Koloniale Zutunflrmusil.
Es ist unbestreitbar, daß die Entwicklung unsere:- Y'on delsverkehrs mit den Kolonien einen großen Auiscluounq erfahren hat. In den legten 12 fahren b.n sich der L6 rt de- Einfuhr wie der Ausfuhr rund verriestacht er in von nicht ganz 32 Millionen Mark im J-^hre 189 . aui b'it 130 Millionen Mark im Jahre 1907 gestiegen. Anderst i ist jedoch nicht zu verkennen, daß diese Wahlen angesi c.- des deutschen (»Ksamtaußenhandels uno angesichts dec großen .Handelsverkehrs mit anoeren Ländern immer noch klein sind. Es lohnt sich wohl, die Frage aufzurverfen, ob die Aussicht besteht, den handel mit unseren Kolonien in demselben Maße wie bisher zu entwickeln und zu Wahlen zu gelangen, wie sie der koloniale Handel anderer Länder aufweist, oder ob eine Wahrscheinlichkeit dafür besteht, daß wir mit der Entwicklung unseres kolonialen Handels bereits im wesentlichen auf dem Höhepunkt angelangt sind und eine weitere Entwicklung im allgemeinen unwahrscheinlich oder gar ausgeschlossen ist. Als Vergleichspunkte feien die beiden englischen Molonien Goldküstc und Nigeria gewählt, die in nächster 9lähe unserer beiden hoffnungsreichsten Tropen kolonien, Kamerun und Togo, liegen und ähnliche Bcdiu gungen aufweisen wie diese.
Goldküstc und Nigeria befinden sich bereits seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im englischen Besitze, trotzdem ist bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts der sandel, und zwar augenscheinlich infolge der schlechten Vcr kehrsverhältnisse. nur allmählich gestiegen und betrug bei der Kolonie i^oldküste im Jahre 1850 1,8 Millionen Mark in der Einfuhr und 15,4 Mill Ml der Kolonie Nigeria im Jahre 1865 2,2 Mill. Mk in der Einfuhr und 3,6 Mill. Mk. in der Ausfuhr. Diese geringen Summen haben jedoch in den dazwischen liegenden Jahr zehnten eine ungeheure Steigerung erfahren, und zwar ganz besonders, was für unsere heimische Industrie von Bedeutung ist, in der Einfuhr. Diese ist bei der Kolonie Wölb- 1850 bis 1907 von 1,8 Millionen Mark auf 52,8 Mill. Ml, also aui mehr als das 25 fache gestiegen. In der Kolonie Nigeria hat sich die Einfuhr in dem wesentlich kürzeren Zeitabschnitt von 1865 bis 1906 sogar fast verdreißigfacht, indem sie von 2,2 Mill. Mk. auf 6.". Mill 0 : stieg In der seinen auch die Ausfuhr van 3,61 Mill. Mk. auf 63 Mill. Mk, also aus fast das 20 fache gestiegen, während sie sich bei der Kolonie Golbtüste vom Jahre 1850 bis zum Jahre 1907 nur von 15,4 Mill. Mk auf 52,8 Mill. Mk. gehoben hat. Doch ist hierbei zu berücksichtigen, daß die Ausfuhr, ivenn auch mit manck>erlei Schwankungen, in der Zeit von 1850 bis 1903, wo sie 19,6 Mill. Mk. betrug, fast dieselbe geblieben ist und erst seitdem, infolge der Erschließung der Kolonie, sich andauernd schnell gehoben hat bis zu 52,8 Mill. Mk. im Jahre 1907.
Da, wie erwähnt, die Verhältnisse in den beiden englischen Kolonien und unseren deutschen Kolonien ähnlich sind, so läßt sich mit großer Sicherheit der Schluß zielen, daß unsere Kolonien in absehbarer Zeit einen ähnlichen Aufschwung nehmen werden, wie diese beiden englischen Kolonien, deren eigentliche lolonisatorische Erschließung durch Verkehrswege ebenfalls erst jung und daher noch lange nicht abgeschlossen ist. Wir haben also die begründete Hoffnung, daß bei einer ent- fpreclienden lolonisatvrischen Tätigkeit Deutschlands unsere. Kolonien sich in wenigen Jahrzehnten zu einem wesentlichen Fattor in unserem Wirtschaftsleben entwickeln und uns in weil erhöhterem Maße, als das bisher der Jckll in, von der Einfuhr aus anderen Ländern unabhängig machen werden.
Sine Versammlung des deutschen Bauernbundes.
Guesen, 6. Juli.
Heute ist hier der neue Bauernbund gegründet worden, als dessen erste Lebenszeichen fick vor einer Woche kurze Notizen in bei Bresse kund gaben, die darauf hirnoiescu, hier sei eine dem
Bund "bei Landwirte und seiner einseitigcn iTOßanxubbe'i&rt Politik qem<?r"'tf Bewegung tn der Enti'-H.ma b-giuicn, geleitet 3on natwnall'beralcn uno iceikonservat.oen Abi ordneten. * *Be •r n?< t: wurden eie drei, Lamdofs, Dachhostt de Scnte und Loescher, genannt
Tie Versammlung route« ton d.n L.'ndnnrt H' r i e cremet, -
Hciorm b.n langsamen Au'stieg 0:j Bauernstandes gegenüber brr widerstrebenden Rittestcha t mjilherte Er iorberie Auilcb nung O.S Ba u rn gegen die bis aui den bemiaen Tag noch an mcFiin- Lolink des «. tgrunbbni> Wie ite n dem Baud.- h > im Auge. T tirbcnrailirtter Li surck ius n cht ?.ir Ocn Bauern unannehmbar. Tu Bauern in der C ft m n r ’ seien oiird) die Bildung deS „schwarzen Blocks" aui da. schwerste geschädizt Tu :Heahion zu dun r. nabe der Bauer wahrlich keinen Anlaß, es sei daher *u rofinich-.n, bar, die Regierung an das Bolk oppdierl Der Redner iahrte aus;
Es gereicht dem Bunde Oer Landwirte nicht zur Ehre und es stehl nickt in Einklang mit dem lauteren Patriotismus, dessen er sich immer rühmt, ioenn er tm Verein mit der körnetoatwea Partei für bic Sttafiung von Rrstgülem und uir Abgaben ob den Großgrundbesitz eingetreten ui. Ist das di Vertretung.der bauerlich-'n Interessen, denen iich der Bund der Landwirte stets rühmt" 5enr richtig! Dresc Jutercisenver . tung ui d cselbe, bir wir beim Bund der Landwirte in M.icklcnburg sehen Haben wir schon einmal etwas davon gehört, daß der Bund d i Land wirte in Mecklenburg den Kampi gegen die Stände ausgenommen hat und iur die Interessen des tleinen Bauern eiitflctreun iü ? Hehr gut!, Nichts haben wir davon gehört I ^t mad i d r Bund der Landwirte in Gemein,'ckan mit den Kom.roatio.n, dem imtrum und den Polen cm • Finanzreiorm, die aus^die Interessen des kleinen Bauern gar feine Rücksicht nimmt Sehr richtig! Er hat die eraanialliteuct, Oie für den kleinen und mittleren Besitz gar nickt so unannefjmtar mau zu 5au gebracht Er hat dadurch den Sturz unseres oI1d<"ehrten Reichslanzlers, der uniet volles Bertraucn besitzt, mit herde.'uhren helfen Etn ncu.r Block ist gegründet, ein Block, an dein di Polen tcilnehuten Ich brauche, um die Situation zu tharahcniieicn, wirklich nur den .'tarnen des Grafen Westarp zu nennen. Sehr gut! Denn auch der alte Block unsererseits nickt als der idealste Block an gescheit wurde, so begrüßen wir dock den Zusammenschluß aller nationalen Parteien. Dieser Black sagte uns mehr zu als der gegenwärtige neue Block. (Lebb Zustimmung Man müßte lachen und höhnen, wäre die Sacke nicht so h:rd)!bar ernst Äir können nur wünschen, daß dem deutschen Bolle Gelegenheit gc geben wird, ans biciedjieuc parlamentarisch: Bündn'S die richtige Antwort zu geben. Stürmischer Beifall. Dir Rede gipfelte ui einem Hock auf den Kaiser, an den eine Hnldigungsadresse ab gesandt wurde.
Landwirt Reinecke begründet die Abwendung vom Bund der Landwirte. Jahrelang habe dieser die Bauernpolitik in den £ftnmrten bekämpft. Ter Druck sei nickt von außen oder von den Parteien gekommen, sondern vom Bunde der Landwirte slbs: und vom Latidesökonomielollegium. Zn der Restgüterfrage sei man dem Bauerntum auch nicht einen einzigen Sckritt entgegen gekommen. Statt dessen habe die Bund«'svresse auf Anwemmg des Vorstandes die schmählichsten Angrnse gegen die Bauern und tendenziöse Entstellungen ihrer Bestrebungen gebracht Aus ge nossenichastlichem Gebiete macht der Bund der Landwirte den Bauern die größten Schwierigkeiten, insbesondere bekämpft er den Raiffeisen verband Als schwer beleidigend habe der Bauer es empfinden müssen, daß die Führer des Bundes ihm die Fähig- feit für öffentliche Aemter abivredyen.
Als der Redner dieses ausiührte, brauste mehrfach ein Sturm imteibaltenen Zornes durch die Versammlung. Die, Restgüter - frage kritisiert der Redner in der Weise: Der Großgrundbesitz bat sein Betriebskapital Derbraud:t, jefd möchte er die Außen sckläge an die Ansiedlungskvnimiisionen verkaufen, dos gute arron Vierte Land als Restgut behalten. Der Germanisierung der Ost mark ist dem Großgrimdbesin gair, egal
Als dritter Redner sprach der Reich-uagsabgeordnete Aack borst d-' Wen le. Er wies darauf hin, daß die extreme Agrarpolitik des Bundes der Landwirte die (tzegnestchast des gesamten Volkes gegen die Landwirtschaft wachruse, und iührk an eiitzelnen aus, daß es nötig sei, für die kleine Landwirtschaft in Harmonie mit allen Berufsständen zu stehen. Rack ihm sprach noch der Landtagsabgcorduete Wam hos s. Es wurde der Versammlung zum Schluß ein Telegramm an den Reichskanzler vorgelegt, in welchem das Bedauern über die inuerpolitische Lage uird msbesoudere über die Ablehnung der Besiysteucr ansacivrock-m ivurde. Die Versammlung spricht and) dem Tränten Bülow ihr Vertrauen hüiiidülid) seiner äußeren Politik und hiniicntlid) feinet
Tätigkeit für die Aufrechterhaltung der Machtstellung Deutsch- l-nds aus. _ . , . . .
7- Z-ranstolttmg war von 3000 Penonen be icht und roar ' Kragen von stürmischer Begeisterung für den neuen Deutschen Bauernbund.
21uf uit^ Eand.
Gießen, 8. Juli 1909. Warnung für Verreisende.
Während der Redezeit kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, die Wohnungen ganz ohne Aufitcht zu isien. Meist „arbeiten4 die Einbrecher in der Weise, daß sie Wohnungen aufsuchen, die sich von der Straße au8 durch geschlossene Fenüervorhänge usw. als verlaßen zu erkennen .eben; dann klingeln sie, um festzu stell en, ob wirklich nie« i’ianb da ift. Ist alles genau erspäht, so gehen sie ans Wert, schleichen sich gegen Abend n d.e Häuser em und offnen mittels Nachschi nsielS die Tür. Gegen den Einbruch schützt man sich am besten dadurch, daß die Rontbortüren mit guten Sicherheitsschlössern versehen werben. Man laste die Wohnung auch möglichst niemals ganz ohne Beaufsichtigung und übertrage diese einer zuverlässigen Person. Tein Hausioirt ober Portier teile man mit, bast man verreist ist, und bitte ihn, ber Wohnung einige Aufmerksamkeit zu schenken. Auch gebe man ihm in versiegelten, Änoert sämtliche Schlüssel zu Äorribor unb Zimniem, fall» etwa Jener, cm Wasterrohrbmch oder ein anderes unvorhergesehenes Ereignis eintritt. Die Nachtwächter ersuche man, während ihrer Dienslslundeu bic Wohn»mg zu beobachten. Schlüster unb Korridortüren versieht man am besten mit Alarmklingeln, die sofort in Tätigkeit gefetzt werden, wenn ein Unberufener in die Wohnung embringen will, e
44 Stadttheater-Abonnement 1 909/10. Die Gutscheine hatten früher nur für AbonnementS-Vorstellungen unb für SonntagS-Vorstellimgen, soweit biese bei gewöhn- ! chen Preisen ftattfanben, Gültigkest. ^Rachdem sich b;e Direktion nun entschlossen hat, in der nächsten Spielzeit einige literarische Abende einzurichten, an denen solche Stücke zur Llufführung gelangen, die sich für das Abonnement ivenigei eignen, sollen die Abonnenten zur Benutzung der Gutscheine auch an diesen Abenden berechtigt sein. An dem ersten dieser Abende wird vorauSüchtlich Ludwig Thoma'S neue Komödie .M oral4 zur Austührung kommen. Eine weitere Vergünstigung wird den Abonnenten bei außer Abonnement fiaUfinbenbcn Gastspielen geboten werden; so oft nämlich die Bedingungen, unter denen ein solches von der Direktion ab- geschlossen wird, es zulasten, sollen die Abonnenten Karten zu ermäßigten Preisen erhalten. Bezüglich der Anmeldungen zum Abonnement wird eS nicht überflüssig sein, zu bemerfrn, daß diele genau nach der Reihenfolge ihres Einlaufs zur Erledigung koinmen, und daß deshalb alle, bie sich neu anmelden, desto eher auf Erfüllung ihrer besonderen Wünsche rechnen können, je früher sie ihre Anmeldung bei der Bürgermeisterei einrcichen.
*4 Ein sehr praktischer V-Zug, der nicht im Fahrplan steht, ist der Vorzug zum Zuge n Uhr 56 nach- mittags nach Fran kfurt a. M. Dieser Vorzug, der nur mährend der Badesaison verkehrt, verläßt den Bahnhof Gießen um 5 Uhr 32 Minuten nachmittags und tnstt in Frankfurt a. M. 6 Uhr 35 Minuten ein, während ber D-. ,.ig 5 Uhr 55 Minuten erst 7 Uhr 5 Minuten in Frankfurt (anbei Wer also den Vorzug benutzt, kann noch bequem in die Oper oder in das Theater gehen, ivaS bei dem späteren Zug seine Schwierigkeiten hat.
44 Eine verbesserungSfähige postalische Einrichtung ist daS automatische Telephon auf unserem Bahnhof und auch in Bad Nauheim. In Gießen z. B. hört man sein
Kleine» Feuilleton.
— In der heutigen Nummer unserer Familienblättcr beginnen wir mit der BeröffenNichung des Romans „Die P f l a st e r m e i st e r i n" von A l s r e d B o.cf. Dieses Jöerf nimmt im Entwicklungsgang Bocks eine bedeutsame Stelle ein, sofern damit die Reihe der Heimatromaiie anfctzt, die den Namen des Dichters weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes lnnansgetragen und ihm seinen dauernden Platz in der Literatur erobert haben. Bi - dahin war das oberhessische Land für die Literatur jungfrdiihdier Boden und mir von mehr oder weniger berufenen Lokal dichtem betreten. Alfred Bock hat aber seine Heimat für die Poesie gewonnen Was den Roman „Tie Pf läster meister in" vor allem auszeichnet, ist die scharfe Eharakteristil samt lieber Personen, die ber Dichter vorführt. Jede von ihnen bat ihre ausgeprägte Eigenart, von der sie auch nichi um Haaresbreite abweicht, ,ede von ihnen stellt in plastisck)ci Geschlossenheit vor dem Leser da. Die Schilderung verläuft, getragen von der ganzen obieltioeu Ruhe eines reinen Wirklichkeitsbeobachters, der diese enge beschränkte Well nüchterner Tüchtigkeiten, Fühlen Pflichtlebens, dumpfer Gehässigkeiten, kleiner Feindschaften und starrer Herköinmlich- feit mit überlegenem Geist, aber auch mit verständnisvoller Liebe burd>bringt. — Indem wir diese für Bocks Schaffen so markante Dichtung unseren Lesern bieten, glauben wir ihnen damit einen herzliasten Gemeß zu bereiten.
— Es ivird uns geschrieben: Nachdem Elizabeth D un c a n von entern Freunde der Schule die zur Erhaltung notwendigen Mittel bis zur Fertigstellung des Darm st ad ter Heinis zur Verfügung gestellt worden sind, wird sie mit den ihr kontraktlich verpflichteten stinbern, mit denen sie in der letzten Zeit eine Retlw von Vorträgen hielt, bie Sckmle zunächst m Frankfurt Bockenheimer Landstr. 98, weiterführen Auf Erund der zwischen der Eroßb Kabinetts ■ kanzlet und Elizal'eth Duncan geschlossenen Vertrages, sowie der vorerwähnten Tatsacheii, hat das Komitee in der am 3 Juli in Frankfurt a. M. stattgehabten Sitzung beschlossen, eine 01 in. b. zum Zwecke des Betriebes eines Instituts für rbntbmifcb-gnmnaftifdic Korprransbitdung und musikalische Erziehung in Darm stad t unter Leitung von hliza bell) Duncan zu gründen und es Elizabeth Duncansche Schule zu benennen. Ausgabe des Instituts ist a' Ausbildung eines Tanzchore- im Sinne der von Elizabeth Duncan bereits gepflegten Bestrebungen ideal künstlerischer Art. v. Heran bilbuiig von Lehrerinnen sür rhvthmisch-gmnnaüisd e Körper tultui und musikalische Erstehung, c! ' iinstlerische Ver aiiftaltungeii. bereit Haupt sitz bic Niederlassung bei Dar m stadt fein foll die aber gewünschten Falle auch an anderen Orten stattsinden können Tas Komitee ha: aus keiner Mitte einen Ausschuß gewählt und ihn mit Durch fuhruug bei Arbeiten betraut, tri eruehung ber x »der ivird nachfolgender Plan zugrunde gelegt: 1. A. Koq>erlLd)e
und inusilalifchc Erziehung: Gymnastik-Unterricht nach schive- dischem System: Rhythmisch-gymnastischer Unterricht und Tanzunterricht nach dem Prinzip Elizabeth Duncan. Musikunterricht: Stimmbildung, Ausbildung des' Gehörs, des rhythmischen Empfindens und der Tresssicherl-eit indezug auf mehrstimmigen Ehorgesang. B. Die wissenschaftliche Ausbildung wird den Landesgesetzen gemäß nach dem Lehr plan der achtklassigen Mädchen-Mittelschule erteilt: besondere Berücksichtigungen finden jene Lehrfächer, die 1. eine prak tische Betätigung des Kindes erfordern z. B. Zeichnen und Modellieren, 2. feine Beobachtungsgabe schärfen inbezng auf die künstlerische Körpertnltur unb 3. Sprachuuterrichl (englisch, französisch'. Aller Unterricht wirb von staatlick, geprüften, eigens angcftelltcn Lehrkräften erteilt. 2. Zur Aufnahme für bic rein künstlerische Heranbilbnng gelanget nur Kinder, die das 6. Lebensjahr, für die zum Lehrberuf solche, die das 10. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Für die Aufnahme ist ausschlaggebend die iKesnndheit und Bildungsfähigkeit des Körpers und die musikalische Ber anlagung des blindes: die Kinder bleiben an die Schule bis zu ihrem vollendeten 16. Lebensjahre kontraktlich gc bunben. 3. Für bic Erhaltiing des Kindes wird ein Er- Aichungbbeitrag erhoben; fnr besonders talentierte nnbe mittcltc Kinder werden Privatsttpendlen erugcrichtct, bzw. steht dem Verwalttingsrat das Reckn zu, solchen Kindern eine kostenlose Ausbildung zu bewilligen. Zur Aufnahme gelangen nicht nur deutsche, sondern auch anderen Nationen angehörige Kinder l. Die Leitung der Schule in pädagogischer und künstlerischer Hinsicht wird Elizabeth D u n c a u übertragen. 5. Die öffentlichen Aufführungen außerhalb Darmstadts unterbleiben, während der ersten zwei Jahre vollständig.
— Das S^tudium der Theologie in Deutschland. 2382 Theologen sind in diesem Soinmersemestcr
scheu Universitäten immatrikuliert, gegen 2072 im hinter icimmer 1908 09 und 2^311 im Sommcrseme
v ipstg und Tübingen, nämlich je X«*. Es folgen: Halle mit 280, Berlin mit 25x, Marburg mit 169. Erlangen mit l ' >, ^Greifswald mit 119, Göttingen mit 112, Bonn mit 96, Straßburg mit 91, Heidelberg nut M. Königsberg nut • 9. Breslau mit 74, Gießen mit 65, Rostock mit 63, Jena
1827, 1890 91 4190, 1893/94 3175, 1896 97 2676 und 1899 1900 2352. Au den fatb.-tbcoL Fakultäten studierten un Sommerfemester 1909 1766 Theologen, gegen 16- . im
i 18 Straßöiira 157, München 147 unb
Würzburg 85 Theologen. lä7O/.7L waren y katholische
Theologen immatrikuliert, 1884/85 975, 1887/88 1123, 1893/94 1341 unb 1899 1900 1546.
— tiin Jubiläu m der Telegraphie Am 8 Juli dieses Jahres ist ein Jahrhundert pcrfloiirn, seitdem dem gelehrten Arzte Samuel Thomas von Sommering die Ernndung o>. erste» eleltnicken,Telegraphen unter Zeilumstünben gelang, die oen tiert der schnellen Nadirichtcnübermittclimg nicht nur iür bic Zwecke des Friedens, sondern auch nie kriegerische Auiaabcn in ein dkl les Lickt stellen. Die ickoii 1753 begonnenen Bestücke, mit Histe von Rstbungselektriiität zu telegraphier n. toaren 'anitlich Vera blich gewesen. Dafür hatten u Frankreich die optiid»en Scmaobor- telcgraphen nadi dem System v happe eine Ixbaib-nbr B rbefterung erhalten, die, in anderen Ländern unbeachtet, von Napoleon bei seinen kriegetifchcn Operationen häufig mit großem BoNcil benutzt wurden. Als die Oesterreicher im Apstl 1809 autv neue bat Krieg eröffneten, und unvermutet in Bauern anhefen, erhielt Napoleon davon iveit schneller Kenntnis, als iene es erwarteten. .König Mastmilian, der Hals über Rodt von München nach Tillingen, tm äußersten Nordwesten Bauer ns, ilücbtete, int, als er bori anlangtr. höchlidm davon überrascht, den «zranjoienkaiier dort schon bt-i seinem .yrcrc zu finden^ 'Jhir der Semaphor« lelearaphie hatte er eS zu danlen, daß die Oesterreicher unter Fella- d.ich seine von ihnen am 16. Aortl eingenommene ?aurtstadß sckoit am 22. loi oer verlai'en mnntrn Lieie Tal'achen oerirblie« nicht, einen außerordentlichen Eindruck zu machen und bei Mi-
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der Bstsü'nkchasten, darunter oudi sömmering, häufig nach iciner Bille in Bogenham'en zum Soei'en rialuh. nahm b«i einer solche» Gestgenbeit den Anlaß, sic ;u Bor'cklägen übet Einführung von Telegraphen auhuforbern Sömmering, der aus Ihorn stammte, bart sich schon in der Zeit seiner ärztlichen BrariS in .vrenf» rurt am Main viel mit den Entdeckungen Voltas unb der oon
Tage nach brr Unter haltmig mit bem M in Hier stand sein Bla» seit, die chemischen Sirtur.arn der Belta« uib . mSbefondeie ihre v genschaft, cn den trnen Enden ber Boldrähte Gasser in seine lili-mentc, Gaiieniofs und Saucrswsf, zu erlegen, zum Ick« graphn-ren zu benutzen. Am 22, Juli war sein Apparat vollendet, mit dem er am 6 August über 724 Fuß TrahULnge telegraphierte, :• otuui er am 28 Auiust vor brr Akademie nvt Bmutzung vo» 2000 Fuß Drahtlänge die Erfindung d-monürierte In bi r vo» Sömmering gegebenen Form konnte iich die allzu fompliünte Er'.ndnng, bir Naooleo!' ..une ick4e allemande“ nannte, nicht durchs,tzen. Aus seinen vkdankrn aber haben tmHcnllub unb unici'ientlief), offen vor gehend oder geistigen Diebstahl v !ubenb alle ipdteren Ifrhnbrr bis au« Moste iveitcrg arbeitet, bei durch Konstruktion des elelNomaanctl'chen SchrnbapparalS nut beweglichem Anker der elcftt.idien Telegraphie bic iKestatt gab, tl der sie sich die Dell eroberte. O. K.
.Kleine Chronik aus Kunst und Bissenschait. Tie 50iät)r'4c Toktoriubellcier begeht am 11. Juli brr ?r?entti(N tkokfioi der inneren Medizin nii der Universnäi Göt11gen. ttzrb. Mrdizuialrai Tr. ineb. Gilb. Ebstein. — An den Uioicflot 6 o b n b e t m in Heidelberg, iü die ehrenvolle Aufforderung ergangen, in Nero-Bork tväbteitb de^ Dezembers cme Reihe von i.cki)siolagisckei, Vorträgen, die lagenoimtc vc x i er Ee c 1 n rel ui l allen. - Eine eigenartige AuL'ielluna ivird iw 2 tpirmbtr in London eröffnet werden, nämlich eine Jui|icQiu< von örauciiesiuibuugea.


