Ausgabe 
3.12.1908 Erstes Blatt
 
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er-Bessingen bis Münster schwere Material

es singen und 5

zöge verkehren, die in dem 11 Meter tiefen Einschnitt bei

für den erlittenen Schaden, den ihnen Link in seiner Eigen- chaft als Olotar zugefügt, haftbar zu machen, und wandten sich an verschiedene hervorragende Vertreter des Rechts in Darmstadt. Diese rieten von einer Silage entschieden ab, da eine glatte Klageabweisung die Folge. Wenn auch der 'Art. 78 de§ hessischen Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche bestimmt, daß für den Schaden, den ein Beamter in Ausübung des ihm anverlrauten öffentlichen Amtes einem Dritten zufügt, der Staat in gleicher Weise wie der Beamte verantwortlich hastet, so schrüukt der Art. 79 diese Haftbarkeit jedoch em. Er sagt: Die Haftbarkeit tritt nicht ein bei Hand­lungen von Beamten, die ausschließlich auf den Bezug von Gebühren angewiesen sind, insbesondere bei Handlungen von Notaren und Gerichtsvollziehern. Für diese Ausnahme war maßgebend, daß die Tätigkeit dec Beamten hier un­mittelbar im Interesse der Beteiligten geschieht, und es hier sich um Beamte handelt, bei denen sich die Partei den ihr Genehmen auSwählen kann (von mehreren Notaren und Ge­richtsvollziehern).

** Das Briefporto nach Amerika. Die Reichs" poft Verwaltung traf gestern durch Vermittelung des deutschen Gcschäststrägers in Washington mit dem Generalpostmeister der Vereinigten Staaten von Amerika eine Vereinbarung da­hin, daß für Deutschland und die Vereinigten Staaten die au dem direkten Seewege auszutauschenden frankierten Briese vom 1. Januar 1909 ab in der Richtung aus Deutschland eine Taxe von 10 Pfennigen für jede 20 Gramm und in der Rich­tung aus den Vereinigten Staaten von Amerika eine folchc von 2 Gents für jede Unze berechnet wird, während für unfrankierte Briese das Doppelte dieser Sätze zu entrichten sein wird.

X Klein-Linden, 2. Dez. Die erledigte Pfarr- assistentenstelle wurde dem Pfarrverwalter Göttel- mann au§ Vilbel übertragen.

Q Holzheim, 2. Dez. In dem hiesigen Buderus-- > ch e n Eisen st einbergwerk herrscht ein reger Betrieb. ES bietet gegenwärtig vielen Arbeitern Beschäftigung, die sonst ausivärts hätten Arbeit suchen müssen.

Cijcttbahn-Zcitung.

Lokomotivführer, Disziplin und Behörde.

Aus der Kommission zur Beratung der Besoldungsoor- läge sind Aeußeruugen des preußischen Eisenbahnmiuisters in die gesamte Presse gekommen, die geeignet waren, den Lolomoiivsührerstand in seinem Ansehen zu schädigen und das Vertrauen zur Tätigkeit der für die Betriebs)rcherheit so wichtigen Beamtentlasse zu beeinträchtigen. Tie Loko­motivführer sollten zur Disziplinlosigkeit neigen und ihre Besoldung deshalb mi. Rücksicht auf die Asu.entenklafse nicht höher gesetzt werden dürfen. Es entstand in Lokomotio- kreisen eine nie dagewesene Erregung. In zahlreichen Orts- versammlungen nahm man Stellung gegen diese Aeuße- rungen, die Deutsche Eisenbahnzeitung wies das Ansinnen der Disziplinlosigkeit zurück, in Berlin fand vor wenigen Tagen eine Massenversammlung statt, die sich in demseloen Sinne aussprach. Ter Minister hat daraus Vertreter des Verbandes Kgl. Vreuft. und Großh. Hess. Lokomotivführer zu sich geladen, um darüber auszutlären, daß seine Aeuße- ruugen entstellt und unrichtig wiedergegcben seien. In der Nordd. Allg. Ztg." vom 22. d. Mts. finden wir darüber folgende Notiz:

Aus Anlaß von unrichtigen Mitteilungen über Aeuße- rungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten, die dieser gelegentlich der Verhandlungen über die Besoldungsvortage in der verstärkten Budgetrommission hinsichtlich der Loko­motivführer der StaatseisenbahnverwallUiig gemacht haben sollte, hatte der Minister die Vorstandsmitglieder des Ver­bandes der Lokomotivführer zu sich beschieden und ihnen über den tatsächlichen Inhalt seiner Aeu gerungen Aufklä­rung gegeben. Tie vorgeladenen Lokomotivführer dantten für die ihnen gewordene Mitteilung und versicherten, daß dadurch die durch jene ungenaue Nachricht in die treffe ihrer Kollegen hineingetragene Beunruhigung wieder schwiudeo würde."

Tatsächlich hat sich die Erregung durch die Bekanntgabe einer längeren schriftlichen Erklärung des Ministers an die Ortsgruppen gelegt, vor allem auch, weil die Vorstands­mitglieder Gelegenheit hatten, ihre Standeswünsche, auch bezüglich der Be,oldnngsoorlagc, vorzutragen. Aus der Er- lLeitung mögen folgende Sätzc hervorgehoben werden:Er (ber Minister) tenne aus langjähriger Beobachtung den ver­antwortungsvollen und aufreibenden Dienst der Lolomotw- führet sestr wohl und wisse, daß von der Zuverlässigkeit ihrer Tiens.ausubung zu einem großen Teil ros Wohl und -elje der Re i, enden uv hänge. Was das Verhältnis zu den Eiseubahnaffistcnten anbetreffe, jo habe er niemals den Loko-

Lich berg ist so

£äben auSstatten, von morgens bis abends dem Neuen seine Aufmerksamkeit widmen und jedem Wunsche nachspüren. Und unsere Geschäftswelt und unser Gewerbestand find es aber auch wieder, die der (Gemeinde die Steuerkraft stärken, die produktiven Werke der Stadt durch die Abnahme von Licht und Kraft ertragreich gestalten, einer Unzahl von Angestellten Beschäftigung und Brot geben. Aber sie brauchen Gegen­leistung, einen Zufluß, der eventuell nutzlos für sie und wieder letzten Endes für die Gemeinde nach auswärts ver­rinnt, sie brauchen Anerkennung ihres Strebens und Fleißes, sie brauchen Zuspruch, um all die großen Lasten decken zu können. Und ivas der Geschäftswelt recht, ist dem Handwerk billig. Wir dienen der Gemeinde und damit auch wieder uns selbst, wenn wir den Hauptträgern des Mittelstandes unsere Hilfe angedeihen lassen, die bitter schwer zu ringen haben in schwerer Zeit um ihre Existenz, wo hinter den glänzenden Läden, hinter Flitter und Luxus sehr oft ein verzweifelter Kampf um des Tages Erfordernisse tobt und der ruhige Lichtschein, die glatte Geschäftsabwicklung täuscht. Darum fei auch in diesem Jahre wieder rechtzeitig und eindringlich die Akahnung wiederholt, am Platze zu kaufen, Detailhandel, Handwerk und Gewerbe in Gießen zu schützen und zu stützen!

- AuS dem Militär-Wochenblatt. Dem KüiegSgerichtScat Dr. Heß bei der Großh. Hess. (25.) Dw. wurde dec Stellenrang der vierten Klasse der höheren Pro- vinzialbeamten verliehen.

* Der Bürgerverein hielt am Mittwoch abend unter der Leitung seines 2. Vorsitzenden, Fabrikanten Horst, eine Versammlung im Einhornsaal ab, in der Amtsrichter Dr. Mahr von Darmstadt über das ThemaDas Bau­gewerbe und der Gesetzentwurf zur S i ch e r u n g d e r B a u - forderungen Mittelstand und Vodenrecht" sprach. Das dem eigentlichen Arbeitsgebiet des Bürgervereins etwas fern liegende Vortragsthema und die gleichzeitige Tagung des Ortsgewerbeoereins mögen wohl verursacht haben, daß die Versammlung nicht so gut besucht war, wie man es im allgemeinen bei den Veranstaltungen des Bürgervereins gewohnt ist. Es mochten etwa 70 Personen amuesend sein, die zur Hälfte aus Parteifieunden des Vortragenden bestan­den. Der sehr gewandte Redner verbreitete sich in nahezu zweistündigen Ausführungen über den gegenwärtig dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf über die Sicherung der Bauhandwerier und sprach sich zustimmend zu den Grundgedanken des Entwurfs aus, der ihm allerdings noch nicht weit genug geht. Insbesondere hält er die Anwendung des Gesetzes auch für Umbauten der Entwurf spricht nur von Neubauten erforderlich. Ferner wandte er sich gegen die im Entwurf vorgesehene Bestimmung, daß an die Stelle des Bauvermerkes im Grundbuch der den Bauhandwer- lern, Arbeitern und Lieferanten die Handhabe zur Erwir­kung von Bauhypotheken gibt, die anderen Hypotheken vorangehen eine Sicherheitsleistung in Höhe von einem Viertel der Baukosten treten kann, sowie gegen den im Gesetz vorgesehenen unbedingten Vorrang der Forderungen des Baustellenhändlers vor den Bauhypotheken der Hand­werker ujro. Schließlich bezeichnete er den Entwurf als einen erfreulichen Anfang in der Richtung des Schutzes der werk­tätigen Arbeit gegen den Kapitalismus. Zn der Diskussion wies Rechtsanwalt Raab u. a. darauf hin, daß durch eine weitgehende gesetzliche Regelung der Döaterie leicht eine Verminderung der Bautätigkeit überhaupt eintreten könne und verwies aus den Weg, durch genossenschaftlichen

Zusammenschluß der Handwerker selbst zum Bauunterneh­mer zu werden. Prof. Luley sprach sich zustimmend zu den fadjlidjen Ausführungen des Referenten aus, bemängelte aber, daß er in parteipolitischer Hinsicht die Tatsachen etwas entstellt wiedergegeben habe. Er habe zwar von der Tätig­keit der deutschsozialen Abgeordneten in der Sad)e öfters gesprochen, aber von der der ilationalliberalen Partei, die sid) seit langer Zeit darum bemühe, nichts günstiges berichtet. Der die Sache vom bodenreformerischen Standpunkt aus behandelude Herr Mols Schmidt stimmte den gruudsätz- lidjen Bestimmungen des Entwurfs ebenfalls zu und er­hofft von dem Gesetz die Ablösung des Bauunternehmer­tums durch Selbsterbauer von Häu,ern und soroert die Er­leichterung des Hypothekarkredits für bebaute Grundstücke. Auch Bibliothekar Dr. Koch stimmte dem Entwurf im all­gemeinen zu und gab seiner Freude Ausdruck, daß der Bürgervereiu Gelegenheit gebe, fich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Nach einem Schlußwort des Referenten, in dem er sich dagegen verwahrte, die Sad)e parteipolitisch aus- genützt zu haben, schloß der Vorsitzende um 12i/2 Uhr die Versammlung.

Vortrag von D r. Strecker. Im Verein für Frauen­stimmrecht hielt Herr Dr. Strecker aus Bad°9tauheun gestern abend in einer gut besuchten Versammlung einen Vortrag über das Thema: .Wie konunen wir Aläuuer zur Forderung des Frauen- ftimmreebte ?" Redner suchte zunächst die Emmeuduugen zu eur- krä'tcn, die gegen die politische Betätigung der Frau gemacht werden. Man müsse sich baruler klar werden, was Rolnik sei

Münster die Basaltsteine holen. Diese werden entweder f$t die Hochbauten der Strecke dienen oder über Lich verfrachtet. Oestkich von Lich wurden zwei Brücken errichtet, eine über die Bahn GießenGelnhausen und eine über einen Feldweg. Wie verlautet, kann die Teilstrecke LichMünster schon am 1. Februar eröffnet werden. Die Bahnhofgebäude sind auf allen Stationen im Bau begriffen. Von Münster über Ettingshausen bis Qucckborn sind Oberbau und Packlager größtenteils fertiggestellt. Tie Arbeiten an der Bahnstrecke bieten gegenwärtig mehr als 2UÜ Leuten lohnende Be­schäftigung. Man ist hier dec Uebeczeugung, daß die neue Bahnstrecke in die Gegend Industrie bringen ivird, ist sie doch reich an Eisensteinen, Basalt, Braunkohlen und Holz. Die Eröffnung der Strecke soll am 1. April 1909 erfolgen.

d. Bad - Nauheim, 2. Dez.Tas Rhein-Mainische VerbandStheatec spielte hier gestern abend im Sprudet- hotel ein Drama von Max Halbe, dec neben Gerhart Haupt­mann wohl als einer dec bedeutendsten naturalistischen Dramatiker der letzten Jahrzehnte heroorzuhebcn wäre. Und zwar gelangte zur Aufführung ,S)er Strom*, der als Stimmungsbild aus dem deulsch-slavischen Leben dec Heimat des Dichters unstreitig von poetischem Wert ist. Die Dar­stellung des Stückes war vorzüglich, man kann sie von den bis jetzt gegebenen diesjährigen Aufführungen des Wander­theaters als die am besten gelungene be$eid)nen.

-s- Groß-Felda, 2. Dez. Alte Leute finden sich auch in unserer Gemeinde; es sind dies zwei achtzigjährige Greise, die noch beide letzthin zum Abendmahl gingen, ja der eine von ihnen, ein Schneider, ist noch so rüstig, daß er in jeder Woche noch einen Anzug fertigt. In dem benach­barten Ermenrod erhängte sich gestern em in den sechziger Jahren stehender Landwirt. Was den Lebens­müden zur Tat getrieben hat, ist unbekannt.

Büdingen, 1. Te-. In dein Streü bet Stadt Tü­bingen mit dem Fürsten von Isenburg-Büdingen wegen dessen zum Nachteil der Stadtgemeinbe fortgesetzt ausge- suhrten Lanberankäufen hat Kreisrat B ö ck m a n n die Vermitt­lung übernommen.

s. Darmstadt, 2. Dez. Auch die Darmstädter Studentenschaft Hot 511 den Feierlichkeiten der Grund- sleinlegung der Universilätsneubaiiten in Prag ihre Vertreter entsandt. Außer dem Vorsitzenden des StudentenvcrbandeL cand. ing. Otto Siebert ist von den Burschenschaslcu Germania, Friesia, Rheno-Gucstfalia und Markoniaiiia je ein Vertreter nach Prag gereist.

R-B. Darmstadt, 2. Dez. Die Vereinigte Orts­krankenkasse hielt gestern abend im Hotel Heß ihre halb­jährliche Hauptversammlung ab, zu der 8 Arbeitgeber und 32 Arbeitnehmer zugegen waren. Es wurde zuerst eine Anzahl neuer Vorstandsmitglieder gewählt. Aus Vorschlag des Vorstandes wurde sodann beschlossen, die Beamten der Bereinigten Ortskrankenkassen dec jüngst durch Gesetz errichteten iianlliclien Fürsorgelasse anzuschließen, was eine einmalige Ausgabe von 2773 Alk. erfordert. Ter Vorsitzende erstattete alsdann Bericht über die verschiedenen Kongresse des ocr- siossenen Jahres, worauf als Vertreter dec nächsljährtgen Uongreffe die Herren Stadtv. SameS (Arbeitgeber) und Bier­brauer Böhm (Arbeitnehmer) gewählt wurden. Dann wurde noch eingehend über die jüngst von der hiesigen Gastwirte- tind Böcker-Innung ins Leben gerufenen freien Hilfskassen debattiert und einstimmig eine Resolution an das 9)hnifktium beschlossen, worin mit aller Entschiedenheit gegen diese HilfS- faffengründungen Stellimg genommen wird.

(:) Waldgirmes, 2. Dez. Der' Gastwirteverband von Krofdorf-Rodheim unb Umgegend hat in seiner jüngsten Versammlung bei Gastwirt Feth-Wißmar auch für diesen Winter eine Festlichkeit beschlossen. ES wurden bisher in Nodheim, Krofdorf und auf Burg Gleiberg solche Winterfeste gefeiert. Um auch den Mitgliedern m den entlegenen Orten Rechnung zu tragen, soll es diesmal hier und zivar Mittwoch, 13. Januar, in den Näunien von Gast­wirt Rabe abgehalten werden.

2. Dez. Dec Bahnbau Lich Grün weit gediehen, daß von hier über Nieder

Reife, und so soll es auch bei der Frau fein. Die Aussichten für die Erlangung des Frauenstimmrechts seien, so meinte der Redner, heute sehr günstig. Tie Bewegung »ad) dieser Richtung hin fei außerordentlich lebhaft gewordcn. Ter Vortragende wicS noch kurz auf die guten Er'ahrnngen hin, die man in anderen hoch­steheirden Kulturländern mit der politischen Betätigung der Frau gemacht habe, und dieses alles spräche dafür, daß man den Frauen das Ltinnnrecht nicht länger voreuthallen dürfe.

AuS der Frauenbewegung. In dem 511 diesem Zwecke freundlichst überlassenen Härsaal des physikalischen Instituts hielt auf Einladung dec Frauen-Rechtsschntzstelle Gießen Frau Life Ramfpeck aus Tarmsiadt am Ticnstag einen Vortrag:Aus dem Arbeitsgebiet der organi- ierten Frauenbewegung.* Die Rednerin führte un­gefähr auS: Die Frauenbewegung ist über die sogenannte Frauenemanzipation hinausgewachien. Zur Förderung gemein­samer Intereffen sind in verschiedenen deutschen Staaten Fcauenverbände entstanden; auch in Heffen wünsckst man einen solchen Verband zu gründen und ihn dem AUgeineinen deutsd;en Frauenverein anziigliedern. Dieser bezweckt gemein- amc Arbeit dec Frauen auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiet, konfessionell und geistig hält er sich neutral. Als Delegierte des Allgemeinen deutschen Frauenvereins nahm die Rednerin an dein diesjährigen Verbandstag des Biindes deutscher Frauenyereine in Breslau teil. Dec Bund zählt >50 000 Mitglieder, indem er 28 Verbände und 231 Emzel- oeteine umschließt. Die Schilderung der Breslauer Tagilng gewährt zugleich die beste Einsicht in Ziele und Älusgaben oer Frauenbewegung. Besondere Anregung brachte dort, was Gertrud Bäumer und Alice Salomon vor einer Versammlung junger Mädchen über Lebensziele üorlrugen. In jedes- mal acht- biö neunstündiger angestrengter Tagesarbeit mürbe Stellung genommen zu Strasrechts- und Mädchensdpil- rcsorm, wurde beraten über Arbciterinnenschutz und ünderschutz, Geiliemdewahlred)t und Gefängniswesen. )ie Dienstbotenfrage fand eingehende Behandlung, und der Sittllchkeitskonimifiion wurde neue Arbeit zugewiesen. In einer von 2000 Personen besuchten Versammlung sprachen Else Kilickeuberg, Helene Lange und Else Luders über Frauenstimmrecht. Es ist nicht möglich, hier auf die zahl­reichen Arbeitsgebiete näher einztigehen, die Frau Ramfpeck in ihren wertvollen Ausführungen zu klarster Darstellung brachte. Tas lebhafte Interesse, mit dem die Zuhörerschaft gefolgt war, kam zum ^lusdriick in der anschließenden Dis­kussion, die sid) um die speziellen Ausgaben der Frauen in Heffen drehte. Das Bedürfnis nach eingehender Behand­lung der angeregten Fragen zeigte sich darin, daß der Wunsch nach gelegentlicher Forlsetziing des RteinungsauStaiischeS rege mürbe.

** Das Kolosseum hat diesmal ein sehr schönes Pro­gramm aujgcstelltz das allseitig großen Beisait findet. Ta ist zuerst Fräulein Melanie, eine niedliche Soubrette, die vor ihren vielen Kolleginnen nicht nur manches, fonbern sogar viel voraus hat. Fames |inb ihre Nachahmungen vonden auf minder­wertigen Tingeltangels betonnten Soubretten. Sehr echt ist auch dec tomische Trahtieilakt des Original Zaras, der durch seine TrikS vielfach verblüfft unb große .Heiterkeit erregt. Ein fein guter Hunwr.st ist Heriuann Kuntze, der mit einer Anzahl von neuesten Schlagern aujlrat und immer unb immer wieder gerufen wurde. Das Gesangs- unb Tanz-Duett von Riebl - Heidl erntete ebenfalls starken Veisall. Den .Hauptanziehungspunkt bil­det aber der italienische Verwandlungsichauspstcer Fnzzo, der durch seine blitzsdmellen Verwandlungen unb seine Stimmmodu- lation jeden in Erstaunen seht. Er spielte zuerst eine Posse in einem Akt, in der ec 7 Personen sehr gut darstellte, danach eine große dieüiic in 2 Szenen. In der 1. ermöglichte es Frizzo Dem Publikum durch eine Trausparentbekoratiou seine Verwand­lungen zu beobachten, bann spielte er in dec 2. bas ganze Pro­gramm eines Spezialitätentheaters herunter, indem er nacheinander einen Chinesischen Gaukler, Schellenvirtuosen, Zauberkünstler, be­rühmte Komponisten, Scrpenlintänzerinu u. v. a. darstellt, was ihm unaufhörlichen Beifall eintrng. ' Tas Programm bleibt wie ge­wöhnlich bis zum 15. Dezember bestcherr.

** April-Einjährige. Tie vor kurzem erlassene Be­stimmung, daß bei dem hiesigen Regiment nur noch Mediziner unb Pharmazeuten am 1. 2lpril als Einjährig-Freiwillige eintreten konnten, ist auf die Vorstellungen des Ziekiorals der Landes-Uni­versität und dec Stadtverwaltung hin wieder aufgehoben worden. Es können also in Zukunft wie seither alle Studierende der Universität ihre Militärbienstzeit am 1. April beginnen.

** Keine staatliche Haftpflicht. Einige von den durch die begangenen Veruntreuungen des früheren ÄtotarS Link-Dieburg geschädigten Landleute glaubten den Staat

Unb was die Frau sei. Tie Politik betrifft nicht nur wirtscha'ttiche Ziele und Fragen der nationalen Wehrmacht, sondern die Politik hat fultnrelle Ausgaben und ethische Ziele Au sotcheu politischen Ausgaben ist auch die Frau in hohem Maße mlereffiert. Alan deute nur an die Gesetzgebung in Bezug ati'Kiiidererziehuug. Ge­rade die Frau als IMhuicr wird doch durch diese Fragen berührt. Redner erwähnte ferner die Alädchenschulre'orm, auf die doch auch die Frau Emsiutz haben müsse, da cs ja gelte, das derauwachseilde Mädchen ebenso zu eurer Persönlichkeit zu erziehen, ivie den Heran­wachsenden Stnaben. Daß die heutige Mädcheuerziehuug in diesem Vunkte unzulänglich ist, bedarf keiner weiteren Tarlcgiing; sie gibt dem jungen Mädchen con allem nur cme oberflächliche Kenntnis, die wohl für cm flüchtiges Gespräch im Tallfaal genügt, doch für eine ernstere Unterhaltung nicht ausreidst. Es wird vielfach an- qeftihrt, Oie Frau würde durch cme politische Betätigung dem Haiise entfremdet. Aber das Haus steht doch cbenfo werng wie etwa das Wirtshaus wo der Mauu seine Politik vorivicgeub ausübt außerhalb des Staates. Ter Staat ist doch kein be­stimmter Ort, sondern der Staat das sind Oie Menschen, die darin wohnen und sich betätigen. Im Mittelalter, da luar das Hau» allerdings »üt sich abgeschlnsseu, da waren es gerade die Frauen, die sich un Hause vollauf betätigen konnten. Es galt zu weben, 311 spinnen u. s. w. Heutzutage haben Alaschiuen uuO Fabriken dem Hauie diese 'Jlvbeucn abgenommen. Es sind Arbeitskräfte un üanje frei geworden. Für diese Arbeilskräue, die jetzt die Zeil mit Klatsch und Tändelei oeruböclu, gibt eS doch so viele neue unb ernste Wirkungsgebiete unb Beschönigungen. Der Alaun ge­staltet das Leben nut so vielen harten, brutalen Mitteln aus, da kairn die Frau bejänftigend und ergänzend Mitwirken. Ww sind heute keine Jndividueii, sondern soziale Aleiischeu. Wir leben von der Erbschaft der früheren Zeiten unb bet Mitarbeit unserer Nebemncuschen, imb es ist unsere Pflicht, hier auch an unserem Sed mitfiuarbeiten für die Menschheit. Redner wünscht, daß Mann und Frau sich m geistiger und politischer Beziehung besser ver­stehen lernen und et hofft hiervon auch eine vollkommenere Basic­her Ehe. Alle gesunde Betätigung der Frau un Staate ist aber nicht möglich, solange sie nicht das Sliuunrecht hat, dem, dieses gibt erst die Alacht, wünschenswertere Rctotmen burclizusetzeu Auch der Alaun bat bas Stimmrecht nicht am einmal ' elommen, et hat es fiel) schwer erkämpfen müssen, unb c<- gtbi beute auch noch manche Männer, bie für das Stimmrecht volit ' ineswegs reis sind. Aber das Wahlrecht ist für sie em Erziehungsmittel zur