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19.1.1909 Erstes Blatt
 
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Ende 9s|t Uhr . 6 50 bis Mk. 2.- im VorverW iäienhandlnng, «-wie a * dktsse.

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Dienstag IN. Januar 1909

159. Jahrgang

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

hat ihm eine gütige Fee in ine Wiege gelegt, avcr ihm fehlte! tut Letzten der künstlerische Geschmack, der orbncnbc, klärende rn-

SonntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamllikNblätter; zweimal wöchsnll.llrris- blattsürdenNr<l§Eiehen (Dienstag unö Bretton); zweimal monall. Lantz- wirtschaftliche Zeitfragen siernsprech - Anschlüsse: jüt die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse fut Depeschen:

Anzeiger Gicßcu.

Annahme von Anzeigen tut die Tagesnummer «nfaftAtKi bis vormitlag-ö 10 Uhr. lWlUlUIU

Politischer Klatsch beschränkt sich, wie eine Parlier Meldung erkennen läßt, durchaus nicht aus Deutschland allein. Die französische ino

Sttüimungsbilö aus dem Reichstage.

Berlin, 18. Jan.

Die Balianliiiis.

Gestern nachmittag ist die Unterzeichnung des Protokolls über lürkisch-österreichisch-ungarischen Berhairdlungen durch den Groß- mesier und Botschafter Markgraf Pallavicini in Konstantinopel erfolgt Tie Verhandlungen sind damit in Konstantinopel be­endet. Das Protokoll wird nach Wien zur endgiltigen Annahme burd) die österreichische Negierung geschickt, worauf Oesterreich innerhalb von 15 Tagen 2y2 Millionen Pfund der Türkei zahlt. Wie verlautet, befindet sich in dem Protokoll ein Artikel, nach welchem die Bekenner des Islams in Bosnien und in der Herzego- mna das Neckst erhalten sollen, als türkische Staatsangehörrge nach der Türkei auszuwandern.

Ta der Vertrag zwisck)cn Oesterreich-Ungarn und der Türkei nun glücklich unterzeichiret ist, kommen die russischen Freunde ber ©erben mit ihrem interessanten aber doch sehr bezeichnender: Vorschläge etwas zu spät. In einem Telegramm derslavischen Wohltätigkeitsgesellschaft aus Moskau wird Serbien nämlich empfohlen, das österreichisch-ungarische Angebot in Kon­stantinopel zu überbieten und 200 Millionen Fres. für Bos­nien und die Herzegonj ia anzubieten. Das Geld werde für diesen Zweck nicht schwer zu iniben sein. Wie in Pariser diplomatischen teilen verlautet, hätte der serbische Gesandte vor einigen Tagen >em Minister des Aeußern, Pichon, einen Besuch abgestattet und darauf bestanden, daß Serbien auf seiner Forderung einer Kompen­sation für die Abtretung eines Streifens bosnischen und herzego- oinischen Landes beharre. Minister Picken habe darauf erwidert, daß ein solcher Anspruch nicht gerechtfertigt sei, der Oesterreich- llngarn nur reizen könne, und daß er Serbien nur raten könne, ms seine Prätention zu verzichten um rascher zu einer fried­lichen Verständigung mit Oesterreich zu gelangen.

Auch Montenegro scheint wenig geneigt zu sein, seine Ansprüche auszugeben. In der Neujahrsnacht hielt nämlich Fürst Nikolaus eine die schweren Zeiten beleuchtende Rede und forderte auf, sichbereitzuhaltenbis Zu dem Tage, an dem Montenegro fein Recht mit dem Schw er t e v er t eidi g e n müsse. Der Erb­lind habe sich in den Besitz von Bosnien und der Herzegowina gesetzt. Aäontenegro bliebe nichts übrig, ebensowenig wie Serbien.

Was endlich Bulgarien anlangt, so wurden in den letzten tagen von den Vertretern der Großmächte bei der bulgarischen Negierung Schritte unternommen, um sie zu einer Erhöhung ler der Türkei, angebotenen Entfckstidigungssumme von 82 Millionen zu bewegen. Ebenso wurden Schritte bei der Pforte getan, um sie zu größerer Nachgiebigkeit gegenüber Bulgarien zu veranlassen. 'Nach Versicherung amtlicher Kreise besteht an den zuständigen bulgarischen Stellen die Neigung, trotz der gegenwärtigen un- Mstigen finanziellen Lage das Angebot entsprechend zu erhöhen, sa.lls die Großmächte ihren Einfluß bei den auswärtigen Banken dahin geltend machen, daß Bulgarien unter günstigen Bedingungen eine auswärtige Anleihe abschließen könne.

Der erste Tag der Etatsdebatte war in den Kreisen der Botksboten nut einiger Spannung erwartet worden; ging doch die Rede, Fiirsl^Bülow werde selbst gleich zu Beginn der Etatslesung das Won nehmen, um nicht nur reine Eiaissragen zu behandeln, lind beinahe ichien es, als sollte die Erwartung derer, die aut des Kanzlers Offenbarungen harrten, nicht getäuscht werden. Ter Platz des Mimsterpräsidenten, den Herr v. Rheinbaben sonst gern okkupiert, blieb frei. Nicht lange, da erschien denn auch der sJ)h- nifterpräfibent, ungewöhnlich ernsten Antlitzes. Uber er blieb

Vejugspret 3: nwnatlich75Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.- viertel- jährt ausschl. Beslellg» Zeilenpreis: lokal IbPfo auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil, für('fouflleton* und .Vermischtes": Ernst Anderson; fürStadt u. Land" und(Sericbto-

Und so ist eS uns oft gegangen mit Wildenbruch in dem letzten Jahrzehnt meines Lebens, nachdem er seine berufliche Stellung verlassen und in der Stille von Weimar, an der Stätte, wo am reinsten die großen Geister unseres Voltes schweben, sein Tuskulum Lufgeschlagen. Wie Ü^.c getreue Eckart stand er auf der Wacht, von hoher 2Larte ans die Strömungen des Tages betrachtend unb beurteilend. Hell u'nb laut erklang seine Stimme in allen iyragen nationalen Lebcsts, nwchte es sich um den Burenlrieg oder um den Kmnpf gegen die Schnirdlitleratur, um die Erhaltung des Heidelberger SüstossLs oder um die Freiheit unserer Uni­versitäten handeln. SeineMahmvorte" strömten leidenschaft­lich dahin als Ergüsse "einer lief erregten Seele; prophetisch und hynurenhaft llang feine Rebe; sein Angriff war Sturm auf die feindlichen Schau zen; es tag etwas vom altgermanif''1"* Berserker in der Wut, miti der er sich auf alle Feinde das Wal

türm I sauren Gruppierung, der spannende ischen tn wundervoller Weise gelungen. ,

hren, | blühende und starke Phantasie, den Sinn für szenische Wirkungen

3um Tove Ernst von Wilöenvruchs.

Es ist in unserer Zeit, da Kunst und Kultur ;o getrennte Wege roanbcln, für einen Dickster doppelt schwer, sich einen Platz an Herzen seines Vo.k.s und eme feste Stellung in seinem geistigen ßtben zu erringen- Plan weiß, wie schwer das Gottfried heller zeivorden ist, und wie es Raaoe immer noch nickst gelingen mag. Wildenbruch ward diese Gnade eines gütigen Dichterschicksais früh ptteil. In begeisterter Anerkennung uni) erbittertem Widerstand ivard sein Name in Seit achtziger Jahren durch die Reihen der Jugend getragen und fand Wioerhall in allen Kreisen. Seitdem hat er aufrecht und frei gestanden in dein schwankenden Auf und Ab der Stile und Künste, dem Neuen bald feurig hingegeben, ein ivackerer Kämpe selbst im Gewirr der Mellmngen, doch stets das Innerste seiner sDichterart treu uitd fest bewahrend. Unb all­mählich wuchs seine Gestalt empor Über die der Mitstrebenden; selbst die, die ihm den eifrigsten Widerstand geleistet hatten, gewöhnten sich daran, seine> Art und seine Kunst als etwas hin- mnehmen, das zu den belebenden Faktoren unserer geistigen Entwicklung zählte. Die bedeutenden Züge, die ihn zum Reprä­sentanten spezifisch deutscher, in unserem Volksgeist unverändert fortwirkender Elemente machten, traten immer mehr hervor; immer mehr erkannte mait in Wildenbruch die Werte, die als ein Ferment in dem auseinanderstrebenden Widerspruch der verschiedensten Geistesrichtungen erjdeinen mußten, strick) sich aus den wunder­lichen Irrwegen unserer Neuromantik und der Preziosen Slll- kunst zu feinen natürlich leidenschaftlichen Pathos zurück. Das haben wir so recht bei der Premiere seinerRaoensteinerin" ^m Schauspielhaus in Berlin vor zwei Jahren erlebt Wie eine Er­lösung wirkte da diese einfach echte, an die großen nationalen Vor­bilder angelernte Menschlichkeit, die aus den breit und behaglich gemalten historischen Szenen warm ins Herz strömte. Verwundert iah man mitten in der labyrinthischen Wirrnis eines modernen Lheaterwinters, der so viele Tragelaphen geboren, ewige Güter unserer nationalen Tradition sich anspruchÄos entfalten, die nur unter all der vielgestaltigen Fremdheit fast vergessen Hattern

angefacht waren. . . . , , .

Es war das Große uni> Unverlierbare in W ckdenbrnchs Wei en, daß eine reine und starke poetische Kraft in all stimm Tun, Reden und Dichten lebte. Sie war nicht^zu einem Hellen und klaren Seelenseuer geläutert, wie es in Schillers und Kleist s reifsten Werken entgüinbet ist, sondern sie stieß mit ihrer belebenden Wärme zugleich Schlacken und Asche hervor, drohte nicht selten, die künst­lerische Form zu zerstören. Sein leicht bewegter, an Allem in Haß und Siebe anteiinehmender Geist lic ßstch von fremden Ein­wirkungen stark beeinflussen; so hat er viele Elemente in sein Weik auf genommen, die die Reinheit seines eigensten Künstler­wesens verdunkeln und beeinträchtsgen. Der Hang zu den Nacht­seiten des Ledens, die Sucht nach der Gestaltung des Psycho­logischen und Pathologischen, der Zug zum Realismus, die ihn überall in der Kunst feiner Zeit umgaben, haben ihn zu Stossen unb Formen hingerissen, in denen sich seine ursprünglich^ Anlage nur gehemmt und verzerrt entfalten konnte. Wer Wildenbruch gerecht "iverden will, wird sich aus der vielbändigen Reihe seiner Schriften, aus der verwirrenden Fülle seiner 9iomane, Novellen, Dramen, Balladen, Gedichten und politisch'-xisthetischen Äußerungen jene Grunoellmente erst heraussuchen müssen, in denen der Reiz ferner Persönlichkeit wallet, in denen die spezifische Schonstett seiner Kunst liegt. Das sind einige seiner frühesten Dramen, der heroischeHarold", das tragisch-gewaltige SchauspielVäter und Söhne", der tiefsinnigeMeniwnit", bann der genial hingewvrsene Christoph Marlow"; in zweiter Linie die prächtigenQuitzows", das farbenreiche Präludium seiner großgeplanten und bann abge­brochenen Reihen von Hohenzollernstäcken, einige seiner Balladen, leine wundervollen Lkindergeschichten und von den Romatierl viel­leicht am besten der letzte, die an erstaunlichen Schönheiten )o überreiche Lebens- und LiebesgeschichteDas schwarze Holz".

TaL Beste in Wildenbruch, das ist jener innere Wefenszug, der in ihm an die Welt Schillers, Kle.sts und Grillparzers aukilüpst, jene fortreiftenbe Leidenschaft, jenes hohe und edle Pathos, jener stolze Jdealisnms, der den Dramatiker macht. Wildenornch war unser grösster Theatraliker, der seit dem 2obe des Tell-Schöpfers au.erstairben ist. Ihm fehlte die erfabene ethtsche Grosze Schülers; ihm fehlt seine geniale, ins Twiste cindringende, bwinatoruche Belebung der Geschichte, die reine unb geläuterte Schönheit feiner Kunst Aber die fortreißenbe Wucht bramatiidjen Gesck>ehens, bie ans dem Einsetzen einer begeisterten Persönlichkeit yervor- wächst, die Krast der szenischen Gestaltung, der theatralisch wirk- [amen Gruppierung, der spannenden Kvmposllwn, all das ist ihm .-<-------. Eine reichgestaltende Kraft,

Sckfonheit läutert. Neven hinreitzend fchonen stellen flehen banale ckcodvnwntaden, neben einem tiefergreisendeu Akt eine <Aene, die aurch chre unmögliche Häufung von Effekten verletzt. 'Bas, svas unsere modernen ^lestheten vielleicht zu viel Haven, den teinen Takt, die raffinierte Technik, bie feilende unb jifilierenbe ?yor- mung, bat fehlt diesem naivem draufgängerischen Balent, die,em aus dem vollen einer reick-en Natur schöpfenden Dachcer durchaus. So ist ihm benir nur ein großer Wurf gelungen, wo em.günstiges Geschick ihn vor den Ertravaganzen seines Theaterblutes behütete mtb der Stoff ihn nicht zu tollen llebertrcibungen verlockte; bet einfachen und schlichten Begebenheiten; in zarter und stiller Er-» zählung offenbart er oft ungeahnte Feinheiten, die immer wieder von feiner dichterischen Größe Zeugnis ablcgen unb uns auch Liebe unb Verständnis einflößen, aufmerksamer auf die verfchwie- gelten Schönhellen zu laufdftn, die sich unter dem bunten Gewebe und der oft ausbringenden Pracht anderer Werke regen.

Wlldenbruchs viel deklamierte Battadeii, die den hochtönend, grandiosen Stil Freiligraths uni$ Strachlvitzens zu einer höchst brillanten und packenden Wirkung steigern, zeigen bereits die mitfühlende Kraft und zugleich auch das gefchickte Arrangiettalent des Ticksters. Sie ziehen unwillkürlich, wie auch die beiden kühn malenden, glei'ch einem Rellergeschwader baherstürmendcn Epen , Vionvllle" unbSedan", in ihren Bann. Doch erft allmählicl) merJt man die stimmungsvolle Wucht der Bilder, die den mäckstigen Seelenton, der unter der Flut der drähilenben Verse bah iura ns äst. Besonders die beiden Heldenlieder aus dem dentsch-französisck-eu Kriege, bie den besten Schlachtgedichten Scherenbergs ebenbürtig zur Selle stehen, haben bie volle Resonanz jener stolzen Helden- zcll vielleicht allein un unserer Tichtung bewahrt. Dieser patriotische frische Ton gibt auch einem seiner ersten DramenVäter unb Söhne" feinen Reiz. Tie Zellen von 1807 und 1813 sind in theaterwirksamen Bildern vorgeführt und in ihrem Stinimungs- gehalt lebendig bargcjtellt. Wildenbruch vermag nur einfache Mo­tive glaubwürdig zu gestalten; wo er komplizierten psychologischen Vorgängen nachgebt, wirkt er vielleicht gequält und absichtlich. Tas zeigten schon dieKarolinger", die mit ihrer szenischen Wucht den Tichtcr 1881 zuerst berühmt machten, aber voller psychologisckfer unb sachlicher Unmöglichkeiten sind. Wildenbruck-s heißem Be­mühen ist es bann gelungen, einzelne seiner Tramengestalleit seelisch zu vertiefen. ImVlennonit" unb imNeuen Gebot" zeich­net er einfache und primitive Menschen, in allgemein mensckstichen Konflikten, im Herms mm Ka.nps gegen die fic in Schuld ver­strickende Außenwelt. Toch liegt der Wert der Wildenbruchschen Dramen nickst in ihrer Eharalleristik, sondern in der lebendigen Abrundung emzelner Episoden unb in prachtvoll auf gebauten sze­nischen Silbern. Ein vollendeter Meister in der Entwicklung der Exposition, in der klaren unb packenden Einstellung der GegenB sätze und Probleme, die zur Lösung drängen. Zn gewaltiger Stci-

Die Tagesordnung der heutigen Sitzung verzeichnete das schier unglauoliche Ereignis einer Etatsöeratung ohne Reso­lutionen. D ie Ursaast liegt bar in, eine Reihe wichtiger Reformen, mit denen sich die Reiolutionelt der früheren Zähre beschäftigt haben, angenvlicklich, wie Dr. WagiiLr sich ausdrückte, auf der Achse "des Reichsjustizamtes liegen: eilte dfooelle zmn Zivilprozeß, ein neues Strafgesetzbuch, eine neue ^strasprozetzord-1................... . s

nung unb nach deren Abschlutz ein auch bereit in der Vorbereitung I 'tumrner Zuhörer; der P.ontenr, wo ihm ein Cmgrenen tn die

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

druck und Verlag der vrüh!'jchen Unw.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul,trabe 7. y^.gentert-^&Vea.

begriffener neuer Sttasrw l^ug. Wie bekannt, hat man f ch ent- fchioisen, noch vor Absckstutz der Neuorb.iang des Strafprozesses einige M ißstände, die fich in der praltifchm Rech spslege besonders unangenehm bemerkbar machen, in einer befoitoeren kleinen 9co- veile von. ?g zu erledigen. Fm Bundesrat hat diese Novelle noch nicht ihre formelle Erledigung gefunden, darum befriedigte Dr. Nieberdiiw, alter Hebung gemäß, die Neugierde nach ihrem In­halt nicht, ließ aber doch ducchvlicken, daß die kurzen Mtttetlungen nt der Presst ihn richtig miebergegeben haben. 9tur in einem Punkte ergättzte er in Erwiderung auf -Ausführungen des sozialdemo- kratiscken Redners diese Andeutungen, indem er mitteiite, daß, wenn der Beleidiger es wünscht, Don der im übrigen in Aussicht genommenen Einschränkuna des Wahrhei.s^eweists Abstand ge- iwmmen werden soll. .

Der Staatssekretär will zunächst das ^chtchal des parallelen preußischett Entwurfs abniarten, sagte aber zu, wenn nötig, auch ohne Preußen vorgeheit zu wollen. Eine längere Aussprache fand, wie alljährlich, über die Notwendigkeit einer Entlastung des Reichs­gerichts statt. Tie Abhilfe, die man sich von der Erhöhung der Re­visionssumme versprochen hat, ift nicht eingetreten. EsZvurde der Vorschlag gemacht, nur die zwischen Landgericht und Ooerlandes- gericht streitigen Sachen dem bieichsgericht zu überweisen. Herr Nieberdiug erkannte das Bedürfnis der Entlastung ebenso an mie die Redner aus dem Hause; er beschränkte sich aoer auf bie negative Erklärung, daß keinessalls eine Vermehrung bet Senate tn Frage kommen könne, da das auf. eine <&M)igung der EinhettllchkeU der Rechtsprechung hinauslaufen würde.

Tie unerquickliche Angelegenheit Eulenburg wurde von fast allen Sellen scharf besprochen: von den Hentrumsabgg. Belzer unb Becker- Köln, dem Nationallioeralen Dr. Heinze, dem Sozialdemokraten Deine, dem g-reif innigen D v. Ablaß. Sie alle stimmten in dem Verlangen überein, daß man auf das ernstlichste bemüht sein müsse, die Sackst -um Abichluß zu bringen, wenn nicht das Ansehen der r-ieckstspslege ulcheii- vollen Schaden erleiden soll. Der Staatssekretär nahm ine be­teiligte Justiz gegen Angriffe in Schutz und machte Mrltetlung von der Einhviung eines ärztlickstn Ooergutachtens, dessen Aus­fall für die weitere Erledigung der Sache enlscheioend fein wtrd.

Ter Zentrumsredner kam auf die dieser Tage im preußischen Abgeordnetenhaus verhandelte Frage der U n s i 111 i ch k e i t unter künstlerischem Deckmantel zurück und verlangte neben einem internationalen Vorgehen gegen den Schmutz in Wort unb Bild den Ausschuß von Künstlern als Sachverständige, der Sozialdemokrat Heine trat dem entgegen.

Der Vertreter der Nationallioeralen, ixr sächsische Landgerichts- bireftor Dr. Heinze äußerte seine (Genugtuung über manche Zeichen fortschreitender Entwickelung, auch in geistiger und wirt­schaftlicher Beziehung, als welche er besonders auch die Bildung der Richtervereine ansieht, unb er richtete das dringende Ersuchen an die Justizverwaltung, diese nicht zu bekämpfen. Der soziale Zug der Zeit trete auch in unserer Rechtsprechung immer mehr zutage, und auch das tlieichsgericht verschließe sich nicht der Kritik an feinen Auffassungen. Darum glaubte Dr. Heinze, daß es einer allzu häufigen Aenderung der Gesetze nicht bedürfen werde, und daß vor allem auch der Ruf nach Sondergerichten mehr und mehr verschwinden wird._________________

Stimmungsbild aus dem Mich. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 18. Januar.

Tebaue nüyitd) eiidfcincu ivni.de. ift cnn ersten Tage der Etaw» debatte nicht gekonnnen. Taß Fürst Bülow in dieser Etatslesung zu sprechen gedenkt, steht fest; das und noch mehr ermlft man. Noch mehr: nämlich, daß der Pliuisterprasident dem Hause einige besonders bemerkenswerte Eröffn ungen zu m a ch e n habe. Nun, man mußte seine Wißbegier zügeln, erst morgen, vielleicht erst übermorgen wird Fürst Bülow, um mit fernen Leuten zu reden,den geeigneten Nkomeut für fein Em- gvei'en in die Debatte für gekommen erachten". Warten wirs ab, was hwter dieser Geheimnistlierei sich verbirgt! Die Elalsdebalte, in der am Montag nur die Abgeordneten v. Pappenheun, Dr. Friedberg und Frhr. v. Zedlitz zu Worw kamen, verlief ziemlich eintönig. Ter Konservative leistete sich, neben einer unbeträcht­lichen Etatsllitik, ein ziemnch deplaciertes P r o n u n z i n m e n t o gegen die W a tj l r c d) t s r e i o r m, das von seinen Freunden natürlich lebhaft applaudiert wurde. Dr. Friedberg, der nat.-hb. 'Jiebner, der Herrn v. Rheinbabens Eiatstechnik und Etatstaktck mit Sachkunde und Geschick durchhechelte, gab. den toniervanven Wahlrechtsgegnern ein paar gründliche Nasenstüber, unb Frist, v. Zedlitz redete den Beamten wegen ihrer allzu begelstllchen Agitation eindringlich ins Gewissen. Ätil dem Etat war niemand znirleden, und m diesem Punkte befinden sich die Herren Volks- boten einmal in völliger Ucberchiflimnumg mit ihren Wählern. Herr B r e t t e n b a ch sprach noch kurz und ohne rechte Jreudig- teit; so verhallte denn auch seiner Worte Gefüge ohne jegliche Wirkung.

polrtttzche LcsgesjcL-an.

Der Berliner Besuch des englischen Kontgspaares.

Wie von London au5 amtlich er Härt wird, deabsichllgen der König und die Königin, am 8. Februar von London ab- zuretsen und am 9. Februar in Berlin eiuzulreffen. Die Rückreise soll am 12. Februar angetreten werden, damit sie zu der am folgenden Tage stattfindenden feierlichen Eröffnung des Parlaments wieder in London find. In der Presse^ finden sich schon jetzt Hinweise auf bie Bedeutung des Berliner Besuches. Die ^Westminister Gazette^ weist auf die Wochen- rundschan der ^Rordd. Allg. Ztg." hin, welche bie Hoffnung ausgesprochen hatte, daß der Besuch der englischen Majestäten die Entwicklung guten Willens in Deutschland und England zur Folge haben werden, und bemerkt hierzu: Wir erwiderst herzlich diese Anschauung und können unseren deutschen Zeit- genoffen versichern, daß das englische Volk ebenso bereit ist wie das deutsche, dem gegenseitigen Argwohn ein Ende zu machen. Wir haben nicht den Wunsch, Deutschland isoliert zn sehen. Wir sahen ohne jeden Groll, iüie die Bande zwischen Deutschland und Oesterreich zum wechselseitigen Vorteil beider Länder und deswegen auch zum Vorteil des europäischen Friedens im allgemeinen stärker wurden. Das ist eine gute Sache, welche bie jüngste Krills gezeitigt hat, unb wir hoffen, sie wird von dauerndem und festigendem Einfluß auf die Angelegenheiten Mitteleuropas sein. In industriellen und Handelskrersen von Paris und der Provinz erwartet man von der Berliner i Begegnung des Königs von England uud des Deutschen 1 Kaisers kräftige Impulse für den durch die politischen : Wirrnisse der letzten Zeit schwer geschädigten Außenhandel.

Guten, Schönen, auf alle Machtgeisher unb bie lichtscheuen Nei-

dmqe des geliebten Vaterlandes stürzte. Die Feuerseele, die in ; -x-u, ...

»et unbebauten Straft feinet b«.Äin^n%5eMtetI«n toten banale

leuchtete fort als em Flammenzeichen der Begeisterung vor allem Volke unb wies den steilen Pfad tzu jenen hehren Altären, aus

Denen nach die Glut deutschen Wesens unb echter Begeisterung

Nr. 15 j Erstes Blatt

Der Stetzener Mzeige§^ _

erscheint täglich, außer