der Anna Wirtz, Tochter eines Bäckermeisters in Münster in West- folen, freigesprochen.
Innsbruck, 28. Jan. Der Krawallprozeß in R o v e r e t o nimmt den Verlauf, der allgemein vorausgesehen wurde. Tie angeklagten Irredentisten leugnen alle gegen sie erhobenen Beschuldigungen und wollen von den deutschen Ausflüglern durch Beschimpfungen gereizt worden sein. Nur zwei Italiener hätten sich aus letzterem Grunde zu Tätlichkeiten hinreißen lassen. Die Vorladung deS Professors Meyer wurde abgelehnt.
Vermißtes»
* Berlin, 28. Jan. In der Gastwirtschaft von Hausschild hat sich ein aufregendes Liebesdrama abgespielt. Dort versuchte der 22 Jahre alte Kaufmann Jacobowsky die um etwa fünf Jahre jungece Rosa Schulze zu erschießen und sich dann selbst zu töten. Beide haben schwere Verletzungen erlitten. Jaco-- bowsky hat die Tat begangen, weil feine Bewerbungen von txmr Mädchen zurückgewiesen wurden. —' Ein neues Sy st em für drahtlose Telegraphie mit kontinuierlichen Wellen ist von dem Erfinder v. Lepel der Inspektion der Verlehrstruppen durch Telegraphieren von Reinickendorf nach Braunschweigs (230 Kilometer) mit Erfolg vorgeführt worden. Ein höchst einfacher kleiner Apparat erzielt bei geringem Verbrauch an elektrischem Strom einen großen Nutzeffekt und gestattet auch die Ausarbeitung der drahtlosen Telegraphie. — Ter Mord an der Frau Wiesner scheint sich als ein Raubmord herauszustellen, oder cs scheint der Mörder wenigstens die Absicht gehabt zu haben, sich in den Besitz des Geldes der Frau zu setzen. Sie soll erlüge tausend Mark besessen haben und kleine Summen verliehen Haven, die sie sich dann in Teilzahlungen wieder zurückgeben ließ. Ob Geld gestohlen worden ist, konnte rwch nicht festge- ftellt werden, lieber den Täter herrscht noch vollkomnienes Dunkel. Er ist wahrscheinlich zu suchen unter ihren Geschäftsfreunden, denen sie mit Geld unter die Arme griff. Tie Er- morbete soll eine lebenslustige Frau gewesen sein und ihr Vergnügen in dem Besuch von Witlvenbällen gesucht haben. — Von den beiden auf der neuen Charlottenburger Brücke über dem Landwchrkanal stehenden 20 Meter hohen Gerüsten, bie zur Errichtung mächtiger Nionunrentalfiguren zum Schmucke der Brücke dienen, ist heute das eine eingestürzt, wobei ein Arbeiter verletzt iuurae. Auch das zweite droht einzustürzen. Ter Verkehr über die Brücke ist einstweilen gesperrt. Der Einsturz steht vermutlich mit dem starken Winde in Zusammenhang.
* Einsturz einer Eisenbahnbrücke. In der Nähe der bayr. Station B i l s h a f e n st ü r z t e die über die Sils führende Eisenbahnbrücke in demselben Augenblick ein, als ein aus sechs vollbclabenen Wagen bestehender Güterzug diese passierte. T.r ganze Zug fiel ins Wasser. Der Unfall ereignete sich bei dem Granitsteinbruche im sogenannten Tafcrl. Tie 90 Ztr. schwere Lokomotive hatte bereits die Brücke passiert, als diese unter der Last der .beladenen Wagen mit fürchterlichem Krache zusammenstürzte und auch die Maschine in die zurzeit sehr hoch gehende Vils riß. Der Lokomotivführer SckMaus erlitt einen Rchpenbruch. Der Bvemser Geyer wurde von den Fluten und chollen fort gerissen und ist s p u r l o s v e r s ch w n n d e u. Seine Leiche ist noch nicht gefunden. Tie Ursache ist darin zu suchen, daß die Pfeiler der Brücke durch das Hochwasser beschädigt waren.
^Königsberg, 28. Jan. Die drei Kinder der Witwe W. im Alter von i—8 Jahren befanden sich gestern allein in der Wohnung, als plötzlich dort jämmerliches Geschrei ertönte. Den Einwohnern, die mit Gewalt in das Zimmer drangen, bot sich ein erschreckender Anblick. Am ganzen Körper völlig verbrannt lag laut stöhnend neben der Tür das älteste Mädchen. Unweit von diesem lag an der Erde die verkohlte Leiche des jüngsten Kindes und neben diesem, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, das zweite Kind, das nach wenigen Minuten starb. Die beiden Leichen, wie das schrvcrverbrannte dritte Kind wurden ins Kuapp- schaftslazarett gebracht, wo das letztere nach zwei Stunden seinen Verletzungen erlag. Als die Mutter die Leichen ihrer Kinder erblickte, brach sic ohnmächtig zusammen und wurde schwer krank ins Krankenhaus gebracht. Ter Brand war dadurch entstanden, daß das älteste Mädchen öronneicdos Papier aus dem Kohlen- kasten in den Ofen zu werfen versuchte, wobei die Kleider Feuer fingen.
* Die Steuerzahler Berlins. Bon den Awei Millionen Berlinern zahlen nur 602 265 Staatseinkommen- sdeuern. Weitaus der größte Teil — 542 000 — bezieht nur ein Einkommen bis 3000 Mark; sie zahlen insgesamt 7.4 Millionen an Steuern. Die 59 500 Steuerzahler mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark jährlich, die jetzt wieder aufgefordert werden, ihre Steuererklärung abzugeben, bezahlen dagegen mit 22.6 Millionen Mark das Dreifache an Steuern. Auch die reichsten Leute Berlins fuhrt der soeben erschienene Verwaltungsbericht der städt. ^teuerdeputation nach ihrem Einkommen und Steuersatz auf. Ter Primus unter den Krösussen von Spree-Athen bezieht jährlich ein bares Einkommen, das zwischen 3 035 000 und 3 040 000 Mark liegt; er entrichtet dafür an Staatseinkommensteuer die Kleinigkeit von 121400 Mark, und da Berlin 100 Prozent Zuschlag a ls Gemeindeeinlvmmensteuer erhebt, so verdoppelt sich diese Summe auf 242 800 Mark. Ein Einkommen von über drei Millionen Mark bezieht nur noch ein Mann, es ist mit 121200 Mark dem Staat tributpflichtig. Leute mit einem Einkommen von zwei Millionen gibt es ebenfalls nur zwei, sie beziehen 2 370000 und 2195 000 Mark und bezahlen 94 800 und 87 800 Mark Staatssteuer. Rasch schwillt jetzt die Zahl der Einkommen zwischen einer bis eindrciviertel Millionen Mark an, sie beträgt 14. lieber Bezüge von einer halben Million bis 960 000 Mark können in Berlin bereits 40 Leute verfügen, ihre Staatseinkommensteuer schwankt zwischen 19 800 und 38 200 Mark. Einkommen zwischen 100 000 und 200 000 Mark sind allein 461mal vertreten. Die kleinen Einkommen von 3000 bis 3300 Mark, die in der Gruppe der 59 000 Steuerzahler mit 6500 Zensiten am häufigsten in Berlin lind, geben einen Steuerertrag von 390 000 Mark.
* Das tragische Geschick einer gräflichen Familie, die, ihres Ernährers beraubt, so tief ins Elend geriet, daß die älteste Tochter des Hauses in den Tod ging, ruft in Wien allgemeine Teilnahme für die Unglücklichen wach. Tie Polizeibehörde hat die 19jährige Komtesse Felicie Mazzuchelli als „abgängig" gemeldet. Das Zirkular schildert sie als hübsch, blond, mit zwei langen, dicken Zöpfen, gesunden, weißen Zähnen, zierlich gewachsen und ziemlich groß. Tie Komtesse ging am 10. Januar aus der Wohnung ihrer Mutter fort und hatte, wie sich hinterher herausstellte, eine starke Dosis Morphium bei sich. Die Mutter fürchtet, daß das Mädchen Selbstmord begangen hat, umsomehr, als es in der letzten Zeit sehr aufgeregt war. Komtesse Felicie ist die einzige Tochter des Ulanenoffiziers Grafen Mazzuchelli, der sich, nachdem ihm feine Gattin gänzlich zugrunde gerichtet hatte, 1892 das Leben nahm. Die Witwe heiratete den Ulanenrittmeister Karina, der 1902 wegen Spionage und Landesverrats zu vier Jahren Kerkers verurteilt wurde. Felicie, ihre Mutter und zwei Brüder waren nunmehr dem Elend preisgegeben. Von Gläubigern verfolgt, wurde ihnen bald auch das Letzte genommen, und Felicie bewarb sich um einen Poften als Telephonistin und hatte auch schon die Prüfung zu diesem Amte abgelegt. Um dem Elend der Mutter abzuhelfen, fuhr sie vor kurzer Zeit nach Trient zu reichen Verwandten, wo das schöne Mädchen gut ausgenommen wurde. 2lls sie wieder heimkehrte, erkannte sie umsomehr, wie tief sie mit den. Ihren gesunken. Sie hatte sich) geschämt, den Ver
wandten die traurige Lage zu schildern. Man sah ihr zu Haufe die Verzweiflung an. Am 11. d. M. jährte sich der Tag, an dem sich ihr Vater erschossen hatte. An diesem Tage hat sre wahrscheinlich gleichfalls Selbstmord beganoen.
Kleine Tagcöchronik.
Vier bei hem, Bahnbau Nega—Bühlen (Kurhessen) beschäf- tlgte ausländische Arbeiter wurden verhaftet, die einen anderen Arbeiter überfallen und burch Dolchstiche tödlich verletzt hatten.
Gegen den Herausgeber der Berliner Wochenschrift „Morgen , Dr. Landsberger, hat Graf Kuno Moltke Straf- autrag gestellt Ter Graf fühlt sich durch einen die Moltkc- Affare berührenden Artikel der Zeitschrift beleidigt
In Sachen der verhafteten Gräfin Stürza glaubt die Dresdener Kriminal-Polizei auch heute noch, daß sie es mit einer Gräfin zu tun hat. Tie Meinung des Dresdener Bür- S«3 aber geht dahin, daß eine Hochstaplerin sich den Titel einer Gräfin fälschlich beigelegt hat. Tie Verhaftete soll mit einer raffinierten Hochstaplerin identisch sein, deren Mädchenname Irma Freyler ist. Wegen Betruges und Hochstapelei/die genau so wie die zuletzt in Dresden ausgeübten angelegt waren, wurde fie vor einigen Jahren in Oedenburg in Ungarn zu drei Jahren Kckrker verurteilt.
Der Ingenieur Schmidt, der mit Kollegen das elektrische Eisenbahnkraitwerk Altona besichtigte, kam dem Schalter zu nahe und wurde durch den S t a r k st r o m getötet.
Trei auf Elfenbein gemalte Miniaturen der Töchter des eng l. Königspaares, die am letzten Donnerstag aus Can Hentschels Atelier in Norwood gestohlen wurden, sind von einem Kneipwirt in London für zwei Pfund Sterling angeläuft worden.
In London wurde der Geschäftsreisende Peter Heinrich Kronen bem Polizeigerichte vvrgcführt, um au Deutschland ausgeliesert zu werden. Ter Gefangene wird beschuldigt, 2 ro h - Briefe nach Deutschland gesandt zu haben, um Geld von dortigen Persönlichkeiten zu erpressen. In den Briefen wurde behauptet, daß sie von einem internationalen Anarchisten- bund ab gesandt worden wären. Tie Wohnung Krönens wurde durchsucht und ein Brief aufgefundcn, der an einen £>errn Passermann in Essen adressiert war und diesem mitteilt, daß er sich vor Bomben in Acht nehmen solle, wenn er nicht 3000 Mk. sende. Ein ähnliches Schreiben war an Herrn Thyssen in Mülheim a. Rh. gerichtet.
Der Gutsbesitzer Henryk Werner wurde auf seinem Gute Bielins .bei Tomassow (Polen) von einer Banditenbande mitsamt seiner Frau und seinem sechsjährigen Söhnchen getötet. Die Banditen verwundeten die Dienerschaft, beraubten das Wohnhaus unb entkamen.
„ InBoston erhielt eine Gasthansmagd namens Georgine Smythe von einem Rechtsamvalt die Nachricht, daß ihr eine Erbschaft in Höhe von 200000 Dollar zugeiallen sei. Ihr Anspruch aui diese Erbjchait gründet sich darauf, daß sie ein Nachkomme des engt. Königs Georg IV. aus dessen morganatischer Ehe mit der Fitzherbeit ist.
Neichsgerichtsbries.
Nachdruck verboten! I. S. Leipzig, Januar 1908.
Von der Aufsichtspflicht der Eltern über die Kinder.
Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich am 4. Juni 1905 in Berlin dadurch, daß der mit einem Tesching spielende 15- jährige Sohn der Bäckerssrau P. eine achtjährige Schulkameradin durch einen Schuß in den Kopf verletzte. Die Kugel war durch das Kleingehirn gedrungen, und an der andern Seite des Schädels sitzen geblieben. Dies hatte bei der Verletzten Sprach- und Schstörungen zur Folge, wofür sie den P. und dessen Mutter auf Schadloshaltung in Anspruch nimmt. Tie Klägerin fordert außer Sckfadloshaltung für den ihr erwachsenen Schaden noch ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Mk.
Tas Landgericht Berlin ertminte die Schadensersatzansprüche der Klägerin dem Grunde nach für gerechtfertigt an und verurteilte den P. und defsen Mutter auch zur Zahlung ber geforderten 1000 Mk. Schmerzensgeld. Die Mutter habe ihre Aufsichtspflicht insoweit verletzt, als sie den Knaben, der mit Knall- büchsen zu spielen gewohnt war, und damit schon andere Kinder bedroht halte, dies nicht untersagt und ihn in dieser Beziehung nicht genügend beaufsichtigt habe. Auf die Berufung ber Beklagten wurde das Urteil des Landgerichts vom Kanmier- gericht zu Berlin nur inbezug auf den minderjährigen P. bestätigt, dagegen die gegen Frau P. aus Grund der Beaus- sichtigungs pflicht gerichteten Ansprüche ab gewiesen. Tas Kämmergericht stellt fest, daß der Knabe biSIjer nur mit ungefährlichen KNallbüchsen, die mit Papier geladen waren, gespielt habe, die beklagte Mutter aber nicht habe wissen können, daß er an dem Unfalltage sich ein Tesching zulegen würde. Tarin, daß sie den Knaben mit langen Pansen habe umher laufen lassen, anstatt ihn zu beschäftigen, liege eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht nicht.
Tie von der Klägerin gegen das kammergerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom 6. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Das Reichsgericht führt aus, daß eine Haftpflicht ber Frau schon deshalb nicht eintreten könne, iveil auch bei gehöriger Aufsicht dieser Schaden nicht vermieden worden wäre. Daß an einem Sonntag nachmittag der Knabe beim Ausgehen sich mit seinen Kameraden ein Pistol kaufen und ehe er nach Haufe kommt auf ein Mädchen schießen werde, habe die beklagte Mutter beim besten Willen nicht verhüten können. Wenn der Junge bisher oft mit Knallspiel- zeug umgegangen sei, so sei das was ganz anderes und könne die Beklagte deshalb nicht wegen Vernachlässigung der Aufsicyts- Pflicht verantwortlich gemacht werden.
Uileversitäts-NachrLchtr-L.
— Ter Professor der Stgglswissenschaileii nn ber Universität Straßburg Wittich bat den an ihn ergangenen Ruf als ordentlicher Professor an der technischen Hochschule in M ü nchen endgültig a b g e l e h n l.
Mrche smfc Schule.
Schweidnitz, 25. Jan. Aus Anlaß ber 200jährigen Jubelfeier des hiesigen Gymnasiums fand heute em Festakt statt, zu dem auch der frühere Kultusminister Dr. v. Studt erschienen war. Ein Ober-Regierungsrat überreichte als Jubelgabe ein großes Bild des Kaisers. Im Namen der ehemaligen Schüler überreichte Direktor Tamm aus Montabaur eine Jubel- gäbe von 2527 Mk. zur Beschaffung einer Orgel für die Aula.
handel.
— Heizwert der K ohle n. Ein Vorschlag zu einer Uingeftaltung des Kohlenhandels wird von der seuerungstech- nischen Abteilung des Berliner Instituts für Gärungsgewerbe gemacht. Zahlreiche Kvhlenanalyfen aus den letzten Jahren, verglichen mit solchen aus früheren Jahren, zeigen, daß durchschnittlich die KvblenaualitLten hernulergegangen sind, so daß es sehr wohl möglich ersck>eint, daß die so enorm erhöhten Ausgaben für Llvhlen nicht nur durch die gesteigerten Preise bedingt sind, fonbern daß auch die verminderte Qualität der Kohlen daran Schuld trügt Es wird nun aufgefvrdert, daß künftig die Preisbemessungen bei Kohlen nicht nur nach der Sortierung geschehen dürfen, die keinerlei Gewähr für den inneren Wert der Kohlen, den Heizwert, bietet, sondern daß der Würmepreis, z. B. der Preis für 100 Millionen Wärmeeinheiten in Förderkohle als Grundlage für die Preisfestfetzung dienen soll. Ter Preis von Kohlen wird dann von Fall zu Fall aus der Analyse berechnet, die von einem zwisckien Abnehmern und Lieferanten vereinbarten Laboratorium vorgenommen würde.
♦* Konkurse in Hessen. Uebcr das Vermögen der Georg M e r b IL Witwe, Henriette geb. Habicht, in Schlitz wurde am 16. Januar das Konkursverfahren eröffnet. Orts- gerichtsvvrsteher Habicht in Schlitz wurde zum Konkursverwal- tcr ernannt. Kvnkursforderungen sind bis zum 5. Februar bei dem Amtsgericht Schlitz, anzumelden. — lieber das Vermögen des
Landwirts Lorenz Becker H. von Ensheim, z. Zt. unbekannt wo, wurde am 23. Januar das Konkursverfahren et«. oinict. Notariaisgehilfe Jakob Streuber von Nieber-Saul> heim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konknrsfor- bcruitgen find bis zum 25. F-ebruar bei dem Amtsgericht an» zumelden. — Uebcr das Vermögen des Landwirts JakobWein- Heimer m M o n s hc i m wurde am 23. Januar das Konkurs- verfahren eröffnet, da d.e Ueberschuldung des Schuldners und seine ZahlungsnnfüHigkeit dargetan ist. Notariatsgehilfe H i tz e 1 in Pfeddersheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kon- kursiorderungen sind bis zum 26. F-ebruar bei dem Amtsgericht Pfeddersheim anzumelden. — lieber das Vermögen des Metzgers und Fuhrmanns Christoph Peter Knaus von Tüdels- h e i m wurde am 25. Januar das Konkursverfakwen eröffnet Rechtsanwalt Fritz Ko ch in Büdingen wurde zum Konkursvn> Walter ernannt.! Kontursforberungen sind bis zum 17. F-ebruar bei bem Amtsgericht Büdingen anzumelden.
Märkte.
•th. Gießen, 23. Jan. Aui bem heutigen Rindvieh- marft waren zwischen 900—1000 Stück Großvieh und 150 Kälber ausgetrieben. Der Vorinarll Halle schon 'JJhtte ber vorigen Woche eingesetzt unb gute Unnütze in ostfriesljchen Milchkühen gezeitigt, die wie immer hoch bezahlt wiirben. Wider Erwarten war der Handel in Milch- und Zuchtvieh auf dem eigentlichen Marlt recht lebhaft, besonders m solchen Tieren, die der Mmel- und Kleinbauer braucht, doch trat gegen den letzten Markt eine Preissteigerung nicht em. Junge Zuchlrinder und Stiere, bie gesucht waren, fehlten am Markt io gut wie ganz. Für Fellvieh waren Käufer genug am Platze, doch mangelte es an ber rechien Kauflust, jo daß z. B. erstklassige Rinder, um unlerzukonimen, mit 9)1 f. 3 — für den Zentner A b s ch l a g verkauft wurden, so daß auch bei den größeren Tiefen ein Preisnachlaß nicht ausbleiden lomue. Ter Kalbermartt war schlechter ivie jck.lechl. Tie Frankfurter Einkäufer waren die ein- zigen Kunden, die für Kälber, ober nur bei sehr billigen Prellen Interesse hatten, so daß bc|le Ware teilweise mit 62 Mk. der Zentner Schllichtgewicht gekauft wurde. Ter heute Kälbermarkt zeigte erneu Tieflland des Preises, wie er seit Jahren nicht da war. Es wurden gehandelt das Stück Milchkühe 1. Qual. 480 —530 Alk. einzelne schwere Stücke bis 560 Mk., 2. Qual. 370—430 Mk', 3. Qual. 275—330 Mk. Bezahlt ivurden per Zentner Schlachtgewicht : Fette Rindcr 1. Qual. 67—69 Alk., 2. Qual. 64—66 Mk.' lette Kühe 1. Quai. 62-63 Mk., 3. Qual. 58—60 Mk.: Kälber I Qual. 59—63 Mk., 2. Qual. 55—57 Alk., 3. Qual. 52—54 Mk. stelle Ochsen kosten in der Gegend der Zentner Schlachtgewicht 76-77 Mk. in bester Ware.
Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch-- nnd Brotprcise am 27. Januar 1908.
Höchste Schtachtviehpreise in Frankfurt a. 9)1.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kalber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 75—81 'Mk.
‘/, Kg.Schlachtgew. 92—95 Pi.
7? »_______u_____58—61_,
'/, Kg. 82-88 Pfg.
V, , 70—80 ,
V, , 70-84 ,
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 23.25—00.00 Alk.
Roggen 100 Kg. 21.25-0 ,.00 Alk.
Weißbrot 2 Kg. 62 Plg.
Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pfg.
Gießener Wetterdienst.
DoranHsichttiche Witterung für Hesten am Donnerstag den 30. Januar 1908: Zeitweise aufheilernd. Geringer Schnee. Nachls Frost. Ain Tage Teniperalur wie heute. Westliche Windei
R. B. D armstabt, 29. Jan. Tie Zweite Stände- f a m m e r wird in ihrer heutigen Sitzung die noch spruchreifen Gegenstände der Tagesordnung so weit fordern, daß sie alsdann ihre Plenarberatungen einstellen kann, um von Donnerstag ab den verschiedenen K a m m e r a u s s ch ü s s e n für die Erledigung ihrer Arbeiten das Feld allein zu überlassen. Als erster wird der; Finanzausschuß feine Etatsberatungen wieder aufnehmem — Der Finanzausschuß der Ersten Kammer wirh gleichfalls am Donnerstag, 30. Jan., mit seinen Etatsberatungen beginnen. — Ferner nimmt am nächsten Donnerstag vormittag auch der S o nd e r au s sch u ß für die Verwaltungs-» g e sehr e form seine Beratung über die Regierungsvorlage/ die Städteordnung betr., wieder auf, um sie endgültig! sertigzustellen. An eine Verabschiedung der Landgemeinde- und ber Stöbteordnung noch in der gegenwärtigen Kammertagung, wie man es früher stark erhofft hatte, wird indessen trotzdem kaum noch zu denken sein.
Mannheim^ 29. Jan. Der Rhein uitb der Neckar sint» seit gestern in beständigem ©teigen begriffen. Der Rhein iffc von 1.78 Mtr. auf 2.73 Mtr. gestiegen, der 92edar von 2.10 Mtr. auf 3.43 Mir.
München, 29. Jan. In der bayerifchen Abge-i^ ordnetenkammer erklärte bei Beratung des Militäretatss der Stellvertreter des K r i e g s m i n i st e r s , Generakmajor Freih.^ von Speidel, daß versuchsweise bei sämtlichen bayerischen Truppenteilen die graue Felduniform mit Liegekragen und Halsbinde Angeführt werben soll. Wesentliche Aenderungen im Schnitt erfolgen nicht.
Rom, 29. Jan. Tis vatikan-offiziöse Correspondetuüi Romana veröffentlicht einen Artikel, der auf eine tiefe Verstimmung der leitenden Kurienkreise über gewisse Kreise des deutschen Katholizismus schließen läßt. Zunächst zieht das Seibci-gan des Kärdinal-StaatssekretärÄ Merry del Val über den päpstlichen Hausprälaten Professor Ehrhardt in Straßburg her, dann bemerkt es aber, daß der Ehrhardt-Skandal noch verdoppelt werde durch die Berliner „Germania", die sich der glorreichen Tradition ihrer Begründer immer unwürdiger erweise. Jetzt setze die „Germania" aber ihrer zweideutigen Haltung gegenüber dem heiligen Stuhl die Krone auf, indem sie unter chmeichelhaften Worten für Ehrhardt den tadelnswertesten Teil von seinen Ausführungen abdruckt. Die Korrespondenz chließt: Diese Meuterei von Dilettanten der mehr oder weniger modernistischen Wissenschaft muß aufhören. Herein oder hinaus, die einfache Ehrlichkeit tierlangt das.
Mailand, 29. Jan. Ter P ar i ser Co rresPo u den t des Blattes (Sortiere della Sera sendet diesem folgende Information: Ich bin in ber Lage, Ihnen die Erklärung zu übermitteln, bie ein Vertreter einer Großmacht, die ich nicht näher bezeichnen kann, aber nicht Italien ist, über die marokkanische Frage vor einigen Tagen gemacht hat, nämlich: Wenn Frankreich innerhalb 14 Tagen nicht ein vorsichtigeres! System eingeschlagen habe, so werde Deutschland Frankreich darauf anfmerffam machen, daß es sich nicht mehr imt Rahmen ber Akte von Algeciras halte und daß Deutschland eine neue marokkanische Konferenz einberufen werde, um die marokkanische Frage zu losen. Teutsch-^ land werde auch eine Konferenz einberufen, falls Mnley Hafid aus dem Kampf gegen Abdul Hafis als Sieger l-ervorgehe. Der Korrespondent fügt bmzu, daß er für die Richtigkeit feiner In-, örmation zu jeder Zeit cinstehen kann.
Petersburg, 29. Jan. Die Angehörigen dec regierungsfreundlichen Dumapariei haben eine Einladung zum Zaren nach Zarskoje Selo erhalten. Angeblich wird der Zar denselben persönlich seine Wünsche mitteilen. Die Manne-Vorlage dürste vermutlich von der Duma, bewilligt werden.


