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03/12/1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

General-Rnzeiger für Oberhessen

btd oo^umgs'w'ul" lrotattonz^niS und Verlag der vrlihl'lchen Unlv.'vuch- und $t»höruuerei H. fange.

158. Jahrgang

Nedattlon. Expedition und vrnSerel: 5chnlstra8e 7. A.^.qenien^ H"'v-L

Donnerstag 3. Dezember 1908

VezngSvret S: monnHid)75,Ui..Dierte(*

ViePoU TIL2. Diertel* läbrL auofd)L Beilellg. BeilenpreiS: total 15 aus wart» 2U 'lileiintq.

betont roorthd) für den pohntdien Teil, füi .^emlleion* und .'Vernüldited*: Ernst yinDcrioii; rät .Stadt u. Vaiib" und.Gendils-

Nr. 285

Ter Siebener Anzeiger erichiini läfllid), aiiüer Sonntags. - Beilagen: Diesmal wöchentlich SiebenerZamilirndlälter, itveimnl ivöchentl.Urelr- vlattsurdenUreisGiehen (Dienstag unb^reiinn); Arocimnl nionall. Land- wirlschasilicheLeitsragea Remlpied) - '21)ildüüf|e; für die 'Jlcöatuoii 112, Verlag u. Expedit,on 51 Vdresie rät Tepeichent

Anzeiger ®ic6ctu Annahme von Anzeige»

Die heutige Nummer umfatzt 14 Seilen.

geldzuschuß zuzahlen und die .attpreußische Sparsamkeit" feiert die! die gcmutlick-e uiu> he.cere »hmmung aui, m der iuo der Kaiser glanzendsien Timmphe. unter ftiner Umgebung bewogie. Lei 'JJlonatd) selbst erzählte

Fritz Reuter und die Prager deutschen Studenten. Zu den Mitteilungen, die über die Feier des 60jäl>r Bestehens der Lesehalle der deutschen Studenten m Prag und über die Al,griffe, die das Deutschtlun bei die,er Gclegenheü von den Tichechen erfahren hat, gemacht wurden, bat noch eine Reminiszenz von der ersten Jubel'eier der Lesehalle Interesse, dem 25 Jahr-Jubiläum »n Jahr 1873. Damals harte der Festausschuß unter anderen hervorragenden Mannern aus dem Reiche auch Fritz Reuter geladen und ihn zugleich um eine Gedichiprobe für das Festalbum gebeten. Ter Einladung tonnte der fronte Dichter nicht folgen, aber er schickte für das Album einen Spruch, vielleicht die letzten Verse, die er überhaupt verlaßt hat; sie lauten: .Kem Preis / Ohn' Fielst, / Ohn' Kamps kein Sieg, ! Kern Fried' ohn' Krieg. / Drum kämpfet wacker ihr deutschen Böhmen! / Kem Teuiel soll den Sieg end) nehmen/ Und in dem Briet an den Schriftführer der Lese­halle heistt cs: .Mit hoher Beiriedtgung, ja mit Bewunderung lese ich ab und an in den Zeitungen von dem luatferen und be­harrlichen Kampf, den das Häuflein der Deutsch-Böhmen gegen die Angriffe und die Uebcrmacht emes luüften Ezed)enthumö führt, und bin der Meinung, dast Ihre Rede- und Lesehalle dabei and) nicht die Hände in den Schoost legt. Ja! diese Polen, Ezecheu, Rumänier und dergleichen toeltchier, deren ganzer Patriotismus in nationalen Röcken und Hosen besteht, sind wie die Schulbuben, die ihren Lehrern mit Undank lohnen und sie mit Koth bewerfen/

Stimmungsbilö aus öem Reichstage.

Berlin, 2. Des.

Miuisterverantwortlichkeit.

Tas ganze äußere ia.s und seiner Umgebung

zeigte, dast man im Publikum die Bedeutung der heutigen Ver­handlungen sehr wohl verstanden lyat; dast es sich nicht mehr

die Svmatveiuokccrtie nicht beabsichtige, durch Hinuocripielen de« Verhandlung auf das persönliche Gebiet dem Präsidenten Grund zum Einschreiten zu bieten und die Blockmehrheit fester äuiammetu» zu schmieden. Und in der Tat zeigte sich Herr Leocoour sorgsam uiid mit großem Geschick bemüht, weder Grund noch Vonvand zu bieten, sich ausfchalten zu lasseil. Seine schlagjertigen und drasttschen Antworten auf Zwischenrufe und bei dem schließlich doch uni»ermeidlicl)eii Eingreifen des Präsidenten weckten große Heiterkeit. Die maßvolle Art war anzuerlentten, in der er die Forderung seiner Parteifrennve inhaltlich zum Vortrag brachte, und naturgemäß mußten sich diese Forderungen bis zu einem gewisirn Punkte auch mit denen der vurgerlichen Linien decken.

Der Wortführer der Na t io n a l l i b e r a l e n, Tr. I u n k, ließ keine Unklarheit darüber bestehen, wo )id> die Stellung seiner Freunde von der Auffassung t.-cr Sozialdemo traten aber auch der freisinnigen Rachoaru trennt.. Unangenehm ist ihnen die Mitwirkung des Reichstages an der Kriegserklärung. Denn diese loziatdemokeathche Forderung wurde, menn man ihr zu stimme, ein Mißtrauensvotum niclch gegen den Ka.ser, sondern gegen den Bundesrat bedeuten, zu dem man getrost das Zutrauen haben könne, daß er solche folgenschweren Eiitscheidungen nicht treffen werde, ohne in Fühlung mit der Bevölkerung zu sein, uui> der Augenblick einer drängenden Enlicki-eicuma fei nicht gerade geeignet, für mehrstündige Ledeboursche Reden. Die Möglichkeit, ivo wid>- tige Ereignisse es wünschenswert erscheinen tonen, auf die Ein­berufung dcs ReidStoges hinzuwirken, hatte vorher Graf Miele- zynski als Vertreter des Antrages der Polen in sachticl)cr lllcbc verlangt. Diese Forderung ist auch der natwnalliberalen Partei Ihmtxrthisch^ vorbehaltlich der Regelung im einzelnen. Aber sie schließen sich nicht der von den Freisinnigen echooenen Forderung oerantwortlicrLr Reichsministerien an, soweit man darunter nicht bloße Fachminister versteht, und zwar gerade um des Prinzips der Verantwortlichkeit willen, aus § - ntrat. st - saPunitaris chen Ge­sichtspunkten heraus, um die Bedeutung und Stärke des Reichs- kanzlecamtes durch die Teilung der s-6irantnrortlidjfcit nicht zu lajQuad^iL Daß die Rationalnoeralen mit aller Eruschiedenzeit für wirktidiL ver,aj)ungsm<lßtge Bürgfa>aftcn eintreten, dafür konnte sich ihr Sprecl)er auf große Traditionen berufen auf den Führer in großen Tagen Dr. v. Benningsen, dessen Entwurf eines Ber- antu-ortlichkeitsgesetzes damals vom Reichstag leider abgelehnt loor- den ist., In dieser wichtigsten Frage besteht volle Esiiniütigkeit bei der gejainlen Linken, mit uns beteiligten sich die National, liberalen isich. an ihrer Verquickung mit der Finanzreform. Von der rechten oeite kam heute Herr v. D i r i s e n im Wanten der Reichspartei zum 23or\ Rur den Zeitpunkt halten seine Freunde für die Forderung eines Ministerver.inuvortlichkeitsgesetzeS nicht für den richtigen, in der Sadfe selbst erklärte er sich mit den Aus­führungen seines nationalliberalen Vorredners einverstanden.

Aus Stafct und Land.

(öi eg en, 3. Dezember 1908.

Kauft om Platze:

Zit jedem Jahr, ^ieoeryincit >v.r Die dringende Auffor­derung, die Einkäufe, die sich vor Weihnachten zu mehren beginnen, ausschließlich den hiesigen Geschälten znzuwenden. Es sollte eigentlich eine Selb ^Verständlichkeit sein, auf die binzuweisen überflüssig sein müßte. Wer aber die Gepflogen­heiten mancher streije kennt, die oft kostbaren und mit vieler Arbeit und großen Losten zufammengesiellten Aus­lagen der einheimtscr)en Geschäftswelt geringer zu achten als die der auswärtigen Geschäfte, große Warensendungen von Häusern zu beziehen, die sie nur dem Namen nach ooer vielleicht auf Emp.ehtung kennen und ost bitter enttäuscht werden, der wiro die,en Mahnruf verstehen und würdigen. Es ist eine schwere Zeit für jeden Staatsbürger, die Büroen von Staat und Gemeinde zu tragen, besonvers in der gegen­wärtigen Zeit einer tiefstehenden Konjunktur, wo alles und jedes an Angenehmem und Luxuriösem eingeschränkt wird und der Geschäftsmann in erster Linie den Ausfall zu fühlen und zu tragen hat. Aber trotz dieses Ausfalls muß er die stärkften Anstrengungen machen, um den wirtschaft­lichen Wettbewerb auszuhalten, muß Opfer über Opfer bringen, muß leistungsfähig bleiben, Auswahl bieten, seine

iz ranz Josef-Anekdoten. Während seiner langen Regierungszeit ist um Kaiser Franz Josef im Vollsmund ein immergrüner Kranz von Erzählungen und Geschichten geschlungcn worden, die immer wieder von der edlen Herzensgute und der leutseligen FreundliäKit des Herrschers berichten. Wir greifen aus der Fülle der von Allhuber gesammeltenKaiser-Anetten" einige für die Wesensart oes Monarchen besonders bezeichnende Vorgänge heraus. Als das ölterrcia'jifdK Kaiserpaar im September 188o in Gastein mit Ka iser Wil Helm I. zusarnmentraf, wollte dieser die hol)en Herrschaften durchaus noch em Stück begleiten. Franz Jose, vat jeooch feinen greifen Freund, sich zu schonen und auf dielen Wunsch zu verzichten. Als feaiier Wilhelm aber bei I einer Ab sich: beharrte, nef Franz Josef lächelnd:Tann be­fehle ich dir zu bleiben." Der beutfdje Kaiser trug die Uniform eines österreichischen Oberst; er richtete sich daher stramm auf, grüßte militärisch und erwiderte:Da muß ich freilich gehorchen." Als Bismarck 1893 am Wiener Hofe weilte, fiel ihm

Prag unter öem Standrecht.

Gestern mittag i)t über Prag das Standrecht verhängt worden. Trotzdenl ist es aber auch gestern wieder zu ver­schiedenen Ausschreitungen des tschechischen Pöbels gekom­men. Gegen 11 Vs Uhr vormittags wurde eine zwei Manu starke Sicherheitsivacl-e zu Pferde von einem etwa hundert- sünfziglöpfigeu Trupp junger Burschen in der am Rieger- Park vorbeifübrendcn Straße mit Steinen beworfen. Die Wache jagte die Burschen auseinander, die über Zizkow flohen; bie dorthin entsandte Polizei fand die Burschen nicht mehr. In den ersten Vormittagsstunden sammelte sich wieder eine große Menschenmenge, zumeist junge Leute, augenscheinlich zu Ausschreitungen neigende Elemente, auf dem Graben an. Als dann die Couleurstudenten aus dem Kasino herauslämen und ihren Bummel beginnen wollten, entstand ein riesiger Tumult, da die Studenten von der Veranstaltung des Bummels nicht abstehen wollten. Die Gesahr heftiger Zusaininenstöße drohte. Es wurde zur Räu­mung des Grabens geschritten und nach der Räumung dieser abgesperrt. Erst nach V/a Uhr ümrde der Graben frei­gegeben.

Gleichzeitig mit der Verhängung des Standrechts sind durch Bekanntmachung der Polizeidirektion alle Ansamm- lungen in den Straßen untersagt; auch ist die Schließung der Haupttore von 8 Uhr abenos verfügt worden. Jedes öffentliche Tragen von Vereins- und sonstigen Abzeicl)en ist verboten. Die Grundsteinlegung für die neue deutsche Universität, zu der ja auch die Uuioersitälen des Deutschen Reiches Delegierte entsandt haben, ist infolge der Verhäu- flung des Standrechts aufgeschobeu worden. Aus Er­langen berichtet man uns, daß fünf dortige Studenten, Vertreter der BurschenschaftGermania" und des Vereins deutscher Stnbenten, gestern nach Prag abgereist waren. 14 Vertreter anderer Korporationen verzichten auf die Reise wegen der neuesten Berichte, zumal da auch vom Kriegsmini­ster ium in München die Mitteilung eingelaufen ist, daß der deutsche Konsul in Drag von der Reise abgeraten hat. Aus Würzburg schreibt man uns, daß der Rektor der dortigen Universität durch einen Anschlag die Universitäts-Studenten vor dem Besuch der Jubiläums-Festlichkeiten der deutschen Lese-Halle in Prag gewarnt habe, da keinerlei Garantie für 2eib und Leben gegeben sei. Aus Breslau berichtet der Lok.-Anz.", daß Vertreter von 38 Breslauer studentischen Korporationen zur Unterstützung- der deutschen Studenten gegen die tschechischen Uebergrifie nach Prag abgereist seien. Auf dem Breslauer Hauptbahnhofe hatte der Rektor Magni- sicus int Auftrage des Kultusministers durch Pedelle gegen die Fahrt jein Veto eingelegt. Trotzdem reisten die Stu­denten ab. Katholische und indische Korporationen machen die Fahrt nicht mit

Inzwischen ist es auch in Brünn zu Kundgebungen zwischen Deutfchen und Tschechen gekommen, so daß Militär Äur Wiederherstellung der Ruhe herangezogen wurde. Bei den Kundgebungen wurden verschiedeite Wachleute durch Steinwürse, verfchiedene Demonstranten durch Säbelhiebe, einige schwer, verletzt Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen. In den späteren Mendstunden war die Ruhe wiederhergestellt

feinet Umgebung bewogie. ^er Monarch «eicht erzah gern Witze unö Anekdoten, die er mit ausgezeichneter Poin­tierung vortrug.Angeregt durch dies wirklich geieilige Wesen," er­zählt der Rei^Skanz.er,utadM nun au ? ich einige lust.geAbenteuer und Jat)dgeschicl>ten vor, und wenn ich gleich merkte, daß der Witz meiner dem noroischen Leoen entnommenen Anekdoten die Gescliichaft nicl>t so recht ansprach, so waren doch alle, der Kaiser voran, liebenswüroig genug, meinen guten Willen anzuerkennen und mir in reichem Maße Beifall zu spenden, wo ich eher erwartet Hütte, enttäuschten Mienen und verlegenen Aeußerungcn zu be­gegnen." Von der Lieoenswürdigleit des Kaisers üei einer Audienz erzählt Heinrich Laube, hem ebenfalls als steiferem Nord- beut) anal Franz Josefs lebhafte Piauderkunft au niet Der Herrscl-er tot an ihn immer noch eine neue Frage, während Laube bereits sich zuruckziehen wollte und nach der Tür hmstreöie. Als bei biefen feinenRüawürtswnzenlrierungsocrfuc. m" eine ziemliche (Entfernung zwischen dem Kaiser und ihm entstand, eilte ihm plötz- lid; Franz Josef lachend nach,schliff über das Parkett wie über eine Eisbahn", packte ihn am Arm und hielt ihn so fest, um mit demHerrn Dr." weiterzuptoudern. Ter Monarcl) liebte es bei den großen Manovern, die Truppen früh am '.Norgen uner­wartet in den Baracken aufzusuchen. Bei solch einem fast noch Eitlichen Spaziergang findet er einenPutzer" in bloßem Hemd und breiten ungarsichen Hofen fchon auf, während die ganze Mannsc.)aft twa) fchlief. Der Kaiser spricht den Putzer, der sogleich stcamm stehl, in feiner Muttersprad-e an:Du vist ein Ungar, lch sehe es an deiner Hose, sag mal, warum trägst du nicht die engen ärarischen .Hosen?"Majestät", antwortet der Soldat, uq trage bie breiten Hosen lieber als die engen, und bann halten bie arariiajen nicijt lange; wenn sie zwei- ober dreimal gewaschen werden, sind sie zerri>ien."Zeige oemen Tornister!" sagte der Kaiser nno ofmetc den Storni lüttes Dianncs, in bem sich tatlachlich ^vei +nar neue ärarischc Hosen fauler zusammengelegt neben blner Virginiazigarre sanden.Das ist sck-ön von dir", meinte ber Meiler laa,:no,daß bu für den Staat sparst, solche Soldaten kann der Staat brauten." Und noch am selben Tage erhielt! ber Soldat aus Befehl bes Kaisers hunoert Virgmiaz.garren. m e ine Chr o n i k aus Kunst u n b Wissenschaft. Prinz Augu,t Wilhelm, der kürzlich in Straßburg promocieric, ist uei ber juristischen FakuN.n in Berlin einge- Ich r ieben worden. Im Wiesbadener Residenz Theater saiid ,,^as.bißchen Rumn", eine uceiaEtige Kvmödie Port vemz Gordon, bei ihrer Uraufführung einen freundlichen (äfol®,

ALrinc» Feuilleton.

Die Schriftstellerin Ilse F r a o a n - A k u n i a n ist einer Drahtnachricht aus Genf zufolge, mit ihrer Freundin Esther M a n de l b a u m freiwillig in den Tod gegangen. Fräu­lein Mandelbaum erschoß erst ihre Frcundiil und dann sich felvst. Ein hintertossener Brief gibt ein unheilbaresLeiden atö Grund an. Ilse Levien, die sich unter dein Deckmantel Frapan-Akunian einen geachteten Platz in der Literatur errungen bat, stammte von einer Hugenottenfamilie ab und war am 3. Feornar 1852 in Hamburg g:bereit worben. Anfängllck) wirkte sic als Lehrerin in ihrer Vaterstadt, besuchte dann Die technische Hochschule in Stuttgart, wo sie mit dem Äesthetikcr Visciser in Berührung trat. Von 1892 studierte sie in Zürich Nalur- wisfeilfchaften und lebte zuletzt in Genf. Ihr starles, aber ungeschultes Talent trat besonders .in ihren mit guter hieben^ bcobacijiiing geschriebenen Romanen uno brovellcn zutage, in denen fie mit Voclieve ihre .Heimat und spiterhin die sindierenbe Frauen­welt behandelte. Von ihren Werken sind die bekanntesten Ham­burger 'Jtoßelten (lb87), Visck-er-Eriiinerungen (1889), Ztoisd-cn 61be und Alster (1890.!, Flügel auf! (1895), Wir Frauen hüben kein Vaterland (1899), Arbeit (1903j und das Drama Die Retter ber Dcoral (1905). -h.

Preußifche Sparsamkeit. BülowS berühmte Spar- samkeitSrebe, mit der ich mich bereits einmal beschädigt habe, wird von der prenßijchen Regierung Fürst Bülow ist in Preußen Ministerpräsident großartig illustriert durch das Palais, das man dem Negierungspräsidenien in Danzig als Tienslwohuung <iu>gebant hak. Mit Untertiattung und Verzmjung tollet dieses Acainieuschloß jährtid) IsOOO 11)it., m Worten adslzehntauseud Ätork. Ten zehnien Teil davon, iiämhd) 1800 9)1 f., eihalt die Acnmienllasie des Regieiungsprasideilten al5 Wohiiungsgeldztischnv Las Gehalt selbst betragt 12 0U0 Alk. Tiefes entzückende Beispiel Qltpieuüi|d)er Sparsamkeit" so nennt man Io etivas inJleu- Preußen gibt einen vortrefflichen Fingerzeig für die Alöglidskeil von Ersparnlsfen allcigrouien Unünngcs, an Sie bisher leider noch tuemanb gedacht z»r haben sdseint: Alan zahle, so sagt der Wärwol' in demVerl. T.-B.", den Beamieu überhaupt ferne Gehaller mehr; der Siaat würde dabei viele Hiinderte oou 'JJhthonen sparen unö er würde dennoch bie Beamten auf lange Zeit zuiriedcuslellen. Er braudit ihnen unter Zugrundelegung bes Danziger Exempels nur den neu seilgeietzten Wohmuigsgeldzuschuß und dazu bas Aubert- halb'ache ihres bisherigen Gehalles als .verstärkten" Wohmuigs-

wie an beit beiden Kaisertagen um Persönliche Anklagen gegen den Trager ber Reichsgewalt handeln tonn, um eine Kennzeichnung ber Hanblungen und des Verhaltens des Monarchien, sonoern um die sachliche Erörterung der Mittel für oie Sclsaffung versassungs- mäßiger Bürgschaften. Zwar füllten sich die Tribünen zu Be­ginn der Sitzung und die Hof- und die D o'.omalentoge war fdjon lange vorher von einem eleganten Damcnpublikum besetzt, aber von bem damaligen Sturm auf die Pforten des Hauses war keine Spur, und Sitzungssaal wie Wandelhalle boten kaum das Bild großer Tage. In der Hofloge wohnte einem Teile der Sitzung die Großherzogin von Dlocnuurg mit ihrem Bruder, einem Wal- deckischen Prinzen, bei, der irrtümlicherweise für den Prinzen August Wilhelm gehalten wurde, vermutlich weit man bei bie,em Doktor der Stoatswisfcnschasten ein bcscnheres Verständnis für die heutigen Verhandtunacn voraussctzle. Wie offiziell icoon au» gefnübigt war, ist der Reichskanzler nicht erschienen. Seinen Platz nahm sein Stellvertreter, ber Staatssekretär von Veth mann-Hollweg ein und an dessen Seile der Staats» fcCretär des Reichsjnstizamts; von den anderen Ei>:fs der rlieuchs- dintcr hatte sich nur Herr Dernburg cingefunbcn. Dagegen waren Ete füd- und mitteldeutichen Bundesstaaten in ihren bevollmäch­tigten Vertretern und Gefandten zur Stelle.

Auch die EinleiMng der heutigen Aksion verlief programm­mäßig. Herr o. Bethmanu-Hollweg entnahm einer un­gewöhnlich umfangreidjen Aktenmappe ein Rolizbtott, und gab eine kurze aber inhaitreichc Erklärung ab, die auf das ganze Haus ersichtlich einen guten Eindruck maujte. Es klang fast wie eine Aufforderung an die Volksvertretung, Untcrlaiiungöfiinixn früherer Jal-rzchnte aut zu machen, als er den bisherigen Mangel einer Initiative bei den Verbündeten Regierungen damit ertturte, daß diese eist feste Beschlüsse des Reick-stoges abgewartet hölten. Seine von vollem Verständnis der ernsten Bedeutung dieser Be­ratung zeugenden Sckllußworte weckten lauten Beifall nicht nur auf der red/ten Seite des Hauses. Den Antragstellern wurde nach der zeitlichen Reihenfolge der Einoringnng iljrcr Anträge das Wort erteilt An erster Steile dem Vertreter der freijinnigen FraktionsgrmeiiisdMst Dr. Müller-Aieiningen. Er begann denn auch seine Ausführungen mit der Feststellung, daß hie An­träge seiner Freunde nicht erst au5 der 9tot der letzten Wochen geboren, keine Gelegenheitsgesetzmack/erei seien, sondern scyon andertlMlb Jahre der Durckcheratung harren. Die Vorgänge, die ben Anstoß dazu gegeben haben, diese Fragen gerade jetzt auf die Tagesordnung zu bringen, berühre er nur, so weit ihre Heran­ziehung als Beispiele nidjt zu umgehen war. Nur kurz erledigte er zunächst die Revision der Geschäftsordnung, unter Hinweis darauf, daß die Kaiserinterpellalionen ausgchen mußten wie das Hornberger Sck/ießen, aber daß men üoerhaupt es nicht mdjr nötig haben würde, mit großen Jnterweliationshebatten so verfdgornderifch umzugehen, wenn man nach englischem oder französisdfem Muster jederzeit bei wichtigem Anlaß durch kurze Anfrage die erforderttd^e Klärung jdjahen könnte. Neben der Forderung einer wirksamen Reid)skanzlerverant- .oorttichkcit bc^.'ündcte er Laß Verlangen nach verant- wörtlichen Reid)Sministerien. Den Hauptnack^>ruck aber legte er darauf, daß ber nur moralischen, theoretischen Verantivort- tichkeit überhaupt ein festes verfassungsmäßiges Fundament ver­liehen und anstelle des ScheinkonstiMtionolismus eine wirk­lich konstitutionelle Verfassung gesetzt und damit ein dauernder tonstitusioneller Frieden erinöglid)t werde. Mit großer Aunnerksamkeit folgten aud> die Herren auf der Bundcsratsestrabe den Worten des freiftnnigcn Redners, unh auf densüddeutschen" Bänken konnte man eine beutlidje Geste der Zustimmung wahr- nehinen, als er hervorhob, daß der beutitije Kaiser nach Der Reichs- Derfanung nicht Souverän des deutschen Reiches sei, sondern nur die Prmidialgewalt verkörpere, als Primus inter pares. Zu Zeiten äußerte jica die AntLilnahme ocr Bundesratsoeriretcr derart kräftig, daß der Redner es als Störung empfano und in seiner temperamentvollen Weise sich dagegen auslehnle.

Das Zentrum hat sich die Sache leidjter gemacht und sich auf den allgemeinen Wunsch nach einer Festlegung der Verant- tuortlid)tcit besdiränkt; und Dr. Spahn verstand es, in seiner halbstündigen Rede jeder Präzisierung Dieser Forderung im ein­zelnen auszuweicl-en. Alles weitere erroartet er von der Arbeit ocr verstärkten Geschäflsordnungskommisiion, die Tr. Müller- Meiningen beantragt hatte. Dann betrat Herr Ledebour die Tribüne. ImVorwärts" hatte man am Morgen gelesen, daß