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18.1.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 14

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamlttrnblätler; zweimal wöchentl.Ateir- dlatl sür den «reis Siehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirlschaftlicheSeltsragen Jernfprech Anschlüsie: füt die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt

ISS. Jahrgang

Montag 18. Januar 1909

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

B-zngspretS: mona U ich 75 Ps^ viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Ädhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- jährt, ausjchl. Bestellg, Zeilenpreis: lokal IbPf^ auSwärtS 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil, für .Feuilleton" und .Vermischtes": Ernst Anderson; für .Stadt u. Land" undGerichts-

Hofnfiottsfcrw! und Verlag der vrühl*sche« Unlv.-Vuch- und ZteindruSerel R. Lange. NedaNlon, Expedition und vruckerek: Zchulstra?e 7. fr01";

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Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

Die valkankrlsls.

Die Freude über die Verständigung zwischen Oesterreich-Ungarn nnd der Türkei fdjfcint dock) etwas verfrüht gewesen zu sein. Wenig- stens wird der Franks. Ztg. aus Konstantinopel gemeldet, daß dort am Samstag in versänieüenen politischen und Abgcordneten- kreijen das österreich-ungarische Angebot scharf kritisiert worden sei, nicht wegen der Höhe des Betrages, sondern des Novums ioegen, aus ottonranisd-es Gebiet für eine Geldsumme zu ver­zichten. Es seien hierbei Ansichten zutage getreten, die mit der von Kiamil Pascha verfolgten Politik schwer zu vereinbaren sind. Eine Reihe vonAbgeordnetenwill von der Geldindemnität nichtswifsen. Wenn es dem Großwcsier nidjt gelingt, die Gegensähe auszugleichen, dürfte das österreid>isch--türkische Pvotololl im Parlament bisher nicht erwar­teten Schwierigkeiten begegnen.

Am Samstag hat nun eine Konferenz zwischen dem Mark­grafen Pallaoiciiu und dem türkischen Großrvesier stattgefunden; sie dauerte 3 Stunden und ihr wolMe auch der türkisd-e Minister des Aeußern bei. Es handelte sich darum, die einzelnen Punkte des Protokolls sestzustellen. Tie Nachrichten Wiener und deutscher Blätter, wonach die Verständigung bereits das Placet des türkischen Ministerrats erhalten hat, ist unrichtig. Es ver­lautet, daß als Schiedsrichter in der Frage, ob die zur Ablösung gelangeubcn bosnischen Tomänen und Forsten Staats- oder Pro- vinzialeigLntmn seien, der deutsche Delegierte der Dette publique Varl Testa in Aussicht genominen sei. In der Konferenz zwischen Pallavicini und dem Großwesier Kiamil Pasd)a nmrden insbe- sondere die Details über die Bezahlung der Abfindungssumme und alle anderen Vorschläge bcsprod-en. Die Bezahlung soll in Drei Raten erfolgen. Kiamil Pasd)a erklärte auf eine Anfrage nach dem Stande der Tinge wörtlich:Wir sind noch nid)t in offizielle Verhandlungeit eingetreten, und Oesterreich-.Ungarn hat uns noch nicht einmal seine Vorschläge offiziell übermittelt." Diese Aeusterung Kiamil Paschas erweckt im Verein mit der Meldung von dec ablehnenden Haltung türkischer Polüiker uitb Abgeordneter unwillkürlich den Verdacht, als wenn der Großwesier sich noä) irgend ein Hintertürchen frechalten wollte.

Auch die Boykottsrage sd)eint keineswegs die leichte Lösung ünden zu wollen, auf die man schon gehofft hatte. Ueber die Zoykottbewegung sind die widersprechendsten Mitteilungen vcr- i,reitet; es wird zwar versichert, daß der österreichische Lloyd bereits heute tm Konstantinopeler Hafen wieder imgehindert löschen könne, allein in sicher unterrichteten Kreisen wird erklärt, man könne, allein in Wiener unterrichteten Kreisen wird erklärt, man nicht von einer Beendigung, kaum von einem Ab­flauen der Boykottbewegung sprechen.

Neuerdings ist nun auch der Sultan leicht erkrankt imd hat alle Audienzen absagen lasten; natürlich ergeben sick) auch hieraus wieder neue, vielleicht keineswegs unerwünschte Verzöge­rungen bei der definitiven Erledigung der schwebenden Fragen.

Aus den kleinen Balkanländern kommen inzwischen wieder reckst merkwürdige Meldungen. Es heißt, daß der Fürst von Montenegro und der König von Serbien abzudanken beabsichtigten. Von anderer Seite werden diese Meldungen wiederum dementiert. 3n der bulgarischen Hauptstadt wollen die der Re- zierung nahe stehenden Blätter erfahren haben, daß wegen der ungeklärten äußeren Lage die Mitglieder des diplonca- cischen Korps beschlossen hätten, bis auf wei­teres denjenigen Veranstaltungen fern zu blei­ben, an denen der König und die Königin teilnehmen.

Zum Schluß verdient nod) erwähnt zu werden, daß zwischen Dem Kaiser Franz Josef und dem König Peter von Serbien Neujahrs-Telegramme gewechselt worden sind. König Peter hat

am europäischen Neujahrstage an Kaiser Franz Josef ein Glück­wunsch-Telegramm gerichtet und Kaiser Franz Josef Hal am orthodoxen Neujahrstage König Peter ein Glückwunsch-Telegramm geschickt. König Peter hat also die Initiative in dieser Angelegen­heit ergriffen und man glaubt, daß in dieser Höslicksteit der Sou­veräne der erste Schritt zur friedlichen Beilegung der Streit­fragen liege.

Sttmmunflsbiin aus öem Reichstage.

Berlin, 16. Januar.

Herr von Bethmann-Hollweg hatte es nicht mehr nötig, das Wort zu nehmen. Tie (Stimmung, die heute zum Ausdruck kam, war seinem Werke womöglich noch günstiger, als gestern. Nur der Vertreter der Polen, die man schon seit geraumer Zeit in ihrer Stellungnahnre zu Vorlagen der Regierung von den Sozialdemokraten kaum unterscheiden kann, der Abg. K u l e r s k i, war iwch päpstlick-er als der Papst; nad) Inhalt und Ton seiner erfreulich kurzen Rede übertrumpfte er die roten Bundesbrüder um ein Beträchtliches. Weder in der gestrigen Rede des Gewerk- sck-aflspräsidcnten Legion, noch in der heutigen ein gut Teil sanfteren Kritik des Arbeitersekretärs S e v e r i n g fand sich die Bezeichnung des Jnduslrieacbcitcrs als elender Lohnsklave, als Hungerproletarier. Tas blieb dem polnischen Hetzredner Vor­behalten. Und obgleich er, wie nahezu sämtliche Redner dieser Tcbatte, mit der Erklärung begann, daß die Rede des Herrn von Bclhmann-Holiweg durchschlagend gewirkt habe, bekannte er «ich im selben Atemzuge als unbevinglen Anhänger der reinen, einseitigen Interessenvertretung der Arbeiter. Herr Severing Deutete doch wenigstens an, daß auch die sozialdenlokratische Fraktion für paritätische Arbeitskammern zu haben sei, wenn man diesen neben der gutachtlichen Tätigkeit auch eine gewisse Exekutive einräumen wollte. Herr von Bethmann-Hollweg sah sick) auch nicht veranlaßt, zu seiner ausfallend warmen Anerkennung der Gewerkschastsorganisationen iroch eine erläuternde Bemerkung zu machen; auch nicht als Tr. P o t t h o f f ihn ersuchte, daraus die Konsequenzen zu ziehen und für eine freundlichere Behandlung der Gewerkschaften durch die Verwaltungsbehörden zu sorgen, und aud> nicht auf die an ihn j>ersönlich gerichtete freundliche Einladung der sozialdemokratischen Redner, die demnächstigen Ta­gungen der sozialdenwtratischen Tabak- und Bergarbeiter durch seine Gegewvarl zu erfreuen oder durch seine Räte zu beschicken. Auf die von mehreren Seiten an ihn gerichtete Bitte, ein be­ruhigendes Wort auf die Besorgnisse der Handlungsgehilfen über ihre Behandlung bei der Arbeitskammerfrage zu spreck>en, ließ tv durch den Ministerialdirektor La spar erklären, daß dazu allenfalls in der Kommission noch reichlich Zeit sein würde. Tr. Potthoff sprach für die schärfere Tonart der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, für den national-sozialen Flügel der frei­sinnigen Vereinigung. Ihm genügen die Aufgaben, die der Ept- wurf den Arbeitskamtutern z^uveisü bei wertem nicht; unter Berufung auf amerikanische Studien seines engeren ^Hundes Tr. Barth trat erfürdenEinigungszwangein und unter Bezugnahme auf Dr. Naumann für eine weitgehende Initiative der neuen Institution, damit sie eine Ersparung von Gesetzgeber­arbeit bedeuten könne. Zwei Vertreter der christlich-nationalen Geiverksdstlflsbewcgung, das Mitglied der wirtschaftlichen Ver­einigung Behrens und der Zentrumsabgeordnete G i cs- berts, setzten sich bei ihrem Eintreten für paritätische Kammern mit ihren sozialdemokratischen Widersachern auseinander. Wie diese forderten aber auch sie die Wählbarkeit der Gewerkschasts- beamten. Sogar die Rcick-spartei ließ durch den Muttd des Dr. H ö f f e l eine sehr freundliche Stellung zur Regierungsvorlage zum Ausdruck bringen. Freilich geht sie nur mit gedämpftem Trom­melklang in die neue soziale Friedensära hinein, und Herr Höstel ridjtcte eine dringende Mahnung an die Führer der sozialdemo­kratischen Arbeiterschaft, nun, wo sie in den neuen Vertretungs-

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körpern zusammen mit den Arbeitgebern am runden Tische sitzen würden, auch den ernsten Willen zu zeigen, sich zu friedlicher Verständigung zusammen zu finden. Zu früher Stunde konnte die Aussprache geschlossen werden, der Kommission harrt nun die schwierige Einzelberatung.

4politi$d?e LttScs-cyatt.

Das Krovungs- und Or'oenLsest in Berlin

ist gestern in üblicher Weise gefeiert loocoen. Ans der wiederum! sehr großen Zahl der mcr Orden Bedachten seien genannt: Wil­helm Herz«, Präsident der Berliner HMch-elska armer: Achter Adlerorden 2. Klasse mit Stern, Dr. Heil igenstaedt, Prä­sident der Preußischen ZenlralgenossenjckMftsünse in Berlin, do n Heng st en berg Ober-Prajrdent ovn .o^sen-bäljsMt und M ar- tini, Präsident der Gisenöahndirettion in Kastel: Roter 2totcr- orden 2. Klaste mit Eichenlauo. Den ächten Adlevorden 2. Klasse erhielten: Pros. Harnack, Wirkt. Geh. Ov.-Reg.-Rat, ä» merzieural Schmidt, Fabrikves itzer in Gl der seid; den Roten Adlerorden 3. Klaffe mit Schleife: Zsidor Löwe, Kommerzienrat in Berlin, Pros. M anzel, Bildhauer in Berlin, Geh. Justisrat Träger in Berlin; den Roten Adlevorden 3. Klasse: Tr. Hahn, Direkwr des Bundes der Lanowirte, Pauli, TiWev> meister in Potsdam. Den KoEiwroen 1. Masse erhielt Wirkt. Geh. Rat Dr. sagens, OberlandesgerichlSpräsident in Frank­furt. Den Kroneuorocn 2. Klajie K'rrege. Dr. Frhr v. Schor­le mer-Lieser Oberpräsident in 5tooien&; den Küonenorden 2. Klasse mit Stern: Dr. o. Glasenapp, Vizepräsident des ReichsbanLdcrekvoriums; den Krvnenordcn 2. Klasse: v. Flv- tow, Vortragender Rat im sJiu5iuattigen Amt, Dr. So lf, Gouverneur von Samoa; den Kwncnorden 3. Klasse: ,Dr. Arendt, Rentner und Sck)riststeller in Berlin und Plate, Tiretwr im Hause der Abgeordneten. Bon Parlamentariern er­hielten ferner Orden: v. Oldenburg-Jarruschau und Sieg, Siegs- rnh, Dr. Troesckfer, Dr. Junck, v. Damm-Wvlffenbütteh Detw- Frankfurt a. d. O., Faßbender-Berlin, von dem Hagen-Aerlül, Jaeger-Speyer, i'reuner-Hamlnermuhl, Zchsenow-Berlin, Schlvarze- Lippstadt, Weber-Loebau, Fritzerr-Tu.sseldors, Graf Arnim-Bvihiur- burg, Tove-Berlin, Henning-Berlin, Dchmmsen-Berlin, Ichwvldt- Berlin, Viereck-Ostwwo und von Winterfeld-Menttn.

Ter Empfavg des euglifchen KouigspaareS in Berlin wird sich diejesmal ein wenig von öcn üüDeven Emp'ängerr unter­scheiden. In der englischen HauplstadL begrüßt das Stadioberhaupt n ein De Souveräne un Rathause, tn Berlin am Brandenburger Tor. Auch diejesmal ivirb der Berliner Oberbürgermeister die englischcii Gäsic am Brandenburger Tor empfangen, aber es wird mehr als bisher Rücksicht am die ivuilerliche Jahreszeit genommen werden. Anlästlich des Vevorstehenden Besuches dr tlielchshaupt» nabt durch König Eduard von England hat ber Kastor ben Over- bürgcrnieificr Kirschner und bie Herren ber magtstrailichen Aus- schinückungskommljston zu sich gebeten, um mit ihnen über bie Alaßnaymen zum Empfange beS Königs zu sprechen. Der Kaiser Hal babei ben Wunsch geäußert, bau bie Ausschmückung bev Em- zugsstraße möglickül faibenpväd)tig sein möge unb bag für bie- jemgen, bie zum Empfange bes Königs erscheinen, mit Rücksicht auf ihre Gefunbhou em Zelt gebaut wirb. Ferner sollen die Herren nicht mehr wie früher im Frack erscheine»!, sondern zum Schutze gegen rauhe Witteiung mit Ueberziehern versehen fein und nicht mit entblößtem Kopf während ber Diebe des Oberbürger­meisters dastehen; endlich sollen auch die Damen mit warmen Suchen versehen fein.

Wahlrechtskuudgelnrugeu in Dresden.

Gestern Pol mittag janoen ntei-ten-5 in ber Altstadt DresdeU einige zahlreich besuchte Versammlungen statt, in denen gegen das beabsichtigte neue sächsische Wahlrecht pro­testiert wurde. Nach- Sckstuß der Versammlung versuchte etwa gegen 1 Uhr mittags eine große Menge nach dem königlichen Schlosse zu marschieren. In dec Schloßstraße stellten sich den Temonsttanten Polizisten entgegen und versuchten die Menge zunächst auf gütlichem Wege zum Auseinandergehen zu bewegen.

Ernst von Wüdenbruch t-

Ernst von Wildenbruchs plötzlicher Heimgang hat überall die schmerzlichste Ueberraschung hervorgerufen Wildenbruch, der tn den letzten Tagen leidend war und in ber Behandlung von Professor Dr. Eisenberg ftanb, fühlte sich gerade vormittags noch leidlich wohl. Nachdem er ein Bad genommen, fpielte er noch eine Partie Billard. Kurz barauf brach er im Anlleidezimmer, das er gerade passierte, bewußtlos zusammen und war bald dem plötzlichen, heftigen Schlaganfall erlegen. Ter Todestämpf dauerte etwa eine Halde Stunde. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Lod Wildenbruchs konstatieren. Ter Kaiser wurde sofort be­nachrichtigt. Dte Leiche soll nach Weimar überführt verben, daS Wildenbruch so sehr liebte, unb von dem er sich diesmal gegen Ende November besonders schwer gc- icennt hatte.

Gestern nachmittag fand im Hause vou Ernst von Wildenbruch eine Trauerfeier für ben Verstorbenen statt. Der braune Eichensarg, m dem der Entschlafene ruhte, war m Erkerziminer der Wohnung aufgebahrt. Eine kleine Lrauergememde hatte sich etngefunben, unter welcher Geheim­tat Lehmann vom Auswärtigen Amt, Paul Lin bau, der namens der Generalintenbantur einen Kranz medcrlegte, besonders zu bemerken waren. Zu Anfang der Feier nahm der Konsistorialrat Spinner aus Weimar, ein Freund der Familie, das Wort zu einer Gedächtnisrede. Nach ihm kenn­zeichnete Gchennrat Dilthey Wildctibruchs dichterisches schaffen. Zinn Schluß sprach Professor B ran del namens Lec deutschen Shakespeare-Gesellschaft und namens des Ver­eins zur Erhaltung des Deutichttims im Auslände. Dte eyeter schloß mit dem Vortrage beS iitcbeS: .Willst du nun ruhen, willst du nun vollen" aus Witdenbruchs .Willehalm", das von Sigrid Hummel, der Tochter des Kompoiitsten ge­sungen unb vom Komponisten selbst begleitet würbe.

Im Sterbchciuse laufen unausgesetzt Betleibskund- gebung en ein. Einer der ersten war der Groß Herzog oo n Weimar, bann folgte ein Telegramm des

Kaisers, das diesen Wortlaut hat:Die Meldung von dem Hulscheibeu Ihres Gatten hat mich nut schmerzlicher Teilnahme erfüllt unb spreche ich Ihnen mein Herz - ljchstes Beileid aus. 2)111 dem deulfchen Volke beklage ich den Verlust des trefflichen Dlanucs und gott­begnadeten Dichters, dessen Lebeuswcrk der Vitt- unb Nach­welt unvergängliche Schätze geschaffen und geschenkt hat. Witheliu."

Die Leiche Ernst von Wildenbruchs wird in Weimar beigesetzt werden, doch ist der Tag sür diese Ueberführung noch nicht bestimmt.

Stadttheater. Der gestrige Theaterabend ge­staltete sich zu einer würdigen Gedenkfeier für Ernst v. Wilden bruch. Des Dichters viel bekanntes Ritter- schauspicl .Die Rabenstcmerln", sein volkStüiuttchstes Bühueuwerk, gelangte zur Aufführung. Ein fein empfundener, von Direktor Steuigoetter verfaßter und gesprochener Prolog ging voraus. Die Taistellung deS Schauspiels reihte sich ben früheren ebenbürtig an unb bot mu Helene Achterberg als Bcrfade, Heruioun Bakof als Hiihold Jeronunus und Clemens Roden als Weisers Sohn einen wirklich fünft» leri.chrn Genuß. Die Regie führte Direktor Stein- goettev. B«

_ Der plattdeutsche Volksdichter Karl Reth­wisch ist an Herzschwäche im 70. Lebensjahre zu Altona gestorben. Rethwisch war nur em emsacher Alaun, der Sohn kleiner Eltern. Er halte das ZiuuucruiannShanbiverk erlernt, war aber, wie Hans Sachs,Poet dazu". Daß er als solcher etwas geleillct hat, wenn auch nicht in höheren» literarischem Sinne, fo doch als liebenswürdiger, echter VolfS- bichter, ber in seiner plattdeutichen Munbart recht von £>ei^n zu fingen wußte, ist wohl unbestritten. Die Stadt Altoua, ln der er sich dauernd niedergelassen hatte, ertannte fein erfolg- reiches Streben für mederbeutjche Sprache unb Art kürzlich daburch an, baß sie ihm ein Ruhegehalt bis an das Lebens» ende ausjetzte. Der Dichter war auch ein begeisterter Patriot.

Im letzten deutsch-französischen Kriege ist es ihm, wie die ,K. Z." schreibt, allerdings nicht vergönnt gewesen, in den Rechen der Kämpfer zu stehen, dafür aber hat er sich in den Lazaretten fo heldenhaft bewährt, baß ihm das Eiserne Kreuz dafür zuteil wurde.

Römische Funde bei Hanau. Nach deut Jahresberichte des Geschichtsoereins wurde in Marköbel (Kreis Hanau) bei Gelegenheit eines Neubaues eine Anzahl von römischen Grabern aufgebccft, in denen sich Gefäße in großer Zahl vorfcuiben. Weitere Nachforschungen ergaben noch mehr derartige Gräber mit gleichartigem Inhalte. ES wurden für daS Hanauer Museum des GeschichtsoereiuS eine große Anzahl von Urnen, Krügen, Lämpchen, Vasen, Schalen, Salbengläschcn und bergt., auch einige Münzen erworben. Durch weitere Grabungen in ber Gegend des BaicrScöder HoseS, bei Butterstadt unb Stitianfiäbter Wald wurde fest- gestellt, daß sich in ber süblicheu Wetterau in der neolithischen Zeit viele Siebelungen befanden. Besonderes Interesse er­regten die Begräbnisstätten, in denen sich außer Branbresten zahlreiche durchbohrte und ornamentierte Steinchen von eigen­artiger Form oorfanben. Diese sind zweifellos Teile von Schrnuctsiücken und sind vorher noch an keiner Stelle ge­funden worden. X.

Sven He bin, der am Samstag in Stockholm eingetroffen ist, würbe gestern vom Röntg in Audienz emp­fangen worben. Bei der Landung wurde Soen Hedin von mehreren Alinistern, den Alltglicbern des Reichstags, der Geographischen Gesellschaft, der Stabtverordiieteuversaimulung »ijw. empfangen und oon einer zahlreichen Menge begeistert begrüßt. Der König verlieh Sven Hedm das Großkreuz deS ')lorb|"tecnocbenS.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft, Durch Beschluß des Landgerichls München I ist die Beschlag­nahme des G a n t c r'schen Buches .Doppelte Moral" füt das ganze Reich aufgehoben worben. In St Moritz würbe am 15. b. Alls, bas neuerbaute Sega» tini-Museum eröffnet. Seganluus Tochter hielt eine ergreiiende Ansprache.