•• Begnadigung. Man schreibt unS: Seine Königliche Hoheit Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein haben Allerhöchst geruht, den Standesherrn Friedrich Gras zu L c in i ng en-West erb ur g zu begnadigen.
A Steinberg (Kr. Gießen), 5. Nov. Gestern nach- mittag bewegte sich ein fast endloser Trauerzug nach dem Friedhof, wie ihn unser Ort noch selten gesehen hat Galt es doch unserm Mitbürger, Bergmann Hch. Weiß die letzte Ehre zu erweisen, der von einer tückischen Krankheit befallen und nach viertägigem Kranksein von dieser Welt ab- berusen wurde. Außer dein 5tricgerverein, dem Gesangverein Germania, dem Turnverein Steinberg, feinen Mitarbeitern, waren viele seiner Verwandten, Freunde und Bekannten gekommen, um ihm das Geleite zu geben. Pfarrer S ominer- lad hielt eine tief empfundene Rede, in der er vor Singen führte, welch ein trcusorgendcc Familienvater der Verstorbene ivar. Es sprachen ferner noch Vertreter seiner Arbeiterschaft rind' Meister, sowie des Turnvereins und legten Kränze am Grabe nieder. Der Verstorbene stand im kaum vollendeten 36. Lebensjahre und hinterlaßt eine Frau und vier unmündige Kinder.
g. B a d-N auheim, 3. Oft Eine 82 jährige Frau suchte in geistiger Umnachtung freiwillig den Tod im großen Teich.
+ Friedberg, 4. Nov. Zu der Mitteilung über den tödlichen Unfall des Hiljsposlboten Tannenberg sei noch nachgetragen, daß der Antrag aus die Gewährung einer Rente an die Witwe des Verunglückten der oberen Postbe- hörde bereits vorliegt. Die Nachricht, daß T. auf Verlangen des Postamtes einen Revers unterschrieben h-bc, nach dem er bei einem Unfall im Dienst keine Rente zu beanspruchen habe, ist unzutreffend. Die Sammlung, die den Hinter- bliebenen in der ersten Not Hilfe gewähren soll und die in der Hauptsache unter den Beamten und Bediensteten der Post veranstaltet mürbe, ergab bis jetzt nahezu 200 Mk., von denen schon vor der Beerdigung 100 Mk. der Witwe übergeben lvurden.
= Neu-Ulrichstein, 4. Nov. In der Frequenz unserer Arbeiterkolonie macht sich der herannahende Wmter und die schlechte wirtschaftliche Lage durch eine bedeutend stärkere Frequenz fühlbar. Während Ende September sich die Zahl der Insassen auf 63 belief, beträgt, sie Ende Oktober 105, da den 26 Abgängen im Oktober 68 Zugänge gegenüberstanden. Von den Abgehenden gingen 15 auf eigenen Wunsch, 3 in Stellung durch eigenes Bemühen und einer ging in die Familie zurück; 5 wurden als arbeitsscheu und 2 als arbeitsunfähig entlassen. Von den 105 am Ende des Oktober noch vorhandenen Arbeitslosen stammen 22 aus Hessen und 18 aus Hessen-Nassau, 12 sind aus Sachsen und 10 auL dem Rheinland. Dem Berufe nach waren nahezu die Hälfte, nämlich 51, Arbeiter. Seltsamerweise befinden sich auch 1 Apotheker, 1 Geometer und 1 Lehrer unter den Insassen.
x Freiensteinau, 4. Nov. An Stelle des seitherigen Bürgermeisters wurde heute Beigeordneter Nasch nut 83 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Muth erhielt 70 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war stark.
L. Darmstadt, 4. Nov. Entgleist ist heute früh um 5 Uhr der erste von Groß-Zimmern i. O. kommende Zug der Bahn Groß--Zimmern-Darnrstadt vor der Einfahrt tn Roßdorf, anscheinend durch schlechte Weichcnstellung. Der Packwagen wurde heraus geschleudert, woraus dec Zug alsbald zum Stillstand kam. Nach cinslündiger Verspätung konnte die Fahrt nach Darmstadt fortgesetzt werden.
RB. Darmstadt, 4. Nov. Im Walde zwischen Psungstadt und Matchen wurde gestern eine Leiche auf- gesunden, die nach den dabei aufgefundenen Arbeitspapieren die des 39 Jahre alten Arbeiters Heinr. Z lnken - dorf von HerSfeld ist und einen Schuß im Kops auswies. Offenbar handelt es sich um einen Selbstmord. Z. hat zuletzt in Groß-Karben gearbeitet und war ganz mittellos.
w. Wetzlar, 4. Nov. In einer stark besuchten Versammlung wurde eine Kranken- und Sterbckasse für
Schnalzlaute. Den ganzen Besitz des Buschmanns bilden Pfeil und Bogen, ein Stock zum Wurzelgraben, oft mit einem Stein beschwert, eine Feldtasche, in der er die unterwegs gesammelten eßbaren Früchte auibewahrt, und ein Netz mit Straußeneiern, die ihm als Trinkbecher dienen. Dabei find diese kleinen gewandten Menschen wohl die geschicktesten Jäger der Welt und verstehen cd, mit beispielloser Ausdauer sich mit tagelanger Verfolgung an große Antilopen, an Strauße und Giraffen heranzufchleichen. Einen auffallenden Gegensatz zu dem Tiefstand ihrer materiellen Kültur bildet ihre geistige Entwicklung. Sie haben eine hochstehende Religion, ihre Literatur besitzt eine überraschende Anzahl interessanter Tierfabeln und in der Kunst haben sie so bewunderungswürdige Leistungen hervorgcbracht, wie kaum ein anderes primitives Volk. Buschmann-Malereien finden sich in großen Teilen von Südafrika an den Wänden von- Höhlen und an geschützten Stellen überhängender Felsen. Ursprünglich scheinen rohe Einritzungen mit Feuersteinsplittern auf Straußeneiern, die als Eigen- tumSmarken dienten, sie auf die Technik geführt zu haben, mit der sie dann große glatte Steinflächen verzierten. Tie Flächen wurden durch Aufschlagen und Schaben mit spitzen Steinen angeraunt. So entstanden leicht vertiefte Silhouecken von Tieren, Jagdszenen usw., die eine erstaunliche Sicherheit der Hand und scharfe Naturbeobachtung aufweisen und in der Dorstellung momentaner Vorgänge^eine fast impressionistische Kunst erreichen. Es gibt solche in Stein geschlagene „vertiefte Silhouetten", deren Alter nach der Art ihrer Verwitterung au schätzen sein dürste. Auch das SUter der Malerei geht zweifellos in sehr frühe Zeck zurüch Die Farben sind Ocker und Eisenoxyde, Kalk und Ko.ste, mit Fett angerieben und außerordentlich haltbar. Solche Malereien, wie sie die Utopien des Völkermuseums zeigen, bilden die oberste Stufe der Buschmannkunst. Auf den frühen Blloern sind meist Jagdszenen dargestellt, jedenfalls niemals irgend wrlche Vorgänge, die auf Beziehungen zu fremden Rassen schließen lassen. Später erscheinen dann Bilder von Kämpfen nut den großen dnullen Zulus, und auf den jüngsten Malereien begegnet man manchmal Europäern, mit Flinten, Pferden und europäischen Schiffen. Die Malereien der Buschmänner scheinen gegenwärtig wie sie selbst einem raschen Untergänge preisgegeben: natürliche Verwitterung, Zerstörung durch Tiere aber Haupt,ächlich auch durch Menschen droht die große Mehrzahl dieser Werke zu vernichten, die durch ihre Verwandtschaft mit den prähistorischen Kunstwerken, namentlich mit denen aus valäolithischer Zeit, das höchste Interesse beanspruchen. Die Kopierung und Inventarisierung der Bilder, die auch von englischer Seite bereits in Angriff genommen wurde, ist daher dringend iwtwendig.
— K l e i n e E h r o n i k a u s rl u n st u n d W i s s e n s ch a f t. Bei dem miernalionalen Preisausschreiben iür den Ban des argen- limichen Polytechnikums in Buenos-Aires erhielt unter 18 Bewerbern der deutsche Architekt Johanne.- rons u ß den ersten Preis in Höhe von 50 000 Frauken; den 2. und 3. Preis ui Höhe von 2d 000 und 12 500 Franken erhielten französische Architekten.
selb ständige Handwerker und Gewerbetreibende de§ Kreises Wetzlar begründet. Generalsekretär Köpper der Handiverkskammer zu Koblenz gab ein Bild über die beiden in Koblenz und im Kreise Ahrweiler bereits gegrün- beten gleichen Kassen, denen 900, bezw. 150 Mitglieder an- qehören. Nach dem Muster der Koblenzer Kasse soll auch die hiesige in vier Klassen eingeteilt werden; es ist ein Monats- beitrag von 3,40, 2,50, 1,70 und 1,25 Mk. zu zahlen. Dem- gegenüber beträgt das Krankengeld nach einer Wartezeit von 20 Wochen bei vollständiger Erwerbsunfähigkeit in der Woche 24, 18, 12 und 9 Mk., bei nicht völliger Erwerbsfähigkeit zahlt die Kaste Arzt- und Apothekerkosten aus die Dauer von 13 Wochen. Im Todesfall wird ein Sterbegeld gewährt, das sich nach der Zeit der Mitgliedschaft absluft.
4- Franken berg, 4. Nov. Die Inbetriebsetzung der Eisenbahn Winterberg — Franke nberg, durch die eine direkte Verbindung zivischen dem Sauerland und Kur- Hessen hergestellt wird, soll am 1. Dezember erfolgen.
** Kleine M i t t e i l u u a e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Reichelsheim wurde die H aus- h a l l u n g s s ch u l e iür den Kreis Friedberg nut 26 Schülerinnen eröffnet. — Bei Kreuznach wurde un Mühlbach die Leiche des B i arrers Achenbach aus dem benachbarten Hi ifels- heim gelandet. Auerbach hatte am Abend vorher dem Reior- »ralions'este m Kreuznach bergewohnt und trat abends 12 Uhr den Rückweg »rach Hüffelsheim an; habet muß er dem Bache zu nahe gekommen und in die Flut gestürzt sein.
«KerrchtriaaL.
Nürnberg, 4. Nov. Ter Bankier Moritz Dünkels, buhl er, Der Gründer der Dculfcheu Nachwrg-Meiall-Akiien- Gesellschaft, ist nach drcikägrger Verhandlung von der 'Anklage des Belrrrges und der Unlerjchlaguug f r e i g e j p r o ch e n wordeir. Ter Siaalsauwall hatte drei Jahre Geiäugnts beautragl.
Landau (Pfalz), 4. Noo. DaS Kriegsgericht verurteilte den Chcvauxlegcr B e ck e r wegen Gehorfams-Ber- wetgeruiig, fchiverer Beleidigung und tätlichen Dergreüens an Vorgesetzten zu 1 V. Jahren Geiäng ni s.
Trier, 4. Nov. Tas Kriegsgericht verurteilte den in Neiße beheimateten Kanonier Alois Kalytta vom 57. Feldartillerie - Regiment, der den Wirt Düsseldori tn Luxemburg ct- stochen halte, zu zehn Jahren und acht Monaten Zuchthaus. __________________
Vie amerikanischen Austanschprosessoren.
Gestern, am Tage oer Prä,iDen^crUvayl in den Veveinig- ten Staaten, hielten die beiden neuen amerikanischen Gäste der Berliner Universität, die Professoren Davis und Adler, ihre Antrittsvorlesungen.
Professor William Morris Davis gehört der Harvard- UniverZtät zu Cambridge an. Er ist physikalischer Geograph und steht int 58. Lebensjahre. Der deutschen Wissenschaft steht er persönlich nahe; Greifswald ernannte ihn zum Ehrendoktor, die Berliner Geographische Gesellschaft zum Ehremnilgtiede. Professor Dr. Fel.x Adler ist der dritte Roosevclt-Prosessor, der zu uns kommt. 1851 als Sohn eines Rabbiners zu Alzey geboren, bekleidet er die Professur der- politischen und sozialen Ethik an der Columbia- Univer,itüt. In Newyork begründete er vor einem Menschenalter die Gesellschaft für ethische Kultur; auch sonst hat er dort für Volksbildung und Volkswohlfahrt viel getan.
Professor Davis sprach über amerikanische Geographie, Professor Dr. Felix Adler über die Grundlagen des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Deutschland unö den Vereinigten Staaten.
Tas sreundschastliche Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika berrüje darauf, daß Millionen von Deutschen drüben eine neue Heimat gefunden haben, und auf der geistigen Verwandtschaft zwischen den beiden Völkern. A u ch d e r Angloamerikaner habe eine ausgesprochene .Hinneigung zur deutschen Wissenschaft, zur deutschen Musik uitb zur deutschen Literatur. Es ist statistisch nachgewtHcn, daß auf den Sekundärschulen Amerikas, wo die Schüler zwifchen französisch und deutsch wählen können, die weitaus größere Zahl das Deutsche bevorzugt. Das gute Einvernehmen zwischen beiden Ländern beruhe ferner darauf, daß beide jugendliche Völker sind. Heinrich v. Treitscyke habe den Irrtum zerstreut, das deutsche Volk für ein altes zu halten; es trete eben jetzt in seine zweite Jugendzeit ein, und bei dem großartigen Aufschwung kommen Kräfte zur Entfaltung, die feit Jahrhunderten in ihm geschlummert haben. Andererseits ist auch Amerika nicht so jung, wie man glaubt; alte europäische Mächte wirken fort auf dem neuen Boden. Und beide Volker haben doch erst in der neueren Zeit ihre nationale Einheit und damit ihre nationale Persön- tichkeit gefchaffen.
Aber in höchster Instanz beruht die Freundschaft zwischen ihnen auf einer gemeinsamen Kulturanfgabe, auf dem idealen Streben nach einer Weltkultur, zu der jedes Volk sein Bestes und Eigenartigstes beizutragen habe. Die erste Bedingung dafür sei gegenseitige Würdigung, gegenfeitigeä Verständnis, und ihrer Förderung solle auch bie Roosevelt- Professur dienen.
Vevtnrscktcs.
* Die dritte Prüfungsfahrt des „Parscva 1", die gestern nachmittag vom Gelände des Luftschsiferbataillons in Berlin aus angetreten wurde, hat infolge der ungünstigen Witterung ein vorzeitiges Ende gesunden. Die Fahrt erfolgte im dichten Nebel, der schließlich jede Orientierung unmöglich machte. Die Luftschiffer waren deshalb gezwungen, in Schön- ciche zu landen. Der Ballon ist aber dennoch von der Militärbehörde übernommen worden.
* Starte Eroveoen machen sich wie fast alljährlich um biefe Zeit in dem großen Erdbebenherd im Vo igtland geltend. Aber auch die südöstlich angrenzenden Gebote sind in Mitleidew- i chaft gezogen. — JnLeipzig rourbq gefLv.t ein Erdbeben wahrgenommen, das besonders in Neu-Schönfelde und Leutzsch verspürt wurde. Auch in der Altstadt von Leipzig war die Erschütterung deutlich wahrnehmbar. Das Beben dauerte mehrere Sekunden und schien von Osten nach Westen zu verlaufen. — In Karlsbad wurden neuerdings Erdstöße beobachtet. — Im südlichen Teile non Erfurt wurde nachmittags eine leichte Erdersckütterung verspürt. Ebenso wird aus Apolda von einer ErsckMtteruug um dieselbe Zcic berichtet; aus Greiz werden verschiedene Erschütterungen gemeldet, die mit unterirdischem grollendem Geräusch verbunden waren. — In Halle wurden ebenfalls starke Erdstöße verspürt, die unter dumpfem Geräusch die Häuser erschütterten. — Aus Böhmen wird gemeldet, daß die am Dienstag mit furchtbarer Gewalt in Asch gespürten Erostöße, die die Bevölkerung in großen schrecken versetzen, andauern. '21m Dienstag nachmittag wurden allein 30 starke Stöße gezählt. Tie Mehrzahl der Bevölkerung verbrachte die Nacht schlaflos.
* Starke lieber schwemm ungen suchen augenblicklich wieder ganz Spanien heim. Seit einigen Tagen herrscht starker Regen in Spanien, besonders im Süden und Osten. In Valencia steht das Wasser über 1 Meter hoch. Die Ein- wohner ic werten Gewehre ab und läuteten die Glockeri, um Hilfe herbeczurufen. Tie Feuerwehr arbeitet unablässig. Auch viele umliegende Dörfer stehen unter Wasser. Malaga ist zum Teil uber'chwcmmt. Ter Blitz schlug dort mehrmals in das deutsche
Elektrizitätswerk und in die Redaktton des -DIattcS „Populär" ein. Tie E i s e n b a h n d ä m m e sind zum Teil weg- geschwemmt, die Telegraphenlinien unterbrochen. Man befürchtet, daß zahlreiche Menschen umgelommen sind.
* V e r m t n d c r u n g d e r GefahrenbcrEifenbabn- Unfällen So oft sich ein Eisenbahnunfall ereignet — man konnte es wieder bei dem Unfall des München—Wlucr Schnellzuges beobachten — werden immer die ersten oder die letzten Wagen am meisten in Mitleidenfck)aft gezogen. Nach einem solchen Unglück kommen natürlich kluge Leute,, die alle möglichen und unmöglichen Sicherungen für den Personenverkehr angewandt wissen wollen, und allerhand Vorschläge für die zu ergreifenden Maßregeln machen, aber die einfachste und nafyüiegcnbitc wird natürlich vergessen. ES soll sich einfach niemand mehr in die e rjl c n und letzten Wag en letze n ! Wenn erst bei jedem Zuge viele Mitreijende sich weigern werden, dicw Wagen zu besteigen, wird die Eisenbahnverwaltung bald gezwungen werden, geeignete Mittel und Wege zur Abhilfe zu fchaffen. Nach dem heutigen Stand der Technik sollte man doch leicht einen Wagen konstruieren können, der hinter der Lokomotive und am Ende des Zuges lausend, durch Zusammcnschiebung oder Zersplitterung den furchtbaren Stoß auf die folgenden Personenwagen wenigstens oerminbert. Auf jeden Fall abcx, müßten die einzelnen Verwaltungen zur Einschiebung einer genügenden Anzahl von Wagen ohne Personenbcsetzung veranlaßt werden, ebenso wie man bei Schiffen durch Herstellung einer wasserdichten Abteilung ober bei Theatern burch eiserne Vorhänge eintretende Ge- ahren zu vermindern versucht. Jebcnfalls bürste ,eine fortgesetzte Mahnung an bas reifenbe unb oft recht sorglose Publikum, jene ersten unb letzten Wagen nicht mehr zu benützen, nicht ohne nachhaltige Wirkung bleiben.
* Eine Aeroplan ohne Motor. Nach 10 Jahren mühseligster Arbeit hat ein armer Italiener namens Roceo M. Viniello in Newyork einen Flugapparat erfunben, der bei weiteren günstigen Resultaten eine neue Aera auf bem Gebiete ber Flugtechnik betreutet. Von bem wichtigsten Prinzip ausgehend, baß bie Fähigkeit eines Vogels, zu fliegen unb in ber Luft dahrn- zugleiten, hauptsächlich auf ber Kunst bes Atmens beruhtt hat Viniello eine Maschinerie erfunben, bie man in gewissem Sinne eine Atemmaschine nennen konnte. Viniello hat für feine Er- titbung 20000 Mk. ausgegeben. Er war bisher Vorarbeiter in einer großen Fabrik unb hat bas Gelb teils durch eigene Ersparnisse, teils durch Anteilscheine auf sein neues Unternehmen in Höhe von 20 Mk., bie er an seine italienischen Freunbe verkaufte, zusammengebracht. Im Schnetzen-Park in Hoboken würbe bereits ein Versuch unternommen, bei bem sich Viniello bis zu einer Höhe von breieinhalb Metern erheben konnte. Seine Maschine ist aus Stahlrohren zusammengesetzt, brei Meter hoch, zwei Meter breit unb zwei Meter lang. Von ber Oberseite bes Gestells gehen nach ber Richtung bes Sitzes zwei riesige pneumatische Pumpen, unb am Enbe hinter bem Sitz befiitbct sich noch eine große Pumpe mit seitlicher Bewegung. Mit icbcr Kol- benbewegung macht bie Maschine eine kleine sprunghafte Bewegung nach oben. Ist bie gewünschte Höhe erreicht, so werben! bie Derberen Pumpen ab gestellt uitb bie rückwärts befinbliche treibt bic Maschine in seitlicher Richtung. Um nun beit Flug in ber Lust zu regulieren, hat Viniello an beiben Seiten kurvenartig gebogene Segelflächen, bic sich innerhalb weniger Sekun- ben entfalten unb roieber zusammenklappen lassen. Die Maschine ist mit einem Steuerrab versehen unb kann aus eigener Kraft sich vom Boben erheben.
* Das Geheimnis von der juristischen Person. Zn einem vergnüglichen Zwischänfall kam es laut „Köln. Ztg." in der letzten Stadtverordnetensitzung bei der Beratung über bic Schankkonzessionssteuer. In dem Enttvurf war vorgesehen, daß der Magistrat u. a. beim Wechsel des Kastellans einer geschlossenen Gesellschaft Steuerfreiheit gewähren köiine. Von mehreren Rednern wurde hierbei von der Steuerfreiheit juristischer Personen gesprochen. Diese Bevorzugung „juristischer Personen^ wollte einem dem Wirtestandc angehörenden Stadtverordneten, der schon vorher in mehreren flammenden Reden bic Interessen seines arg bebrückten Gewerbes vertreten hatte, ganz und gar nicht gefallen. „Ich erblicke bariit eine Ungerechtigkeit", rief er entrüstet. „Da ist z. B. der Rechtsanwalt K., der bic Wirtschaft tut Ehrenfelder Tattersall einfach an einen Kastellan vermietet und als juristische Person bic Konzessionssteuer nicht zu entrichten braucht. Auf diese Weise hätten es dann Rechtsanwälte, Richter und andere juristische Personen leicht, einen Wirtschaftsbetrieb zu unterhalten, ohne zur Konzessivnssteuer herangezogen zu werden. Was von den Wirten verlangt wird, sollte auch von diesen Leuten gefordert iverden!" Unter der Heiterkeit des Kollegiums versuchte Stadtrat Stumpf dem Redner klar zu machen, daß Rechtsanwalt K. weder als juristische Person noch als geschlossene Gesellschaft angesehen werden könne. Der erzürnte Stadtvater aber hatte dafür nur ein ungläubiges Kopfschüttcln. Daß ein Rechtsanwalt teilte juristische Person sei, erschien ihm denn doch zu merkwürdig.
* Der Erfolg des Schissskreisels. Ein Ver^ such, der jetzt mit dem von Dr. Schlick konstruierten Schiffskreisel gemacht worden ist, hat so günstige Ergebnisse gehabt, daß man hoffen darf, aus diesem Wege eines Tages die Seekrankheit auS der Welt schaffen zu können. Ter erste Apparat, ber in England praktisch zur Verwendung kam, wurde für den Dampfer „Lochiel" her- gestellt, der zwischen Oban und anderen Häfen an der Westküste von Schottland verkehrt. Während eines schweren Wetters rollte der „Lochiel" bis zu einem Winkel von 16 Grad auf jeder Seite, im ganzen also in einem Winkel von 32 Grad. Wurde dann der Apparat in Bewegung gesetzt, so nahm das Rollen sofort ab und fand schließlich nur noch in einem Winkel von 2—4 Grad statt, mit am deren Worten, das Schiff erhielt eine vollkommen ruhige Fahrt. Der Kreisel wird elektrisch betrieben und bedarf nur in geringem Maße der Ueberwachung. Die Anordnung ist bedeutend vereinfach^, und die Maschine erfordert nur einen kleinen Raum. Ter Versuch rechtfertigte also die hohen Erwartungen, die man aus die Einführung des Schiffskreisels gefetzt hatte, unb ein Sachverstänbiger gab ber Meinung Ausdruck, daß schon in naher Zukunft der Schifsskreisel ein wesentlicher Bestandteil vow Passagier- darnpfern werden wirb, besonders bei solchen von mäßiger Größe, die auf Küstenfährten beschränkt sind.
* Das Haus ber Zukunft. Aus Paris wird beit* Hamb. N. geschrieben: Mitten in Paris, auf ben großen Boulc- värbs, erhebt sich eilt Neubau, dessen Dach in seiner ganzen Länbo eine große Terrasse bildet. An dieser Terrasse befindet sich cur Vorbau, eine Art Plattform. Die Terrasse ist mit Ziersträuchern und Bänken geschmückt, ein wahrer Garten. Der Garten i'"* aber nicht etwa znm Spazierengehen für bie Mieter bestimmt: c. hat nichts mit ben hängenben Gärten ber Scmirainis zu tun Sein Zweck ist ein nnberer: Tic Mieter bes neuen Hauses Haber in ihrem Mietkontrakt mit einiger Ucberrajchung solgenben Para- graphen gesunben: „Tcm Mieter steht fein Einspruch zu, falls in näherer ober fernerer Zukunft bic Terrasse als Station für Luftfahrzeuge benutzt wirb." Man muß gestehen, bie)er HanS befitzer geht mit seiner Zeit vorwärts. Wer weiß, vielleicht iß seine Jbce gar nicht so dumm unb finbet halb Nachahmung. Te lluge Mann baut vor.


