Ausgabe 
24.12.1908 Zweites Blatt
 
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bet Besatzung' verlustlos angewiesen: drei föjttcntottcn itmtbett schwer verwundet. Ob die genannten UcberfLlle von ein und derselben Bande herrühren, ist bis jetzt nicht festgestellt. Ter Kommandeur des Duedbezirks (.^eetmanshoop), Äiajor Baerecke nahm mit in der Nähe postierten Teilen der Schutztruppe sofort die Verstlgung der Räuberbanden auf, baä Ergebnis ist noch nicht bekannt.

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Zur Meuteret in der Fremdenlegion.

Die viel umstrittene Persönlichkeit des Anführers der meuternden Fremdenlegionäre steht nunmehr fest. Der -Staatsanwaltschaft zu Lissa in Posen ist es gelungen, den ^wirklichen Namen des angeblichen ehemaligen bayrischen Offiziers de Pal oder Graf Rhode zu ermitteln. Cs ist ein aus Fraustadt i. P. stammender Gärtnergehilfe namens Felix Kadur, der noch im Mai d. I. einem Städtchen bei Lissa als Zechpreller eine Gastrolle gegeben hatte. Kadur ist, wie die Lissaer Staatsanwaltschaft nunmehr festgestelll hat, identisch mit dem Anführer der 50 Fremden-Legionare, die am 12. ds. in Algier die bekannte Meuterei unternahmen. Damit sind alle Kombinationen, die die französische Presse an diesen Vorfall knüpfte, hinfällig.

Aus Stadt und Land.

(Sieben, 24. Dezember 1908.

** Tageskalender. Stadttheater. Freitag CI. Feiertag), abends 7y2 Uhr: Tie Tür ins Freie. Samstag (2. Feiertag- nachmittags 3y2 Uhr Kindervorstellung: Goldhärchen: abends 7y8 Uhr: Tie Tür ins Freie. Sonntag (3. Feiertag nachmittags 3y2 Uhr Kindervorstellung: Goldhärchen: abenos 71/2 Uhr:Tie Puvpensee" undGuten Morgen Herr Fischer!" Kolosseum, ab Freitag (2. Feiertag): Spezialitäten- Progromm.

Kinematographentheater: Programmwechsel.

Kaiserpanorama: Programmwechsel.

Konzert der R e g i m e n t s m u s i k am 2. Feiertag nach­mittags 5Vz Uhr in Steins Garten (Solist E. Kauße), am 3. Feiertag nachmittags/25 Uhr auf der Liebigshöhe.

Konzert am 3. Feiertag abends 7 Uhr im Restaurant Me- Iropol.

Konzert in Dutenhofen (Gambrinus) am 3. Feiertag, nachmittags 4 Uhr, vom Wetzlarer Mu,ik-Quartett.

*

** Landes Universität. Der außerodentliche Pro­fessor an der Innsbrucker Universität Dr. Alois Walde hat den an ihn ergangenen Ruf als Professor für Sanskrit und Sprachwissenschaft an der hiesigen Universität ange­nommen.

** Die Einkommen- und Vermögens st euer erbrachte in Hessen im Jahre 1908 zusammen 14 047 930 Mk. Einkommensteuerpflichtig waren bei 1209175 Einwohnern 352 638 Personem Davon versteuerten 319 628 Personen ein Einkommen von 5002600 Mk. mit einem Steuerbetrug von 4 007 845 Mk. und nur 33010 ein Einkommen über 2600 Mk. mit einem Steuerbetrag von 6 704 850 Mk. Die Zahl der Vermögensfteuerpflichtigen betrug 156 903, der Permögenssteuerbetrag belief sich auf 3 335 235 Mk.

** Legationsrat. S. K. H. der Großherzog haben dem Ministerialsekretär im Großh. Staatsministe­rium Dr. jur. Wilh. Neidhart den Charakter als Le­gationsrat verliehen.

** JustiKperswnalien. S. K. H. der Großherzog haben den Landgericlstsrat bei dem Landgericht der Pwvinz Ooerhessen, Geheimen Justizrat Herrn. Hellwig aus fein Nach-snchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Ver­leihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse in den Ruhestand versetzt und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht (Sieben, Amts- Aerichtsrat Rich. Schud t zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen ernannt. S. K. H. der Großherzog haben den Obcrlandesgerichts''at beim Großh. Oberlandcsgericht Tr. Wilh. Keller auf Nachfuchen seines Amtes als Mitglied des Verwaltnngsgerichlshofs enthoben, den Oberlandesgerichtsrat beim Großh. Oberlandesgericht Herrn. Sandmann für die Tauer des dermaligen von ihm bekleideten Amtes zum Mitglied des Verwaltungsgericbtshoss ernannt. Zn den Ruhestand versetzt wurde der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Büdingen, H. Jak. Heutzenröder auf Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde der Schulamtsaspirantin Friederike Markendorf aus Godes­berg a. Rh. eine Lehrerinstclle an der höheren Bürger- Mädchen-) Schule zu Alzey, den Lehrern Ludw. Dieterich zu Horrweiler, Hch. Funk zu Reinheim, Wilh. Lentz zu Pfungstadt, Hch. Presser zu Hofheim, Wilh. Reeg II. zu .Mörfelden, Phil. Unger zu Klein-Krotzenburg, und den Schulamtsaspiranten Karl Bäder aus Engelstadt, Hch. Becker aus Muschenheim, Peter Born aus Fränkisch- Crumbach, Friedr. Page aus Alzey Lehrerstellen, der Leh­rerin Albertine Ettcnsperger zu Griesheim, denSchul- iamtsaspirantinnen Elis. G ö 11 nt a n n tutd Friederike Lips aus Darmstadt, sowie Marie Sell aus Bosenheim Lehrerinnenstellen an der Volksschule zu Darmstadt, dem Kunstmaler Leopold Kayser aus Darmstadt eine Zeichen- lehrerstelle an der Volksschule daselbst.. Dem israelit. Re­ligionslehrer Hch. Müller in Bensheim wurden die Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers ver­liehen. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Pfedders­heim. Dem Inhaber der Stelle können die Funktionen eines Haupilehrers an dieser Schule gegen besondere Ver­gütung übertragen werden.

* * Ernennungen. S. K. H. der Großherzog haben der Bestellung des Regierungs- und Baurats a. D. Jordan und des stellvertretenden Direktors der Gesell­schaft, N e t t e l, zu ordentlichen Mitgliedern des Vorstandes, ferner des Syndikus der Gesellschaft, H e d d e r i ch, und des Betriebsdirektors der Betriebsverwaltung Essen, H u b r i ch, zu stellv. Direktoren, sowie den Direktoren Rötelmann und Wolff zum Vorsitzenden bez. stellv. Vorsitzenden der Direktion der Südd. Eisenbahngesellschaft die landesherr­liche Bestätigung erteilt

* * Ter U e lie r a 11' o n f n I der Republik Nicaragua Joh. Pein in Berlin, der sich im. Ben -e des Neichsexequaturs befindet, ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen int Großherzogtum gugelassen worden.

* * Tie Nntzbarmacdung der WasserschätzeOber - Hessens. In Zeile 17 des Berichts über die letzte Provinzial- tagsfitzung von oben ist gesagtbrachte ein wesentlich verbefiertes Projekt zustande", statt Denen mußte es wohl heißenbestätigte vollkommen die Rentabilität des Unternehmens".

* * Eine für die Kreisamtsgehilfcn wichtige Verordnung ist in dem neu erschienenen Regierungs­blatt vom 21. d. M. enthalten. Danach darf zu dem Borbo

reitungsdienst für die Folge nur zugelassen werden, wer das 17. Lebensjahr vollendet hat und das Abgangszeugnis einer Realschule mit siebenjährigem Kurs besitzt oder den Nachweis der Reife für die Unterprima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule erbringt.

* * Ausfallender Zug. Der auf der Strecke Gießen-- Nidda seither täglich verkehrende Personeuzug 518 (Gießen ab 11.23 und Nidda an 12.30) wird ab 1. Januar 1909 nur noch Sonntags und Mittwochs gefahren, (was im Interesse des Verkehrs, der interessierten Landbewohner und der Stadt Gießen sehr zu bebauern ist. Red.)

Man lese den Gießener Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Gberhestenr mit de» Beilagen .Lamilienblatter",Landwirtschaftliche deitfragen »nd dem Kreisblatt für den Kreis Sieben.

Auslage über (3000 Expl.

Kle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts­stelle Oes Lietzener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Lietzener Anzeiger entgegen.

Stadttheater. Auf verschiedene Anfragen fei mit» geteilt, daß eine Aufführung vonPuppensee" zu Volks­preisen wegen der Hohen AufführungS-- und Ausstattungs­kosten ausgeschlossen ist.

Kolosseum. Für die kommenden Festtage hat die Direktion es sich angel-gen sein lassen, ein erstklassiges Pro­gramm zu geraumen. Es tritt nur vorn zweiten Feiertage tage bis Sylvester auf, weil die Kosten sehr hoch sind. Arn ersten Feiertag spielt das Ensemble in Wetzlar. Gewonnen sind u. a. die bekannte wunderbar dressierte Seelöiven- gruppe, eine vorzügliche Globusakrobatentruppe, einige erst» klassige Soubretten und Tänzerinnen. Der beliebte Humorist Hermann Kunz wurde prolongiert und bringt em eigens für Gießen verfaßtes neues Weihnachtsrepertair. Geschloffen wird das Programm mit einem Sylvesterball.

* Der Kinematograph hat für bie Weihnachts­woche ein ausnehmend hübsches Programm zur Vorführung vorgesehen. Außer einem prachtvollen Wandelpanorama, eine Reise durch Rußland, kommt ein chinesisches Schatten­spiel zur Darstellung. Hoch humoristische Nummern, denen ein großer Lacherfolg sicher ist, bilden die Situationen: Zur Einwilligung gezwungen",Arthur besucht seine Tante" undEin energisches Mädchen". Als spannendes Drama istGroßväterchens Tabakspfeife" in Aussicht ge­nommen. Hierzu kommt noch die Schilderung der ver­wegenen Taten eines modernenFra Diavolo" und eine Verschwörungsgeschichte von 1820 oderFür die Heimat".

** Rudergesellschaft. Die dieser Tage abgehal­tene Hauptversammlung der Gießener Rudergesell­schaft beschloß, die diesjährigen Wintervergnügungen aus einen Herrenabend zu beschränken und dem Wunsche zahl­reicher Mitglieder Folge gebend im Sommer nächsten Jahres ein Wasserfest großen Stiles an der Lahn zu ver­anstalten. Die Vorbereitung dazu und die Leitung liegt in den seither stets bewährten Händen und damit ist die Ge­währ geboten, daß ein den früheren glanzvollen Veran­staltungen der Gießener Rudergesellschaft nicht nachstehen­des Fest zustande kommt.

In der Provinzial-Siechen an st alt fand gestern unter Leitung des stellv. Direktors die übliche Weih­nachtsbescherung statt. Als Vertreter der Stadt Gießen war der Beigeordnete Keller erschienen, als Vertreter der Pro- vinzialdirektion Kreisamtrnann Langer mann. Die Feier nahm einen schönen Verlauf.

* * Gesangverein Harmonie. (Verspätet). Ver­gangenen Sonntag hielt der GesangvereinHarmonie" seine Weihnachtsfeier im Saale des Lenzschen Felsentellers ab. Es war eine sehr genußreiche Feier, die an Dar­bietungen nichts zu wünschen übrig ließ. Eingeleitet wurde sie durch einen Prolog, Gesangtzvorträge, Sologesänge und Kouplets, cm mit großem Beifall aufgeuommener Xylophon- öortrag des Dirigenten Fischer unb ein flott gespieltes TheaterstückChristkindchen unterm Weihnachtstisch" folgten. Ein gemütliches Tänzchen hielt alle Anwesenden bis zuni frühen Morgen noch zusammen.

** Ter Wandervogel, der int Winter seine Manderbe- ftrebungen naturgemäß nicht ganz so erfolgreich wie in anderen Jahreszeiten durchführen kann, unternahm am Mittwoch eine Besichtigung der Brühlfchen Druckerei (R. Lange), die bekanntlich eine der größten und besteingerichteten Druckereien Hessens ist. Herr Lange und Herr Prokurist Will führten die zwei 'Abteilungen, so daß man das Werden der Zeitung gut verfolgen konnte. Außer­dem würben auch die Nebenränme, Kesselanlagen, Lagerräume, Buchbinderei usw. besichtigt. Tas Interessanteste war das Gießen der Platten und die arbeitenden Truckmaschinen.

* * Maikäfer an Weihnachten. Gestern nach­mittag überbrachte man uns einen munteren Maikäfer, der bei einer Ausschachtung auf dem Jrrenanstaltsgebäude in einer Tiefe von 25 cm gefunden wurde.

* Seld sthilfe. Ein drastisches Mittel, sich eine plötzlich aufgetauchte Konkurrenz vom Halse zu halten, er­regte gestern nachmittag auf dem Selteröroeg bei allen Vor- übergehenden große Heiterkeit. Ein Dienstmann hatte im Auftrag deS hiesigen Schuhhändlervereins dort Posten gefaßt, der auf einer Stange zwei Schuhe trug. Einer davon war zerschnitten und liefe die Materialien erkennen, ans denen er bestand: Vachet, Schafleder, Holz und Pappe! Auf einer Tafel war die Bezugsquelle angegeben. Em Laden gegen­über, in dem sich auf fünf Tage cm Ausverkauf von angeb­lich aus einem Konkurs stammenden Schuhen und Stiefeln befand.

* * Fahrradmarder. In der Nacht vom 22. auf 23. I. Mts. traf ein Schutzmann einen Radfahrer ohne La­terne, und als er ihn anrief, ließ der Radfahrer das Rad im Stich und lief davon. Am andern Morgen stellte sich heraus, daß das Rad au£ einer Ho freite im Ludwigsplatz gestohlen worden war.

Rödgen (Kreis Gießen), 23. Dez. Die Ehefrau des Schuhmachermeisters Kraushaar dahier, wurde am Samstag Abend plötzlich dadurch überrascht, daß ihr durch

die Post von der Firma Otto Schaaf (Drogerie) in Gießen ein Geschenk zur Erinnerung und zum Andenken zugesandt wurde. Ein beiliegendes Schreiben teilte ihr mit, daß die Firma Otto Schaaf-Gießen ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum am 22. Dezember feiert und sie nach Oeffnung seines Ladens vor 25 Jahren bie erste Käuferin in seinem Geschäft gewesen.

Reiskirchen, 24. Dez. Der Sängerbund Chattia" hält am 10. Januar in Hattenrod einen Sängcrbunbe§tag ab. lieber das diesjährige Bundesfest wird dabei beschlossen. Gemeldet haben sich die Vereine aus Albach und Beuern.

Langsdorf, 22. Dez. Ein gutes Jagd- crgebnis wurde bei -den Treibjagden hier und in Bettenhaufen erzielt. Hier wurden 95 und in Beiten­hausen 86 Hasen zur Strecke gebracht.

R. Hattenrod, 23. Dez. Die Errichtung einer Wasserleitung wurde von der Gemeindevertretung be­schlossen. Nachdem man den Anschluß an das Wasserwerk Burkhardsfelden abgelehnt hatte, kam man zum Entschluß, im WiesengrundWirt" am Pfad nach Saasen eine wasser- reiche Quelle zu benutzen. Die vorgenommenen Untersuchun­gen und Messungen haben ergeben, daß sich die Quellen gut zur Wasserversorgung eignen. Tie Erbauung eines Pump­werks ist erforderlich. Der Hochbehälter kommt auf die An­höhe westlich des Torfes. Die Kulturinspektion Gießen ist mit der Herstellung der Pläne betraut worden. Sobald als möglich soll mit der Quellfassung und dem Bau des Hoch- behälters begonnen werden. Tas Wasserwerk gedenkt man bis Mai oder Juni vollenden zu können.

O La u bach, 23. Dez. Am letzten Sonntage hielt Lehrer Jakob aus Wetterfeld im Kriegerverein im Saale des Schützenhofes einen gut besuchten Vortrag ab. Sein Thema:Japan und seine Bewohner" unterstützte er in wirk- janier Welse durch Vorführung von Lichtbildern. Eine Fa hrplan - Aenderung vom 1. Januar 1909 verkünde». Die Eisenbahndircktion. Sie betrifft die Züge 1068 und 1073 und wird veranlaßt durch das neue Bergwerk bei Weickarts­hain, rao ein längerer Wagemvechscl benötigt wird. Tie Aenderung bezieht sich auf die Stationen Freienscen, Laubach- Wald und Laubach, wo die Abfahrtszeiten um je 3 Minuten früher als seither gelegt sind.

Offenbach, 22. Dez. Wie mau derOsfenb. Ztg." mitteilt, hat ein Offenbacher Ingenieur ein neues starres lenkbares Ballonsystem erfunden, das auf gan; eigenartiger Grundlage das Problem des starren und doch zerlegbaren und bequem transportablen Luftschiffes löst.

h. F r a n f f u r t a. M., 23. Tez. Gestern wnroe die zweite Generalversammlung des Verbandes der Händler von Metzgerei-Bedarfsartikeln abgehalten. Der Ver­band, der in Köln seinen Sitz hat, bezweckt, dem unlauteren Wett­bewerb in 2 arm» und Fleisch-Maschinen handel zu begegnen und hat, wie berichtet wurde, auch Erfolge erzielt. Ter Vorstand wurde durch drei Mitglieder aus Frankfurt a. M., Saarbrücken und Nürnberg verstärkt. Ter nächsstahrige Verbandstag wird in Han­nover abgehalten.

Nachträglich eingegarrgeue Spende» für Nadbod.

Pro«. Siahl Mart 5,. cdjügetwereui Gr.-ruuden 30,10. Klasse ö b 2 Erweck. Mädchenschule 4,10. Prof. H. 10,. Zu- jammen Mark 49,20.

Wir beschließen hiermit unsere Sammlungen enbgilüg und bitten unsere Leser, etwaige Beuräge direkt an das Hilfskomitee iür die Verunglückten von Radbod m Hamm avzuführen.

Reichsgerichtsbrief.

Nachdruck verboten. I. S. Leipzig, Dez. 1908.

Raffinierte Geschäftsreklame betrieb die ' Firma F. in verschiedenen Orten Süddeutschlandv So hatte sie in Leichingen und Worms Geschäftshäuser für Leinen- und Tischzeugweberei und errichtete schließlich ein solches jogo nanntes Ausstattungshaus auch in Aküna^en, wobei |ie in Den Zeitungen iiyerierte:Eigene Leinen- und Tischzeugweberei" so­wie ,Hefsisck)e Damast-Weberei" obgleich sie aniangs nur einen Webstuhl irgendwo für stch reserviert hatte, während iic im Laufe des dann gegen sie angestrengten Rechtsstreits in Worms einen Raum für 200 M. jährlich mietete, worin sie ihreFabrik" aufmachte.

Ter Schutzverband für Handel und Gewerbe in München halle von dem Inhaber F. im Mtageroege Unterlassung dieses unlauteren Geschäftsgebarens verlangt. Landgericht und Oberlandesgerichi München hatten den Beklagten daraufhin verurteilt, die iniige teilten Bezeichnungen in seinen Anzeigen zu nnterlasseu. Zum Fabrikbetriebe gehöre mehr als ein kleiner Teil einer Fabrikation. Tas Publikum verstehe unter den besagten Ankündigungen nichts anderes, als daß die von F. verkauften Waren im großen und ganzen seiner eigenen Weberei entstammten, während es in Wirk­lichkeit eine solche gar nicht gebe. Der Beklagte würde auch niemals mehrere Weber beschäftigt haben, wenn nicht der klagende Verein gegen ihn vorgegangen wäre. Denn die Einrichtung der sogenanntenFabrik" sei erst int Laufe des Prozesses erfolgt. Durch die Angaben des Beklagten sei aber der § 1 des bewerbgesetzes verletzt, denn diese unwahren Angaben tatsächlicher Art seien geeignet, den Anschein eines besonders günstigen '2ln* gebots zu erwecken, daß das Publikum davon ausginge, bei eigenem Fabrilbetrieb billiger kaufen zu können, als bei den auf Znmcljen-- händler angewiesenen Verkäufern. Aus diesen Gründen ergebe sich die Verurteilung des Beklagten.

Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts München hatte der Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt, die aber keinen Erfolg hatte und vorn 2. Zivilsenat des höchsten Gerichtsl-oscs zurückgewiesen wurde.

vermischtes.

* 'Geht nicht nach Dtr Großstadt! Verlaßt Nicht ohne zwingenden Grund die heimatliche Scholle? Das i|t d-k dringende Rat, den erneut dieGesellschaft zur Fürwrge tur die zuziehende männliche Jugend in Berlin" an alle jnngen Männer im Reiche richtet angesichts der Tatsack)e, daß 259 (bo Obdachlose und mehr als 40 000 Slrbcitöio.e imotge der AroenS- losen-Zählung in Berlin und der Denkschcist des dorcig n Alst- Vereins für Obdachlose gezählt wurden! Dab.i unuaßc d.e Zahl der Obdachlosen nur 10 'JJtonate und bedeutet die Ve.keh.s^ckf.r in der Berliner Asylen vom 1. Januar bis 31. Oktober d. id- während die Zahl der Arbeitslosen sich lediglich aus em.n eiuzig-n Tag, den 17. November d. I., bezieht. Aber die Z chlm werden begreiflich, wenn man Ijürt, bafe nachgewiesenerinaßen al it.hr- lich ca. 30000 junge Männer mit den rosigsten Hoi.nungen nach der Reick)shauptstadl kommen und sich einbiloen, es würden ihn n dort die besten Stellungen bei höchstem Lohn nur io ;afallen. Tabei bringen viele nicht einmal so viel Gelo mit, n.n irnnig^ens schleunigst wieder in die Heimat zurückkehren zu lönn.n, wenn sie die ganze Stufenleiter der Enttäuschungm in Benin er,uhren; sie vermehren auf diese Weise nur dos Heer der Aroeils- nnd Obdachlosen. Es kann daher nur d-ingend geraten weroen, den Warnruf der genannten Fürsorge-Gesellschaft zu besvlg.n: tue* besondere sollten es sich alle Vol^ssreund.', Eltern, L.h.er, OMI1' lidK, Jugendvereine, namenllicb auch die ProvlN-Presse, angelegen