tzeier war zahlreich besucht und nahm einen gelungenen Verlauf. r
X Nidda, 29. März. Gestern fand int „Gamvrinus bie Schlußfcier der Gewerbeschule statt, verbunden mit einer Ausstellung von Schülerarbeiten. Sehr viele Teilnehmer, besonders Lehrer, besahen mit Interesse die überaus reichhaltige Ausstelluna, die Lehrenden und Schülern das fchonste 'Zeugnis ausstellte. Hauptlehrer Höhn erläuterte in einem Rundgang durch die Ausstellung den Werdegang der Arbeiten von unten auf. Besonderes Interesse erregten die Modcllier- arbeüen. Die für die drei Klassen gestellten Preisaufgaben: Ein Gartenhaus, ein Dachwerk und ein Hängekorb wurden von einer Anzahl Schülern gelöst. Es wurden je drei Preye erteilt. Aus dem Kreis Gießen erhielten Preise schreiner Hernr. I o r aus Ober-Bessingen und Paul Sund aus Lich. Den ersten Preis erhielt W. N. Geiger aus Nidda. Hauptlehrer Höhn entließ nach Ueberreichung der Zeugnis,e die Schüler der Oberklasse und rief den anderen ein fröhliches Wiedersehen für den kommenden Herbst zu. Der VorsiIende deS .Aufsichtsrats, Möbelfabrikant Ringshausen, sprach den Dank an alle aus, die zur Erreichung des schönen Ziels mitgeholsen hatten. Von Büdingen wohnte Schulrat Scherer dem Aktus bei. — Am Freitag brannte es auf dem Waldkopf Altenburg bei Kohden. Die dortige Feuerwehr löschte den Brand, der durch mutwilliges Anzünden von Dornhecken entstanden war. Es ist ein Unfug, daß in jedem Frühjahr mehr und mehr durch Ausrotten und, Abbrennen von Hecken den Singvögeln die letzte Nistgelegenheit genommen wird.
§ Elpenrod, 28. März. Bei dem gegenwärtig wieder im Schwünge stehenden Hecken- und Nainverbrennen ereignete sich heute hier ein schwerer Unglücksfall. Mehrere kleine Kinder waren ins Feld gegangen, um dort Hecken anzuzünden. Unter ihnen befand sich auch ein Mädchen im Älter von 8 und 4 Jahren. Das Kind kam dec brennenden Hecke zu nahe, seine Kleidchen singen Feuer, und bald brannte eß lichterloh. Bis auf sein Geschrei Hilfe kam, hatte es schon so schwere Brandwunden erlitten, daß sein Leben in Gefahr stand. Man brachte das Kind in die Klinik nach Gießen, zweifelt aber an seinem Aufkommen.
X Aus dem Kreise Alsfeld, 29. März. Eine sehr zeitgemäße Verfügung erläßt gegenwärtig unser Kreisamt; sie betrifft das unangebrachte Verbrennen von Hecken tlnd Rainen. Zu wünschen ist nur dabei, daß die polizeilichen Organe auch wirklich diesen Feldfeuern mit der nötigen Strenge begegnen. Wer in diesen trocknen Märztagcn gegen Abend sein Auge den mit Hecken bestandenen Bergen zuwandte, der konnte überall die Feuersäulen emporzüngeln sehen. Diese Feuer werden aber nicht lediglich durch Er- in>Q<i)fene, die em Interesse bezüglich ihrer Accker haben, an- -gelegt, sondern häufig von kleinen Kindern. Der Nutzen der Hecken ist wohl schon so oft gepredigt worden, daß darüber jedes weitere Wort überflüssig erscheint.
w. Homburg v. d. H., 28. März. Nach' dem heute im Taunusboten" veröffentlichten Programm über die Einweihung der Erlöserkirche, welche im Mai in Gegenwart des Kaiserpaares erfolgen wird, werden auch teilnchmcn die Minister Freih. v. Rheinbaben, Breitenbach, v. Moltke, Holle Und Dr. Stutzt, der Kommandeur des 18. Armeekorps, der Oberpräsident Hengstenberg, die Vertreter des evangelischen Kirchenbauvereins in Berlin, der Universitätsprokuralor Geh. Regierungsrat Ebbinghaus, Geh. Baurat Prof. Schwechter, Oberyof- üreister Freiherr v. Mirbach und andere. Den Weiheakt wird vberhofprediger ,Dr. Dryander vollziehen.
w Frankfurt a. M., 29. März. Unter dem Vor- lsttze des Stadtrats Heinrich Flinsch, Vorsitzenden des Handeis- DertragSoereins, tagte heute hier eine auch von auswärts .sehr zahlreich beschickte Versammlung, welche im Anschluß im die kürzlich erfolgte Gründung eines Comite Franco- Allemand die Bildung eines „Deutsch-französischen ^WirtschaftSvereins beschloß. Der Verein bezweckt die Pflege und Förderung der deutsch-französischen Beziehungen cuf wirtschaftlichem und wirtschaftspolitischem Gebiet im Zusammenwirken mit den beteiligten französischen Kreisen unter Ausschluß national-politischer Fragen. Als Sitz des Vereins wurde nach längerer Aussprache Berlin bestimmt.
fc. Frankfurt a. M., 29. März. Der Mitteldeutsche Viehhändlerverein hielt heute in Sachsenhausen eine außerordentliche Generalversammlung ab, um Stellung zu nehmen zu der Forderung der Franks. Metzger, ein Prozent auf die Kaufsumme in Abzug zu bringen. Als die Viehmarktsbank errichtet wurde, setzten die Viehhändler als Gegenstoß den Verkauf ohne Währschaft durch, indem sie sich vertragsmäßig bei einer Konventionalstrafe von 500 Pik. verpflichteten, nur noch ohne Garantie, aber auch ohne Abzug zu verkaufen. Seitdem müssen die Metzger das Schlachtvieh selbst versichern. In der Versammlung zeigte es sich, daß die Mehrheit der Händler nichts von einem Abzug wissen will. Die besonneneren Elemente rieten zum Frieden und setzten, nachdem mitgeteilt war, daß einige Großhändler den erwähnten Vertrag zu durchbrechen entschlossen seien, die Einsetzung einer 9gliedrigen Kommission durch, die mit den Metzgern unterhandeln soll. In einigen Wochen soll dann eine weitere Generalversammlung slattsinden. Die Gegner des Abzugs wiesen besonders darauf hin, daß feit 1893 das Vieh nicht mehr so billig geivesen fei wie in diesem Jahre. Die Agrarier hätten früher gesagt, die Händler seien schuld an den hohen Fleischpreisen, jetzt wüßten sie, daß die Metzger schuld daran seien. Der Vorsitzende Gutteustein betonte dem gegenüber, daß es nicht Sache der Händler sei, den Verdienst der Metzger nachzurechnen.
GerrctztsZaaL.
sä. Darmstadt, 28. März. Tie sozialdemokratische Jugend- veremäkasse „Junge Garde" hat der 24 Jcihie ölte Maurer PH. Iöckel aus Spachbrücken um Alk. 61 erleichtert, auch den Metau arbeiterverband bestahl er um Mk. 11/ferner eignete er sich Mk. 68 an, die jeineni eignen Bruder gehören, was ihm mit Rüllpcht am seine Vorstrafen heute bei der Strafkammer 2 Iahre 6 Monate Gefängnis und 4 Wochen Hail einbruigt.
Rom, 28. März. Tie vereinigten Sektionen des Kassations- Hofes verhandelten heilte über die Berufung N a f l s. Der Gencral- prokuralor plädierte auf Zurückweisung uer Berufung, da sie nn- zulässig sei. Ter Wahrspriich wird m einigen Tagen verlundigt werden.
Halle a. S., 29. März. Leutnant Bull er ich vom Infanterieregiment Nr. 72 m Bernburg ivurde vom Kriegsgericht Halle wegen Beleidigung einer Wache und Vergreisens an einem Vorgesetzten zu 2 Jahren und einem Tag Festungshaft Und Entlassung aus dem Dienste veriirteilt.
VeL'MijctztSO»
* Wieder ein Moro m Berlin. Ter 6bjährige Fleisch- veschauer August Richter, Landsberger Allee 4i>, ivurde geltem, Sonntag irüh, auf seiner Haustreppe unter Um]iänben lot ans- gesunden, welche einen Mord nicht ausgefi'hloyeu e^chenien lassen. Richter kehrte am Samstag müde aus emcin Restaurant zurück. Der 18jahrige Arbeiter Jaguttes, der um 1 Uhr in seine Wohnung
rurücttehrte, fand Richter schlafend im Treppe,isenster des 1. Flures sitzend. Kurz darauf meldete der 25jährige, gleichfalls in demselben Hause wohnende Arbeiter Lippmann, daß Richter schlafend und betrunken auf der Treppe liege. Die Polizei fand dagegen den Richter tot vor. Die Leiche wres eine starke Beule an der Stirn auf. Da nun Uhr und Portemonnaie des Toten versteckt im Bette Lippmanns gefunden wurden, ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß Lippmann den Richter beraubt unb ermordet hat. Lippmann ist bereits mehrfach vorbestraft und wurde verhaftet. Die Leiche wird heute obduzirt.
Zu dem tyl)seriösen Todesfall eüt^ti Generals- gattin, von dem in unserer SamLtassrmmmer fdjpn kurz die Rede war, wird heute berichtet: Generalmajor z. D. Bar- nowski aus Posen, dessen Gattin in einem Hotel zu Basel mit Schnittwunden an Hals und Brust tot aufgesunden wurde und in Haft genommen worden war, ist wieder auf freien Fuß gesetzt worben, nachdem er eine Kaution von 1000 Mark gestellt imd sich ehrenwörklich verpflichtet hatte, Basel nicht zu verlassen. Die ärMche Untersuchung der Tvten ergab als Todesursache Selbstmord. Frau Generalmajor Barnowsöi hat sich nach einem heftigen Wort streit mit ihrem Gatten durch 8 Schnitte mit einem Rasiermesser in Hals und Brust getötet. Merkwürdig ist, daß General BanwwSki von der Ausführung des Selbstmordes seiner Frau nichts gemerkt hat, obwohl er sich in demselben Zimmer befand. Skhr lange wuroe nach dem Messer gesucht, mit dem sich Frau BarnowM die Mllchon Wunden beigebracht haben soll. Endlich wurde es unter der Leiche gefunden. Wie cs dort hingekommen ist, darüber vermag Generalmajor Bar nowski nichts anzugeben.
* B o m modernen Warenmarkt. Nachfolgendes Inserat liest man in der „Boss. Ztg": Adoption. Adliger Herr, wohlsituirt, will einen Herrn, mehrfachen Millionär, von tadellosem Rich nicht über 35 Jahre alt, adoptieren. Diskretion wird ehrenwortlich zugesichert und gefordert. Adr. unter X. AI. 82 an die Exped. dieser Ztg. erbeten.
Kleine Tageschronik.
In München wurde aus der mineralogischen Staatssammlung außer einigen anderen Mineralien ein Platin klumpen im Gewicht von dreieinhalb Kilo im Werte von 10000 Mark gestohlen. Derselbe befand sich in einem geschlossenen Schaukasten, dessen zwei Schlösser mittels Nachschlüssels geöffnet wurden.
Am 28. März wurde an der Bahnstrecke Striegau — Kö- nigszelt (Schics.) das zweispännrge Fuhrwerk eines Molekrei- püchters von einem Zuge ersaßt und zertrümmert. Der Kütscher würbe schwer verletzt, seine Frau und ein Pferd getötet.
In Jo ckrim (Pfalz) stürzte der Käminbauer Bayer aus Luudwigshafen aus einer Höhe von 25 Metern im Innern eines Fabriisüi^ornsteines ab; er wurde sofort getötet.
In Bottenbach feuerte der Schuhmacher Beith Nachts auf seine im Bett liegende Frau drei NevoLverichüsse ab, durch die Frau Beith lebensgefährlich verletzt wurde. Vellh flüchtete sich in den Wald, wo er erhängt aufgefunden wurde. Das Motiv der Tat dürfte in Geistesstörung zu suchen sein.
In Limbach (Königr. Sachsen) fuhr in das Hotel Hirsch ein Automobil-Omnibus mit voller Wucht hinein. Ein 12jähriges Schallmädchen, Reichell, wurde an die Wand gequetscht und starb. Darauf riß das Automobil ein tiefes Loch in die Wand, wobei ein Hotelgast am Köpfe verwundet wurde. Ter Chauffeur hatte kurz vor dem Unglück die Führung des Automobils an den Köndulteur "gegeben, weil er plötzlich krank geworden war.
In P a r i s Tom es in der Nacht zu einem schwerenAutv- mobilunfall. Vier Freunde sausten mit furchtbarer Schnelligkeit dahin^a IS der Wagen gegen einen Baum stieß unb zertrümmert wurde. Zollbeamte leisteten die erste Hilfe und hoben einen Toten und 3 Schwerverletzte auf, von denen einer noch auf dem Transport nach bem Spiral verstarb. Der Zustand der beiden anderen gibt wenig Hoffnung auf Wiederherstellung.
Dic Polizei in Toul verhaftete einen Manu, angeblich einen Deutschen, der der Spionage beschuldigt wird. Der angebliche Spion wurde nach kurzem Kampf überwältigt und nach dem nächsten Militärpostcn abgeführt. In seinem Besitz wurden photographische Aufnahmen des Forts Goudrcvillc, welche nachts mit Magnesium»Licht her- gestellt worden waren, ferner ein kleiner photographischer Apparat vorge- lunbeu. Eine topographische Karle sand man unter seinen Kleidern verborgen. Der Lcrh,stete war sehr gut bewaffnet.
In Lüttich hatte ein Hjährtger Student während der Abwesenheit der Ellern mehrere Kommillioiien zu einem Trinkgelage ein- geloben, das mit einer regelrechten Schlägerei endete, in bereu Verlauf ber Gastgeber einem seiner Freunde mehrere Messerstiche bcibrachte, wodurch dieser auf der Stelle getötet wurde. Mit gezücktem Mcsier eilte der im Delirium befindliche Mörder durch dic Straßen der Stadt, bis er von der Polizei ergriffen und ins Gesängnis überführt wurde.
Die „Stampa" bercchtet: .Die Gerüchte über ernste Zerwürfnisse zwischen dem Ehepaar Toselli werden bestätigt. Um einer seitens der Frau Toselli geplanten Begegnung mit dem Könige von Sachsen aus dem Wege zu gehen, fchisste sich König Friedrich August in Genua nach Antwerpen ein.
Tas Segelschiff „Juglewood" aus Lirwik (Norwegen) mit 1979 Ncgistcrtons, belobe n mit RaplNa von New-Dock nach Stockholm, bo5 mehrere Tage auf ber fJicebc zu Manbal in ihoriucgcn gelegen hatte, flog dort in bie Luft. 20 Minuten nach der Explosion sank bas Schiff. Der Kapitän war in Larvcck, als die Explosion stattfand. 13 Manii sind umgetommen. Zwei SJtann wurden gerettet, indem sie durch die Gewalt der Explosion ins Wasser geschleudert und von einem vorbcifayrcndcn Slutter ausgenommen wurden. Ein Akann wurde schwer verletzt.
Ein aufregender Kampf mit einer Riesenschlange fand im Zoologischen Garten m Ne myo rk statt, der einem ber Wärter das Leben kostete. Der Mann war in den Käsig ber Boa Eonslrictor gegangen, um sie zu füttern. Tie Schlange schien zu ichtafen; doch als der Wärter sich umdrehte, fühlte er zu seinem Enüetzen, wie das Tier sich pm seine Beine wickelte. Seine Bemühungen, sich zu befreien, waren vergeblich. Aus seine Hllsernie eilten andere Wärter zur Stelle. Fünfzehn Mann rangen schließlich mit der Schlange, einer der größten im Zoologischen Garten.
Große B a n k - U n t e r s ch l c i s e sind in Pi11sburg entdeckt worben. Namentlich bei ber Farmers Deposit Nativnal- Bank sind ungeheuere Summen gestohlen worben. Der Kassierer Reiber und der Auditor Boung luurben verhasiet. Bisher stellte sich heraus, daß die beiden mindestens 10 Millionen Mark oer Bank entwendet haben. Man sürchtet, baß die Verluste der Bank noch größer sind. Die Assäre trägt dazu bei, das Vertrauen zu den großen amerik. Finanzinstituten zu erschüttern, denn grade diese Bank galt cus vornehm und sicher.
Aus New-Dork wirb telegraphiert, baß bic Ruinen ber amerikanischen Stabt (SljUapa in Flammen sichen. Das Erbbeden verursachte auch in ber Stabt Mexiko heftigen Schrecken: bie Leute stürzten entsetzt aus ben Häusern auf bie Straße, viele Häuscrmaucrn erhielten llafienbe Risse, unb alle Uhren standen still. Auch in Saiilt Thomas vrrursachie vaö Erdbeben große Aufregung. Zwei starke Erdstöße wurden verspürt. In Ometepec stürzte infolge bcS Erdbebens das Gcfängnls cm und dU Gefangene entflohen.
Bet Dem Vwinchc, in der ber Union Parcisic Bahn gehörigen Kohlc:imcne Hanna in Wyoming (i)tt>rdami.rika) zwei durch eine Exploiion verunglückte Arbeiter zu retten, ereignete sich eine zweite Explosiori, bura? welche die Rettungsmannichast vcv,chütret luuroe. Alan fürchtet, daß alle, etwa 70 Mann getötet worden sind.
— Königsberg Pc., Den 2«. März. L em Deutschen Kronprinz e >l luuvbe Die Würde eines ständigen Rektors mag- n i sieeutisfimus der hiesigen Universität verliehen. Die gleiche Würde hatte Kaiser Friedrich als Kronprinz erhallen.
Auttft uttö LVLjicnschase.
— Aus ö v a u t ui r i a. 'DL wird uns uiuerm 27. d. M. geschrieben : Unser Schauspielhaus hatte gestern nach längerer Zen ivleder einmal eine sog. Uraufführung — oder vielmehr nicht nach längerer Zeil, soudern schon nach kurzer Zett: sreilich Hai man I heule bereits ’a|t vergessen, daß vor memgen Wochen der Slolomatt Ichwaui /Bei uns da Drüben" von dem ijicfigen WomitcL Nauuanu Um Bunde mit Otto Schwarz, gleichfalls einem hiesigen) wuv-
aujgtfüt)ttN worden ist. Und doch hatte man gestern bei der Aufführung des Schwankes „Manöoertage" von Herrn. Hausleiter alle Ursache gehabt, sich dankbar des Raimann'schen Schwankes zu erinnern, dankbar und sehnsüchtig, so wie der Wüstenwanderer nach bei üppigen Oase Rückschau hält, die er verlassen hat. Denn eine Onse muß uns selbst ein so dutzendmäßiqer Schwank wie jener Lunken, wenn wir das dilettantische „Werk" sehen, das der — übrigens von dem strafbar milde gesinnten Publikum der gestrigen Vorstellung mit Beifall ausgezeichuele und wiederholt gerufene — Autor der „Manövertage" eigentlich lediglich als verbindenden Text zu einer Reihe altbekannter Soldatenlieder „geschaffen" hat. Tie Aufführung geschah zum Besten des Pensionsfonds der „Teiitfchcn Bühnengenosienschait", und zu dlefem wohltätigen Zwecke hatten unsere ersten Darsteller und Tarstellerinneu die Selbstlosigkeit gehabt, die Rollen des Schwankes zu übernehmen und sich nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Tätiger zu probateren. Ter Zufall will es, daß wir unter unseren Darstellern auch einige stimmbegabte Sänger haben. Diese Umstände erklären die Geduld des Publikums. Uebrigens ist Hausleiter Inspizient am Schau. spielhauS, aber Intendant Klaar ist — Haukleiler l — Er ist also verantwortlich ... Dr. G. Z.
— Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft. Eine Kapitalistengruppe in Petersburg unternimmt den Bau eines Aeromobils nach dem System des Erfinders der fotbenlofen Presse, W. Tatarinow, der ent neues Prinzip be5 Schwebens ber Flug maschine enlbeckte. Ter Bau bes AeromobllS, das von bebeutenber Tragfähigkeit und Gefchwinbigteit fein soll, hat bereits begonnen.
Landwirtschaft.
u Biebenkopf, 29. Aiärz. Laut Geschäftsbericht der Hinter- länber Viehkasse, bie ihre Miiglieber in ben verscksiebensten Kreisen hat, mußte biese im letzten Jahre wegen ber ungünstigen Lage beS Gelbmarktes mit einem buchmäßigen Kursverlust rechnen. Im Jahre 1907 traten 227 neue Mitglieber ein, bie Versicherungssumme stieg mit einer Zunahme von 138 930 Mk. auf 4 221 420 Mk. Zur Euifchäbigung gelangten 484 Fälle mit 73 714,64 Mk., bie sich auf bie einzelnen Kreise wie folgt verteilen: Krete Biebenkopf 69 Orte mit 42 220,40 Mk., Kreis Marburg 37 Orte mit 20 649,70 Mk., Kreis Lttrchhain 2 Orte mit 1152 Mk., Kreis Frankenbach 8 Orte mit 1 476 Aik., Kreis Brilon 1 Ort mit 1 546 Mk., Kreis Wilgenstein 2 Orle mit 3 490 Mk., Kreis Tillenburg 5 Orte mit 2126 Wik. unb Kreis Wetzlar 1 Ort mit 1053,60 Mk. Versichert waren 1350 Pserbe, 9Ö23 Stück Rmbvieh, 6743 Schweine unb 983 Ziegen. Das Vermögen ber Kasse beträgt 121100 Pik.
Spiripian der vereinigten zrantsurter Stadttheater. ü)pcrrii)aus.
Dienstag ben 31. März, abenbS 7 Uhr: „Der Wanberer." Hierauf: „Rübezahl." Zum Schluß: „Fortunios Lieb."
Schauspielhaus.
Montag ben 30. März, abenbs 7 Uhr: Drittes Gastspiel von Kainz: „Don Carlos." Dienstag ben 31. März, abends 7 Uhr: „Doktor Klaus."
Ginsssandt.
Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Bei der Gießener Straßenjugend scheint es zur Gewohnheit geworden zu sein, alle Häuser, die nicht bewohnt werden, auf die roheste Weise zu demolieren, so z. B. an einigen Hausern in der Mühlgasse, der Sonnenftraße und in den letzten Tagen an dem Hause Ecke der Bahnhofstraße und Tie- senweg. Wenn auch die Mehrzahl dieser Häuser wohl längst nicht mehr den Anspruch auf menschliche Wohnungen machen können, so bieten sie in dem demolierten Zustande, mit eingeschlagenen Fenstern und Gefachen, und mit den abgedecklen Dächern geradezu einen widerwärtigen Anblick, was besonders bei dem letzterwähnten Hause der Fall ist. Doppelt unangenehm ist es, wenn eine solche Ruine, wie hier, an einer der belebtesten Straßen ber Stabt liegt. Welchen Einbruck macht ein solcher Anblick auf den Fremden, das Urteil, welches er sich bildet, gereicht unserer Heben Vaterstadt sicher nicht zur Ehre. Ich frage mich, warum duldet die Polizei solchen Unfug und läßt die Straßenjugend ungehindert ihre Zerstörungswut ausüben, abgesehen von dem Schaden, welchen sie verursachen, 'soll man der Jugend jede mutwillige Zerstreuung verbieten. Besser wäre es ja, wenn die Eigentümer solcher allen bau- sälligen Gebäuden beizeiten gezwungen würden, sie in einem bewohnbaren Zustande zu erhallen, oder, was noch besser wäre, sic niederznlegen und durch Neubauten zu ersetzen, was für unsere Altstadt sehr von Nöten wäre.
Kandel.
Paris, 28. März. Nach ben bisherigen Feststellungen betragen bie Aktiven bes Crebit Minier unb ber Bank Franco Espaanole 12 Millionen Francs. Die Passiven werben auf 40 Millionen Francs geschätzt.
Märkte.
ic. Zranksiirt a. M., 30. März. (Orig.-Telegr. des „Gießeiu Anz.") Amtliche Notierungen ber heutigen Fruchtmarktpreise Weizen All. 21.50—00.00, 'Kurhessischer Pik. 2l.50-00.00, La Plata Pik. 93.25-24.00, Kansas Pik. 00.00-00.00, Roggen (hiesiger) Pik. 19.75—20.00 Gerste (Wetterauer) Mk. 20.75—21.75, Franken-, selber Mk. 2V5—22.75, Haser 17.50—18.25, Mais Pik. 15.75—16.00. Weizenmehl Pik. 31.00-31.50, 00—00, 2. Qualität Pik. 30.00 bis Pik. 30,50, 3. Qualität Pik. 28.50—28.75, Noggenmehl 0
Pik. 31.50-32.00,1.Qualität Pik. 30.50-31.00, Welzenkleie Mk. 11.50 bis Pik. 11.75, Noggenkleie Pik. 13.25—13.50, Maiäkeime Pik. 13.00 bis Mk. 13.25, Frauken, Pfälzer, Stieb Pik.00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab liier.
fc. Fraulfurt a. M., 30.März. (Telegr. Qrig.-Bericht bes „Gieß Anz."). Amtl. 9ioticiuugcn der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 396 Ochfcn, 98 aus Oesterreich, 46 Bullen, 1 aus Oesterreich, 0 aus Täncrnark, 861 Kühe, Fersen, Stiere und Siüiber, 0 aus Dänemark, 323 Kalber, 275 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Lesterreicki, 00 Ziegen, 1740 Schweine. Bezahlt wurde für 100Psnud Schlachtgewicht. Ochsen 1. Qualität 77—80 Mk., 2. Qual 70—72 Mk., 3. Qual. 60—62Pik.; Bullen 1. Qual. 63 bis 65 Pik., 2. Qual. 57—59 Pik.; Kühe 1. Qual. t>6—68 Pik., 2. Qual. 60-62 Pik., 3. Qual. 44-46 Pit, 4. Qual. 00-00 Pik., 5. Qual. 00—00Pik. Kälber: 1. Qual.92—94 Pfg., Lebendgewichts—56 Pf., 2. Qual. 76—86 Pfg., Lebendgewicht 45—50 Pfg., Schlachtgewicht 60—65 Pfg. Schafe: 1. Qual. 80—00, 2. Qual. 72—74 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 59-00 Pfg., Lebbgew. 46,5—00,0 Pfg., 2. Qu. 58 - 00,0 Pfg., Lebendgew. 45,5—00 Pfg-, 3. Qual. 50—00 Pfg. Lebendgew. uu Plg. Gejchäfl bei Ochsen lebhaft, Bullen unb Kühe gebrückt, Ueberftanb unbebeutenb; bei Kleinvieh: lebhaft, kein Uebersland. ' _____
Gießener Wetterdienst.
voraussichtliche Witterung für Heffe« am Dienstag den 31. März: Pieist trüb. Geringer Regen. Temperatur roie heute- Westliche Winde. _____
MrigLnai-Drahtineldunge«.
Berlin, 30. Mürz. Der tollkühne Springer Gab bin, ber seit mehreren Wochen allabenblich im Zirkus Busch den Sprung aus der Dachhöhe auf eine Gleitbahn ausführte und dann ui bie Manege gelangte, ist gestern Abenb bei seinem Auftreten im Zirkus verunglückt. Gabbin, der schwere innere Verletzungen erlitt, würbe m ein Krankenhaus gebracht.
Stuttgart, 30. März. In einer gestern abenb vorn jungliberalen Verein unb ber nationalliberalen Partei gemeinsam abgehallcxen Bismarck-Feier hielt General Keint vor einer Vcrsanimlung von mehreren Tausend


