her für Handel und Gewerbe schädlichsten Steuern, rote die Kotierungssteuer, Mühlenumsatz'leuer und Kohlenausfuhrzoll sein würdeu, Aussicht daraus eröffne, daß die Reichtzsinanz- reform, die für die deutschen Emzelstaaten eine Lebensfrage ist, tn erträglicher Farm (?) zustande kommt. Die Zeitnehmer an dem Tiner beim Kanzler hatten den Eindruck, daß Furu Bülow mcht die Absicht habe, zur dritten Lesung der Finanz- reform in den Reichstag zu gehen und diesem persönlich von seinem Rücktritt Mitteilung zu machen.
Der Ches deS ZwilkabinettS,' v. Valentini, ist am Mittivoch in Kiel eingetroffen.
Deut?cher Keicfr.
Die Berliner bulgarische diplomatische Agentur rouroe zur «Gesandtschaft erhoben Ter bisherige diplo matischc Agen'. Nikpforow wurde zum «Gesandten ernannt.
Ter Kaiser von Rußland trifft am 12. Juli abends oder am 13 d M. morgens zum öegenbefud) bei dem deutschen ttaifer in Kiel ein.
Im Wahlkreise Neustadt-Landau ist, wie man uns von dort meldet, Tr. Gehlert von den Bereinigten Liberalen als Kandidat für bte Reichstagsersatzwahl aufgestellt morden Ter urfvrünglick voll den Nationalliberalen und dem Bund der Landwirte aufgestellt gewesene Landtagsabg. Tr. Buhl ist auf einen Truck der nationalliberalen Parteileitung hm von der Kandidatur zurückgetreten, da er sich nicht auf bereu Pro gramm verpflichten wollte, wohl aber dem Bund ber Lanbwirte bestimmte ;• jusicherungen machte.
Zlurland.
Das von ber sozialistischen Partei gestern angenommene Manifest gegen den Besuch deS Zaren in Italien sagt na., das; der Besuch des Zaren im Gegenfad zu den Frci- f)eil5benrebungcn des italienischen Volk« stehe. Sobald der Zar italienischen Boden betreten werde, wird ein allgemeiner Aus stand proklamiert werden.
Die im Ausland verbreiteten Gerüchte von einem Flucht versuch Abdul Hamids werden amtlich als Erfindung bezeichnet.
Nachrichten aus Colon besagen, daft die in Columbia ausgebrochene Revolution den Zusammenschluß aller politischen Parteien gegen die Regierung deS zurzeit in London iveilenden Präsidenten ReyeS bedeute Tie Aufständischen haben die Crtc Branauilla und Savadilla, die nur geringen Widerstand leisteten, besetzt' sie sollen auch Santa Marta eingenommen haben. In Colon wurde eine Tepeschenzensur von der Regierung eingeführt. Ein amcritanifrfied Kanonenboot wird erwartet
Tic letzten Nachrichten aus Persien bezeichnen die Ent s ch e i d u n g als unmittelbar bevorstehend. Tic Russen sind anscheinend entschlossen, den Schal) zu unterstützen oder ihm wenigstens in der rmfifdyen Gesandtschaft Zuflucht zu gewähren. Cs hat sich herausgestellt, daß Rußland im Ein vernehmen mit England handelt. Eine diesbezügliche Inter vellatiou in der gestrigen Parlamentssitzung wuftte die Regie rnng zu vereiteln, so daft jetzt allgemein angenommen wird, daft zwischen England und Rnftland ein geheimes Abkommen betreffs einer Teilung Persiens bestehl_____________________________________
hansabund und deutscher Bauernbund.
Man schreibt uns aus Homberg a. d. Ohm, 7 Juli: „In feiner gestrigen Borskandsfitzung faßte der •£ rts - g e we r bevcrein Homberg und Umgegend, dem nahezu 10O Mitglieder angehören, den einstimmigen Befchlusi, den in letzter Zeit zutage getretenen Bestrebungen, die Orts- flctocrbetycrcine und deren Mitglieder für den Hansa - >' u n d mobil zu machen, mit aller Entschiedenheit entgegen ,’iitrcten, da hie Ortsgetverbevereine, denen lediglieb die Weiterbildung' und rein fachliche Vertretung des Hand werter- und Gewerbestau des am Herzen liegen müsse, sich im Interesse einer ruhigen und gedeihlichen Entwicklung streng von allen politischen Strömungen fern halten müßten Auch 'könne der Hansabund, in dem hauptsächlich die Interessen der Großindustrie, Großbörse, Warenhäuser usto. zur Geltung kämen (?), für die dem Mittelstand angehörenden Handwerker und Kleingewerbetreibende, die gerade unter der rücksichtslosen Koulurren', des Großkapitals schwer zu leiben hätten, als zweckdienliche Vertretung in keiner Weise angesehen (?j lverden und wurde demgemäß dringend vor dem Beitritt <;um Hansabimde gewarllt. Ein etwa beab sichtigtes korporatives Beitreten der Ortsgewerbevereine zum Hansabund sei auch schon deswillen als gänzlich aus geschloffen zu erachten, iueil die Gesalir bestände, daß daun und zwar namentlich auf dem Lande, die seither von Gemeinde, Sparkasse usw. gewählten Beihilfen künftig entzogen werden könnten und wurde, von dieser Erwägung ausgehend, die Hergabe der Unterschrift des Vorsitzenden desBezirksverbands Gießen des hessischen Landesgewerbe Vereins unter den in letzter Zeit in einigen hessischen Zeitungen zwecks Ausbreitung des Hansabundes veröffentlichten Aufruf lebhaft unb einstimmig bedauert."
Dir bedauern diesen Beschluß, d^r uns ohne genügenoe Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse oder nur auf Grund einseitiger Informationen gefaßt zu fein scheint. Ter.Hansabund soll eine Interessenvertretung der gesamten gewerbe- und handeltreibenden Stände und insbesondere auch des geiverblichcn Rtittelstaudes fein und dgzu dienen, handel unb Wandel und das Gewerbe in Stadt und Land gegen den liberhandnehmenden Druck des Großgrundbesitzer t ums zu schützen. Das wurde in weiten Kreisen des gewerblickn'n Mittelstandes dnrch Unterstützung des Hansabundes aner Tannt, und durch die Organisation des Bundes ist dafür gesorgt, daß die Interessen des Gewerdestandes vollattf ge wahrt sind. Taburdy ist es oeini Hansabund von vornherein unmöglich gemacht, daß er einseitig die materiellen Interessen einer einzelnen Schickst vertritt, wie es $. B. bei der Organisation der Landwirte der Fall ist. Bei ihm ist die Leitung unb Vertretung ganz in den Händen der Großgrundbesitzer, nnb bei der ReichSfiuanzresorm haben diese gezeigt, wie sehr sie die Mackstmittel des Bundes zu ihren Gunsten und zum Schaden des kleineren und mittleren «Ärundbe.- sitzes auszunntzen verstehen. Deshalb mürben wir es begrüßen, toenn unsere kleinen unb mittleren Bauern sich ihrer Interessenvertretung, dem Deutschen Bauerubuud, anschließen würben In der gleichen Richtung wie ber neue Bauernbund will der Hansabund tätig fein; er will die gleichmäßige Fürderung aller Erwerbsstände, unb ihn zu unter stützen Iregt im eigenen Interesse ber Geiverbetrcibenden. Uebrigens irrt ber Vorstand des K?. G. B. Homberg auch in seiner Annahme, ber neue .Hanfabuud sei politisch Er tft lediglich eine wirtsck-aftliche Interessenvertretung. Die Be siirckstnug, baß ben Gewerbevereinen ivegen ihrer ,'»uge- hörigkeit zum Hansabund von vKuneinden und Sparkassen die bislierigen Zuschüsse entzogen iverben konnten, scheint uns banad) unbegründet fein und beweist mehr als alles anbciv, wie sehr das Handwerk einer machtvollen In terefsenvertretung betKirf. um gegen derartige Eingriffe in seine Unabhängigkeit geschützt zu sein.
In Frankfurt a. M. fand geftern auf Einladung des Hansabundes eine von mehr als 2000 Personen, dar unter zahlreickien Damen, besuchte Versammlung fmtt, bic n.ad) einem einleitenden Vortrage des Laudtagsadg. 3- u u d
unb verschiedenen anderen Ansprachen einstimmig folgende Erklärung faßte: Tic Versammlung protestiert aufs entschiedenste gegen die beabsichtigte d r ü ck e n d e u n d e i n - feilige Steuer belastung der erwerbstätigen Äreiie. Sie begrüßt auf das wärmste die Gründung des Hansabundes für Gewerbe, Handel unb Industrie und hält es für ein (*tebot ber Selbstachtung, daß die Angehörigen der genannten Erwerbsgruppen in ganz Deutschland sich vereinigen, um ihre berechtigten Interessen gegen bro: ende Schädigungen unb Vergewaltigungen zu wahren. Die Ver sammlung hofft, daß sämtliche Angehörigen von Handwerk, Handel unb Industrie in dem aufgezwrmgenen Mampfe um ihre wirtschattlick-cn Interessen fest zufammenstehen unb spricht die Erwartung aits, daß auch in Frankfurt a M. al 1 e selbständigen Gewerbetreibenden und Angestellten, sowie alle Freunde der Bestrebungen des Hansabundes sich ber ncugegrüttbeten Crt^gruppe besselben anschlicßeu.
Zn Moburg gründeten 1400 Landwirte bes Herzog tums einen Bauernbund.
Zur $rage öcr Zleischpreise
wirb uns geschrieben:
In Ihrem werten Blatte erscheinen in letzter Zeit mehrmals Notizen über Vieh- und Fleischpreisc, welche mehr oder weniger geeignet sind, das Publikum irre zu führen und dadurch unnötig aufzuregen
Von vornherein erkläre ich, daß ich persönlich und mit nur wohl alle meine Kollegen ber Ansicht nnb, haft bas Publikum, welches sein Fleisch bei Gießener Metzgern kauft, keine Ursache hat, sich über bic Wurst- und Ilciichprerfe zu beklagen, insbesondere ben Preisen in anberen Städten unb sogenannten Lanbmctzgern gegenüber. . .
Was ben Artikelschreiber anbetrifft, so sollte sich bersclbc in erster Linie doch besser informieren und vor allem die Preise, wie solche jetzt hier unb in anberen Stabten bestehen, einholen
kürzlich hat offenbar bersclbc Herr u. a. auch in einem Artikel verlangt, baß mit bem Kalbflei ickic im Preise abgeschlagen werben solle, ba ber Verkaufspreis nicht im richtigen Verhältnis zu bem Einkaufspreise stehe. Hierzu bemerke ich, daß bamals ber Einkaufspreis auf nur einem Gießener Markt etwas ge fallen war, baß aber dagegen bic anberen Märkte f ofort wieber andere, höhere Preise zeigten: es wurden Kälber sogar mit 8 0 Pfg vro Psund Schlachtgewicht verkauft. Daraus geht aber unzweifelhaft hervor, daß die .Preise, wie sie oft im Marktbericht veröffentlicht find, nicht stets und nicht immer die eigentliche Höhe ini Durchschnitt zeigen, unb es ist ein Unbing, daß mir Fleischerineistcr ben sortwährenben Schwankungen in bett Einkaufspreisen auch mit ben Berkausspreisen folgen können. Zu hoch halten wir bic Preise nicht, barür sorgt schon bic Äon kurrenz unb nicht etwa ber betr. Artikelfchrciber.
Gewiß, wir rechnen und müssen als orbentliche Geschäftsleute, auf bic wir nun einmal Anspruch erheben, rechnen, allein wir lalkuliercu bic Preise so gering, Ivie sie unter Berücksichtigung der vielen, gerade auf dem Metzgergewerbe ruhenden Auslagen unb Unkosten äußerst bemessen werben können.
Ich komme jetzt auf ben Artikel in Nr. 156.
1. Bekannter unb betreffender Artikelfchrciber ist der Ansicht, daß feit Mitte Juni 1909 ein Fleifchobfchlag hätte eintreten müssen. Als Fachmann kamt ich aber versichern, daß eher ein Ausschlag als ein Abschlag im Preise hätte erfolgen müssen, unb dies ins besondere beim Schweinefleisch, da gerade die Schwcinevreifc mehr als 10 Pfg. pro Pfund im Schlachtgewicht gestiegen sind , auch die Preise für Ochsen sind teurer geworden Wir haben aber nur um deswillen nicht aufgeschlagen, weil wir selbst in aller Kürze einen Preisabschlag im Einkauf erwarteten.
2. Gibt Betreffender bic Preise ber Garnison an. Bor allem kommt aber doch hier bas Quantum unb bic Stücke ber Garnison im Gegensatz zum Publikum in Betracht unb bic bei der elfteren uiaftgebeubeu Bedingungen.
Geben wir denn nicht auch Schweinefleisch (Bauchlapvcu und bcrglj schon zu 70 Pfg. pro Pfunb, Füßchen unb Kopf noch be beulenb billiger, weit unter Einkaufspreis unb zwar auch im Klein- bezw. Einzelverkauf ab?
Der Schluß bes Artikels erinnert an bic Taktik gewisser Herren Politiker, welche einzelne Wörter aus ben Reden anderer hcrausgreifen, um solche bann zu gunften ihrer eigenen Intci essen unb der von ihnen vertretenen Staubesgenoffcn zu verwende». Warum gibt er nicht den wahren Sachverhalt ui Wetzlar an? Wie steht bic bortige Einrichtung heute nach kaum einem Jahre? Kauft nicht dort seit gcrmimci Zeit schon eine größere Anzahl Mitglieder der Bereinigung wieder bei ihren früheren ober bei ihnen beliebigen Metzgern? Offenbar unb doch nur, weil bic Erfahrung sie gelehrt, baft sie bork besser bebicnl locrbcn; ja, es fragt sich sehr, was ber betreffenbc Lieferant heute tun würbe, wenn er nochmals 'm beginnen hätte Ist doch vor nicht langer Zeit ein hiesiger um bl der größte .Konsumverein mit ähnlichen Wünschen an ben betreffenden Wetzlarer Lieferanten herangetreten, aber ohne Erfolg unb warum? Tic Tatsache, baft criigc größere Genosfcmchastsschlächtercien, welche mit großem Mapilal "begrünbet, ja z. D. sogar von großen Agrariern mit unter stützt wurden und nach ganz kurzer Zeit ihren Betrieb mit großem Verlust cinfteUen mußten, dürste in dieser Hinsicht mehr wie genug ’(wn
Wenn der betr. Artikelschrcider glaubt, baß durch eine ge- toiffe Ringbildung der hiesigen Metzger die Preise hochgehalten seien und würden, so ist er hier im Irrtum Gewiß, es wäre von feilen bec Metzger mit Freuden zu begrüßen, wenn behufs Vermeidung eigener und mancher Schädigung einheitliche Per- kaufspreise von Zeit zu Zeit sestgelegi würden, allein dis jetzt ist und war dies in Gießen nicht möglich
F r. S ch r e i n e r.
rrus Stadt und Land.
Gießen, 8. Juli 1909.
" Mittlere Finanz beamte. Ans Beamten- kreisen geht uns solgeude Mitteilung zu: In Nr. 153 Ihrer geschätzten Zeitung sprechen Sie unter „Stadt und Land'" von mittleren Finanzbcamten der Großhcr- z o g l i ch e n Finanzämter. Diese Bezeichnung ist weder durch eine Verordnung noch durch ein ministerielles Aus- schreiben festgelegt, sondern scheinda.r eine imllhirlicb zu- gelegte Benennung der auf den Finanzämtern befebäftigten Gehilfen. Gegenwärtig gibt es in Hessen im Finanz- b i c n ft nur eine Kategorie mittlerer Beamten. Es sinb bies nie, welche die Prüfung für die mittleren Stellen im Ilnanzsach nach der Verordnung vom 24. Juni 1905 bzw. vom 20. Sept. 1853 abgelegt haben. Voraussetzung sür die Zulassung zu dieser Prüfung ist: 1. der Befitz des AvgangSzeugnifses einer Realschule mit siebenfährigem Kurs oder der "Nachweis der Reife für die Unterprima eines Gymuafinms, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule; 2. das Bestehen eines mlndestenS dreijährigen Vorberei- ttlngsdienstes bei verschiedenen Staatsbehörden. Dagegen hnrb von denjenigen Kandidaten, die sich der Fach Prüfung der Finanzgehilfen (früher Stcuerkommifsanats- gebissen) unterziehen wollen, verlangt, außer einem Nachweise darüber, daß die t^esuchsteller nach vollendetem 17. Lebensjahr drei Jahre zur vollen Zuftriebenheit ihrer Vorgesetzten im Finanzamts dien ft beschäftigt gerne n sind, daß sie m i n de st e n s gut e V ölte f d> u l b i l - düng genossen haben. Nicht lmerwähn't soll bleiben, daß es auf Grund lande'slrerrlicher Verordnung noch mittlere Bea'mke im Justiz-, Verwattungs- und Baufach gibt, die hier aber bei oer Bchandluna dieser Frage nicht in Betracht kommen. Vorstehende Ausfüyrungen sollen nur dazu dienen, feine falschen Ansck-auungeit unter denen auf kommen zu
lassen, die genxfit sind, sich dem einen ober dem anderen Beamlcnstande zu widmen.
•* Großb. Zentrale für Säuglings und SRutterfdiur. Wik mitgeteilt wird, ernannte der Groß- ' Herzog ben Mimfterialsekretär a T Ernst Piftor lum Ver- 8 waltuiigsdircktor der Zentrale für Säuglings- unb Mutierfcl utz unter Erieüung be- Charakters als Regierungsrat. Betanntti-r, oerbanh die ;>cnttale ihre iSntftcbung brr Initiative J oes GroftHerzogS. Vor einiger Zeit hat Seine MömglidK Hoheit ; in einen: Erlaß an den Minister bes Innern angeregt, bic im Laube auf dem Gebiete bes Säuglings- unb Mutterfcdutzes wir fi-nbcn Kräfte in einer Zentrale zu vereinigen unb sie baburch in gemeinsamer Arbeit zu stärken Tie Mugtieber ber Zentrale, unter bciien bic Streife unb größeren Stabte fast vollzählig zu fmbeu fiub, haben in einer vor einigen Wowen abgehobenen Sitzung Den Ausschuß der Zentrale gewählt, so baft also jetzt ntraft die prakischt Arbeit be- gnmnt farm. Ter Zweck brr Zentrale ist, die Verminderung der Säuglingssterblichkeit in Heffeu herbeiunübren. Man kann nur wünschen, baft insbesondere auch aus ben Arbeiterkreisen bem Unternehmen bas Interesse unb bas Vertrauen entgegengebracht wird, dos es verdient: unb ebenso auch bem neuemannten Verwaltungsdirektor, dessen Persönlichkeit alle Garantien dafür gibt, baft er allen Ansorberungen. bic an ibn herantreten, vollauf gerecht werben wirb, benn fRegtcnmgsrat Piftvr ist ein Sozial- Politiker, ber mcht nur über großes theoretisches Wissen herlügt, sondern durch viele Reisen im In unb Auslände auch praktische Eriadrungen in reichem Maße gesammelt bat lieber ben Arbeitsplan, bat ber Vorstand zu entwerfen hat, wirb später berichtet werben.
— Lehrcrpersonalitn. Uebcdrogen wurde dem SchulamtSaspiranten Aug. Lenz aus Effolderbach die uiede Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höchst t. D.
•• Stadttheatcr. Für das nächste Cpereitengaftfpiel am 13. Juli (die 4. Vorstellung deS Operettenabonnements), bei dem Karl Millöckers ^Bettelstudent^ zur Aufführung gelangt, zeigt sich das lebhafteste Intercffe. Außer den bekannten und hier bestens eingefühden Kräften, dem Fräulein Großkopf und den Herren Hilsing, Hildebrand und Schwind wirkt als Bromslaiva ein Gast mit, Frl. Aline 5 a n b a r von der Wiener VolkSoper. DaS Auftrdeti ber Künstlerin, die über glänzende Stimmittel und Technik sowie über vorteilhafte Erscheinung verfügt und auch uit Kurtheater . gaflied, durfte unfenn Theaterpublikum eine angenehme Abwechselung bieten.
** Kolosseum Gestern abend führte das Intime Theater Mannheim den rcizenbeii Schwank „T c r W c 1 b b r i e i 11 ä g c r‘# vor. Tie Premiere erlebte einen solchen Heilerkeusersolg, baß bet AktsckKuft ber Vorhang unzählige Male m bic Höbe ging Tic Regie führte Tir. Wciftmöller. Tas Stuck war vorzüglich besetzt, unb bic Tarnen Stürgkh, Gasiren, bie Herren Maiewsku, Branbis unb Franke führten in gerabeju musterhafter Weife ihre Rollen burch. Heute abenb ist wieber ein schöner Schwank zu fehen.
"Die Aufführungen der Herrn an ns ch lacht werden der ungünstigen Witterung wegen bis auf weiteres verschoben.
** Vortrag über Rembrandt. Vor einem im maßen Höri aal der UniDcriität zahlreich erschienenen Publikum hielt am verflossenen Dienstag Herr Privatdozcnt Tr R a u ch auf Ersuchen ber Abteilung für Kunst und Wissenschaft ber Gießen«: dreien Srubentenfchaft einen öffentlichen Vortrag utui „R e m - b raubt". Das Thema bietet, wie ber Rcbner austübttc, uns ein Problem hon gewaltiger Wucht und Tiefe, un verlftmgmsvoller fem, als eine zu äußerliche Behandlung, benn bie rein äußerlichen Tatsachen im Leben unseres Münftb r . haben für feine Kunst recht wenig zu sagen. — Tie Mehrzahl ber Munü*. Historiker steht immer noch im Banne riapjidHirduiiniidi.t ?iu- fthüuungcn. Doch wie bie anberen SBiffenldiaficit iid, mehr uiib mehr vom Tag mal grid)id)te, unb man kann jetzt erst mu einiger Berechtigung von einer Kunsiwffsenfchaft reden Audi die Archäologie hat iidi der neuen Strömung nicht entziehen können Lange mit großer Zähigkeit an dem von Winckelmami uns seinen Schülern ausgestellten Ideal von edler Einfalt unb stiller Große. Ihre Vertreter verachteten bas moberne Lehen, wie es bu Romantik tat, aber im Gegensatz zu dieser aud) bic eigene, nationale fünft« u I' Romantikei hingegen haben gerade
rung einer uiobcrncn nauonalcn Kunst beigetragen, bie auf bem richtigen Gedanken fußt, baft alle grofto Kunst national »em nmft. scholl rein äußere Erwägungen, die z. B. die BersdnedenHeit des ".limas unb ber Raffen verfchiebeucr Läuber zum Gegrnftanb haben, bringen uns bicien Gebanken Fiat zu Bewußtfcin. So erklärt sich bte Eigenart > unu g i nüber
o. r italienischen. Tie südlid flar unb vlasttfch hervortreteu, unb in ber bellen Beleuchtung lammen bie zarteren Farbeunüauccn nicht auf; im Narben liegt em seiner Tust über ber ganzen Gegcnb, ber ;war bi-' Plastik bei eine unendliche Juli uou feinsten Farbenidiattterungcn bewirft. Daher bet den Süblandern die Vorliebe für bav Plastische, aud) in ber Malerei, bei ben Naiblänbem bic für bie Darsielluug bed iwitercu Raums, besonders der Landschai
ber nordischen Kunst ist nun .lirinbranb^ Nack) einer furyn Darstellung seines Lebens, gab ber Redner ein Bild der fünft» ifters an der Hand von uei!>attnis- inäftig recht guten Lichtbildern Gleich in feinen ersten Werken arbeitete Rembrandt mit genialer Benutzung des Lidueifekts, der b-i ihm damals noch durch febars abgegr nzte Strahlen bervvr- gebracht tourbe und fcharfe Kontraste erzeugt 2pater fam er mchi unb mcht von bieici Technik o."
-■ 'N ni in ; an war er '."i'eift 1 ber Behanblmig bes Helldunkels, oao ihm anfangs nut Mittel zum Znxck war, ipaicr aber immer mehr Selbstzweck wurde, unb in dessen Darstellung er cts zu unendlicher Verfeinerung bei Lichtabsninrngen btaaue Bei immer etiffachcr lucrbenber 1rom» poiituru brachte er bic psucholagische Vertiefung feiner Mstallen zur bödiftcn Vallendung Alle Wiberwarligkeiten feines Lebens, der Tob feiner Mmbcr, seiner ersten und feiner zweiten Frau, der finanzielle Ruin konnten feinem Schaffen feinen Eintrag tun, felbl't nicht der völlige körperliche luto geifägc Verfall in ieinen letzten Lebensjahren, io daft man hier fap sagen kann: Der Künstler Hat ben Menschen überlebt. Es zeigt sich auch bür wieder bic unzerstörbare Macht einer gewaltigen Persönlichkeit. Tic originellen unb ftbad buTchbachien Ausführungen des Redner- uxurben mit reicheni Benall aufgenommen. Sie haben w inches Licht in die Tiefe bisher noch ungeklärter Probleme qeiporicn und ,'ichcrlid) nicht verfehlt, ben großen niederländischen Meister all en Anwesenden naher zu bringen.
ee Katholische unb evangelische Rechenbücher. Em pcnfiomeder Lehrer kauft, wenn er in eine fremde Stadt kommt, die in den Volksschulen der Stadt gebräuchlichen Rechenbücher. Er hat bereits eine ganze Sammlung davon znsammengctragcn. Jüngst verlangte der Herr auch in Fulda in einem Papiergeschäft ein Rechenheft für eine bestimmte Stufe, ,3a/ frug der Inhaber, .ivollen Ste ein katholisches ober ein evangelisches Rechenheft?* Tas war unsere« hessischen Pädagogen doch noch nicht vorgekommen. ,Lieber verr*, meinte er ironisch, ,ift bei den Katholiken nicht 2x2 auch 4?* .Gewiße, entgegnete der Verkäufei lächelnd, .aber eS if: in Fulda mm einmal so. Hier muß jede Konfession roafi Besonderes haben/ \


