Ausgabe 
24.2.1908 Zweites Blatt
 
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In Deutsch-Brod (Böhmen) wurde der Notar Sadcck wegen Unterschlagung von Teportgeldern seiner Klienten in Höhe von 200 000 Kronen verhaftet.

Ein schwerer Omnibus-Unfall hat sich zwischen Dudley und Oldbury (Engl.) ereignet. Ein Omnibus stürzte infolge Rad- brilches um. Ter Kondukteur, der auf dein Verdeck Fahrscheine verkauite, wurde herabgeschleudert und sofort getötet. 12 Personen erlitten Verletzungen. ,, . _. rir

Im Washington Globe-Kohlenbergwerk bei New-Castle on Tyne ereignete sich eine Explosion, bei der 14 Menschen getötet wurden. Fünf Leichen sind geborgen. , .

Jin Packhause der Herkules-Pulverfabrik m Berkeley m Kali- fornicn sind 10 Tonnen Dynamit explodirt, wobei 28 Personen getötet wurden.

In Brooklyn wurde die zerstückelte Leiche des Ita­lieners Salvatore Machinne gefunden, an der die Gliedmaßen und die Zunge fehlten. Alle Anzeichen deuten darauf hm, daß der Mord von einem Mitgliede der schwarzen Bande ausgeführt wurde, während der Ermordete sich die .Haare schneiden ließ. Man vermutet, daß es sich um einen Racheakt an einem Ver­räter handelt.

Februar

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1908

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Fra nkiurter Hör»e, 24. Februar, 1.15 Uhr.

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Börse, 24. Februar. Anfangskurse.

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Türkeulose 1 % Gnech. Honopol-Anl. A% äussere Argentinier ö°/0 Mexikaner . . .

4 >2 °/o Chinesen . . .

Aktien:

Bochum Guss . . .

Buaerus E. W. . . lenden .: fest.

Berliner

Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: träge.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Kindes einsehen, tote unklug Sie gehandelt haben. Aber dann ist es zu spät; feine ruhige Stunde mehr werden Sie haben, denn jeden Augenblick können Sie eine andere Hiobspost erwarten, während Sie jetzt durch Zahlung einer geringfügigen Summe von alD em befreit sind. An Ihnen ist es, zu wählen, wie Sie Ihr Leben gestalten wollen. Josef Maier.

Von der ausgesetzten Belohnung von 500 Mk. _fär solche An­gaben, die zur Ermittelung und Bestrafung des Täters führen, sollen auch 'die beiden Knaben nicht ausgeschlossen sein, die, wie wir ebenfalls bereits berichtet haben, sich als Werkzeug des ge­fährlichen Menschen benutzen ließen. In Berlin sucht das sog.Geheime Komitee" von einem Millionär, einem Groß­taufmann, 100000 M ark z n erpressen, indem es ihm in mehreren Briefen mitteilte, daß er zum Tode verurteilt werde, falls er die Summe nicht zahle. Das Geld solle an Richard Wag- ner-Teukmal niedergelegt werden. Der Bedrohte benachritigte die

Kopfschmerz, sowie Neuralgie und. Bhew matismus empfehlen die AerzteCitrophen.

Citrophen ist in allen Apotheken erhältlich, auch Tabletten in Originalschachteln zu Mk. 1..

Provinzial-Ausfchuß der Provinz Oberhesfen.

L. Gießen, 22. Febr.

In der Sache Enteignung von Gelände in Ge­markung Utphe zur Anlage eines Hochbehälters sollte heute Über den Antrag der Unternehmerin auf vorläufige Besitzein­weisung verhandelt werden. Nachdem der Vertreter der Gruud- etgentümerin in die Besitzüberlassung vorbehaltlich späterer Re­gelung der Entschädigung eingewilligt hatte, erübrigte sich eine Verhandlung hierüber.

Georg Schmidberger zu Friedberg hatte gegen die Berechnung derStraßenbaukosten der Tieffenbachstraße re­klamiert, weil er nach seiner Ansicht mit einem zu hohen Beitrag herangezogen worden mar. Für den Straßenabschnitt, in dem sein Haus steht, war die Erwerbung eines besonders teueren Grund­stückes notwendig geworden, dessm Kosten die Stadt Friedberg in die Geländeerwerbskosten für diesen Abschnitt aufgerechnet und den darin wohnenden Beitragspflichtigen angefordert Ijutte. Schmid­berger behauptete nun, daß diese Mehrkosten auf die Hausbesitzer der ganzen Straße zu verteilen seien, da sonst ein Hausbesitzer alles, die anderen aber so gut wie gar nichts zu zahlen hätten. Er reklamierte deshalb gegen den offengelegten Berteilungsplan, was zur Folge fjatic, daß der Krcisausfchuß des Kreises Friedberg seiner Reklamation staltgab und entschied, daß von der Stadt Friedberg eine neue Berechnung über die von den Anliegern der Tieffenbach­straße ausgubringenden Kosten aufzustellen und osfenzulegen sei. Gegen dieses Urteil verfolgte Großh. Bürgermeisterei Friedberg Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. Tiefer ließ durch eine Kom­mission an Ort und Stelle Augenschein cinnehmen und verhandelte sodann in der Sitzung vom 7. November 1906 über den Rekurs. Tie Verhandlung wurde jedoch ausgesetzt, da verschiedene Be- anitanbungcH' der Berechnung noch einer näheren Erläuterung bedurften. In der Zwischenzeit trat auch der Anwalt von Schmidberger mit einens Vergleichsvorschlag an die Stadtverord­netenversammlung der Stadt Friedberg heran, der jedoch abge­lehnt wurde. Nachdem in der heutigen Sitzung die Parteien ihre Anträge nock>mals beg.undel hatten, entschied der Pro- vinzial-Ausschuß, daß dem Rekurs der Stadt Friedberg stattzu geben und das Kreisausschuß-Erkenntnis aufzuheben kl unter

Kriminalpolizei. Tiefer stellte dem Leiter des Gehermbundes Falle. Als er an Ort und Stelle erschien, merkte er die drohende Gefahr und entfloh. Auf feine Ermittelung wurde Belohnung von 500 Mark gefetzt.

* Stur m. In England herrschte am 22. Februar

- ALirehe und SchuLs»

Ein Vorbereitungskursus auf die realghmna- siale Reifeprüfung wird zu Ostern d. I. in Frankfurt a M. für Lehrerinnen, welche die. Prüfung für die höl>erc Mädchenschule bestanden haben, eröffnet werden. Leiterin ist Frnu Tr. phil. Gräfin v. Wartensleben..

Obeischics. Eisen-Industrie Berliner Haudelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutscb-Asiat Bank . . Diskonto-Kommaudit. . . Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio-

isisentahu Gotuardbahn Louioard. Eisenbahn . . Uesterr. ötaatsbahn . . . knnee-Henn-Eiseubahu .

bewährt wie solche von Eisen.

Bei einem großen Schadenfeuer in Berlin war ein eiicrncr Träger stundenlang dem Feuer ausgesetzt, hielt aber seine Form, da er mit einer dünnen Holz-und Putzschicht umgeben war.

.horizontal aneinander reihende Räume bieten ut leuertech- nischer .Hinsicht, gegenüber der vertikalen Anordnung, grotze Vor­züge. Von feuersicheren Türen verlangt man heute eine beider­seitige Eisenblech-Bekleidung mit unverbrennlicher Einlage.

Tie Fenster enthalten Traht oder Elektro-Glas, das letztere besteht aus Glastascln, welche auf galvanischem Wege miteinander verbunden sind. ,

Beachtenswerte Bauwerke sind u. a. die Baumwollager. Trefel- ben werden in her einfachsten Weise ausgeführt; man baut sie aus Holz. Wenn ein Baumwollager in Brand gerät, ist das Ge­bäude verloren, da brennende Baumwolle nicht zu löschen ist.

Vielfach wird die Explosionsgefahr von Petroleum- und Ben­zin-Behältern zu hoch eingeschätzt. Eine Explosion kann in diesen Fällen nur dann stattfinden, wenn eine Verdampfung eintritt, sich mit einem ganz bestimmten Lnftgemenge vermischt und im selben Augenblicke durck) eine Flamme zur Entzündung gelangt..

Eine sehr wichtige Rolle spielt im heutigen Feuerlöschwesen die Kvhlenfäure, da dieselbe das Feuer zur Erstickung bringt. Auf dieser Basis beruht auch das Prinzip der Tandfeneilosch-Apparate wieMinimax" usw.

Ter Redner brachte sodann recht interessante Schilderungen aus dem Leben der Berufs- und freiwilligen Feuerwehren zur Sprache, und gab durch eine auserlesene Sammlung von großen photographischen Aufnahmen, im weitesten Sinne, klärende Schil­derungen.

Tie Herren T i rf o r e , Betriebsingenieur R itzinger, Stadt­verordneter L. Petri II. führten durch, auf die Gießener Ver­hältnisse, sehr interessierende Fragestellung, eine äußerst lebhafte Diskussion herbei.

Es handelte sich in der Hauptsache um den notwendigen Ausbau unserer Wasserleitung, da bei den jetzigen Truckverhält- nissen, eine nicht volle Sicherheit für die hochgelegenen Gebäude zwischen Frankfurter Straße und derSchönen Aussicht" bestehe. Um diese in genügender Weise zu besitzen, müsse der Wasserstrahl in seiner Kxaftentwickclung den höchstgelegenen Tachfirst mindestens um zehn Meter übertreffen, und dieses sei in Gießen nicht der Fall. Zur Erreichung dieses Zweckes sei entweder der Einbau einer Truckstation oder die Höher Hinaufschiebung des Wasser­turmes im Annewder Walde gegeben. Tie Wasseraufspeicherung befindet sich noch nicht auf dem Gipfel dieser Anhöhe.

Herr Stadtverordneter Petri sprach über die Mobiliar-Feuer- Versicherung, als ein für die Städte besonders günstiges Wirt­schaftsgebiet. Herr Patentanwalt R e u t l i n g e r erwiderte, daß eine Stadt selbst mit der denkbar besten Berufsfeuerwehr versehen, nicht imstande sei, bei wirklich großen Brand- katastrophen, die Verantwortung zu übernehmen. Man denke nur an die großen Brände her letzten Jahrzehnte, Hamburg, Brooklvn, St. Franzisko, London usw.

Ter Vortragende erhielt für seinen mit größter Sachkenntnis und fein empfundener Vortragsweise gegebenen Abend, den leb­haftesten Beifall.

Ter Technische Verein Gießen darf auf diesen Vortrags­abend mit hoher Befriedigung zurückblickcn

23.

23.

24.

TFeBefomsche

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie, Giessen.

4>6",'o rass. Staatsaul. 190a 4ya % japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903

Beicbsauleihe do.

Konsole . . do.

Hessen . . Oberhessen

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Hande!.

w Frankfurt a. M., 21. Febr. Ter Aisisichtsrat der A d l e r merfe norm. Heinrich tileyer, Aktiengesellschaft m Frankfurt am Main schlägt für das Geschäftsjahr 1906/07 bei 1894 020 Rein» gewinn 25 Prozent Dividende wie im Vorjahr vor.

Hamburg, 21. Febr. In der heutigen Sitzung des Aui- sichtsrats und des Vorstandes der Deutschen Dampsschiffahrts. gesellschast Kosmos wurde beschlossen der Generalversammlung eine Dividende von neun Prozent vorzuschlagen.

iDentilation. Gewiß altes äußerst wichtige ©rYmbungen, und 'fcoc&, wer sie kennt, mit wieviel Gefahren verknüpft. Wer die Gefahr aber kennst, kann ihr entrinnen.

Fn der Feuerlöschtechnik hat man es mit drei Gruppen zu tun.

1. Mit den Mitteln, die dazu dienen, Feuersgefahv zu ver­hüten ; , , ar c

2. Mit ven Einrichtungen, einen ausgebrochencn Brand em- zudämmen: r

3 Mit den Mitteln, ein entstellendes Feuer zu bekämpfen.

In der Praxis sind diese Gruppen nickst scharf von einander zu halten. Um' z. B. die Feuersgefahr zu beseitigen, gibt es verschiedene Wege. . ,,

Man braucht nur auf Heizung und, lunstliche Beleuchtung zu verzichten, und die Feuersgefahr verschwindet

Mer die Zustände, wenn man den einen oder den anderen Weg wählen würde, alles roh essen wie die Natur es liefert, oder aber, im steinernen Hause, auf der itcincrnen -b'Jitf, ui bei steinernen Küche sich aufhalten müssen, diene geivitz nicht dem BegriffeBehaglichkeit". Oder man muffe alles^aus Euen niachen, unh dann das Bett, die Marratzc, Gardinen, Teppiche, Kleidung irfro. aus Asbest Herstellen. , -.

Tas Asbest hat aber eine sehr unangenehme Eigw, chatt, nämlich die geringe mechanische Festigkeit. So müßte z. B. jeher Schulknabe täglich einen neuen Asbestanzug haben, das wäre teuer. Und was die viel gerühmte Feueri'icherhett des Asbestes bei einem großen Brande anbetrijft, w hat das Asbeit-Wohn- haus des Grafen Walder,'ee, welches er in dem ^eldzuge ut Ehma bewohnte, zur Genüge bewieft-n, daß auch das Asbest dem r)-euer zum Opfer fallen kamt. Bewährst haben ttck bei der Feuerwehr Asbest-Handschuhe zum Anfassen Heister Gegenstände, ferner As­best-Schirme und Asbest-Hauben. . .

Aut das Asbestgewebe könnten wir vielleicht verzichten, wenn man brennbare Stoffe imprägnierte. Tiefes ist ausführbar.

Auffallend ist jedoch, daß man gerade in diesem Gebiete, wel­ches fo viele Menschenverluste zu beklagen hat, m Deutschland pw Tag durchschnittlich zwei Menschen, nicht viel von dem Imprägnieren wissen will. . .. . ±

Branddirektor L ... hat festgestellt, das; impragmerte Gegen­stände im Laufe der Zeit die Feuerfestigkeit verlieren.

Imprägniertes Holz und Gewebe können einen Vergleich zu einander tiicht aushalten. Von feuer-imprägniertem Holze hört man in der Praris sehr wenig, da der Kostenpunkt, wirt­schaftlich gerechnet, nicht durchführbar ist. Tie am meisten, start auf getragene, feuersichere Farbe, welche in der Regel aus Wasser­glas oder Asbest besteht, bläht sich in der Hitze aus und umgibt das Holz mit einer Hülle, die eine isolierende Wirkung ausubt.

Baukonstruktionen von Holz haben sich bei Branden besser

Märkte.

Gießen, 22. Febr. Marktbericht. Aul heutigem Worben» markte kostete: Butter pr. Pfd. 1.001.10 Mk., Hühnereier 1 St. 89 Pfg., Käse pr. St. 68 Pf., timematte 2 St. 56 Pfg., Erbsen p. Pfd. 1824 Pfg.. Linsen p. Psd. 2540 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 Alk., Hühner pr. St. 1,001,60 Pik., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Gänse vr. Psd. 6070, Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Mk., Ochsenfleisch pr. Psd. 8088 Pfg., tiub- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 6680 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6484 Pfg. Kartoffeln pr. 100Kg. 5.506.00 Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,006,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 000 Pfg., ver Zentner 9)lf. 0.000.00. Aepsel per Ztr. 1025 Mk., Birnen per Ztr. 1025 Mk. Nüsse 100 Stück 40-00 Pfg., per Ztr. 000 Mk. Marktzeit von 82 Uhr.

x B u d i n g e n , 23. Febr. Am Dienstag, 22. Februar, findet hier imFürstenhof" von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 31/., Uhr ein Saatgutmarft statt, auf dem Proben von ©aat- getreiöe und Kartoffeln aus den Saatbaustellen der Landwirtschasts. fammer für das Grobherzogtum Hessen zur Ausstellung gelangen. Die Landwirte werden auf den Besuch dieses Saatgutmarktes auf­merksam gemacht, der ihnen Gelegenheit gibt, bestes, unkrautsreies Saatgut zu kaufen.

Belastung des Rekustventen ntit den Küsten des Dersahrmrs. .

Die'Sache: Kreisstraßenunterhaltung im Kreise Büdingen für 1905: hier BeitzcagslRstung .von bem Be­triebsunternehmer der Zeche Hedwig wurde aus Antrag de» Betriebsunternrhmers vertagt. <.

Die Königl. Eisenbahnd'.rektioii ?rrankfurt im, batte Die Enteignung von Gelände zur Herstellung^, von Schnees chutz- anlagen in der Gemarkung Klein-Linden bean­tragt und der Provinzial-Ausschuß hatte in feiner Sitzung Vvm 12 Oktober 1907 die Zulasfigkeit der Besitzeinweisung er­klärt Nachdem die Eisenbahndirektion inzwischen den Nach­weis erbracht hat, daß die von der Lokalkommisswn zuerkannte Entschädigungssumme gerichtlich hinterlegt , ist, wurde sie heute in den Besitz des beanspruchten Geländes eingewiesen., lieber die Entschädigimg wird nunmehr in einer späteren Sitzung ver­handelt werden.

OcrsnLschSsv.

* Erpresser von erstaunlicher Frechheit treiben z. Z. ihr Wesen in München wie in Berlin. Kommerzienrat Ludovici, ein reicher Münchener Großindustrieller erhielt vor eini­ger Zeit einen Brief, in welchem 100 000 M. gefordert wurden; älls er nicht zahle, würde er einen seiner beiden Söhne tot sehen, und falls dies geschehen müsse, würde doch nach eine Million verlangt werden oder auch der zweite Sohn getötet werden. Ter Erpressungsversuch wurde zunächst nicht beachtet. Bald darauf wurden die b e i d en S ö h n e auf dem Heimwege von der Schule von zwei 14jährigen Jungen attaguuwt und mit ^>alz- 'ä-ure übergossen, aber nur unerheblich verbrannt. Am Attentatstage erhielt der Vater einen weiteren Brief, das Atten­tat sei nur ein kleiner Beweis für die Ernschaftigkeit der au^ gesprochenen Drohungen gewesen; der Industrielle solle durch ein Inserat unter einem bestimmten Stichworte in einem Mün­chener Blatte erkennen geben, ob er zahlen wolle oder nicht. Tas geschah zustimmend. Ter Erpresser erschien jedoch nicht zum Stelldichein, wobei er seine Festnahme zu erwarten gehabt hätte. Ter Brief des Verbrechers ist ein Dokument teuflischer Bosheit und Grausamkeit. Ter durch die M. N. N. im Faksimile zur Ver- öffentlichuiig gelangte Brief hat folgenden Wortlaut:

M ü n ch c n , 22. Januar 1908.

Geehrter Herr! Eines Lebens, wie ich es jetzt führe, nrüde, bcabfichtige ich, mir auf diese für Sie etwas unbequeme Art Geld zu verschaffen. Zn diesem Zwecke stelle ick> an Sie das Ersuchen, nächsten Freitag, fckn 24. d. M., nachniittags nn einer Stelle, die ich Ihnen genau bezeichnen werde, die Summe von 100000 Mk. in Bankiioten ä 100 Mark niederzulegen. Es ist dies eine ihr Ihre Verhältnisse unbedeutende Summte. Mir aber genügt sie zu einem sorgenfreien Leben. Als Zeichen Ihres Einverständnisses lassen Sie iroch heute folgendes Inserat in den Neuesten Nach­richten* ufnehmen:Ludwig einverstanden" oder was Sie mir sonst noch mitzuteilen haben. Sie werden nun, wie ich annehme, diesen Brief der Polizei übergeben und mich, wenn ich das Geld in Empfang nehmen will, verhaften lassen. Tas letztere würde Ihnen zwar nicht gelingen, jedoch würden Sie folgendes erleben: Um Sie von dem Ernst der Sache zu überzeugen, würde ich zu­nächst eines Ihrer Kinder umbringen, und zwar mit Mitteln, an die Sie gar nicht denken und vor denen es auch gar keinen Schutz gibt. Tann werde ich wieder meine Forderung um Geld an Sie stellen, jetzt aber zwei Millionen verlangen. Bleiben Sie noch halsstarrig, so würde ich ein weiteres Ihrer Kinder nachfolgen taffen und jedesmal eine Million mehr verlangen, bis Ihr Widerstand gebrochen ist. Ncehmeu Sie auch Ihr Augenlicht gut in Acht, damit Sie es nicht verlieren. Ein Entrinnen vor diesem Schicksal ist Ihnen und den Ihren unmöglich. Sie mögen sich von Detcktives überlvachen lassen. Umsonst! Sie mögen Münck>eu verlassen, ich werde Ihnen nachfolgen. Sollte ich ja ergriffen werden, fo macht das nichts: hiugerichtet wird niemand mehr und das Zuchthaus hat für mich keine Schrecken. Erfahrung macht Flug, aber meistens erst eine schlimme Erfahrung. Hüten Sie sich, daß Sie nicht erst an der Leiche Ihres ersten ermordeten

. 120.00

Elektriz. Schlickert . . . 104.00 Escbweiler Bergwerk . . 207.00 Gelsenkncnen Bergwerk . 185.60 Hamunrg- Amerta Paket?. 117.25 Harpener Bergwerk. . . 198.20 Laurahütte . . .

Nordd. Lloyd . .

739,7 6,3

738,31 5,0

735,2 2,4

xmperötur am 22.23.

Niedrigste , 22.-23.

tiger Sturm. Bei Louth)nbert) wurde ein Eisenbahnzugvon den Schienen über die Böschung geweht. Sechs Reisende wurden getötet. In M anche st e r wurde eine Person durch ein eingestürztLs Dach erschlagen. Ter Sturm riß große Häuser nieder, die Tücher von Kirchen und Schuten wurden abge­deckt, viele Bäume wurden entwurzelt. Bei Mersy fenterte ein Schauer, dessen acht Alaun starke Besatzung ertrunfen fein dürfte. An der Küste sind verschiedene kleine Tampfer in Gefahr geraten. Ein kleines Fahrzeug wurde im St. George-Kanal an Land ge­worfen. Tas Feuerschiff von Grimsby ist gesunken, die Mannschaft ist gerettet. Bei S he erließ ist ein Fischerfahrzeug gescheitert, dessen Führer ertrunken ist. In mehreren Städten wurden einzelne Menschen dmrch herabstüizende Trümmer erschlagen; viele Leute wurden verletzt.

Kleine Tageschronik.

Wegen umfangreichen W e ch f e l f ä l s ch u n g e n wurden die Frau des Geschäftsführers Scharpegge aus A! ü l h e i m an der Ruhr und ihre achtzehnjährige Tochter verhaftet. Sie versuchten bei der Tuisburg-Ruhrorler Bank einen geiälfchlen Wechsel anzu­bringen. Während in Essen und Gelsenkirchen bei der Essener Kreditanstalt die gleichen Versuche mißglückten, gelang es den Frauen die Bergifch-Alärkische Bank um 17 500 Mark zu schädigen.

In Alannheim geriet der Arbeiter Johami^ Rudolf mit seinem ältesten Sohn, einem Bureaudiener, m Streit. Beide griffen zum Messer und bearbeiteten sich gegenseitig in furcht» barer Weise. Mit lebensgefährlichen Stichwunden wurden beide nach dem allgemeinen Krankenhaus gebracht.

In F ü r st en iu a l b e wurde auf den 7 5jährigen Kassen- boten v. d. Planitz ein Raubanfall verübt. Ter Fonner Franz Schulz verletzte ihn mit einem Schlachtmesser an der Hand, entriß ihm einen Geldsack mit etwa 100 Mk. und entkam.

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