L58. Jahrgang
Erstes Blatt
Nr. 54
Mittwoch 4. März 15>O8
StehenerZamilienblatter; aroetmol roöcbentl.Kteis= Via« sürden «reis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wtrtlchaflltcheSeitfragen
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
quellen abhängig sei; ebenso gebiete Deutschland über einen überseeischen Handel, den' zu schützen es verpflichtet fei, weshalb England kein Recht habe, die deutschen Pläne mit Argwohn zu verfolgen, vielmehr handle es sich um vollkommen berechtigte' Grenzen für die Flottenvermchrung einer Nation. Das sind Worte, die man in Deutschland gern hören wird, da aus ihnen eine vollkommen objektive Beurteilung der deutschen Jntercffen herausblickt. An eurer solchen hat es eben in den letzten Jahren gefehlt und darin lag eines der Hauptmomente für bie Zuspitzung der beiderseitigen Beziehungen. Hoffentlich ist diese Ansicht bei unseren englischen Vettern von Dauer, wie man auch deutscherseits gern bereit ist, unter solchen Umständen England volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
(Eine deutschfreundliche Kundgebung.
Im englischen Unter hause haben die Debatten über den Marineetat begonnen und es ist bezeichnend, daß man jenseits des Kanals überwiegend den dringenden Wunsch hegt, endlich einmal hinsichtlich der Flottenrüstung einen Stillstand herbeizuführen. Dieser Tendenz gibt bereits der diesmalige Etatsvorschlag Raum, in dem bekanntlich das Plus gegen den vorjährigen Etat bei einer Summe der Aufwendungen von zirka 640 Millionen nur 18 Mill. Mark ausmacht. Aber im englischen Parlament hegt man anscheinend in der Mehrheit den Wunsch, daß es nicht bei diesem einen Falle bleiben möge, sondern daß auch die kommenden Etats keine Erhöhungen, ja wenn möglich, geringere Ausgaben mit sich bringen möchten. Bisher stützten sich die Argumente für die Flottenvermchrung mehr oder- minder deutlich auf die angeblichen feindseligen Absichten Deutschlands, und da sich nunmehr das Blättleiu gewendet hat, kann es nur eine logische Konsequenz dieses Umschwunges sein, wenn in der englischen Bevölkerung der Gedanke die Oberhand gewinnt, unter diesen Umständen die Flotten ausgaben einzuschränken. Diesen Gedanken gab in der Montagssitzung des Unterhauses der radikale Führer Macdonaäd Ausdruck, indem er dabei gleichfalls auf die Besserung in den Beziehungen zwischen Deutschland und England hinwies. Die Art und Weise, wie dies geschah, ist bezeichnend für den Umschwung der Dinge, der inzwischen eingetrelen ist. In den letzten Jahren fehlte es niemals an irgendwelchen Verdächtigungen oder Spitzen gegen Deutschland, und diese Politik der Nadelstiche war wahrhaftig nicht geeignet, eine Besserung des Verhältnisses herbeizuführen. Jetzt aber schallen von jenseits des Kanals ganz andere Töne herüber, und ein anderer radikaler Abgeordneter, Brunner, erklärte sogar ausdrücklich, man müsse jeden Bluff meiden und jede Verhöhnung des deutschen Volkes unterlassen; England sei stark genug, um in der Verminderung der Rüstungen mit gutem Beispiel voranzugehen Sehr bemerteilswert war auch die Antwort vom Regierungstische. Schatzsekretär Asquith ging in seinen Bemerkungen auf Die Äußerungen Über Deutschland gleichfalls ein und erklärte, daß, wenn auch mit Deutschland kein ausdrücklicher Vertrag vorliege, doch England hoffen und vertrauen dürfe, daß die beiden Völker mit jedem Jahre einem vollständigen gegenseitigen Verständnis immer näher kommen werden. Ja, er desavouierte sogar die früheren Begründungen der englischetl Flottenvermehrungen, indem er ausführle, daß die deutsche Flottenvergrößeriing einfach den wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnissen Deutschlands entspreche, das über eine schnellwachsende Bevölkerung verfüge und zu seiner Ernährung von Rohmaterialien aus Überseeischen
Deutsches Reich.
Berlin, 3. März. Für den frei geworbenen Posten eines preußischen Gesandten in Hamburg ist der bisherige Gouverneur von Deutsch-Osrafrrka, Graf von Götzen in Aussicht genommen-
— Die Kaiserin-Witwe von Rrißlanb wurde heute auf der Durchreise durch Berlin von Kaiser Wilhelm begrüßt und im Zuge bis Lharlottenburg geleitet.
— Die höhere Postlaufbahn wird voraussichtlich rum 1. April und zwar in beschränktem Maße wieder eröffnet werden-_________
Ausland.
Die Morgenblätter nu'iücit aus Budweis: Gestern kamen wieder S t r a ß e n e x z e s s e vor- Deutsche wur- deti äuge fallen,, bedroht und beschimpft und konnten:
— Kleine Kunst chronik. Hermann Z i l ch e r, der auch in Gießen vom teigen Wnllner-Abend her befanmc Frank'unei Pianist und Siompomlt, Mehrer am dortigen Tr. Hochstchcu Stom servatoruun, tritt nut dein nächsten Sludunjahr, einem Riue tfchs Mottls folgend, an die Akademie der -tonhinlt m M u nch e n über — En gen d ' A11) erk arbeitet an einer neuen Oper, z - e 'i l", deren Kompositionsstizze bereits iertig ift. Ten -loh bat Rudolf Lothar bearbeitet. Liese Oper wird in Indien ipielen. — Elektra", das neue, im Entsteben begriffene Musikdrama von' Richard Strauß, wird in einem Akt neun Szenen ver° einigen, die aus knappe Zeit von einem Intermezzo unterbrochen werden. Tie Hauptrolle der Elektra ist eine eopranpaitie. Orestes unb der König sind Tenorpartien. DaS Werk wird wenig über 1‘/ Stunden spielen. — Gemeiusam mit dem bekannten Violoncellisten W. Hugo BeÄer (Frankfurt) beabiichngt Henry M a r t e n u ein S t r e i ch -Q u art e t t ru begründen, das seinen Sitz in Berlin Haven unb den Namen Marteau-Becher-Quarteu führen wird. - Ein Heine-Denkmal der Rezitator Tanny Gürtler, cm geb. Tarmstadler, durch den B, dhauer Siiemlcn in Stuttgart an'ertigen lassen und der Stadt Köln an- aeboteii. Das Denkmal wird rund 20 000 Mark kosten und un Mai d. I. fertiggestellt sein- Die Kötner Stadtverwaltung wird sich jetzt darüber zu entscheiden haben, ob sie das Geschenk an- mmmt. — An der am 9. März in Land o n beginnenden t n t e r- nationalen Beratung über bie Maßnahmen zur B e - kämpiiing der Schtaikrankheit werden als deutsche Vertreter Robert Koch, ^egationsrat Dr. v. Jakobs und Oberstabsarzt Steudel teitnehmen. Die Hauptgege.istände der Bcr° Handlungen iverdcn die Einnchtung eines internationalen Nach- richtenbureaus über das Au'treten und die Vereinbarung gemeiu- schastlicher Alaßrcgeln zur Abwehr und Bekämpfung der Schlaf- krankheit in verseuchten Grenzaebieten sein.
Mehr ursprüngliche komische Begabung hat G a r c i s, ihm fehlt aber bisweilen noch alle Bühnengewandtheit und schichliche Bewegung. So vortrefflich er in Dtalektrollen zu sein pflegt, so unbeholfen und zu llebertreibimgen geneigt in Rede und Geste ist er nn Salon. Gse11 sieht sich auch liichi selten seiner Individualität völlig fernliegenden Aufgaben gegenüber. Sein vortrefflicher Schäfer tNi„WtMermärchen" ist unvergeßlich, semen Marsland wollen wir dagegen um semelwillen m unser en Gedanken schnell begraben. Die Tarnen W i n d e r st ein unb 9)1 o r c 11 batten em paar munterer und niedliche Nichten darzustellen. Nun hat ja Rosa Winderstein im Gegensatz zu Paula Morett sowohl Humor wie Schelmerei, aber noch zu viel affektierte Gefallsucht; es fehlt ihr aber nicht an Agilität in Mimik und Spiel und bei einiger dem Publikum abgewandter Selbstzucht verspräche sie iimner Ersprießlicheres zu leisten. Tie Eva Webster aber will von der Darstellerin gehoben iverden, mrb das versteht Paula Morett vorerst noch gar nicht. Tie sidelen Neffen fanden in Goll und Roden desto angemessenere Vertreter.
Das Stück hätte wesentlich flotter herunter gespielt werden sotten. Tie Hörer aber fühlten sich aus der Blaßen gut unterhalten und spendeten namentlich Reimer-Lchlegel und Luise Bons mehrfach aitf offener Szene lautesten Beifall. ?. W.
Stlmmungsbito aus öem Reichstage.
Berlin, 3. März.
Tie Tage dcr Vielen Resolutionen mro ber langen Reden haben begonnen. Nicht lornigcr als ein Viertel Hundert Resolutionen lagen hum> Gehalt des Staatssekretärs d es Innern vor und würben in den vier Reden, die ixe heutige fünfstündige Sitzung brachte, zum größten Teil schon behandelt. Tas Zentrum ist den anderen Parteien wieder um mehrere Nasenlängen voraus; es glaubte, es diesmal nicht unter zehn Resolutionen tun zu können, während bie freisinnige Fraklions- gemeinschan nur mit einem Provinzialwunsch üoer die Kanal- Verbindung nach dem Nordvstseekanal in die Reihe der Bittsteller tritt, weil zufällig der Abgeordnete des Bezirkes der freisinnigen Bollspartei angehört.
Tie ersten vtioen Dauerredner stellten das Zentrum und die Konscroatwen in den Abgeordneten Giesber ts unb Pauli- Potsbam. Hätten diese beiden Sozialpolitiler sich den Scherz gemacht oder aus Mangel einer Vorbereitung zu dem Verlegenl-eits- mittel gegriffen, ihre vorjährigen Reden von neuem zu halten, kein Mensch im ganzen Hause hätte es gemerkt, denn auch die von ihnen bef pro dienen Resolntivnen sind sämtlich ade Bekanntc dcs Reichstags. Eine neue Note brachte der 25ertretet ber Sozial- denwkratcn, ber Berliner Abgeordnete Schmidt, in die Ver- Ijm&iung. Man ist von diesem Zenlralatbeuersekretär der soziai- denwkmtifcheu Gewerkschaften, der in {einem Hauptberuf die Rechtsansprüche aus der Arbeiterversicherung vor dem Rcichs- vcriickterungsamt zu vertreten hak, eine ruhige Tonart, und, soweit cs sein sozialdemokvatise-er Standpunkt zulüßt, auch eine objeftioe Beurteilung der Verhältnisse schon von früt-er gewohnt; daß er aber nttd> den irngualifi-ieroaren '.-'.ngriwen, bereu "<u G^cft Pose Äo'wSÜ) aus ven Reihen der ^-öchaidemotraten zu erfreuen hat und von beiten man noch in dreien Lagen Proben erlebte, dem sruheren Staatssekretär nicht nur eine gute Beherrschung seines Amtes nachrühmle, sondern ihn auai ausdrüälich den „gutunterrichteten" Staats',el'petar nannte, ist zum mindesten ein Zeichen nicht gcwöhnlia-en lbtules. Unb daß ihm diese Worte nicht etwa in einem unvedachten Momente dem Gehege seiner Zahne entsprangen, daS bezeugte ihm am Schlüsse ferner Siebe der Präsident mU dem BemetÄm, er habe von feinen Aufzeichnungen einen gar zu reichlid-en Gebrauch gemacht.
Eine Rede großen ^tues hielt, wie schon bet sruheren Anlässen, dcr jugendlich^ Nationale.werale Dr. S tr e s e m a n n.
Dir Ausgangspunkt seiner Ausführungen war die S v r g e u m die Stellung Deutschlands auf dem Weltmärkte und bie Frage des internationalen Wareuauslauch-es veleuchieue er vom Ltaiwpunlre der beulscl-en Jnceresscn nach den versckfte-- dLnsten Richtungen. Auch beute übte er, luic bei der Besprechung
Gietzener Stadttheater.
Der Bibliothekar,
Schwank in 4 Akten von Gustav v. Moser.
Der überluslige Possenschwaitk „Dee Bibliothekar" ift eins ber beliebtesten Stücke des seligen Herrn Hofrats v. Moser. Es^ ist dem vielgewandten Bühnentournier hier gelungen, in die Ber- Ivechsclungskomödie einen Zug zu bringen, der zur hunioristischen Ausgestaltung herausfordcrt. Moser verspottet int „Bibliothekar" den Spiritismus. Leider jedoch, unb das ist bei diesem Stoffe besonders lebhaft zu bedauern, hat es Moser, wie immer, verschmäht, seinen luftigen dramatisäicn Gedanken auf den Grund zu gelien. „Der Bibliothekar" wäre ein leidliches Lustspiel, hätte sein Verfasser die Grundidee von überirdischen Geistern mit irdischem Geiste vertieft und die Hirngespinste des Spiritismus mit der heiteren Miene cine5 ebenso lebensklugen als einsichtsvollen und säwrfblickenden Mannes ab absurdum geführt. Der Glaube an Geister, der sich immer noch wie vor 30 Jahren, da „Der Bibliothekar" zum ersten Male aus deuffchen Brettern erschien, mit benetdenswerter Naivetät den herrlichen Mantel ber Wissensclzaftlichkeit um die schwindsüchtigen Glieder hängt, wird hier possenhaft abgefertigt. Moser gibt selbstverständlich keine Komödie, die die Ideenwelt Per Spiritisten zergliedert unb zersetzt; er hat auch nicht im Entferntesten diese Absicht gehabt. Er bietet im wesentlichen Situationskomik, toie sie auch heute von nicht ganz wenigen beliebt ist und wie sie beliebt war, als im heiligen Reiche deutscher Nation die F a ft n a ch t s s p i e l e die einzigen Erzeugnisse dramatischer Kunst waren.
Und der Erfolg entscheidet. Auch gestern wieder gehörten die, welche sich über die „ollen Kamellen" des Herrn v. Moser nicht vor Lachen ausschüttelen, zur verschwindenden Minderheit. A e i ni e r - S ch l e g e l, der Regisseur des tollen Fastnacgts- Ihealerabends, war ein überaus possierlicher Schneider-Gentleman, manchmal |ognr über den Witz des Verfassers hinaus. Er machte stch eine Paraderotte zurecht von zwingender Trastik unb ipast- Wteitcr Beweglichkeit. Luise Bons, unsere liebe gute alte Ronufcrin, hüllte ihre'Sarah Glidern mit breitem Behagen und züchtigem „Tecorum" in den gespensterischen AiyNieismus der 4. Dimension. Ebenso drollig, ganz aus der Possentiatur der -Eingabe heraus unb doch ohne Posfenübertreibung gab Eduard v- d. B e ck e den Bibliothekar als Hasenstlv mit Gummischul>en. ^ec große Vorzug dieses leider bisweilen am falschen Platze stehenden trefflichen Darstellers in solchen gröberen unb feineren TummlmgsroUen (er sollte einmal Fuldas neuen .Dummkopf" bailleUen!) ift, dab er ber schüchternen Albernheit die Naivetat zu wahren, daß er nicht zu reflektieren scheint. Diese Objektivität m der Einfalt macht seine Wirkuiig aus unb verbürgt bie Glaubwürdigkeit seiner Rollen. Etwas von dieser D'ähchkeit liegt viet- leict)t auch in ber Individualität von Hans Lotz. Tiefer hatte gestern einen albernen Gecken nn Gewände deS englischen Land- rde.mai'.nes zn verkörpern und bas gelang ihm ganz gut. Er schien stch freilich noch selbst ein wenig zu ironisieren und nicht ganz so dumm zu sein, rote er auszusehen bie „Pflicht unb bas Vergnügen" tjattc^ Vielleicht wird aus ibm aber noch ein ganz guter Komiker.
der Kvhleninterpellation scharfe K r i t i k a n b e r P r e i s p o l i t i k des Kvhlen-undEisenshndikats und erörterte bie Stell-- img seiner Freunde im Reick)stage zu den Trusts und Kartellen. Dies gab ihm die erwürrschte Gelegenheit, sich mit den Angnnen auseinanderzusetzen, die aus Anlaß seiner damaligen Rebe _2.r. Beumer neulich im preußischen Abgeordnctenhause und Herr Bück auf der letzten Generalversammlung des Zcmtralverbatides b-utschrr Industriellen gegen ihn und die nalional'tberalc Reichs- tagsiraktion gerichtet hatten.
^tlurmungsdüd aus" dem preAtz. AdseortzKetentzLUS.
Berlin, 3. März.
Kein großer Tag, aber doch immerhin ein nicht gewöhnlicher Tag! Der'Schlußakt der Haupt- und Staatsaktion, genannt die E »' t e i gn n n g s - V o r l a g e, sollte sich im preußischen Abgeordnetenhanse abspielen. Und nicht nur die Tribünen, auch ber Sitzungssaal wies eine recht starke Besetzung auf. Gleichmütig stellt Jordan Kröcher bie Enteignungsvorlage zur entscheidenden DiSkufsioii. Nicht gleichmütig ist Herr S t y ch e l, seines Zeichens Pole, der den Chorus der Redner eröffnet. In larmoyanten Sätzen klagt er über bie Bedrückung der Preußen polniicher Zunge durch das Regime Bülow; m pathetischen, allzu pathetischen Sätzen versichert er daS deutsche Volk der Loyalität der Polen. Ein paarmal strei't er bei seinen Angriffen ans die Regierung die Grenze des parlamentarisch Zulässigen. Herr v. Kröcher ift nachsichtig. Aber schließlich geht ihm der Spaß doch über die Hutschnur: als Herr Ltychel, fubn geworden bind) die Toleranz des Präsidenten, die Regierung bezichtet, im Kamp'e gegen den Polonisnius sich unwürdiger Mittel bedient zu haben, da reißt oud) Herrn v. Kröcher ber GcdnldSiaden und bas Damoklesschwert des Ordnungsrufes iouft auf das Haupt des stychelnden Polen herab. Herr Ltychel redet noch lange und er redet nach polnischer Art, maßlos über- treibend. Tas ist Wasser auf die Aiühle des Herrn o.J)i b e Inhabern Ter kann wieder einmal die schätzenswerten Leiten des preußischen IiinkerS herauskehren; scharf und sd)neioig führt er een polnischen Redner ab unb brausender Beifall nicht nur von den Bänken der Rechten dröhnt durchs HauS, als dieser sonst mit Recht nicht beliebte Minister den Polen gründlich jubedt. Ganz gewiß hätte die polnische Fraktion ihr mindestens subjektives Recht hefier wahren können, als es heute burd) Herrn Ltychel geschah. Es war ein Larbmal'ehler, anstelle des klugen und uthigen Aiannes, der bisher in dieser Kampagne bie weiß-rote Fahne trug, den Polterer Ltychel herauszustelle>l. Aber daS haben bie Polen mit sich selber abzunvachcm. Die Redner der übrigen Parteien bei- sleistigen sich, wenn man von dem Zentrumsmaun Porfch absicht, der Kurze, d« durch die Geroißhcrt der Annahme der Vortags gegeben war. In ökonomischer Beschränkung ticyen sie noch einmal die Gnünde aufmarschieren, die ihre Parteitm für oder wider re.-u ließen. Uuu uwchdettk noch Herr v. ar»
mm, der Landmirtschastsministcr, ein paar Worte ivider den Gegner getagt, Worte, die niemand) verstand, ging es ^ur Absrim-- mtung, und es erhob sich für bie einzelnen Paragrapyen, unb es cti)ob sich für das gauje Gesetz die alte OstmurLenmech-heit: Kvn- scrvative, Freilonservatlve und Nationalliberale. Und ber Iji)to- rische Monv-nt begegnete feinem Zeichen des Beifalls, feinem Zeichen des Mißfalls in der preußischen VolKvertretung. Gleichmütig, als sei irgend eine Dutzendvovlage verabschiedet, wandte sich daS Haus dem Etat der Scehandlung zu. Er brachte keine wclterfchütternbe Debatte, und nur die Rede des Bollsparteilers Dr. Grüger, des Erben Eugen Richters, brachte cme großzügige unb sachverständige Kritik der Geschäfts-gebahrung des Instituts, das ans Friedrich den Großen seinen Ursprung zurückleitet. Ter nativnaitibcraic Dr. Friedberg ergänzte Grii- gers Ausführungen mit Glück und Geschick von dem Lrlandpunkt des nationalöLoiwmischen Theoretikers, dem die Praxis kein Buch rmt sieben Siegeln geblieben ist. Herr v. Rheinbaben ant- ivortcte luriz und wenig ersck>öpfenb. Er hat es auch nicht nötig, beim bas Haus war längst in ber Bewilliguugsadstimmung um) noch ehe d.e sechste Vorhand tungsstunde anbrach, war bie See Handlung der Regierung bewllligt. Am Mittwoch kommt, der weiffchichtigite Etdat aufs Tapet: Herr Breitenbach wirb ju!) mit ber Volksvertretung zu einigen haben. ________
payliwicKtarifctyo.
Berlin, 3. März. Die Börs engesetzkorn - Mission des Reichstages nahm heute den § 53 in der Fassung der Regierungsvorlage an, die bestimmt, daß ein B ö r s e n t e r m i n a e s ch ä f L, das nicht gegen ein durch dieses Gesetz oder den Bundesrat erlassenes Verbot verstößt, nur nach Vtaßgabe der §§ 54—57 wirksam ist-
— Nachdem der F-inauzminister die Erklärung abgegeben hat, daß die baldige Einbringung ber Besoldungsvorlagen im Abgeordnetenhause zweifelhaft ist, hat die Frei- lonservative Fraktion wegen unverzüglicher Einbringung der Vorlage betr- Besoldung der Beamten, Geistlichen und Lehrer interpelliert-
Köln, 3- März. Die „Köln- ZLg." meldet aus Berlin: Die „Deutsche Mittelstandskorresponoenz" brachte vor einiger Zeit bie Mitteilung, daß der Plan einer Arbeitslosen- Versicherung in Negierungskreisen vollständig fallen gelassen sein durfte- Nach unseren Erkundigungen trifft diese Nachricht nicht zu- Wenn auch die Arbeilsloscnversiche- rung zurzeit nichi im Vordergründe der geplanten sozialpolitischen gesetzgeberischen Maßnahmen steht, so bildet sie doch im Rerchsrat des Innern weiter den Gegenstand von Erwägungen und vorbereitenden Erhebungen-
Gotha, 3- März. Der gemeinsame Landtag beider 5)erzogtumer nahm einstimmig den An- tragdes K o b u r g c r Präsidenten Arnold gegen die Einschränkung der einzelftaatlichen Verein sgeseßedurcheinReichsgesetzan^^^^^E^^.


