Ausgabe 
28.12.1908 Zweites Blatt
 
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Hnen nicht ein besonderer Charakter verliehen ist, den Titel ,Finanzcuntmam/, die Steuerkommissariatsassistentca den Amts- titel .Finanzamtmann", die Steuerkommissariatsgehilfen den Amtstitel .Finanzamtsgehilfen" zu führen haben.

* Ordensverleihung. S. K. H. der Groß­herzog haben dem Forstwart der Kornmunalforstwartei Dad Nauheim, Förster Wtlh. Stamm zu Bad Nauheim aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Ml- gemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen.

** Finanzpersonalien. S. K. ö. der Großherzog hüben den stündigen Hilfsarbeitern bei dem Ministerium der Fi­nanzen, Abteilung für Steuerwesen, Regierungsrat Adam Frenz, Regierungsrat Dr. Gg. Hellwig, Regierungsrat Christian Braun und dem mit der Versetzung von Geschäften eines Hilss- arbeiters bei dem Ministerium der I-inanzen, Abteilung für Stener- tocfen, beauftragten Kassier der Staats!ciruldenkasie, Regierungsrat Balt^sar Kloos, sämtlich zu Darmstadt, statt des Charakters alsRcgierungsrat" den Charakter alsFinanzrat" verliehen, dem juristiscl)LN Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, Obcrfinanzasscssor Julius Kuhl zu Darmstadt, den Charakter als Finanzrat verliehen, dem Kreis- amtniann bei dem Kreisamt Mainz Martin Emmerling zum ständigen juristischen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Fi­nanzen, Abteilung für Bauwesen, unter Verleidung deS Charakters alZFinanzrat" und den Regierungsbaumeister Hch. Best aus Darmstadt zum Ministerialsekretär bei dem ^Ministerium der Fi­nanzen ernannt.

* Geh. Bergrat Tecklenburg f. Am zweiten Feiertage fand unter zahlreicher Beteiligung bte Beerdi­gung des Herrn Geheimen Bergrates Tecklenburg zu Darmstadt statt. Außer den vielen Freunden und Be­kannten hatten sich auch die Vertreter sowie die Beamten des Bergbaues den Leidtragenden angeschlossen. Von eini­gen Gruben waren Abordnungen von Bergleuten in berg­männischer Uniform entsandt worden, die dem Trauerzug ein würdevolles Ansehen gaben. Der hiesige bergmännische Verein, dessen langjähriges Ehrenmitglied der Verstorbene war, legte einen Kranz an der Gruft nieder. Möge dem Verstorbenen nach seinem arbeitsreichen Leben die Erde leicht sein. Geheimrat Tecklenburg, der 1839 zu Erbach am Rhein geboren wurde, war seit Jahrzehnten im hessi­schen Staatsdienst tätig. Bon 18701876 war er Berg­meister in Dorheim, danach Mitglied der oberen Bergbehörde in Darmstadt. Namentlich auf dem Tiefbohrgebiet galt er als Autorität. Von 1881 bis 1887 war er auch Landtags­abgeordneter für Nidda-Ortenberg.

* Die Gründer werbsko st en für die Bahn LollarLondorf. Zu unserer Notiz wird uns mit­geteilt, daß die Kostenverteilung nach der Bevölkerungszahl und den Steuerkapitalien der interessierten (Semeinben erfolgte. Während nun diejenigen Gemeinden, die durch den Bau dieser Bahn erst eine Bahnverbindung erhielten, mit der ganzen Bevölkerungszahl und dem ganzen Steuer- kapital herangezogen wurden, erfolgte die Heranziehung der Stadt Gießen, die am Bahnbau zweifellos weit weniger interessiert war, auch nur mit einem Zehntel dieser beiden Zahlen. Wenn der Prozentsatz, zu dem die Stadt Gießen zu den Grunderwerbskosten hiernach beizutragen hat, trotzdem ein so hoher geworden ist, so ist dies lediglich emc Folge der außerordentlich viel größeren wirtschafilicheu Be­deutung und Kraft der Stadt Gießen im Vergleich zu der­ber übrigen beteiligten Gemeinden, bei denen es sich zum Teil um recht kleine Landorte von geringer Lelstungsfähigfeit han­delt. Der Friedberger Kreisausschuß hat die von dem Bahn- Konsortium, unter Mitwirkung der Gießener Bezirks-Ver­waltungsbehörde beschlossenen Festsetzungen als Grundlage für die Verteilung der Kosten daher im allgemeinen für richtig erachtet.

* Studentische Unterrichtskurse fürArbeite und Unterbeamte. Wir werden gebeten, darauf auf­merksam zu machen, daß der nächste Unterricht im Franzö­sischen am Mittwoch, dem 30. Dezember, abends 81/2 Uhr, im Hotel Schütz stattfindet (gleichzeitig für alle Gruppen).

Man lese den Gießener Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Gberhessens mit de» Beilagen ..Familienblätter".Landwirtschaftliche Sritstageu" und dem Kreisblatt für den Kreis Gießen.

Auslage über 15000 Expl.

Rüe Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts» stelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen.

** Die Eisbahn des Eisvereins wird von morgen ftb znr Benutzung offen sein.

Stadttheater. Auf die morgen Dienstag statt- sindende Volksvorstellung sei aufmerksam gemacht, die Sardou's ,9)1 a b a m e Sans ^ene" bringt. Da wegen des aus­verkauften Hauses gestern zahlreiche Besucher ohne Billet um­kehren mußten, sei mitgeteilt, daß die 4., 5. und 6. Aufführung von .Puppenfee" bereits auf dem Spielplan steht. Die nächfleu Aufführungen des Werkes finden statt Mittwoch 30. Dezember, nachmittags, Freitag 1. Januar, nachmittags und Sonntag 3. Januar, abends. Alle diese Vorstellungen finden bei kleinen Preisen statt.

Kaiserpanorama. Eine interessante Wanderung im malerischen Rlesengebirge, eine prachtvolle Serie, wird diese Woche im Panorama vorgeführt.

** K o l o s s e u m. Das Weihuachtsprogramm darf wirk­lich gut genannt werden. Staunenerregeno ist die wunder­bare Dreftur von Kapitän Frohns Seelöwen, einem per­fekten Jongleur. Vorzügliche Kugelalrobaten sind The Leightons mit ihren selten gesehenen Trirs. Adon es Brothers arbeiten äußerst sauber und gefahrvoll au, einem hohen Mastbaum und an hängenden Seiten. Das Vergiß mein nicht-Duo tanzt unö singt ungarisch, in­dessen zwei fesche Soubretten, Fräulein Ferra r und Jsely, mit neckischem Vortrag sich die Gunst des Publi­kums gewinnen. Die Zahnattetin La Fleur bietet er­staunliche Krastleistnngcn. schöne Tanzve.wandlimgen zeigt uns die schicke internationale Tänzerin Betty Belt­wood. Suis dem letzten Programm ist noch der Humorist

Hermann Kunz dageblicben, der ganz neue Prosavor- träge bringt, die starken Beifall finden. _ Das Programm hat an den Weihnachtstagen sehr angesprochen. Ta es nur noch wenige Tage spielt, isr ein baldiger Besuch zu empfehlen.

Vogelschutzverein. Der Großherzog hat nch bereit erklärt, das Protektorat über den im Juli d. Js. gegründeten .Vogelschutzverein für das Großherzogtum Hessen" zu übernehmen.

"Die Maul- und Klauenseuche ist a u 8- gebrochen in Hochzoll, Bezirksamt Friedberg (Ober­bayern), am 22. Dezember.

- In Amerika verstorbene Hessen. John Schneitzinger, 79 Jahr alt, zu Allogheny-Pittsburg. Henry Eckhardt aus Lauter, 57 Jahre alt, zu St. Louis.

** Briefe na ch Amerika. Betreffs der Beförderung deutsch-amerikanischer Briefe macht der Staatssekretär des Reichs­postamtes imReichsanz." unter dem 23. -Dezember bekannt: Für die Mischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika auf dem direkten Wege, ohne Vermittlung fremder Länder, ouszutauschenden frankierten Briese gelten vom 1. Januar 1909 ob folgende ermäßigte Gebühren: in der Richtung aus Deutsch­land nach den Vereinigten Staaten von 2lmerika 10 Pfg. für jede 20 Gr. oder einen Teil von 20 Gr., in der Richtung aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach Deutschland 2 Cents für jede Unze ober einen Teil einer Unze. Unfrankierte Briefe unter­liegen bei der Beförderung auf dem direkten Wege dem Doppelten der genannten Sätze. Für die auf aitderen Wegen über Frankreich oder England) beförderten Briefe nach und aus den bereinigten. Staaten bieiben die bisherigen Sätze (für Briefe aus Deutschland 20 Pfg. für die ersten 20 Gr. und 10 Pfg. für jede imteren 20 Gr.) bestehen. Die Angabe eines Leitvermerks auf den Briefen ist nicht unbedingt erforderlich. Es empfiehlt sich aber, die Briefe mit einem Leitvermerke, z. B.über Frankreich oder England", schnellster Weg",über Bremen ober Hamburg",direkter Weg", zu versehen. Ist ein Leitvermerk angegeben, so ist dieser für die Taxierung und Leitung der Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika maßgebend. Briefe ohne Leitvermerk werden, wenn der in Freimarken verrechnete Betrag des Frankos für den direkten Weg (10 Pfg. für jede 20 Gr.) hinausgeht, auf dem schnellsten Wege, bei geringerer Frankierung ober im Falle der Nickstfran- tierung auf dem direkten Wege abgesandt. Tie ermäßigten Ge­bühren finden, wenn nicht der Aasender durch einen Leitvermerk die Beförderung über ein fremdes Land vorgeschriebeu hat, auch auf die Briese nach Deutschland und den Vereinigten Staaten ton Amerika Anwendung, die an Bord der zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten verkehrenden Postoampfer auf offe­nem Meere aufgeliefert werben. Schiffe, mit denen die nach dem ermäßigten Satze frankierten Briefe befördert werben können, gehen im Januar ab: von Bremerhaven am 5. und 19., von Cuxhaven am 9., 16. und 26. lieber die später in Betracht Lom- menben Schiffe erteilen die Postanstatten Auskunft.

= Daubringen, 26. Dez. Zu der Notiz Ihres Blattes vom 23. Tez., Nr. 302, von Daubringen, teilen wir mit, daß es bet dem Brand an Schläuchen nicht mangelte, denn es waren zu gleicher Zeit von zwei Hydranten aus Schtäucl)« angelegt, die bis zur Brandstätte vollstäirdig ausreichten und ba blieben immer noch Schläuche übrig, es wurden nur die Schläuche durch beit starken Truck, den unsere ^Wasserleitung hat, an verschiedenen Stellen defekt, die defekten Stetten konnten aber sofort durch Schlauchbinden wieder hergestellt werden, so daß aus diesen beiden Hydranten zu gleicher Zeit, so viel Wasser auf die Brandstätte gc- irorfen wurde, daß bad Feuer, trotz der vielen leichten brennbaren Stoffen, die sich in bem Warenlager bcfaiibcn, gar nicht zum aufloberu kommen konnten, die Wasserstrahlen schlugen bie Ge­fach er ein unö die Böden wurden von der Wasiermenge förmlich durchweicht und man sah in ganz kurzer Zeit reinen Feuerschein mehr, sondern nur noch Ütauchivvlken emporsteigen.

Lollar, 26. Dez. Am zweiten Feiertag vormittags wurden drei hiesige Arbeiter von einem Einwohner aus Alten- Buseck im Jagdrevier des Apothekers .Dornberger aus Gießen Alten-Dusccker Wald 'beim Wildern betroffen. Die Wilderer wurden im Orte festgenommen. Bei einer Haussuchung wurde ein srischgeschossener rpase fein säuoerlich abgezogen' im wurde ein frischgeschossener Haie fein säuberlich abgezogen im Kleiberschrank ausgefunden, auch Gewehr und Patronen wurden gefunden. Die Täter sind der 37 Jahre alte Hüttenarbeiter Hein­rich Geiß, der 20 Jahre alte Aroeiter Heinrich Fay und dessen Bruder, der 19 Jahre alte Schuhmacher Wilhelm Fay, sämtlich von Lollar. Sie wurden verhaftet und ins llutersuchungsgefängnis nach Gießen abgeführt.

A Reiskirchen, 27. Dez. Der hiesige Gesang, verein hielt gestern abend seinen diesjährigen Weihnachts- ball, verbunden nut Theater, ab. Die Darsteller waren Bereinsniitglieder und hiesige Damen und waren alle Zu­schauer mit dem Gebotenen sehr zufrieden.

-l. Gelnhaar, 28. Dez. Der Bau eines Schul­hauses mit zwei Wohnungen und zwei Sälen ist geplant. Die Gemeinde, welche über wenig Mittel verfugt, ist bereit, 12 000 Niark zu dem Bau vvrzusehen, wenn der Staat 24 000 Mk. zuschießt.

|| Nieder- O hm e n, 24. Dez. Heute wurde leider die Chrisinacht-Feier dadurch gestört, daß während des Gottes­dienstes in der Kirche Feuer ausbrach. Zum Glück konnte es durch die hiesige freiwillige Feuerwehr mit den vorhandenn drei Spritzen alsbald wieder gelöscht werden, so daß nur ein unbedeutender Schaden entilandcn ist. Das Feuer war durch den Ofen, besten Rohr einen Balken entzündete, entstanden. Trotzdem die Kirche dicht gefüllt war, entleerte sie sich ohne jeglichen Unfall.

-r. Schotten, 27. Dez. Die Frequenz auf dem Klub­haus Hoherodskopf betrug am 2. Feiertag 22 Uebernach- tungen, wozu noch die Tagestouristen kommen. Nach leichtem Schneefall in letzter Nacht sind heute von der Schottener Seite eine Anzahl Schiläufer und sonstige Tou­risten ausgestiegen, die Wälder zeigen schöne Reichehänge. Sobald guter Schneefall eintritt, dürfte starker Verkehr aus dem Hoherodskopf zu erwarten sein; am 3. Januar unternimmt die Sektion Frankfurt des V. H. C. ihren Winter- ausflug ins Klubhaus, ine Frankfurter erscheinen stets voll- zählig.

F. C. Vom Vogelsberg, 26. Dez. Eine Rodel­bahn vom Klubhaus des Hoherodskopf nach Breungeshain, 1000 Meter lang, wird von derSki- und Rodelabteitung des Vogelsberger Hähen-Klubs Frankfurt a. 2)1/ errichtet und sind die Vorbereitungen beendet. Ter Vogelsberg ist für Ski­läufer em geradezu ideales Gebiet.

R. B. Darmstadt, 27. Dez. Das Darmstädter G e r i ch t s g e b ä u d e hat durch den vor einigen Jahren errichteten Neubau des neuen Justizgebäudes nordöstlich des Mathildenplatzes eine bedeutende Erweiterung erfahren. Durch diesen stattlichen Bau wurde dem Bedürfnis nach Zu­sammenlegung der Gerichte Rechnung getragen, so daß zur­zeit das Oberiandesgericht, das Landgericht und die beiden Amtsgerichte in einem Gebäudekomplex vereinigt sind. Es liegt )omit int Augenblick ein Bedürfnis nacy Vergröße- rnug der jetzigen Anlage niajt vor. Dagegen werden bei dem raschen Wachstum der Stadt nach eincc Reihe von Jahren jedenfatls weitere Räume er.vrderkich werden. Die Großh. Regjcrnng hält es deshalb für ihre Pflicht, schon jetzt für eine Vergrößerung des Gerichtsgebäudes nach Werten Yin weiteres Gelände in ihren Besitz zu bringen, damll

auch nach dieser Seite hin eine Vergrößerung in ähnlicher Weise erfolgen kann, wie nach Osten. Es wird deshalb die Erwerbung von zwei dafür geeigneten Grundstücken von 1642 und 287 Quadratmeter zum Preise von 210000 Mark in kl. Nebenkosten bei den Landständen beantragt Die auf den Grundstücken befindlichen Wohngebäude sollen so lange weiter verrnietet oder für dienstliche Zwecke verwendet wer­den, bis das Bedürfnis zu dem Erweiterungsbau eintritt. Nach Vollendung desselben wird eine einheitliche Gebäubc- gruppe von hervorragender Bedeutung geschaffen sein.

----- Offenbach a. M., 24. Dez. Der 36jährige Haus­bursche Philipp Muck ist nach Unterschlagung von 9200 und 5400 Mark in Wechsel flüchtig gegangen und wird steck­brieflich versolgt-

A Mainz, 26. Dez. Eine schreckliche Bluttat wurde heute morgen Hierselbst verübt. Der Sohn des Wein- großhändlers und früheren NeichstagSabgeordneten Nikolaus Racke erschoß heute früh, nachdem er erst gestern abend in das Elternhaus zurückgekehrt war, seinen Vater und drei Geschwister. Nach der Tat richtete der vierfache Mörder die Leichen durch Beilhiebe bis zur Unkenntlichkeit zu. Der Sohn ist zurzeit Student der Astronomie; er wurde verhaftet. Als Motiv der Tat wird religiöser Wahnsinn angenommen. Zu der Tragödie wiyd noch gemeldet: Die Familie Rackc hatte gestern noch tief bis in die Nacht hinein zusammen­gesessen. Heute in aller Frühe schraubt der Sohn von der Brotschneidemaschine das schwere Messer los und band es an ein Gewehr an. Damit bewaffnet drang er in das Zimmer seines tauben Vaters ein und schlug ihm, der nock schlief, mit einem Streiche den Schädel ein. Dann lief er in das Zimmer der einen Schwester, die bei seinem Eintritt aufwachte und um Hilfe schrie; auch sie schlug er nieder. Dabei entlud sich das Gewehr. Nun kamen die beiden andern Schwestern herbei, die er ebenfalls niederschlug. Auf das furchtbare Geschrei ritten Leute herbei und nahmen den rasenden 23 jährigen Mann fest. Der MörderJosef Racke war früher im Kloster, von dort entlassen widmete er sich dem Studium der Chemie, um dieses Studium später mit dem der Astronomie zu vertauschen. Der Vater Nikolas Racke, 65 Jahre alt, der sich infolge zunehmender Taubheit von seinen zahlreichen Ehrenämtern zuriickgezogeu hatte, war zweimal verheiratet und besaß 12 Kinder. Von den zurzeit anwesenden sind nur zwei jüngere Söhne ver­schont geblieben. Die Leichen sind fürchterlich zugerichtet; int besonderen sind die Köpfe schrecklich zerhackt. Die Ge­richtskommission weilte bis spät in die Nacht hinein am Tatorte. Die Leichen der vier Opfer wurden photogra­phiert und zwischen 11 und 12 Uhr nachts auf den Friedhof verbracht. Die drei ermordeten Töchter, von denen die eine sich am Weihnachtsabend verlobt hatte, standen im Alter von 25, 21 und 15 Jahren. Seine beiden jüngeren Brüder, die in einem Nebenzimmer schliefen, verschonte der Mörder, der in der Tat dem religiösen Wahnsinn verfallen sein soll. Nach einer anderen Lesart soll der Beweggrund darin zu suchen sein, daß der junge Racke nicht genügend Geld von seinem Vater bekommen hatte. Die Aufregung ist hier begreiflich stark, da sich der ermordete Racke weit über die Grenzen der Stadt hinaus hohen Ansehens erfreute.

O Krofdorf, 27. Dez. Lehrer Frischholz hierselbst, der vor kurzem mit gutem Erfolge in Koblenz bas Examen als Mittel- ichullehrer abgelegt hat, wirb uns mit Schluß bes Schuljal-res verlassen. Ter Magistrat von Münden (Hannover) hat ihm »um 1. April eine Stelle an ber dortigen Rekwratsschulc übertragen. Die von Frischholz erfundenen Schulbänke haben im hiesigen Kreise viel Eingang gefunben. Das seit Jahren betriebene Projekt einer Wasserversorgung für Krofbors-Gleiberg konnte noch immer nicht gelöst werben. Alle Schürfungsversuche am Dünsberg, im oberen Biebertal u. s. f. haben leider keine Erfolge gebracht Nunmehr will man es hier mit derW ünschelr ute" versuchen, um verborgene Wasserschätze auszuschließen. Lanbrat v. Bülow, der bereits mit Erfolg auf diesem Gebiete tätig gewesen sein soll, trifft auf Wunsch ber Gemeindevertretung demnächst hier ein, um Versuche zu unternehmen.

Kinzenbach, 27. Dez. Weihnachten wurde hier in toürbigcr Weise gefeiert. Unter bem in ber Kirche ausgestellten strahlenben großen Christbaum fanb am ersten Weihnachtsabend eine liturgische Andacht statt. Aus Hellen Kinderstimmen ertönten bie uralten schönen Weihnachtsgesänge. Dazu war ein aus Mit- gliebern bes Gesangvereins unb Jungfrauen gebitbeter gemischter Chor bestrebt, die Feier durch entsprechende Gesänge zu ver­herrlichen. Auch im Hauptgottesdienst hatte dieser Chor fdjort zwei Lieder vorgetragen. Sämtliche Schulkinder wurden diesmal mit Wcihnachtstassen unb Lebkuchen beschenkt, die aus freiwilligen Beiträgen beschafft waren und den Kindern große Freude bereiteten.

4- Bran bobernborf, 25. Tez. Der Handelsmann Siedenberg von hier transportierte am Montag ein schweres Kalb von Eschbach hierher. Unterwegs losriß sich das Kalb und lief in den Wald und konnte 5 Tage lang nicht ein­gefangen werden. Ein Mann au§ Bodenrod, der es bemerkte, telephonierte hierher und so wurde heute morgen eine f ö r m* liche Jagd auf das Kalb veranstaltet. Mit Hilfe vieler Hunde und einer Anzahl Männer wurde eS eingefangen und mit Tannenzweigen bekränzt hierhergebracht.

)( Marburg, 27. Dez. Die hiesigeGesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften" hat den Grafen Zepelin zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt uri> ihm ein diesbezügliches Diplom übersandt. In dem Dank- ichreiben, das dieser Tage beim Vorstand einging, schreibt Graf Zeppelin, daß ihm diese Ernennung ein wertvoller Beweis dafür sei, daß gerade von Männern der Wissen­schaft seinen Arbeiten Vertrauen entgeaengebracht würde. Diese moralische Unterstützung würde ihn ermutigen, sein Werk in der von ihm als rtchtig erkannten Weise fort> zusetzen.

X. Gelnhausen, 26. Dez. Das Anwesen Burgberg bei Bieber, auf dem ein Frankfurter gemeinnütziger Verein eine Trinkerheilstätte betreibt, ging für den Preis von 55 000 Mk. käuflich an die Aktiengesellschaft Fr. Krupp in Essen über, die in der Nähe eine Esienerzgrube besitzt und den Burgberg zu Neuanlagcn nötig hat, die mit dem Berg" werke im Zujammenhange ftehen. Die Uebergabe der Gebäu' lichkeilen erfolgt späteflens am 1. Juli 1910, bis dahin wird der Beirieo der Anstalt unverändert aufrecht erhallen.

Frankfurt a. M., 24. Dez. Der Frankfurter Automobil.lt August Euler hat Has aiieinige Fa^rttri^ns.'eack der von dec Firma Boifin Fröres in Billancourt gefertigten Flug maschine unb seron.au tischen Apparate für Teusichrnnd crworoen. In bei. Haupsiacye Hansell es sich um bie von den Aviatikern Fannan, Telsgcange uns Alcriot benutzten Aeroplane.

Iapaniscyer Zludeutenkden.

Die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der japanischen Studenten an bett europäischen Universitäten bildet nur einen verhältnismäßig kleinen Bruchteil jener jungen Gcme^ ration des neuen Japan, die mit der ihrer Rasse rigenertz