Ausgabe 
3.10.1908 Zweites Blatt
 
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von Bieber-

Forderung

Das, was

.. Die Beweisaufnahme vor den Geschworenen ergab mit aller der Angeklagte in beiden Fällen objektiv falsch geschworen hat. Crombach sowohl- wie Marstcller bekundeten tlipp und klar, das; cs ihnen ganz und gar nicht eingefallen sei, bei Hartmann eine Bestellung zu machen. Hartmann habe aber sich nicht int Zweifel darüber befinden können, daß sic seine Offerten abgelehnt haben. Andere Zeugen unterstützten die Aussagen der Hauptbelastungszcugcn. Die früheren Chefs des Angeklagten er- klarten, als Zeugen vernommen, sie seien mit H. zufrieden gewesen; er hatte |td) Mühe gegeben und habe ihres Wissens nie fingierte Aufträge eingesandl. Differenzen rämen ja öfter int Handel öor und seien auch bei den Geschäften, die Hartmann gemacht hat, vorgckommen, aber es habe sich dabei meist nur um Mcinia- ketten gehandelt. Der Inhaber der Firma Voß u. Co., Kaufmann Monhetmer, erklärt, er sei anfangs mit Hartmann sehr zufrieden geweieil und könne auch nicht sagen, daß bei des,en vielen Geschäften hausig die Sache niclit glatt gegangen wäre. Zu den unter Anklage stehenden zwei Füllen komme noch ein weiterer Fall, in dem er auch habe klagen müssen. Dieser Prozeß ging verloren, weil es ,td) ebenfalls um einen fingierten Auftrag gehandelt hat.

Kfctsassistcnzarzt Dr. Lange rin an it erklärt, daß der An­geklagte Epileptiker sei, also an der Fallsucht leide. Sein Zu­stand ,ci aber nicht derart, daß Hartmann nicht voll verantwortlich zu machen sei für das, was er getan hat.

Den Geschworenen wurden die Fragen vorgelegk, ob der Angeklagte des wissentlichen falschen Eides in zwei Fällen schuldig >ei, und ob die Angabe der Wahrheit diesem hätte eine Verfolgung wegen einer begangenen Straftat hätte zuziehen können. Auf Antrag des Verteidigers wurden auch die Fragen nach fahrlässigem Eid gestellt.

Staatsanwalt R e u ß führt aus, es sei durch Zeugen bewiesen, das; Crombach in Bieber dem Angeklagten erklärt habe, er be­stelle nichts, ia, er habe diesem noch eine Postkarte geschrieben, worur er sich ausdrücklich dagegen verwahrt, etwas bestellt zil haben, ^rotzdern hat Hartmann in Gladenbach unter Eid be­hauptet, die Bestellung sei gegeben worden. Marstellcr in Grü- nlngen hat ebenfalls keinen Auftrag gegeben. Es ist dargestellt da» Marsteller ausdrücklich erklärt hat, er kaufe seinen künstlichen Dünger nn Konsumverein. Hartmann will nun später den ins Feld fahrenden Marsteller getroffen und bei dieser Gelegenlicit das Geschält. zum Abschluß gebracht haben. Marsteller versichert unter Cid, dies sei unwahr, er sei dem Angeklagten zwar begegnet habe aber Nicht einmal mit seinen Tieren gehalten. H. habe ihm zloar etwas zugerufeir im Borübergehen, aber dessen Aitgabe,

GerichtsiaaL.

rb. 2 a r m st a d t, 2. Okt. Der Fall Grebe, der int vorigen Frühjahr in Offenbach entdeckt wurde, fand in der Hauptsache heute vor dem Schwurgericht seinen Abschluß. Der 1845 in Offenbach als Sohn des früheren Stadtrechners geborene Wil­helm Grabe war angeklagt und geständig, sich seit Jahren der Unterschlagung ihm anvcrtrauter städtischen Gelder und der Ver­deckung dieser Unterfchleife durch unrichtige Buchführtlng schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte war mit Vollendung seines .14. Lebensjahres in Mdtische Dienste getreten und am 1. August 1876 als Stadtrcchuer verpflichtet worden. Mit dem Aufschwung der Stadt wuchs auch die Arocitslast des Stadtrcchners, es wurden ihm weitere Kassen übertragen, so die Gymnasial- und Realschul­kasse, die Witwenkasse, die Verwaltung verschiedener Stiftungen usw. Grebe sah sich infolgedessen genötigt, verschiedene Hilfs­bücher einzurichten, die von seinem Sohn Adolf Grebe und dem Gehilfen Dammel geführt wurden. Die Abschlüsse dieser Hilfs-- kassenbücher übertrug der Angeklagte dann in sein Haupüiuch, durch das mithin sämtliche Rechnungsposten unter seiner alleinigen Verantwortung liefen. Zu den Kassen gehörten auch zwei staat­liche Kassen, und aus biefent Grunde unterstanden Grobes Ge- samtkässen der Prüfung durch die Großh. Oberrechnungskamutcr, Die auch in den Jahren 1883, 1889, 1895, 1901 und 1907 Visi--^ tationen vornehmen ließ. Obwohl Grebes Unterschlagungen ein­gestandenermaßen bis 1883 zurückdatieren, verstand er es stets,' die Entdeckung zu verhüten. Erst die Visitation im November 1907 führte zur Entdeckung eines Fehlbetrags von 18 000 Mar! in der Kasse Adolf Grebes und die weiteren Nachforschungen er­gaben, daß ein weiterer Fehlbetrag von 47 000 Mark vorhanden' war, den er bisher durch falsche Zinsrouponbuchungen verdeckt hatte. Ferner wurde noch ein Manko von 14 000 Mark auf* gefunden, so daß d'as Gesamtdefizit auf 79 870 Mark berechnet werden muß. Ter Angeklagte gab zu seiner Entschuldigung an, er habe mit seiner kinderreichen Familie und infolge der mangeln­den Wirtschaftlichkeit seiner Frau mit 3200 Mark von 1876 bis 1884 /und dann mit 4200 Mark bis 1899 nicht auskommcn können und sei genötigt worden, ca. 1500 Mark jährlich aus der Stadtkasse zu, entnehmen. Dieunständigen Einnahmen" aus Straßcnbaukosten usw. seien nie kontrolliert worden. Der mir

Schwrsrgeröcht.

lh. Gießen, 3. Oktober.

_ . Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen den Reisenden Heinrich H a r t m a n n, der am 12. März 1889 zu Kloster Allen- dorf (Meiningen' geboren ist und zuletzt in Gießen seinen Wohn­sitz hatte. Es handelte sich um eine Meineidsanklage in zwei Fällen. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Reuß, die Ver­teidigung führte Rechtsanwalt Dr. Jun g. In der Sache waren 18 Zeugen und als Sachverständiger Kreisafsistenzarzt Dr. Langer- mann zu hören.

liegende Teich ebenfalls instand gesetzt itnb zur Fischzucht verwendet wurde, möglichenfalls läßt die sehr geeignete Lage noch weitere Aussichten zu, doch müßte bei Errich­tung einer völlig rationellen Anlage auf lveiteres Ent­gegenkommen der Stadtverwaltung zu rechnen sein.

n. Schotten, 2. Okt. Die Nachricht, daß der Hessische Landes-Lchrcrverein von dem Lehrerheim sich losgesagt 'habe, beruht auf einem Irrtum. Auf der letzten Vertreter- Versammlung wurde lediglich der jährliche Beitrag des Haupt­vereins an das Heim von 400 auf 200 Mk. herabgemindert, und zwar mußte diese Maßnahme einzig und allein gemäß der finanziellen Lage des Hess. Landes-Lehreroereins getrosten werden. Das nun bereits über zehn Jahre bestehende Hemp hat sich auch im letzten Vereinsjahre gut entwickelt. Die Zahl der Mitglieder ist auf 1740 angewachsen, und es konnten außer der regelmäßigen Amortisation bei der Lcmdes-Hypo- thekenbank in Darmstadt auch einige Anteilscheine L 50 All. ausgelost und zurückgezahlt werden. Der Besuch des Lehrer­heims war während der Sommermonate ausgezeichnet, besser dem in allen Vorjahren. Die nenerbaute Wasserleitung spendet nach wie vor vorzügliches Quellwaster. Leider muß dec 1. Vorsitzende des Vereins, Lehrer Hotz-Nrdda, aus Gesund­heitsrücksichten sein Amt niederlegen, so daß schon die am 7. Oktober stattfindende Hauptoersamnilung durch den 2. Vor­sitzenden, Lehrer Dern-Offenbach, geleitet werden muß. Von verschiedenen Firmen wurden auch im letzten Jahre dem Erholungsheim Hess. Lehrer Zuwendungen gemacht, so auch von der Möbelfabrik Th. Brück und der Firma Jul. Bach in Gießen. Bei dem prächtigen Herbstwetter steht ein recht zahlreicher Besuch der Generalversammlung in Aussicht.

R. B. Darmstadt, 2. Okt. Zu einer großen Trauer­kundgebung gestaltete sich die heut nachmittag erfolgte Be­stattung des Geh. Justizrats Dr. O s a n n. Eine nach Tau­senden zählende Menge hatte sich eingefunden, darunter .Staatsminister Dr. Ewald, Minister des Innern Dr. Braun und viele andere Regierungsmitglieder und behörliche Ver­treter, ferner die Reichstagsabgeordneten Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Dr. Bassermann, zahlreiche Kollegen, Stadt­verordnete uff. Am Grabe hielt Pfarrer Seite ein Gebet, da sich der Verstorbene eine längere Grabrede verbeten hatte. Desto größer aber war die Zahl derer, die bei der Nieder­legung von Blumenspenden herzliche Nachrufe widmeten. Zuerst sprach Oberbürgermeister M o r n e w e g, der dem Dahingeschiedenen den .Scheidegruß der Stadt zurief und seine Verdienste um das Wohl der Stadt in trefflichen Worten pries. Dann feierte ihn .Stadtverordneter Müller namens des Finanzausschusses und Justizrat Gallus na­mens des Anwaltskammervorstandes. Reichstagsabg. Bas- ssermann legte namens des Zentralvorftandes der Natio­nalliberalen Partei und der Reichstagssraktion einen Lor­beerkranz nieder. Für die nationalliberale Kammerfraktion sprach Abg. Reinhart, für die nationalliberale Partei Darmstadt Pros. Dr. N e ß l i n g. Ferner sprach noch Land­gerichtspräsident L i p p o l d namens der Gerichte, mit denen der Verstorbene ein geradezu ediales Verhältnis Pflegte, namens des Wahlkomitees des Reichstagswahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda Oberlehrer Dr. Krausmüller u. a. m. Die Zahl der sonst noch niedergelegten Kränze und Blumenspenden war Legion. Ter Familie sind aus der Bürgerschaft und von Nah und Fern die herzlichsten Bei­leidssendungen zuteil geworden. II. a. sandten Staats­minister Dr. Ewald und Minister Dr. Braun, sowie zahlreiche auswärtige Staatsmänner, Fraktionsgenossen 1 und andere Politiker Kondolationen. Namens des Zentral- 1 Vorstandes der Nationalliberalen Partei sandte Abg. Basser­mann folgende Kundgebung:Aus Anlaß des Ablebens i Aires hochverehrten Herrn Vaters spricht Ihnen der Zen- i tralvorstand der nationalliberalen Partei herzliches Beileid : aus. Die Verdienste, welche sich Ihr Herr Vater in seiner ' rastlosen politischen Tätigkeit um die weitere Ausgestaltung unseres Vaterlandes und um unsere Partei erworben hat, ' die Pflichttreue, mit welcher er vorbildlich wirkte, und die ' vaterländische Begeisterung, welche sein ganzes Handeln \ beseelte, werden ihm für alle Zeiten das herzlichste Gedenken i sichern. i

wie die Bestellung zustande gekommen sei, sei erfunden. Hiernach stehe fest, daß die in Rede stehenden Eide falsch waren. Der Staatsanwalt führt weiter aus, daß cs sich in beiden Fällen um wissentlich falsche Eide handelt. TaS Motiv der Tat liege offen­kundig. Die Firnta Voß u. Co. hatte einen Prozeß verloren und dem Angeklagten gedroht, daß sie ihn wegen Betrugs zur Anzeige bringen werde. Hierauf mußte der Angeklagte mit feinem Eide dafür Eintreten, daß nicht noch weitere Prozesse und zwar die gegen Crombach und Marsteller fchloebenden zu ungunften der Firma entschieden wurden. Er wußte, daß er sonst verantwortlich gemacht werden würde für die Kosten, und um sich dagegen zu zu sichern, hat er die Meineide geschworen. Es sei selbstverständlich, daß in beiden Fällen die Angabe der Wahrheit gegen Hartmann eine strafrechtliche Verfolgung wegen Betrugs hätte l>erbeiführen können, deshalb müßten die Geschworenen außer den beiden Fragen wegen des Meineids auch die an sie gerichteten beiden Milde- rungSfragen bejahen. Von Fahrlässigkeit könne keine Rede fein, es handle sich um wissentlich falsche Depositionen, die unter Eid abgegeben feien.

Der Verteidiger Dr. Jung ist mit dem Vertreter der An- 1 klage darüber einig, daß cS sich um objektiv falsche Bekundungen unter Eid handelt. Damit aber sei wenig getan, cs muß von der Anklage der Nachweis erbracht werden, daß die Eide wissentlich falsch abgegeben seien. Aus dem Vorleben des Angeklagten gehe nicht hervor, daß er jemals leichtfertig mit der Wahrheit umge­gangen ist. Die früheren Chefs geben Hartmann ein gutes Zeugnis, er war tüchtig und Anstände bei seinen Geschäften haben sich nicht ergeben. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Ai'^eklagte das Opfer eines Irrtums, einer Verwechslung und einer Ecdächt- schwächc infolge feiner Krankheit geworden. Sein Klient fei Epileptiker, es könne ein Zustand vorgelegen haben, der seine geistige Kraft gemindert oder gar ausgeschaltet hat, so daß das I Erinnern an gewisse Vorfälle gemindert war, als er seine Aussagen machte. Diese Frage sei von den Geschworenen zu prüfen und wenn sie bejaht werde oder nur ein Zweifel darüber obwalte, so müßte die Jury den Angeklagten" freisprechen. Zweifellos aber- reiche die Beweisaufnahme nicht zur Bejahung der Frage nach Meineid hin. Es könne im vorliegenden Fall nur die Rede davon sein,^daß Hartmann fahrlässiger Weise gefehlt habe, und in diesem Sinne bittet der Verteidiger, wenn die Geschworenen nicht zu einem Freispruch kommen, zu entscheiden.

Nach kurzer Beratung verkündete der Oomaun, Professor Fromme-Gießen, den Spruch der Geschworenen dahin:

Der Angeklagte ist schuldig int Fall Marsteller, des wissent­lich falschen Eides. Tie Frag ., ob die Angabe der Wahrheit dem Angeklagten tote Verfolgung wegen, einer strafbaren Hand­lung zuziehen konnte, wurde bejaht. Im Fall Crombach wurde die Frage wegen Meineids verneint, dagegen die wegen fahr­lässigen Falscheides bejaht. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 4 Monate Gefängnis. r

Vermif^USe

* Eine Sch ü l e r w a n d e r u n g von Westfalen nach Wien, lieber Schülerivandenmgen wird derHag. Ztg." aus Wien geschrieben: Die Hasper Realschüler, die in den vorigen Sommerferien nach Berlin gewandert sind, haben in diesem Jahre einen Tourenmarsch von noch größerer Ausdehnung ausgef/ihrt. Unter Führung des Di­rektors und eines Oberlehrers wandertetl 15 Schüler von Haspe aus durchs Sauerland nach Wildungen und Eisenach, von da durch den Thüringer Wald und das Fichtelgebirge nach Eger und Marienbad. Daun wurde der Böhmerwald durchquert und nach 28tägigem Marsche Wien erreicht. Die ganze Wanderung von Haspe bis Wien wurde zu Fuß zuruckgelegt. Dabei wurde täglich von den Schülern selbst abgekocht. Je zwei hatten einen Spirituskocher und Koch­geschirr bei sich und bildeten eine Kochgemeinschaft. Es wurde Griesbrei, Reis oder Haferflocken mit Obst gekocht. Rühret, Pfannkuchen, Pilze, Maggisuppen, Mondamin ober ähnliches. Geschlafen wurde in B.iuernhäusern, meist auf Stroh, so daß die ganze Wanderung vec^alrmsmäßig sehr

Mainz, 2. Okt. Das Verlangen der Eisen bahn- direkt ion nach Sitz und S tim ine in der Stadt- verordnetenversaminlung als höchstbesteuertc Grunb- besitzerin wurde vom Kreisausschuß für begründet erklärt Der Kreisausschuß führte in seinem Urteil aus, baß der Eisenbahnfiskus auf Grund des noch bestehenden Gesetzes von 1858, das bei Schaffung der Städteordnung von 1874 nicht .ausdrücklich aufgehoben wurde, das Recht habe, einen Ver­treter für die Stadtverordneten-Verfaminlung zu ernennen.

)( Ki r ch h a i n, 2. Ott. In Anwesenl)cit des Oberpräsidcntcn Hengstcnberg wurde heute hier bic 9. Kurhessische Bezirks- Obstausstellung eröffnet.

X Hanau, 2. Okt. Der evang. Marienkirchen- gemeinde dahier schenkte der Rentner Hermann 91 c u b e r ein Kapital von 1 6 7 0 0 0 M k. Nach den Bestimmlingen sind hiervon bei seinem Ableben 45 000 Mk. als Luise Neuber-Stiftung zur Unterstützung von Lehrerinnen, Konsir- manden und Kranken der Gcmeiiide, sowie zu Beihülfen für würdige Töchter der Geineinde zwecks Ausbildung als Lehrerinnen abzusondcrn, 30 000 Mk. an den evang. Verein für Innere Mission in Hanaii, 3500 Mk. an die evang. Diakonissenftation in Hanau 511 zahlen und der Rest zum Bau einer weiteren evang. Kirche in Hanau zu ver­wenden.

I*, Kleine Mitteilungen ans Hessen und den

Lr^aa^cn-.- 3« Frankfurt a. M. stürzte sich der 19 Zahrc alte Drogist Georg Angcrrnaycr aus dem 4 Stock des Hauses Holzgrabcu 18 auf bic Straße und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf st a r b. - - Tic T o ch t e r des Bahnwärters Engel in Kelsterbach war mit Kartoffelaus- machen beschattigt, als sie einen epileptischen Anfall erlitt uub mit dem Gepcht zu Boden stürzte. Bei den krampfhaften Zuck­ungen wühlte sich das Mädchen derart in die friichaufgehackte Erde cm, daß cs crftirftc. In Witzen hausen ist in einer zyanuhc der Typhus ausgebrochcn. Zwei Mitglieder dcrselb"n .Artige Krankenhaus transportiert worden. In xJftbofen ist idüe Papierfabrik abgebrannt, wodurcki km schaden von 160000 Mark entstanden ist.

Die Unkrautgefahr und Unkrautbekamvsuna.

Dr-. GGeviilS hielt geicgentlia) der Be- «rrts-Au^stellung ui Lich einen Vortrag über das Thema Uiikrautgefahr und llnfrautbcfärnpfuiig", über den etwa mit geteilt sei. ^cr Redner kommt chileitenb auf einen früheren Vortrag inich zu sprechen über die Sortenwahl im Getreide-

der Führung des Kontrollbuches beauftragte Stadtverordnete habe Die Eintragungen stets nach den ihm von Grebe gemachten An­gaben und Belägen bewerkstelligt. Da der Angeklagte geständig war und mit tränenerstickter Stimme reumütig jede gewünschte Auskunft gab, ihm auch durch die Offenbacher Mißwirtschaft die günstige Gelegenheit zu derartigen Unterschlagungen geboten wurde, beantragte der Staarsamvalt Hoos selber Die Bewilligung mil­dernder Uiustälidc. Das Urteil des Gerichts lautete auf 2 I ahr q 9 Monate Gefängnis, abzüglich 7 Atonale Untersuchungs­haft. Auch von einer Strafe auf Ehrverlust wurde abgesehen, tro^- dem der Staatsanwalt 3 Jahre 6 Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust beantragt hatte. Der Angeklagte nahm die Strafe an.

s Marburg, 2. Okt. Wegen Beihilfe zum Wucher verurteilte heule die Strafkammer den Handelsinamr A. Nathan aus Lohra zu z iv e i W o ch e n G e f ä n g n i s und 200 Mark Geldstrafe. Ihm ivurbc zur Last gelegt, in Gemeinschaft mit dem' Haiibelsmami S. Oppenheim aus Gladenbach, der bereits dafür be-, straft ist, einen damals nicht ganz zurechnuilgsiähigen Bruder des hefsischeu Volkäschriftstellers 9launmnn ans Ronshausen dadurch beivuchert zu haben, daß O. diesenr sein Erbteil für 1250 Mk. ab- kaufte und nachher 2200 Mk. verlangte.

Leipzig, 2. Oft. Das Reichsgericht verwarf die Re-^ visioii des Slaalsamvalts gegen das Urteil des Landgerichts Biele- feld voni 2. Juni d. I., dlirch ivelches der Diener des (äebeim- rctts Hinzpeter, Jofef Aittoine, voii der Slnklage des Diebstahls ir e i g e s p ro ch e >i ivurde. Antoine hatte sich einen Brief des Kaisers, eine Photographie des Kaisers mit seiner Unterschrift und eine Glückwunichfarte des Prinzen Heinrich angeeignet. Tas Be­wußtsein der Rechtswidrigkeit ivurde neuienit.

bau, der zur Folge hatte, daß in Oberhessen und dann in ganz Hessen Saatbaustellcn errichtet wurden. Bei einem zweiten Vortrag referierte Redner über die ländlichen Fort­bildungsschulen, und heute schon ist in der Hälfte der Fort­bildungsschulen des Kreises der Unterricht in ein neues Fahrwasser geleitet worden. Diese Fortbildungsschulen sind jetzt so geleitet, daß die Landwirte des Kreises Gießen von ihr einen großen 9cutzen haben werden. Auch bei dem heutigen Vortrag besteht die sichere Hoffnung, daß er von bleibendem praktischem Erfolg begleitet sein wird, denn auch die Laudwirtschaftsrammer hat die Absicht, gegen das Un­kraut, speziell gegen den Hederich, zu Felde zu ziehen. Die Untrautgefahr besteht darin, 1. daß die Unkräuter den Kulturpflanzen Licht, Raum, Wasser und Nahrung entziehen, 2. daß sie die Bestellungsarbeitcn, z. B. Hacken, Pflügen, Eggen usw. wesentlich hindern, 3. daß das Unkraut eine Brutstätte für allerhand Schädlinge ist, z. B. für Pilze, Rost, ferner für tierische Schädlinge, z. B. den nobeligen Schild­käfer, 4. daß manche giftig find, z. B. Herbstzeitlose, Schier­ling und 51vrnrade, 5. daß manche die Güte der Ernte herab- mindern, z. B. Knoblauchsamen, Kornrade. Landesokonomie- rat Beseler hat durch einen praktischen Versuch den hohen Schaden bewiesen. Er bestellte drei Morgen Land mit Hafer; den ersten Atorgen ließ er in verunkrautetem Zustande wachsen, den zlveiten jätete er, den dritten hackte er. Auf dem zweiten erntete er 2 Zentner Getreide, auf dem dritten ös/i Zentner mehr als auf dem ersten. Tas Jäten kostete 5 Mk., das Hacken 6 Mk. pro Morgen. Ein Sprichwort in der Metterau besagt: Hederich jäten kostet viel Geld, aber Hederich uichtjaten kostet noch mehr Geld. Leider sieht mau links und rechts der Wetterauer Bahnen viel gelbe Felder und Wiesen. Oberhessen hat in der Unkrautbekämp­fung noch eine große Aufgabe. Wie soll das Umrani be­kämpft werden? Tie Herbstzeitlose und das Moos auf den Wiegen müssen durch Entwässerung beseitigt werden. Redner zeigt bann auch einige Apparate, z. B. Herbstzeittosestecher und Distelstecher vor. Moos tarnt auch durch Egge und Eisenvitriol beseitigt werden, ebenso der Schachtelhalm. Tie Distel muß tief auSgestocheu werden. Löwenzahn und Huf­lattich müssen im Frühjahr mehrmals abgemaht werden, gegen Klee,eide schützt Uingrabcn. Reben Eisenvitriol man nehme etwa <-4 Zentner auf den Morgen schadet auch Kainit den Unkräutern. Alle Mittel zum guten Wuchs der Kulturpslege drängen das Unkraut zurück. Ter Redner besprach dann näher die sehr guten Erfolge, welche bei der Hederichvertilguug durch Ciseuvitriollösungeu erzielt wur­den. Ter Vortrag erntete lebhaften Beifall der Versamm­lung.

1 "Dem Angeklagten wird zur Last gelegt: 1. am 16. April 1907 vor dem Amtsgericht Gladenbach in der Sache Botz u. Eo.-Frankfurt n. M. und Philipp Crombach u..

wegen Forderung, und 2. am 18. Mai 1907 vor dem Amtsgericht Gießen in der Sache Voß u. Co.-Frank- furt la«. M. und Marstellcr von Grüningen wegen ' willentlich falsch geschworen zu haben.

»Ter Angetlagte bestreitet entschieden seine Schuld, er beschworen habe, sei in allen Punkten wahr.

Der Tatbestand der Anklage war: Hartmann, der gelernter Maler ist, hat sich verschiedentlich außer in diesem Gewerbe als Repender und Agent ernährt. In den Jahren 19051906 war der Angeklagte, der in Gießen wohnte, für die Frankstirter Fcrnia Voß u. Co., die mit Futterkalk und Mischdünger handelt, tätig, ,hm waren die Provinz Oberhessen und die angrenzenden Gebiete als Arbeitsfeld überlassen. Anfang August überschrieb der Angeklagte seiner Firma einen Auftrag, wonach der Schrciner- mclster Crombach in Bieber ihm Futterkalt zur Lieferung bestellt habe. Der Kalk wurde von Voß u. Co. geliefert, von Crombach in Bieber aber Die Annahme der Sendung verweigert. Es tarn zwilchen den Parteien zu einer Klage und hierbei beschwor der Angetlagte, daß Crombach den Auftrag erteilt habe. Jin Lause des Prozeßes traten Zeugen auf, die das Zeugnis des Hartmann erschütterten, und nach dem Crombach den ihm richterlich auferlegten Eid geleistet hatte, daß von ihm dem Hartmann nichts bestellt worden sei ging der Prozeß für Voß u. Co. verloren. In ähnlicher Weue ging es auch in Grüningen mit dem Landwirt Mar stell er. Dieser sollte 10 Sack Düngekalk bei Voß u. Co. bestellt haben. Es kam wegen dieser Sache zum Prozeß, in Dem der Angeklagte beschwor, Marsteller habe ihm den Auftrag erteilt, aber trotz dieses Eides wurde die Firma Voß u. Co. mit ihrer .ülage abgeioicscn, da das Gericht durch andere Zeugen zu der Ucberzengung gekommen war, daß tatjächlich Marsteller nichts bestellt habe.