Ausgabe 
8.7.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

letranl!

SW

Kolstische Tages?cbarr.

Vom scheidenden Reichskanzler.

Das Diner im Reichskanzlerpalais am Dienstag sah noch einmal die Vertreter aller deutschen Bundesstaaten beim Fürsten v. Bülow vereinigt. Naturgemäß waren die Gespräche von den innerpolitischen Fragen beherrscht. Tisch­reden oder sonstige politische Ansprachen wurden nicht ge­halten, wohl aber hat sich der Reichskanzler mit den leitenden Ministern eingehend ausgesprochen. Die Minister fanden den Fürsten in durchaus ruhiger, aber sehr ernster Stimmung. Allseitig wurde das tiefste Bedauern über den Rücktritt des Fürsten geäußert, und aufrichtig bekundete sich die Dankbarkeit aller einzelnen Regierungen dafür, daß Fürst v. Bülow die Geschäfte so lange weiterführt, bis sich jetzt, unter Vermeidung

Wallungen \M I1 Andreas Euler»

z gtofe und breit, daß Sie M8'll.62s!ro6??ek iche, Gaskocherüschi leist!! Mi DailyMS* M'

user

Rodheimerstr^--

dem Fürstentum und dem Reiche für die Zukunft zu sta­tuieren oder richtiger zu modifizieren. Aber schon zu An­fang kam der Gegensatz zwischen dem Recht- und dem Macht- bewußtsein unverhohlen zum Ausdruck und machte alle weiteren Erörterungen im Grunde überflüssig. Mit frommer Feierlichkeit und zugleich mit unverkennbarer Ent­schiedenheit formulierte im Namen der finnischen Kom­missionsmitglieder der Erzbischof Johansen den Grundsatz, baß alle Finnland betreffenden Bestimmungen nur nach Sanktionierung durch den Landtag Gesetzeskraft erlangen können; er wie seine Kollegen erachten es für eine^rwt- wendige Voraussetzung ihrer Mitarbeiterschaft, das; Finn­lands Grundgesetze rund Verfassung, nach dem Evangelium das höchste Gut ihres Volkes, unangetastet bleiben würden. Demgegenüber erklärte der russische Vertreter Deutrich, daß diese Frage verfrüht sei und der Kompetenz der Kom­mission nicht unterliege, da sie nur den materiellen Inhalt der allgemeinen Reichsgesetze, die Finnland betreffen, fest­zusetzen habe. In feinem eigenen Namen fügte er jedoch die vielverheißenden Worte hinzu:In Finnland erheben sich Stimmen für eine Ueberweisung Der Angelegenheit an den Landtag zur Entscheidung. Allein 'ein solches Ver­fahren ist undenkbar und zwar vom russischen Standpunkt undenkbar." Der ganze Ton, den der russische Vertreter anschlug, ließ dann erkennen, daß die Arbeiten der Kom­mission auf die verbrieften Gesetze des Fürstentums keine Rücksicht nehmen würden. Vergebens hatte Johansen auf Recht und Gerechtigkeit hingewiesen, indem er sagte:Das finnische Volk ist bereit, seine Pflicht zu erfüllen, aber von uns werden Opfer verlangt, auf Die kein Volk eingehen kann." Der Stärkere ließ von vornherein seine Kraft und seinen Willen durchfühlen und gewährte dem Schwachen bloß eine Galgenfrist. Denn im September soll die Kom­missionsarbeit ihre Fortsetzung nehmen und den Konflikt in aller Schärfe heraufbeschwören. Bedarf Rußland zu seinem. Glück wirklich der Beugung Finnlands? Also hat einer Der finnischen Vertreter nach ben Verhandlungen ge­fragt. Die Antwort aus diese Frage geben ^etzt alle pa­triotischen Blätter in ihrer unausgesetzten Verhetzungsarbeit. So wird selbst das teuflische Lügengerücht verbreitet, daß die Finnländer dreißig Motorkähne von großer Schnelligkeit gekauft hätten, um die Zarenjacht zu ertränken, und der Vorfall mit Woodburn wird damit in Zusammenhang ge­bracht. Daß dieses Treiben nur dazu bestimmt ist, die ex* forderliche Anti-Finnlandstimmung bis zum Herbst wenig­stens in gewissen Kreisen vorzube. eiten und tnii einer ge­fälschten öffentlichen Meinung aufwarten zu können, ist ohne weiteres klar. Denn die russische Regierung weiß sehr wohl, daß sie in ihrem Streben nach Bedrückung Finn­lands das russische Volk auf ihrer Seite nicht har, daß dessen überwiegende Mehrheit im Gegenteil in der konse­quenten Bekämpfung des sein eigenes Leben führenden Fürstentums einen Uebermut sondergleichen erblickt und mit einer gewissen religiösen Scheu die Verantwortung dafür weit von sich weist.

Zum Nordpol mit dem Zeppelin.

Dr. Eckener, welcher sich in Friedrichshafen niedergelassen hat imb dem Grasen Zeppelin und seinem Unternehmen nahestehl, hat demHamb. Fremdenblatt" einige Erläuterungen bezüglich des kürzlich erwähnten Planes gegeben, mit dem lenkbaren Luft­schiff Zeppelins das- alte Streben, den Nordpol zu erreichen, zur Durchführung zu bringen. Er läßt sich folgendermaßen aus:

Die Meldung über eine geplante Nordpolexpedition des Grafen Zeppelin entspricht durchaus den Tatsachen. Prof. HergSsell, der an Bord derPrinzeß Alice" des Fürsten von Monako dieser Tage in Kiel weilte, hatte, wie er uns mitteilte, die Absicht, den deutschen Kaiser für den Plan zu gewinnen. Nach den neuesten Preßmeldungen scheint ihm dies vollkommen gelungen zu sein. , ....

Die Idee den Nordpol im Motorballon zu erobern, rst keines­wegs so überkühn, wie es auf den ersten Blick erscheinen möchte. Sie liegt vielmehr durchaus nahe. Man weiß, daß schon im Jahre 1907 der Amerikaner Weltmann den Versuch mochte, im Luftschiff zum Pol vorzudringen. Freilich mußte dieser Anlauf mißlingen, weil es ein Unding ist, mit einem völlig neuen, unausgeprobten Fahrzeug sofort eine derartige Expedition zu wagen. Wellmann benutzte denn auch die erste Schneebö zu Anfang Jul: 1907, schnell mit seinem Ballon auf einem Gletscher zu scheitern, als er knapp eine Viertelstunde in der Luft gewesen war. Man hielt damals die ganze Sache für eine Reklame einer großen Zeitung, die hinter Weltmann stand. Bekanntlich ^rüstet Well­mann sich dieses Jahr wieder zu einer Expedition. -Lv kann uns rm nächsten Jahr das Schauspiel eines grandiosen internationalen Wettstreites dort oben in den arktischen,Regionen bevorstehen.

Was gerade die Polargegenden so besonders geeignet macht, von Luftschiffen überquert und durchforscht zu werden, das ist in erster Linie das Fehlen von Tag und Nachtwechscl mit seinen Temperatur- und Bestrahl-ungsdifferenzen. Man weiß, daß die Sckwanrnngen der Temperatur des Füllgases bei Freiballons und auch, wenn auch in geringerem Maße, bei Motorballons zu sort- gesetzten Verlusten von Gas und Ballast führen und unter Um­ständen sehr schnell der Fahrt ein Ziel setzen. Nördlich des Polar­kreises, wo Die Sonne ein halbes Jahr lärm ununterbrochen am Himmel steht, fallen diese schädigenden Einwirkungen in der 4 Hauptsache fort, zumal auch bei wechselnder Bewölkung die Be­

strahlung längst nickt so intensiv ist wie unter südlicheren Breiten. Alan Darf deshalb damit rechnen, daß ein Luftschiff stets so lange in der Luft bleiben und fahren wird, wie sein mitgenommener Benzinvorrat reicht. Ebenso sind Gewitterbildungen und heftige Niederschläge, die z. B. in diesen Tagen denZ. I" zur Landung bei Biberach zwangen, nicht sehr zu fürchten in der Nähe des Pols.

Rechnet man nun so mit einem vollständigenAusfahren" des Luftschiffes in Den Arktischen Brüten, so kommt man zu folgender Leistungsfähigkeit eines für Die Polarexpedition zu er­bauenden Fahrzeuges Zeppelinscher Konstruktion: DerZ. II" halte auf der Pfingstfahrt eine Tragkraft für 8 Personen und wettere 2800 Kilogramm. Das genügte für die Mitnahme von Betriebsmaterial für -10 Stunden, wenn man an Stelle des Wasserballastes weiteres Benzin und Oel hätte einnehmen wollen. Die neuenZ.-Schiffe", die gegen 17 000 Kubikmeter Inhalt haben und durch reichliche Verwendungen von Goldschlägerhaut und fonfiigen leichteren Baumaterialien erheblich größere Nutz- tragkrast aufweisen werden, dürften außer den nötigen Bedienungs- monnschaften Betriebsmaterial für zwei 150 Pserdestorke-Motoren für 70 Stunden oder, wenn immer nur ein Motor läuft, für 140 Stunden mit hochnehmen können. In dieser Zeit könnten die Fahrzeuge, die durch einen dritten Motor gegen etwaige Defekte gesickert sind, mindestens 70x50--8500 Kilometer oder IM x 35 4900 Kilometer durch die Luft zurücklegen. Nun beträgt Die Entfernung vom nördlichen Spitzbergen zum Nordpol und zurück oder nach Amerika hinziber etwa 2500 Kilometer. Es ist also klar, daß das Tätigkeitsfeld der Schiffe ausreicht, den Pol zu gewinnen unb Den Ausgangsort ober einen anderen Hafen wi«ck)er zu erreichen.

Nun kommt aber ein Faktor hinzu: der Wind. Wenn ein heftiger arktischer Sturm zu überroinben ist, kann das Ziel event. unerreichbar bleiben. Man wird in dieser Beziehung nun aller­dings ganz vorsichtig und oehuifam zu Werk gehen. Man wird ruhig am Anfangsort warten, bis es ganz windstill ist ober bis, noch besser, eine günstige Luftströmung herrscht, die man benutzen kann. Wenn die Luftströmung nur bis zum Pol oder in dessen Räche hinaufreicht, ist es völlig genügend. Denn man wird ;a nicht gegen Den Wind an ben Ansgangsort zurückzukehren brauchen, son-dern kann, ioenn man ben Pol einmal erreicht hat, mit tebem Wind, der dort gerade herrscht, zurückkommen und wird schnell wieder im Süden Land erreichen, sei es nun das nördliche

Der Kampf um Wrrlands SelbständigM.

Aus Petersburg wird uns geschrieben:

Etwas Feierliches haftet dem düsteren Kampf um Finn­lands Selbständigkeit an. Wie sich die kleine, aber kern­gesunde Nation auf allen Etappen und in allen Situationen gegen die bald brutalen, bald listig verlogenen Anschläge der übermächtigen russischen Reaktion wehrt, ist voll Tragik, aber auch voll Schönheit. Diese Erscheinung war auch bei den Verhandlungen wahrzunehmen, die dieser Tage die sog. russisch-finnische Kömmisjion in Petersburg einleitete, um schon nach der ersten Sitzung abzubrechen und auf den Herbst zu verschieben. Fünf Vertreter Finnlands und ebenso viele russische Bureaukralen, deren innerste Abnei­gung gegen die finnische Selbständigkeit bekannt ist, hatten gemäß allerhöchster Anordnung die Beziehungen zwischen

Sibirien, Amerika ober Grönland. Wir glauben deshalb, daß die Ucberouerung des Pols und die Rückkehr zu bewohnten Gegenden viel schneller vor sich gehen wird, als man auf Grund einer bloßen Entfemungsabschätzung vermuten wird.

Natürlich wird man die Expedition, wenn sie auch durchaus Bequem ausführbar erscheint, sorgfältig vorbereiten. Man wird im nächsten Fahre Depots mit Betriebsmaterial, Reparatur- material und Proviant anlegen, auf Franz Josef-Lauck in Grön­land, im nördlichen Sibirien und anderswo. Erst im Fahre 1911 kann frühestens an die Ausführung des Unternehmens selbst gedacht werden. Auch muß die finanzielle Seite der Sache zuvor geregelt werden. Mit weniger als 2 Millionen wird kaum die Expedition auszuführen sein, und wenn auch anzunehmen ist, daß die Uebemahme des Protekwrats durch ben deutschen Kaiser sehr bald die nötigen Geldmittel lockern wird, so ist u. W. bisher doch noch die finanzielle Basis nicht gegeben.

Heber ben wissenschaftlichen Wert einer Nordpolexpedition im Luftschiff kam: es sAverlich zwei Meinungen geben. Zwar Meeres­lotungen, Untersuchungen der arktischen Fauna und Flora und dergleichen wird man kaum in dem Maße vornehmen können, wie auf einer Schlittenexpedition ober von Bord eines Forschungs­schiffes aus. Aber die geographische Aufklärung kann man mit Der Kamera und mit freiem Auge von der hohen Warte eütflS Luftschiffes aus in geradezu idealer Weise vornehmen. Wir werden Bilder von den eisigen Regwnen ermatten Dürfen, wie sie gleich anschaulich und reich nie sonst zu erlangen sein werden. Eoetyo eignet sich das Luftschiff ausgezeichnet, Beobachtungen und Mess­ungen ohysikalischer und aerologischer Art zu machen. So muß jeder Deutsche hoffen, daß die Expedition zu ItanDc kommt, um Den Ruhm deutschen Unternehmungsgeistes und ben Schatz mensch­lichen Wissens zu mehren. Ter alte 71 jährige Jüngling <nn Bodensee aber, der sich noch mit solchen kühnen Plänen trägt, wird durch Die geplante Tat nicht das geringste Blatt zu dem Lorbeer rügen, Den er bereits um fein Haupt trägt.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Tie Festlichkeilen anläßlich des 350. Jahrestages Der Gründung der Universität Bern begannen nachmittags mit dem Empfange durch den Rektor und Den Senat. 210 Universitäten und wissenschaftliche Gesellschaften waren vertreten.

seine Pfandbriefe eine einmalige, bei jeder neuen Ausgabe zu wiederholende Abgabe zu zahlen hat. Bei Aktiengesellschaften 1 vom 100 für alle 10 Jahre, bei ausländischen Werten und inbuftriellen Obligationen 5 vom 1000 für 10 Jahre, bei den übrigen Rentenverschreibungen 2 vom 1000. Bei ausländischen Aktien wird sie nie zur Erhebung kommen können, da jeder in- länoifche Aktionär einfach den Talon ins Ausland zum Umtausch schickt. Zweifelhaft gelassen ist in dem Entwurf, wer Die Steuer zu zahlen hat, ob Die Gesellschaft ober ber Papierbesitzer. Es ist feine Bestimmung getroffen für ben Fall, daß Aktien zu- fammengelegt werden und offen gelassen ist Die Frage ber Aus­losung von Wertpapieren Alles derartig einschneidende Mängel, die es unglaublich erscheinen lassen können, daß der Bundesrat der Vorlage zustimmt. Bei allen landwirtschaftlichen und städti­schen Pfandbriefen hak im übrigen in letzter Linie genau wie bei der Kotierungssteuer ber Hypothekenschuldner die Lasten zu tragen. Tas nennt die neue Mehrheit, das nennen die verbündeten Re­gierungen eine Befitzsteuer, und dieses unglaubliche Machwerk soll den Schlußstein bilden bei einem Werke, das alles andere ist, nur keine Finanzreform. *

Der Seniorenkonvent des Reichstags trat während ber gestrigen Plenarsitzung zusammen, um sich über die Geschäftslage zu verständigen. Man will die zweite Lesung bet Finanzreform Donnerstag auf jeden Fall beenden. Am Freitag sollen dann kleine Vorlagen erledigt werden: das Abkommen mit Dänemark, der Handelsvertrag mit Venezuela, das Gerstenzollgesetz, der Korn- missiousbesckluß über Die Gewährung von Beihilfen an Kriegs­teilnehmer und, wenn es geht, auch noch Wahlprüfungen. Tie Besoldungsvorlage kommt am Samstag zur zweiten Beratung im Plenum: der Kommissionsbericht gelangt am Freitag zur Ver­teilung. Am Montag beginnt dann die dritte Lesung der Finanz­reform, an die sich die Dritte Lesung des Besoldungsgesetzes schließt. Man hofft, am Mittwoch fertig zu fein. Es wurde Der Wunsch ausgesprochen, baß mit Rücksicht auf bic noch unerledigten Vor­lagen, Gewerbenovelle, Arbeitskammergesetz usw. ber Reichstag nicht geschlofsen, sondern nur vertagt wird. Doch hat dies nicht der Reichstag zu entscheiden. *

Die BudgetkomMission des Reichstags setzte am Mittwoch die Beratung der Befoldungsordnirng fort. Nach Den Beschlüssen der ersten Lesung sollen Die Obervoft - und Post- assi st enten einen Anfangsgehalt von 1800 Mark (Regierimgs- vorlaae 1650 Mark) und ein Höchstgehalt von 3600 Mark, er­reichbar in 21 Jahren, erhalten. Gegen Diesen Beschluß wenden sich Staatssekretär Shdow und Der preußische Finanzminister von R h e i n b a b e n befürwortet einen Anfcmgsgehalt von 1800 Mark unD ein ,Endgehalt von 3300 Mart'. Tie Regierungstn' konnten sich nickst entschliäM, für die Postafsisteuten höher zu gehen: Die Besoldungsordnung würde sonst für sie unannehmbar. Darauf wurde ein Antrag Der Reichspartei, Der Konservativen und des Zentrums angenommen, Das Gehalt der Ober- bezw. Postassistenten wie folgt festzusetzen: Anfangsgehalt 1800 Mark, lODflim steigend von Drei zu Drei Jahren auf 2050, 2300, 2d00, 2700, 3000 und 3300 Mark. Im wetteren Verlaufe wurden bann gegen ben Widerspruch von freisinniger uffb sozialdemo­kratischer Seile die Beschlüsse erster Lesung zu Klasse II < Unter­beamte, Landbriefträgerklasse) fallen gelassen und dem Anträge der Abgeordneten Dröscher, Erzberger-Lattmann und von Siebert entsprechend, der int wesentlichen Die Wiederherstellung der Re­gierungsvorlage mit einer Reihe von Verbesserungen bedeutet, die Gehalts tze aus 1100 bis 1400 Mark festgesetzt.

'- x ?* X x

' 52.50 3)if * 42.- X 42.^ W

Hnbücha.U andclsschulc, verbunden nr A/.LchulgeldM-MM.Ä irtkerfteinen aus bangesten ilcr liegen im Guttau de innen für 0.50 M. JwW ne werden am 16- o'uli M luabtctluna geöffnet. Dli :ih 1 Lothe. ifrtciUmfl Wetzlar.

: 36 w:

unä

» . * Hitz.

Reichen ft« c öi

3et ^ohat9,i* iUt anbete?

Nr. 137 Erstes Blatt 159. Jahrgang Donnerstag 8. Juli 1909

Der «iehener Anzeiger Ä LezngSprei):

erscheint täglich, außer Ty monatlich75Pf.,viertel-

Sonntags. - Beilagen: Al Ak. A U a a a a jährlich Mk. 2.20; durch

AimMk

wirtschaftliche Seitsragen M tir W W 'V 's/ auswärts 20 Pfennig,

sternsprech - Anschlüsse: W m MM Verantwortlich

für die Redaktion 112, 9 für den politischen Teil:

ZM General-Anzeiger für Gberheffen UM 'ur i>ie iagesnummet Rofaf;ottsöru<! un» Verlag der vrühl'schen Univ.-Such. UN» Steinöruderei K. Lange, «edattion, Grpeöition UN» Druckerei- Schulftraß« 7. L, em°ni-u- H B-ck. bis vormittags 9 Uhr. 0

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 7. Juli.

Der Kampf ist zu Ende. Die Krisis ist gelöst, soweit eine Mitlvirknng des Reichstages dabei in Frage kommt. Tas Besitzsteuerkompromiß Zwischen Mehrheit und Reaie- rung ist fertig und schon morgen soll ihm im Plenum des Reichstages das öffentliche Siegel aufgedrückt werden: auch in der Besoldungskommission ist heute der Bund geschlossen. Jetzt gilt es nur noch die Abstimmungen und vermutlich bei der dritten Lesung eine Abrechnung, die aber lediglich bestimmt fein wird, nach außen zu wirken. Darum äußerte sich bei den heutigen Verhandlungen eine gewissermaßen fatalistische Stimmung, und die Sitzung verlief in einer Ruhe, tüic man sie in den letzten Wochen nicht mehr ge­wohnt war. Den Anfang machten einige kleine Vorlagen, die noch, bevor der Reichstag auseinander geht, verabschiedet werden sollen: ein Musterschutzabkommen mit Dänemark, ein deutsch-ven^uelanischer Handelsvertrag, bei dem man eine der in dieser Tagung rar gewordenen Brandreden genießen mußte, und ein Gesetzentwurf über die Ausgabe r(einer Aktien in den Konsulargerichtsbezirken und dem Schutzgebiet Kiautschou. Die bekannten neueren Vorgänge gaben bei der kurzen Besprechung, die hierüber erfolgte, sem Kolonialpolitiker Dr. Arendt Anlaß zu einer Warnung vor unvorsichtiger Beteiligung an Kölonialgründungen.

Das Finanzrcformprogramm des heutigen Tages war die Freimachung des Bodens für die morgige Schlußver- dandlung über dieBesitzsteuern". Dazu müssen zuvor die boschlüsse der Rumpfkommission über die Mühlenumsatz­steuer und den Kohlenausfuhrzöll beseitigt werden. Der vreußische tzandelsminister Delbrück ioiederholte für beide das Unannehnibare der Regierung, gestützt auf die gestrigen einmütigen Beschlüsse des Bundesrats. Man wußte nicht recht, warnin die Herren Rösicke, Speck und v. Liebermann, die zur Mühlensteuer längere Reden hielten, di« Verhandlung cigentlich noch aufhielten; der Abg. Gothein ironisierte! dies Verhalten in ganz besonders glücklicher Weise. Sie hatten sich sogar in die Untosten eines Abänderungsantrages gestürzt, obwohl man doch wußte, daß sie zuletzt das ganze Besetz würden fallen lassen. Die stark vertretene Linke, der sich mit der Reichspartei auch einige Mitglieder des Zentrums zugesellten, überhob sie der Notwendigkeit eines Umfalls bei "der dritten Lesung, indem sie dafür sorgte, daß von diesem Werke der Finanzkommission für die Dritte Lesung nichts mehr übrig blieb. Weit interessanter als die Verhandlung über den Kohlenausfuhrzoll an sich war ein Frage- und Antwortspiel zwischen Herrn v. Richthofen lind dem preußischen Handelsminister über die Eventualität eines Kaltausfuhrzolles. Man hatte schon seit einigen Tagen davon bemiintelt, daß eine solche Maßnahme als Folgewirkung etneS Scheiterns des Kalisyndikates in sicherer Aussicht stehe. Die Antwort, die Herr Delbrück, wie ans seiner Erklärung hervorging, nicht nur als Chef der preuß. stckligruben, sondern auck; als Staatsminister erteilte, war eine unzweideutige Warnung, ein deutliches diseite mouiti an die beteiligten Werte. Der Kohlenausfuhrzoll selbst itnirbe nach einer Besprechung, in die nur der Sozialdemokrat Hue ein wenig Erregung brachte, von allen Parteien ein­stimmig abgelehnt.

Die neuenSeWsteuern" der neuen Mehrheit.

Die von der neuen Mehrheit im Kompromißwege eingebrachte Talon steuer ift technisch zwar durchführbar, in ihren finanziellen und wirtfchaftlichen Wirkungen aber mindestens ebenso unsozial und für die Entwstllung gewisser Zweige unseres Wirtschaftslebens schadenbringend wie die Kotierungssteiier., Sie hält sich zwar in mäßigeren Grenzen, und sie verlangt, daß jede bestehende Aktien­gesellschaft im Falle der Ausgabe neuer Kuponbogen, jede Kom­mune für ihre Schuldperschreibungen, jedes Pfandbriefinstitut für

.pK