Hütet die Haut des belichteten Körpers. Dabei sangt das in den oberflächlichen Hautpartien zirkulierende Blut gierig eine Masse bestimmter Strahlen des Lichtes in sich auf. Wir wissen noch nicht bestimmt anzugeben, welche Verwertung die durch den Blutfarbstoff absorbierten chemischen Lichtstrahlen im Haushalte des menschlichen Körpers finden, darüber aber kann kein Zweifel bestehen, daß die Einverleibung einer so gewaltigen Energiemenge nicht vor sich geht, ohne daß dadurch die Stofsumsetzungen innerhalb der Körpersäfte eine Beeinflussung erfahren, und daß diese Beeinflussung nur in günstigem Sinne sich betätigt, dafür sprechen die Erfahrungen des täglichen Lebens. Das ledcnfalls ist sicher und unbestritten, daß einzig und allein schon die durch das Licht bewirkte Aenderung der Blutverteilung, die wechselnde Blutfüllung, die äußeren und inneren Organe des Körpers, in ihrem Ernährungszustände hebt und sie befähigt, ihren Aufgaben in vollem Maße zu entsprechen.
Die Haut ist dasjenige Organ, welches durch die Sonne direkt beeinflußt wird und aus den Strahlen des Lichtes die meisten Vorteile zieht. Der' Blutreichtum, welcher, der Belichtung folgt, stärkt die Haut, macht sie voller, saftreicher und elastischer; er verleiht ihr ein schönes, gesundes Aussehen und erleichtert ihr die Aufgabe, eine wirksame und wider standsfähige Schutzbecke für die inneren Organe zu bilden. Die Bedeutung der Haut aber liegt nur zu einem Teile in ihrer Schutzwirkung gegen äußere Schädigungen. In ihr, eingebettet liegen in großer Menge drüsige Organe, die Schweiß- und die Tcägdrüsen. Diese dienen der Regulierung unserer Jnnenwärme, sie dienen der „Atmung", sie bewirken die Ausscheidung einer Masse von Stoffen, welche durch ihre Vermittelung aus dem Blute auf die Körperoberfläche entleert werden müssen. Eine mangelhafte Tätigkeit dieser Drüsen ist von verhängnisvollen Rückwirkungen auf das Befinden des Gesamtorganismus. Unter normalen Verhältnissen gehört das Licht zu jenen Faktoren, welche — hauptsächlich durch die Einwirkung auf das die Drüsen umspinnende feine Blut^esäßnetz — ihre Funktionen regeln und die vielfachen, von innen und außen tommenoai Schädlichkeiten von diesen zarten Trüschen fernhalten. Außerdem ist die Haut von zahlreichen nervösen Elementen durchsetzt: zahlreiche Nervenfasern vermitteln innige Beziehungen zwischen der Körperobersläche und den inneren Organen. Eine Schädigung der peripheren Nervenbahnen erfolgt nicht ohne die inneren Organe, ohne die Funktionstüchtigkeit des ganzen Körpers störend zu beeinflussen. Anderseits ist eine durch reichliche Blutzufuhr vermittelte gute Ernährung und das hierdurch gewährleistete richtige Funktionieren der Hautnervenapparate eine wichtige Bedingung für die normale Leistungsfähigkeit aller im Körper vorhandenen Nerven.
Jede einzelne der verschiedenartigen, für den Gesamtorganismus wichtigen Funktionen des Hautorganes erfährt durch die Einwirkung des Lichtes wertvolle Anregung und Kräftigung. Und in ähnlicher Weise wie mit dem Lichte verhält es sich mit der fteien Luft. Die Reizwirkungen leicht bewegter Lust auf das Blutgefäß- und Nervensystem unserer Haut unterstützen die Effekte der Belichtung aus das zweckmäßigste. Auch bezüglich der physiologischen Wirkungen des Luftbades haben die modernen wissenschaftlichen Untersuchungen solide Grundlagen gc- schafsen, auf welche eine rationelle therapeutische und prophylaktische Verwertung der uns unmebenden atmosphärischen Faktoren sich aufzubauen beginnt. Vor allem ist die Tatsache sicher gestellt worden, daß wir im Lustbade, weitaus mehr als im Kaltwasserbabe, ein zweckmäßiges Abhärtungsmittel besitzen, ein Mittel, um die Haut und den ganzen Körper an die so oft verhängnisvollen Schwankungen der Außentemperatur zu gewöhnen.
In solchen Fortschritten der Erkenntmis hinsichtlich der uns frei zur Verfügung stehenden Naturkräste ist die Forderung gelegen, daß alles geschehen muß, was dazu beitragen kann, die wohltätigen Wirkungen des Lichtes und der Luft in ausgedehntem Umfange im Interesse des Einzelnen und im Interesse des Volkswohles auszunützen. In diesem Sinne, des bin ich gewiß, werden alle Aerzte die von Ihnen geäußerte Absicht, hier in Gießen ein Luft- und Sonnenbad ins Leben zu rufen, mit Freuden begrüßen und werktätig unterstützen.
Gießen, 18. April 1908.
Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung ergebener I e s i o n e k.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 27. April 1908.
• * Landesuniversität. Dr. phil. Max Rauther, bisher Privatdozent für Zoologie an der Universität Gießen, hat sich mit einer Probevorlesung über „Die vergleichende Methode der Morphologie" in gleicher Eigenschaft in der philosophischen Fakultät der Universität Jena eingeführt. Dr. Nauther (geb. 1879 zu Königsberg i. Pr.) war seit Oktober 1905 Assistent bei Prof. Spengel am zoologischen Institut. 1906 erhielt Rauther die venia legendi. Seine Arbeiten mthalten Beiträge zur vergleichenden Anatomie.
• * Jnterpellatio n wegen Beamtenversetzungen. Abg. Bähr hat nunmehr, wie uns aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, die bereits vor längerer Zeit ange» kündigte Anfrage wegen der Versetzung des Oberlehrers Dr. Werner bei der 2. Kammer eingebracht. Allerdings beschäftigt sich die Anfrage nicht mehr mit dem Einzelfall, der den Anlaß dazu gab. Es wird vielmehr im allgemeinen gefragt, ^Welches sind die Grundsätze, nach denen die Großh. Regierung sich bei derVersetzung von Staatsbeamten an eine andere Stelle leiten läßt?" In der Begründung der Anfrage führt Abg. Bähr aus, in weiten Kreisen der Bevölterung herrsche die Ansicht, daß die Regierung sich m der Frage von Versetzungen nicht von einheitllehen Grundsätzen, sondern von verschiedenen Gesichtspunkten leiten lasse und daß insbesondere das Bekennen und die Betätigung politischer Gesinnungen seitens der Beainten von ausschlaggebender Bedeutung sei.
* • Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Samstag, 2. Mai d. I., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Octsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenoerband Gießen wegen Unterstützung der Ioh. Peter Jung Witwe. 2. (Enteignung von Gelände in der Gemarkung Utphe zur Anlage eines Hochbehälters. 3. Reklamation gegen die Ge - meinderatSwahl zu Ulrichstein.
•• Sozialdemokratische Beigeordnete. Die ,Berliner 9?eucft. Nachr." melden aus Darmstadt: Tie hessische Regierung versagte durch Entschließung vom 22. April den drei in letzter Zeit im Großherzogtum Hessen zu Bürger- meistern ober Gemeindevorstehern gewählten Sozialdemokraten ihre Beslätigiing. (In der Darmstädter und der übrigen hessischen Presse ist bis jetzt hierüber nichts gemeldet.)
** Kaufmännischer,Verein. Die ordentliche Haupt- dersammlung des Kaufmännischen Vereins, die am Samstag abend 9 Uhr im Vereinshaus slattfand, war gegen die vorhergegangenen Jahre verhältnismäßig gut besucht, jedoch hätte in Anbetrack. dessen, daß der Verein jetzt 428 Mitglieder zählt, die Beteiligung noch größer jein dürfen. Nachdem Schriftführer, Rechner, und Leiter d^r Fachschule ihre eingehenden Berichte erstattet hatien, wurde d.m Geiamtvorstand von der Versammlung Entlastung erteilt. Hierauf schrill man zur Wahl des Vorstandes für die nächsten drei Jahre. Die sämtlichen Herren, die seither Len Vorstand bildeten, wurden mit großer Majorität a ieb.r gewählt, nur an Stelle des von Gießen weg- gezogenen Herrn Heppeler tritt Herr Gravelius neu in den
Vorstand ein. Es folgte hierauf Wahl der Rechnungsprüfer, des Aufnahme-Ausschusses und der Schuckommission. Der Voranschlag für das neue Vereinsjahr wurde ernjUmmig genehmigt. Ta keine weiteren Anträge Vorlagen, schloß der Vorsitzende kurz vor 12 Uhr die Versammlung. Ter Jahresbericht wird in Druck gegeben und jedem Mitglied demnächst ein Exemplar zugestellt.
” Im Kolosseum findet morgen die erste Volksvorstellung statt.
— Bad Nauheim, 26. April. Zur Kur stiegen ab im Parkhotel Prinz und Prinzessin Alfred zu Löwenstein aus Schloß Langenzell in Baden, Prinzessin Heinrich von Schönburg aus Schloß Droysig und Gräfin Reichenbach aus Frankfurt a. M.
fc. Friedberg, 26. April. Dem Landtagsabgeordneten Hirschel ist am 24. April daS Gießener Strafkammer- Urteil zugestellt worden. Hirschel beauftragte seinen Rcchtsbeisland, den Iustizrat v. Brentano in Offenbach a. 9)L, Revision beim Reichsgericht anzumelden, da das Urteil in verschiedenen Punkten eine Revision aussichtsreich erscheinen lasse.
§ Vom Hoherodskopf, 26. April. In nächster Zeit beginnen die Arbeiten an dem Straßennetibau Breungeshain—Oberwaldstraße. Der Erbauer ist der Forstfiskus. In iveiten Kreisen begrüßt man den Straßenneubau mit Freuden, da der „Hoherodskopf" besser als seither zu Wagen erreicht werden kann. Bis Herbst 1909 soll die Verbrndungsstraßc dem Verkehr übergeben werden.
? Lindheim, 26. April. Am 13. und 14. Iulid. I. begeht der hiesige Gesangverein „Eintracht" das Fest seines 2 5jährigen B e st e h e n s.
Darmstadt, 25. April. Ter Vrovinzialtaa der Provinz Starkenburg hielt heute unter dem Vorsitze des Promnziatdirektor v. Grancv eine Sitzung ab. Zunächst widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Mitglied Otto Wolfskehl einen Nachruf. Zu Punkt 1 der Tagesordnung betreffs der Entscheidung über die Gültigkeit der Ergänzungs- wahl der Provinzialtagsabgeordneten wird die Gültigkeit der Wahl des Bürgermeisters Zerweck Zwingenberg beanstandet, da er bereits Mitglied des Provinzialtags ist. Der Kreis Bensheim wird ersucht, eine andere Wahl baiiir vorzunehmen. Es folgt die Vorlage des Vcrwaltungsbcrichts des Provinzialausschusses für 190J 07. Der Bericht wird ohne Beanstandung angenommen, ebenso die Neclmung der Provinzialkasse und Provinzialpflegeanstalt für 1903/0 7. Bei Feststellung des Voranschlags der Provinziallasse und der Provinzialpflegeanstalt für 1908 entwickelte sich eine längere Debatte, in der es sich hauptsächlich um die Frage der r ü ck st a n b i g e n Staatsbeiträge drehte. Die Regierung ist der Provinzialtasse gegenüber mit früheren Staatsöeiträgen im Rückstand. Man sprach deshalb den Wunsch aus, daß der Staat event. durch Aufnahme einer Anleihe Deckung schaffen möge. Tie Gesamteinnahmen und -Ausgaben der Pwvinziallasse balanzieren mit 598 469 Mk., die Einnahmen und Ausgaben der Provinzialpflegeanstalt mit 164 000 Mark. Bei der zum Schluß erfolgten Ergänzungswahl wurde an Stelle d.s ausichewenden Oberbürgermeisters B r i n k Kommerzienrat Wecker von OsscnbacG an Stelle des Geh. Justizrat Schüler Oberkonsiswrialrat B e r n b e ck - Darmstadt gewählt. Die übrigen Herren wurden wieder gewählt.
u. Ustngen, 25. April. Unser ehemals von jeglichem Verkehr abgeschlossenes Kreisstädtchen entwickelt sich immer inehr zum Eisenbahnknotenpunkt. Als jüngstes Glied gilt es die TaunuSbahn Usingen — Weilmünster auszubauen, die eine direkte Verbindung nach der Lahn (Station Weilburg) bringt. Die Strecke hat nicht geringe Geländeschwicrig- leiten zu überwinden, sie verbindet das Usatal mit dem Tal der Weil. Große Brücken und tiefe Einschnitte sind erforderlich, dazu sind beträchtliche Steigungen unvermeidlich. Die Hauptschwierigkeiten liegen zwischen Wilhelmsdorf, Hundstadt und Grävenwiesbach. In großen Kurven mußten hier die Höhen des Taunus, Hoheberg und Hartkuppel umgangen werden. Bet Grävenwiesbach tritt die Bahn in das Tal des Wiesbachs, bei Langenbach in das Weiltal, bei Weilmünster mündet sie in die Strecke Weilburg—Weilmünster. Die neue Lmie bekommt die Stationen Usingen, Wilhelmsdorf, Hund- stabt, Naunstabt, Grävenwiesbach, Mönstadt, Langenbach, Audenschmiede, Weilmünster. In Bad Nauheim, dem Usa- tale und Butzbach verfolgt man den Bahn bau mit größtem Interesse, erwartet man doch nach diesem Bahnbau endliche Verwirklichung der schon seit Jahren angestrebten Bahn- Projekte Bad Nauheim—Usatal—Usingen und Butzbach —Brand- obcrndorf—Grävenwiesbach bezw. Butzbach—Brandoberndorf —Wetzlar.
Mannheim, 25. April. Eine hier abgehaltene Versammlung des Deutschen Tabakvereins erklärt jede Mehrbelastung des Tabaks für unvereinbar mit den Erwcrbsinteicsscn der Zigarrenindustrie und befürchtet in Verbindung mit einer Mehrbelastung die Vorbereitung eines Tabakmonopols.
Mannheim, 26. April. Ein Stra ßen kra w a ll, der gestern abend in der Neckarvorstadt entstand, nahm einen gefährlichen Charakter an. Ter Aufseher der syndikalfreien Kohlenvereinigung, Streik, der Arbeitslvilllge aus Nordbeutschlanb beschafft hatte, wurde von den Streik- posten verfolgt. Tie Menge schloß sich an. Ter Aufseher flüchtete in eme Wii lschast, vor der sich mehrere Tausende an- sammelten und stürmisch die Herausgabe des Mannes forderten. Die Schutzleute wurden stark bedrängt, beschimpft und mit Steinen beworfen. 28 Exzedenten wurden v erh a ft et Ein Schutzmann wurde in die Hand gestochen, 2 Exzedenten verletzt. (Frkf. Ztg.)
Rcichsgerichtsbrief.
Nachdruck verboten. I. S. Leipzig, April.
Aus sch lu ßderVersicherung wegen Alkoholismus.
Der Erblasser der Klägerinnen, der Witwe W. und der Frau U. zu Schkeuditz, war bei der Allgemeinen Renten-, Kapital- und Lebe nsverj icherungsban t Teutonia i n Le ipzig Deriidycrt. Während der Lerficherungszeit am 4. Januar 1903, wurde er durch einen Wurf mit einem Sekb- glase an der Stirn verletzt. Einige Tage darauf betaut er Ge- lichtsrvse, woraus er schließlich am 24. Januar 1903 verstarb. Tie Versicherungsgesellschaft, die nach § 1 der Versick-erungs- bebingungen nur |ür Sctzadeussolgen von Verletzungen in deren nachweisbar direkter und alleiniger Folge ohne Mitwirkung bestehender, ober neu hinzutretender Krankheiten usw. aufzukommen hat, befhntt die Verpsticchung zur Zahlung der Lerpcherungssumme, da nicht der Tod durch die Rose und diese nicht durch die Verletzung herbeigesührt worden jci. Jedenfalls hätten bereits fraiifbafte Zustände vcr dem Unfälle bestauden und bei dem Tode des Ver- sich-erteir mitgewirkt.
Tas Landgericht erkannte auf Abweisung der Klage, rocil die Gesichtsrose, die den Tod zur Folge gehabt habe, nicht die Folge d.e Verletzung gewesen sei. ‘duf die Berufung der Klägerin entj ieb Oberlandesgericht Naumburg für Zuruck- loenung berieiben, uibem es annunmi, daß eine Entschüdtgnngs-
pflicht für den Unfall nicht vorliege, da nach dem Gutachten des Tr. K. und des Geheimrats v. M. sehr wahrscheinlich di« Rose allein den Tod nicht herbeigefiihrt habe, sondern daß vielmehr die durch Alloholismus herbeigeführte Herzschwäche dabei mitgewirkt habe.
Gegen dieses Urteil hatte die Klägerin Revision beim Reichsgericht eingelegt und geltend gemacht, daß das Berufungsgericht die Mitwirkung der durch Alkoholismus herbeigeführten Herzschwäche bei dem Tode nicht als festgestellt, sondern nur als „sehr wahrscheinlich" annehme. In dieser Beziehung sei aber die Beweislast der beklagten Verjicherungsbank zuzuweisen, und die Folge bet Nichtfeststellung jener Mitwirkung könne deshalb nur die Verurteilung der Beklagten sein. Der 7. Zivilsenat des Reichsgericksts erkannte auf Zurückweisung ber Revj. sion, indem er ausführt, daß positive Anzeichen, für die Mitwirkung derartiger Tatsachen festgestellt seien, uno daß bei solcher Sachlage von den Klägerinnen zur Begründung ihres Anspruchs die Widerlegung jener Anzeichen gefordert werden müsse. Tas Berufungsgericht sehe die Widerlegung aber nickst als eriolgt an, wie sich daraus ergebe, daß es die Mitwirkung der durch den Alkoholismus berbeigcfübrten HerzickMäche bei dem Tode als sehr wahrscheinlich bezeichnet.
vermischtes.
—" Aufg aben fürs „praktische" Leben. Ttn Schülern einer höheren Lehranstalt in Bingen wurden folgende Rechenaufgaben (aus Schellens Rechenbuch) gegeoen: 1. Fch Wirt hatte 12 Hektoliter Ncoselwein, darunter 660 Liter bessere <oorte von 1.50 Mk. das Liter. Er mischt beide Sorten und will noch soviel Wasser z..s.tzen, daß er ein Liter ber Mischung zu 1.20 Mk. verkaufen tänn; wieviel Wasser muß er zusetzen'? 2. Ein Wirt hat einen Vorrat von Wein zu 1.60 Mk das Liter; er wünscht denselben zu verdünnen und daraus 104 Liter einer geringeren Sorte zu machen, von welcher er ein Liter zu 1.40 Mk. verkaufen kann; wieviel Wein und Wasser vraucht er dazu? Daß diese Ausgaben einen eminent praktischen" Wert haben, totrb niemand bestreiten, ob sie aber auch im Interesse der Konsumenten liegen, ist eine andere Frage. Ter „Rheing. Anz." meint dazu, es fehle nur noch, daß gefragt und gelehrt würde, wieviel Glyzerin, Schwefelsäure, Ro- sinen und dergleichen zu der Pantscherei notwendig wären, und (erncr, was ber Pantscher bekäme, wenn seine Panischeres heraus- täme unb seine Brühe in bie Gosse gelassen würde.
* 23 o m Wirbelsturm in Nordamerika, von dem wir bereits am Samstag kurz berichteten, bringen die jüngsten Meldungen grauenvolle Einzelheiten. Die Gesamtzahl der Getöteten dürste sich nicht aut 10, sondern mindestens anföOO, die derBerletzlen aus etroa 3000 biseOOObelaufen. Ter erste der Stürme, der bieSübftaaten heimsuchte, hatte sein Zentrum im Innern Louisianas, von wo er nut rasender Geschwindigkeit nordostwärts quer durch Mississippi und Alabama legte und erst in Georgia seine Gewalt verlor. Ter zweite Sturm brach an der Grenze zwischen Mississippi und Alamba aus, der brüte im Innern von Texas. Ter erste Zykloii zenrnmmerle aus eine Strecke von zehn Meilen alles, ivas sich auf seinem Wege befand; er vernichtete die Saaten, wühlte den Erdboden auf, und riß die Trümmer meilenweit mit sich fort Bon den Menschen, die ihm zum Opfer fielen, wurden mehreren die Gliedmaßen a tt s g e r t s s e n, andere wurden hundert Nieter hoch in die Luft gehoben und in weiter Entfernung wieder zu Boden geschleudert. Zn den fünf heimgesnchten Staaten sind ganze Distrikte nut den Trümmern von Häusern und Bäumen übersät, utid ganze Hausen von Menschen-- mtd Tierleichen vinvollstänbigen das grauenvolle Bild. Soweit wie bisher ermittelt werden konnte, sind im ganzen 4 0 Städte entweder gänzlich zerstört oder furchtbar vzr- ivüsiet. Hunderte von Pflanzungen sind vollstätidig vernichtet. Dec Berltlst aii Eigentum wird aus 50 Millionen Dollar geschätzt. 20 000 Menschen sind durch die Katastrophe abdachlos geworden. In der Stadt N a t ch e z wurden 6 4 Personen getötet, in Amito gab es 5 0 Tote und ebenso viel Verletzte. In Albertville fanien 5 5 Personen ums Leben, währeiid ebenso viele ver- luunbet wurden. Der ganze nördliche Teil dieser Stadt ist wie iveggeblasen. Auch das Fort Deposit tm Staate Alabaina wurde vom Boden hmwegge'egt. Jn Mae Ealum tvurden 12 Personen getötet. Der Sturm rtß auch eme Brücke nut 120 Meter Eisenbahngleis hinweg. Auf den Sturm folgte ein furchtbarer Wolkenbruch, der eine lieber- schwemmung herbeüührte, die m den tiefer gelegenen Orten das Unglück noch vermehrte. In vielen Teilen der von dem Tornado betroffenen Gegenden sind die Telegraphenleilungeii zerstört. Etwa hundert Orte erbaten die Sendung von Zeltern 'Auch herrscht großer Mangel an Aerzten. Hilfeleistung ist in die Wege geleitet — Noch immer lassen sich nur ungefähre Schätzungen der Zahl ber Toten und Verwundeten angeben, die dem Orkan und dem Tornado in den Südstaaten der Union zum Opfer gefallen sind. Die niedrigsten Schätzungen nehmen an, baß bem Unwetter am Freitag mindestens 500 Personen erlegen sind, unb baß 3000 Personen verletzt worben sind. Ta die Leichen unb Leichenteile aufeinanber getürmt sind, werden die Nachforschungen nach ber Zahl unb beit Namen ber Toten Tage in Anspruch nehmen. Der Sturm bauerte volle 24 Stunden. Mit Rücksicht barauf, baß bie Leichen von herumstreichendem Gesindel beraubt wurden, hat die Regierung über bie vom Unglück betroffenen Distrikte bas Kriegsrecht verhängt. Militär- Patrouillen durchstreifen die ganze Gegend, aber bei ber Grotze bes Gebietes ist es unmöglich, zu verhinberir, daß Verbrechen begangen werden. Wildernde Hunde nagen, durch den Geruch des Fleisches angelockt, an den Leichen. Ganze Familien stno ausgestorben. Tie Feststellung, wie viele Mitgliedes einer pa- milie fehlen, ist bei bem Durcheinander von Fleischstücken, Em- gcweiden und Knochen unmöglich. Die Beerdigungen werden mehrere Tage dauern.
• Gefährliche Kochgeschirre. Wiederholt ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß Kochgeschirre, die Blei enthalten, für die Gesundheit sehr nachteilig sind, weil dieses Metall in eine ganze Reihe von Speisen übergehen kann. Wenn man indes der Ansicht ist, daß sich diese Zustande heute geändert haben, so ivird uns in der „Revue scientifique das Gegenteil bewiesen, denn gewissenlose Fabrikanten verwenden jetzt eine Mischung, die meistenteils ans 50 pCt. Zmn, 15 pCt. Antimon unb 35 pCt. Blei besteht. Es ist falsch' anzunehmen, daß em Bleigehalt von 5—10 pCt. in Kochgeschirren für den Menschen nicht schädlich sei, denn wenn Iich auch ans den verschiebenen Bestandteilen ber Kochtöpfe cm Ueberzug bildet, ber als Schutz gegen die direkte Emwukung ber Metalle dient und umso wirkfamcr und kräftiger ist, le länger er besteht und je dunkler er aussieht, so bedarf es nur einer gründlichen Reinigung des Gerätes, um diese unappetitlich aussehende Auskleidung der Töpfe zu entfernen. Dann kann aber auch bie giftige Mirkung der Metalle wieder em- treten. — Leiber halten auch die Ri cke l g e sch ir r e in bietet Beziehung nicht das, was sie versprochen haben. Nach einer kurzen Ausführung von Dr. Klut m der ,Pharmaz. Zeitung löst sich aus Kochgeschirren, Löffeln und sonstigen Etzgeräien aus Nickel bei längeren Kochen gesalzener unb saurer cpeiien dieses Metall in größerer Menge. So nehmen 1 ~lIer ilchsäure, Wern- re mem Nickel,
vernickeltem Nteffmg usw. 50—70 mg. Nickel auf, in 3 ötunben bei Siebhitze ca. 25—60 mg. Em anberes Mal sand man tm Saueckraut, Pflaumenmus usw., bie m Nickel Zuberei e waren, in einem Kilogramm 12—129 mg Nickel. Käse greift wahrscheinlich durch bie in ihm cntbaltene Baldrian- l'äure Nickelgeschirre besonders stark an. — Nickeloergiftnng^ sinb indes nicht so gefährlich, weil bieses Rletall und Kint Verbindungen im Gegensatz von Blei eine nur schwache gstüg
2—4 prozentiger Zitronensäure, Essigsäure, Ri säure in 24 Stunden m einer Schale aus
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