Ausgabe 
9.10.1909 Erstes Blatt
 
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wiesen. Wir alle gedenken noch baitfbar an die Wirkung, die das Bündnis speziell dahin gehabt hat, daß ein strieg in der letzten Zeit vermieden wurde. Ter Bürgermeister erbat sodann die Ermächtigung, aus diesem Anlaß dem Kaiser eine atteruntertänigste Huldigung barbringen und gleichzeitig dem Wunsche Ausdruck geben zu dürfen, daß dieses Bündnis für immerwährende Zeiten er­halten bleiben möge. (Leblmrter Beifall.) Tie Ge- nxeinberäte erhoben sich von den Sitzen.

Die Spanier in Hiaroifo.

Melilla, 8. Okt. Die Spanier besetzten die Halbürsel Trcs F 0 rcas ohne Widerstand und begannen dort mit der Errichtung eines Leuchtlurmes.

P a r i s, 8. Okt. Ter Kriegsmini st erhat von dem General d'Am ade die Aufklärung erhalten, die er von dem General wegen dessen Unterredung mit einem Be­richterstatter desMann" über die marokkanische Angelegen­heit verlangte. Ter Kriegsminister wird morgen mit dem Ministerpräsidenten Briand eine Besprechung über die An­gelegenheit haben.

Wie der General sein Verhalten begründet hat, wird leider nicht mitgeteilt. Vielleicht loirb die Sache durch eine langwierigeUntersuchung" hinccusgeschleppt, bis alles ziem­lich vergessen ist. Eine Maßregelung wird den Geucral schwerlich treffen._____________________________________________

Deutsches Reich.

Ter Kaiser begab sich Freitag vormittag im Auto­mobil von (Sabinen nach Frauenburg, wo er das K'o- pernikus-Tenkmal besichtigte und dem Bischof Bludau einen Besuch abstattete. Danach kehrte er um 1 Uhr im Automobil nach (Sabinen zurück. Um 2 Uhr erfolgte die Abreise nack) Marienburg über Elbing. Tort mürbe er um 6 Uhr 25 Min. vom fommanbierenöen General des 17. Armeekorps von Mackensen empfangen. Hierauf begab sich ber Kaiser mit v. Mack en seit, vom Publikum stürmisch begrüßt, nach dem Neubau des Patschkerchmises int Upenhagcn-Park, um dort die Zimmer, welche mit 'Majoliken aus (Sabinen ausgestattet sind, zu besichtigen. Sodann fuhr der Kaiser in das Offi­zierskasino der Leibhusarenbrigade, wo um 7 Uhr Tafel Itattfand. Um 10 Uhr 30 Min erfolgt die Weiterreise des Kaisers nach Hubertus stock.

Aus Stu ttgart wird gemcibtt: Zur Einschrän­kung der Einlegung von Berufungen durch die Staatsanwaltschaften sind neue Vorschriften her ausgegeben worden. Darin werben die S.aatsanwaltschaf- icn angewiesen, nur noch bann Berufung einzulegen, weint sich iiberiuicgcnb sachliche Gründe aus ber Beschaffenheit des einzelnen Falles oder ber allgemeinen Bedeutung von Rechtsfragen ergeben. Tie Tatsache, daß der Angeklagte seinerseits Berufung eingelegt hat, darf für btc Ent­schließung, ob die Staatsanwaltschaft Beruiung einlegen soll, nicht entscheidend sein.

Der elfte ordentliche Vertreter tag des ReichSverbandes ber Vereine ber natio­nalliberalen Jugend wird am 16. unb 17. Oktober in Jena ftattfinben. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Anträge, die interne Angelegenheiten b. han­deln, wird er sich mit den Vorgängen ber inneren Polin! rin geh en b besckstiftigen. Der politische Bericht wird die Frage der liberalen Einigung erörtern unb vom S.anb- punlt des 'JcationaUiberaiiymuö zu den Beschlüssen inner­halb des Lütköliberalismus Stellung nctymen. Daneben wird man sich mit den Vorgängen in Baycün und Hessen beschäftigen. Eilt weiterer Antrag verlangt diereinliche Scheidung der nationalliberalen Partei von dem Bund der Llanbwirle". Zuletzt wird uod) die Frage der Verwal­tungsreform in Preußen erörtert werden Am Sonntag dem 17. Oktober finden dann die Referate über die staats­bürgerliche Erziehung des deutschen Volkes stall. Am Niou- tag dem 18. Oktober soll ein jungliberaler Redner auf der Wartburg die Bedettlltng des Nationalvereins für die innerpolitifche Entlvicklung Teutschlands barftellcn.

Ausland.

Hanbelsminifter Churchill hielt in London am Freitag eine Rebe, in der er ausführte, es sei nicht anzu­nehmen, daß das Oberhaus das Budget bcriDcrfen roerbe. Eine Ablehnung des Budgets von feiten des Ober­hauses würde ein Gewaltakt gegen die Verfassung sein und auf den Anspruch hinauslaufen, daß das Oberhaus Re­gierungen ein- unb absetzen tönne. Die Regierung werbe keine von dem Oberhaus an dem Budget vorgenommcne Ab­änderungen in Erwägung ziehen und sich auf kein Kom­promiß einlassen.

Das c n g 1 i f d) c Unterhaus hat in dritter Lesung das Lanbeskullurgesetz unb ein Ergänzungsgesetz zur Finanz­bill angenommen.

Tie drille internationale Konferenz für Ber einheitlichung des See rechts in Brüssel hat am Frei­tag ihre Arbeiten beendet und eine Einigung hinsichtlich der Hilfeleistung bei Schiffs Unfällen geschaffen. Die Frage der Verantwortlichkeit des Schisfsreeders sowie die Fragen der Schiffshypothekcn und Schiffsprivilegien wur­den durchberaten, um den bei der Konferenz vertretenen Ländern Material zur Aufstellung von Entwürfen zu geben. In sechs Monaten soll die Dinferenz wieder tagen.

Aus Saigon meldet man: Eine französische Ab­teilung zivang den Seeräuber T e 11) a m, ber sich mit 350 Anhängern im dichten Buschwerk verschanzt hatte, nach hartem Kampfe zur Flucht. Tie Piraten ließen acht Tote am Platz: die Franzosen hatten an Toten sieben weiße unb elf eingeborene Soldaten. 35 wurden verwundet.

Rach langen Beratungen über die Antwort der Pforte, welche die Zurückziehung der De m i s s t o n des armeni­schen Patriarchen verlang.', beschloß die a r m e n i s ch e R a t i o it a 1 u c r j a m m lung, tag der Patriarch auf seiner Demission beharren solle. In einer Unterredung erklärte der armenische Patriarch, die Armenier würden bis Privile- giuiu des Patriarchats bis aufs äußerste verteidigen.

Der Freisinn und die wahlrechkvorlage.

h. AlSfeld, 9. Okt.

3m hiesigen frei'umiqen Verein ivrach gestern Landtagsabg. Reh über den gegeiiwüitigin Stand ber W a hl r e chl s s r a g e in frei jen, besonders üuer das Ergebnis der Vn Handlungen des Gcst^ebungsauSichiistes der Znx iten Kammer, Dem der Rckner Idbft angchön. Nach einer kurzen Würdigung der ersten Drei dem Landtag vorgelegwn Wal>lred)tsfragen führte . r aus, bau un Ans fdjui uni allcii Seiten das Bestreben ge» ecrschl base, diesmal die Reform zustande zu bringen, denn es fei nie stcher anzusthen, bag im .volle des alermaiegen Scheiterns der Wauireanseariage du Regierung in absehbarer Zeit i.v.ic Vortag- mein cinurui.;ai werde. Lcr Ausschuß habe sich bis jm mit den Eescizenm-ucien

über die Vermssimysänderung und die Lanvirändc bdd)äftigt und beide Entwürfe so weit erl-digt, daß voransficÄlich rm November das Uenum der Kammer sich damit befassen könne. Ter ntichtigüe Teck ber gesamlen Vorlage fei die Frage der Verfanungsandenurg en, da von der Verständigung hierüber ine Zustimmung der Ersten Kammer zur Einführung hei direkten Wahl abbängc. Tie von der Regierung vorg-eschlagene Abänderung des Artikels 67 der Verfassung sei insoweit gutgeyeißen worden, als man der Ersten Kammer das seither mrr gewohnheitsmäßige Recht, über die ein seinen Budgetvo s i tionen ab stimm en zu können, mmmebr gesetzlich cm räumen wolle, zumal bei dem N ichtMÜandekommen eines über» ein stimmenden Beschlusses der Beschluß der Zweiten Kammer schließlich als angenommen gelten wllc. Dagegen wurde vom Ausschuß ausdrücklich scstgestellt, daß der Zwecken Sammer das Recht der Ablehnung des ganzen F-iuanzgesetzcs zmtehe, das einer -Steuer« ttoeigenrng gleich zu achten sei und eine Durchstimmung beider Kammern in diesem Falle nicht zulässig sei. Ter bctr. Absatz der Regierungsvorlage imrrbc denrcnti'prechcnd gestrichen. Ter Artikel 75 der Verfassung, der un wesentlichen ein Kron recht ist, sieht vor, daß die Regierung eine Durchstimmung beider Kam­mern veranlassen kann, wenn eine Kammer eine Gesetzesvorlage abgelehnl hat. Tas seckherige Recht schreibe hierbei einsache Mehrheit vor, wodurch die an Zahl stärkere Zweite Kammer im Falle ihrer Geschlossenheit ein Bortegegenüber der Ersten Kammer besitze. Die Regierung schlug enti'predenb den Wünschen der Ersten Stantmer statt der einfachen Mehr Heck eine Zweidrittel­mehrheit vor, durch die Stellung der Volkskammer verschlechtert werde. Ter Ausschuß lehnte sowohl die Beibehaltung des seck- herigen Zustandes, wie die Einführung einer Zweibrittel- oder Treifünftelmehrheit ab und einigte sich bann auf einen Antrag Wolf, ber, falls bie Zwecke .Stammet das bctr. Gesetz mit Zwei- brcktelmehrheit angenommen hat, die einsache Mehrheit bei der Durchstimmung vorsieht, im anberen Falle dagegen die Zwei­drittelmehrheit. Es ist aiiznnehmcn, daß Regierung und Erste Kammer sich diesen Beschlüssen anschließen werden, so daß damit das Vorrecht der Zweiten Kammer genxdjrt bliebe. ES sei für die frei)innige Partei erfreulich, daß mit diesen Beschlüssen der gesamte Ausschuß hvisichttich der Verfasfungsfrage sich dem in dem letzten Wahlkampfe eingenommenen Srandpunkt der Links- literaleii genähert habe. Tas Wahlgesetz selbst sieht zurrächst eine gewisse Modernisierung der Ersten stamm er durch Be­rufung zweier Vertreter des Handels und der Industtic, zweier Vertreter der Landwirtschaft und eines VerttetetS des Handwerks vor. Ter Ausschuß nal>m dazu einen Antrag an, daß die Regie­rung mit dem Inkrasttretcii des Arbeitskammergesetzes auch für die Berufung eines Vertreters der Arbeiterschaft in die 1. Kammer sorgen möge. Tic von der Regierung oorgeschlagene Vermehrung der 2. Kammer um fünf städtische und drei länd­liche Abgeordnete sei vom Ausschuß gutgeheißen worden und es sei umsomehr zu hoffen, daß auch das Plenum diesem Beschluß beitxetcn werde, als dann immer iwch ans einen städtischen Ab­geordneten 2200 Einwohner mehr entfallen als auf einen länd­lichen Vertreter. Die vom Frauenstimmrechtsverein erbetene Aus­dehnung des Lanbtagswahlrcchts auf die Frauen wurde von der Ausschußmehrheit abgelchnt, auch gegen die Stimme des Abg. Reh. Ebenso bemühte er sich vergeblich, die Voraussetzungen der Wahlfähigkeit fortschrittlicher zu gestalten als der Regierungs­entwurf vorsieht. Aber Die Regierung habe erklärt, daß von der Annahme der vorgeschlagenen Kautelen das Zustandekommen der Vorlage überhaupt abhängig sei. Danach sind 25. Lebens­alter, dreijährige Staatsangehörigkeit und dreijähriges Wohnen im Land unmittelbar vor der Wahl als Voraussetzung der Wahl­berechtigung unb der Wählvarkeit gegeben. Weiter roanbte sich ber Rebner gegen den Ausschluß zahlreicher Verwaltungsbeamten, Richier usw. vom passiven Wahlrecht, der namentlich beim direkten Wahlrecht gänzlich überflüssig sei. Tas neue Wahlrecht sehe ferner vor, baß, falls ber erste Wahlgang feine absolute Mehrheit für einen Kanbibaten ergibt, ein zweiter Wahlgang stattzufinden hat, bei dem die relative Mehrheit entf(treibet unb neue Kandidaten ausgestellt werben können. Für die fünf Städte, die mehr als einen Abgeordneten zu entienben haben, ist bas System der Verhältniswahlen beschlossen worben. Gegen bie Mandate bei brci kleinen Städte hat sich im Ausschuß fein Widerspruch er­hoben uab bet Redner wuche nur bann für ihrt Abschaffung stimmen könnest, wenst eine völlig gleichmäßige Wahltrciscin- teilung burch bas ganze Land geschaffen werde. Tie übrigen Bestimmungen des Wahlgesetzes über das Wahlverfahren send durchaus liberal unb werben wohl Annahme finden. Mit dem Dritten Gesetzentwurf, bet Wahlkreiseinteilung, hat sich ber Aus­schuß noch nicht befaßt. Er wirb wohl größere Schwierigkeiten bieten, ba babei hauptsächlich Partei- und persönliche Interessen in Frage kommen. Im übrigen hält der Redner das Zustande- kommen der Reform jetzt für möglich und meint, es sei nicht ausgeschlossen, daß die. ländlichen Abgeordneten aus die Vermehrung der ländlichen Mandate verzichten würden, um das Zustandekommen der Vorlage zu ermöglichen, zumal sie ja mit 40 gegen 15 Stimmen immer noch die große Mehrheit in der Kammer hätten. Tie freisinnigen Abgeordneten würden unter Zurückstellung weitergehendcr Wünsche sich bemühen, die Vor­lage durchbringen zu Helsen, um endlich einmal Den Fortschritt Des biretten Wahlrechts zu erreichen.

Ter Vortrag mürbe mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt.

Da; bahnprojekt Zriedderg-Ranstadt.

Aus der Wetterau wird uns geschrieben:

Die an der Bahnstrecke Friedberg-Ranstadt interessierten Gemeinden (Ossenheim, Nieder- und Ober-Florstadt, Staden, Nieder- und Ober-Mockstadt > hoffen zuversichtlicli, daß sich dieses Projekt nach Fertigstellung des neuen Bahnhofes in Friedberg verwirkliche. Leider aber sprechen triftige Gründe gegen die Realisierung des Projektes, und vorläufig wird toohl aus dieser Strecke nichts werden. Als vor Fahren den Gemciitden diese Bahn angeboten wurde, lvehrten sich maßgebende Persönlichkeiten dagegen, weil sie glaubten, durch die Bahn insofern gescl-üdigt zu werden, als sie die billigen Arbeitskräfte verlören, die die Bahn dann benutzt hätten, um in der Stadt bei besseren Lohnen in Fabriken und anderswo Arbeit zu finden. 'Jhtn sind in­folge davon die Sttecken Friedberg-5)ungen und Friedberg- Nidda gebaut worden. Tic projektterte Bahnsttecke Fried­berg-Ranstadt wäre also jetzt nur noch auf die paar Ge­meinden, die an die Strecke zu liegen kamen, angewiesen nicht wie früher, wo man auch noch auf anliegende Ge­meinden rechnen könnte, die jetzt iljrc eigene Bahn haben und eine Rentabilität dieser Strecke ist also, da es sich nur um sieben Ortschaften handelt, in Frage gestellt, zumal von einer Industrie in dieser Gegend keine Rede sein kann. Kein größerer Steinbruch, feine bedeutendere Russen­brennerei, kurzum fein Unternehmen gäbe es in der Nahe, das einen regelmäßigen, regen Güterverfehr bedingte. In dieser Gegend blüht ausschließlich der Llckerbau, der ivohl auf einigen Güterverkehr in der Erntezeit umfomchr hoffen ließe, als die großen Guter Florstadt und Staden eine große Ein- und Ausfuhr aufzuwcisen haben. Nun wurde auck) davon geredet, daß diese Bahn nicht über Ossenheim, son­dern über Asjenheim laufen sollte, so daß man noch mit dem 2300 Morgen großen Gut Wickstadt, als einem ganz be deutenden Fut.vr, -,u rcajucii Hille. Tabci darf aber nicht vergessen werden, daß dann nad) Wickstadt zu der Florstudler Bahnhof zu liegen Linie, so daß jetzt wieder -das F-lorjtädter Gut viele Accker Hütte, bie bcin Reichelsh. imer Buhnhof näher lägen, als dem eigenen. Und für Wiaftadt trifft diese Talsact,e, was den Aj,enheimer Bahnt,os in trifft, immer zu. T. h. Florfiadt rjiro einen Teil feiner Euler auf der Friedberg Audacr Bahn unb Wic.'.apt ar., de F.iebo.'rg- .van au er Bahn versenden. Nehmen wir aber au, aus; fiq> FUustaot uiio Wickstadt vcrpjlichten, ihren jumuuycii Gitter-

verkehr ber Friedderg-RMTstädrer Strecke zugute kommen zu lassen, dann müssen mir daran denken, daß bi«* Strecke Florstadt-Friedberg keine 12 k'lometer lang ist. Ter Ver­dienst wird also für die Bahn selbst unter diesen Be­dingungen nicht allzu groß sein. Hier macken lange Strecken das Geschäft aus. Ucbcrhaupt darf man nicht vergessen, daß Friedberg von Ranstadt kaum 24 Kilometer entfernt liegt, daß also die ganze Strecke schon aus dem ohtunbe fick schlecht rentieren wirb, weil sie eben zu kurz ist. Bon bem Personenverkehr, ben auch noch fast missck'icßlick die vierte Klasse zu tragen hätte, wollen wir sckon gar nickt reben. Denn am Prussagierverkehr ist noch ferne Bahn reich geworben. Tirnn müssen wir aber and) bie Frage aus- werfen, wer soll benn eigentlich diese Bahn bauen? Ter Staat bat fein Interesse daran. Er wird sich hüten, wo das Geld eben so wie so schon rar ist, sich auf unsichere Unternehmungen einzulassen Unb eine Privatgesellschaft, bie aus purer Menschenfreunblichkeit unb Nächstenliebe un­rentable Bahnstrecken baut, gibt es bis heute noch nickt. Subern ist uns aus guten Quellen befannt, daß die Firma Lenz, die einzige, die in Betracht kommen tonnte, dies Pro­jekt schon seir langem hat fallen lassen Wir wollen nickt unerwähnt lassen, daß vielleicht sogar die Gemeinde Mock­stadt diesem Bahnbau Schwierigkeiten in den Weg stellte, da sie in der Tat gar nicht allzuviel Interesse daran habe. Für ihren Derscnrdt liegt ihm Ranstadt nahegenug. Die einzige Gemeinde, die tatsää)lick horrenden Nutzen aus dieser Bahn zöge, ist Florstadt, unb es ist doch zum mindesten sehr fraalia), ob diese Gemeinde, die selbstverständlich alle Hebel in Bewegung setzen wirb, allein imstande ist, dieses Bahn­projekt Friedberg-Ranstadt in die Wirklichkeit umzusetzcn. Und so wird man sich ein)troeücu noch mit ber Äutopost be­gnügen müssen, die zwar verhälttrismästig häufig genug oerkchrt und sehr pünktlich ist, dafür aber zu teuer, zu un- zuverlüssig ist wir meinen nicht Unfälle, sondern bie Ge­fahr, wegen Ueberfullung nicht mitgenommen zu werben unb bann vor allen Dingen Somitags, wo man sie natür­licher Weise am notwcnoigste,! gebrauchte, nur vor Tau unb Tag nach Ranstadt und in dunkler Nacht erst wieder nach Friedberg zurück fährt. K'. W.

Die Obsternte öe$ Kreifes Gießen.

. ch Gießen, 9. Okt.

Die Krcisstraßenverwaltung hat bie Obsternte ihrer reichen Obltanpflanzungen in eigene Verwaltung genommen. Es Hal dus einen mehrfachen Zweck, einmal sollen Die ObsU'üume mehr ge­schont unh geschützt unb außerdem eine bessere Verwertung, S'e'cl- schätzung und Verwendung des zum Teil erstklassigen Obstes berbet- gcfühit werden. Bei Versteigerungen leiden nicht leiten die Bäume durchs Das ungeschickte Brechen sehr, und osl rocrDen werwollc, cDIc Sorten, die höchste Preise verdienen, bei Bcrstciacrnngen wie geringe Sorten vcrkaust unb vielleicht so nur Der Teil ihres

Wertes erzielt. Tas zeigte sich dieses Jahr z. B. wieder an der Straße Klein-Linden Tiitenhofen bei Bäumen mit der edlen Landsberger Reinette. Trotz des noch jugendlichen Alters lieferten die Baume etwa 5 Zentner wohlausgebildetc Früchte, die nach den jetzigen Obstpreifen einen Wert von etwa 70 Mark haben. Erfahrungsgemäß wären diese Aepfel bei einer Versteigerung auf nur 20 Mark gekommen, somit ist Der Allgemeinheit ein Nutzen von Dem einen Baum von etwa 45 Mark geworden. In noch viel weitgehender Weise zeigt sich Diese Erscheinung an ent'- rnter -n Kreisitraßen, z. P. an Der Strecke BettenhausenBellersheim Dort hatte man vielleicht 50 Mark durch Versteigerung gelöst. Die Verwaltung hat nun aber das Obst selbst gepflückt und m Dem Kreisamtskeller zum allgemeinen Verkauf ausgestellt. Hier büDen sie einen Wert von 4 50 M ark, io daß nach Abzug der Pflückkosten usw. ein Mehrgewinn von 300 Mark minDcr.46 allem an dieser einen Straße bleibt. Diese Taisackw kann iv*r Verwattung nicht gleichgültig sein Tas Verfahren hat auch firr bie Wertfcl-ätzung eblcr Sorten Nutzen. Leute, Die irüyer gar nicht an das Lagern von Obst in Kellern dachten, sehen jetzt un Küteisamtsketter bas Obst m sachgemäßer Art sortiert und ,.uin Kauf ausgestellt. Dori sieht man in schöner Anordnung Pracht- volles Obst besonders Aepfel lagern, und zwar in zwei Sortierungen als Tafelobst und zum -teil als 3. Sortierung iKelterobst). Tiefe Einrichtung der Kreisstraßenverwaltung bat bei den bisherigen Abnehmern große Bcsriedigung hervorgcrufni unb sie melden sich alliährlich wieder. Ter dicsiährige vb]!* Vorrat stammt von den Straßen LichNieder-Bessingen, «ich - " Langsdorf, EberstadtOber-Hörgern und Klein Linden Turm- Hosen. Die vorhandenen Birnen wurden in der .Hauptsache an der I Straße BellersheimBettenhausen gebrochen. Als ed-elsler .'tpfel | kostet der Zentner Schöner von Boskoov 1. Sortierung 18 Mark, I 2. Sortierung 10 Mark, Goldparmäne 15 Mark bezw 8 Mark, | Landsberger Reinette 15 bezw. 9 Mark, Harberts Reinette 15 bezw. 8 Mark, Gelber Edelapfel 15 bezw. 8 Mark, Orleans« i reinettc 12 Mark, Deutscher Cfolbpeppina 12 Mark. Tie Pastoren« Dirne kostet das Pfund 12 Pfg., Neue Poiteau 10 Psg. uno Hof- | ratsbirne 10 Pfg. Tie Kreisstraßenverwaltung ist feit einer Reihe I von Jahren bemüht, forlgefctzk Neuvflanzungen an den KreiS-N sttaßen vorzunehmen und wählt bie Sorten je nach Lage, Bor.n- beschaffenheit unb Klima sorgfältig aus.

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Die Zwetschenernte geht ihrem Ende zu Sic war in unserer gesamten llmgegenb sehr reichlich. Dähieno anfangs dir Zwctschen infolge des Regens aufgsplatzt waren, sogar am Baume zu faulen begannen, sind bie zuletzt gereiften Früchte gut ent« | wickelt unb von schönem Aussehen Ta sich bic ersten Zwetjchen I nicht lange aufheben liegen, würben fic in vielen Orten in I großen Massen an Hänbler ober Likörbrennereien zu den Preisen I von 1,50, 1,80 bis 2 Mark pro Zentner verkauft Tie belferen I Früchte fliegen wieber auf 3 Mark, ja in ben letzten Tagen auf I 4 Mark pro Zentner. Infolge bes reichen Zwetsch^nsegens wird 1 in Stabt und Land allenthalbendonig" gekocht, und die I Zwetschenkuchen gehen btc ganze Woche über nicht au». Viele Leute nehmen auch bas früher beliebte Torren Der Ilverfwen wieber auf.

Ans Stadt und Land.

Gießen, S. Oktober 1909.

** Tageskalender. Stadt l hca ter Sonntag nacb- mittag^Zp, Uln: Der selige Toupi nel. Abends 7^ Uhr: Ein Sommernachtstraum.

Kolosseum: Taglich Voritdhing.

Kinemat 0 gra ph: Täglich Vorücttnng.

Biograph: Täglich Vorstellung.

Militärkonzert: Sonntag nachmittag 4 Uhr in Steinl ©arten

Obstünd Ackerbauausstclkung in der Turnl-alle am Lswaldgarten: Samstag, Sonntag und Montag.

K a n i n ch cn aus stcl lu n g auj ter L.'icvigshöhc: Sami* tag, Sonntag und Montag.

* Ter Großherzog und die Großherzogin von Hessen, sowie bic Prinzessin Heinrich trafen am Freiiag nachmittag um 5* 2 Uhr im Automobil auf dem Flugplatz der F r a n l s u r t e r A u s st e l l u n g ein. Tie Herrichaf en wurden von Gchellnrctt Gans und Major Tfd-udi begr-ißt und nach den Hallen, in denen die Flugapparate ausgesteUr find, geleitet. Leider ist cs infolge ocs starken Windel, des regnerifchen Wetters und des stark aufgeweichten Ter* rains nod) unsicher, ob heute geflogen werden lann.

** V 0 l k s h l u n g 191u. Am 1. Tezemoer 1910 wird vorausficviick meder eine Volkszählung ftailju, men haben. Ttc oabci in Betracht kommenden ^eftöjtOSt sind