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09/10/1909 Erstes Blatt
 
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Samstag 9. Oktober 1909

159. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfahr 16 Seiten.

'nen Chürlaran und ton

Vezugsprer monatlich 75Vi., viertel­jährlich Tlf. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monntlid) Go Vf.; durch diePost Aik.2. viertel- jährl. ausscht. BesLellg. Zeilenpreis: lokal IbPst auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den poliufchen Teil: August Goetz; für^einde- ton" und .Vernnschles^ K. Neurath; fürStabt

sDienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- virtschastltche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsie: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

stark übertrieben, entwickelte sich aber späterhin recht an­mutig. Munter und liebreizend war Franzi K o ch als reiche Witwe und auch Lore Scholz traf den Schwankton sehr glücklich. Eine prächtige Gestalt lieh Hermann Norden dem Naturpropheten Vogelsang; die überspannte Frauen- reck)tleriu gab Ada PaulY in köstlicher Karikatur. Schneidig und herzlich wie immer war Rudolf Goll als Ulanen­leutnant. Von den übrigen Darstellern sind namentlich noch Kurt Gühne als Baron, Erna Güldener als Elisabeth und Elly Gühne als Tante zu erwähnen; aber auch alle anderen machten sich um die Aufführung recht verdient. Karl Neurath.

GesÄlschau ul London nannte Bennau untoürmittii Reporter «einen Helfers. bis SrauLey sich durchsetzen konnte.

dllche FjchiusbilduDs t Prü- wieSchlosser.Hontsure.Kecii- . a. m. in VierteijabresKurwi in 1. Januar, I, April

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Giessen.

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ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

v . u.Land" undGerichts-

rür die Tagesnummer Hofafionsötiic! und Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei B. Lange. Bedaktion, Expedition und Druckerei: Fchulstraße 7. Ai^eigentei'. \ *£>. Beck, bis vormittags 9 Uhr. __

Politische Wochenschau.

Gießen, 9. Oktober.

-Die parlamentarischen Arbeiten in Hessen, die in dieser Woche in den Ausschüssen wieder begonnen haben, toben am Mittwoch eine ernste Neberraschung gebracht. Der hessische Staat beabsichtigt, den Ertrag der direkten Steuern um 25 bis 30 Proz. zu erhöhen! Das wird zweifellos ein allgemeines Kopffchütteln der Steuerzahler zur Folge haben, denn die Steuerleistungen in Hessen sind heute ohne­hin schon hoch genug, und mit den neuen oom Reiche er­hobenen Abgaben sind viele Familien an der Grenze ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit angelangt. Nun noch die Zuschläge für den hessischen Staat! Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit, und ins Unvermeidliche heißt es sich mit Würde fügen, allein die hohen Ziffern der F-ehlbeträge in der Staatsrechnung geben doch zu denken. Nicht nur die Landboten werden die Einzelheiten ihrer Haushaltung in sich vorüberziehen lassen, man wird im Lande Umschau halten nach mancherlei unnützen Ausgaben, die dem Staate auferlegt worden sind, und vielleicht wird man da zu dem Ergebnis kommen, daß unter dem finanziell schwer um- aölkten Himmel die Hüter der staatlichen Finanzen sich iner zu lebensfrohen Auffassung hingegeben haben, daß iie oft unter dem Druck der Landboten für das Wohl nb die Bequemlichkeit des Daseins in unserem Hessenlande allzu tief in den Säckel gegriffen haben. Uns dünkt, für hessische Staatsbauten sind in der letzten Zeit unverhältnis­mäßig viel Gelder aufgewendet worden. Auch wir sind jür das künstlerische Aussehen der Bauten und den Fort- Ichritt der kulturellen Anlagen gerne zu haben, aber alles nruß sich nach der Decke strecken. Schließlich geht die Hu­manität zu weit, wenn man den Strafgefangenen prunkvolle Paläste erbaut, wie zum Beispiel in Mainz geschehen ist. Dort wurde allgemein bewundert, nie man für die innere Einrichtung eines.Provinzialarrest- lauses über 200 000 Mk. veräup,gaben? und wie trrnn für eine Strafanstalt gerade das teure Gelände auf der Schloß- Freiheit ausersehen konnte. Derartige Beispiele tverden noch mehrfach vorhanden sei. Die allgemeinen Sparsamkeits- Grundsätze müssen auch für Hessen angewandt werden. Die Dienstreisen müssen auf das Notwendigste beschränkt werden, jrtb in der Verwaltung wird, wie in Preußen, mancher Lopf abgeschnitten werden können. Unser Parlament w'rd -sich ernstlich zu fragen haben, ob derartige durchgreifende Maßregeln uns die in Aussicht gestellte gewaltige Steuer- «rhöhung nicht wenigstens zum Teil werden ersparen können.

Gleich hinter der erwähnten ernsten Erklärung des Hinanzministers wurden schon wieder Mehraustvendungen für die Ausdehnung der Gewerbeinspektion gefordert. Es -ist klar, daß derartigen Wünschen jetzt keinesfalls näher ge-

Nr. 237

Der Sktzeirer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich 6k&ener$antilknbiätkr; iwennalivöchentl.Areis- dlattfürdenLceirGktzcn

GsstzeneV Staöii^catcr.

Im Klubsessel.

Lustspiel von Karl Rößler und Ludwig Heller.

Das neue Lustspiel, dem seine Verfasser den Namen Im Klubsessel" gegeben haben, ist natürlich kein Lustspiel, sondern ein wenig eigenartiger Schwank, der neben manchen witzigen Einfällen and) manche altbekannten Gemeinplätze enthält Immerhin verwendet er die bewährten Sckwank- rianren mit Geschick u. weiß mit guter Laune zu unterhalten, ivenn auch die Verwickelungen nicht sonderlich neu und nicht stets gerade geistvoll sind. Sieht man aber von Lebens- ipahrheit und Wahrscheinlichkeit ab, dann kann man stch m der recht hannlosen Spaßmacherei schon einmal herz.lu.ch erfreuen, zumal, wenn sie so flott und munter dargestellt uird wie gestern auf uirserer Bübne. Am meisten gefiel anscheinend das Luftbad, wie denn die beiden Vers ass er in der Verwendung dieser neuen Hilfsmittel eine recht glück- liche Hand bewiesen haben.

Der tolle Inhalt ist in der .Hauptsache also: Der Stammsitz des leichtlebigen Grafen Johann Georg wird versteigert und seine ihm bis dahin unbekannte, nach der Scheidung von seiner Frau geborene und in England er­zogene Tochter erwirbt das Schloß mit ihrem mütterlichen Erbe. Im Geiste ihrer Erziehung, die eine alte Jungfer geleitet hat, will sie nun Vater und Bruder zu ^.ugend- helden erziehen, aber die kommen durch eine alte Liebste des Vaters wieder zu Geld. Sie, ziehen in eine nahe Anstalt für naturgemäße Lebensweise ein, weil dort eine sehr reiche Ungarin wohnt, die denn auch schließlich des Mters Braut wird, da der freiheitliebende Sohn nicht für sich, sondern für ihn geworben hat. Das -Schwesterchen ändert natürlich auch seine Ansichten und heiratet seinen Setter. Schluß! ... _

Kurt Gühne hatte sich des Werkes mit eifriger Sorg­falt angenommen und eine hübsche, gefällige Aufführung piwege gebracht. In der Rolle als Gras ^ohann Georg Zeigte sich Hermann Bakof von seiner besten -L-eite und erfreute durch fein fein überlegtes Spiel, das die größten Unwahrscheinlichkeiten menschlich erklärlich machte. ^ein Sohn wurde von Karl M arx mit jugendlicher Frische gegeben, dock) wäre vielleicht noch etwas mehr Schneid wünschenswert. Gusti N e y war als Sarah anfangs etwas

Phrasen gespart und dafür nack fruchibringendeo neuen Gedanken getrachtet werden. Die wirtschaftlichen Inter­essengegensätze sind unter der Geltung und dem Einfluß tarrer Parteiprinzipien mehr als nötig war au'-gebauscht worden. Wenn dann noch der Reichstag daran gehen wollte, nach den Vorschlägen besonnener Abgeord'e er den allgemeinen Redesport auf das Notwendigste zu beschneiden, könnte man einer Zeit neu und kräftig ansschlagenden poli­tischen Lebens entgegensehen. ,

Wir sollten aits der Betrachtungsweise des großen Alt­reichskanzlers uns Rat holen. Der gestern veröfsentlichte- Brief Bismarcks, die Erinnerung an den dreißigjährigen Bund mit der Donaumonarchie, geben uns eine Fülle von Lehren. Bismarck war fein Freund von starren Prinzipien, wie er von den Ereignissen und Notwendigkeiten des Tages ich leiten ließ, zeigt uns geraoe das Kapitel von 18/9. Auch er fand in den Nachbarstaaten durchweg keine Verständnis- vollen Förderer feiner Pläne, llud doch hat er sw alle gebraucht. Er suchte für das junge Reich, das sich durch zwei siegreiche Kriege au zwei Grenzen den Drang nach Ver­geltung zugezogen hatte, nach zuverlässigen Stützpunkten. Rußland bot materiell mehr als Oesterreich, wo die wandelbaren Eindrücke der öffentlichen Meinung in der ungarischen, slawischen und katholischen Bevölkerung" wenig Vorteilhast erschienen. Aber Bismarck ließ die Erfahrung sprechen, und Rußland hatte sich äußerst selbstherrlich zu der Berliner Regierung herabgelafsen und sie allzusehr seine Unentbehrlichkeit fühlen lassen. Schon hatte her ^ar mit Krieg gedroht, wenn das Deutsche Reich nicht ote russischen Forderungen des Berliner Kongresse - bedingungslos unter­stütze. Dazu kam jene sonderbare, diplomatisch ungewöhn­liche telegraphische Anfrage aus dem russischen yoflager von Livadia, ob Deutschland neutral bleiben wurde, wenn Ruß­land mit Oesterreich in Krieg geriete. So w:es die poli­tische Situation dringend auf ein Bündnis mit Oesterrei-u hin. Der gestern miigctciltc hochinteressante Brief Bis­marcks an den Grafen Anbrach' ist vom 29. September 18.-9 datiert. Oesterreich stand gleichfalls unter Dem rusch scheu Druck, und der Vertrag kam nach sehr kurzen Veichandmugen nach wenigen Tagen zustande. Daß der dreißigfährige Ge­denktag auf beiden Seiten amtliche Kundgebungen dauernder Vündnistreue hervorgerufen hac, ist wieder eine Kennzeich- nung der Lage, die der letzte Ballankonflich geschaffen hab Leider tritt "das, was Bismarck schon vor 30 Fahren als Bedenken bei dem Bündnis in Anschlag gebracht hatte, heute schärfer hervor als kaum zuvor, A m.'g leicht-

frage ist noch.immer nicht, gelöst, und unversöhnlim mutet das DschechewAm gegtn Se Dtzichstlmn "^:e berechtig, ist auch heute noch die Bismarckjckc Mahnung.

Mmn in Ungarn stets die besonnene tolttnche ErwaguM bat Ausschlag gäbe, so würde diese tapfere und nnabyaugige Nation sich darüber klar bleiben, daß sie als 3mel w dem Ivetten Moere slawischer Bevölkerungen sich hei ihrer berhaltnisinatzlL geringen Ziffer nur durch Anlehnung an das deutsche Element m Oesterreich und in Deutschland sicl)er stellen kann.

In die Feier des dreißigjährigen BundniStages misckt sich leider die Erinnerung, daß der Nationalckätnistaat an unserer OsLgrenze heute noch ebenso zerrissen ist, wie vor 30 Jahren. . ..

Wien, 8. Okt. In der heutigen Sitzung dev Ge- meinderats führte Bürgermeister Dr. L u eg e r aus: Am gestrigen Tage waren es 30 Fahre, daß das Bündnis mit dem' Deutschen Reiche geschlossen wurde. Dieses Bündnis hat wahrend der ganzen Zeit seines Bestandes sich als eine der s e g e n s r e i ch st e n In st i t u t i o n e n er-

treten werden kann. Ueberraschend ist es, daß die Sozial­demokraten, die doch sonst immer den Säckel der Steuer­zahler schonen wollen, bei der düsteren Finanzlage des Staates dennoch den Mut zu solchen Mehrforderungen fin­den. Uns scheint, daß eine her nächsten Aufgaben unseres Landtages darin bestehen sollte, darüber zu beraten, wie man die wachsenden Ausgaben beschränken kann und ob es nicht angebracht erscheint, auch eine Berwaltungsreform für das Großherzogtum Hessen ins Auge zu fassen.

Der Kamps der politischen Parteien soll nicht das Mld einer wilden und verzweifelten Schlacht bieten, sondern die Gegner sollen einander näher rücken; die Stärke und das Können des Gegners muß nach ruhiger Ueberlegung eingeschätzt werden und das eigne Vermögen danach ein­gerichtet sein. Die politische Berechnung trachtet nicht nach Blut und Racke. Heute wollen freilich oft Minoritäten todesmutig sich der 'Vernichtung preisgeben. Nach träu­m'aer Erfahrung aber dämmert die Erkenntnis, daß dies nicht so weitergehen soll. Nach vielen Irrfahrten erhob sich im liberalen Lager die Sehnsucht nach einer Einigung. Die freisinnigen Elemente haben zur Verwirklichung dieses Zieles einen Ausschuß gebildet, und der Parteitag der süd­deutschen Voltspartei in Heidelberg will gleichfalls einer Einigung der drei linksliberalen Parteien nachstreben. Feder Politiker, der ein möglichst getäuschloses Verfahren liebt, wird diese Entwicklung mit Freude und guten Wünschen begrüßen, denn der bisherigen zerstreuten Schlacht Unord­nung ist man herzlich überdrüssig geworden. Und manch kleines lintsliberales Grüppchen hak mit unerhörter, sicht­barer Kraftanstrengung seine Klimmzüge doch nur zum Spott her Majoritäten ausgeführt. Also Ordnung und plan­volle Einigung! Die Durchführung wird schwer sein, aber der leitende Gedanke hat heute überall Geltung, hat sogar in manchen Köpfen das Ziel einer einzigen, völlig ge­einigten Linken, einschließlich der Sozialdemokratie, er- u ach en lassen. Daß dieses traumhafte Ziel vorläufig nicht zu erreichen ist, hat Bebels Antwort an Konrad Haußmann auf dessen offenen Brief bewiesen. Daß der alte Svzm- listenHäuptling den Ratgeber von der Volkspartei plötzlich bundesbrüdertich. ans Herz drücken würde, hatte wohl kein Mensch erwartet. Noch stehen die dicken materialistischen Klostermauern, noch wird drinnen mit fanatischem Eifer der Glaube gehütet. Und gerade Pebel war ja der Hohepriester, der das strenge Dogma a:[geriet).!(i, der seine ganze LebcucarbM dqan^srrck hach ' Trotztrcm W esM« übU Einfall von Haußmann, dem alten Bebel seine Vorpellungen zuzurufen. Der letzte sozialdemorratische Parteitag hat gezeigt, daß die Zahl derRevisionisten" wächst. Wenn Bebels (Stimme nicht mehr zur Sammlung rufen kann, wenn die m hl re ich en aegensätzlicken Elemente immer heißer an­einander geraten werden, dann wird vielleicht ein Gintger erstehen, her mit der alten Tradition bricht und bereit fein wird, in die linke Schlachtordnung einzuschwenken. Der interessante Briefwechsel zwischen den beiden Parlamenta­riern hat aber schon heute etwas Gutes gezeitigt. Er hat dem Linksliberalismus gezeigt, daß das Liebäugeln mit her Sozialdemokratie absolut keinen Sinn und Zweck hat. Der Anschluß muß also nach her andern Seite gesuckt werden. Das Sehnen Haußmanns nach, praktischer politischer Arbeit braucht nicht aufgegeben zu werden, wenn her Liberalismus, stark und geeinigt, an den starren B.ilken her Pro­gramme abzurüsten beginnt. Es muß an unfruchtbaren

Forscher, die keinen Glauben fanden. Die Welt steht Den Reiseberichten Cooks und Pear ys noch immer mit ungläubigem Kopsschütteln gegenüber. Wenn sie em reines Gewissen haben, könnten Pe.ary und Evok sich aber nut dem Schick­sal anderer Forscher trösten, denen es einft genau jo ergangen ist, wie es jet.t ihnen ergeht. Es wurde bereits auf die Anum- forscher Spele und Burton hingewiesen; auch das Schichal Stanleys, des unbekannten Stanley, der im Auftrage des Eigentümers desNew Bork Herald" Gordon Bennett, au-zog, um bat verschollenen Livingstone in Astillt aus- rnsuckcn, bietet ein Seitcnstück hierzu. Im Januar 1871 kam Stanlci) in Sansibar an. Nach längerem Aufenthalt trat er die Reise nach dem Innern an, erreichte auf unbetretenen Wegen unter außerordentlick>en Schwierigkeiten am 28. Oktober Ujiji nm Tanganjika und fand hier Livingstone. Der heroische alte Mann war nur iwch ein Skelett, aus dessen Augen aber ein un- betohmbarer eiserner Wille glänzte. Stanley maste ihn wieder gesund zu machen. Er zog ihn aus Not und Elend, überrei-üste ihm die Briefe feiner Kinder und brachte chm Nachrichten aus der Sodmat. Dann machten beide zusammen eine Reise um das nördliche Ende des Tanganjika. Livingstone blieb in Unjam- jLinbe, um Mittel z-ur Fortsetzung feiner Forschungen zu erwarten, während Stanley zur Küste weiterzog und diese im Mai 1872 wieder erreichte. Was er auf diesen Wanderungen durch Afrita zu erduldeii totte, tot er in seinem BucheWie ich Livmgstone fand" geschildert. Als er dann aber in Sansibar die europäischen Zertung-n bis, sand er das Allerschlvmmste, das ihm passieren konnte: man glaubte nicht an feine Steife. Gorton Bennett antwortete auf die Angriffe: ,^ch habe für diese For- schuiigsreise 100 000 Ml. aus gegeben. Das ist eine Tatsache." Man erklärte auch da-: für Erfinhiuie, und die Geographisckte

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Frau Christus. W. Vallentin e'czählt in seinem Buche Brasilien (Berlilt, Paetel), das hie von ihm be­suchten, für das Deutschtum besonders wichtigen Teile diejeck Landes behandelt, wie er 10 Kilometer nördlich von Sao Leopoldo an den Hamburger Berg und dann jenseits^von Sapyranga zu den Berglüppen herbeiden Brüder" (Dous Jrmaos) und zum Muckerberg gekommen sei. Die Be­nennung Muckerberg habe ihm eine alte Deutsch-Brasilierin also erklärt': Vor etwa 30 Jahren war es, da gab sich die Frau des dort lebenden Zimmm-rnanns namens Johann Maurer alsFrau Christus" aus. Jaiobine, so hieß die hysterische Person, fand Glauben und Anhänger und gründete nun zusammen mit ihrem Mann in Sapyranga dieMucker- sekte". stommun-ismus und freie Liebe mit Austausch von Weib lein unh Männlein, wobei das Oberhaupt nicht zu kurz kam, wurden gepredigt, und das Volkgläubete". Auf dem vorgenannten Berge wurden befestigte Wohnungen angelegt, wie es hieß, zum Schutze gegen die sogenannten Spötter", die Andersgläubigen. Verachtung und Haß gegen letztere stempelten sie eifrig zu einem Glaubenssatz. Der Fanatismus stieg derart, daß eines Tages beschlossen wurde, sämtliche Bewohner, die nicht zur Derce gehörten, in einer bestimmten Nacht zu vernichten. Da Hub im Juni 1874 ein wüstes Morden und Brennen in dem sonst so fried­lichen .Tale an. Viele Gehöfte gingen in Flammen auf; die ahnungslosen Bewohner wurden auf die gräßlichste Weise umgebracht; sogar kleine Kinder in her Wieg? fanden keine Schonung. Was nicht rechtzeitig flüchten tonnte, fiel unter den Kugeln und Messern derGläubigen". Erst beim An rücken von Militär zogen sia, dieMucker" auf ihren befestigten Berg zurück, wo sie sich zur Wehr setzten und die wiederholten Angriffe der Truppen hartnäckig zu­rückschlugen. Endlich gelang es den Soldaten im Verein mit den deutschen Bauern, die ganze 47tuckergesellschaft zu überrumpeln und zum größten Teil aufzureiben. Nur ivenige entkamen. DieFrau Christus" aber und andere Hauptpersonen fanden chren Tod, und bamit hatte hie Sache ihr Ende erreicht.

Der Südpolforscher Leutnant S hakle ton ist am Freitag nachmittag in Hamburg eingetroffen und abends nack) Berlin wreitergefahren.

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