Issue 
23/12/1908 Erstes Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Mittwoch 23. Dezember 1908

Erstes Blatt

158. Jahrgang

GietzemrAnzeiger

Vez«g»pret»r monatlich 7lrP1^ otert* jährlich Mk. 2.20; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk. 2.viertel- töbrL ausschl. Bestellg, ZeilenprerS; lokal ILPf^ auswärts 80 Plennig.

Perantwortlich für den politischen Teil, für .Feuilleton^ und

Rr. 302

Ter Lietzener flnjetget rfd)cuu täglich, aufeer LonnlagS. - Beilagen; viennal wöchentlich KlehenerZoniillenblätter, zweimal li'öchenll.Ureir- blatt für den Nreir Siehrn (Tienemg und Freitag) , zwennal monail Land- wirtschaftliche Seitsragea

sterrispre^ - Anschlüsse r

MZ General-Anzeiger für Oberhessen «ss

jül tu <an«umn,u« Nota«»nr^n,» und Verlag der BrOI)l|dien Unlv.-Vuch. en» Lleindrnuerei B. fangt. NedaMan, ärpcöition und vruckerel! Schniftratze r. viS vormittags 10 Uhr. 6 v

Die heutige Nummer Umsatz! 12 Seiten.

Der Sturz Castros.

Während Präsident Castro von Venezuela, der an einer Aerenciterung leiden soll, sich in Berlin in der Klinik des Prof. Israel behandeln läfrt, hat sich in Venezuela ein ge- wattiger Umschwung vollzogen, der es Castro wohl un­möglich machen wird, nach Venezuela zurückzukehren. Eine Inappe Meldung aus Port os Spain (Trinidad) gibt näm­lich an, daß Vizepräsident Gomez das bisherige, dem Präsi­denten Castro ergebene Kabinett entlassen und ein neues Ministerium berufen habe. Zu der Aenderung hat sich Gomez infolge des Umschwungs in der öffentlichen Moi- Aung gezwungen gesehen, die sich überall mit großer Hel­ligkeit gegen Castro erklärt. Telegramme aus Willemstad sagen, die Art, wie Gomez regiere, bedeute das Ende von Castros Herrschaft.

In einer Proklamation an das Volk schildert Gomez die Aufdeckung des gegen ihn gerichteten Komplottes und verspricht mit HUfe feines die öffentliche Meinung von kvenczuela repräsentierenden Kabinetts die Hochhaltung der in der Verfassung vorgesehenen Garantien und die fried­liche Beilegung der internationalen Streitig leiten. Der frühere Minister des Auswärtigen Paul soll auch schon »eaustragt sein, nach Europa zu reisen, um alle mit den -auSroärligen Mächten bestehenden Disserenzen beizulegen. Paul tritt die Reise am 24. Dezember an.

Die neue venezolanische Regierung hat ferner das De- -fcet Castro widerrufen, das die Umladung nach venezola- niifchen Häsen bestimmter Güter in Willemstad verbietet. Die Aufhebung dieser Maßregel kommt nach der in Willem­stad herrschenden Auffassung praktisch auf eine Bei- legung des holländisch-venezolanischen -Streites hinaus. Denn Holland erklärt in einem -soeben veröffentlichten Ge.bbu.che nach Zurücknahme des Dekrets zu ernstgemeinten Verhandlungen bereit zu sein.

Genauere Einzelheiten über den Sturz der Präsident- Ichaft Castros liegen zurzeit natürlich noch nicht vor. D^r Äechsel im Ministerium wird nicht eher bekannt gegeben, «üs bis (in die Hauptstadt aus dem Innern des Landes 2500, dem Vizepräsidenten Gomez ergebene, Truppen einge- rrosfen sind. Es herrscht zurzeit überall eine lebhafte Militärische Bewegung. Es werden Truppen ausgehoben ninb unter Aufbietung von großer Eile bewaffnet, da man .glaubt, daß es im Innern des Landes noch Anhänger Castros .gibt, die für ihn kämpfen werden.

Der Sturz Castros hat sich am Sonnabend vollendet, -nachdem ein Komplott gegen das Leben des Vizepräsidenten »Gomez vereitelt worden war. Zwischen Castro in Berlin mb seinem Agenten würben seit den Kundgebungen gegen iben Präsidenten am 13. und 14. Dezember geheime chiff­rierte Telegramme gewechselt. Ein bedeutender Rechtsan­walt erhob beim Bundesgericht gegen Castro die Beschul- bigung, an dem Attentatsversuch mitschuldig zu sein, und ,er schlägt vor, den Präsidenten in den Ankläge­rn st a n d zu versetzen.

Die Bank von Venezuela hat inzwischen durch Kabel- lelegramm an die mit ihr in Geschäftsverbindung stehenden Zanken den dem Präsidenten Castro bei seiner Abreise nach Europa eingeräumten unbeschränkten Kredit gesperrt. Die offizielle Proklamation des Vizepräsidenten Gomez zum 'tzräsidenten wird nun wohl in den nächsten Tagen erfolgen.

lieber die Verschwörung gegen Gomez, die anscheinend bie unmittelbare Veranlassung zum Sturze Castros ge­nesen ist, wird der Associated Preß aus Caracas gemeldet: Die Verschwörer hielten am Freitag in der Wohnung des Generalsekretärs des Castroschen Kabinetts, Garbiras Guz-

man, eine Versammlung ab. Die Verschwörer planten einen Staatsstreich und beschlossen, den Vizepräsidenten Gomez, den Minister des Auswärtigen Paul, den General Baptista und eine Reihe anderer hochstehender Persönlichkeiten zu ermorden und dann die Regierung zu übernehmen. Mit der Ausführung des Planes wurde Thomas CardenaS, der ehemalige Privatsekretär Castros und setzt Führer der Ver­schwörer, betraut. Gomez erfuhr von der Verschwörung, begab sich allein in die Kaserne eines meuternden Regi- mentes, das unter dem Kommando von Castros Bruder stand, verhaftete ihn und später den Thomas Cardenas. Die Verhaftung der übrigen Verschwörer erfolgte mit Hilfe von Freunden des Vizepräsidenten Gomez. Die Menge drückte ihre Genugtuung über die Wendung der Dinge aus.

politifd?e Lage»fchar».

Zur ReichSfinanzresorm hat gestern der Verband der HandelSlammern von West- preußen und Posen in einer Versammlung Stellung ge­nommen. Der Verband erklärte sich gegen das Brannt- wein-Rionopol des Reiches und sprach den Wunsch nach Abschaffung der Maischcaum- und der Materral-Vrau- steuer aus. Ferner wurde die Ablehnung der Tabaksteuer in der vorliegenden Form empfohlen und gegen die Steuer auf Gas und Elektrizität, sowie gegen die Anzeigen- und Rcklamesteuer, ebenso auch gegen die GesellschastSsteuer Pro­test erhoben. Dagegen hatte bie Versammlung gegen bie Weinsteuer keine Bedenken, sprach jeboch die Ansicht aus, baß ihre Erhebung burch Steuerzeichen nicht einwandfrei wäre.

Tie Ueberlegenheit der französischen Artillerie.

Tie fvan»ö|i|U,v ftuiiiuicr i/ut geiuai och RcgierungSvorsHlag, betr. Vermehrung der Artillerie mit 476 gegen 75 Stimmen an­genommen Lkwinettchef Clemenceau hatte eiLart, wenn der Ge- leventlvnrf der Negierung nicket angenommen ober wenn der Ver- cagungsant-ag des Abgeordneten Meessimi angenommen würde, )o würde die Regierung zurücktreten. Kriegsminister Picguart be­gründete in längerer Ansprache die ^Notwendigkeit, den Regierungs- antrag anzunehmen. Anker den Gründen, bie er angeben Ivnne, be­funden noch solche, die er nicht näher bezeichnete. Von der Or­ganisation der französisc^n Artillerie sprechend, erklärte er, bie Gesamtorganisation Frankreichs sei tatsachlichder deutschen überlegen. Frankreich besitze beispielsweise Versteck kungs-oat- terien, bie den Deutichcn fehlen. Die Zahl der französischen Ge- ichütze sei höher, ats bie der deutschen. Anderseits verfügen die iranzösischen Geschütze über 52 2 Schüsse gegen 8 60 bei Den deutschen Schnellfeuergejchützen. Diesen Ausführungen folgte lebhafter Beifall. Hoffentlich hat man an deutschen maß­gebenden Stellen oen Bericht über diese Debatte in der franzö- sischen Kammer gelesen.

Dentjchcs Ueich.

Der Besuch des englischen Lcvnigspaares. In Berlin ist an amtlicher Stelle von einer Aenderung in den Rei>e- plänen des englisa-cn Königspaares nichts bekannt geworben. König Eduard hat am 11. August in Kronberg dem Kauer ange- kündigt, daß er zu Anfang des Jahres 1900 mit der Königin nach Berlin yi kommen gebende. Seither ist eine Absage dieses mrgekündigten Besuches nicht erfolgt

Der Kohlenbedarf der Deutschen Marine sollte, wie jüngst oerrautete, diefesmal in England gedeckt werden. Diese Meldung bestätigt sich erfreulicherweise nicht. Dem Berliner Kor­respondenten derKöln. Ztg." wird an zuständiger Stelle be­stätigt, daß in den letzten Tagen der Aofchiuß der Lieferung des Kvhlenbebarss für die deutsche Marine aus ein Jahr vom 1. Januar ab nach längeren Verhandlungen, in deren Verlauf bie Ceutpten Kohlenlieferanten ihre ursprüngliche Forderung ermäßig­ten, erfolgt ist. Der Mehroedars an Stoßen wird ausschließlich von beiufdjen Zechen geliefert werben, nur für einige Sonder- zwecke wird engiijaje Kvhie zur Verwendung gelangen.

Deutscher Staatsbahnwagen-Verband. Die Korrespondenz Hofsmann meldet: Die oageriidje Regierung ge- neljmigte das in Frankfurt a. M. vereinbarte Uebereinkommcn über die Bildung eines deutschen Staatsoahnwagen-Verbanbes und erklärte damit den Beitritt der bayerischen Staatseisenbahn-

Lerwaltung einjchticßltch der Pfalz zum deutschen Staatsbahn- wagen-Derband. .

Aerzte und Lebensversicherung. In dem Streck zwischen den LebensversicherungS-Anstalten und dem Aerzte-Ber- banb hat, wie derSchwäbische Merkur" berichtet, das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privat-Versiclierung seine Vermittlung ange- boten und Vergleichsverhandlungen unter dem Vorsitz seines Präsi- Dnitcn oorgeschlageii. Die Lebensversich)crungsanstalten haben bte>- fem Vorschläge zugestimmtt

Weihnachtsgratifikation. Den Beamten und Pev- sonal der Pfälziscljen Eisenbahn in Ludwigshafen wurden gestern je WO Mk., den Arbeitern und Nichtfestangestellten je 50 Mk. Meihnachtsgratifikation ausgezahlt. ,

2lu*laiiö.

Das Kabinett fbienciiy loirb allem Anschein nach keine lange Lebensdauer haben. 9Zad) Meldungen aus Wien sind Die Verhandlungen des Atinisterpräsidenten Baron Bienerth mit Den deutsch/'böhmischen Abgeordneten, den böhmiscl)en Landtag ar­beitsunfähig zu machen, gescheitert Der Ministerpräsident war nicht in dec Sage, den Deutschen ernste und ausreichende Zusiche­rungen von tschechischer Secke zu bringen, weshalb bie deutschen Abgeordneten erklärten, für die Arbeitsfähigkeit des böhmischen Landtages keinerlei wie immer geartete Garantien zu übernehmen. Der Landtag des Königreich Böhmen wird demnach in nächster Zeit nicht zusammentreten können.

Tie Subvention der Gottharbbahn. In der gestrigen Sitzung bes Standerats in Bern teilte der Ches des Eisen- vahndepartements, Tr. Forrcr, bei der Beratung des Budgets Der Cisenbalmen mit, daß Deutschland und Italien zum 1. Mai 1909 bie Barrückzahlung ihrer Gottdardbahn-Subventionen von zusammen 85 Millionen verlangen. Die Schweiz werde gegen Diesen Anspruch Verwahrung einlegen.

Der Führer der meuternden Fremdenlegion n L r e. Wie aus Oran mckgeteilt wird, erklärte der frühere Leut­nant von Rhode, der Führer der geflüchteten Legionäre, daß er im Auftrage der deutsckren Regierung gelymbelt habe, nach for­mellen und osfiziellen Instruktionen. Er fügte hinzu, baß alle Liquidationen, bie er unterwegs unterzeichnet habe, von ber deut­schen Regierung beglidxn werden. Franzäsischerseits wird diesen Behauptungen nickst der geringste Glauben beigemessen, ebenso- wenig aber auch auf deutscher Seite.

Aus Statt und Land.

Gießen, 23. Dezember 1908.

Tageskalender: Stadttheater: Mittwoch nach­mittag 3'1, Uyr: Kindervorstellung:Die Puppeniee" und Tas Wetterhäuschen."

Der Hessische Handelskammertag hält am 3. Januar 1909 eine Sitzung ab, die sich hauptsächlich mit Der Reichsfinanzreform befassen wird.

Erledigt ift die Stelle des Kreisgeometers des Kreisvermessungsamtes Fürth.

Hessische Fin a n zassessoren. Arn Sonntag- fand in Frankfurt a. M. eine gut besuchte Versamm­lung der hessischen Finanzasiesioren statt. Dieselbe beschäf­tigte sich eingehend mit der Erörterung der Frage, welche Rtaßregeln vorzuschlagen seien, um das außerordentlich un­günstige Verhältnis zwischen provisorischen und desinitioen Stellen in der Verwaltung der hessischen direkten Steuern zu mildern.

Fürsorge für vorgeschrittene Tuberkulöse. Die LanbesversicherungSanstalt Großherzogtum Hesien hat seit einiger Zeck eine sehr segensreiche, aber wie eS scheint, leider noch nicht genügend bekannte Einrichtung geschaffen. Sie besteht darin, daß sie vorgeschrittene Tuberkulöse gegen Abtretung ihrer Invalidenrente in kleineren länd­lichen Krankenhäusern unterbringt. Die Absonderung solcher Tuberkulöser aus der yamilte stellt eine äußerst wich- tige Maßregel im Kampfe gegen die Tuberkulose dar und ist nicht als eine Härte, sondern als eine Wohltat für die An­gehörigen und für den Kranken aufzusaffen. Solchen Per­sonen wird in den Krankenhäusern, von denen zurzeit vier zur Verfügung stehen (3 m Starkenburg, 1 in Oberhessen), volle Verpflegung und sorgsame Behandlung zuteil. Hoffent-

Gicszener ibta^itOcatcr«

Cornelius Votz.

Lustspiel von Franz von Schönthan.

Nicht nur die Kinder speist man nach NathanS be- lühmten Worten mit Märchen ab. Im Grunde sind die Lrwachsenen viel leichtgläubiger und märchenfroher als all bie Kinder, die noch mit großen, fragenden Augen in den btrubel des LebenL sehen, und un Grunde sind sie auch viel leichter zufrieden zu stellen. Sie sind ja so glückhungrig, so Jantbar, die Menschen auch ohne Neid und Falsch sind sie, wenn sie der anderen Glück und Freude auf der Bül)ne sehen. Ist dann ein bißcben Laune dabei, ein bißchen Witz und cm ganz klein wenig ,ohn und Innerlichkeit, dann ind sie zufrieden und fröhlich. Die Sehnsucht nach Glück ift ja so groß im Vienschen, sein fDhtleib so stark und innig, ) er vor der Bühne immer zum großmütigen Schutzengel vird und ängstlich auf das Wohl der girrenden Liebespaare Bedacht ist. Wie gern folgt man einem liebenswürdigen md witzigen Plauderer wie Franz von Schönthan auf den nelfach verschlungenen Irrgartenwegen seiner zahlreichen Liebespaare, obschon man von allem 'Anfang an das schließ'- liiche Ende deutlich erkennt. Klar und durchsichtig, ohne tcusgeflügelte Seitensprünge geht die Handlung auch in dem schalkhaften Spiel des falschen Cornelius Voß dahin Daunig und voll Witz der nicht immer ganz frei von jener sjröhlichen Satire ist, die stets so fröhlichen Beifall findet.

Die Aufführung, die von Rudolf Goll gut vorbereitet imb flott und sicher geleitet war, ließ ün allgemeinen und üm besonderen kaum etwas zu wünschen übrig. Clemens Kod en war ein recht schneidiger Prinz und fand sich auch

in seiner Doppelrolle gut zurecht, Hermann Bakos als Graf Pernwald litt anscheinend an einer kleinen stimm­lichen Unpäßlichkeit, traf aber in Spiel und Maske eine ausgezeichnete Bureaukratengestalt, die in ihrer leichten Ueberhöhung von vorzüglicher Wirkung war. Claire Al­brecht als Baronin und Anni R o e b e r als Paula be­herrschten ihre Rollen sowohl darstellerisch als auch stimm­lich mit der durch eine schöne Gewöhnung zur stehenden Erscheinung gewordenen Vertiefung und Sicherheit. Rudolf Go 11 als Bäckers war wie fast immer von liebenswürdigem Humor und vornehmem Takt, Dorle M a i s a r t h als flottes Stubenmädchen nett, schalkhaft und lebendig, Erich W e i n - gärtner als Herzog recht anfpred^enb. In der kleinen Rolle des Sekretärs war Edgar Pauly von ausgezeichneter Form. * K. N.

Das Gutenberg-Museum in Mainz hat, wie dem soeben erschienenen Jahresberichte »u entnehmen ist, im ab» gelaufenen Jahre wieder eine ansehnliche Bereiä-crung erfahren. Unter den Geschenkgebern sind hervorragende Persönlichkeiten und Instituts aller Kulturstaaten vertreten. Von den neuen Ein­gängen beansprucht das Phowgramm einer in der Kirche des Benediktinertlosters zu Prüfenig bei Regensburg besiitdlichen Weih- inschrift besonderes Interesse. Sie stammt auS dem Jahre 1129 und ihr Text ist mcktelS sorgfältig gearbeiteter Buchstabenstcmpel vor dem Brenneit in die weiche Tontafel eingedruckt worden.

Entdeckung wertvoller Malereien im Köl­ner Dom. Bei einer Restaurierung an dem berühmten Haupt­werk der Alt^Kölner Malenchule, dem Chorallar im Tom, ergab sich, daß durch Uebermalungen ein altes Werk vollständig be­deckt und unkenntlich gemacht worden ist. Nach sorgfältiger Reini­gung treten echt gvtiiche Zeichnungen in herrlicher, großer Form zutage. Lei der Steinigung zeigte es sich, daß mehrere Lieber»

malungen Vorlagen, so daß z. B. auf einmal sechs Arme des Ge­kreuzigten zutage traten. Auf der Rückseite hatte der Restaurawr, um den Grund zu füllen, Papier verwendet. Die bisher ge­reinigten unteren Darstellungen auf der Innenseite der Außen- [lügel müssen wir, wie derKöln. Zig. von einem Sachver­ständigen geschrieben wird, für das Beste und Köstlichste halten, was die damalige deutsche Akalerei, die reife Gotik um 1370, zu schassen imftanbe war, und die Kölner Malschule erscheint so jetzt erst in ihren Anfängen als wirklich fuhreitd für ganz Del..ichland.

Ein Mammutfund. Bei Borna, einem Städtchen etwa 20 Kilometer südlich von Leipzig, ist man beim Graben in oer Fehm- und Tongrube der Roielchen Ziegelei in b Meter Tiefe auf die Knochenreste eines Mammuts gefloßen. Das urweltliche Tier ist unter der faclüvissenschaftlichen Leitung Des Leipziger Unioersckätsprofessors Geheimrats Credner und seines Aijiitenten Dr. Etzold bis zu den Schulterknochen aus- gegraben. Die gewallrgen stark gekrümmten Swßzähne haben eine Länge von je 3,30 Aceter und sind noch recht gut erhalten. Von dem einen ist die Spitze abgebrochen, die jedoch vorhanden ist und sich wieder anfügen läßt. Die sonstigen Knochentecke, die ohne Zweilel vom Schädel, den Schulterblättern und dem Rücken herrühren, sind stark zermürbt, doch hofft man, daß die noch tiejer im Ton liegenden Reste besser erl-alten srnd. Ein großer Rückenwirbelknochen hat eine Stärke von 65 Zentimetern, ein anderes Knocheuiiück, wahrscheinlich ein Unterschenkel, eine Länge von 90 Zentimetern und einen mittleren Umfang von 38 Zentimetern.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Professor Dr. Ulrich v. Wilamowitz-Möllendorf in Berlin, der feinsinnige Meister griechischer Altertumsforschung, ein Sck/wiegersohn Th. ^domm,ens, oolienoet heute das sechzigste Lebensjahr. Ilse Frapan, ine kürzlich auf so tragische Weise aus dem Leben geichieden ist, hat einen völlig cwgeschloiienen C Heroman betitelt ungc Ehe" hinterlchsen. Die Arbeit wird rote mir erfahren, im nächsten Hefte vonWestermanns Monals- heften" zu erscheinen beginnen.