Ausgabe 
30.1.1908 Erstes Blatt
 
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Schädigung an den Grafen von Zeppelin und zur Erwerbung der beiden von ihm erbauten Luftschiffe fordert, wurden bewilligt. Die Kommission bewilligte ferner u. a. 440000 Mk. zur Einrichtung des wcttertelegraphischen Dienstes und 36 000 Mk. zur Fortführung des Griinm'schen deutschen Wörterbuches. _______________________

Heer rrrrd Flotte.

Der zum General der Kavallerie und kommandieren­den General des 17. Armeekorps ernannte Generalleutnant v. Mackensen ist einer der bekanntesten Offiziere der preußischen Armee. Er war seinerzeit der erste bürgerliche Flügeladjutant des Kaisers und der erste Kommandeur der Totenkopf- (Leibhusaren-) Brigade in Danzig-Langfuhr. General v. Mackensen, der einer niedcrsächs. Bauern- familie entstammt (sein Bruder ist Gerichts­vollzieher in Nordhausen. D. Red.), trat 1869 als Einjahrig-Freiwilliger in das 2. Leib-Husaren-Regiment ein, wurde während des Feldzuges gegen Frankreich, in dem er sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse erwarb, Reserveoffizier und trat 1873 als aktiver Offizier in das 2. Leib-Husaren- Regiment ein. 1882 kam er unter Ernennung zum Haupt­mann in den Großen Generalstab. Nachdem er 1897 zum Obersten aufgerückt war, wurde er 1898 zum diensttuenden Flügeladjutanten des Kaisers ernannt. Geadelt wurde er am Geburtstage des Kaisers 1899. General v. Mackensen ist Verfasser einer Geschichte der beiden Leibhusarenregi­menter und gilt als hervorragender Kenner der preußischen Geschichte. _________________________

Dir Eröffnung der engfffchen Parlaments.

London, 29. Jan. Das Königspaar begab sich heute vom Buckingham-Palast zur Eröffnung des Parlaments. Als der königliche Zug das Parlamentsgcbäude verließ, warf eine Anhängerin des Frauenstimmrechts ein Schriftstück, offenbar eine Petition mitten auf die Straße vor den Wagen hin. Sie wurde von mehreren Polizei­beamten zurück gerissen.

Die Thronrede, mit der die Tagung des Parlaments eröffnet wurde, erwähnt in erster Linie den Besuch des deutschen Ka i s e r p a a r e s. Der begeisterte Empfang, der dem Kaiserpaar durch die Bevölkerung zuteil gewor­den sei, habe bewiesen, daß die Annäherung zwi­schen beiben Ländern eincTatsacheist. Es wird dann das Ableben des Königs von Schweden bedauert. Die Thronrede erwähnt weiter das Abkommen mit Rußland über Persien, Afghanistan und Tibet, sowie ferner das Abkommen mit Deutschland, Frankreich und Rußland zur Sicherung der Neutralität Nor­wegens. Sie erwähnt daun die Haager Friedenskonfe­renz und die Kongoangelegenheit. In Bezug auf die letz­tere wird die Hoffnung ausgedrückt, daß die Besprechungen und Unterhandlungen ^u einem befriedigenden Ergebnis führen mögen. Die Thronrede beschäftigt sich dann mit verschiedenen Gesetzesvorlagen, die das Parlament zu be­raten haben wird.' Unter den neu angetüudigten Gesetzen befinden sich die Entwürfe eines Altersoersorgungsgesetzes, zur Hebung des Elementarunterrichtes in England und Wales, zur Regelung der Arbeitszeit für die unterirdische Beschäftigung in den Kohlenbergwerken, zur Verbesserung der Vorschriften für Heimarbeiter, zur Erzielung einer Aus­breitung der Universitätsbildung in Irland, zu Verbesse­rungen in der irischen Landkaussakte u. a.

Derrtßsde»

Berlin, 29. Jan. Im Weißen Saale des Schlosses fand heute abend der e r st e H o f b a l l statt. Gegen 9 Uhr betrat der Kaiser, in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß, mit der Kaiserin, die eine lichtgrüne Schlepprobe trug, den Saal. Es folgten die anwesenden Fürstlich­keiten. Die Kaiserin wandte sich zuerst zu den Fürstinnen, den Damen der obersten Hofchargen, den Gemahlinnen der Botschafter und zu diesen selbst. Sie nahmen dann den Platz auf dem Thron ein. Ter Kaiser begrüßte zunächst die Gemahlinnen der Botschafter und Gesandten, sodann die Herren des diplomatischen Korps und zog weiter in immer gleicher Frische und Lebhaftigkeit zahlreiche Herren ins Gespräch. Inzwischen begann der Ball. In den Carres am Thron tanzten sämtliche jüngeren Prinzen und Prinzessinnen mit.

Die Ddeldung desBerl. Tagebl.", daß der erste Staatskommissar der Berliner Börse, Hemptenmacher, zum Präsidenten der Seehandlung in Aussicht genommen sei, wird dem Depeschenbureau Herold an unterrichteter Stelle als unrichtig bezeichnet.

DieBoss. Ztg." meldet aus Halle a. d. Saale: Gestern abend legten die städtischen Gasarbeiter die Arbeit nieder, nachdem der Magistrat die so­fortige Zusage einer Lohnerhöhung abgelehnt hatte. Er­satzmannschaften hielten in den beiden städtischen Gas­anstalten notdürftig den Betrieb aufrecht.

Leipzig, 29. Jan. Reichsgerichtsrat Johs. Haas ist g e st o r b e n.

Ausland,

London, 29. Jan. Nach einer Meldung derTimes" aus Teheran sind große Unruhen in Täbris vor­gekommen. Es kam zu Straßenkäinpfen, wobei 20 Personen getötet wurden. Die Unruhen sind eine Folge von Streitig­keiten zwischen der Reformpartei und den Gegnern des Parlaments. Auch in anderen Städten in Nordpersien sind ähnliche Unruhen vorgekommen. In Täbris stockt der Handel.

Petersburg, 29. Jan. DieNowoje Wremja" schreibt dem finnländischen Staatssekretär General Langhof die Drohung zu, falls die von Rußland geplante Ein­verleibung Wyborgs stattfinde, werde eine Erhebung in Finnland geplant. Notwendig sei die Auflösung des finnischen Landtages und die Verhängung des Belagerungszustandes über Helsingfors.

Sofia, 29. Jan. Das neue Kabinett ist soeben gebildet worden. Malin ow übernimmt das Präsidiuni und das Bauteiiministerium, Paprikow das des Aeiißcrn, Takew das Ministerium des Innern, Muschanow den Unter­richt, General Nikolaem das Kriegsportefeuille, Salabascheio die Finanzen, Ljaptschew den Handel, und Krstew, ein 42jähr. Rechtsanwalt in Philippopel, die Jiistiz.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. Jan. 1908.

* I. K. H. die Großfürstin Sergius von Ruß­land (Prinzessin Elisabeth von Hessen) inußte sich n. d. Darmst. Ztg." am 21. d. Mts. einer Operation unter- ziehen, die aut gelungen ist. Das Befinden der Patientin ist den Umständen entsprechend zufriedenstellend; die Heilung nimmt einen normalen Verlauf.

** Fürst Gustav zuErbach-Schöiiberg f. Der Senior des standesherrlichen Hauses Erbach, Fürst Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg ist gestern abend nach längerem Leiden im Alten Palais zu Darmstadt ge­storben. Der Fürst ist am 17. Aug. 1840 auf seinem Stammschloß Schönberg a. d. B. geboren worden, er folgte seinem Vater am 18. Aug. 1863 als Graf zu Erbach-Schön­berg, Herr zu Breuberg und Wildenstein und vermählte sich am 29. April 1871 mit Prinzessin Marie von Battenberg, der ältesten Tochter des Prinzen Alexander von Hessen. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder, Erbprinz Alexander, Prinz Viktor (Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß und kommandiert zur Kais. Botschaft in Wien) und Prinzessin Elisabeth. Bei seinem 40 jährigen Jubiläum als Inhaber der Standesherrschast wurde Graf Gustav von S. K Su­bern Großherzog in den Fürstenstand erhoben. Der nun­mehr verstorbene Fürst war Mitglied der ersten hessischen Ständekammer, hessischer Oberst ä la suite und machte als Johanniter-Ritter die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er damals auch das eiserne Kreuz. Als ältester der hessischen Standes- herren stand er S. K. H dem Großherzog besonders nahe. Er verlebte die Wintermonate ständig in Darmstadt, wo ihm der Großherzog im Alten Palais ein Absteigequartier eingeräumt hatte. Die Sommermonate verbrachte er in der Regel auf seinem Schloß Schönberg, das allen Be­suchern der Bergstraße wegen seiner wundervollen Lage in Erinnerung sein wird. Die Trauerfeier findet am Samstag nachmittag im Alten Palais in Darmstadt und die Beisetzung voraussichtlich am Montag in Schön­berg statt.

* * Landesuniversität. An die Stelle des zum 1. April d. I. nach Halle berufenen ordentlichen Professors in der theologischen Fakultät D. Drews wird Lic. theol. und Dr. phil. Martin Schian treten. Prof. Tr. Schi an ist 1869 in Liegnitz geboren, war von 18961902 Pfarrer in Dal kau i. Schl., von 19021906 Pfarrer in Görlitz und ist seit 1906 Pfarrer an St. Bernhardin und Privat­dozent an der Universität in Breslau. Der neue Pro­fessor unserer Landesuniversität hat eine überaus frucht­bare wissenschaftliche Tätigkeit entwickelt. Er schrieb die Ebet-Jahwe-Lieder in Jes. 4066; Die Sotratik im Zeit­alter der Aufklärung; Friedr. Nietzsche und das Christen­tum; Unser Christenglaube; Das kirchliche Leben der evan­gelischen Kirche der Provinz Schlesien; Freussens Roman Jörn Uhl, seine Wirkung und sein Wert; Besteht ein Gegen­satz zwischen dem Christentum und der modernen Frauen­bewegung?; Die evangelischen Kirchen und der Staat; Der deutsche Roman seit Goethe; Fragen der Zeit, Predigten; Die Predigt.

* * Zeugniszwangshaft. Das Großh. Mini­sterium der Justiz hat an die Beamten der Staats­anwaltschaft folgendes Ausschreiben erlassen: Der Herr Reichskanzler hat in einem an Großh. Staatsministerium gerichteten Schreiben auf die Tatsache hingewiesen, daß im Strafverfahren von der Befugnis, zur Erzwingung des Zeugnisses die Haft anzuordnen, mitunter in Fällen Ge­brauch gemacht werde, in denen die Anwendung des Zwangsmittels nach der Lage des Einzelfalls weder zu der Bedeutung der Sache, noch zu dem voraussichtlichen Er­gebnisse der Maßregel in dem richtigen Verhältnisse stehe, und daran die Bemerkung geknüpft, daß es ganz im Sinne des Gesetzes liege, wenn die Gerichte von ihrer Be­fugnis nur da Gebrauch machten, wo es nach den Umständen Des einzelnen Falles unerläßlich erscheine. Ter Herr Reichs­kanzler hat weiter die Meinung ausgesprochen, daß in jeder Weise dahin gewirkt werden sollte, daß niemals ohne ge­bieterischen Anlaß von dem durch das Gesetz zur Verfügung gestellten Zwangsmittel Gebrauch gemacht werde. Obwohl auf Grund sorgfältiger Erkundigungen angenommen werden darf, daß in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen, solange die jetzige Strafprozeßordnung in Geltung ist, und in der Provinz Rheinhessen jedenfalls in den letzten zehn Jahren ein Fall der Zeugniszwangshaft in Straf- oder Disziplinarstrasverfahrens nicht uorgeiommcn ist, so glauben wir doch, um auch für die Zutunck die Beibehaltung der seitherigen vorsichtigen Praxis tunlichst zu sichern, der An­regung des Herrn Reichsiauzlers folgend, die Beamten der Staatsanwaltschaft darauf Hinweisen zu sollen, ihrerseits bei etwa vor kommenden Zeugnisverweigerungen hinsichtlich Der Stellung von Anträgen auf Anordnung der Zwangs­haft die blsyer beobachtete weise Zurückhaltung zu üben und auch den Gerichten gegenüber die Bedenken, die gegen die Anwendung der Maßregel nach Lage des Einzel­falls sprechen, regelmäßig geltend zu machen.

* * Die Bahn Alsfeld Hersfeld, die von den Bewohnern der gewerbfleißigen Stadt Alsfeld schon lange gewünscht wird und für einen größeren Teil des nörd­lichen Oberhessens von großem Wert fein würde, hat nun­mehr Aussicht auf baldige Verwirklichung. Wie wir ver­nehmen, werden bereits in den nächsten Tagen Vertreter des hessischen Ministeriums in Alsfeld mit den am Bahn­bau interessierten hessischen Gemeinden wegen der Ge­ländestellung usw. verhandeln. Die neue Bahn wird über Schwarz führen, also eine gerade für Die hessischen Ge­meinden recht vorteilhafte Linienführung erhalten.

* * Hessische Handwerkskammer zu Darm- st a d t. Die Einholung mündlicher Auskünfte auf dem Sekretariat der Handwerkskammer hat sich derart gesteigert, daß eine Regelung der Einrichtung als not­wendig erscheint. Die Auskunfterteilung erfolgt nunmehr durch den besonders dazu beauftragten Beamten des Sekre­tariats. Zur Vermeidung von Störungen in dem Geschäfts­betriebe erscheint es indes dringend notwendig, die Aus- lunftserteilung nicht über die gesamten Geschäftsstunden zu erstrecken. Es ist deshalb die Zeit von 9IIV2 Uhr 0 u Sprech st unden der Auskunftsstelle bestimmt. Die Auskunftsuchenden werden deshalb in ihrem eigenen Interesse dringend ersucht, nur zu dieser Zeit vorsprechen zu wollen, da ihnen zu anderer Zeit die Einholung einer Auskunft nicht immer ermöglicht werden kann.

"Aus dem Militär-Wochenblatt. Am 27. Jan. befördert im Beurlaubtenstand: Zu Leutnants der Res.: die Vizefeldwebel, bezw. Vizewachtmeister: Delp (Frankfurt a. d. O.), des Leibgarde-Jnf.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Hanicl (Düsseldorf), des Leib-Drag.-Rgts. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, Fuchs (Koblenz), des Jnf.-Leib- Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Greiß (Rheydt), des Jnf.-Ngts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Stahn (Mainz), Beck (Worms), Kreck (Höchst), des 2. Nass. Jnf.-Regts. Nr. 88, Reiß (I Darmstadt), des 1. Oberrhein. Jnf.-Ngts. Nr. 97, Ha st er (I Darmstadt), des Leibgarde« Jnf.-Ngts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Hellwig, Kühn (Gießen), des Jnf.-Ngts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 9tr. 116, Schmoll (Gießen), Wagner, Muhl, Peppier (I Darmstadt), Bechtel (II Darmstadt), Seiler, Becker (Worms), des Jnf.-Ngts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Heyl (Friedberg), Becker (I Darmsiadt), des 5. Großh. Hess. Jnf.-Ngts. Nr. 168, de Bary (Wiesbaden), des Garde- Drag.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 24, Gail (Gießen), des Hus.-Negts. König Wilhelm I. (1. Rhein.), Nr. 7, Heynn (1 Darmstadt), des Thür. Ulan.-Rgts. Nr. 6, Plstor (1 Darm­siadt), des Gr.Art.-Korps, 1. Gr. Hess. Feld-Art.-Ngts. Nr. 25. Vogt (Friedberg), Angelberger (Gießen), Joseph (I Darmstadt), des 2. Großh. Feldart.-Rgts. Nr. 61, 'Maier (Worms), des 2. Nassau. Feldart.-Rgts. Nr. 63 Frankfurt, Ehrhard (Mainz), des 3. Lothr. Feldart.-Rgts. 9tr. 69, Curschmann (1 Darmstadt), des Eisenbahn-Rgts. Nr. 2. Als Rest-Offizier zu den Kraftfahrtruppen versetzt: Lt. d. R. Gaedtke (Düsseldorf), des Leibgarde-Jnf.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115.

** Wie das oberhessische Bauernhaus iv seiner inneren Ausstattung eine große Veränderung gegen Die großväterische Zeit erfahren, so verliert es auch immer mehr sein typisches Aeußere: seine Bauart und feine Be­kleidung. Eine Bearbeitung des Balkenwerkes, überhaupt einen Holzreichtum, wie ihn die alten Bauernhäuser auf­weisen, findet man nicht mehr. An Stelle des Holzbaues ist der Steinbau getreten, zu dem Ziegel- unb neuerdings Schlacken- unb Tuffsteine bas Material liefern. Daß diese mobernen Bauernhäuser keinen Vergleich. aushalten gegen bie geschmackvollen Fach werke früherer Zeit, bebarf keiner Beweise. Sinb biese Steinkästen nun alles anbere als Zierben eines Bauerndorfes, so wenbet man neuerbings eine Schinbelung ber Bauernhäuser an, bie ben Gipfel aller Geschmacklosigkeit bilbet; es ist bies bie Bebeckung ber Hausflächen mit Blechschinbeln. Ein solches Blech- kleib verleiht einem Hause ein so blechernes Aussehen, baß es aussieht nun wie Blech.

* * Em allgemeiner Handlungsgehilfen tag für Hessen und Hessen-Nassau, ber 4. dieser Art, findet, wie uns von der hiesigen Ortsgruppe des deutsch­nationalen Handluiigsgehilfenverbandes mitgeteilt wird, am nächsten Sonntag, 2. Februar, vormittags 11 Uhr, im Walhalla-Saal zu Wiesbaden statt. Auf der Tages­ordnung stehen drei Vorträge. Herr I. Schellin-Frankfurt a. M. spricht über die Forderungen der Handlungsgehilfen an die Gemeinden, Herr Karl Feyerabend-Frankfurt a. M. behandelt die Pensionsoersicherung der Privatangestellten, und Herr Bruno Braun-Kassel legt die Forderungen zur »Kon- kurrenzklausel im Handelsgewerbe" dar. Die wichtigen Ver­handlungsgegenstände lassen die Mitteilung als richtig er- scheinen, daß es eine bedeutsame Kundgebung der Handlungs­gehilfen werden wird, da nicht nur viele Vertreter der kauf­männischen Angestellten aus allen Teilen der Provinz und des Großherzogtums angemeldet sind, sondern auch ver- ichiedene Behörden, Parlamentarier und sonstige einflußreiche Persönlichkeiten mit Namen von Klang ihr Erscheinen zu- gesagt haben.

* * Das Ueberschwein. Aus Ulfa, 29. Jan., wird uns geschrieben: Heute schlachtete ber hiesibe Lanbwirt unb Schreinermeister Johs. Weber ein zweijähriges Schwein mit bem respektabeln Gewicht von 6 50 Pfb. Trotz ber gewaltigen Körperfülle hat das Tier Die nicht unbebeutenbe Strecke von seinem Lckall nach ber Gemeindewage zu Fuß zurückgelegt. Der Transport des Schweins sowohl, als auch Das Wiegen besselben verursachte einen Volksauflauf. Drei Vertreter Der Metzgerzunft waren aufgeboten zur Verarbei­tung des Tieres. An Schmalz lieferte es nicht weniger als 40 Pfb., unb Die Speckschicht am Rückgrat war nahezu 15 Ctrn. bick. Seit Menschengebenken ist ein Schwein von solcher Schwere hierorts nicht geschlachtet worben.

* * Tages kalenber. Heute abenb finben hier brei öffentliche Vorträge statt. In Der Oberh. Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde spricht Privatbozent Dr. W. Sch m i bt über Rabioaktivität (abenbs 81/2 Uhr im Hörsaale des Physikalischen Instituts), in bem Vortragszyklus des Kaufmännischen unb bes Ortsgewerbevereins Dr. Walter aus Sunb über eine Reise Durch Norwegen undLapp- lanD (mit Lichtbilbem abenbs 81/2 Uhr im Neuen Saal­bau) unb in ber neuen Universitätsaula veranstaltet um 8 Uhr das TheaterUrania" aus Düsselbors einen Licht- bilbervortrag über Die Feuergewalten bes Erb- b alles.

a. Klein-Linben, 28. Jan. Am Sonntag hielt bei hiesige Kaninchen-Zucht-Verein im Saale bes Gast­wirtes Hinterlang eine öffentliche Versammlung ab, zu ber bie Mitglieber sowie Freunbe bes Vereins zahlreich er­schienen waren. Nachbem bie Tagesorbnung erledigt unb neue Mitglieber ausgenommen, fanb ein Preisschießen statt, nach bessen Schluß bie glücklichsten Schützen ihre Preise in Gestalt von Rassekaninchen in Empfang nehmen konnten. Man trennte sich erst in vorgerückter Stunbe. Diese Veranstaltungen haben im allgemeinen ben Zweck, bie Geselligkeit auf dem La^rde zu pflegen, im befonberen aber, um bas Interesse ber Öffentlichkeit auf bie Vereins­bestrebungen zu lenken. In aller Kürze wirb ber Verein ein öffentliches Kaninchen-Effen mit anschließenbem Fa- mHienabenb in Szene fetzen, bei welcher Gelegenheit Herr Georg Dönges über bie Erlebnisse seiner 20jährigen Kanin­chenzucht sprechen wirb. Gegenwärtig werben in bett größeren Ortschaften bes Kreises Gießen von Herrn Fritz Pannecke-Klein-Linben Vorträge gehalten über:Die Be- beutung ber Kaninchenzucht im wirtschaftlichen Leben", unter befonberer Berücksichtigung ber Fleischteuerung zwecks Grünbung neuer Vereine. Die Kaninchenzucht findet immer mehr Anhänger in unferm Oberhessen. Allenthalben entstehen neue Vereine, bie alle bem Ziel zustreben, daß Kaninchenfleisch, ein Volksnahrungsmittel werben soll.