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MMteS Blatte
Nr. 287
159. Jahrgang
Dienstag, 7. Dezember 1909
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger für Cderhejjen
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Reboftton. ErvedMan and Druckerei! 6cfiul» ftrage 7. EroediNon and vertag. »L Redaktion:«^ 112. Let.-Adr^ LnjergerDretz«.
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Vas soll nun geschehen? Man hat eine Kommission eingesetzt, vie Besierungsvorschläge machen soll. Aber in ihr haben wieder die Verwaltungsbeamten die Mehrheit. Was soll da besser werden? Tann wagen auch die unteren Beamten gar nicht gegen ihre Vorgesetzten aufzutreten.
Verwaltungsbeamte werden den Technikern höchstens das Leben schwer machen, weiter rächt-?. Man soll den Technikern mehr Verantwortung, aber auch wihr Selb st ä n - digkert geben «Sehr richtig!) Sic Intendantur bat vollkommen versagt' ihr fehlt jede Sachkenntnis Für 5000 Mark werden sich schwerlich tüchtige Kaufleute als kaufmännische Bei. rate finden, oder si- werden auch bald zu Bureaulraten werden. Anstatt den Einfluß der reinen Verwaltungsbeamten zu mildern, soll er nach den Reformvorschlägen noch erhöht werden. Das darf nicht geschehen. An eine grundlegende Reform unseres Werft- betriebet ist ja nun vor der »and nicht zu denken. (Zurufe: Leider!) Aber, was wir unbedingt verlangen müssen, daß den Zuständen, die der Prozeß gezeigt hat, ein Ende gemacht wird. Den Technikern mutz der e n t s ch e i b e n d e E , n f l u ß erngeräumt weben, sie müsi n auch im Rechnungshof Äh und Stimme erhalten Tie schlimmsten Zustände herrschen bet den Submisstonen: davon verstand Herr Frankenthal mehr als alle Bermt-n Alle Kr-ise, die unsere Flotte heben, waren schmerzlich beruh.t durch die Kieler Vorgänge. Es drängte sich bei uns btc bange Frage auf: Wird nur beim —rerrtbetrtcb in dieser Weise mit dem Gelbe der Steuerzahler gewirt'chaftet, oder herrschen ähnliche Zustände auch bei der flotte und bei der Marine im allgemeinen? Ich bedauere, diese r^wage mau vollkommen berncim.it zu können (Hört, hört! links.) Allenthalben muß deshalb ein kaufmännischer Geist und eine größere Selbständigkeit der Techniker Einzug halten. Nicht durch eine Erweiterung bureaukratischer Macht und nicht durch neue Para- zraphen kann den Mißständen abgeholfen werden, sondern nur vurch diese beiden Vorbedingungen, die verbunden sein mugen mit dem Geiste der Sparsamkeit bis in die höchsten Jnstan. s-n hinein. Hoffentlich hat der Kieler Prozeß dazu beigetragen,
Deutscher Reichstag.
5. Sitzung, Montag, 6. Dezember 1909.
Am Tische deö Bundesrats: v. Tirpih, v. Ahlefeld Harms.
Haus und Tribünen sind mäßig besetzt. In der Hofloge wohnt der Chef deS MarmekabinettS v. Müller, auf anderen Tribünen mehrere Marinebauräte der Verhandlung bei.
Jßräfibent Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Minuten.
Die Kieler Werft-Jnterpellatümen.
Die In terpellation der Freisinnigen Dr. L e o n h a r t und Dr Struve lautet: Ist der Herr Reichskanzler bereit, durchgreifende Maßnahmen zu treffen, um Unregelmatzig- feiten und U n ter schleife im Betriebe der Kaiserlichen Werften, wie solche durch die Verhandlungen vor dem Kieler Schwurgericht bekannt geworden sind, 'n Zukunft zu verhindern?
Ist insbesondere der Herr Reichskanzler bereit, unverzüglich Anordnungen zu treffen, durch die eine s parsame Wirt- f ch a f t, sowie eine nach kaufmännischen Grundsätzen eingerichtete Buchführung und eine wirksame Kontrolle im Werftbetriebe gesichert wird?
Die Interpellation der Sozialdemokraten lautet: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß bei den gerichtlichen Ver- handlungcn über die Unterschlagungen auf der Reichswerft in v ^^Regelmäßigkeiten Mißstände in der Verwaltung der Retchöwerften festgestellt worden sind, und was gedenkt der y®cr Reichskanzler zu_ tun, um eine geregelte und wirtschaftliche Geschästsführung in den Betrieben der Reicyswerften herzusteüen?
Die Interpellation der Freisinnigen begründet
Abg. Dr. L.ouhart (Fr. Bp.):
I Bekanntlich wurde das letzte Mal der Marineetat ohne TiS- skufswn verabschiedet. Ich glaube nicht, daß das geschehen wäre, wenn die Vorgänge, die uns der Kieler Prozeß gezeigt hat, be- könnt gewesen wären. Aber damals hatte in der Budgetkommission ein Vertreter des ReichSmarineamts die Erklärung abgegeben, daß es beim Verkauf von Altmaterial auf den Werften immer nur ftreng reell zugegaugen sei. Inzwischen hoben wir nun den Pro- geß erlebt, der fünf Wochen lang das deutsche Volk in Spannung hielt, und der schließlich mit einer Freisprechung sämtlicher Angeklagten endete. Die Marineverwaltung ist aber keineswegs freigesprochen. (Sehr richtigI) Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, will ich erklären, daß ich keineswegs allgemeine Schlüsse auf die Unzuverlässigkeit unserer Beamten ziehen will. Ich will im Gegenteil fest- stellen, daß die Beamten keinerlei persönlicher Vorwurf trifft. Vielmehr hat sich im Lause des Proresses immer mehr Heraus- gestellt, daß das Vcrwaltungssysteman den bedauerlichen Vorkommnissen schuldig ist. Allen G e g . neri’ von Staats Monopolen wird der Kieler Prozeß als Material dienen. Ter Prozeß in Kiel Hat gezeigt, wie verkehrt es ist, einen rein technischen Betrieb durch Beamte beaufsichtigen zu lasten, denen jede Sachkenntnis fehlt. Der Prozeß har uns gezeigt, wie schädlich der allzu große Einfluy hinterer Bureaul'ratie auf den modernen wirtschaftlichen Werft- letrieb ist. Welch große technischen Fortschritte sind gerade auf diesem Gebiete zu verzeichnen! Wer hat vor zehn Jahren zum Beispiel etwas von einem Unterseeboot gewußt?
Der bureaukratische Geschäftsbetrieb lähmt die Tätigkeit der Beamten: die Intendanturbeamtcn sind nicht genügend borge« bildet. ES fehlt ihnen durchaus an kaufmännischen Kenntnissen. Man sollte die jungen Applikanten auf die HandelSboch- jchuken schicken. Bei keiner anderen Behörde liegen die Dinge so schlecht wie bei der Marine. Ueberall sonst hat man kaufmännische Aufseher. Eine kaufmännische Buchführung hat man auf der Kaiserlichen Werft bisher nicht getannL Tie Revisionen ber Magazinbestände werden von Verwaltungsbeamten vorgenom- men, die keinerlei Materialkenntnis haben. Es findet überhaupt nur eine buchmäßige, keine Materialkontrolle statt, so daß Huiiderte von Zentnern verschwinden können, ohne daß der Rechnungshof das feststellen kann. So haben sich diese üblen Mißstände auf der Werkt entwickelt. Wie ist e5 möglich, daß s l e zwanzig Jahre lang ber Behörde unbekannt geblieben sind? Und wie ist es möglich, baß der Magazindicekwr Heinrich mit 74 Lebensjahren noch im Tiensie war? Wie konnte en Marrn eine so wichtige Stelle noch weiter bekleiden, obgleich er bereits über das biblische Alter hinaus war. Tic Zahl der Beamten auf unseren Werften ist größer alö irgendwo anders. Während aber in anderen Ländern Praktische Arbeit geleistet wird, beschäftigt man unsere Beamten mit unproduktiver Schreibarbeit
bafe den Kieler Mißständen möglichst bald abgeholfen wird. (Bei- fall links.)
Die sozialdemokratische Interpellation be- gründet
Abg. Legien (Soz.):
Ich kann mich im allgemeinen dem Vorredner anschließen. In Deutschland passiert ja allerlei. Aber ich halte es doch für un- tnöghcfa, daß diejenigen Beamten, unter deren Oberaufsicht alle diese Vorgänge sich abspielten, in ihren Stellungen bleiben werden Wenn man sich dann nach neuen Leuten umsieht, dann sollte man Frankenthal zum Werftdircktor machen. (Heiter- leit.) Denn er weiß allein auf der Werft Bescheid. Er ist den dortigen Beamten weit überlegen. Er würde keinen Beamten dulden, der erklärt, auf der Werst komme e3 nicht auf einen kaufmännischen Betrieb an, sondern darauf, d i e Flotte schlagfertig zu erhalten Dieser Ausspruch charakterisiert am besten bie Auffassung, die diese Herren von ihrer Aufgabe haben. Bei der Beratung des Etats werden wir den Antrag einbringen, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen, die einmal die Verhältniste auf den Wersten nachprüft. Es handelt sich nicht bloß um daS, was im Prozeß festgestellt wurde, sondern um noch weit größere Mißstände, die seit Jahren bestehen. Nicht nur das Altmaterial kommt in Betracht, sondern bei allen Teilen der Verwaltungen herrschen arge Mißstände. Auf 8000 Arbeiter kommen 1000 Beamte und Offiziere. Diescö große Beamtenheer ist an vielen Unzulänglichkeiten schuld. Der Reichstag muß endlich einmal Emst machen und Hand an legen an die Mißstände. Der Staatssekretär wird sich die ^ache wohl leicht machen und behaupten, c§ seien nur Schönheitsfehler. Nein, es sind große Fehler, die in der Organisation liegen. Die Niarine- bertoaltung sollte sich doch nicht auf5 hohe Pferd setzen.
Im Jahre 1900 verkaufte sie ein Grundstück für 66 000 Mk. Dr^i Jahre später erwarb sie es wieder für 226 000 Mk. (Hört! Hört!) Das ist ein Beispiel von vielen. Es wird mit dem Gelbe geradezu gewüstet. Dispositionen, die heute getroffen sind, werden morgen umgeworfen, ohne Rücksicht auf Sie Kosten. Fragen Sie einmal die Arbeiter, wie sie über die Oualifikation ihres Auf. sichtspersonals ben!en._ Alle diese Dinge würden nicht passieren, wenn der Staatssekretär die einlaufenden Beschwerden von dritter Seite prüfen würde, wenn er e6 nicht ablehnen würde. Mitteilungen über die Verhältniste auf der Werft von Außenstehenden entgegenzunehmen. Die Qualität der Arbeiter der Werst wird shstematisch herabgemindert dadurch, daß man in erster Reibe Mitglieder des nationalen Arbeitervereins anstellt. (Hört! Hört!) Auf eine Beschwerde von mir über gewisse Mißstände ließ er brüsk erklären, er müsse es grundsätzlich ablehnen auf Beschwerden von dritter Seite einzugehen. (Hört? hört! links.) Glaubt er vielleicht daß seine Beamten die Mißstände aufdecken werden oder die Arbeiter? Der Staatssekretär ist in erster Linie für die Mißstände verantwortlich zu machen. (Zustimmung links.) Hätte er die berechtigten Beschwerden geprüft, dann hätten die Beamten nicht in dieser Weise wirtschaften können. Nehmen Sie unseren Antrag auf Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission an, damit den Beamten einmal auf die Finger, gesehen wird. Vielleicht wird es bann besser. Vielleicht werden dann die Werften wirkliche moderne Großbetriebe. (Beifall links )
Staatssekretär v. Tirpitz (von der Rednertribüne aus):
Tie beiden Interpellationen, sowohl diejenige von Dr. Leon- hart als diejenige der Abgg. Albrecht und Genosien, decken sich ja tm wesentlichen ihrem Inhalte nach, roenngleiä) die letztere Inter- pellatwn vorsichtiger gehalten ist. Ich werde daher beide Interpellationen gemeinsam beantworten Tie Interpellation spricht von „Unterschleifen im Betriebe der Kaiserlichen Werften". Tie Unterschleife scheiden zunächst grnz aus sowohl für die Beamten, wie für die angeklagten Händler, denn das Schwurgericht hat sie freigesprochen (Schallendes Gelächter bei den Soz.) Selbstver- ständlich scheiden sie aus! Die Interpellationen gehen aber auch außerdem erheblich weiter. Sie sprechen von Werften, während eS sich nur um eine Werft handelt, nämlich um die in Kiel. Ferner handelt eS sich auch nicht bei der Kaiserlichen Werft in Kiel um sämtliche Betriebe, sondern um einen einzigen Betrieb, den Betrieb des Altmaterials. Alle übrigen Betriebe sind, soweit der Prozeß in Frage kommt, und soweit die Untersuchungen in Frage kommen, die ich selber angestellt habe, absolut intakt aus der Angelegenheit hervorgegangen. (Abg. Ledebour: Es scheidet alles aus! —Heiterkeit.)
Präsident Graf Stolberg:
Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen.
Staatssekretär v. Tirpitz:
Sie haben ja nachher Gelegenheit zu antworten. Ich bitte, meine Ausführungen auch anhören zu wollen. Ich kann ja nicht umhin zu sagen, daß nach allem dir Hauptursache der Vorkomm, nisse in dem Betriebe deö Altmaterials in Stiel dem Umstande zuzuschreiben ist, daß tatsächlich einem Beamten hier ein zu großes Vertrauen in feine Tüchtigkeit und seine Korrektheit entgegen» gebracht wurde. Das wird immer eine wesentliche Hauptursache fein. Ich gebe aber zu, daß die Aufsicht, die Kontrolle durch das höyere Personal in dem Betriebe des Altmaterials in Kiel nach meiner Ansicht eine nicht ausreichende gewesen ist. Ich habe ferner zu tagen, daß das Vertrauen zu den Beamten mit Veranlassung gewesen ist, den betreffenden Magazindirektor auf der Werft in Kiel über die übliche Altersgrenze hinaus zu halten Ich habe die Vorgänge in Kiel und die Betriebe einer Untersuchung unterzogen und möchte da zunächst feststellen, daß, sobald auch nur die ersten Anzeichen bekannt geworden sind, daß da Unregelmäßigkeiten stattfinden, ich mit eiserner Faust etngegriffen und derartige Vortclirungen getroffen habe, daß ick glaube, daß auf der Kaiserlichen Werft Kiel sobald derartige Unregelmäßigkeiten nicht mehr zutage treten werden. (Beifall rechts, Gelächter bei den Soz.) Ich möchte nun sagen, was durch den Prozeß tatsächlich festgestellt worden ist und was aus der Sache tatsächlich hervorgeht. Da ist einmal, daß die Gewichtskontrolle in Dem 2HtmatcriaIbctneb verbesserungsbedürftig ist, und zwar nicht in ber Weise, wie Dr. Leoiibart cs wünscht: das ist nicht möglich. Wir können d>e Altmaterialien, die großen Eisenmassen, nicht alle vorher verwiegen. Wir können sic sogar nicht einmal aus dem Magazin heraufbringen, einmal weil die Gewichte zu groß sind und das ju viel Kosten verursachen würde. Aber immerhin bin ich der Anlicht, daß die Kontrolle verbesserungsbedürftig ist. Ferner ist festzustellen, daß die Aufsicht durch die höheren Vorgesetzten, durch die höheren Instanzen nicht ausreichend ist.
Ich habe folgendes an geordnet: Erstens eine verstärkte Aufsicht, ferner, daß die Kontrolle bei der Feststellung des Gewichts, die bisher teilweise durch jüngere Beamte gemacht wurde, künftighin durch ältere Beamte gemacht werde. Ferner, daß das Verladen nur während der Vureauzcit und nu5 durch das Werftpcrfonal vollzogen wird; fremde Arbeiter werden
Von b'fcfer Arbeit ferngehalten. Weiter habe ich angeordnek. daß regelmäßig Vergleich- zwischen dem Werftgewicht und dem Bahn- gkwickt angestelli und eine verschärfte Kontrolle über das Maie- rial ausgeübt wird, ba-5 mittel? Wagen weggeführt wird, sowie daß die Submisiionen öffentlich verlesen loerbcn. In Erwägung ist genommen, die Ausschußmagazine zu trennen von den anderen Magazinen. Ich will die Aufsicht dadurch verstärken, daß ich den Verbuch macke, den Verwaltungsdirektor in höherem Maße alö bisher von seiner Bureautätigkeit zu entlasten. Das ist alles, w-as in dieser Beziehung gemacht werden konnte. Gegen direkte Untreue, wenn sic einmal vorlommt, läßt fid) schwerlich ein absoluter Schutz schassen. Das wird auch in privaten Instituten nicht möglich sein.
Ich will nun auf' Die Einzelheiten näher eingehen. Der Hcri Abg. Leonhardt hat hier die Bemerkung deL Angeklagten Frankenthal wiedergegeben, das; eine auf der Werft verweis bete Wage über hundert Jahre alt sei. Tas kann schon deshalb nicht richtig sein, weil unsere Marine überhaupt erst fünfzig Jahre alt ist. Tiefe Bemerkung des Herrn Frankenthal iü auch in der Verhandlung selbst sofort alö ein Scherz aufgefaßt worden. Tann ist kritisiert worden, das; die Kontrolle beim Wiegen von jungen Appluanten ausgeübt worden ist. Nun, vor vierzig Jahren, alö ich Seekadett war, da wurde an Bord sogar von den Schiffsjungen dem einzelnen Mann seine Ration zugcwogen, und dem Schiffsjungen wäre eS schlecht gegangen, der da falsch gewogen hätte. (Heiterkeit.) Tann ist in der Presse die fulminante Geschichte von den Nickeliiahlabfällcn erörtert worden, die so und so viel toert gewesen sein sollen, und die die Werft für eine Bagatelle verkauft haben soll. In Wirklichkeit liegt diese Sache ganz anders, da nam bei Den beiden Preisen außer Betrackt gelaßen hat, daß sich bu eine Zahl auf „frei Essen Kruppsche Fabrik" bezog. Auch der Hertha-Mast, den wir für 80 Mark verlaust haben, und der nachher für 1000 Mark weiter verkauft worden ist, ist erwähnt worben. Ich b'tte, za bedenken, daß die Zerlegung deS MosteS uns große Schwierigkeit'n gemacht hätte. Gerade diesen Fall konnte der Oberwerftdirektor in der Gerichtsverhandlung auf« klären, weil er früher Kommandant der „Hertha" war. Wir hatten eben damals das autogene Schneidcverfahren noch nicht. Und der Transport allein hätte und 900 Mark gekostet. 5tienianb wollte uns den Mail aöucbme»’, wir boten ihn überall an, aber wir konnten ihn nicht los werden. Nun hat der Abg. Legion die Aussage deS Assessors Frerichs glossiert. Tie Aeußerung, wie sic in den Zeitungen gcftnnDcn hat, war jedoch nickt ganz richtig. Nach dem Stenogramm lautet die Aussage: „Die Aufgabe der Werft ist nicht die Verwaltung etneS bestimmten Fabrik- oder Gewerbetriebes, sondern die dauernde Instandhaltung der Kriegsschiffe. ES handelt sich oft um sehr eilige Arbeiten, an denen Tag und Nacht gearbeitet werden muß, und da kann manchmal nicht ganz so kaufmännisch verfahren werden toic m anderen Betrieben. Tas liegt in der Natur der Sache, schließt aber nicht aus, daß wir nach allen Kräften bemüht sind, sparsam und kaufmännisch zu wirtschaften." Dieser Fall ist ein klassisches Beispiel dafür, wie AuSsprücke verstümmelt in die Presie gekommen find. Die Insinuation des Abg. Legien, als ob Werftbeamte nberschietzendeö Gold für sich verwendet hätten, weise ich auf das sckärfste zurück. (Beifall rechts. Abg. Legien ruft: Qabe ich gar nicht gesagt.) Tas ist g. agt wörd-n. (Widerspruch bei den Soz.) Auch d,e Behauptung, daß Schiffe aus Stapel gelegt werden, ehe das Geld dafür bewilligt worden ist, ist nicht wahr. Wo soll denn das geschehen sein? Tas Bild, welches der Kiele': Prozeß gegeben hat, ist vielfach ein ganz anderes, wenn man das amtliche Stenogramm zur Sand nimmt. Im übrigen bitte ich folgendes zu berücksichtigen, die Angeklagten, und noch dazu diese Angeklagten, halten doch daS größte Jntereffe barem, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Schlendrian in ber Werft zu lenken. (Sehr richtig! rechts.) Daraus ergeb sich für sie die ganz selbstverständliche jScnfcguenj, bei diesem Schlendrian sind solche Unterschleife etwas ganz Natürliches. Und nun ist die Werft diesen Angriffen gegenüber gar nicht zum Wort gekommen. Sie hat diesen An- nrtjrfcn gegenüber, die e-3 fast erscheinen ließen, als ob die Werst cur der Anklagebank saß nicht entgegentreken können. Sie konnte die Angriffe nicht widerlegen, wahrend die Angeklagten sagen tonnten, was sie wollten. Soviel zum ersten Absatz der Interpellationen.
Nun zum 31ueiten Absatz der Interpellation, in dem eine sparsame Wirtschaft, kaufmännische Buchführung und eine wirksame Kontrolle gefordert wird. Die Forderungen sind sehr allgemein gehalten, und die Interpellanten sind noch über den Rahmen mn< cjdgegangen. Herr Leonbart hat behauptet, daß die Bureaukratic unsere technischen Beiriebe beherrscht. Demgegenüber erkläre ich, boB ick gerade die technischen Betriebe von der Bureaukratie frei* gemacht habe. Weiter ist behauptet worden, daß die Ausbildung Der Verwaltungsbeamten nicht ausreichend ist. Bis zu einem ge- wissen Grade ist das richtig, aber man darf nicht verallgemeinern. Gewiß sollen sich auch die Kaiserlichen Werft- beamten von kaufmännischen Gesichtspunkten leiten lassen. SBcmt aoer einzelnen Assessoren vorgeworfen wird, daß sie das nicht in genügendem Matze ge'an haben, so muß doch betont werden, daß diese Asiefforen erst lernen sollen, sich kaufmännisch zu betätigen. Ein Kaufmann an Der Spitze Der Werft ist nicht gut möglich, wenn man bedenkt was die Werft ist, nämlich ein Stützpunkt im Kriege für die Flotte und ein Z-ntralpunkt auch im Frieben. Daß eine rnilitärifche Persönsichteit schon im Frieden einen hervorragenden, und im Kriege Dort d-ir ersten Platz entnehmen nruß, ist durchaus notwendig. Die Marineverwaltung kann hinsichtlich d-S Geschäftsbetriebes nicht felbstänbig Neuerungen etu» führen. Auch sie ist an Vorschriften gebunben. Es läßt sich alles ni&t so vereinfachen, wie wir e§ selbst gern mochten. Uns ist ber 'ifcriüurf gemacht worden, daß die Magazinaufseher schlecht be. zahl! werden. In keinem anderen Betriebe werden sie bener besoldet. Ihre Gehälter sind erst unlängst um 20 Proz. gesteigert worden. Dann ist Beschwerde geführt worden, daß das Bearnten- hcer zu groß geworden fei. Das ick miet) in eine Diskussion mit Herrn Persius darüber nicht einlassc, ist selbstvcrbän>s will nur betonen, daß im Vergleich mit den Privatwerften die Zahl der Beamten keineswegs übermäßig hoch ist. Im übrigen haben wir noch ganz andere Aufgaben wie Privatwerften, weil wir eine gewaltig- Magazinverwaliung haben. Der Vergleich ist aber gar nicht zutreffend. Der Betrieb ist an Umfang um 150 Proz. gestiegen, die Zahl der Beamten nur um 68 Proz. Diese Zahlen widerlegen also die Behauptung von dem übermäßigen Beamtenpersonal. Im übrigen sind uns die Revisionen voraeschrie- bert. Ohne weiteres können wir daran nichts ändern.
Der Abg. Leonbart forderte, die technischen Betriebe müßten selbst einlaufen. Stellen Sie sich vor, was das für eine Zersplitterung geben würde, wenn jeder Betrieb selbst einkaufen würde. Ich möchte einmal die Privatfirma, die Privatwerfi: sehen, die eine so unglaublich unkaufmäimiscke Maßregel machen würde, wie hier der Abg. Leonhart sie vor führt. (Sehr richtig! rechts.) Wenn die beiden Interpellanten behauptet haben, daß j)ie Bestände, die auf den Schiffen übrig bleiben, nicht gebucht


