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®* »«etzeaer $amtltenblätter* werden dem ,enj|etgere otennal wöchentlich beigelegt, daS ^Ertvblan für bea Kreis Stehen" zweimal M-chemltch. Die „Landwirtschaftlichen Seit- ftee*** erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, (Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:^^I12. Tel.-AdruAnzeigerDießen»
Nr»46 Zweites Blatt L58. Jahrgang Montag 24. FeSrrmr 1968
g ^1**^ *1 und v«I-g d« «.a-Nch-n
oHCijcnci anuioct General-Anzeiger für Gberhejfen
daß die Steuern au'
Ligen - Schultern gelegt werden und
Der Wert der Sammlungen wächst ständig. Um einzelne Stucke (Apendinm — Vasa sacra — Bursa mit Pergamentbild) kann den Verein sogar das Germanische Aiufeum in Nürnberg beneiden. Ter zurücklretcnde Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt: Oberlehrer Dreher, Lehrer Ehrmaun, Stadlv. Falck, Geh. Regierungsrat Fey, Oberlehrer Helmke (Vorsitzender), Äeigeordneter Hieronnnus, Professor Rech, Dtrektor Schwabe, Buchhändler ^criba, Bürgermeister Stahl, Geh. Medizmcrlrat Dr. Weckerling. Den Antrag, die Darmstädter Quartalbläiler sofort zu kündigen und dafür alljährlich mindestens ein Heft Friedberger Geschichtsblätter zu veröffentlichen, nahm man nach eingehender Begründung durch den Vorsitzenden etnstimmig an. Gedankt wurde den Ver-
kciue wichtigen industriellen und landwirtschaftlichen Berufe geschädigt werden. Zu aoberen schwebenden Gesetzesvorlagen übergehend, bemerkte er, daß sich das Reichsvereinsgesetz in der Kommission immer mehr den tatsächlichen hessischen Verhältnissen nähere. Bezüglich des V ö r s e n g e s e tz e s ist er der Meinung, daß eine Revision in gewissen Punkten einzutreten habe. Niemals aber lverde er für die Erlaubnis zur Wiedereinführung des Terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikaten zu haben sein. Man müsse vielmehr gewisse Strafbestimmungen
Nach einem Schlußwort des Referenten schloß der Vorsitzende dte Versammlung mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog.
Wg. Gras Griola Ober die Reichsgesetzgedrmg.
eh. Friedberg, 23. Februar.
-dm Saal des Hotdls „Drei Schwerter" fand heute nach einer ^rausgegangencn Vertrauensmänner-Versammlung eine Wahl- Ireis-Ver samm lun g des Bundes der Landwirte Iwtt, die aus allen Teilen des Wahlkreises gut besucht mar. Der Äahlkreisvorsitzende, Herr Miller- Marienborn eröffnete mit Midjer Begrüßung der Anwesenden die Versammlung und forderte zu weiterer eifriger Arbeit für den Bund der Landwirte cus Sodann referierte Neichstagsabg. Graf O r i o l a über eine i^lhe von Fragen der Reichspolitik, insbes. die Reichs- reuerftagen. Anknüpfend an ein vor vier Woä)en hier erstattetes führte er aus, daß angesichts der Parteiverhältnisse im .Reichstag der Reichskanzler, wenn er etwas erreickien wolle, in ge- -t>l!|em Sinne lavieren müße, auch in den Fragen der Reichssteuer- nesorm. Zurzeit wisse noch lein Mensch, wie die Vorlage der Reichs- negrerung aussehen werde und die Lage sei durch den Wechsel ^.Aelchsschatzamt nod) ungeklärter geworden. Wie er den neuen Af?^ch°bsekretär ^nne, habe er das größte Zutrauen zu seinen ».ahigkeitcn und er hoffe, daß es seinen Kenntnissen gelmgen werde, mnen Reichssteuerplan vorzulegen, auf den sich die Mehrheit hp ^^lags einigen könne. Durch das ganze deutsche Volk gehe
^vsühl, daß es mit unseren Reichsfinanzen nicht so weiter Mhen könne und daß es zu einer umfassenden Finanzreform kommen müße, wenn man dem Reich das zu einer gedeihlichen Weitw- e^twtcklung Erforderliche geben wolle. Auch der Bund der £ani>» stehe auf diesem Standpunkt. In diesem Jahr erfordere Mr Reichsetat zu seiner Bilanzierung 124 Millionen, dazu kommen
treiern der Stadt für die Bewilligung der notwendigen Alittel zur Fortführung des Friedberger Urkundenbuchs und die Einrichtungen für das Archiv im südlichen Sladtkirchturm. Die Verhandlungen zur Ueberfüyrung der riesigen Friedberger Archtobestande (18. bis 15. Jahrhundert) von Darmstadt hierher schweben nod). Mit all dem ist ein Herzenswunsch des Friedberger Geschichtsvereins erfüllt. Der Verein verfolgt nad) wie vor aufmerksam alle Ausgrabungen, Funde, Veröffentlichungen und Erwerbegelegenheiten, die zur Klärung der Gesd)ichte Friedbergs dienen. Er sucht alles zu retten, was die Erkenntnis der Vergangenheit von Friedberg fördert und klopft dabei unverdrossen an jede Tür. Jede, auch die kleinste Atilarbeitung und Unterstützung wird dankbar angenommen. Em Vortrag von Oberlehrer Dreher über »Das Friedberger Urkundenbuch und Archiv" findet in etwa 14 Tagen statt, außerdem wird in diesem Winter noch Profeffor Tr. Müller aus Darmstadt einen Lichtbildervortrag über das neue Darmstädter Museum halten. Im Darmstädter Museum sind eine große Menge kostbarer Altertümer aus den stolzesten Zeiten von Friedbergs Vergangenheit zu sehen. Leider bleiben unserer Stadt diese Zeugen einstiger Große uiuuieberbringlid) verloren. Deshalb darf man nad) dieser Lehre hoffen, daß die Bürgerschaft nichts geschichtlich Denkwürdiges mehr an fremde Altertumsgeier veräußert, ohne sich zuvor mit dem städtischen Museum zu verständigen. Dann wird es ivenigstens nicht mehr so leicht möglich sein, daß auswärtige Händler oder Museumsvertreter unsere Friedberger über's Ohr hauen uiid fid) nachher ins Fäustchen lad)en.
— Europäische Universitäts-Statistik. Einen guten Ueberbliä über das geistige Leben iit den verschiedenen Ländern Europas, wie es sich in der Zahl ihrer Universitäten und Studenten darsteltt, gibt Me StattstÜ der ,Zepue Scien^.
Sternes FeuMetorr.
. Assessor Friedrich v. Esmarch ist, 65 Jahre alt, ' i der Nacht zum Sonntag einem mehrtägigen Influenza- i tioen erleiden. Die Beisetzung erfolgt m Kiel. Tas Kälser- paar> sandte unmittelbar nachdem es von dem Tode E3mard;s ^rffandigt war, an dessen Gemahlin, Prinzessin Henriette, ein "ttznches Beileidstelegramm. — So wird uns heute aus 5k i c l ge- 1 C ^kicÜenz v. Esmarch, der Nestor der deutschen Ehirurgte, zu Tönning in Sd)leswig°Holstein geboren, studierte in Kiel g .^"llingen, habilitierte fid) 1849 in Kiel, wurde 1854 provi- > > s ^dektor der chirurgischen Universitätsklinik, 1857 Leiter “jeies Instituts und orbentL Professor. Seine Dienste im Kriege 1864, P*hClTißCr 16’lä Offizier, teils als Arzt teilgcnommen hatte, Sc, 1866 ihre Anerkennung in Der Uebertragung der chirurgischen ^Verleitung sämtlicher Berliner Lazarette. 1870 war der Gelehrte Ff r'^ Barackenlagers auf dem TempelhoierFelde und betä» ld) O"ch hervorragend als Organisator der freiwilligen Hilfe.
r- ' rcuri?e er bei der Grundsteinlegung zum Slordostseekanal von Wilhelm I. geadelt. 1897 erhielt et den Charakter als tri ^at ^it dem Prädikate Exzellenz. Seit Februar 1872 Elr ?- Esmarch zum zweiten Male vermählt mit der Prinzessin /iinette Elisabeth von Schleswig-Holstem-Sonderburg-Augusien- ^g. Ex war der Organisator des Lazaretlwesens und der Be- K^lnoer des deutsd)en Samaritertums. Die Erfahrungen als Militär- U hat er in einer Reihe deachtenSiverter Schriften medergelegt. Sein ^!?^^E"dstes Werk ist das „Handbuch Der kriegschirurgischen Tech- »r-ci ^^icntliche Errungenschaften der Neuzeit, denen die Clrurgie rf verdankt, die Einführung der Narkose, Die antiseptische ^NDbehandlungsmethode und Die künstliche Blutleere sind mit Jiamcn Friedrich von Esmarch innig verknüpft. Die Ein- 7 ,^9 der künstlichen Blutleere ist ganz das Werk Esmarchs. ? ■ ^chmk der Narkose vervollkommnete er durch Erfindung und des „Esmarchschen Handgriffes", d. h.
Bordrängen des Unterkiefers mit dem an Die Kieferwinkel an- Süßten Finger, die antiseptische Wundbehandlungsmethode forderte -r durch Wort und Tat.
j. .® e f d) i d) t § - und Altertumsverein Fried- ” S- *‘an ^1^61 uns aus Friedberg: Die Hauptversammlung o-,M. war nicht übermäßig stark besucht. Für einzelne Likvolle Gesd)enke an die Bücherei, das Archiv und Museum, 06116 beträchtliche Geldgaben und Die Liebenswürdig-
. O65 seither Dankte der Vorsitzende. Er teilte weiterhin «H oatz Die Sammümgen des Verems (Ujagaffe 38) vom
ZeuerWchr uüö Leuerschutz im 20. Zatzchukrdert.
Donnerstag abend sprach im Technischen Verein Jnenieur Patentanwalt D., W. R e u t l i n g e r - FraTikfurt a. M. über das Thema: „Feuerschutz und Feuerwehr im 20. Jahrhuw« bert" Mit einer pvesieschönen Einleitung verstand es der Redner, die selw zahlreich erschienenen Zuhörer auf das eigentliche Gebiet, des Vortrages zu führen. Tie stetige Entwickelung der menschlichen Tätigkeit habe dcr^ Welt gewiß viele Vorteile gebrachte, aber im Zleichen Schritte folgten auch die damit verbundenen Gefahren. Zu einem praktischen Vergleiche könnten gerade die Erfindungen im Verkehrs- und Woimungswesen zweckdienlich herangezogen werden. Die Verwertung der Dampfkrast brachte uns die Erfindung der Dampfmaschine, die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Elektrizität und damit im weiteren Sinne die Fern- nveldung und das kalte Licht.
Tas Wohnungswesen zog in der Hauptsache seinen Nutzen durch die Einführung der künstlichen Be^izung, Beleuchtung und
die Mittel für die unbedingt notwendige Erhöhung der Beamten- gehältcr, die Erhöhung der Bezüge der Offiziere und Mannschaften des Nerchsheeres, die Anforderungen, die demnächst der Reichs- invalidenfonds an das Reich stellen werde, die Ermäßigung der Zuckersteuer usw., so daß insgesamt etwa 240 Millionen erforderlich sein werden, um das Defizit zu decken. Welche Pläne der neue Reick)ssclMtzsekretar habe, wisse er nicht. Der abgegangene Schatz,eiretär habe seinen Reformplan auf zwei Hauptsachen gestützt, eine Reform der Branntweinsteuer und eine Tabaksteuer. Daß die Branntweinsteuer reformbedürftig sei, darüber sei alles einig, nicht aber über den Weg, der dazu einzuschlagen ei. Gegenüber der Forderung, die sog. Liebesgaben abzuschaffen, sei zu bedenken, daß man mit ihnen die kleinen und mittleren landw. Brennereien gegenüber den gewerblichen Großbrennereien unterstütze. Bei einer Reform müsse man daran festhalten, daß man unter keinen Umständen die kleine und mittlere Landwirtschaft schädige. Außerdem sei dabei zu bedenken, daß der Trinkbranntwein und der zu gewerblichen Ztvecken benutzte Spiritus nicht allzusehr verteuert werde. Wenn man an diesen drei Punkten festhalte, iverde man zu einer zweckmäßigen Reform der Branntweinsteuer wohl kommen können. Bei einer anderen Gestaltung der Tabaksteuer sei zu beachten, daß man nicht die kleinen und mtttleren Zigarrenfabriken zu Gunsten der großkapitalistischen Bettiebe schädige oder vernichte. Für eine höhere Ver- Iteuerung der teuren Zigarren sei er *u haben. Eine Differenzierung des Tabakzolles nach seinem Werte habe das Bedenken gegen sich, daß damit wiederum die kleineren Fabriken benachteiligt wurden, geradeso wie bei der Banderolensteuer. Das eine sei festzuhalten, daß b"i uns der Tabak sehr viel weniger steuerlich belastet werde, wie in anderen Ländern. Bei allen Steuerplänen, die vorgeschlagen würden, sei zu beachten, welche Kreise damit getroffen würden. Von anderen vorgeschlagenen Steuervorschlägen erwähnte der Redner bann die Erhöhung der Bi er ft euer. Er halte eine weitere Erhöhung für sehr bedenklich, zumal man sie schon vor zwei Jahren erhöht habe. Für eine Neichsweinsteuer bestehe ebenfalls wenig Neigung, auch der Bund der Landwirte habe große Bedenken dagegen im Interesse der Weinbauern. Allein aus den vorgefchlagenen indirekten Steuern das Neichsdefizit zu decken, werde angesichts der Parteiverhältnisse im Reichstag nicht möglich sein. Gegen direkte Reichs steuern habe sich der Bund der Landwirte vor acht Tagen wieder ausgesprochen, er dagegen meine, daß direkte Steuern unter Umständen wohl annehmbar seien. Die Rechte des Reichstags wolle nur indirekte Steuern, die äußerste Linke mir direkte, während die Freisinnigen für einen mittleren Standpunkt wohl । zu haben seien. Das Zentrum wolle weder die direkten noch die : indirekten Steuern erhöhen. Angesichts dieser Verhältnisse meine : er, daß ein Kompromiß b^l. direkter Reichssteuern wohl zu er- । reichen sei. Gegen eine Reichseinkommenfteuer fei er unter allen । Umständen. Auch von einer Ausdehnung der Neichserbschafts- , steuer auf Kinder und Eheaatten wolle er nichts wissen. Wenn 1 man dabei nur die oberen Klassen treffen wolle, fei es angesichts ' der verschiedenartigen Verhältnisse schwer, die richtige Grenze ; zu ziehen. Die gerechteste und beste direkte Reichsstener sei die ; Vermögenssteuer. Sie sei auch am leichtesten einzuführen, i denn bis jetzt hätten nur fünf Staaten eine Vermögenssteuer, ■ die auf nahezu denselben Grundlagen beruhe. Wenn man eine i
Kleine Kunstchronik. Im 5>ebbeb-Theater zu Berlin ward Julius Bahs tragische Komödie „Der Andere" mit der aufrichtigen Freude begrüßt, mit der man die im ganzen starke Kraftprobe eines dichterisch ernst Vorwärtswollenden hinnehmen darf. Tiefes Werk hat drei Vorzüge: eine Sprache aus klanghasten und glühenden Worten, ein Verspielen voll abgefeilter Poesie und ein hell anfbsitzendes Pointieren pstzchologischer Wandlungeu. Tem steht hier und da die Ohnmacht entgegen, jene seelische Wärme den sarbenscl-weren Dingen ganz und gar einzuhauchen, die sich auf uns überträgt und uns zu mi ter lebenden Geschopien mackch — Eine halbe Million Mart für die R o b e r t-K o ch - S t i ft u n g ist von Dem amerikanischen Milliadär und Mäzen Andrew E a r n e g i e bewilligt worden. Das Sliftunas- fapital Hal die stattliche Höhe von 300000 Alk. erreicht. — Ter -Frkf..Ztg." zufolge ernannte der Hamburger Senat den Direktor des stadtifchen historlfchen Mujeums Frankfurt Dr. Otto Laufier zum eriten Direktor des Aiufeums für Hamburger Geschichte. — Aus Paris wird gemeldet: Edmond Rostand teilt mit, daß sein H<5 a u ft" fertig ist und dein Lejekomilee Der Eomedie Franeaise vorliegt. Mit den Proben wird in den nächsten Tagen begonnen werden.
direkte Reichsstener nicht wolle (und die Widerstände seien bei den Regierungen und im Parlament sehr groß), müsse man wohl zu einer Erhöhung der Matrikularbeiträge der Einzelstaateu kommen. Wenn diese Erhöhung nötig werde, müsse man zu der sog. Veredelung der Matrikularbeiträge kommen, d. h., man solle die Beiträge der Einzelstaaten nicht mehr nach ihrer Kopfzahl, sondern nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheben. Eine Ausdehnung der Reichserbschaftssteuer in dem Sinne, daß dem Reich Erbschaften, die von Leuten ohne nähere Verwandte und ohne Tcstamentserrichtung hinterlassen würden, sei ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Er sei ferner Anhänger einer Wehrsteuer, wenn sie nach dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit erhoben werde. Eine Reihe weiterer Steuervorschläge sei noch vorhanden, auf die er nicht näher eingehen wolle. Festzuhalten sei für die Reichöfteuerreform der Grundsatz, „Prüfet alles und behaltet das beste", vor allem aber die feste Absicht, daß man zu einer umfassenden Reichssteuerreform kommen müsse. Er werde in diesem Sinne wirken und sein Hauptaugenmerk darauf richten.
und einen gewissen Deklarationszwang ein führen. Ferner müsse man durch ein neues Börsengesetz dafür sorgen, daß nickst Leute zu Börsengeschäften herangezogen würden, die davon nichts ver- ftänden. Nach wie vor steht der Redner ferner auf dem Boden der einheitlichen Gestaltung der Versicherungsgesetze, damit die Verwaltungskosteu verringert würden. Sodann forderte der Redner eine Reihe von Maßnahmen zu Gunsten be£ Mittelstands, wie Sicherung der Bauforderungen, kleiner Befähigungsnachweis, bessere Ausgestaltung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb, Versicherung der Privatbeamten, Beamten für forge, der Wohnungsgeldzuschüsse, Verbesserung der Lage der Militäranwärter, Verbeiferung der Bezüge der Mannschaften, der Unteroffiziere und Subalternoffiziere des Heeres. Für die Landwirtschaft forderte er beim bevorstehenden Viehseuchengesetz möglichste Beseitigung von Härten und eine vernünftige Regelung der E:ttsck)ädigungsfrage. Zn fordern sei die Gewährung eines ausreichenden SchmtzeS gegen Seucheneinschlepvung aus dem Auslande. Die Zustimmung zur Z u ck e r k o n v e n t i o n sei ihm sehr schwer geworden, er habe nur dafür gestimmt, unter der Bedingung einer Ermäßigung der Zuckersteuer, um durch die Erhöhung des Konsums einen Ausgleich für die infolge der Konvention au ertpartenben »u erhalten. Schließlich betonte der Redner, daß die Landwirtschaft übermäßig hohe Getteide- und Viehpreise gar nicht haben wolle. Aber angesichts der sonstigen Preiserhöhungen könne es niemand den Landwirten verargen, wenn sie für ihre Produkte ausreichende Preise erzielen wollten. ,5m Interesse der Weinbauern sei das zu erwartende Weingesetz durchaus zu begrüßen. Er erwähnte sodann noch eine Reihe weiterer gesetzlicher Maßnahmen, wie das Vogelschutzgesetz, die Telephongebührenfrage, die Abänderung des Unterstützungswohn- litz-Gesetzes usw., und führte eine Reihe von Forderungen an, die er beim Militäretat im Interesse der Landwirtschaft im Reichstag bertreten habe. Der Bund der Landwirte sei allezeit ein* getreten für die Wehrkraft des Vaterlandes, und er sei der lieber» Zeugung, daß das deutsche Vaterland nur dann die sichere Gewähr eines gesunden Fortbestandes habe, wenn ein gesunder und kräftiger Mittelstand ihm erhalten bleibe, der in Fällen der Gefahr mit Gut und Blut für seine Verteidigung einstehe (Lebhafter Beifall).
Nach Dankesworten des Vorsitzenden an den Referenten folgte eine lebhafte Diskussion. Darin trat Herr Hensel- Dortelweil für eine Dividendensteuer ein und verbreitete sich dann über die Kohlenteuerung. Er forderte namentlich Beseitigung der Ausnahmetarife für Kohlen.
Oekonomierat Lucke vermißte eine Angabe, was die neuen Steuern einbringen würden. Wenn das Bier int gleichen Maß wie der Branntwein nach seinem Alkoholgehalt versteuert werde, werde das Reich daraus eine Mehreinnahme von 140 Millionen erzielen. Diese Steuer sei gerade so leicht durch^uführen, wie eine Erhöhung _ der Dividendensteuer, die von 5 Prozeitt Dividende ab progressiv erhoben werden könnte. Damit könnten 40—50 Millionen erzielt werden. Auch eine höhere Versteuerung des Tabaks sei wohl durchzuführen. Wenn alle Parteien den Mut hätten, an die Reichssteuerreform richtig heranzugehen, werde sie zustande kommen und wenn dann die bürgerlichen Parteien bei den nächsten Wahlen wieder zusammenhielten, so würde die So- zialdemokratte wieder geschlagen werden, so daß ihre Abgeordneten schließlich in einer Droschke Platz hätten (Lebhafter Beifall).
Nach weiteren Ausführungen des Grafen Oriola, in denen er u. a. eine Erhöhung der Sektsteuer vorschlug, Maßnahmen zur Erhaltung der Binnenlandsmühlerl forderte und einige Bedenken gegen die in der Diskussion erhobenen © teuer nrojefte erhob, wandte Landragsabg. Breidenbach sich gegen die weitere Einführung direkter Reichssteuern und trat für ein freies Vereins- und Versammlungsrecht ein.
LagesjiiHaN.
Zur Reichsfinanzreform erfährt das „Chemn. Tagebl." aus unterrichteter Berliner Quelle, man dürfe aus der mehrmaligen Anwesenheit des sächsischen Finanz Ministers v. Rüger in Berlin in der Zeit, zu der dte Vorbesprechungen zwischen dem Fürsten Bülow und dem nunmehrigen Schatzsekretär Sydow stattfanden, den Schluß ziehen, daß die Ansichten über die Finanzreform wie sie Dr. Rüger eingehend in der sächsischen Kammer barlegte, im wesentlichen die Richtung bezeichnen, die der Kurs tn der Finanzverwaltung nehmen wird. Es könne als sicher bezeichnet werden, daß der neue Schatzsckretär seine Finanzrcsorm nicht auf direkten Steuern ausbauen werde. Finanzminisier von Rüger habe sich mit aller Entschiedenheit gcgendieEin- sührung solcher Steuern gewandt und keinen Zweifel darüber gelassen.
nationaler Wahwerein Grimberg und Amgegend.
Ein reges politisches Leben herrscht gegenwärtig in Grünberg in Oberhessen. Als Beweis hierfür kann die sehr gut besuchte Versammlung gelten, die der nationale Wahl- verein Grünberg und Umgegend am gestrigen Sonntage unter der Leitung seines Vorsitzenden, des Herrn Amtsrichters Glneser abgehalten hat. Der ziemlich geräumige Saal des Gasthauses zum Hirsch, wo die Versammlung stattsand, war bis aus den letzten Platz gefüllt. Eine Ver- krauensmännerversammlung, die der allgemeinen Versammlung vorausaing, beriet zunächst die Satzungen und beschloß alsdann, Anfang April eine Bismarckfeier abzuhalten. Sezüglick der nächsten Landtags wähl verständigte inan sich dahin, daß man sich vor Schluß des Landtages raf keinen Kandidaten festlegen wolle. Man will sich im übrigen in dieser Angelegenhett nicht von parteipolitischen Znteressen letten lassen, sondern über die Parteiplttik das Nohl von Grünberg und Land stellen. In der allgemeinen öffentlichen Versammlung hielt Herr Rechtsanwalt Kaufmann aus Gießen einen sehr interessanten Vortrag über die Politik im Reiche und in Hessen. Ueber den Lottrag, an den sich eine längere Diskussion anschloß, werden wir in der nächsten Nummer unseres Blattes aus- K berichten. Hervorgehoben sei an dieser Stelle nur, rr Rechtsanwalt Kaufmann in der Diskussion Gelegenheit fand, höchst bemerkenswerte Ausführungen zu der seit der Gießener Lattmann-Versammlung anscheinend noch immer ungeklärten Frage zu machen, wie die Deutschsozialen sich zu den Sozialdemokraten verhalten. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser und den Groß- tcrzog schloß die gestrige Versammlung.
17. Sept. 1905 ab von weit über 2000 Personen besucht wurden, tifiqne". Danach hat Deutschland 21 Universitäten und 49 079 snSä*’ rtA-ws;^ n*~ ' Studierende, Frankreich 16 Universitäten und 31 494 Studierende,
Oefterreich-Ungarn 11 Universitäten und 29 509 Studierende, Großbritannien 15 Universitäten und 24 716 Studierende, Italien 21 Universitäten, davon 4 freie, mit 24 281 Studierenden, Jiuü* land 9 europäische Universitäten mit 23 257 Studenten, Spanien 9 Universitäten, von denen aber nur bei 6 die Besuchszahlen mit zusammen 12 301 Studenten angegeben werden. Tie Schweiz besitzt 7 Universitäten mit 6485 Studierenden, Belgien 4, davon 2 freie, mit 6079 Studierenden, Holland 5 Universitäten mit 4020 Studenten, Griechenland die Universität Athen mit 2598 Studenten, Portugal die Universitäten Coimbra mit 1700 Studenten, Norwegen die Universität Christiania mit 1600 Studenten, Dänemark die Universität Kopenhagen mit 1450 Studenten, Bulgarien die Universität Sofia mit 1014 und Serbien die Universität Belgrad mit 618 Studenten. Tie Gesamtzahl der auf diesen angeführten 125 Universitäten Studierenden beläuft sich auf 228 721. Die 10 besuchtesten Hauptuniversitäten sind: Berlin (13 884 Studierende), Paris (12 985), Budapest (6551), Wien (6205), Adoskau (5860), Madrid (5196), München (5054), Neapel (4918), Petersburg (4652), Leidig (4630).


