Ausgabe 
29.1.1908 Erstes Blatt
 
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Burkhard i bei auf sein Nachsuchen unter Verleihung des Charakters als Baurat in den Ruhestand versetzt.

* Die letzte Sitzung des Hessischen Landwirt- schaftsrats sand am Dienstag in Darmstadt unter dem Vorsitz des Geb. Regierungsrats Haas statt. Der Vorsitzende konstatierte, das; die Organisation ea. 36 Jahre im Interesse der Landwirtschast gearbeitet habe. Im Prinzip war die Aus­lösung schon früher beschlossen, es galt nur noch den Termin zu bestimmen, nachdem die Rechnung abgeschlossen war. Der Wert des Vermögen? ist Mk. 9209. Als erster Punkt der Tagesordnung wird dann durch den Generalsekretär Dr. Müller die Rechnung für die Landwirtschaftliche Landes- und Jubiläums­ausstellung in Main; festgestellt. Tie Einnahme beträgt Mr. 203 757.85, die Ausgabe Mk. 192 027.13, so daß ein lieber,chuß von Mk. 11 730.62 verbleibt. Hierzu kommen noch einige, em- gegangene Posten, so daß ein Gesamtüberschuß von Mk. 13 138.82 vorhanden ist. Es wird beschlossen, nach Abzug der Regierungs­vorlagen von Mk. 2662 den Rest an die Provinzialvereine gleich­mäßig zur Verteilung zu bringen. Ein Antrag, den Prvvinzial- vereinen nahe zu legen, daß die ihnen überwiesenen Beträge von der Landwirlsckmftskammer zu beftimmten Zwecken, wie Aus­stellungsfonds, Versicherungsfonds usw. Verwendung finden, wird gegen 4 Stimmen abgelehnt. Es folgt die Vorlage der Rechnung für das Jahr 1L06/07. Diese wird einstimmig genehmigt, ^ür die noch zii erledigenden Gegenstände wurde eine Kommission gelvählt, die aus dem Vorsitzeirden, bent Vizepräsidenten Oekv- nomieret Dettweiler und de:n Vizepräsidenten für Oberhellen Abg. Korell besteht. Hierauf wird die definitive Einstellung, der Tätigkeit der Landwirtschaftskammer beschlossen. Zum Schluß spricht der Präsident allen, die im Interesse des Landwirt- schaftsrates mitgearbeitet haben, Dank aus. Oekonomierat W a I - rher dankt dem Präsidium und insbesondere dem Präsidenten Haas für seine umsichtige Leitung der Geschärte. Prof. Dr. Gisevius dankt int Namen des Landwirtschaftlichen Jnrtituts. Oekonomierat Göthe spricht ebenfalls seine Freude über die Tätigkeit des Landwirtschaftsrats aus. Oberregierungsrat Dr. Heinrichs sprach dankende Worte im Namen der Negierung.

"Die fa Ischen Elektrizitätszähler. Herr Jn- stallationsmeister i. P. Wille schickte uns vor einigen Tagen eine sogen. Richtigstellung zu unseren Ausführungen über seine Eingabe an die Stadtverordneten-Versaminlung, deren Abdruck wir ablehnten, weil wir der behördlichen Untersuchung der Sache nicht vorgreifen wollten und die Darstellung des Herrn Wille fehr einseitig und nicht objektiv mar. Herr Wille hat nunmehr seineRichtigstellung" in derOberhess. Volkszeitung" veröffentlicht. Wir teilen hierzu mit, daß wir keine Ver­anlassung haben, von unserem oben gekennzeichneten Stand­punkt abzugehen.

** Der Verein der Hausbesitzer hielt gestern abend im Hotel Schütz seine ordentliche Generalve-r- sammlung unter der Leitung seines 1. Vorsitzenden, Fa­brikant Jnderthal, ab, die recht gut besucht war. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, in der er be­tonte, daß der Hausbesitzervcrein nicht Sonderinteressen, sondern beit Interessen der Allgemeinheit dienen^ wolle und den Wohnungsnachweis empfahl, erstattete der Schrift­führer Kaufmann Ringel den Jahresbericht. Nach ihm wurde der Verein am 23. Januar v. I. gegründet. Es wurden 16 Vorstandssitzungen äbgehalten, in denen die Vereinsinteressen kräftig gefördert wurden. U. a. wurde ein Mietvertrag und eine Hausordnung ausgearbeitet und ein Wohnungsnachweis eingerichtet. Der Verein leistete beim Universitatsfest durch seinen Wohnungsausschuß Dienste. Ter Bericht erwähnte die Beteiligung bei der Stadtverordnetenwahl und bei der Entwickelung der Kanal- gebührenfrage, bei der die Tätigkeit des Vereins nicht ganz vhne Erfolg geblieben sei. Die Mitgliederzahl ist nunmehr ,-cruf 286 angewachsen. Die Mchmmgsablage ergab, wie !<rus dem von Rechner Rentner Leo erstatteten Kassen­bericht ersichtlich, folgendes Resultat: An Mitgliederbei­ttragen gingen 399 Mk. ein, an Zinsen außerdem 6.80 Mk., jo daß die Gesamteinnahmen 405.80 Mk. betragen. Die Ausgaben betrugen 437.49 Mk. Ter Verein verlor 4 Mit­glieder durch Austritt, darunter 3 wegen Verkaufs ihrer Häuser. Neu eingetreten sind im Laufe des Jahres 44 Haus­besitzer. Die Rechnung ist von den Herren Malkomesius und L. Petri III. geprüft und richtig befunden worden, wes­halb dem Rechner Entlastung erteilt wird. Die Vorstands- wahl ergab die Bestätigung der seitherigen Mitglieder in ihren Aemtern durch Zuruf. Der 2. Vorsitzende, Rechts­anwalt Raab hielt sodann ein Referat über die Stellung­nahme des Vereins zur Kanalgebührenordnung. Der Verein stand von Anfang an auf dem Standpunkt, daß die richtigste Form der Erhebung der Ausschlag auf die Steuern gewesen sei. Da dies nicht angängig war, stellte man sich auf den Standpunkt, daß ein Teil von den Haus­besitzern erhoben werden solle. Gegen den hieraus er­folgten zweiten Beschluß der Stadtverordneten, 2 vom Lausend des Brandversicherungskapitals und 1.75 Pfg. von jedem angeschlossenen Quadratmeter Grundfläche zu er­heben, hat der Verein aus verschiedenen Gründen (die ,Redner näher darlegt) Einspruch erhoben. Die Beschwerde hatte im allgemeinen keinen Erfolg, nur bezüglich der rück- .wirkenden Kraft des Statuts habe der Ministertalentscheid der Beschwerde stattgegeben. Ten Hausbesitzern bleibt nun­mehr nichts anderes übrig, als die Lasten nach Verhältnis aus die Mieter, bezw. Wohnungsbenutzer zu verteilen. Ein in diesem Sinn gehaltener Vorschlag des Referenten fand prinzipiell Zustimmung und zwar sollen die Mitglieder die Verteilung der Gebühren nach dem Mietwert der einzelnen Wohnungen usw. vornehmen. Der Vorstand wird mit der Erledigung dieser Anregung (Ausrechnung der Beiträge usw.) beauftragt und dem Redner der Dank des Vereins für seine große Mühewaltung in der Kanalgebührensrabe ausgesprochen. Sodann erstattete Rechtsanwalt Raab ein Referat über die Wertzuwachssteuer. Er erläuterte zunächst die Seftimmuncfen des Landesgesetzes und sodann die des Gießener Ortsstatuts in allgemein verständlicher Weise. Wir werden aus den Gegenstand demnächst noch näher zurückkommen. Nach einer lebhaften Aussprache hier­über und Erledigung einiger mtderer Angelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen.

** Die Premiere des Gießener Apollo- Theaters wird am nächsten Samstag im Neuen Saal­bau stattfinden. DerSäugerkranz" hat es unter­nommen, seinen Mitgliedern diesen interessanten Pre- mieren-Abend zugänglich zu machen und bietet die Ver­anstaltung ihnen als Faschingsvergnügen. Das austretende Personal/ lauter bewährte und hier bereits bestens be­kannte Künstler, bereitet schon feit einiger Zeit für seine hiesige Erstvorstellung alle möglichen neuen Aussührungen vor. Wir hatten Gelegenheit, das vornehm ausgestatrete Programm einzusehen und waren überrascht davon, was alles geboten werden wird: ein Weltstadtprogramm im wahrsten Sinne des^ Wortes. Dem gesanglichen Teil ist besonders liebevolle Sorgfalt gewidmet, u. a. werden Tiroler sich hören lassen, amerikanische und deutsche Sängerinnen von Ruf auftreten usw. Daneben gibt es einen gran­diosen Ballettakt und gymnastische Vorführungen der ver- jchiedensien Art, so daß auch der verloöhnteste Geschmack

auf seine Kosten kommen .wird. LL a. w. g. (und ab'enb» bezw. nach dem Abend wird getanzt!)

" Lichtbilder-Vortrag. Auf den morgen abend in Steins-Garten stattfindenden Vortrag sei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht. Der Redner wird aus eigener Anschauung und reicher Erfahrung überIn Norwegens Bergen, Fjorden und Schären, und quer durch Lappland auf der nördlichsten Bahn der Welt" sprechen und seine Aus­führungen mit zahlreichen großen Lichtbildern begleiten.

" Ab gefaßt. Der wegen Diebstahls mehrfach vorbe­strafte Arbeiter Johs. Schäfer von Solz wurde am 27. I. Mts. abends von einem Schutzmann mit einem 4 Meter langen Dachkandelrohr in der Diezstraße betroffen, ergriff jedoch gleich die Flucht, als er den Schutzmann bemerkte. Emgeholt gab er an, das Dachkandelrohr gefunden zu haben, jedoch war er später geständig, dasselbe an einem Hause ab­gerissen zu haben, um es zunächst in Stücke zu schlagen und bann beim Althändler zu verkaufen, um auf diese Weise in Besitz von Geld zu gelangen.

" Unfug. In der Nacht vom 26. auf 27. I. Mts. wurden in der Frankfurter Straße in mehreren Vor­gärten von roher Hand Zwergobst bau mchen be­schädigt und sonstiger Unfug verübt. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung des unbekannten Täters bei.

"Ein neues Bahnprojekt für den Vogels­berg wurde in einer Bürgerversammlung zu Vaden­rod (Kr. Alsfeld) besprochen. Die neue Linie soll bei Renzen­dorf die Linie FuldaGießen verlassen und dem Schwalmtal südwärts über Vadenrod bis Storndorf folgen, von hier soll sie später über Meiches und H elpershain bis Ulrichstein ge­führt werden. Die Gemeinden erwarten von der Bahn eine bessere Verwertung der Bodenschätze des Vogelsbergs (Holz, Steine). Eine dahingehende Resolution wurde von der Ver- ammlung gefaßt, Hergabe von Gelände und Beihilfe zur Zinsgarantie zugesagt.

"In Amerika v e r ft o r b e n e n Hessen. John W. Fleck aus Grünberg, 70 Jahre alt, starb zu Brooklyn N. 9). Ludwig sDl ü 11 e r aus Holzheim, 56 Jahre alt, zu Chicago, Jll. Philipp Harth aus Partenheim, 78 Jahre alt, zu Wheelrng, Jll. Frank Ripp, Sohn des verstorbenen Anton Ripp aus Mainz, zu New Port. Iran Kalb. Elis. Thiele, geb. Seum, aus Ober' sehmilten, 71 Jahre alt, zu Columbus O. Phil. Adam B i e f e r aus Worms, 61 Jahre alt, zu Tayton, O. Georg Benz aus Osthosen, 76 Jahre alt, zu St. Pauls, Murn.

-r R u 11 e r s h a u s e n, 28. Januar. Unter sehr großer Be­teiligung von nah und fern, wurde heute der langjährige Gemeinde Einnehmer Ludwig Krämer int Alter von 72 Jahren zur letzten Ruhe gebettet. Ein Orginal ländlichen Lebens ist mit ihm ins Grab gesunken. Von nutzer Jugend huldigte er gern neben der Landwirtschaft der Jagd und Fischerei und wurde da­durch in weiten Kreisen belanut. Manch kapitaler Hirsch ist ui guter alter Zeit, von seiner Kugel getroffen und manch stattlicher Hecht in seinem Garn gefangen worden. Tret und dreißig Jahre führte er in musterhafter Weise das Amt als Gemeinde-Einnehmer. Gcrite weilte Jung und Alt in seiner Gesellschaft, um sich an seinen Erzählungen und munteren Volksliedern zn erfreuen und sein schlichtes Wesen zu bewundern. Ehre seinem Andenken.

X L o n d o r f, 26. Jan. Auf Veranlassting des hiesigen Ver- fchönerungsvereins gibt dasR h e i n - M a t n i f ch e V e r band s- theate i? (Mitglieder des früheren Hanauer Stadtthealers) am Sonntag den 1. März im Bögerfchen Saale eine Theater­vorstellung. Zur Aufführuiig gelangtM innn von Bornheim" von Lessing.. Ta die Leistungen der Mitspielenden überall, wo sie spielten, den günstigsten Eindruck hmtcrließen, so ist für hier ein zahlreicher Besuch zn erwarten. Ans beit Kritiken über das Verbandstheater seien hier einige Sätze anszugsweisc roicbergegeben. TasWiesbadener Tageblatt" schreibt: Und die Ausführung war aller Ehren wert. Zum (Eingang hielt der Tirektor des Unternehmens, Herr Hauser, in der Maske seiner Rolledes eingebildeten Kranken" eine Ansprache, in der er mit hübschen, einfachen und warmen Worten uns kurz über Molieie orientierte. Und dann teilte sich der Vorhang mid unter laut­loser Spannung, die sich freilich bald in die frischeste, urwüchsigste Heiterkeit wandelte, zogen die bunten Bilder der unsterblichen Komödie vorüber. Aus Königstädten, wo das Theater am 7. Tcz. v. Js. spielte, wird geschrieben: Am 7. Dezember halten loir znm erstenmal das Theater des Verbandes bei uns. Gegeben wurde Ter eingebildete Kranke". Stuck und Darstellung gefielen außer­ordentlich, so daß noch am gleichen Abend Wünsche nad) einer zweiten Vorstellung im Wmter geäußert ivurben.

§ Bad-Nauheim, 28. Jan. Die Umtvandlung der hies. Reinhardsktrche in ein russisches Gotteshaus hat bereits bedeutende Fortschritte gemacht. Durch die Entfernung der Empore, Bänke :c. sind die inneren Näluulichkeiten viel freundlicher und größer geworden. Gestern ist nunmehr der höchste russische Geistliche Deutschlands, dem die anderen russischen Kirchen unterstellt sind, Baron v. Moltzow, Propst bei der kaiserlich russischen Botschaft in Berlin hier angekommen und Hot im Sankt Nemharbspfarr- haus bet dem Vorsitzenden des Kur- und Verschönerungs- vereins, Lehrer A. Wagner, Wohnung genommen. Heute Mittag sand in der St. Reiiihardskirche eine längere Beratung statt, an der außer der Herrn v. Moltzow, Geh. Baurat Dr. Eser, Regierungsbaiisührer Hansel, Lehrer A. Wagner, Dr. med. Grödel jun., Bauunternehmer Peter Stamm, Stadtverordneter Klinkerfuß, sowie ein Kurgast ans "Moskau teilnahmen. Es wurden die weiteren inneren baulichen Einrichtungen einer ausführlichen Besprechung nach Vor­schlägen des Herrn v. Maltzow unterzogen. Elie Kirche, bei der auch eine Loge für Fürstlichkeiten vorgesehen ist, wird bis zum 1. April fertiggeslcllt sein und die Einrichtung, an der sich auch der Erzbischof von Petersburg und andere hohe Persönlichkeiten beteiligen werden, anfangs er­folgen.

r. Aus der Wetterau, 27. Jan. Trotz umfang­reicher Vergiftungen ist der Mäuse plage noch nicht ge­steuert. Wenn nicht eine starke Regenp.riode einirüt, haben wir zum nächsten Sommer wohl twch mehr Mäuse als im verflossenen zu erwarten. Die Wiesengründe, Wälder, Strohhausen usw. stecken voll dieser Schädlinge. Hier sei eine Ansicht eines hervorragenden Forstmannes erwähnt, der meint, die Füchse seien entschieden zu schonen im In­teresse der Mäusevertilgung, in feinem ausgedehnten Be­zirk würden dieselben nicht abgeschossen. Auch das Ab­schießen der Raben begünstigt die Vermehrung der Feld- mäufe, sowie die Verbreitung der Raubvögel, welch letztere wiederum die nützliche Singvögelwelt dezimiert. Man steht, derartige Eingriffe in Li.: Natur haben auch ihre nach­teiligen Folgen.

A Lauterbach, 28. Jan. Der Ariegerverein beging die J-eier von Kaisers Geburtstag durch einen Festball, der sehr gut besucht, und dank der herrschenden guten Stimmung die Teilnehmer bis zum frühen Morgen zusam- menhielt. Im Hotel Schütz fand ein gut besetztes F e st - essen stau. Der Männergesangverein wird fein dies­jähriges öffentliches Sdonzert Samstag, 2. Mai, im Saal­

bau zum Johannesberg abhalten. Da der Verein in seinen Leistungen auf der Höhe der Zeit steht unb1 der Ueberschuß der Einnahme wieder für einen milden Zweck bestimmt ist, wird man wie in Vorjahren auf einen guten Besuch rechnen können. Dem Konzert soll sich wie früher ein Ball anschließen, der von unserer Bürgerschaft sehr geschätzt wird. Zur Verherrlichung des Abends ist Kon­zertsanger Müller-Frankfurt a. M. gewonnen. Auch Kon­zertmeister Stumpf-Lübeck, ein Sohn unserer Stadt, hat sein Mitwirken zugesagt.

PP Angers bach, 28. Jan. Der Gemeinderat ge­nehmigte einstimmig die freihändige Vergebung der Ge­meindejagd an die Freiherren Riedesel zu Eisenbach zum Preise von jährlich 1300 Mk.

-s- Landen haus en, 28. Jan. Die Wahlbeteiligung zur bevorstehenden r g e r m ei st e r w a h l steigt mit jedem Tag. Alle Vernnttlu.ngSvorschläge bliecen erfolglos. Da es sich bei der kassierten Mahl nur um eine Differenz von einer Stimme handelte, ist man allenthalben sehr ge­spannt, was uns der Wahltag am 4. Februar bringe# wird.

O FrischVorn, 28. Jan. Vor ca. 8 Tagen wurde durch die Lauterbacher Gendarmerie der Kd. Lach­mann III. von hier wegen fortgesetztem Sittlichkeits-Ver­gehens, begangen seit ca. 6 Jahren an der nunmehr 17 jährigen Tochter des Hch. Roth hier, auf dessen Antrag verhaftet. Bei den durch Großh. Staatsanwaltschaft Gießen angestellten Vernehmungen stellte sich nun heraus, daß Roth selbst mit seiner eigenen Tochter Umgang gepflogen hab Während Lachmanu auf freien Fuß gesetzt wurde, hat man nunmehr den Vater des Mädchens in Haft genommen. Voraussichtlich wird der Untersuchungsrichter nächsten Don­nerstag wieder hier tätig sein.

XX Nieder-Di oos, 29. Jan. An Stelle des seit­herigen Beigeordneten Meinhardt wurde bei bet kürzlich vorgenommenen Neuwahl Wilhelm Hofmann II. fast einstimmig zum Beigeordneten gewählt.

X Eichenrob, 28. Jan. Bei ber kürzlich vor- genommenen zweiten Beigeorbnetenwahl würbe an Stelle bes Konrab Bläser, ber bie Wahl ablehnte, Landwirt Theobor Schaaf gewählt.

8. Groß-Znnmern, 28. Jan. Heute nacht starb hier bie älteste Einwohnerin, bie Wittwe Matthäus Stoppel im 92. Lebensjahre; sie hinterläßt 1 Tochter, 1 Sohn, 4 Enkel und 6 Großenkel.

X. Hanau, 27. Jan. Auf der Kleinbahn Hanau- Hüttengesäß ereignete sich gestern abend ein schreck­licher Unglücksfall. In der Nähe der Station Langen­diebach überschritt der Gümei'.tderechiiungsführer Mörner ans Langendiebach das OHeifc zu derselben Zeit, als der aus der Richtung von Hanau kommende Personenzug ein- lies. Jedenfalls durch das Licht geblendet, hatte der im Aller von 70 Jahren stehende Mann den Zug nicht bemerkt, er wurde von der Lokomotive erfaßt und auf der Stelle getötet. Die Räder der Lokomotive hatten ihm den Kopf zerdrückt, sowie noch andere Verletzungen am Körper zuge- fügt.

Kmfcrs Geburtstagsfeiern.

(R.) Allen darf a. d. Lda., 28. Jan. Gestern machten die Schulkinder von N o r d e ck unter Führung ihres Lehrers Koch einen Ausflug hierher. Schöne mehrstimmige Lieder singend durchzogen sie gegen mittag mit wehender hübsch gestickter Fahne und einer großen Zahl kleinerer Fähnchen in deutschen Farben gemalt unser Städtchen, um im geschmückten Saale des Gastwirts Ranft den Ge­burtstag des Kaisers würdig zu feiern. Die vielen vor­getragenen, sehr gut eingeübten, drei bis vierstimmigen Lieder, sowie ein aus Gesängen und Vorträgen bestehendes zur Geburtstagsfeier S. M. des Kaisers besonders heraus­gegebenes F-estspiel sür die Jugend zeigten, welch guter Geist unter der Nordecker Jugend herrscht. Es war eine Freude, der um die Kaiserbüste im Saale versammelte# Jugend zuhören und znschauen zu können, wie die klaren: Stint)eräugen vor Festesfreude glänzten. Gegen 4 Uhr, nach­dem sie sich in Speisen und Getränken gütlich getan nnb einen großen Teil ihres reichhaltigen Liederschatzes vor­getragen hatten, erfolgte der Rückmarsch nach der auf herrlicher Höhe gelegenen Heimat.

Merkenfritz, 28. Jan. Eine schöne Kaisers­geburtstagsfeier veranstalteten der Krieger­verein und der Gesangverein gemeinsam. An der Feier nahm fast die ganze Gememde teil. Die Feier er­öffnete der Gesangverein durch ein Lied, worauf drei Schuljungen einen Festprolog deklamierten. Der zweite Vorsitzende Rieb brachte das Hoch auf Kaiser und Groß­herzog aus. Lehrer Keil-Ktein-Linden hielt dann einen Vortrag überSüdwestasrika und die slämpfe unserer wackeren Soldaten". Der Vortrag sand lebhaften Beifall. Daran schlossen sich wieder Teklamationen der Schüler und Gesangsvorträge des Männerchors. In einer weiteren Ansprache wurde der Bedeutung des Feldzugs 1870/71 ge­dacht und ein Hoch auf das geeinte Vaterlano ausgebracht. Beim. Gesang von Vaterlanös- und Volksliedern verlies die Feier bis zur späten Nachtstunde. Unser Dors hat wohl selten eine so herrliche Kaifcrsgeburtstagsfeier erlebt.

h. Helpershain, 27. Jan. Heute abend feierte bei Kr i e g e r v e re i n den Geburtstag des deutschen Kaisers. Der Vorsitzende Rühl eröffnete Die Feier mit einem mit Begeisterung auf genommenem dreifachen Hoch auf unfern verehrten Kaiser Wilhelm II. Hierauf fang der Verein die Nationalhymne. Verschiedene Toaste, verbunden mit natio­nalen Gesängen, folgten. Bei einem guten Glas Bier der Freiherrlrch Riedeselschen Bnrgbraneru Lauterbach verlief Die Feier zur größten Zufrieoenheit sämtlicher Kameraden. Man trennte sich erst nach Mitternacht.

GerLchtstzaaL.

K. v. Darmstadt, 28. Jan. Die 2Ojährige Kellnerin Katharina Kumpf von Sck)litz, welche im Rückfall hier einer abgereislen Kollegin Kleidungsstücke entwendet hat, rourbe unter Einbeziehung einer in Frankiurt a. 9)L erhaltenen neunmonatlichen Strafe zu 1 Iah r Gefängnis verurteilt.

II Atarvurg, 28. Jan. Eine befonberS Gastwirte inter- ejsierende Entscheidung fällte heute das Landgericht. Zwei Wirke aus Biedenkopf waren besd)ulbigl, burd) Aufstellenvan A utomaten, bei denen man burd) Emwnrk eines Geldstückes Bier ober Zigarren gewinnen kann, eine öffentliche Ansspielnng ücraimaltct zu haben. Bom Schöffengericht zn je 3 Mk. Geldstraie verurteilt, halten sie Berufung eingelegt imd heule zum Beweise ihrer Unschuld die Aiiloinalcii sowohl wie aud) einige Stainm- flälle als Zeugen mitgcdracht. Um iestzustellen, ob die Schuß- behauplung, daß es fid) hier nur um eine Geschicklichkeit und nicht um ZusaU handle, lunröen die auf dem Richternfch stehenden Auto- maten eifrig m Bcwcgnng gehalten. Das Resiiltat war kosten- l o j e Freisprechung der Wirte.

Bonn, 28. Jan. TaS hiesige Schwurgericht hat btK Stubenten Hans Pagen st ebt von ber Anklage der Leraiftun»