daß er cm Werkch.n eines Tickücrs berücksichtigt.tat, der lcuder auf Der Bühne nicht mehr in Dem Maße zu Worte tommi,- als c- cm Mann wie Th^dsr Monter vigcntlid". verdient, .'tad? bi. betannte Schul-

gewißes tünillcrücf s Gepräge erhielt äer-cnb durch die Mit­wirkung des Kvpzernneisteis und Violiitkünstlcrs Otto Sol da n tvn p.'iarburg. '.Unt Den beiden ersten ^Sätzen aus DemKonzert für Violimn von Mendeissohn-Bartstoldil" führte sich H^rr Svldan in einer überaus vorteilhaften Weise dta sicheret Tcä)niker ein. Dem man sofort annurf., MH er Die 6uibrurfe einer guten Schpile «US gereister Künstler iclbftänrig und prjaUisch zu verwerten weiß. Uno was besonders sirr Die KiursKerfa^ft Sierra Soldans sprach.