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Bom
Alle Jahve einmal die sonst vernünftigen
werden allüberall in deutschen Landen auch Leute vorn Geist der Narrheit erfaßt und
Statt ttttO Land.
Gießen, 4. März 1908.
Karneval i« Gießen.
A ~ Tageskalender. Mittwoch, 4. Marz, abends 8 llhr, Stadttheater: Die Ehre.
Donnerstag, 5. März, vormittags 8 Uhr, Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Aüendorf a d Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrods Beuern, Burkhardsfelden, Daubrmgen und Ruttershausen in Gießen, Turnhalle des Turnvereins.
auch unser gutes Gießen macht hierin keine Ausnahme. Zwar tzehen die Wogen der Ausgelassenheit und Lustigkeit nicht so hoch wie in den Städten am sonnigen Rhein, aber dennoch amüsiert sich All und Jung bei dem traditionellen Seltevswegrummel aufs Beste. Aktiv natürlich mir die Jugend beiderlei Geschlechts, wobei allerdings der Begriff „Jugend" nach oben etwas sehr weit ausgedehnt wird. Tie sittsamsten Mägdelein bewaffnen sich dann mit mächtigen Stonfettibüten und teilen daraus Freunden und Fremden beveitwilligst Beweise ihrer Gunst aus. Anders die Atännerwell. An Stelle des Hutes tritt die bunte Papiermütze und statt bet ehrbaren Bürgergewänder stecken sich viele in Klown- anzugen, tappen als (Stefanien ober gar als wackere Mitglieder der Gießener Schrnutztruppe einher oder in anderen möglichen und unmöglichen Verlleidungen. Zu letzteren gehören namentlich die nicht näher definierbaren Kostüme, denen statt des sie bestrahlenden, lachenden Märzsonnen- schems em tüchtiger Aprilregen aus Reinlichttitsgründen wohl zu wünschen gewesen wäre. Aber sei dem, wie es wolle, eigeiitlich anitöüige Kostüme traten kaum hervor, und nur eines mußte nxn Untere) je des Gesamtbildes bedauert werden: daß nämlich Fastnacht diesmal so unvernünftig spät fiel, und dadurch viele Angehörige unserer alma mater nicht da waren, die sich sonst am Tage der Narrheit mit mindestens demselben Biereifer dem Studium oes Straßenlebens widmen, wie an den übrigen Tagen chven wissenschaftlichen Arbeiten. Aber das tat der allgemeinen cmlufrfeU feinen Abbruch Es wurde gescherzt, gekost und ge- lacht, geluftichlangelt und Konfetti geworfen. Mit den zahlreichen sFQisoergasten in den Häusern wurde bald ein inniger Koner her- fleftem, em bunter Kvnfetttregen strömte von den Fenstern auf die wogende dNenichenmenge herab und diese bemühte sich eifrig, mit »ufe von Luftschlangen Marconis geniale Erfindung praktisch anzuwenden. Auf allerlei seltsamen Gefährten zogen Musikbanden umher und m die Klänge ihrer Instrumente mischte sich das Geräusch der Prttschenschläge und Knallerbsen. Edle Menschenfreunde hatten im oberen Stock vom „Lotzekaste" AufstellNng genommen und versahen von da aus die Straßenjugend mit Ateppeln und anderen Genügen, fo daß oft eine beängsttgende Stockung im Strafrenverkehr eintrat. Wenn aber die angestaute Menschenmenge Bar nicht mehr weiter lonnte, kam der Polizei, von der erfreu^ licherweise nicht viel zu sehen war, unsere Straßenbahn zu Hilfe und im, Ge,olge des dahrnratternden Omnibusgefährtes konnte o oev M^schenstrorn wieder Weller bewegen. Einige mutige X,eute hatten sich logar an die Inszenierung eines Kanievolzuqes herangewagt. Es blieb allerdings gewissermaßen beim Versuch, denndie paar mit Fahnenfttffen verzierten Wagen, die dem Trvnttnlei> und Musikkorps folgten, bildeten gewissermaßen nur ben Primitiven Anfang eines Zuges. Uebrigens wurden damit S££ fpb??c §U[ta?brC Äo- n?t fllustviert und glossiert. Am Abend fetzte sich das bunte Treiben in verschiedenen Lokalen fort, es fanden einige Maskenbälle unb humoristische Konzerte statt, so daß auch viele von denen auf ihre Rechnung kamen, die sich am Nachmlltag nicht dem Gießener Pflaster anzuverttauen wagten
? Hungen, 3. März. Ein interessantes und noch nie dagewesenes Schauspiel bot sich am heutigen Fastnachtstage dar. Schon vor längerer Zeit waren einem hiesigen älteren Einwohner von verschiedenen Seiten scherzweise eine größere Summe Geldes, 30 bis 40 Zentner Dickwurz und ein Wagen Spreu zuge- sprochen worden, wenn er auf seiner Kuh durch die Stadt reite. Auf die Bedenken seiner besseren Hälfte meinte er in anbetracht der zu erhaltenden Dickwurz: „Lisbeth, mer huu zu foirern (füttern)!" Seit einigen Tagen hatte er nun schon feine Kuh auf diese Tour vorbereitet und in seinem Hose Reitübungen Dorgenammen, die heute so weit gediehen waren, daß er hoch zu --; Kuh den imposanten Ritt ausführen konnte, zum größten Gaudium von jung und alt. Unter Begleitung der Jugend führte er seinen „mutigen" Ritt glücklich zu Ende und hat damit einen schönen Tagelohn gemacht.
x L u m o a, 3. März. Auf Wunsch des hiesigen Krieger- vereins wird Lehrer Volk von Schadenbach Sonntag den 8. ds. Mts„ nachmittags 3 Uhr,^ einen Vortrag über Groß- herzog Ludwig IV. von Hessen und seine Division im Kriege 1870/71 halten, wozu auch Nichtmitglieder des Vereins freien Zutritt haben. Bei dieser Gelegenheit wird auch der hiesige Vertreter der Haftpflichtversicherung „Zürich", Herr Rau, über Haftpflicht Aufklärung geben.
** Treis a. d. Lumda, 2. März. Auf Einladung des Kriegervereins ,©ertnania* hielt Lehrer Flach- Großkarben gestern nachmittag im Saale von Bürgermeister Benner einen Vortrag über den russisch-japanischen Krieg. Der Redner gab in klarer und übersichtlicher Weise ein anschauliches Bild sowohl der Vorgeschichte wie des eigentlichen Verlaufes jenes Krieges, schilderte Land und Leute und ließ die Gefahren durchblicken, die eine Vorherrschaft der Japaner im Osten für die europäischen Mächte mit sich bringen wurde. Die zahlreichen Zuhörer lohnten den Redner zum Schlüsse mit lautem Beifall, der auch m einem auf ihn ausgebrachten Hoch seinen Ausdruck fand. Diese von der Kriegerkameradschaft Hassia veranstalteten Vorträge finden immer mehr Anklang bei unserer Landbevölkerung und tragen viel dazu bei, den Bildungsdrang des Volkes in edler Weise zu befriedigen, den geistigen Horizont der Leute auf dem Lande zu erweitern und ihr Interesse auch für ferner liegende Gegenden zu erwecken.
4- Bad-Nauheim!, 2. Marz. Die Stadtverordneten- Versammlung zu Friedberg hat beschlossen, Einspruch dagegen zu ergeben, daß die Stadt Bad-Nauheim ihre jetzige Kläranlage vergrößern und die Abwässer auch fernerhin in die schon verseuchte Ufa führen will, dagegen von dem staatlicher- <elts angeregten Projekt, die Abwässer in die Wetter zu leiten, ab* gekommen ist. Bekanntlich hatte der Staat eine gemeinsame Kläranlage, für das Bad, die Stadt Bab-Nauheim und Friedberg protektiert. Nach diesen Plänen sollte ein großer Kanal die Ab- wäster entlang dem Usatal bis zur Wetter zwischen Fauerbach und Offenheim führen. Dadurch wäre die Verseuchung der Ufa endgültig beseitigt worden,
Friedberg, 3. März. Zwischen Rodheim unb Rosbach (Homburg-Friedberger Bahn) entsland heute früh ein über 20 Meter langer Dammrutsch. Tie erfoiberllchen Maßiiahnien gegen eiile Vergrößerung der Rutschstelle wurden alsbald getroffen. Tie Züge fahren langsam über die gefährdete Stelle. Alle verfügbaren Streckenarbeiter wurden an die Nutschstelte gesandt.
Homberg, 3. März. Die Influenza tritt hier und in der Umgegend mit besonderer Heftigkeit, öfter sogar mit Lungen- und Rippenfellentzündung auf, so daß unsere beiden Aerzte die Hände vollauf zu tun haben. Daß ein zweiter Slrjt nötig war, hat sich jetzt schon gezeigt. So weilte z. B. vorige Woche Dr. Luft bis abends spät in dem kleinen Stach- barorte Schadenbach, um seinen teilweise schwerleidenden Patienten ärztliche Hilfe zu leisten. Bei der feuchten Witterung ist auch sobald nicht an ein Erlöschen dieser Krankheit zu denken. — Die Telephonanla ge von hier über Ober-Ofleiden und Gontershausen nach Decken buch ist höheren Orts bereits genehmigt. Die Einrichtung wird von den Ortsein- wohncrn allseitig freubig begrüßt.
sich mir durch die Flucht vor weiteren Mißhandlungen schützen. Die Sicherheitswache war nicht imstande, die Exzesse zu verhindern. Erst die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her.
Dover, 3. März. Der Korrespondent einer lokalen Agentur teilt mit, daß der Zar beabsichtigen soll, im Laufe des nächsten Sommers einen Besuch in England zu machen. Dieses Gerücht wird jedoch mitVor behalt ausgenommen werden müssen.
Bern, 3. März. Der Bundesrat vereinbarte mit Rußland eine Erklärung betr. die gegenseitige Auslieferung derjenigen Personen, die sich des Miß- brauchs von^ Spreng st offen schuldig machten- — Der Bundesrat bestätigte den bisherigen Vertreter des Bundes im Verivaltungsrat der .Gotthardbahn bis zum Uebergang der Bahn an den Bund-
Brüssel, 3- März. In dem neuen Abkommen betr. die Angliederung des Kongo st aates ist nach glaubwürdigen Mitteilungen auch die Abtretung der dem König gehörigen Besitzungen zu Kap Ferrat in Frankreich an Belgien vorgesehen, deren Wert auf 15 Millionen Franks geschätzt wird. Ihre Nutznießung soll dem König bis zu seinem Tode verbleiben- Dem „Etoile Beige" zufolge wurde das Abkommen heute unterzeichnet und wird morgen, spätestens Donnerstag in der Kammer eingebracht werden- Das Dekret des Königs betr- die Annullierung der Krondomänen wird unverzüglich in dem Bulletin offiziell des Kongostaates erscheinen.
London, 3. März. Sir Henry Campell Banner mann hatte einen ruhigen Tag, leidet aber noch an Schwäche als Folgeerscheinung der Influenza-
diesmal wieder mehrere Aufzüge veranstaltet. Man Hai e§ leider hier nicht mit dem echten Humor zu tun, wie ihn anderorts der Fasching zeitigt, sondern beifenber Spott und Hohn sind fast drtrchweg die Grundideen der Veranstaltungen. MetstenS wird versucht wenig beliebte Leute, oder solchen, denen man etwas andichten möchte, mimisch zu kopieren. Die Fastnacht 1907 hat nichts gutes gezeitigt und auch heute konnten wirklich edel denkende Menschen an diesem Treiben keine Freude finden. Es wäre zu wünschen, daß die zu- ilänbigen Behörden dem gegen früher vollständig ausgearteten Fastnachtstrubel ein Ende machte.
§ Lang-Göns, 3. März. Am Samstag abend feierte der Gesangverein Germania sein 17jährig es Stiftungsfest. Die Kapelle Sames von Holzheim verschönerte das Fest durch Konzertstücke. Als Gäste hatten sich eingebunden Bürgermeister Rompf, der Gemeinderat, Vorstand des Turnvereins, der Feuerwehr und des Kriegervereins. Von auswärts war der Gesangverein Eintracht-Butzbach und Lehrer Buß-Leihgestern erschienen. Die Theateraufführungen fanden großen Beifall. — Gestern abend wurden gutbesuchte Theatervorstellungen für die Jugend gegeben.
r. Londorf, 3. März. Am Sonntag abend hatten wir zum erstenmale die Freude, bas Rhein-Mainische Verba n d s t h e a t e r bei uns zu sehen. Gegeben wurde „Minna von Barnhelm" von Lessing. Der Besuch war sehr gut, namentlich auch von auswärts, obschon verschiedene Umstände, so z. B. die hier stark herrschende Jnfinenza viele vom Besuche abhielten. Daß der Veranstaltung viel Interesse entgegengeöracht wurde, geht daraus hervor, daß der 1. Platz schon im Vorverkauf ausverkauft war. Und die Erwartungen wurden nicht nur nicht getäuscht, sondern noch übmroffen. Tie Darstellung verdient alle Anerkennung. Mit Ernst und Eifer war der Direktor Hauser als Regisseur bemüht, die Erschienenen zufrieden zu stellen. Seine Rolle, die des Wirts, spielte er mit feinem Humor. Tie Titelrolle spielte Frl. Marner mit Grazie und feinem Verständnis und ohne Yebertteibung läßt sich sagen, baß die „Franziska" bes Frl. Else Hahn eine Prachtleistung war, die jebem größeren Theater zur Ehre gereichte. Ten Major von Tellheim spielt« Herr Gürtler. Sein Organ klang zwar etwas überanfh-engt, doch war er seiner schwierigen Aufgabe Herr und führte seine dankbare Rolle recht glücklich durch. Auch der Just des Herrn Stumpf, der Wachtmeister des Herrn Höchberg und nicht zum toenigjten dcr Franzose des Herrn Tr. Bruck waren hervor- rxlgcnde Leistungen, und der reiche Beifall, den die Künstler ernteten, war wohlverdienter. Wenn es, was wir wohl hoffen dürfen, der Künstlerschar bei uns gefallen hat, so möchten wir sie gerne zu einer Reihe weiterer Vorstellungen bei uns einlaben. An einem zahlreichen und dankbaren Publikum wird es wohl nicht chlen.
+ Da rmstadt, 3. März. Das Preisgericht für den e?? bewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen freistehenden Brunnen im Hofe der Landesbaugewerkschule trat am 2. März zusammen. Es waren 71 Entwürfe emgelaufen. Zur engeren Wahl kamen 20 Entwürfe, zur engucn Wahl 10. Tie Entwürfe „Ohne Schnitt und ohne Grundriß , foroie .Jm Smne der Schule" wurden als gleich- wertig erachtet und je mit einem 2. Preis von 100 Mack
allen Gauveranstaltungen die Bedienung der Gäste nur durch männliche Personen erfolgen soll. Zur diesjährigen ©aiiturn= fahrt haben sich die Turnvercine Gedern, Großen-Buseck, Großen-Linden, Laubach (Tgm.) und Lauterbach gemeldet, während sich Kirchhain, Grünberg und Marburg um das nächstjährige Gauturnfest bewerben. Auch die Frage des Bergtürnens wird wiederum zur Verhandlung kommen unb natürlich auch das große turnerische Ereignis des Jahres, das Frankfurter Turnfest.
".Viehzüch ter-Vereinigungen in Hessen. Laut Statistik der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft vermehrt sich die Zahl der Viehzüchter-Vereinigungen im Großherzogtum Hessen von 138 in 19G6 auf 153 in 1907. Es waren eingetragen 577 (420 Pferde, 7478 (7u6ü) Rinder, 510 (717) Schweine und 4484 (3462) Ziegen.)
'* Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Groß Herzog haben der Krankenpflegerin des Alicc-Frauen- Vereins für Krankenpflege im Grobherzogtum Hessen Schwester Johanna Grein, zurzeit in Neustadt i. O., das Goldene [ Dienstauszcichnungskreuz für Krankenpflege verliehen und deni Obeileutnant a. D. Rciuh. Lotheißen zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Kreuz-Medaille 3. Kl. erteilt.
’* Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule 511 Wersau. Mit der Stelle ist Orgaiiistendienst verbiinden.
"OH essische Kunst. Großh. Regiertliigsbauführer Dipl.' Jng. Georg Scherer »u Gießen errang mit seinem zu den dies- jährigen Schrnkelpreis-Wettbewerb eingelieferten Entwurf einer Trnfanlnge die S ch i n k e l - M e d a 111 e.
Alis dem Bureau des S t a d 11 h e a t e rs. Es sei auf verschiedene Aiürageu initgeleilt, daß das &i)jolbt‘’$aft:’ spiel am Dienstag ben 10.März außer Abonnement statt- sindet.
** Kronbauer'scher Quartett-Verein. Tas Wohl- lätigkeilskonzert hat einen R e l n e r t r a g von 800 Mk. ergeben, welche Summe Oberbürgermeister Aieellm überwiesen ivurdc.
** I n ber Freibenker-Vereinigung wirb am kom- menben Sonntag abenb Dr. BÄttio Wille 'ans Berlin einen- öffentlichen Vortrag über: „Die Mythe vom Kreuz" hatten. (Näheres s. Inseratenteil.) — Bruno Wille gehört heute mtt zu ben geistigen Führern der Freibenkerbewegung, und er hat sich nicht nur innerhalb bieser Kreise, sonbern in ganz Teulschlanb unb herüber hinaus einen Namen gemacht durch seinen phllofophischen und poetischen Schriften, von denen die Ehristlismythe,, Einsiedler und Geilvsse sowie fein bedeutendstes Werk: „Die Offenbarungen des Wachholdcrbalinles" nm bclannteften find. In allernächster Zeit erscheint wieder ein größeres Weck von ihm, und zwar: ^Die Abeildburg", ein religiös-philosophischer Jxoman. — Bemerkt sei noch, daß der Vortrag ohne Restauration slatlfinden wird, da ivoljl zweifellos ein sehr starker Besuch zu erwarten ist.
** Kaiserzusammenkunft unb Flottenmanöver vor Swinemünde. Mit biesem Programm wartet in bieser Woche das Kaiser-Panorama auf. Nach einigen Szenen aus dem Straßen- und Badeleben in Swinemünde beobachten wir das Einlaufen der russischen Kaiserjacht in den Hafen, neben der „Hohenzollern" Anker werfend, wir sehen bie Kolosse der Panzer und Kreuzer im Manöver- gefccht auf hoher See, sowie die interessanten Angriffe der gefürchteten Torpedoboots-Flottille. In einem besonders günstigen Augenblicke sind auch aus unmittelbarer Nähe die beiden Monarchen mit Gefolge an der Kommandobrücke ber Hohenzollern, den Kampf der Geschwader beobachtend, im Bilde zu sehen. Erwähnen wollen wir ferner noch einige Aufnahmen der kaiferlichen Gemächer der Hohenzollern. Es sind alles herrliche naturgetreue Aufnahmen, die uns das Institut vorführt. Der Besuch dieser Serie ist wieder nur zu empfehlen.
** Von den Wandernden. Im abgelaufenen Vionat Februar hatte di- Herberge zur Heimat 1556 Logier- A . e, von denen 9ol gegen Arbeitsleistung Unterkunft und Naturälverpfleguug bekamen, während 605 Gäste gegen Bezahlung Ausnahme fanden.
** Einen schlechten Scherz machte ein offenbar von der Karnevalsslimmung zu sehr Befallener dadurch, daß er an unserer Geschäftsstelle ein Telegramm anheftete, in dem er zu dem Büdinger Bankkrach mitteilte, daß Hofrat Rothschild zurückgekehrt sei und bie Depots unversehrt bei sich führe. Trotzdem die Uiicchlhheit des Telegrammes für den Kundigen auf den ersten Blick zu erkennen war, fei für harmlose Ge- müter hier ausdrücklich festgestellt, daß es sich dabei um einen geschmacklosen Kariicvalsschcrz handelt.
** Z u rn B ü d i n g e r B a n k k r a ch. Zu den berschiebenen Mclvungen auswärtiger Blätter, Hofrat Rothschild sei verhaftet worden, können wir mitteilen, daß hier am Gericht nichts davon bekannt ist. Heute nimmt der Staatsanwalt wieder Vernehmungen in Büdingen vor. Ueber das Vermögen der Firma Wertheimer ist ebenso wie über das des Vorschuß- unb Krebttverems Ober-Mockstabt bas nämliche Konkursverfahren eröffnet worben. Bei ersterem Konkurs wirb wohl nicht viel herauskommen, während bei dem der Ober- Mockstädter Kasse die Mitglieder bie Seibtragenben sein werden da es sich um eine Genossensc^rst mit unbeschränkter Haftpflicht handelt. Wie groß die Verluste der einzelnen Genossenschaftler Mn werden, ist noch nicht festgestellt, die Gesamtfchulöen der Staijc 1 ollen gegen eine halbe Million betragen. Der Vorstand de; Kasse wurde sofort nach dem Bekanntwerben der Affäre abgc.etzt und durch neue Leute ersetzt. Der ftühere Bürgermerster Perckel Hot pch 01c Verluste der Äas.c so zu Herzen genommen, daß er in eine plervenheilanstalt gebracht werben mußte.
Karneval m Lollar. Rlan schreibt uns aus Lollar, 3. Atärz. Wie in früheren Jahren, wurden auch
1 künftig bei Lieferungen von Sachen unb Waren, bie nicht in : Preußen, aber doch in Deutschland hergestellt worden sind, : den Stempel niederzuschlagen ober zurückzuerstatten. Damit ist eine Gleichstellung der prerißischen und nicht preußischen deutschen Lieferanten hinsichtlich der Stempelbesteiierlmg bei Lieferungsverträgen nach Preußen erzielt unb allen Klagen : der letzten Art die Spitze abgebrochen.
** Eine Sitzung der S t a d tv e r 0 rd n e t e n - Versa m m l u n g findet am Donnerstag, 5. März, nachm. 4 Uhr, pünktlich mit folgender T a geSord nung statt. 1. Orts- Itatut betreffend die Erhebung einer Wertzuwachs steuer, 2. Zuschuß zur Heim a r be ltsa usste ll u n g in Frankfurt. — In der sich anschließenden nichtöffentlichen Sitzung kommen die Satzungen über die Beamtcn-Dien st Verhältnisse und bte Gehaltsverhältnisse der städtischen Beamten und Bediensteten zur Beratung.
'*Ein Turntag des Gaues Hessen findet am nächsten Sonntag vormittag 9 Uhr im Neuen Saalbau hier itatt. Auf der Tagesordnung stehen außer ben regelmäßigen Berichterstattungen usw. bie Wahl des 2. Gauturnwarts, ein f Antrag auf Teilung des 1. unb 2. Bezirks in 2 Unterabteilungen, ein Antrag des Turnvereins Marburg, daß bei
Die Umlage der land- und f 0 r ft re t r t f cf). Be- ^?6enossenschaft für das Jahr 1907 beträgt 859 299,61 Mk. ?ieJeVn ld). Swammen aus Enlschadigungsbeiträgen und Losten der Uwalluntersuchungen 777 212.01 'UL, Unfallverhütung 1494.37 M.
W7 on’ 380:08 Kosten des Landesoersicherungs-
arntes 177.90 9)L, Berivaltungskoslen 49 897.86 M., Hebaebülnen IG 912.17 M., Ausfälle re. 86.77 9)1., Ättschreibung'am Genossen' schaitshans 685.— M., Einlage in den Reservefonds 17 094 34 Df zusammen 872 940.50 M. Davon gehen ab: Nachirägliche Einnahmen aus früheren Jahren 1377.09 'HL, Zinsen aus dem Be- tr.ebsfonds 4075.84 M Einnahmen aus' RegreßanspL^7 m b fonjtigen Einnahmen 4966 96 'DL, zusammen 10 419.8!) 'Dl bleibt Rest 862 520.61 'DL An Barzuschlägen sind zu erheben 3 22'1 — M Es sind daher anzulegen 859 299.61 'Dl. Da die Gesamtsumme der beitragspflichtigen Steuetfapuahen einschl. derjenigen der Sleben. betriebe 8 342 732,3 Gulden (11 301 826,8 M.) beträgt, so ergibt sich ein Ausschlag von 10,3 Pig. auf den Gulden Steuerkapital (6 009 Pfo auf die 'Dlart). ' z *
** Preußische Stempel ft euer in Hessen. Nach dem preußischen Slempelsteuergesetz von 1895 hatten außer- preußische Lieferanten bei Lieferungen nach Preußen für die Lieferungsoerträge einen prozentigen Stempel zu zahlen. Diese Beftimmung wurde sogar auf Lieferungen ausgedehnt, bie von hessischen Lieferanten für in Hessen gelegene Strecken ber preuß.-hess. Elsenbahngemeinschaft erfolgten. Auf Veranlassung des G^oßh. Ministeriums hat bie Handwerkskammer Untersuchungen über die durch diese Bestimmung... den hessischen Lieferanten erwachsenen Benachteiligungen an- gestellt und auch tatsächlich eine Reihe von solchen Fällen feststellen können, in denen es sich zum Teil um recht erhebliche Stempelbeträge handelte. "Nachdem diese FeststelliML.?., erfolgt sind, haben bie Bestrebungen ans Beseitigung bie. Zustandes Erfolg gehabt, denn nunmehr ist von dem zuständigen preußischen Ministerium die Verfügung ergangen,


