Itd) tragen diese Zeilen zur Aufklärung der Interessenten bei. Ganz besonders seien die behandelnden Aerzte auf diese Einrichtung aufmerksam gemacht. Bezügliche Gesuche sind an die Landesversicherungsanstalt einzureichen. Aber auch andere minderbemittelte, von der Invalidenversicherung nicht berührte Personen, die etwa auf eigene Kosten oder auf Kosten eines öffentlichen Verbundes oder Stiftung Ausnahme in ein Jn- validenheim wünschen, werden anstandslos ausgenommen. Solchen Personen können aus Mitteln des Heil statten- Vereins für das Grobherzogtum Hessen zu Darmstadt Zuschüsse gewährt werden. Gesuche sind an diesen zu richten.
• • Eisenbahn- und Verkehrsversammlung zu Nidda. Die vom Abg. Köhler-LangSdorf geplante Eisenbahn- und V erke hrs v er samm tun g, die zu Weihnachten von ihm nach Nidda einberufen werden sollte, fällt vorerst noch aus, weil der Abg. Erb zu Nidda diese Köhlersche Versammlung als einen Einbruch in sein Gebiet ansieht, und er besonders den Anschluß des letzten ZugeS von Gießen nach Nidda für unnötig hält
- Urlaub. Geheimerat Dr. Breidert hat gestern einen vierwöchentlichen Urlaub angetreten. Die Leitung der Geschäfte der Großh. Pcoomzialdirektton Oberhessen und des Großh. KreiSamts Gießen hat Regierungsrat Weicker übernommen.
-Stadttheater. Es wird darauf hingewiesen, daß zur Bequemlichkeit des Publikums die Billetts für sämtliche Feiertagsvorstellungen schon von morgen, Donnerstag, ab auSgegeben werden. Einen besonders abwechslungsreichen Spielplan hat unsere Bühne für die Feiertage aufgestellt. Am Freitag den 25. Dezember gelangt abends Ludwig FuldaS »Talisman" zur Aufführung. Die prächtigen Dekorationen des neuen Hauses, die für den »Talisman" durch Neuanschaffungen ergänzt ivurden, werden bei diesem Stück, daS ja südliche Farbenpracht bedingt, besonder? zur Geltung kommen. Ter zweite Feiertag bringt den neuen Schwank von Blumenthal und Kadelburg „Die Tür ins Freie". Das überaus lustige Stück hat sich als erfolgreichste Arbeit der beiden Autoren seit dem »Weißen Roßl" erwiesen und auch hier bei der Erstaufführung einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg errungen. Besonderes Interesse dürfte die Abendvorstellung des dritten Feiertags auch auswärts erwecken, da das bekannte und beliebte Ballett »Pupp en fee" zur Aufführung gelangt. Die glänzende neue Ausstattung mit Dekorationen, Kostümen, Beleuchtungseffekten usw., sowie die wohl vorbereitete, exakte Mitwirkung von etwa 70 Personen hat dem Werke jüngst zu einem außerordentlichen Erfolge verhalfen, so daß es als eine Sehenswürdigkeit bezeichnet werden darf. Am zweiten und dritten Feiertag nachmittags findet jeweils eine Aufführung des allerliebsten Kindermärchens »GoldHärchen" zu Volkspreisen statt.
• * Kunstverein. Bei der in Darmstadt kürzlich vorgenommenen Verlosung sind folgende Gewinne auf dem hiesigen Kunstverein angehörenden Mitglieder gefallen:
4. Anrechtscheine: 500
Mk. an
Aktie
Nr.
1335,
400
r •
r
tr
829,
250
• H
V
»
1021,
150
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if
1041,
150
W H
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1085,
100
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773,
100
• V
II
V
895,
50
V V
R
11
810,
50
1» V
V
830,
b. sonstige Kunstgegenstände an die Akt. Nr. 824 — 855 — 1037 — 1061 — 1334. Als Aktien-Nummer gilt die aus der Mitgliedskarte angeführte. Das Ergebnis der Verlosung wird den gewinnenden Mitgliedern durch Zuschrift mit den näheren Bestimmungen bekannt gegeben, woraus in der Ausstellung im Turmhaus das weitere zu erfahren ist. — Der gegenwärtig schon reichhaltigen Ausstellung wurde heute eine weitere hervorragende Kollektion Farbenholzschnitte des bekannten Graphikers Daniel Staschus-München eingereiht. Staschus gilt als einer der hervorragendsten Künstler auf diesem Gebiete und seine Arbeiten sind fast von allen staatlichen Sammlungen als Musterbeispiele angekauft, weshalb auf die Kollektion ganz besonders hlngewiesen sei.
** Die im Kaiser-Panorama diese Woche ausgestellte Serie führt den Besucher nach Savoyen zu einer Besteigung des Montblanc. Es ist eine hochinteressante Tour, die den Beschauer mit den hohen, schneebedeckten, wildromantischen Gebirgen und Gletschern bekannt macht. Oben auf dem Gipfel des Moutlanc erblickt man die ewigen Schneeregionen und Schneefelder in seltener Schönheit. Zu erwähnen sind ferner die Gipfel des Midi, des Dru und die Gletscherszenerien dieser Gebirgsriesen, sowie die reizend gelegenen Orte Annecy und Argentiere und deren Schluchten und Grotten. Der Besuch dieser Serie ist wirklich lohnend und jedem zu empfehlen.
** Der Gcrnhard'schc Zither- und Mandolinen chor hielt am Sonntag im Saale des Hotel „Einhorn" bei guter Beteiligung seine Weihnachtsfeier ab. Ter Chor verfügt über eine große Zahl guter Kräfte, die unter Leitung ihres Dirigenten, Musiklehrer Gernhardt, sich ihrer Aufgabe gewachsen zeigten. Wer die Schwierigkeiten der Einstudierung bei einer derartigen Jnstrmnentenbesetzung (Zither, Violine, Biolin- eello, Mandoline und Flöte) kennt, der wird über das exakte Zusammenspiel und die saubere Vortragsweise nur ein günstiges Urteil fällen können. Das zeigte auch der große Beifall, der nach jedem einzelnen Vortrag gespendet wurde, so daß sich der Chor zu verschiedenen Zugaben eMschließen mußte.
*w Arbeitslosigkeit und Sparsamkeit. Gegenüber den vielen Klagen über Arbeitslosigkeit war es beider gegenwärtigen milden Witterung eine Freude, zu sehen, wie reichlich Arbeiten bei Bauten, Arbeiten an Eisenbahnen den Arbeitswilligen geboten und auch angenommen wurde. Dagegen macht eS einen sehr niederschlagenden Eindruck, wenn man sieht, wie Manche, besonders Jugendliche, am Ablöhnungs- tage ihren Lohn in unmäßiger Weise vergeuden, weil sie eben mit Geld nicht uinzugehen wiffen und, da sie selbständig verdienen, von der Zucht der Eltern sich emanzipieren. Das Wort »Spare in der Zeit, so hast du in der Not" ist leider Vielen etwas Unbekanntes. Berichtet doch eine Zeitung aus Nidda, daß dort in einem Restaurant ein Mann in sechs Stunden 50 Glas Bier trank, um eine Wette von 20 Mark zu gewinnen und dazu das Bier noch bezahlt zu bekommen. Und die die Wette verloren, hatten doch selbst das Geld sehr nötig für sich gehabt.
* * Trottoirreinrgung. Ter Verein der Hausbesitzer hat bezüglich der Trottoirreinigung eine Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet, mit dem Ersuchen, die Stadt möge auch die Trottoirs von Schnee und Eis auf ihre Kosten reinigen lassen, wie dies in anderen Stödten schon eingeführt ist. Es wäre zu wünschen, daß diesem Ansinnen von der Stadtverordnetenversammlung Folge gegeben würde, da gerade diese Reinigung für viele Hausbesitzer sehr beschwerlich ist.
* * Nette Früchtchen. Zwei 16 jährige Burschen, die erst kürzlich wegen schweren Diebstahls zu je 3 Wochen verurteilt worden sind, denen aber bedingter Strafaufschub gewährt war, brachten gestern abend einen Tannenbaum nach einem Hause der Kaiser-Allee. Hierbei entwendeten sie aus dem Keller zwei Elemente von der elektrischen Leitung und verschwanden damit. Als sie bemerkten, daß man ihnen auf der Spur war, trugen sie die Elemente wieder in den betr. Hof und stellten sie dort nieder.
* * Polizeihund. In der Nacht vom 21. auf 22. l. MtS. war in Bleichenbach ein Brand auSgebrochen, der eine Dreschmaschinenhalle nebst den darin befindlichen Maschinen einäscherte. Die Halle stand vor dem Dorfe und es lag Brandstiftung vor. Gestern begab sich der Oberstaatsanwalt mit dem Gericht an den Tatort und zog den Schutzmann Seitz mit seinem Polizeihund zu. Der Hund funktionierte vorzüglich, er nahm sofort am Tatort die Spur des Täters auf und verfolgte sie bis in die Wohnung des im Verdacht stehenden Täters, der dann auch verhaftet wurde.
2\ Sa ubringen, 22. Dez. Gestern abend gegen 9 Uhr geriet die Hofreite des Konsumhalters Karl Rudolf auf ungeklärte Weise in Brand. Es ist baS erstemal, daß unsere Wafferleitiing bei einem Brand in Betrieb gesetzt wurde. Sie arbeitete auch tadellos, aber eS mangelte an Schläuchen. Der Wasserleitung ist es zu verdanken, daß das Feuer nicht weiter um sich greifen konnte. Der Schaden ist bedeutend. Der Maurermeister Hilberg stürzte von der Leiter, man befürchtet, daß er einen Schaden davon getragen hat. Das Vieh konnte noch gerettet werden. Der Lagerraum ist gänzlich zerstört.
- ft Albach, 22. Dez. Unser Bürgermeister Balser feierte am Samstag bei voller körperlicher Frische sein 25jä h riges Dienstjubiläum. Vormittags erschien Kreisamtmann Regierungsrat Tr. 'Dlerd von Gießen und übermittelte dem Jubilar in Gegenwart des Gemeinderats die Glückwünsche des Kreisamts und eine von S. K. H. dem Großherzog verliehene Auszeichnung. Am Abend brachten die beiden hiesigen Gesangvereine dem Gefeierten ein wohlgelungenes Ständchen, wobei der Bürgermeister in tief bewegten Worten für die vielfachen Ehrungen dankte. Ein geselliges Beisammensein, woran sich das ganze Dorf beteiligte, beschloß die seltene Feier.
d. Groß-Karben, 21. Dez. Trotz der Festnahme der Hühnerdiebe sowie des Hehlers in Offenbach sind immer wieder verschiedene Geflügeldiebstähle in unserer Gegend zu verzeichnen. So wurden in der Nacht auf Sonntag an unserer Station bei Restaurateur Krug vier junge rebhuhnfarbige Italiener Hühner nebst einem Hahn, sowie zwei schwarze Mmorkahennen von hohem Zuchtwert gestohlen. Dreißig weitere Hühner wurden von den Dieben zurückgelaffen, man nimmt an, daß dieselben bei der Tat gestört wurden.
1. Ober-Mörlen, 21. Dez. Die Spitzbuben werden mit jedem Tage frecher, fast scheint es, als ob sie von dem benachbarten Frankfurt herüber kämen, um in unserer Gegend Gastrollen zu geben. In der Nacht auf Sonntag wurde bei einem hiesigen Landwirt eingebrochen und in Abwesenheit des Besitzers 3 00 Mark gestohlen. Von dem Täter hat man bisher noch feine Spur.
-u- Rockenberg, 22. Dez. Als gestern vormittag der Ober-Wachtmeister Held von Friedberg durch den Rockenberger Wald ritt, bemerkte er eine Zigeuner bände, die ein größeres Feuer unterhielt, dort lagern. Als er auf sie zukam, floh der größere Teil der Bande nach Södel zu, während drei jüngere Mitglieder der Bande die entgegengesetzte Richtung einschlugen. Die sofort verständigte Rocken- berget Gendarmerie nebst Polizeidiener stellte fest, daß die Bande es sich schon tagelang in dem Walde bequem gemacht und als Heizungsmatenal zirka 300 junge Eichen verwandt halte. In Melbach wurden dann auch sämtliche Mitglieder, bis auf die oben erwähnten drei, erwischt und dem Amtsgericht Friedberg vorgeführt. Gestern abend wurden sie dem zuständigen Amtsgericht Butzbach durch Gendarmerie verbracht.
mBruchenbrüken, 22. Dez. Als gestern nacht gegen 12 Uhr der Landwirt Richard Best nach Hause kam, hörte er, daß tm Kuhslall noch ziemlich Unruhe herrschte. Er weckte einen seiner Knechte, und drang mit ihm in den Stall ein, wo sich ihm eine Ueberraschung darbot, wie er sie noch nicht erlebt hatte. Ein wildfremder Mensch war im Begriff, sich nach § 175 zu vergehen, während allem Anschein nach mit einem anderen Tier dasselbe schon vorgegangen war. Kurz entschlossen faßten beide den Unmenschen, verabfolgten ihm eine gehörige Tracht Prügel und wiesen ihn hinaus. Als heute morgen Herr Beit nach Friedberg fuhr, sah er beim Aussteigen den Attentäter gerade vor dem Bahnhof Vorbeigehen, worauf er seine Verhaftung bewirkte.
X. Nidda, 21. Dez. Gestern abend fand in der Kleinkinderschule die Weihnachtsbescherung mit Gesang, Deklamation und Ansprache statt. Der Vorsitzende des Vorstandes, Pfarrer Werner, gab dem Gefühl des Dankes Aiitzdruck gegen Gott, daß, nachdem im vorigen Jahr wegen Erkrankung vieler Kinder die Feier hatte ausfallen müssen, in diesem Jahr zum ersten Mal im eigenea Heim die Bescherung stattsinden konnte; ferner deS Dankes gegen Alle, welche geholfen hatten, den (nahezu 70) Kindern eine freudige Weihnacht zu machen und ermahnte, die Kinder zu rechten Ehristenkindern zu erziehen.
h. Mainz, 22. Dez. Heute früh ivurde der Theater- Sekretär Denk er , dessen Fran und sein 14 jähriger S oh n m ihrer Wohnung bewußtlos in den Betten aufgefunden. Es ivird angenommen, daß KohlenoxydgaS au5 dem Ofen nachts strömte und dies die Ursache des Unfalles gewesen ist. Es gelang, alle drei Personen ins Leben zurückzurufen.
sj Marburg, 22. Dez. In der heute abgehaltene» Ltadtverordnetensitzung wurde beschlossen, den städtischen Vieh Marktplatz, auf dem im nächsten Jahre daS hessische Gauturnfest abgehalten werden soll, zu vergrößern und die Errichtung einer städtischen Festhalle in Aussicht zu nehmen. Da im nächsten Jahre hier noch mehr Veran- ftaltungen sind, wäre es zu empfehlen, daß der Termin des GautiirnfesteS baldigst feftgelegt würde.
W Frankfurt a. M., 22. Dez. In der heutigen Stadt- verordnetensitzung teilte der Magistrat mit, daß er als Nachfolger des Prof. Lüthje den Pros. Dr. Schwenlen- b ad) er (Marburg) zum Leiter der inneren Abteilung des flöht. Krankenhauses ernannt habe, und daß der Leiter des Tieft bauamts, Stadtbaurat Kölle zum Juni 1909 aus dem ftäbtijdwn Dienst scheide. — Auf eine Anfrage, wie sich der Magistrat zur Veranstaltung einer Luftschifsahrts-Ausstellung in Frankfurt stelle, erwiderte Oberbürgermeister Dr. Mickes, die Zeitungsnachricht, der Magistrat habe eine solche Ausstellung abgelehnt, sei unrichtig. Der Magistrat bringe der Ausstellung das größte Interesse entgegen, aber sie müsse von der Bürgerschaft gemacht werden und es hairdle sich darum, ob es dem in der Bildung begriffenen Ausschüsse gelinge, die Geldmittel und Ar- bettskräfte für die Ausstellung aufzubringen.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 22. Dez. Zusammenbruch des Ober-Mockstädter Spar- und Kreditvereius. (Schluß.)
Der Vorsitzende hielt den Angeklagten Mickel und Harth noch vor: Es gehe aus den Schlußworten hervor, die sich bei den Akten befinden, daß sie Prioatspekulationen getrieben haben. Ter Angeklagte Klarenaar richtete noch eine Reihe von Fragen an Burk, die von diesem beantwortet wurden, richtig sei es, daß er von Rothschild mit Unwahrheiten bedient worden ist und er mußte annehmen, Rothschild sei solvent. Klarenaar stellte bann noch mehrere Beweisanträge. Insbesondere wollte er dem Gericht vorführen, ps fei bei den Anwälten üblich, daß sie Gelder ber Klienten auf eigenes Kvnto anlegen, wenn noch andere Sachen in der Schwebe sind. Auch wollte er nachweisen lassen, her Sachverständige habe bei der Berechnung nicht richtig verfahren, so benannte er einen Rechtsanwalt als Zeugen dafür, daß am Telephon Mißverständnisse vorkämen. Auch bot er Beweise für seine damalige Zahlungsfähigkett an und daß er in der Lage war, an verschiedenen Stellen Geld zu bekommen. Sämtliche Anträge wurden, teils als unerheblich, teils als bestritten und als wertlos abgelehnt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft verzichtete auf das Wort; auch die Verteidiger Mickels und Harths hatten wenig mehr vorzubringen. Nur Klarenaar suchte in längeren Ausführungen darzutun, daß er unschuldig sei. Er bestritt, die Lage Rothschilds und die der Obermockstädter Kasse gekannt zu haben. Der Inhalt der triefte, aus dem ihm der Strick gedreht werde, hat er nicht gekannt bzw. vergessen. Durch häusliche Verhältnis und Arbeitsüberlastung sei er nervös geworden. Er wäre stet- objektiv geblieben und hätte sich keinen Verteidiger genommen, dem die Einsicht der Akten hätte gewährt werden müssen und dadurch sei es gekommen, daß er nicht gewußt habe, was gegen ihn vorgebe. Er habe dies auch nicht nötig gehabt, da er sich keiner Schuld bewußt war.
Kurz nach Mittag erfolgte die Urteilsverkündung: Mickel unb Harth wurden wegen fortgesetzten Vergehens gegen § 146 des Genossejischastsgesetzes für schuldig erkannt, es trat aber nur Verurteilung ein wegen Gewährung des Giros auf die Wechsel Rothschilds und wegen Herausgabe der Urkunden, die einen Wert von 185 000 Mark hatten. Hinsichtlich der Bürgschaftsübernahme der Firma Kaufmann-Schotten in Höhe von 300 000 Mark, konnte keine Verurteilung erfolgen, da subjektiv das Verschulden nicht festgestellt war. Wenn auch nicht angenommen werden konnte, daß die Angeklagten sich von Anfang der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise bewußt waren, so mußte ihnen aber doch das Bewußtsein, daß eine Schädigung der Kasse eintreten könne, kommen, als die Wechsel in die Hunderttause,Ergingen und als sie die Blankoakzepte verabfolgten. Sie haben alles vor dem Kontrolleur und dem Aufsichtsrat verheinllicht und die Urkunden auf gilt Glück Rothschild überlassen. Es war auf eine allgemeine Täuschung des Kontrolleurs abgesehen, was sowohl aus der Korrespondenz, als auch aus den Angaben Mickels hervorgeht, der den Kontrolleur auf die Frage, was Rothschild so spät abends mit Klarenaar bei der Kasse zu tun hatte, gesagt hat: er habe die Hypotheken nur nachgesehen. Mickel hat gewußt, daß die Kasse um ihre Existenz kämpft und auch Klarenaav wußte dieses und daß dies auch bei Rothschild der Fall war. Es, geht dies insbesondere aus dem Briefwechsel hervor, wo omt Beschaffung der Gelder zur Erhaltung der Existeirz, von tiefernster Lage, Verzweiflung, sogar umt Selbstmord die Rede ist. Es bestand für das Gericht keinen Zweifel, daß Klarenaar mit Rothschild nach Gutdünken über das Vermögen der Kasse schalten und walten konnte. Als Anwalt mußte erwissen, daß er die Ausplünderung des Kassaschranks ohne legliche Aufzeichnungen nicht hätte vornehmen dürfen. Die verhängnisvolle Vollmacht hat er so gefaßt, daß der Kontrolleur, der sie unterschrieb, und bet Ortsgerichtsvorsteher, der die Beglaubigung vornahm, getäuscht wurde. Klarenaar mußte wissen, daß die andern Angeklagten untreu handeln und ist dieser halb der Beihilfe schuldig.
Wenn die beiden Betrugsfälle, bezüglich deren die Staatsanwaltschaft die Klage fallen ließ, auch recht bedenklich sind, so entschied das Gericht doch zu Gunsten des Angeklagten und ließ Freisprechung ergeben.
Zweifellos schuldig ist aber der Angeklagte in betr Fällen der Unterschlagung zum Nachteil der Wiesecker Kasse und der Frau Pitzer von Bottenhorn. In dem zuletzt genannten Fall will er das Geld dem Rothschild in Frankfurt tn einem Hotel zur verzinslichen Anlegung mit eigenem Geld übergeben haben. Nach der Aussage Rothschllds und oes Briefwechsels ist dies aber nicht richtig; selbst toctm er das Geld Rothschild zur verzinslichen Anlegung gegeben hätte, läge Untreue vor. Bezüglich Mickel und, Harth zog das Gericht die große Schädigung der Genossenschaftsmitglieder in Bettacht, andererseits berücksichtigt es aber auch den Umstand, daß sie die Verführten und früher immer treu und redlich mären. Immerhin mußte aber auch gezeigt werden, daß solche Mißwirtschaften strenge Ahndung verdienten. Mickel mußte als der erheblicher Beteiligte mit einer höheren Strafe bedacht werden, weshalb gegen ihn auf 1 Jahr erkannt wurde, während Harth mit 9 Monaten durchkam. Die Sttafe Klarenaars mürbe folgendermaßen zusammengesetzt: Fall Kasse Obermockstadt, 6 Monate Gefängnis; Fall Pitzer/ Bottenhorn 4 und Fall Kasse-Wieseck 2 Monate Gefängnis. Dieie Strafen wurden auf eine Gesamtstrafe von 9 Monaten reduziert.
Diebstahl tm Rückfall.
Im vorigen 9)2ouat kam der Gürtler B. K. aus Ruhla auf der Wanderschaft durch Lauterbach. Beim „Fechten „klaute"' der Kunde eine Hose. Da sie ihm zu eng war, verkaufe er sie für 60 Pfg. Er hat nicht weniger als 34 Vorstrafen und ist besonders in den letzten Jahren vielfach wegen Bettelns bestraft worden. Das Gericht bitiierte ihm wegen Diebstahls im Rückfall 6 Monate Gefängnis zu; wegen Bettelns mürbe er hi eine durch die erstandene Untersuchungshaft für vervM zu erachtende Haststtase von 14 Tagen genommen und schließlich erkannte das Gericht auf Ueberwesiung an die Landespolizeibe- hörde nach verbüßter Sttase, damit er auch mit dem Arbeitshaus Bekanntschaft machen kann.
Eia netter Broder aus dem Süden.
Ein Wirt aus 'Jioäenoerg |ano mied ttöenos nach Feierabend den i t a l i e n i i ch e n Bahnarbeiter P. C. aus Galliern hinter einer Türe stehend in feinem Hause vor. Er entwich durch ein Fenster und tue sofort herbei gerufene Gendarmerie sand ibn in feiner Wohnung vor, wo er sich in feinem Bette schlafend stellte. Nach anfänglichem Leugnen gcflaito er auf Vorzeigen feiner Schuhs die er in der W'irtsstuoc zurückgelaffen hatte, zu, dorr geweien zu sein; er will aber von der Frau des Wirtes zu einem ./Stoib' bidicin" bestellt ivorden feilt. Selbstverständlich war dies uiuvayr, lvaL die durchaus ehrbare Fran auch auf ihren Eid in Abreos


