Die „Eichener ZamiNenbiSIter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.
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Nr. 7« Zweites Blatt 158. Jahrgang Montag SO. März 1908
Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. A T AA Rotationsdruck und Verlag der Brühllchrn
M SmS P pa NI 5 HD- B Universitöts - Buch- und Steindruckerei.
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Seseral-Anzeiger für Güerhessen
Die SastW-rirgewerbe- und Nochkunft-Aussteüung.
Gießen, 30. März.
Tas Festmahl.
Bald nach 2 Uhr versammelten sich am Samstag die Ehrenförderer, Ehrengäste und Preisrichter nebst den Hauptveranstaltern und -Teilnehmer it der Ausstellung im tpotel Schütz zu dem „bedeut- sanieil Mahle der Edlen Zunft der Gasthalter", das „aus das nervlichste gefertigt worden durch Hotelbesitzer PH. Reitzel mit vüse von Mchenmeister $b. Bertels und Oberkellner C. Schmidt". So wars zu lesen aus der höchst originellen -handschriftlich Urkund aller denkwürdigen Erschaffungen in Eulinari", d. h. der Speisekarte, die in Form eines altertümlichen Büchleins der Lithograph Fr. W. Sonntag in Barmen hergestellt und mit Geist uno Witz illustriert hatte. Lithograph Sonntag, ein würdiger alter Herr, der sich! aus seinen ^"SMldtagen seine große Lebhaftigkeit und Herzensheiterkeit bewahrt hat, gehörte in jüngeren Jahren dem Gastwirtsgewerbe an und war einstmals Oberkellner im hiesigen Hotel Einhorn. >>ebt ist er seit Jahren als Litlwgraph von Geschmack Spezialist m der Herstellung von Drucksachen für gastliche Veranstaltungen.
Das Gastmahl verlief aufs beste. Weise, wie es praktischen Fachmännern der Kunst des leiblichen Genießens ziemt, ließ man Nch das überaus reichhaltige leckere Mahl aufs löstlichstc nmn- oeiu ohne sich allzu lebhaft zu unterhalten, und versäumte auch nicht, für die erwünschte Anfeuchtung durch treffliche Gc- tränke zu sorgen. Dieses war die nachahmenswerte, von berufsmäßigen Feinschmeckern für berufsmäßige Feinschmecker zu- lammengestellte Speisenfolge:
^Römisckie Pastetchen, Alter Sherry; Echte Schildkrötensuppe; TüM'vvr^len, blau gesotten. Schwedische Butter, Kartoffeln, Iseler; Chateaubriand, Sauce bordelaise, Pommes pailles, er Pontet Canet; Stangenspargel, Sauce nwusseline; Schinken ^achs, ..902 er Oppenheimer Schwabsburger Weg (Crescenz Eroßh. Hessische Domäne); Französischen Capaun, Parher Kopf- lalat, enigemachte Früchte, Sect flpwaib u. Eo., Rüoesheun „Edel *ro(ten"); Cardinal-Bombe mit Waffeln; Wse-Platte.
Nach der Suppe erhob sich Geheinverat Dr. Breidert, um als erster Redner den Dank der Gäste und deren Aner- l'nnung für die hervorragenden Leistungen der Veranstalter und Plussteller, auszusprechen. Am Vormittage, so führte der uleoner aus, sei die Hoffnung ausgesprochen rvordcn, oah das oeutiche Gasthaus die Welt erobern möge. Diese friedliche Er- ovcrung habe sich, so nveinte Geheimerat Dr. Breidert, seiner ^rsührung nach bereits im wesentlichen vollzogen. Das deutsche ,^Muus gelte int Auslande bereits fast allenthalben für vor- „lü^.und wende zumeist in feinen vorzüglichen Einrichtungen uacygeahmt. Diese Ausstellung aber gebe nach dieser Richtung W gewiß vielfache ernsthafte und gute Anregungen. Die freie Spaltung des Gastwirtegewerbes in Hessen, ihr erfreuliches Er- omhcn und Erstarken, ihre vorbildliche Höhe sei nicht zum Wenigsten dem namentlich in allen Dingen des modernen Kul- lurgcichmackcs die Wege weisenden Laitdessürsten, S. K. H. dem sr/Ohyerzog, zu danken, der die Entwickelung allen wirtschast-
<e“cng im Lande zu förderii sich angelegen sein läßt. vX .öoni Redner ausgebrachte Hoch auf Großherzog Ernst -^uoimg wurde mit Begeisterung ausgenommen. Die Musik, die
Deutsches Reich.
Haag, 29. MÄtz. Die Verhandlungen über die Nordsee-Entente sind dem Abschluss« nahe. Es handelt sick> bei den Vertragsmächten (Deutschland, England, Holland, Dänemark und Frankreich) nur noch um den Gültigkeitster- min. Die Entente wird in der Form einer Kollektiverklärung der füllf Mächte abgeschlossen werden. Ein Zusammenhang ß'chen der Nordsee- und der Ostsee-Entente wird nicht be-
n.
Newhork, 26. März. (Auf dem deutsch»-atl. Kabel.) Auf dem Madison Square kam es zu einem Zusammenstoß zwischen 150 berittenen Polizisten und 10000 Männern und Frauen, die an einer Demonstration der Arbeitslosen teilnehmen wollten. Viele in der Menge trugen anarchistische Banner und rote Hüte. Ms die Polizei änrückte, -stimmten einige Frauen die Marseillaise an. Die Menge sand mit. Als die Polizei den Platz säuberte, warf einer der Demonstranten, ein gewisser Selig Silverstein, eine Bombe, durch deren Explosion zwei Personen getötet und mehrere verletzt wurden. Silverstein selbst wurde eine Hand und ein Bein vorn Körper abgerissen; er wurde sterbend in ein Hospital gebracht. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor.
— Scharfe Maßregeln werden gegen Venezuela geplant: Ex- , portzölle auf amerikanische Waren, sowie Schließung der amerst- I kanischen Häfen gegen Venezuela.
Caracas, 28. März. Die vor einigen Tagen auf dem Postamt von La Guayra erfolgte Aufindungdreierfürden amerikanischen Kreuzer „Tacona" bestimmten Pvstsäcke hatte dem amerikanischen Gesandten Veranlassung gegeben, die venezolanische Regierung um Aufklärung zu ersuchen, woraus letztere geantwortet hatte, daß hier ein Versehen des Postamtes voÄiege, das die Briefsäcke für gelvöhnlichc Poststückc gehalten habe. Die jetzr erfolgte Rückkehr des Kreuzers „Tacona" nad) La Guayra hatte frier, in Caracas, große Aufregung hervorgerufen. Das inspirierte Blatt „Constitiicional" bringt einen Artikel, worin cs heißt, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen, die Flagge der Eroberung in Südamerika zu entfaHtcn.
ÄusLÄirH.
Berlin, 29. März. Reichskanzler Fürst Bülow ist heute um 7 Uhr 37 Min. in Wien eiiigetröffcn. Er stattete Vormittags VAuck-e bei dem Minister üeL Aeußern, Freiherr» von A e h r e n t h a l, sowie anderen offiziellen Persönlichkeiten ab und nahm um 1 Uhr an einem intimen Frühstück aus der deutschen Botschaft teil. Zu der Meldung über eine in nächster Zeil geplante Reise des Fürsten Bülow nach Italien erfährt der Lokal-Anzeiger an zuständiger Stelle, daß die Fahrt für den Beginn der Reichstagsferien in der ersten Hälfte des April vorgesehen ist und in erster Linie einen Gegenbesuch bei den beiden italienischen Staatsmännern Tittoni und Giolitti in Rom, die bekanntlich den Kanzler in Homburg und Baden-Baden besuchten, gelten wird. Es ist möglich, daß Fürst von Bulow nachher noch einige Tage auf italienischem Boden verweilen und eventuell Venedig oder auch die oberitalienischen Seen besuchen wird.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffenb die Zahlung der B e a m t c n b e s o l d u n g und eines Gnadeii- viertcljahres.
Stuttgart, 28. Mäa^. Der württembergische industrielle Verband hat zu der Frage der Telephon -und Portoverteuerung folgende Erklärung beschlossen: In Anbetracht der Tatsache, daß die ganze wirtschaftliche Gesetzgebung der letzten Jahre eine fast fortgesetzte einseitige B e l a st u n g der de n t s che n I n du st r i e u nd H a n ü e ls Lr e i se war und diese Tendenz auch der zurzeit in Vorbereitung stehenden Fernsprech- gebührmveform ofscnlündig enthalten ist, richtete der Verband an die württtmbevgijche Regierung das dringende Ersuchen, dieser Reform der Fernsprechgebühren keinesfalls zuzu- stimmen.
leider wegen der RaumVerhältnisse im Garten des Hotels sich aufhalten mußte, spielte „Heil dir im Siegerkranz".
Der zweite Redner war Oberbürgermeister M e c u m. Er sprach seine besondere Freude darüber aus, daß die Ausstellung durch Gießener Geschäfte eine wesentliche Förderung erfahren habe; was diese als Aussteller böten, gehe weit über seine nicht geringen Hoffnungen hinaus. AVer auch die auswärtigen Aussteller böten mindestens ebenso Gutes, wenn nicht Besser:». Er gedachte dann der mül)cvollen und hervorragenden Leistungen dcv Leiter der Ausstellung und der keineswegs besonders dankbaren Aufgabe der Preisrichter. Zu diesem Amte hätten sich erweillichcrrvehe anerkannt tüchtige Fachmänner, zum Teil von auswärts, bereit gefunden, bereit glanzvolle Namen der Ausstellung das wiichamie Relief gäben und die Gewähr dafür, daß jedem Aussteller Gerechtigkeit bei ber Bewertung seiner Darbietungen zuteil werde. Sein Hoch galt den auswärtigen Gästen.
Als dritter Redner erhob sich Herr Jaskowsky: Die aus dem iDbunbc des ersten, Beamten der Provinz wie der Stadt den Veranstaltern sowie den AusMlern soeben zutcii gcitrorbvne Anerkennung erfülle gewiß alle B-etailigtcn mit Stolz. Die einst vom Gastwttcksgewerbe eingenommene tiefe Stufe der Leistungsfähigkeit sei längst verlassen. Durch tatkräftige Arbeit und nimmermüden Fleiß habe eS seine jetzige Höbe und Blüte erreicht, und es beeifere sich, wie die Ausstellung ja zeige, zu immer besseren Leistungen zu gelangen. Stolz sei der deutsche Gastwirt auf den guten Ruf, den er fast in der ganzen Welt heute besitze. Sein Emporblühen habe der Stand in erster Linie seiner ausgezeiämeten Organisation zu verdanken und insonderheit dem Bunde deutscher Gastwirte. An das auf diesen Bund ausgebrachte Hoch stimmten die Versammelten allesamt sreudig ein.
Der im Anschluß daran von Direktor Reinemer in Darmstadt gemachte Vorschlag, dem Vorsitzenden des Bundes, Steyer in Berlin, zu dessen 60. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm zu senden, fand die Billigung der Anwesenden.
Oberstaatsanwalt Theobald trat dann nicht als ösfcnt- licher Ankläger, sondern als Beistand der öffentlichen Rechte, dcs Ansehens, der Ehrenhaftigkeit und Tüchtigkeit des Gast- Wirtegewerbes, als Loopreifer von deren Leistungen auf. Er rühmte in warmen Worten aufrichtiger Herzlichkeit die Haupt- Dcranftcltcr der Ausstellung und des gcschchtSführenden Ausschusses und vor allen anderen Herrn JaSkvwsky, dessen hervorragendem Organisationstalent, dessen unermüdliche Ausdauer und _ regem Fleiste, dessen ungewöhnlicher fachmämnschcr Tüchtigkeit das schöne Wert in erster Linie zu danken sei. Ihm, würde, wenn es anginge, dach Preisrichter kollegium, in dessen Namen er sprach, gewitz einstimmig den ersten Preis zu erkennen. Ihm gatt jein allseitig herzlich aufgenommenes Hoch.
Direktor Neinemer aus Darmstadt sprach seine Freude aus über das vvatreffliche und müsterhaste Einvernehmen ziuischen dem Gastwrrtegewcrbe und dm Behörden des hessischen Staates wie der Stade Gieren, pries verschiedene staatliche und städtische Einrick/tungen und Vorschriften zugunsten dieses Gewerbes unb meinte u. a. in seiner munter drasttschm Art, daß cs leichter sei, zum Großherzog in Darmstadt zu gelangen, wie zu den Direktoren der großen Mienbrauereieu. (Große Heiterkeit.) Tie Minister wie alle übrigen Beamten hätten stets ein offenes Ohr für die Vorstellungen der Gewerbetreibenden und seien stets gern bereit, deren Wünsche nach Mögllchttic zu erfüllen. Er brachte fein Hoch aus auf die Fortdauer dieses vorbildlichen Verhältnisses.
Hotelier C. Weißmüller aus Mainz toastete dann noch auf die fleißigen und tückstigen Gießener Köche, und der greife Redakteur Windecker aus Darmstadt, der Leiter des VerbandK- organs, fand zum Schlüsse viele gute Worte für den Mitttst- stand. Er beanspruchte einen bescheidenen Teil der Anorkennung für die Fachpresse wie für die Preise überhaupt, deren uneigennützigem Eintreten für allen For-schrktt, für alle pefreienden und zweckdienlichen staatlichen unb gewerblichen Maßnahmen, deren wackerer und energischer Bekämpfung aller hemmenden unb überstürzenden Ideen auch die gegenwärtige Blüte des Gast-- wirtcgewerbes nrit zu verdankm sei.
Schon nm Samstag" vormittag hatten die P r e i S r i ch t c r ihre mühsame, durch einige Lücken urtb Unfertig Seiten des Katalogs noch erschtverte Tätigkeit (es sind z. B. einige Firmen als Aussteller genannt, die sich gar nicht an der Ausstellung beteiligt haben, und andererseits hiesige Aussteller nicht namhaft gemacht) begonnen und fetzten sie entweder nach dem Essen, oder am Spnntag vormittag fort. Sie hatten in ihrer Sitzung am Samstag früh noch vor Eröffnung der Ausstellung sich in acht Gruppen geteilt, deren jede ihren Obmann erhielt. Am Sonntag nachmittag stellten sie in gemeinsamer Sitzung die Preislisten zusammen. Heute nachmittag hatten sie wiederum eine Sitzung ab.
lieber die Prcisverteilung sowie über Einzelheiten der Ausstellung wird morgen berichtet werden.
Aus SrcrSL rnrö Land.
Gießen, 30. März 1908.
Das GroßherzoqSpaar wird sich übermorgen zum Besuch der Zarenfamilie nach Diußland begeben und sich mehrere Wochen dort aufhalten. Auch ein Besuch von Moskau ist in Aussicht genommen.
* * Auf dem Bahnhof herrschte gestern nacht (Sonntag abend) ein sehr lebhaftes militärisches Treiben. 350 Landwehrleute, die auf dem Truppenübungsplatz Wann im Rheinland zu einer lltägigcn Hebung bei der Festungs-Fußartillerie eingczogen waren, kehrten über die hiesige Station nach ihrer Heimat im sächsischen Vogtland nnd nach Leipzig zurück. Da die erforderlichen Wagen nicht gleich znr Stelle waren, so weilten die Landwehrleute von fr dis ^/z 12 Uhr im hiesigen Bahnhof.
* * Verdi ngungS wesen im Handwerk. Der 2. Hessische Handweikertag in Gießen hatte beschlossen, daß zur Erledigung der Anträge über das Verdingungswesen eine mündliche Verhandlung und Aussprache vor der Ministeriai- Abteilung für Bauwesen demnächst stattfinden solle, bei der auch Vertreter der einzelnen Gewerbe zugezogen werden möchten. Diese Verhandlungen konnten bisher infolge Ar- beitsüberhäufung nicht stattfinden, werden aber nunmehr im Laufe dcs Monats April abgehaltcn werden, nachdem die Vauabteilung ihr Einverständnis mit diesem Beschluß bekundet hat. Es werden dazu Vertrauensmänner aus allen in Frage kommenden Handwertszweigen eingeladen werden. Anträge und Wunsche, die bei den Verhandlungen zur Beratung kommen sollen, können dec Handwerkskammer zu Darmstadt noch unterbreitet werden.
" An dem Bahn bau Lich-Grün berg wird nun an mehreren Stellen eifrig gearbeitet, fo bei Lich, Diieber* Bessingen, Münster, Obcr-Beisingcn unb Kolbcnmühle. Bei' Münster muß an der SleineSmühle ein mächtiger Basalt- rücken durchschnitten werden, um vom Wetteclal ins Tal deS Eschersbaches zu gelangen. Tie gewonnenen Basaltmaffen sollen zur Herstellung des Oberbaues der Strecke bienen. Der Einschnitt wird 13 Pieter lief und über 100 Meter lang. Eine Klopfmaschine ist bereits in Tätigkeit und eme zweite trifft demnächst ein. Die Gememde Münster erhält an der Staalsficaße Lich-Laubach einen größeren Bahnhof, da man von dec Inbetriebsetzung des Braunkohlenberg- iverks Hesse n b rü cf e r Ham mer einen bedeutenden Fcachtoerkehc erwartet. Auch will die Firma Lenz u. Co. die Basalllager an der nahen Steinesmühlc ausbenten. Aon Obcc-Bessingen bis Rteder-Bessigen ist zum großen Teil der Unterbau der Strecke hecgeslcllt. Am weiteilen zurück sind die Arbeiten noch zwischen Oueckborn und Grünbecg, da man sich erst jetzt über die Emsühcnng in den Staatsbahnhof Grünbecg einigen tonnte, Die Vollendung und Eröffnung der Bahnstrecke ift nicht vor den 1. April 1909 zu erwarten.
* * Vom Büdingec Bankkrach. Em neues Opfer Hal dec Büdingec Bankkrach gesordet. Durch das Drängen einer Firma, die mit mehreren hunderttausend Diack in Verlust gekommen ist, hat der Pächter Emmerich auf dem Oberfee n e r h o f sich gezwungen gesehen, seine Zahlungen einzustellen. Die Schuldenlast soll 70000 Dik. betragen, denen nur geringe Aktive gegenübecstehen. Da gesetzmäßig fast das gesamte Inventar der gräflichen Herrschaft für das rückständige Pachtgeld haftet, so durfte für bie Gläubiger wenig übrig und nur eine geringe Konlucsbwideiide zu erwarten fein. — Der Bankkrach hat auch in Gelnhausen ein Opfer gefordert, iubeni durch die betrügerischen Dianipulationen dcö Bankiers Hofrat r/iothschild in Büdingen der hiesige Pferdehändler Salomon Strauß derart geschädigt wurde, baß er sich gezwungen sah, seine Zahlungen einzustellen. Gestern wurde über sein Vermögen das Kvntnrsoerfahren eingcleitet. In dem Konkursversahren über das Vermögen des Vor-, schuß- und K r e d i t v e r e i n s O b e r - At o ck st a b t, e. G. M. u. H., fand am Freitag hier bie erste Glaubigerversamm- lung statt, die im Kraftscycn Saale abgehalten mürbe, ba etwa 500 Personen anivesenb waren. Nach dem Bericht des Ktzn- kursvcrmatters hat zum Zusammenbruche der Kasse die Gepflogenheit, an kreditunfähige Leute Darlehen zu gewähren, bcigetragen. Zur Deckung augenbiicklicher Geldbeourfnisse kam man dann auch an den Bankier Rothschild unb burch bieten, zu anderen verhängnisvollen Geschäftsverbindungen. (Sine lieber» sicht (über dem Stand der Berbindlicht'eiten tarnt man noch nicht gewinnen, da in letzter Zett die Eintragungen in das Hauptbuch mmigckhast luareu. Aus das Vermögen der früheren Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder lvurde Arrest gelegt. Der bisherige Konkursverwalter ptechtsanwalt Sandmann-Hungen mucke beidehalten, der Gläubigerausschuß verstärkt. Von größeren Foroermtgen an den Verein find eingelaufen eine Forderung über 300 000 Mk. von der Firma Kaufmann Söhne in Schotten.
*" Zur Verhaftung des Notars Linck in Dieburg steht nunmehr fest, baß Liuck schon im vorigen Fahre für die Gemeinde Dieburg 1200 Mk. von der Sparkasse Seligenstadt eingenommen hat, bie bisher nicht abgeltefert wurden. Auch zahlreiche kleine Leute hat er geschäbigtt Man nimmt es den verantwortlichen Stellen übel, daß sie Linck, von dem man wissen mußte, daß ec in Nidda schon verschuldet war, den Veclcauensposlen eines Notars übertrug. Auch bas Amtsgericht in Dieburg hatte schon vor einiget Zeit Gelegenheit zum Einschreiten gehabt. Auch ber Vater Der verschwendungssüchtigen Frau geb. Eruiuß in Friedberg soll wegen Unregelmäßigkeiten ber dortigen Sparkasse bestraft worden sein. Am 27. März vorm. 8 Uhr ist der ZkonkurS über das Vermögen des Linck eröffnet worden. Rechts^ anwalt Lüft in Dieburg ist zum Konkursverwalter ernannt worden. Forderungen sind bis 1. Mai anzumelden, am 11. Mai ist der erste Prüfungstermin.
O Langsdorf, 29. März. Am 30. März feiern bis Eheleute Ioh. Lender und Frau Rllnna, geb. Schmalz, im Streife ihrer 6 Kinder und 13 Enkelkinder bas Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich in: Alter von 78 und 71 Jahren noch völliger Gesundheit. Möge eS ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre im Kreise ihrer Angehörigen verleben zu können.
? Vi11ingen, 29. März. Hier ereignete sich gestern abcnd ein bedauerlicher Unglücksfall. Der in öen 20 er Jahren stehende Sohn des Fiihruntecnehmers Bender erhielt vvn einem Pferd einen so wuchtigen Schlag vor den Unterleib, daß er schwere Verletzungen batrontrug und heute morgen in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte.
Rödgen Ztr. Friedberg), 29. Diärz. Der Seigeorbncti Georg Hensel 3 lourbe auf fein Nachsuchen von Wahrnehmung der Bnrgermeistcrgeschäftc in 9iöDgen entbunden und mit Genehinigung des Ministeriums de3 Innern als Großh. Lokalpolizeibeamtcr für Gemeinde und Gemarkung Rödgen bestellt und verpflichtet. Gemeinderatsmitgkled Tcufchel zu Rödgen wurde mit Genehmigung des Ministeriums big auf weiteres zur Wahrnehmung dec Bürgermeistereigefchäfte zu Rödgen mit Ausnahme dec Lokalpolizei als Bürger- mciftcrDcrtieter ermächtigt und verpflichtet.
x Friedberg-F au erb ach, 29. März. Einen schönen Volks nut ech a Itung§a ben d veranstaltete heute abend im Stadtteil Fauerbach der Krieger- und Militär- vecem. Auch der Turnverein unb der Gesangverein nahmen an der Feier teil. Ein Verbandsredner des Hassia-Krieger- bundcs hatte sich auf Einladung des Vereins emgefunben und hielt einen Vortrag über das Thema: „Unsere Kolonien unb die Kämpfe in Südwestafrika". Der Vortrag wurde vecauschaulicht durch eine Karte von Afrika und zahlreiche Bilder von Land und Leuten, die bei den Anwesenden zirkulierten. Der Gesangveccin Eintracht sang unter Leitung des Vorsitzenden Stadlv. Bopp mehrere Dtännerchöre. Dis


