Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
erwartet wirb.
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wird damit nichts ge
liberalen Kandidaten Dr. Winkler
ändert, wenn auch die Zahl der freisinnigen Wahlmänner
S. K. H. der Groß
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Bn/y iosser. 1 Buchbinder ' < Lügner, 1 'Dialer Her und Tapezierer 4 Greiner, ijüichr- ifftauen, 1 ftliM
Damit auf 11 steigt.
•• Gerichtspersonalien.
Herzog haben den Gerlchtsassessor Dr. Anton Schmit- aus Offenbach zum Amtsrichter in Butzbach ernannt.
" Lehrerpersonalien, llebertragen würbe dem Schulauftsaspiranlen Peter Hannewald auS Lautern dis Lehrerstelte an der Gemeindeschule zu Wahlheim.
Stimmunösbilö aus dem Reichstage.
Berlin, 4. Rvv.
Mia $8Uf)t. Ball igtauun.
Aus Stadt imO Land.
Gießen, 5. November 1908.
' Politisches aus Hessen. In dem Befinden des Neichstagsabgeordneten Keller - Stein-Bockenheim ist plötz- lich eine Verschlimmerung emgetreten. die nach dem /UL I." das Schlimmste befürchten laßt. Die Hoffnung der Aerzte, die Krankheit behoben zu haben, hat sich nicht erfüllt. Der Zustand des Kranken ist derartig,, daß nur noch wenig Aussicht auf Besserung vorhanden ist. Jedenfalls -'reift nach dem jetzigen Rückfall fest, daß Herr Keller fein Neichstagsmandat mcht mehr ausüben kann. — Bei der zweiten Wahlmännerwahl in der Stadt Oppenheim erhielt der naiionalliberale Zettel 275, der freisinnige 299 Stimmen. Am Gesamtergebnis zu Gunsten de§ national«
Schauspieler, anfangs lelbii evbcbenD; faßten sich und Dielten _wacfer aus. „Lustig und iurchterlid) war der Effekt", so berichlet Schiller seiner Lotte, „wenn bei Den gewaltsamen Verwünschungen des Himmels, ivelche die Isabella im letzten Akt ausjpiicht, der Donner emfiel, und gerade bei den Worten des Ehois:
Wenn die Wolken getürmt den Hmuitel schwärzen, Wenn bninpi tosend der Donner hallt, Da, da 'ühlen fid) al’e Herzen
In des furchtbaren Schidials Gewalt, fiel der wirtliche Donner nut 'ürchterlichem Knallen ein, so daß Graff (Eajeiau) ex tempore eine Gebärde dabei madjte, die das ganze Piibtikum ergriff."
Nach der Vorstellung ergoß sich die Begeisterung der Jugend in unermeßlichem Jubel. Tie gesamte Biirschenschar, daruuier auch Leipziger und Jenaer Studenten, zog vor Schillers stille Gartenwohnung, bradjte ihm „em Hallo mit Gesang und Musik", uidie ihm, so viele eben Raum sanden, auf die Stube, ynb einer aus Halle, ermutigt durch des Dichters burschikos liebenswürdiges Benehmen, lud ihn ztw Teilnahme an einem Blähte ein, das der reiche Vater eines Komiluoneii ihnen zurichtete. Schiller lehnte zögernd ab. Aber die Studenten saudteii nad) kurzer Zeit eine Idjnell gewählte Deputation zurück, die im Namen aller die Einladung wiederholen sollte. Diese fand den Dichter, wie er eben zur Ruhe gehen wollte. Was die feurige Rede des Sprechers nicht bewirkte, das tat der tolle Einfall einiger Burschen, bie schleunigst Schillers Kleider ergriffen und ihn wie Kammerdiener umstanden, bereit, ihm beim Anziehen behilflich zu senr: der so Umworbene wurde vorn Humor der Siiiiation gepackt; während er sonst allen Huldigungen nach Möglichkeit answid), fügte er sich jetzt lachend bem naturwüchsigen, ungestümen Drängen seinei jungen Verehrer. Im Saal empfing ihn überschwengliches Jauchzen. „Fast eine Stunde," so berichtet einer der Teilnehmer, Frtedr. Wilhelm Gubitz aus später Erinnerung, „blieb schiller bei uns, wahrhaftig ein Bursche unter Burschen. Er sprach uns and) an, daß wir diesen Enthusiasmus, als notwenbig für bie Bühne und geistigen Bestiebmigen überhaupt, bewahren und möglichst mit* teilen' möchten, Da Die Volksmasse gar zu leicht von etwas festtäglichem Au'schwuuge sich so angegriffen fühle, das; sie rasch.wieder einem alltäglichen Seeleuschlummer verfalle. Tie V'vais, versteht fid), rissen während der Anwesenheit des Dichters gar nicht ab, und er mußte fid) gefallen taffen, fein herrliches Lied: „Areuöe, schöner Gölier'uiikcu" nicht in vollendetster Harmonie zu hören . . . Nach Dem Gelange folgte em Händedrücken und Umarmen, dem fid) logar auch unser Dichter fügte, mir ließ fid) bei bem uns zu Gebote stehenden Rebeniafi von zmu Himmel sprihendem Schaum nid) 15 verspüren — man war selig bei ehrlichem Naumburger —, schäumte es doch in uns. Wir blieben, als auf feinen Wunsch Schiller nur von wenigen und ohne Getöse zurück nad) feiner Wohnung begleitet worden war, in Saus und Braus bis zum Hellen Morgen, wo wir e5 uns bann nicht nehmen ließen, unseren Abgott nod)inalS mit Gesang und Musik zu stören." Als Gubitz nn folgenden Jahre bem Dichter in einer Abendgesellschaft in Weimar vorgestellt würbe und sich als Mitschuldigen an bem
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Tast hat sich für sein Amt in der umianenbften Weiie vorbereitet und nicht nur umfangreiche Reisen in Amercka unternommen, sondern er t>at sich auch in einer langen ÄusianDSreise mit Den außeramerikanisa^n Verhältnissen vertraut zu mad)en gesucht, speziell in beit Ländern am Stillen Ozean, bie ja bie vauptbonbänen für Die Slmenlanische Expansionspolitik bilden. I Auch aus diesem Gebiete wirb man unter Taft wohl nicht allzu
Zeit gewonnen — alles gewonnen! Es war ein glücklicher 1 Zufall, baß bie Vorgänge ber letzten Tage sich abspielten, bevor der Reichstag wieder »ufammen war. Man gewann so Zeit zu ruhiger Erwägung, und bas Verhalten be-3 Auslandes trug bas Scinige dazu bei, die ENvägungen noch kühler zu geftaUen. Die hochgespannte Erregung, mit der man bem Zusammentritt des Reichstags entgegenjah, kam freiliä) heute in den Wallotbau »um vollen Ausdruck. Stundenlang vorher umsäumte ein zahl- ctidjrö Publikum feine Eingangspforten, und in der Wandelhalle nxogte und schwirrte eS uml)cr, wie in einem aufgeklärten Ameisenhaufen. Statt des unpolitisch kollegialen Austausches von Be- grützungen, der sonst nad) längerer Trennung die neue Arbeit einzuleiten pflegt, ein (jaftigey nervöses Stagen überall: jeder wollte vom anderen wissen: Was nun? Schon eine halbe Stunde vor Eröffnung der Sitzung begann sich der Saal zu füllen. Au, den BundeSratsestraden harrte mit schüchterner Neugier cm Schwarm junger Gel)eimräte der Dinge, die da kommen sollten. Unteiftaatofeftttär Wermuth vom Reid)samt des Inneren und Direktor Dr. von Joncguieres repräsentierten die hohe Reichs- cegicrung. Jedesmal, wenn rcdjtS ober links vom Tische des Präsidenten bie Portiere zurückgeschlagen wurde, starr »en von Logen vewaffnete Augen dorthin in Erwartung des Reichskanzlers, aber es war immer nur ein unbekannter Kommissar, der zu einer der zahlreichen auf ber Tagesordnung stehenden Petitionen delegiert loar. Inmitten der erregten Gruppen der Abgeordneten saßen einsam und still die Parteiführer. Von den drei Wvnbfläd)en auf der Seite des Präsidenten leuchtete bie neue Farbenpracht bcs in ben Ferien angebradj’.en Biloerfd)muckes auS der Gcckchichte des deutschen Kaisertou.s: Kaiser Karl der Große mit Der Abordnung ber Araber, Kaiser Barbarossa mit den huldigenben Vertretern ber lombarbtschcn Städte, Kai,er Wilhelm über bas Sdftachtfeld von Seban reitend und unfidjtbar sdpvebte im Saale das vierte Bild: Tev Kaiser in ber Unterhaltung mit den Gewährsmännern des cngiifdjen Blattes.
Zwanzig Minuten nad) zwei Uhr eröffnete Graf Stolberg die Titzung. Es war schon bekannt, baß die großen Parteien jede für sich eine Interpellation einbringen würben unb daß bas Zentrum dabei abwarlenb beiseite stehe; aber mit angehaltenem Atem lauschte man nad) dem Inhalt der Interpellationen, und ein nervöses Lachen erscholl, als ber Zentrums-Schriftführer von Thüneselb in gleichmütigem Tone unter den anderen auch ein paar Interpellationen des Zentrums verlas, die auf die Arbeitslosigkeit unb schwarze Listen Bezug haben. Dann einige geschäftliche Mitteilungen, der iltochruf auf bie seit ber letzten Sitzung verschiedenen Kollegen, die schriftlia-e Müteilung des hannover- fdicn Abgeordneten Held, daß er bis zu feiner Rehabilitierung, einstweilen bis Weihnachten, das ihm von seinem Wahlkreise übertragene Ehrenamt nicht ausüben werde, und bann verkündete der Präsident den Eintritt in die Tagesordnung. Draußen in der Wandelhalle hatte verlautet, die Sozialdemokraten würben einen Geivaltstceich versuchen und ben geschästsordnungsmäßigen Antrag auf sofortige Jperjüicruug des Reichskanzlers steilen. Und als nun ber Führer ber Reichspartei Fürst Hatzfeld das Wort zur Geschäftsoronung verlangte, unb bie Vertagung ber Sitzung beantragte, um ben Fraktionen Zeit zu Beratungen zu lassen, hielt malt dies für einen diplomatisclfen Schachzug gegen die Absicht der Sozialdemokraten. Aber diese schienen sich inzwischen, vielleicht nad) einer Auseinandersetzung in ihrer Fraktion, eines Besseren besonnen zu haben: Herr Singer^forderte im Gegen- teil die gründlid-e Verhandlung der auf der Tagesordnung stehenden Petitionen, unb sand die Unterstützung des natümaUiocraten Parteiführers Bassennann. Unb so stieg man beim, nativem . in drei Minuten anderthalb Dutzeitd Petitionen diskussionslos I And) aus dies
ftürmijd) vorgehen, sondern man wird in Ruhe den gegebenen Moment ab1»ssen, in der Stille aber alles ohne Ueberhastung vorbeveiten, um nadcher uni so besser gewappnet oU fein. Unter diesen Umständen darf man aud) erwarten, baB wahrend seiner Präsidentschaft die günstige Enllvickelung un Innern und vor allem der wirtschaftliche Aufschwung weiter anhalten werbe unb darum Tann man sich in Den Vereinigten Staaten zu cman! solchen Präsidenten nur beglückwünsdien. .
Aud) wir in Deutschland können mit dem Resultat zufrieden sein, da Tast Lein Gegner Deutschlands ist, sondern gleich Rcoosevelt sich, wie man bestimmt erwarten kann, bemühen wird, im beiderseitigen Interesse die besten Beziehungen zu unterhalten.
erledigt waren, hinein in bie Erörterung ber Verhaltiiine der Bureaubeamten, der Wünsdie der beuhdjen Viehzüchter und Milch-l Produzenten und der sozialen Kämpfe im Bergbau. Die Verhandlung über diesen letzten Gegenstand unterbrach ein Ber- tagungSantrag um 6 Uhr. Die nächsten Wochen und Monate werden ihre Fortsetzung voraussichllid) nidjt bringen. >zetzt gibt es dringendere Arbeit. Die große Auseinanderietzung über aus. wärtige Politik, englische Manuskripte und ministerielle Betlei- oungsstücke wirb auf Wunsch des auswärtigen Amtes voraussichtlich erst am Dienstag erfolgen. Bis dahin wird die legislative Arbeit in altgewohnten ruhigen Bahnen gehen.
Für den Wunsch, die Antwort aus die ReicyMagsinterpella- ttonen über die TaiLh-Telegraph-Angelegenlstit bis iUumtag oder Dienstag zu versclfteben, ist bie Tatsad>e maßgebeno, baß iici) gewisse diplomatische Arbeiten dem Abschlüsse nahem, über Deren Ergebnisse der Reichskanzler sid) zugleich ausspreu>en würoe. ^m Foyer des Reichstages unterhielt man sich gestern n. a über 5en Stand der Casablanca-Angelegenheit, deren baldiger Absdstuß
Deutsches Neich.
Zur Beseitigung ber Arbeitslosigkeit. Der preuß.sche Minister der öffentlichen Arbeiten hat angeordnet, daß zur Steuerung der Arbeilsnot allentlstilben im derbft und Winter bie vorbereitenben Staalsbauten, für bie bie Geldmittel bewilligt sind, in Angriff angenommen unb, soweit es bie Wttterung irgend gestattet, sortgeführt werben sollen; bie Verfügung bezieht fid), inSbcionbete auch auf den Bau des Großfchiffahrtskanals Berlin- Stettin, bei bem die Arbeiten möglichst keine Unterbrechung infolge etwa vintretenben ungünstigen Welters erleiben follcn. Gleichzeitig ist angcorbnet, baß bei Staatsbauten nur inländische Arbeiter befchästigt werden.
Ein Nationalben km al für Bismarck. Ein Ausschuß, bessen Präsibium ber Reichskanzler hat, unb bem die Abgeordneten Vassermann, Dr. v. Heybebrand, Wmp, und der Oberpräsibent der Rheinprovinz Freih. v. Schorlemer-Lieser angehören, erläßt einen Ausruf zur Errichtung emes Natioual-Bis- marckDeiilmals, bas am Rhein errichtet werben soll.
Die Erkrankung beS Staatssekretärs v. Schön ist, wie bie „Nordb. Allg. Ztg." mitteilt, lediglid) eine Folge ganz ungewöhnlicher Ueberburoung im Zusammenhang mit einem Leiden, das nad) einem in Petersburg überstandenen Gelenkrheumatismus zurückgeblieben zu sein scheint. Die Besserung in dem Befinden beS Staatssekretärs schreitet langsam vorwärts. Er hatte biefer Tage in feiner Wohnung Unterredungen mit bem Botfdiafter Cambon.
l«h9,
Präsent Taft.
Die Wahl Tafts ziu.i JiaujiuigLi u^uieoeltd ist mit 1091000 Stimmen erfolgt. Es handelt sich hierbei natürlich nur um öie Wahlmännerwahlen, aoer auch die befinitwe Abstimmung wird an ber Tatsad>e nichts mehr andern, daß Bryan gegen Aalt unterlegen ist. Präsident Lroosevelt hat denn auch sd-on Tast in einem sehr herzlid-en Telegramm zu seiner Wahl beglucfwun|a)L Last banüc hierfür unb betonte, die Wahl bedeute einen Triumph für bie GcsdMsführung Roosevelts.
£)di Taft aud) gesiegi, so verdient es dock) bead)tet zu werden, daß bie Smftaaien gescytoisen für Bv.)an gestimmt hauen. In Den letzten Wochen waren von der Demok.alen üoerhaupt ungeheure Anstrengungen gemadst worben, um Bryan, Den croiacn Präfideni.^aflscanoidalen, burd^ubringen; man hatte mit den ichli in nisten Mitteln, wie Berlaunidung unb dergleichen operiert, um 2xrrt zu J-all zu bringen, und auch gegen Den Präsidenten juooieoelt bie schär,sten Angriffe gerichtet. Ader all das hat nidsts genutzt, Taft geht trotz alleoeui als -Sieger hervor. ^>n Der Tat muß man lagen, baß man kaum eine geeignetere Per- fönlichkeit für ben Po^,identenposden hätte finden können, zunwl er fraglos in ben I-ußtapsen Rooseoetls, der ihn ja auch empwhwn und im Wah.lampse kräftig unterstützt hat, lortsahren wird unb ja aud) wuheeud feiner mehrjährigen Amtsführung als Staats- icErctür die Gesd)äfle genau kennen gelernt hat.
Eine Fortsetzung Kr l/u)ofcüelt|d}en Politik kann un Jnteresie der Vereinigten Staaten nur bringend gewünscht werden, denn gerade hürourck) Hal fid), bie Union in ben letzten Jahren so kräftig weiter entwickelt. Es hat Roofeveit allerdings nicht an scharfen Gegnern gefehlt und seine Sckstväche war es, baß er gar zu stürmisch brauslos ging, ohne mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen, weil er Dabei vielt eich, feine eigen?, Schicke zu sehr über» idchtztc, wie er ja üuch ini Ka-nvse gegen bie Trust s keine Ersdlge zu verzeichnen hatte. In dieser Hinsick)t wird wohl Taft, der überhaupt über ein ruhiges Temperament verfügt, bedeutendere Ndäßigung an ben Tag legen, was man bereits im Wahl kämpfe gegen ihn auszunutzen suchte, inoem man Die Arbeiterschaft gegen ihn als Freund des Unternehmertum^ mobil_ machte; und doch sind gerade von republikanisd)er ©eite unter Führung Roosevelts in den letzten Jahren Ansätze gemaujt worden, um aud) für die Arbeiterschaft burdj bas Gesetz zu sorgen, was bisher nock) nicht
Schiller unter Studenten.*)
Von Karl Berger.
Ain 2. Juli 1803 reifte Schiller nach bem mit seinen sonstigen Lebenserinneiimgen so innig verknüpften Babe Laucbstäbt, um ben Vorstellungen ber Weimarer Schauspieler beizmvohnen. Nach UebevwuiDung mancher Schivierigleiten war es endlich im Frühjahr 1H03 gelungen, an Stelle des bauiäUigen, von Den Studenten Scha'hütte genmmien Arusentempels ein zwar sehr bescheidenes, aber dock) würdigeres Henn für die Schauspielkunst zu errichten Tie Lauchaer Heilquelle und dieses Theater bewährten allsommer- lich ihre Anziehimqskrast auf ben steif vornehmen sächsischen Adel wie auf die würdigen Leipziger Kaufherren und Gelehrten. Em lebhafteres Element' waren Die Gäste, die Preußens Hauptstadt in das unscheinbare, kaum ad)t()imbcit Einwohner zählende Städtchen entfanbic. Volle Bewegung aber kam in Die förmlich und abgemessen nut einander verkehrende Badegeselljchaft erst, wenn bedeutende Theateraufführungen em größeres Publikum anlodten. Da stellte vor allen Die akademische Jugend ans Halle zu Wagen, zn Pferd und zu guße sich ein, und auch ihre Professoren tonnten erscheinen, da sie ivährend der „Lauchstädter Zeil" in ihren Hör- fälen ost nur leere Banke gefunden hätten. Freier noch als in ber weunarikhen Resideiiz durfte m dem meiseburgischen Stäbtchen der Bruder Studio sich gebaren, aber hier wie Don brachten „bie leidenschaftlich fordernden Jünglinge", wie Goethe sie nannte, eine mächtige Begeisterung mit. Diesmal strömten sie auf die Kunde, der Dichter 'sei in dem Badeort anwesend, in Hellen Haufen dahin. Schiller bewegte sich, wie er semer Liebsten schrieb, in bem bunten, lebhaften Treiben recht gern mit fort, obgleich ihm Der ungewohnte Müßiggang seltsam vorkam. „Aber Dennoch sollen biete Tage nicht ganz verloren für mich fein, weil ich mich heiter gestimmt und auch gesunder fühle, und Die Sehnsucht zum Arbeiten bei nur wächst."
Am 3. Juli besuchte Schiller eine Aufführung der Brätst voti Messina, die vielen Zuschatiern infolge Der begleitenden Umstände zeitlebens in unheimlicher Erinnerung geblieben ist. Ter Himmel selbst sorgte für eine ungeheure Steigerung des Eindrucks. Eine brüdenDe Geimtterichwüle erfüllte daS dichtbesetzte Haus, weit atemloser Stille folgten die Zuschauer den Vorgängen auf der Bühne. Auf einmal erschütterte ein mächtiger Dounerschlag das nur aus dünnen 'Mauern bestehende Gebäude. Tas Rauschen de-s wolkenbruchartigen Regens, begleitet von unaufhörlichem Donuer- gefrad), machte Den Vortrag der Schauspieler fast unverständlich; man tonnte die Handlung zeitweise nur aus ihren Gebärden erraten. Alles war erst wie gebannt; Dann floh em Teil der Zu- schatter, Die Frauen mit Angstrufen ans bem Hause. Aber Die
•) Diesen Aufsatz entnehmen wir mit Erlaubnis ber E. H. Beckschen Verlagsbuchhaiiblung sOskar Beck) in München bem in wenigen Tagen erscheinenden zweiten Ba-.ibe ber Schillerbiographie von Prof. Karl Berger in Darmstadt, der von Der Universität Gießen im Vorjahre um seiner bebeutenbe» Schlllerstubien willen £um philosophischen Ehrendoktor ernannt würbe.
lleberiall in Lauchstadt bekannte, erwiderte Schiller: „Ei, mein Schivabengemüt hat mir da auch einen üblen Stretch gespielt, und hinterdrein ist's abzubüßen. *
— Harro Magnusson f. In seinem Sause in der Kolonie Grünewald ist der Bildhauer Harro Magnusien gestorben. Der Künstler, der im 47. Lebensjahre stand, scheint freiwillig aus dem Leben geschieden zu fein. Magnussen war in Hamburg geboren, seine Erziehung fand er in Sdüeswig, wo sein Vater, ein bekannter Porträtmaler, die Holzschnitzschule leitete. So kam er früh zur Kunst, schwankte aber eine Zeitlang zwisdien Malerei unb Plastik, bis er sich schließlich unter bem Einfluß unb in der Schule von Reinhold Begas ganz der Plastik zuwandte. Seine ernste Art war ein ausgesprochener Realismus. Er sah als Porträtist Menschen mit scharfem Ange an unb gab mit niederländischer Treue Köpfe mit allen Zügen, mit allen Furchen und Falten wieder. Es kam dadurch manchmal etwas 5llein- lid)es in seine Arbeiten, das eine tiefere Wirkung störte. Aber viele seiner Büsten waren doch verblüffend in ihrer Lebenswahrheit und lenkten schnell die Blicke aus den jungen Bildhauer, besonders da sie dem realistischen Geschmack ihrer Entstehungszeit entgegenkamen. Sein bestes Stück war ber eigensinnige Kvpf feines friesischen Stammesgenossen Hermann Allmers. Die Grenze seiner Kraft zeigte sein Bismarck-5lopf, in dem die Neberfülle von Details die Größe des wesentlidien nicht hervortreten ließ. Die letzte Arbeit dieser Art war die Sitzstatm: des sterbenden! Alten Fritz, deren grauenhafte Wahrheit chr in der Ausstellung einen Erfolg erwarb, während sie später, im Sterbezimmer des Königs in Sanssouci ausgestellt, abstoßend wirkte. Jedenfalls schien für den Künstler eine gute Entwicklung möglich, wenn er dazu kam, sich zu beschränken, freier und größer zu arbeiten. Aber es kam zu einer solchen Entwickelung nicht. Plötzlich trat eine Tendenz auf das Phantastische hervor, für die Gestaltung aber von nur innerlich Gesehenem, für ben großen Stil, ben sie verlangt, reichten feine Gaben nicht aus. Es scheint, daß chn der Kampf um die hohe Kunst, die ihm versagt war, aufgo rieben hat.
— D ie Buschmänner als Künstler. Eine wertvolle Bereicherung hat das Berliner Museum für Völkerkunde durch die Kvpien einer Anzahl Buschmann-Malereien erhalten, deren Herstellung durch die Unterstützung der Rudolf Virchow-Stif- nmg ermöglicht wurde. Proseisor von Luschan berichtet in den Amtlichen Berichten aus ben Königlichen Kunstsammlungen über die Bedeutung dieser ausgezeichneten Kopien und ihre Wichtigkeit für die Erforschung ber Buschmann-Kunst. Tie Buschmänner sind eine helle unb zwerghaft kleine Rasse, bie jetzt beinahe gänzlich ausgeswrben ist. Doch bewohnten sie noch vor wenigen Jahrhunberten in zahlreichen Horden Südafrika unb sind erst vor etwa zwanzig Generationen verdrängt und nun geradezu ausgerottet worden. Die Bnfchmänner sind ein Jägervolk ohne Ackerbau und Viehzudit, ihre materielle Kultur ist sehr primitiv, ihre Sprache eigenartig und charakteristisch durch ihre zahlreiche^
Nr. 261. Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 5. November 1808
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