Ausgabe 
24.12.1908 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 24. Dezemder 1908

Nr. 303

Zweites Blatt

Erlchetw ti-llch mit Ausnahme des Sonntag-.

158. Jahrgang

jein. Heute bringen bie Blatter die Anzeige der ersten Verlobung, Vie sich annidjenunseren Husaren" und der Kresetoer Industrie- Welt vollzogen hat: ein Fvciuleist v. Beckerath hat sich mit dem Rittmeister v. Mada'i vom Krefelder Husaren-Regiment verlobt-

RotattonSdruck und vertag bn VrüdNch« UnwersuäkS - Buch- und StemörudereL 9L Lange. Gießen.

Redaktion, ExvedMon und Druckerei: Schul« straß» 7. Lxvedmon und Verlag, e^se> öL 9leöartion:e^ll2. Tel.-Adrp AnzeigerGießen.

DieSiebener Zamillendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bcigelegt, daS Kretsblati für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich Die ..randwirtschafllichen Seit- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

politifctyc Lagcsjcdcrrr.

Nuhland und die Balkanfrage.

Heute wird in der russischen haloaürtriä>en Rossija bic vom! russischen Minister des Aus.värtigen an die Vertreter Rußlands bei den Signatarmächten des Berliner Vertrages versandte Sir* kulardepesde verösfentiidst. Sie Zirkulardepesdie knüpst an bic am 7. Oktober vom östcrreidüsch-ungarischcn Botsd)aster Grafen Bcrchtold dem russischen Kabinett mitgeteilte, an ibn gerichtete Tcpcsche an, bie die Entschließungen über den Sondidiak 92c Di- bazar, Bosnien und die Herzegowina enthielt. Die Depesche bc- spricht die Prvkmmation des Fürsten Ferdinand zum König. (Europa stand in beiden Fallen vor einem einseitigen Akt, der die durch den Berliner Vertrag gescl>afsene Ordnung faktisch abänderte. Die an der Loiidoner Konferenz im Jahre 1871 beteiligten europäischen Mächte hätte!' es dagegen als wesentliche Grundlage dcs internationalen Reclsts feierlich anerkannt, daß keine Maclst sich von den durch den Vertrag auferlegten Der- pflichtungcn befreien und die Bestiinmiurgen nicht aiiderS mobi- lijicien könne, als mit Zustimmung der Signalarmächte. Ruß- lanb beobachtete dieses Prinzip nud) hinsichtlich des Berliner Ver­trages, obglcid) dieser für Rußland und die Balkanstaaten be­sonders brüdenbe Bedritgungen gesckiasfen hatte. Des.en unge- adstet versuchte Rußland niemals eine Verlegung der Berliner Stipulationen. Augensdieinlrch ist jede Ablvcid-ung von diesem Prinzip geeignet, die Grundlagen des politischen! Gleichgewichts stark zu erschüttern und den Welt­frieden zu gefährden. TatfäclM) rief bie HandlungÄveise Oestkireich-Ungarns unb Bulgariens unverzüglich eine Zuspitzung Cer Lage aus der Balkanhalbinsel hervor unb alarmierte Europa. Sie Türkei als die unmittelbar ge,d>rdigte Macht zögerte nicht, lurmvll gegen bie zrverfache Besetzung des Berliner Vertrages zu protestieren. Tie Sir Eularbcpejüje hebt zum Sdstuß hervor, daß das russisdM K'abineU sich fegt an das Wiener Kabinett mit dem Vorsdstage gewandt haoe, daß dieses sein Projekt an bie anderen Macyte miiicile, wenn diese ihre Bereitnüllig-Seit uusdruden, diesem 'JJiobuS zuzu stimmen, jo wird das Petersburger Kabinett nidjt unter lauen, während der folgenden Verhandlungen seine Ansicht artsznspred>en über die Punkte des Kvnserenzpvo- grammes, die besondere Bedeutung für Rußland haben.

H^ttentottenüberfälle.

Aus Deutsch-Sich.-.nu,^m iviiu amt.ich gemeldet: Am 19. Tezember überrasdsten 32 übergetretene Hottentotten^bei Spring- pütz eine Jagdgesellschaft, welche aus dem Farmer Struller aus Springzütz und drei Buren bestand. Ter Bur Olivier wurde! erschoisen. Fünf Gewehre, viel Munition und drei Pferde wurden von den Hottentotten erbeutet. Ter Feind wich nach Norden aus. Am gleid>en Tage mürbe bie Farm Fettkruft (etiva 40 Kilometer westlich von Tavignab) von 20 bis 30 mit Gewehren Mod. 98 bewaffneten berittenen Hottentotten überfallen. Die Führung hatte wahrscheinlich Abraham Wolf, ein Unterkapitän Morengas. Außerdem bestand bie Bande wohl hauptsächlich aus Aäorenga- leuten, bie beim Transport von Warmbad zum Eisenbahnbau bei Grüudornhill früher entlausen sino. Die Farmer SdMicdeckc, Kuba und Bolies sind gefallen, erbeutet wurden von den Hvttenwttenl verschiedene JagdbüMen und zwei Pistolen; fünf Pferde und einiges Kleinvieh wurde nach der Grenze abgetrieben. Ferner wurde am 18. Dezember eine PferdewaclM der 6. Gebirgs-Batterie uti Heidamm am Lstabhang der großen Karrasberge durch Hotten- totten angegriffen, wobei der Sergeant Fehlinge, früher Infanterie- Regiment Nr. 67 (Halsschuß) und der Steiler Zimmermann, früher Pionier-Bat. 3 (Brust- unb diadenschuß) fielen; sieben Pferde, Maultiere und drei Ochsen wurden geraubt Am 19. Tezember mürbe eine leere Karre dcrseloen Batterie bei der Fettkluft voni Hottentotten überfallen, wobei der Reiter Babe, früher Fuß- Art-Regt Nr. 11, fiel; Waffen und Wagen nebst Befpannung wurden geraubt. Am 20. Tezember früh wurde ein auf einen Viehposten bei der Fonteinktuit (bei Ukamas) bet 6. (Gebirgs-) Batterie durch 15 bis 18 Hottentotten ausgeführter Ueberfall von

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

her beroaiineten Bcackt anaeichlossen, sondern einem beamteten I nai^ dvuu Tegreiu,or,i zur^i uuu LiumcaLii iiu> iud.ixr oesjn ber

Ueber i r i e u e i ^aynec uciuiicnmd)t Fen; Weingartner in berNeuen Freien Presse" ein 14spaltigcs Feuilleton. Weingartner, bejfen Stellung in biefer Frage ja ichon vekannt ist, befürwortet in dem Aufsatzgüte Striche" auch) bei ben Wognerschen Werken, ja bei diesen (besonders beim Ring, erst redjt (fr erkennt an, daß man mit den strich losen Ausführun­gen eine Pflicht ber Pietät gegen ben großen Meister, eine Pflicht Der Gewissenhaftigkeit, im Gegensatz zum früheren Leichtiinn, erfüllt haoe, beyoeifelt aber, baß man bamit etwas für bie Tauer Ersprießliches gesclzafsen haoe, unb begründet diesen Zweifel mit Den Grenzen der Leistungsfähigkeit ber Künstler unb ber Auf­nahmefähigkeit ber Zuhörer. Weingartner hält es für ndjtig, Zugeständnisse zu maajen, nacl; nwgddjen Strichen zu suchen und die ungekürzten Vorstellungen bei Skeueinstubierungen aufrecht zu erhalten, sonst sie aoer Bayreuth zu überlassen. Für diemög­lichen Striche" fuhrt Weingartner aus dem Ring mehrere Bei­spiele an. .

Eine unglaubliche Gewissenlosigkeit. Aus Neuyork wird gemeldet: Tort, too der East River seine Fluten in den Atlantic ergießt, waren die Angestellten einer Bergungs- Gesellschaft mit den Vorarbeiten zur Hebung eines gesunkenen Schiffes beschäftigt. Tcr Taucher Smith war hinabgelassen worden, um auf dem Meeresgründe in Öner Tiefe von 50 Fuß d-s Terra.n zu rekognoszieren. Er hatte fdjpn geraunte Zeit seine fdpo.erige und gefährliche Arbeit in ber Tiefe ohne Störung oollsührt, als er plötzlich zu feinem Entsetzen merkte, daß die Lust in seinem Taucher­helm immer bider und uncrtragiidjer wurde. Er riß zuerst einmal an Dem Seil, wodurch, er feinen itauieraöen an oer ßuerflidjc lieb dahm verständlich mad>en wollte, daß die Lujtpunipe m Aktion treten müsse. Als auf dieses verabredete Zeichen teine Zufuhr irischer Luft erfolgte, riß ber Taucher dreimal an dem Seil, das Zeichen nach ouen, ihn sofort empvrzuzicl-en. Aber das Gegeu- iignal blieb aus. Smny gau sich oerioren, unb nach kurzer Zeit ver­ließ ihn das Bewußt «ein. Jnzwischscn bauen f.a) Ijouj uuer ihm aus dem Begleitboot der Bergungsgesellschast wüste Szenen abgt> ipielt Ein geiuiiiec )ueniam..i '*>uuvcc, wr bie 'aiutueu an oer Luftpumpe für den Taucher üoerwaane, war mit einem iNatroscn jiunell plötzlich in Streit geraten, der bald zu Tätlichkeiten ausartete. Die ganze Mannia>aft des Begleitoootes sah ber sich entibmnenben inaujerei zu und vergaß bariwer völlig bie Be­dienung der Luftpumpe. Schließlich schlug der 'Matwse ben Wachter Der Lustpumpe mit einer schweren eichenen Handspeiche nieder und slüchtete bann an Land. Die übrigen Bootsinfassen fuhren ben zu Dode verletzten Parker nach dem Ufer, nachdem sie ihn in ein kleines vvrbeifahrendes Boot gebracht hatten. Tan« erst b-hrten fu

keine Antivort. Aua zogen sie ihn an vas «uigiöuu>i, ueiceaen ben Leoiosen aus ।einem Taucheigewande und stellten künstliche AtmungsverfudiL an, bie erst nach eineinhalbstündiger Arbeit Ev- solg jKitten.^ , $ manchmal klappt. Ein junger Abvokot unb armer Teufel in Newyork wollte jein Glück im Westen suchen unb siedelte nach San Franzisko über. Dort gelang es ihm ledoch nickst, festen Fuß zu fassen, und so entschloß er sich, nach Newyork zurückzugehen, trotzdem er keinen Pfennig Reisegeld halte. Entschlossen, das möglichste zu versuchen, nahm er in einem Zuge nach Osten Platz, ohne eine Fahrkarte zu besitzen. Bald stellte sich denn auch bei ihm ber Kondukteur ein und fragte nach dem Billett.Ich habe keines", erwiderte der Advokat,ich brauche auch keines, denn ich bin Redakteur derDaily News" und habe freie Fahrt."Dann bitte ich um Ihre Legitimationsearte", wagte der Kondukteur zu erwidern.Ich habe sie leider nicht bei mir", ließ sich ber Advokat vernehmen.Dann müssen Sie auch den Platz bezahlen, oder der Direktor Ihres Organs, der sich gerade im Speisewagen befindet, wird Sie zu legitimieren haben." Mit schlotternden Knien folgte der blinbe Passagier Dem Beamten in ben Speisewagen. Dort machte ber Beamte vor bem Direktor seine Verbeugung und trug sein Anliegen vor^ Aber natürlich kenne ich den Herrn, es ist ja unser erster Feuilletonist", Hub Der Direktor an,lassen Sie Herrn Smith alle Vergünstigungen zuteil werden, die wir für unsere Redakteure ausgesetzt haben." Der zum Redakteur ernannte Advokat begab sich aus seinen Platz zurück, doch wollte es ihm nicht in ben Kopf, was den Direktor, der doch sein Personal sicher kennen müsse, dazu bewogen haben konnte, in dieser Weise für ihn einzuspringen. Auf ber Endstation sprach er denn auch den Direktor an und bedankte sich dasür, daß er ihm aus der Patsche geholfen habe. Sind Sie denn nicht Redakteur der Daily News", fragte der Direktor.Nein", antwortete der Advokat.Aber da können wir uns ja die Hand reickzen", wußte der Direktor zu entgegnen, ich bin auch nicht der Direktor, ich habe mich nur als foldjer; ausgegeben, es ist mir dies ohne Ausweis gelungen, ich hatte nur Furcht, daß Sie mid) verraten konnten, denn ich hielt Sie für einen richtigen Redakteur dieses Blattes."

Kleine Ehrouic aus m u n u und Wissenschaft. Tie Urausführung der neuen OperetteDer betrogene Sub- tan", Text von W. Hausmann, Musik von Hanns Pick, findet Ende Januar im Hana ue r Stadt!Heater statt. Die Sencken­berg i s ch e Natursorschende Gesellschaft in Frantz- fur t a. M. ernannte zu korrespoiiDiecenben Mitgliedern Professor Tr. Gustav Klemm in Darmstadt, Professor Dr. August Nies in Mainz und Professor Dr. 'Leonhard Si.gismnüdl. Schulze in Jena.

werben, der einen wirksamen Bauarbeiterschutz vorsieht uno aus dem Baugewerbe Arbeiter als Vaukontrolleure heranzüht.

Einkommen- unb Vermögenssteuer. Die Pro­gression ber Einkommensteuer soll für bie Einkommen von 6030 M. erhöht, bie Vermögenssteuer soll progressiv gestaltet roeib n Bei bcm Stempeltarisgesetz sollen alle Stempel und G b-h.cn beseitigt werden, bie eine brückende Belastung ber minberbernittl.cn Bevölkerungskreise barstellen.

Religiöse Gemeinschaften. Es soll ein Gesetzent­wurf vorgelegt werben, wonach für bie rcligidien Gemeinschaften feder Zuschuß aus staatlichen Mitteln in Wegwlt kommt.

Die Erhebung der Kirchensteuer soll in einer Form stattsindcn, daß bie Summe bes zu zahlenben Betrags aus bcm Stcucrzettel besonders ausgeführt wirb.

Austritt aus der M i r d) t n g e m e i n f d> a f t Durch eine Gesetzesvorlage soll eine Revision ber g.s.tz.ichcn Bestimmungen über den Austritt aus der S{ird)cngemcin[d)ait im Sinne einer Erleichterung in die W?ge geleitet unb bie Stempe.g.buhren sollen beim Austritt ausgehoben werden.

Behördliche Bekanntmachungen. Die Gr^ßh Re­gierung soll zwecks besserer Verbreitung aller b horRn.ec Be­kanntmachungen sämtlichen Zentral- und L^kalbehorocn aa.g ben, ihre zur Verössentlichung bestimmten Bekanntmad-ungen allen im Kreise erscheinenden Zeitungen gleichzeitig zur Benutzung zu übersenden.

Tie Errichtung einer Strafkammer in Offenbach soll in Erwägung gezogen bzw. abbalD ins Auge gefaßt werden.

Nebenbahn durch das M o d a u i a l. Tie R^girnug soll ersuckst werden, alsbald eine Vorlage über ben Bau einer Nebenbahn burch bas Niodautal vorzulcg^n.

Anstellung von Bezirlsärztcu urb Uebersül-rung ber Apotheken in Gemeinde- oder Staatseigentum. Durch Ge.ctz soll das Land in Sanitätsbezirke mit Bestellung staailich ango Itcllter bzw. unterstützter Beziiksärzte cuigcicilt ivervin. H im- jallcnde Apotheken-Konzestionen sollen feineihiu an Piioat. nicht erteilt werden und die bestehenden Apotheken sollen am bem Weg allmählichen Ankauss für Gemeinden, Gemeindeoeibäiibe ober bvii Staat envorben werden.

Die Aushebung sämtlicher Drückengelber über den Main und Rhein |oll durch Gesetz ersolgen.

Eine obligatorische staatliche Mobiliarver­sicherung soll gcsetz.ich eingesührt werden.

Alle A r m e n 1 a st e n sollen burd) Gesetz vom Staat über­nommen wer. eu, unter Beseitig nj clle. cn öf..n ILIk Un erstü.ung geknüpften Be>chränlungen der staa.sbürgerlid)en Recht:.

Tie Kosten des D e s i n f e k t i o n s v e r f a h r e n s aus Anlaß ansteckender Krankheiten sollen gesetzmäßig durch bie Ge­meinde i getragen werben. Bebürstige GeM ind.n folgen hierzu aus luiitteln des Staates Unterstützung erhalten.

Staatliche Arbeiten und Lieferungen sollen nur an Unternehmer vergeben werben, bie bie zwischen Arbeit­geber und Arbeitnehmer anerkannten Tarife anerkennen und ihren Berpslickstungen inbezug auf die svzialpo.Uische Gesetzgebung nadj» kommen.

Verhaftung. Tie Kammer soll die Großh. Regierung ersuchen, im Bundesrat bei der Revision ber Siraipcoz.ßordnung daraus hinzuwirken, daß bie Voraussetzungen und Vorbedtiigungen zu einer Verhaftung wefenUich erschwert werden, baß jedem Ver­hafteten das Recht auf Selbstbeköstigung, Selbstbe,ck>ä tigung und ^Selbstbekleidung gesetzlich gewährleistet wird uno Unle.suchungS- gcfangenc nur mit ihrer Zustimmung zur Rein gung und Instand­haltung ihrer Zelle ang.halten werden können.

Bezuglid) ber Entschädigung für unschuldig er­littene Straf- und U n t e r s u ch u v g s h a f t soll bie Re­gierung ersucht werden, im Bundesrat aus eine R^v-sion des Ge­setzes hinzuwirken. Turd) Landcsgesetz soll ferner bestimmt werd n, daß auch den Personen, die durch eine Verfügung des Staats­anwalts aus bem Strasverfahren entlassen werden, eine Ent­schädigung aus Staatsmitteln gewährt wirb.

Tie Bestimmungen über Aufrechterhaltung ber Ordnung in den Gerichtsfitzungen füllen da.auf soll die Regierung im Bundesrat dringen einer Revision unter­zogen werden im Sinne eines erhöhten gesetzlichen Sd-utzes, sowohl der bei den gerichtlichen Verhandlungen beteiligten wie nicht be­teiligten zurzeit nahezu rechtlos ben Gerichten gegenüb.rsteh.nd.n Personen.

parlamentarisches aus Hessen.

Von den Sozialdemokraten ist eine größere Anzahl Anträge bei der Zweiten Kammer eingegangen, bie folgende Äegenstände betreffen:

Wahlrechtsvorlage. Einführung des Einkommen- ystems und direkte Gesetzgebung burch das Volk mittelst bes Var- chlags unb Derwerfungsrechts. Einführung bes Proportional- vahl|ystems bei den Kammermahlen. Wablfähig soll jede rechts- inündige Person sein. Aus ie 20 000 Personen soll ein Abgeord­neter gewählt werben. Die Wahlen srnb Sonntags von 12 bis 8 Uhr nachmittags vorzunehmen. Tie Wählerlisten sind stänbig uuf bem Laufenben zu halten und bei Ankündigung des Wahl- ermins durch Truck zue veröfsentlichen. Zur Sick-erung des Wahl- jt^imniife8 sind Wahlkouvens und Isolierzellen cinzusührcn.

TagegelberunbsreieBahnsahrtberAbgeorb- "icten. Der Antrag erstrebt, daß auch bie in Darmstadt wohnenben Ilbgeorbneten Tagegelber erhalten unb für alle Abgeorbncten wäh­lend ber Taner dcs Landtags freie Fahrt auf ben Bahnen des 'Vrvßherzogtums einsdst. ber Bahnlinien DarmstadtFrankfurt «Gießen und FrankfurtFulda geivahrt wird.

Trennung vonS chu le und Kirche unter Berücksichti- einig folgender Punkte: Wegfall des Religionsuntcrricksts als «bligatorischer Unrerrichtsaegenslaird, Aushebung der Verpslickstung !)er Voikssujuilehrer, kirchliche Funktionen als Organist, Kantor «ter Vorleser zu verrichten, Aushebung der Bestimmung, daß en Geistlichen als solchen Sitz und Stimme im Schulvoistaird fustcht, Umwandlung der noch bestehenden KonsesjionssdMlen in 'emeinsame Schulen.

Nationale Einheitsschule. Im Bundesrat soll die Regierung darauf hinwirken und im Lande fall die Einheitssdnile ilmgebahni meeben durch die Einheitsschule aus ber Grrnrblage der -allgemeinen ol)(igaDri)d)cii Volksschule eingefsthrt wirb, famllidje 3oifd4ilen aufgehoben werben, ber frcmbfvrachliche Unterricht in ku höheren Sännen dis zum Beginn des 4. Schuljahres hinaus- :eschoben wird und der Lehrplan für die 3 untersten Mafien der Oberen Schulen mit bem für das 4., 5. unb 6. Schuljahr ber .allgemeinen VvlksfckMle in Uebereinstimmnna zu bringen ist. so ) Der Ueberiritt in eine höhere Schule auch noch nach Abschluß ces 6. Schuljahres ohne Scywierigkeu möglich ist. Die Zahl ber schüler soll auch in Den Aolksschulklasien. in Der Regel 40 nicht lbcrfcheite>r.r

Volksschule. Uebernahme sämtlicher Volksschullasten auf jzn Staat, Aufhebung dcs Schulgeldes in den allgemeinen Volls- id;ulen und mientgeldlrche Lieferung aller Lehrmittel an bie Volks- jchüler.

Einreihung ber Volks sckullehrer in die Kategorie der Staatsbeamte il

Die Ausbildung her Volksschullehrer soll neu- geregclt werden auf der Grundlage, daß die Prelparandcnanstalten :ls solche aufgehoben werden unb bie Vorbereitung für bie vebrericminaie uui oen bcem,chUieii er,olgt. rsoiigator-fa-e Au|- 7.ahme von Englisch und Französisch in dcii Lehrplan der Seminare, Fortsall des Religionsunterrichts als solcher, ausgiebigere Be­handlung der Geichichte und Philosophie. Aushebung der mH hen Seminaren verbundenen Internate; Anerkennug des Ab- -gangszeugnisses der Seminare als Reifezeugnis jür das Uiu* 2er) itätsstudium.

Befähigten Kindern unbemittelter Eltern soll bie kostensreie Ausbildung und Unterhaltung auf den höheren Sdjailen und der Universität ermöglicht werben, wofür in das -Staatsbudget 50 000 M. eingestellt werden sollen.

lieber die Verhältnifse der Arbeiter und Hilss- inge ft eilten in den (Staatsbetrieben soll ein Gc|.tz- mtmuri unter Berücksichtigung solgenoer Punkte vorgcl g. werden: achtstündiger Normalarbeüs.ag, Festsetzung eines jew.i s mit dem ärberterausschuß zu vereinbarenden Mrnimalioh.is, Zusick)erung lefter Alters- und Pen,ionszulagen, Einrichtung von Arbeiter- russchüssen auf Grund geheimer Wahl, di: in allen Fragen der Ärbeits- unb Lohnverhälinisse zu hären find. Garantierung bcS wlilischcn und gewerkichaftliä-en Koairtionsrechts.

Ausbau Der Gewerbeinspektron derart, daß in allen Bezirken genügend Hilisöeamte aus Arb.iter- und Arb.iter- unenkreisen angestellt werden, damit alle Betrieb: jährlich miir- :estcns einmal revidiert und Betriebe, bei denen Anstände fest- jeficllt werden, mehrmals nachkontrolliert werden können.

Bauarbeiterschutz. Ein Gesetzentwurf soll vorgelegt

LLleines Feuilleton.

Kaiser Wilhelm i. a 1 s Journalist und In­serent. In der Hannöverschen KorrespondenzDer Zeitungs- xrlag" wirb folgende, nach mancher Seite hin djarakterZt.sche Geschid-te aus Den Memoiren des Geh. Hofrats Schneider, des :angiul)rigcv ?Boriesers und Sekretärs Wuhe.m I., aufgefrischä: 3m Jahre 1858 war cm preußischer Offizier in einer Denkschrist [ür die zweijährige Dienstzeit eingetreten. Prinz Wilhelm von Lreußen, der spätere Kaiser, der für die dreijährige Dlenstscit war, nachte sich sofort daran, die in der Flugfd)rift enthaltenen Argu­nente zu widerlegen. Er schickte fein Manuskript mit folgenden Sorten an den Hof rat Schneider:Hier sende ich Ihnen die Denk- (chrift und zugleich meine Entgegnung. Aus dieser und meiner Bro- chüre vom Jahre 1848 laßt sich Material finden zur Vertei­digung ber 3jährigen Dienstzeit. Wollen Sie es noch unternehmen, jo bin id) zur Durchsicht bereit. Berlin, 8. 3. 57. P. v. P." Zwei Tage nachher fenbte ber Prin», noch andres offizielteS Material burch den Flügclaüjutanten Grafen von der Goltz an Schneider unb dieser schrieb nun den in Nr. 61 (1857) derNeuen Preutz. Kreuze) Z.i...ri-i n..ieu. Uten g onen .iitue., o.r lujoiiuiigS.vS mit bem Verfasser jener lithographierten Denkschrift umging und ihn ui eiuiujicueiici wcue vn-m^iie. 'aid 'i>upteu>er das x>iau an -cn Prinzen sandte, erhielt er als Antwort folgende Zeilen: Ter Aussatz ist sehr aut ausgefallen, nur etwas zu wörtlich nach mir. Ich erwarte bie JnserakionsgcbÜhrenrechnung. Koblenz, 17. 3. 57. P. o. P." Tic5Zeue Preuß. Zeitung" berechnete bie Ausnahme des Artikels mit -iu -Laictu um> Hosrat eschneiver sandte Die Ncciptung nad> Kvolenz. Am 24. Räärz 185/ schrteb der Prinz von Preußen an feinen literarijcyen Handlanger emen Brie) über den gleichen, politischen Gegenstand und der esckrlustiatz des L rief es lautete:Tie 40 Taler sind angewiesen". Unterbenen hatte der Redakteur berKreuz-ztg.", Dr. Beutner, in Erfahrung gebracht, daß der eigentliche Autor des Artikels der Prinz von Preußen fei und unter die,en Umständen wollte er ine 40 Taler nicht annchmen. Da er sie aber nicht gut ziirückschicken konnte, jo teilte er Schneider mit, daß er sie zu einem woh.tätigcn Zwcci »erivendcn würde. Dieser berichtete nun über diese Angelegenheit bem Prinzen, meldjer betreffs der 40 Taler am 31. März löo/ 3on Kaoblenz antwortete:Ueber bas Verfahren dcs Redakteurs öeuhter bin ich erfreut und ei. ve.standen. bMus verrons, ob sich ein 'zineivieteu für ähnliche Furie benutzen läßt".

T ieTanzhusare n". 'Einige Jahre sind es schon her, seit der Kaiser den jungen Tarnen von Krefeld bie Verlegung eines Regiments Huiaren in ihre Stadt veriprach Aoer das Husarenfiever" hat jid) doch nicht so hitzig gestaltet, wie die ^iDen bramatischen Kompagnons cs in ihrem Sckpvaiil bacgcftellt haben. Es routüc sogar oei-aupiet, daß bieKrefelöer Huiaren' her höheren Chargen ben neuen Mitbürgern mit kühler Reiervc qcgenüveiständen. Unb bie junge Dame, die bamals bem KalfU zher den Acangel an Leutnants geklagt hatte, hat sich schließlich Nicht