selber kennen zu
l ebensgefährlichen Dolchstich feuerte seinen Revolver ab, Fahrburschen, dem die Kugel Schuß traf Koch ins Bein. LandeskrankenhauS gebracht, ist ebenfalls lebensgefährlich.
traf jedoch einen unbeteiligten in den Leib drang. Ein werterer Alle drei wurden nach dem Die Verletzung des Fahrburfchev
Kleinkinder- nachmittag 3 Uhr
lang ein ausverkauftes Harrs erzielte, von und es sich sicher mcht entgehen lassen, sie lernen.
** Die Christbescherung unserer B e w a h r a n st a l t findet nächsten Sonntag in der Johanneskrrche statt.
^Ausstellung von Handarbeiten. Wie alljährlich findet auch in diesem Jahre in der Han dar beit s- nnb Kunstschule von Irl. Landrnann eine Ausstellung der Schülerarbeiten statt. (Siehe Inserat). Die Ausstellung bietet eine Fülle schöner Handarbeiten aus allen Techniken und einige größere geschnitzte Möbelstücke sind besonders bemerkenswert.
* * Zu unserer Notiz betr. tödlichen Unfall im Eulerjchen Sägewerk teilen wir mit, daß der Verunglückte nicht vom Treibriemen ersaßt und zwischen zwei Wellen gedrückt wurde, sondern daß er mit seinen Kleidern einer Transmissionswelle zu nahe kam, die ihn erfaßte und herumschleuderte. Der Brustkasten war förmlich eingedrückt und die Füße förmlich abgerissen. Ter Verunglückte war 22 Jahre in dem Betrieb tätig gewesen. Er war 55 Jahre alt und Vater von fünf Kindern.
* * I i g e u n e r st ü ck ch e n. Hier haben sich diesen Herbst einige Zigeuner niedergelassen, und die Weiber brandmarken unter dem Deckmantel von Hausiererinnen die, die nun einmal nicht alle werden. So erschien vor einiger Zeit eine Zigeunerin bei einer Frau, deren Tochter sich in einer Erziehungsanstalt besindet, und die Zigeunerin wahrsagte ihr, die Tochter komme bestimmt aus der Anstalt zurück. Als Belohnung nahm sie 3 Mk. und einen gol- d en eit Siegelring. — Vor einigen Tagen erschien eine solche Person bei einer kranken Frau und versprach sie gesund zu machen. Sie nannte der Frau einen harmlosen Tee, lieg sich eine Mark dafür verabfolgen, und dann mutzte die Kranke auf die Bettdecke spucken, und die Zigeunerin machte ihren Hokus-Pokus mit dem Speichel, aber gleich erklärte sie der Kranken, den Deckbettbezug müsse sie ab- zieyen und mitnehmen, denn damit nehme sie die Krankheit mit, was dann auch zugegeben wurde. Andern Tages er- schien dann eine andere Zigeunerin, die gesund beten wollte. Sie erbat sich ein Paar Schuhe und verlangte dann 10 Mk. Die Kranke wollte nun ihren Mann erst wegen der Hingabe von 10 Mk. befragen. Als dann die Zigeunerin tags darau wiederkam, um die 10 Mk. zu holen, nahm sie ein Schutzmann in Empfang, denn der Ehemann der Kranken faßte die Sache aitders auf und teilte der Polizei die Sache mit
* * Eisenbahnen des nördlichen Taunus. Die Erbauung der Solmsbachtalbahn beginnt im Frühjahr. Schon jetzt sind zwei Stationsgebäude im Rohbau vollendet, nämtich zu Brand ibcrndors und Hasselborn. Das Stationsgebäude zu Brandoberndorf soll bis Frühjahr vollendet, werden. Es soll dann zur Aufnahme der Bureauräume und der Bauverwaltit.ig dienen. Tie Bahn führt von Wetzlar über Allshausen ins Solmsbachtal und verührt hier Oberndorf, Oberiworfer Hütte (15 Minuten von Braunfels), Boubaden, Nieder-Que nbach, Kraftsolms, Kröffelbach, ferner Brandoberndorf und Hasselborn, um bei Grävenwiesbach in die int Bau befindliche Linie Usingeit-Weil- münster einzulaufen. Bei Hasselborn muß ein etwa 2.5 Kilometer langer Tunnel erbaut werdem Die ganze Strecke ist 24.5 Kilometer lang.
0 Marburg, 17. Dez. Der Verband der für- hessischen Ralfseisen» Vereine, der rund 408 Vereine
vermischte».
* Feuersbrünste treten tu den letzten Wochen wieder häufiger auf. In (Srünau bei Berlin zerstörte ein Großfeuer die Hol-bearbeitungsiabrik von Baumbach Di Flammen griffen so schnell um sich, daß die Feuerwehren bei ihrem Eintreffen nichts mehr retten fonnien. Ter Schaben wirb auf mehr als 40 000 Alk. geschätzt. — In Plauen i. B. ist die große Weberei Hlawatsch u. Isbary mit vielen Warenvorräten niedergebrannt. 700 Arbeiter sind brotlos. Wahrfchemtlch liegt Selbstentzündung von Wollresten vor. — In Rostow a. Ton wurde die innere Stadt, foivte em ganzer Stadtteil durch eine Fenersbrnnst zerstört. Perfonen sind unigekommen, der Schaben ist sehr groß. — In Washington ist bas geologische B e r m e s s u n g s a nr t niedergebrannt. Viele Karten, Dokumente u. s. w. wurden vernichtet, der Schaden beträgt mehrere Hmiberttansend Dollars.
* Mit zweiundachtzig Jahren Trillinge. Aus Amerika lonunt die Kunde, das; eine zweiundachtzigjährigc Frau Trillingen das Leben gcjchenkt haben soll. In Columbus im Staate Georgia lebt ein biederer Zunstgenosse von Hans Sachs, der seit mehr als vierzig Jahren verheiratet ist, und dem seute Frau im Lause der Jahre zweiundzwanzig Kinder geschenkt hat. Um nun das Viertelhundert zu ergänzen, hat sic int Älter von zweiundachtzig Jahren ihrem Gemahl eine WeihnachtsüberraschMiS in GeüMt von Drillingen bereitet..
mit über 50 000 Mitglieder zählt, wird, wie gelegentlich deS heutigen Unteroerbandstages mitgeteilt wurde, im nächsten Jahre hier seinen Hauptverbandstag abhalten.
h. Kassel, 17. Dez. Einen folgenschweren Zu. ammenstoß mit einem Polizeibeamten hatte in der vergangenen Nacht vor dem holländischen Tor der Gastwirt Koch, der mit Freunden eine Bierreise unternahm. Als
L. U. Landesuniversität. Dr. phil. Gerhard B o e h m e r, welcher sich an der Laudesuniversität' für das Fach der Landwirtschaft zu habilitieren wünscht, wird am Samstag, 19. Dezember, um 12 Uhr, in der kleinen Aula seine Probevorlesung über „D i e K r e u z u n g i m D i e n st e Der landwirtschaftlichen P, lanzenzüchtung" halten.
** N o t a r i a t s w e s e n. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben die Notare Geh. Justizrat Jöckel in Friedberg, Justizrat Wolf in Mainz und Justizrat Hall wachs in Darmstadt zu Mitgliedern des Diszch.inarhofs für Notare, Die Notare Justizrat Gallus in Darmstadt, Justizrat Dr. Re en in Wörrstadt und Metz in Nidda zu stellv Mitgliedern des Disziplinarhofs für Notare; die Notare Geh. Justizrat Dr. Schüler in Darmstadt und Geh. Justizrat S ch m e e l in Darmstadt zu Mitgliedern, die Notare v. Brentano di Tremezzo in Offenbach zu stellv. Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Provinz Starkenburg; die Notare Ju.ti^rat Metz unb Justizrat Katz, beide in Gießen, zu Mitgliedern, die Notare S t a h l in Bad- Nauheim unö Römheld in Gießen zu stellv. Mitgliedern der Disziplitiarkammer für die Notare der Provinz Oberhessen; die Notare Justizrat Hubert in Oppenheim und J.i,iizrat Köhler m Osthosen zu Mitgliedern, die Notare Justizrat Sommer in Mainz und Justizrat Schwarz in Worms zu stellv. Mitgliedern der Diszchlinar- Eamnter für die Notare der Provinz Rheinhessen, für dte Zeit vom 1. Junuar 1909 bis zum 31. Dezember 191* ernannt.
M 3um Steuerkommissariatsgehilfen wurde bet Schrelbgehilfe Karl Horn zu Mainz bet dem ©teuer» komnussariat Mainz 1. ernannt.
** Kolosseum. Für kommenden Samstag und Sonn- lag ist es der Direktion gelungen, das bekannte „Jnttmc Theater" München-Frankfurt mit Mary Jrber, der berühmten und viel verehrten Schönheit, als Hauptanziehungskraft zu einem nur zweitägen Gastspiel zu geiüinncn. Viele Gießener werden aus den Kritiken der Frankfurter Zeitungen,
der Schutzmann Konzmann wegen deS ruhestörenden Lärms der bezechten Gesellschaft einschritt, erhielt er von Koch einen in den Nacken. Der Beamte
wo die gefeierte Künstlerin Abend für Abend schon Monate ihr schon wissen
far ben Festmeter in 1908 zu verdanken, das.zuließ, für 1909 flott der für 1908 veranschlagten 10 M. 5 Pfg. für den Festmeter immerhin noch 10 M. 22 Pfg. einzusetzen.
Bei den Weinbau do mänen verringert sich der lieber - schuß um 6458 M. 52 Pfg., also auf 1681 M. 48 Pfg. Die Einnahmen sind veranschlagt zu 151754 M., die Ausgaben zu 150072 M. 52 Pfg. Der Rückgang des budgetmäßigen Ueber- schusses findet seine Erklärung vo.nkhmlich in der geplanten Schaffung eines Erneuernngsfonds, aus dem künftig die Mittel zur Bestreitung der durch Ersatzbaulen und Ersatzanschaffuugen für größere Jnventarstücke entftebenben Kosten zu entnehmen mären. Dem 3untä soll alljährlich aus den Betriebsergebnissen ein bestimmter Prozentsatz der Werte der "Gebäude und Weinbergsmauern und der Aufwendungen für einmalige Jnventaranschaffungen als Einnahme Angeführt und einstweilen verzinslich angelegt werden; in den vorliegenden Haupworanschlag ist erstmals eine ]oldic Abführung im Betrag von 5737 M. 52 Pfg. eingestellt Die Fläche des Weinbaudomänenbesitzes hat sich nur unwesentlich geordert, sie beträgt nun 48,57 ha, wovon 36,89 ha als Weinberge in Ertrag stehen. Nach der dem Haupworanschlag beigegebenen Rentabilitätsrechnung stellt sich für die rheinhe,suchen Weingüter — die an der Bergstraße müssen, weil Neuanlagen, zunächst außer acht bleiben — die Durchschnittsrente für 1905, das letzte Jahr, aus dem der gewonnene Wein versteigert ist, auf 5,79 Prozent des Anlagekapitals, für 1900—1905 auf 3,26 Prozent.
Der besonders ungünstige Abschluß der Hauptabteilung III: Staatsdomänen, die bei 14 883 984 M. 96 Pfg. Einnahme unb 2041282 M. 50 Pfg. Ausgabe einen Heberschuß aufweist von nur 12 842 702 M. 46 Pfg. gegen 14 896 487 M. 56 Pfg. in 1908, also 2 053 785 M. 10 Pfg. weniger, ist mit 2 050000 Mark auf die schon erwähnten Verhältnisse in der heffi, ^preußischen Eisenbahngemeinschaft zurückzuführen. In der Tcnksclirist zum laufenden Hauptvoranschlag war bereits durch Gegenüberstellen der hessischen Anteile an dem Betriebsüberschuß der Eisenbahn- gemeinschast in den Jahren 1904, 1905 und 1906 mit 12 911012 Mark 25 Pfg., 14005 221 M. 6 Pfg. und 14 40b 202 Mark 85 Pfg. darauf hingewiesen worden, daß eine Verlangsamung in dem Steigen der lleberschußanteile eingetreten sei, unb werter bemerkt worden, daß für die nächste Zeit vielleicht sogar mit einem Rückschlag gerechnet werden müsse, jedenfalls werde für 1907 der Etatsansatz von 15 000 000 M. nicht erreicht Letztere Vermutung hat leider volle Bestätigung gefunden; der Anteil betrug nur 12 950123 M. 84 Pfg., also 1456079 M. 1 Pfg. weniger als 1906 und 2049 876 M. 16 Pfg. weniger als veranschlagt. Für 1908 ist ein weiterer Rückgang zu erwarten, da die beim Güterverkehr bis jetzt gegen das Vorjahr eingetretenen Mindereinnahmen durch die beim Personen- und Gepäckverkehr vorliegenden Mehreinnahmen nicht gedeckt werden. Für 1909 liegt ein preußischer Etat noch nicht vor, man war also zur Veranschlagung unseres Anteils an dem Ueberschuß der Eiienbahn- gemeinschaft auf eigene Schätzung angewiesen. In der Annahme, daß der wirtschaftliche Niedergang fernen Tiefpunkt nunmehr bald erreicht haben und daß in 1909 wieder eine anssteigende Bewegung einsetzen werde, und in der Hoffnung, daß den auf eine Besserung o.s Beir^scho<,izien.eu aujieicnuen Bestreuungen der Gemeinschaftsverlvaltnng ein baldiger günstiger Erfolg beschieden sein werde, hat man geglaubt, für 1909 als Anteil an dem Gemeinschaftsüberschuß einen Betrag einstellen zu können, der dem Ergebnis des Jahres 1907 entspricht, also eine Einnahme von 12 950000 M. Es bedeutet diese Einstellung gegen 1908 ein Weniger von 2 050 000 M., immerhin war cs bei ihr noch möglich, die in dem j»genannten Ludwigsbahnnetz von 1896 ungeordnete Schuldentilgung vorzusehen. Auch schützt die Verbindung der Einnahme aus der Eilenbahngemeinschaft mit dem Ausgleichsfonds noch davor, daß dieser so erhebliche Ausfall den Abschluß des vorliegenden Hauptvoranschlags erschwert; es schmilzt damit aber allerdings der aus den Eijenbahneinnahmen in 1909 zur Deckung allgemeiner Staatsbedürfnijse verfügbare Betrag auf die verhältnismäßig geringe Summe von 1139 476 (— 12 950 000 Mark abzüglich der Aufweiidungen von 380 000 M. für öffentliche Abgaben, von 10 563 300 M. für Verzinsung der Eifeir- bahnschuld unb von 867 224 M. für Tilgung der Staatsschuld) zusammen, was im Zusammenwirken mit den verstärkten Ansprüchen des Reichs die bedenkliche Folge hat, daß andererseits' dem Ausgleichsfonds ans seinen Beständen der erhebliche Betrag von 1905 800 M. entzogen werden muß, damit die aus ihm für die Bedürfnisse der allgemeinen Staatsverwaltung zur Verfügung zu stellenden 3 500 000 M. der Verwaltung auch für 1909 zu-
lommen können.
Der Etat des Braunkohlenbergwerks Ludwigshoffnung zeigt wenig Abweichung von seinem Vorgänger; der lleberschuß ist zu 38050 M. 40 Pfg. ermittelt (1908 - 40 908 M. 50 Pfg.), was eine Rente von 4,09 Prozent des Anlagekapitals und bei Berücksichtigung auch des Werts des Kohlenlagers mit 390000 Mark eine Rente von 2,63 Proz. darstellt.
Tie Einnahmen der Badeanstalt Bad-Nauheim konnten um 67 000 M. höher als 1908, d. i. nun mit 1368 000 Mark eingestellt werden. Von dem Mehr entfallen — infolge dauernder Zunahme des Besuchs des Bades und Zunahnre der Bäderabgabe — auf Badegelder 25 000 M. (nun 745 000 M.) unb auf Kurtaxe und Eintrittsgeld 9000 M. (nun 314 000 M.). Tie Einnahmen der Badeanstalt Bad-Salz Hausen halten sich auf der Höhe des Vorjahres. Bad-Nauheim soll wie bisher der Staatskasse zur Bestreitung allgemeiner Staatsbedürfnisse eine Einnahme von 100 000 M. sichern, was durch Ausgleich der Ablieferung an den Erneuerungsfonds Bad-Nauheim auf den Betrag von 305074 M. 50 Pfg. erreicht wurde, indem sich bann diese mit den Verwaltung^- unb Betriebs- usw. Ausgaben beider Anstalten auf die Summe von 1289 412 M. 50 Pfg. ergänzt, während die Gesamteinnahme beider Anstalten 1389 412 M. 50 Pfg. betragt. Ter in dieser Berechnung einbegriffene Zuschuß von Bad-Nauheim an Bad-Salzhausen zum Ausgleich der Rechnung letzterer Badeanstalt beträgt 30 662 M. 50 Pfg. Die Ablieferung an den Erneuerungsfonds Bad-Nauheim war für 1908 mit 240 527 M. vorgesehen, sie erhöht sich also nun um 64 547 M. 50 Pfg. Ter Fonds selbst betrug Ende 1907 — Mark 1 246 050, Ende 1908 werden vermutlich 1268 560 M. in ihm angesammelt sein; andererseits waren ihm bis Ende 1907 aus der Hauptstaatskasse vorgeschossen 5 925000 M., welcher Betrag sich Ende 1908 voraussichtlich auf 7 425 000 M. erhöht haben wird. Es bars hier zugleich bemerkt werben, daß in dem zweiten Teil des vorliegenden Hauptvoranschlags, im Vermögensetat, 1042 700 M. als 6. Rate für die Bad-Nauheimer Um- und Neubauten vorgesehen sind und zwar vorzugsweise zur Vollendung der Badehäuser IX unb X (Süd), — womit die in bet seinerzeitigen Regierungsvorlage vorgesehenen Badehausbauten abgeschlossen sind —, unb weiter zur Erbauung eines neuen Cafss in Verbindung mit Läden und eines Ausstellungsgebäubes.
(Dicfeeiter Strafkammer.
)( Gießen, 18. Dezember.
Der Zusammenbruch der Ober-Mockstädter Kaffe, der auf das Verhalten des Direktors und des Rechners zurückgeführt wird, beschäftigt heute und wohl auch noch morgen oic Strafkammer. Angeklagt sind: Altbürgermeister Heinrich Wilhelm Mickel, früher Direktor der Kaffe, und Her, mann Harth, seitheriger Rechner, beide von Ober-NkoL- l’tabt, sowie der seitherige Rechtsanwalt Wllh. Klarenaar von hier.
Dem 77 jährigen Mickel und dem 26 Jahre alten Harth legt der Eröffnungsbeschluß zur Last, daß sie als Bevollmächtigte und Vorstandsmitglieder des Vorschuß- und Kredit- Vereins Ober-OIkockstadt, e. G. m. u. H., über Forderungen und andere Vermögensobjette ihrer Auftraggeberin absicht- (ich zu deren Nachteil verfügt und durch die nämliche Handlung zum Nachteil der Genossenschaft gehandelt haben. Klarenaar wird der Vorwurf gemacht, daß er den Obengenannten bei ihren Straftaten mit Rat und Tat wissentlich ^)ilfe geleistet hat, und weiter, daß er zu Hungen unb Gießen Handlungen vorgenommen hat, die einen Anfang ves Betrugs enthalten, indem er durch Vorspiegelung solcher und llnterdrü.ckung wahrer Tatsachen die Spar- und Darlehnskasse Berstadt zu schädigen suchte.
Das Gericht beschloß, die beiden Sachen zwecks gemeinsamer Verhandlung zu verbinden und ordnete schon früher an, den früheren Inhaber der Bantfirma Wertheimer u. Eo., Ludwig Rothschilo aus Büdingen, der ebenfalls die Hand dabei im Spiele hatte, aber strafrechtlich nicht verant- wortlich gemacht werden kann, im Zuchthausc Marienschloß als Zeuge tommissarisch vernehmen zu lassen. Die zweite Anklage gegen K'larenaar wirft ihm vor, er habe im vorigen Herbst 1460 Mk., die ihm aus dem Nachlaß deS Bruders einer Frau Pitzer aus Bottenhvrn, die ihn bevollmächtigt hatte, in dem 'fraglichen Nachlaß ihre Rechte zu wahren, vereinnahmt, aber nicht abgeliefert; ferner 700 Mark, welche er als Bevollmächtigter des Spar- und Vorschuß- Vereins Wieseck bei der Hmterlegungsftelle des hiesigen Landgerichts deponiert hatte, erhoben und sich rechtswidrig angeeignet zu haben, und weiter, daß er den Berliner Bankier Sielenziger durch falsche Angaben um 327 Mark geschädigt hat. s)tad) den von dem Sachverständigen, Bücher- vevifor Zubrod-Offenbach, getroffenen Feststellungen hat die Kasse, trotzdem sie von Rvihschild 67 000 Mark zu fordern hatte, ihm Gefälligkeitswechsel in Höhe vvn 685 000 Mark ausgestellt und ihm durch Vermittelung Klarenaars ein* Reihe von Obligationen und Hypotheken überlassen.
Der Angeklagte Mickel veyauptel, er |ei sich bei Ausstellung der Wechsel und bei Herausgabe der Werte nicht klar vorgekommen. Durch jein Alter und das Augenleiden fvwie durch die lange Krankheit des Mitangeklagten tzarch zu überlastet, sei er nicht in der Lage gewesen, die Siua- tion zu überschauen, zumal er Klarenaar wie auch Rothschild das größte Vertrauen geschenkt habe. Die Spekulationen, an denen er sich ans Veranlassung Rothschilds beteiligte, sind nicht aus Mitteln der Kasse, sondern aus seinen, Privatvermögeu entnommen worden. Daß er Blankowechsel ausgestellt hat, will er nicht mehr wissen.
Harth entschuldigt sich mit Krankheit, die ihn vier Monate vorn Bureau sernhielt. Die Unterschriften will er deshalb hergegeben haben, iveü die Schriftstücke schon die Unterschrift Mickels trugen.
Klarenaar bestreitet zegliche unredliche Absicht und schiebt die ganze Schuld auf Rothschild, der ihm vorgetäuscht habe, er habe größere Forderungen an die Kasse. Er erklärte weiter, wenn er den Angaben Rothschilds keinen Glauben geschenkt kstrtte nnb von den unlauteren Manipulationen Kenntnis gehabt hätte (die Anklageschrift macht ihm den Vorwurf, er habe mit 9iothschikd unter einer Decke gesteckt), so hätte er dafür gesorgt, daß das Gericht nicht ur die Lage gekommen wäre, Rothichild aburteilen zu tönnen. Er hätte niemals geglaubt, daß Rothschlld vor dem Zusammenbruch stünde.
Die Zeugenvernehmung dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen; es fiub etwa 30 Zeugen zu vernehmen.
(Fortsetzung folgt.)
(ßcricbtsfaaL
d. Meiningen, 17. Dez. In bem Prozeß gegen den Schneiber Adolf Wahl aus Schinalkalden sowie 20 Schuler der Lchinallaldeuer Oberrealschule wegen Siltlichkeusoergehens wurde das Urteil gestern abend nach Vll Uhr abends gefällt. Es lautete gegen Wahl auf drei Jahre Gefängnis, ein Schauspieler Eereomski erhielt drei, ent früherer Schiller zwei Alonats Ge'ängmS. Tie übrigen Angeklagten wurden sämtlich freigesprochen, da der Ge- rlchlshoi der Ansicht war, daß fie teils nicht die nötige Einsicht in die Straibarkeit ihrer Hanbliingen hauen« und teils die üodtegeuben Beweise zu einer Verurieilung nicht ausreichten.
Beig. Georgi beschlossen, in nichtöffentlicher Sitzung hierüber weiter zu beraten. In ihr würbe beschlossen, den Kaufvertrag enbgültig abzuschließen. So blieben denn als Ausbeute der öffentlichen Sitzung Beschlüsse über Baugesuche, Einsprüche gegen Bebauungspläne, Wirtschaftskonzesfionsgesuche usw. Auch der üble Zustand der Weserstraße kam wieder einmal zur Sprache und hoffentlich behält diesmal das Wort Recht, baß derartige Dinge besser tverden, roenn sich der Stadtvorstand hineinlegt. Erwähnenswert ist noch der Ankauf der Lahninj'el am Hamm und eines benachbarten Grundstücks für 51300 Mk. von Georg Simon, sowie der Beschluß, daß den Arbeitern des Gas- nitb Wasserwerks in Zukunft Kaffee und Seife auf städtische Kosten gegeben werben sollen. Ter weiter gefaßte Beschluß, daß die Reinigung des Poüzei- amts in Zukunft von der Tochter der seitherigeii Reinmache- Frau (die gestorben ist) ausgeführt werden soll, sei nur erwähnt, darauf hinzuweisen, mit welch wichtigen Gegenständen die Zeit unseres Stadtverordneten-Kollegiums tn Anspruch genommen ist. Eine Aenberung der darüber bestehenden Bestimmungen wäre im Interesse eines flotteren Geschäftsgangs recht angebracht
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. Dezember 1908.
Aus der Sitzung d-r Stadtverordneten.
Weihuack)tsstimmuntz herr.chie in der gestrigen Sitzung der Stadwerordnetenversammlung, die den meist untergeordneten Verhandlungsgegenständen entsprechend nicht allzu viele Stadtväter in den Sitzungssaal geführt hatte. Ter einzige Gegenstand von Wichtigkeit, der auch für die weitere Oeffentlichkeit Interesse hatte, wurde nach kurzer Bespreck)ung in die nichtöffentliche Sitzung verwiesen. Es handelte sich um den im Prinzip bereits vor li/2 Jahren beschlossenen Ankauf der alten Klinik, der 250 000 Mk. erfordert. Im Anschluß an die früher beschlossene Bedingung, daß die Liegensck)aft au die Stadt sofort nach Erlegung des Kaufpreises übergehen soll, beschäftigte man sich diesmal tioch mit bem Wunsch der StaatSregicrarig, daß die Poliklinik für Ohrenkranke bis zur Fertigstellung des neuen Kliniks- gebäubes, alfo etwa 3 Jahre, in ihren seitherigen Räumen verbleiben könne. Es fchien hierfür auch allgemeine Geneigtheit zu bestehen, aber als die Sprache auf die zukünftige Verwendung des Kliniksgebäudes kam, wurde auf Antrag des


