Ausgabe 
5.7.1909 Drittes Blatt
 
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Di« SS 54 und 107 find bi« Essigvarügrapben. § 54 belastet den Alkoho : essig durch 23enoguna dec Dena- turierunflSprämie; zum Ausgleich bat d-.e Kommission im S 107 auf den Holzessig eine V<rbraucüSabgob- von tO Mk. für daS Silogramm gelegt. '21 bp. Tr. Leber Natl.) beantragt, d-.e Denaturierungsprämie dem m;t irfjig unvollirandig vergällten Branntwein zu gewähren, und die Hclzcsiigabgabc auf nur 20 M!. zu bemessen.

Abg. Gerstepberger (Zentr.), beantragt 24 Mk.

Preußischer Landwirtschaftsminister v. Arnim:

AIS Minister der preußischen Forsten habe ich ein Interesse an der Verwendung des Holzes zu Essig. Aber die Hclzver- Wertung ist in aufsteigender 5ianjunftur, es sind steigende Preise, ein Notstand wurde nicht entstehen.

Aba. Bogel »'Natl.):

Die deutsche Holzesiigindustrie hat schwer zu lämpfen mit der öslccre>chisch-u''garischcn uns der amerikanischen Konkurrenz bei deren billigen Holzpreiscn. Nicht 40 Mk. sind ein Aequivalent für die Belastung dcS AlkoholeffigS, sondern 17,50 Mk.

Lurttembergischer Bevollmächtigter Lchlchauff' bittet um Annahme br5 Antrages Weber.

Nach kurzer weiterer Ausspracke wird abgestimmt. Die Anträge Weber werden abgelehnt und dann der Antrag Gersten» bcrger, den Dr. Weber nun auch zu dem seinigcn macht, gegen die Rechte angenommen.

§ C9.i regelt die DergällungSpslicht (Denatu- rierungSzwang). Don den Notionalliberalen und freisinnigen liegen Anträge auf Streichung vor. Ein Antrag Nehbcl mildert den TenaluriernngSzwang für die Lufthefefabriken gegen die KommissionSficschlüsse, indem er sie in die Lage setzt, ihr bis- berigeS Trinkbranntwcingcschäst. soweit sic in den letzten fünf Jahren betrieben haben, fortzuschen.

Abg. Dr. Weber (Natl.):

Der Paragraph berücksichtigt ausschließlich die Interessen der großen Brennereien. Deshalb lehnen wir ihn ab.

Abg. Dr. Roeficke (fonf.):

Der Paragraph entspricht der steuerlichen Gerechtigkeit.

Die namentliche Abstimmung ergibt die Annahme dcS § 69 a in der Fassung deS Antrages N e h be l mit 181 gegen 166 Stimmen bei 4 Enthaltungen.

§ 103, Kognak., Aether. und Parfümcriezoll, wird verbunden mit dem § 103a, der die auf Antrag Erzvergec von der Kommission in das Branntweinstcuergejetz ciugcfugtc P a r s u n, e r i e st c u e r enthält. Ein Antrag Graf Miclczynski will Mittel, die auf Anordnung dcS Arztes in den Apotheken fier» gestellt werde», sowie die Sachen im Detailpreis bis zu 50 Pfg. von der Steuer frcilaffcn. Ein Antrag Dr. Burckhardt (Wirtsch. vg.) bringt eine Reihe von ©tcuermilberungcn. Ein Antrag Ahlhorn (Fr. Vp.) verlangt eincs Ermäßigung des AetherzollS. Ein Antrag 9!ehbcl bringt eine Ermäßigung des Zollsatzes der Kommission für Parfümerien von 600 auf 400 Mk., dagegen eine Erhöhung des EssigsauwzollS von 42 bezw 78 um je 10 Mk. Nationalliberale und Freisinnige beantragen Streichung der Par» fümeriestcuer.

Echatzsekretär Sydow:

In h 103 wird Ihnen eine Besteuerung von Schönheitsmitteln vorgescrlagen, die sich auf den ersten Blick und wofil auch im Sinne der Antragsteller als eine LuxuSsteuer darstcllen soll. Sie geht aber weit über das Maß der LuxuSsteuer hinaus. (Hört! Hort! links.) Die Fasiung ist so allgemein, das; darunter alle Schön^ hcitSmittcl im weitesten Sinne, Zahnwasser, Haarwasser und wohlriechende Wasser fallen. Sie treffen damit eine Reihe von Gegenständen der Hygiene, der Zahnpflege, der Hautpflege, und Gegenstände, die bei der Kinderpflege unentbehrlich sind. (Hort! Hört! links.), Es stehen aber noch darüber hinaus der

Steuer btele Bedenken entgegen Es werden Gegenwände ge­troffen, die in 150 000 bis 180 000 Geschä'tcn verkauft werden und an deren Herstellung 40 000 bis 50 000 Betriebe beteiligt sind Und was für Geschäfte kommen, beim Verkauf in Betracht? 40 000 Friseure und Barbiere 14 000 Drogen- und Ebern kalien» bandlungen und auch 12 000 Hausierer! «Hör:! Hort! l.nks.i Die Durchführung der StontroQe muß werrrach auf btc allergrößten -chwiermleilen stoßen. Es ift an die Form ccr Banderole ge­rächt. So viel Vankerolen gibt ja gar nicht. ' Hört! Hört! und große Heiterkeit.) . Die Banderolen müsien an jefiem Crt vor­handen fein. Aber auch d,e Personen, die eine solche Steuer tragen sollen, sind nicht die richtigen Tic Steuer ist oaher auch vom wirtschaftlichen Standpunkte aus nicht berechtigt. Sie werden vielleicht mit dieser Steuer 1 bi» 2 Millionen herauSziehen und werden einen Kontrollapvarat dazu nötig haben, der mehr als 1 biS 2 Millionen kostet, lLebhafte» Hört! Hört! Im 14.) ES 'st auch eine ganz besonders unpoDuIäre Steuer. Lehnen Sie daher die Steuer ab. sie bringt nichts und sie ist eine richtige Verärgerungsstcuer allerersten Ranges. (Lebhafter Beifall links.)

Abg. Dietrich (Kons.):

Der Schaßsrkretär Dr. Sndow bat wohl noch niemals so viel Zustimmung erfahren, luie nach der eben gchccktcnen Reoc. Große Heiterkeit links.) ^ch kann tm Namen meiner politischen Freunde sowohl als auch im Namen der fRcidic-partei und der wirtschaft» liehen Vereinigung, von denen ich ba^u beauftragt bin, erklären, baß uns die soeben vom Herrn Staatssekretär dargelegten Gründe und Bedenken veranlassen werden, gegen die Parfümeriesteucr zu stimmen. (Stürmische, anhaltende Heiterkeit, dann lebh. Bei, fall links.)

Abg Erzberger (Zentr.)

(wird mit großer Heiterkeit und Spannung empfangen): Ich gönne dem Herrn Staatssekretär den großen Beifall, den er ge» sunden. «Heiterkeit.) In der Kommission fiat er eben so großen Beifall gefunden, und in der Kommission hat er erklärt, daß er dem Grundgedanken der Parfümeriesteuer sehr sympathisch ge- acnüberstehe (Große Heiterkeit und Hört! Hört! im Zentr.) Ich schließe mich den Gründen deS Herrn Staatssekretärs (große Heiterkeit) nicht in allen Teilen an. Ein großer Teil meiner Freunde hält den Grundgedanken dec Steuer für vollständig ge» sund und berechtigt. Wir hatten nur den Wunsch, die Reichs, sinanzreform zustande zu bringen und die Meinungsverschieden­heiten zwischen der Mehrheit und den Regierungen auf das kleinste Maß zurückzuführen. Wir glaubten das Einvernehmen fördern zu können durch den Antrag auf Einführung einer Par» fümcricftcucr. Nunmehr aber legen meine politischen Freunde keinen Wert mehr auf den § 103a. (Heiterkeit links.)

Staatssekretär Dr. Sydow:

Ter Sinn meiner Ausführungen in der Kommission war, daß ich dem Gedanken einer Luxusstruer nickst unsympathisch gegen, über stehe, und daß ich mich darüber informieren werde, Fch ge. stehe offen, daß meine Kenntnisse in dieser Branche nicht aus­reichende ioaren. (Große Heiterkeit.) Ich habe mich aber mit den Beteiligten in Verbindung gesetzt, und daö, was ich heute hier gesagt habe, ist das Ergebnis reiflicher Erwägungen.

Geheimrat Nay:

Ich möchte Vorschlägen, den Parfümei iezoll auf 350 Mk. fest» zusehcn. Das wäre wohl die richtige Mitte zwischen dem be- antragten Zoll von 400 Mk. und dem in der Regierungsvorlage enthaltenen Zoll von 300 Mk.

Abg. Bassermann (Natl.) (zur Geschäftsordnung):

Nachdem die Stiefväter ihre Kinder verleugnet (Heiterkeit) und der Herr Staatssekretär die Mittclslandsfeindlichkeit der Parfümeriesteucr gekennzeichnet hat, ziehe ich meinen Antrag auf namentliche Abstimmung über den § 103a zurück.

Abg. Träger (Fr Vp.):

Das Gebaren des Ltcuerdlocks erinnert mich an eine fe« schicht: Wie man erzählt, sollen Bäreneltern, wenn ihre ungestalten .lunger zur We!: kommen, sie in bk richtige Fusion lecken. Stürniiiche Heiterkeit.) Der Steuermehrheit bat dieses Bi d offrnenr Dcrgccbrwbt. S:c bringt Steuermonstra zur D.lt und iagr zum Reichstar: Nun decken Sie' Mmuten- lange Heiterkeit.) Die Steuer auf Mund- und Zahnwasier muß im vnierci: der Volksgesundheit Mampft iverden. Schlußrufe rechtk- und im Zentrum, "-roßer Lärm links.) In den Schulen und im Heer und Marine wird letzt der Zahnp.c.c eine aiößere Sühnet Hamlett geschenkt ES träte ein bedauerlicher Ruckschrrt. wenn dieser Voimar>ch durch eine io lebe Steuer aufgehalten würde. > Erneute Schluß'»Rufe rechts und rm Zentrum. Ruse Imv: Ruhe da drüben!) Tw Pariumcriesteuer belcnket vor allem den Mittelstand i Sehr richtig! links.) Redner Mampft weiter im besonderen die Banderolcbcsteuerung. Am ?ause herrscht aber so greße Unruhe, daß er unverständlich bleibt

Abg. Graf Mielezyntzki (Pole):

Dir trerben selbstverständlich gegen die Parfümeriesteuer stimmen und sieben nach den erfläri::'xn deS Staatssekretärs und der Parteien unseren AbänderutizSanlrag zurück.

Die Anträge Nehbel zu § lr'3 werden angenommen. Tie anderen Anträge abgelehnt oder zurückgezogen und § 103a hierauf unter großer Heiterkeit des ganzen Haule-Z einstimmig ad- gel e h n t.

§ 104 enthält die Bestimmung, bar TrirKnrainithxin nur in Behältnissen ^ctlgcbolten werden darf mit einer Angaoe darüber, wieviel Hundertteile Alkohol er mindestens enthält. Der Bundesrat Timt Ausnahmen ::n § 104a enthält die Be» timmung. daß JrinFbranrLw nur uit einem Alkoholgehalt vvo mindestens 30 Hundertteilen feilgehalten werden darf.

Abg. Weber (Natl.) spricht noch einmal gegen diese letztere Bestimmung.

Abg. Nehbel (Kons.)

beantragt einen Zusatz, daß die Landesregierungen Ausnahmen gestatten können und ändert die Zahl ,30 Hundertteile" in 25 um.

Abg. Dr. Diemer (Fr. Bp.):

Ich bitte Sie, auch die Bestimmung im § 104 abzulehnen, wonach als Kornbranntwein nur solcher Trinkbranntwein feil- gehalten werden darf, der auS Roggen. Weizen, Buckiweiten, Hafer oder Gerste fiergestellt ist. Solche Bestimmungen gehören in em NahrnngSmittelgesetz.

Abg. Tr. Südekum (Soz.)!' ' beantragt namentliche Abstimmung,um die Prozentmänner fett* zustellcn". Für di: dritte Lesung kündigt er Anträge an für Aufbringung van Mitteln aus diesem Gesetz, um da:- Volk über die Alkoholgefahr auf zuklaren.

?>ii der Abstimmung werden au-3 § 104 und § 104a tne wesentlichen Bcstimmuiigen abgelehnt, bic ganzen Prozentbenim» mungen und ebenso auch die Teklarationsvestimmungen. für Korn, (-ranntiücm. Uebrig bleibt nur der Satz von den Bunde:-rats. auZnahmen Unter allgemeiner Heiterkeit zieht Sudekum darauf seinen Antrag auf namentliche Abstimmung zurück.

Der Rest deS Gesetzes wird mit den Abänderung-anträgen Nefifiel a n g e n o m ni c n. lieber den Antrag der Sozialdemo, traten auf Unterstützung arbeitslos werdender Arbeiter wird nach einer Begründungsrede von Dr. Eudckum (Soz.) und einer Erwiderung b"? Abg Speck (Zentr.) nament­lich abgcüunmt. Der Antrag wird mit 192 gegen 139 Stimmen bei L Enthaltuiigen abgelehnt.

Nack Erledigung der Branntweinsteuer vertagt sich da» Haus. Montag 1 Uhr: Schankgefäßgefctz und SBcitcrbcratung dec Finanzreform.

Schluß 7^6 Uhr.

Persien.

Angesichts der wichtigen Ereignisse auf innerpolitischem 3): biete schenkt man den Vorgängen auderwärts keine allzugrosie Aufmerksamkeit, obwohl sich versctu'deutlich Dinge absvielen, die leicht in bne- Ölefricbc der Weltpolftik eingreifen könnten. Dies gilt namentlich von Persien, wo augenblicklich alle.' drunter und drüber zu gckheu scheint. Der jetzige Schah ist ein völlig unfähiger Herrscher, ein ungebildeter Antolrat, dessen erste Tat nach feinem Regicnmgsantritt darin bestand, einen Staatsstreich ansznführen und die kürzlick» eingerichtete parlamentarische Verfassung aus zuheben. Herrschte ohnehin schon in einigen Provinzen große Okirung, jo wurde diese durch bin Gewaltakt be* Schahs noch gesteigert, und seit jenem 3citpuiirt haben die Unruhen nicht auf gehört. Einsichtige Ratgeber haben mehr als einmal den Schah zu einem Einlenken zu bewegen versucht, und dieser l>at auch die Wiedereinführung einer Verfassung wiederholt zugesagt, aber cs in bei dem Versprechen geblieben, und dadurch ist die Stimmung der Bevölkerung nur noch aufsässiger geworden. In Teheran selbst mag sich der 5d>ab ja längere Zeit hatten können, da er dort über einigermaßen fähige Soldaten verfügt, namentlich über eine persische .siosakenabteilung, die für den Schutz seiner Person bestimmt ist, aber in der Provinz erbebt bic Rebellion immer mehr ihr Haupt und bic Truppen der Insurgenten sind bereits auf dem Marsche nach der Hauptstadt. Binnen kurzem dürfte cs zu einem Zusammenstoß kommen, der vielleicht über das Schicksal des Schahs entscheidet. Ter weiteren Entwickelung der Dinge inuü man daher mit Spannung entgegensehen, zumal ia auch europäische Staaten stark in Persien interessiert sind. In erster Mteibc handelt cs sich um Rußland und Omgland, die ia auch ein Abkommen wegen Persien getroffen haben, das in der Hauptsache aber nur aur dem Papier steht, während in Wirk­lichkeit ein jeder dem anderen den Rang abznkaufen sucht. Ten Russen ist allerdings die Beoölkcrung nicht sonderlich grün, weil man weist, daß diese den Schah unterstützen, um möglichst viel für sich heranszu schlagen: leb halte Erregung hat cs auch hervor gerufen, bai; russische Truppen die lsirenze überschritten und dort festen Fuß gefasst haben. Um die Gefahr vom Schah und Teheran abAinuciibcu, bat sich der russische Gesandte in Begleitung seines cngln'dicu Kollegen den anrüdenben Rebellen entgegen begeben, nm mit diesen zu verhandeln, und da ist es denn bezeichnend, das- von diesen Forderungen ausgestellt worden find, ivelche in der Hauptsache auf eine Beseitigung ober Schmälerung bes russischen Nebergewichtes hinauSlänfen. Diese Verhanbluiigen haben sich zerschlagen mib schwere Kämpfe sichen bevor Es ist habet be greiflich. bau man in Rußland bic Ereignisse mit größter Auf merksam leit verfolgt unb bereits militärische Maßnahmen vor sieht, uni eventuell ein^ugreife» Für uns in Deutschlanb sind die Verhältnisse in Persien insofern von Interesse, als nicht uit ^cträditlidn'? deutsches Kapital in dortigen llntcriiebmungrn an gelegt ist. Es bars aber erlwfft »»erben, das- unsere Untere)ic«i von Rußland respektiert iui*rbcn und es heißt ja auch, daß die persische <3rage gelegentlich der Monarch.nbegegnung von Björkö Gegenstand der Erörterung gewesen ist £b cS aber nicht zu Reibungen zwischeit Rußland nnd Englaitd kommen wird, lieht dahül.

politische Ca^eifcbau«

Unangebrachte Entrüstung.

Ter Abgeordnete Tr. Roes icke war neulich im Reichstag sittlich empört, als der 'Jlbifcorbnctc Mommsen von der Stcuer'm. n gewisser agrarischer Herren sprach. Bielleicht ist dem Herrn Ab geordneten 2r. Roes icke der Besitzer des :)iiitcrgute> Görsdorf bei Tahnic bekannt. Tiefer Herr hat einen sehr großen kiuiiluB im Kreise und auf dein Kreistage. Auf . eidfoflcn ist eine Chaussee bis zu seinem Gut gebaut worden, und auch eine Klein txihn führt dorthin, bei der nicht die Mo bl en verdient werden Ter Herr von GörSdorf besitzt außer diesem schönen Gute, das er von zwei Inspektoren bewirtschaften läßt und beiicu Rechnungen ein ehemaliger Lazarettinspektor fuhrt, noch nur Was'crmävle. bic er buiiugetauit hat: außerdem bezog er ein aones Gehal: von einer sehr mächtigen politischen Crgauiiation, be der er Tireklor ist. und er Hal eine prächtige EVohnnng in Berlin Ti r Herr aber bat jahrelang Feme Einkorn m e n st euer gezalckt ?tb. man ihn einst in öffentlicher Versammlung fragte, wie das komme.

da antwortete er, er habe zwar keine (linkommcnsteiicr zu zahlen, aber dafür zahle er eine sehr hohe Ergänzungs- Verinögens Steuer Einkommen habe er nicht, da alles, ivas er erwerbe, wieder in die Verwaltung des Gutes hineingesteckt werde, so daß er stets von seinem Vermögen zusetzen müsse. TamalS setzten es aber bic Herren aus Luckenwalde, bic der BeranlagungSkommiffion äuge hörten, durch, daß ihnen bic Bücher des betreuenden Herrn oor- gclrgt wurden Und sie haben cs erreicht, daß der Herr seitdem Einkommensteuer zahlt. Ter arme Mann verheiratete vor Jahres­frist seine älteste Tochter an einen Offizier, bei welcher Gelegenheit ein solcher Prunk entfaltet wurde, daß die ganze Gegend davon sprach. Und wer ist nun der arme reiche Mann, dem das Rittergut GörSdorf gehört? ES ist der Herr Rcichstagsabgeordnctc Tr. Roeficke? Und sein Gut führt im Volksmunde den Rainen: Roc- sickendorf!

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Eine alte Legende.

Roch immer spukt in gewissen Blättern Rußlands und Frank rcickis das Märchen von dergepanzerten Faust" mit der Deutsch land wahrend der l c tz t c n B a l l a n k r i s c R u ß l a n b zu einer Aendemng seiner Stellungnahme unb zu entsprechender Einwirkung auf bic Haltung der serbischen Regierung gepreßt haben 'oll. Be merkenswert ist dabei einzig unb allein bic Zähigkeit, mit der auch Zeitschriften von vornehmeren Range bei dieser Gcschichtssälschung beharren. So will Reue Pinon in einer sonst durch nüchterne Sachlichkeit der Tarstcllung bemerkenswerten Studie über die Balkanfrage in der letzten Juni Ausgabe derRevue des deux Mondes" feinen Lesern abermals glaubhaft machen, der deutsche Botschafter in Petersbui-g habe im kritischsten Momente dem russischen Minister des Aeußern, Herrn Iswolski, die Drohung der deutschen Regierung übermittelt, diese werde bicerforber liehen militärischen Maßnahmen an ber Nordgrenze unverzüglich ergreifen, wenn bic Gefahr kriegerischer Ereignisse an ber Süd gren,c durch das feindliche Verharren ans serbischer Seite nicht augettblicklich beseitigt würde." Demgegenüber wird der Wiener Pol. Morr." aus Petersburg mitgctcilt:Wir sind von ber dazu berufensten Stelle ermächtigt, derlei Behauptungen sowohl in dieser, wie in icbcr anderen Form bedingungslos und nach drilcklichst in den Bereich phantastischer Ersindung zn verweisen. Von irgendwelchen deutscherfeits für gewisse Fälle in Aussicht gestellten militärischen Maßnahmen ist ut ber in Rede stehenden Unterhaltung auch nicht nut einer Silbe bic Rede gewesen."

*

Die Ziele ber Einwanderer im UnionZgebiet.

Tie Einwanderung im Monat März ucrtciLfc sich aus die ver­schiedenen Staaten und Territorien der Vereinigten Staaten ber iet, daß, wie in früherer Zeit, io auch jetzt wieder der größte Teil ber Einwanberer in Rewnork und Pcnnsylvanien bleibt, eine Er scheinung, die weder im Fnteresse der Einwanderer, noch in dem der amerikanischen Wirtschaftsentw'cklung liegt. Von tin ganzen 93 833 Personen blieben .30140 in Rcwvork, 16 528 in Penn splvania, bann kommen die Staaten Fllinois mit 9772, Chio 5013, Mas'achui-tts 46_'l>, (SeVatcet cut 3191. 'Aiiidiigan 2039. Wisconsin 1657, Missouri 1169, Minnesota 1385, California 1233 Personen. Tic niedrigsten Zahlen weisen folgende Staaten auf: Arkansas 31, Reumeriko 30, Alaska 27, Florida 27, isieorqia 27, Sud earo liita 19, Nord-Carolina 18, Mississippi 11, Hawai 2, Philip­pinen 0 Personen Es ist schon oft darauf hingewiefen loordcn, daß die amerikanische Laudwirtsclwft im Testen unb Süden so gut wie immer Arbeitskräfte braucht, daß aber in den großen Bevölkerungszentren, in Newnork und Pennsylvania, die inbuftirvlk sinsis zwar im Schwinden begruicn, aber doch noch nicht so völlig überwunden ist, daß ein Verbleiben hort empfehlenswert erscheint. Tie Bemühungen ber Einwanberunasbelwrbrii sind denn auch darauf gerichtet, eine bessere, den Interessen ber Einwanderer und des Landes gleichmäßig cniiDrcdvnbc Verteilung des Gin wanderungsstromes über bas ganze Ilnionsgebiet in bic Wege

(ßcridit» jaal.

Berlin, 2 Juli. Vom Db-rverwaltmtgsgerick t wurde heute > t' Mage des Bantdtr'ektors M ül!cr-2(ficrteberf. ber grien feine Ausweisung als angeblicher dänischer Untenan Ein sprnch erhoben hatte, z u r uckg e w t c se n. Zn der Begründung

wurde ausgesuhrt, daß bic Dption des Vaters deS Genaniiten seinerzeit aitsgesührt ivorben war, daß der Vater also damals dänischer Staatsangehöriger geworben sei Er sei spater nicht Preuße geworben, denn fein Raine stände nicht in den Listen der Apcitrader Konvention. x

Sandel.

D i v i b e n d e n s ch a tz n n g e n. In Verwaltnnaskrejseu bet Dortmunder Union wird angenommen, daß für bic Vorzugs­aktien Lit. D. diesmal noch eine Heine Dividende entfallen u.ree 11. V. 5 Proä- . Bei der Bochmner Gußfiahlgesellschafk soll die Dividende 10 gegen 15 Proz. betragen, bei bei allgemeinen ElektrizitcUsgesellschast 12 Proz. wie mi Vorjahre. Bei der Züricher Elektrobank 10 Proz. wie int Vorjahre.

Zur inbuftrieUcn Vage. Bei der Kostheimer Zellulose- und Papierfabrik Akt.-Ges. »st die Beschäftigung äußerst gut und bic Gewllschait vermag trot; einer seit mehreren Wochen erhöhten Papierprodnktioii bic vorliegenden Orders kaum u erledigen.

Dortmunder Union. Tor Tortinnnber Union sind im abgchiufcncn Rechnungsjahr durch eine Weit er Verringerung ber Selbstkosten sowie ans ihren Reubetricben und Erweiterung^ anlagen OkiDinnc cingegaugcn, bic, soweit zu überblicken, nun* bestens sür bic Vorzugsaktien bic Ausschüttung von> Prozent Dividende wie im Vorjahr gestatten tic Perwaitung Perm ulet aber auch, einen kleinen Prozentsatz für bic Aktien Lil E. uit Verteilung bringen zu können. Doch hinge bic? ganz von dein Ergebnis der ^Bestandaufnahme ab Fitr das Vorjahr erhielten die Lit. E Aktien 2 Prozent Dividende

D a s M i 11 i o u e u d e f i z 11 d e 4 S ch i k k a h r t s«T ruft«. Der Jahresbericht des Pkorganschen SchisiahrtS»Trusts, der inif November 1908 abschließt, weißt ein Desizit von 17299H3 Dollar a'». Die Bviittoreisen-Eimiahmen betnigvn 29981144 Dollar gegen 28.'.",3588 Dollar im Vorjahre. Während für das BenchtSiahr ein Defizit vorhanden ist, konnte der Trust 1907 noch 4988731 Dollar und 1908 5625754 Dollar Reineinnahme erzielen. Die Tepres'ion des Fahres 1908 wird für das schlechte Resultat vetantiDonlidi gemacht. Dann wird aber auch milgeteilt, daß die crfleu 6 Monate des laufenden Jahres eine große Besserung mit sich gebracht haben.

Märkte.

k<? Wiesbaden, 8. Juli. H e u- und Strohmarkt. Angcfahren waren heute 14 Wagen nut Pen und Stroh. Man notierte: Hen (alt65) 10.00 -10.60, neues 0 00 - 0.00 Mk^ Stroh (Richtstroh) 6.20-7.00 "Ml. Alles für 100 Kilo.

Meteorologische Beobuchtrnrgen

der Station (tfiefcen.

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Höchste Temperatur am 4. Juli 4- 22,8 C. . , 4. , = +

Juli

1909

Barometer auf 0' reduziert

Temperatur der Lust

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