Nr. 20
Zweites Blatt
E^chetnr kLtzllch mit Ausnahme deS Sonntag».
Geueral-AnZeiger für Gberhesfell
vor etwa
auch nicht
Versamm- Jahr her-
L58. Jahrgang
Zur Versammlung der veutschsozialen.
Mail bittet uns von nationalliberaler öcite um Abdruck des Nachstehenden:
Aste deni Ullterzeichnelen von glattbwitrdiger Seite berichtet wurde, hat Herr N e i ch s t a g s a b g e o r d n e l e r L a t t m a n n verflossenen Sonntag in Steins Garten gegenüber Herrn N e ch t s a n >v a l l Kaufmann bestritten, daß Herr Liebermann von Sonneliberg, Führer der Teutjch- soziaten, im :)teichstag selbst 3 u gegeben habe, dast von feiten selllerPartetgerlossen, bei Stichwahlen,
Die ..Ktetzener Zamiltendlätter" werden dem viermal wöchentlich betgelegt, das ^Mtnsbian für den Krcts Gießen" zweimal »v<De''ltlch. Die ..Landwirtschaftlichen Zett» erscheinen monatlich zweimal.
Freitag 24. Januar 1908
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen i> UnwerstlätS - Buch- und Stemdruckeret.
R. Lange, Gießen.
Stadtv. Troß macht darauf aufmerksam, daß mit Rücksicht auf etwaige spätere Fundamentierungsarbeiten mit der KieS* entnähme nicht tiefer als der Wasserspiegel der Lahn gegangen werden darf. Der Vorsitzende bemerkt, dies sei e"^' “''7t beabsichtigt. Die Anschaffung wird genehmigt.
Redaktion, Erveditron und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^ä# 51. Redaktion: 112. Test-Adr.: AnzeigerGießen.
Siftwitg der StaOtverorOnetcn»
Gießen, 23. Jan.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecuni; bie Beigeordneten Keller, Heyligenstaedt und die Stadtverordneten Dr. löiermcr, Brück, Tr. Ebel, Eicheiuruer, 6inmtliu^, Gabriel, Grüiiervald^ Haben'ieist, Tr. Haberkorn, Haubach, Helscrch, Helm, Huhn, Jann, Sl-cunun, Leib, Löb er, Loos, Petri, Planck, Schaf istacdst Sinwii, Troß, Walleirfets, Tr. Wutvmenauer, Winn.
Mitteilungen.
Vom Gießener G a st lo i r t e v e r e i n ist ein Schreiber, eingelaufen, in dem nähere Mitteilungen über die demnächst hier stattsindende Fachausstellung für das Gastwirtegervcrbe gemacht werden und um Stiftung von Preisen hierfür ersucht wird. Das Gesuch geht an die Finanzdeputation zur Vorberatung.
Stadtv. Eichenauer regt die Erwägung der Frage an, ob sich nicht die Schaffung einer städtischen Medaille zu Aus- zerchnungszwecken bei Ausstellungen empfehle. Auch diese Anregung wird der Finanzdeputation zur Prüfung überwiesen.
Der Vorsitzende teilt mit, daß die Ortsstatute über die Kanalgebührenordnung und die Einführung der Wertzuwachssteuer bereits am letzten Samstag dem Kreisausschuß, Vorgelegen haben und schon an demselben Tage dem Ministerium zugegangen sind. Da wohl keinerlei Beanstandungen erfolgen würden, sei ihre baldige Genehmigung zu erwarten, so daß beide Ortsstatute voraussichtlich schon am 1. Febr. tn Kraft treten könnten.
Gaugesuche.
Otto Schaaf will an seinem Hause Seltersweg 39 die Ladenfront umbauen. Da die Front etwas über die vorgesehene Straßenfluchtlinie vorspringt, ist dazu Genehmigung erforderlich, falls die Stadt nicht den Besitzer enteignen will. Der Wert des Besitztums wird durch den Umbau nicht wesentlich erhöht, weshalb die Versammlung nichts gegen den Umbau einwendet.
Ein Baugesuch der Firma W inn u. Co. für ihr Besitztum tn der Bahnhofstraße zunächst der Wieseck beschäftigte die Versammlung schon einmal. Sie sprach damals ihre Bereitwilligkeit zur Befürwortung verschiedener Dispense aus, die jetzt von der Firma nachgesucht und auch erteilt werden. Es handelt sich dabet um die Höhe des Gebäudes, den gegen die Bau- Polizeiordnung um 40 Zentimeter zu breiten Gesimsvorsprung, die Anlage von Balkonen im 1. Stock, die Anbringung von Fenstern nach der Wieseck zu auf der Grenze des Grundstücks und die ru geringe Hofanlage. Während die Bestimmungen hierüber 4 Meter Breite bei 8 Meter Länge verlangen, ist der vorgesehene Hof nur 3 Meter breit und 6.25 Meter lang.
Stadtv. Gabriel macht Mitteilung davon, daß die Firma Wtun eventl. die Wieseck längs ihres Neubaues überbrücken wolle, und fragt, wie sich die Stadt dazu stellen werde. Man könne dabei dem Gedanken näher treten, die Wieseck auf ein größeres Stück zu überwölben, wodurch die dortige Gegend nur gewinnen werde.
Der Vorsitzende benterkt, er sei dagegen, daß die Stadt der Wiesecküberwölbung näher treten solle. Nach früher von ihm angestellten Berechnungen tverde eine Ueberwölbung der Wieseck von der Bahnhof- bis zur Gartenstraße 3 Millionen erfordern.
Stadtv. Huhn meint, man solle die Sache nicht ganz von der Hand weisen. Wenn die Firma Winn mit einem solchen Angebot an die Stadt herantrete, sei zu erwägen, ob nicht in Gemeinschaft mit den anderen Anliegern die Ueberwölbung vielleicht bis zur Frankfurter Straße erfolgen könne, wodurch man einen schönen Straßenzug erhalte.
Stadtv. Wallenfels hält eine Ueberwölbung der Wieseck, die nicht mit dem Schoorgraben zu Vergleichern sei, für bedenklich.
Städtische Arbeiten und Lieferungen.
Die Baubehörde für den Neubau der Irrenanstalt will einen Entwässerungsgraben am alten Schisfenberger Weg etwas tiefer legen. Die Versammlung erteilt die hierzu erforderliche Genehmigung.
Die Beleuchtung des S ch l a ch t h 0 f s hat sich als unzureichend herausgestellt, da bei dem jetzt benutzten Auerlicht die Glühstrümpfe durch die entstehenden Dampfe verderben. Die erforderliche Einrichtung zur Abhilfe kostet 420 Mk., die bewilligt werden.
In dem Polizeigefängnis sollen Hof, Flur und Küche mit Gasbeleuchtung versehen werden. Die Kosten im Betrag von 300 Mk. finden Genehmigung.
Die A b 0 r t a n l a g e bei der Stadtknabenschule soll Spül- einrichtung erhalten. Wegen der erforderlichen Lieferungen fand eine beschränkte Submission zwischen den beiden in Frage kommenden Firmen statt, bei der die hiesige Firma Schaffstaedt mit 972 Mk. die billigste war. Sie erhielt den Zuschlag.
Für die Untersuchung der Blitzableiter hat sich dre Beschaffung eines Feldstechers als notwendig Herausgestelist
über Stichwahlunterstützuug verhandelt.
Tatz habe ich damals in jo jchrofier ckbeije gerügt, daß daraus eme dauernde Spannung zwijcheu uns enlflauden ist/
Tiefen Auszug, von dein Herr Kaufmann eme Abschrift besitzt, habe ich au5 dem m der hiesigen Großheizoglichen Umüerfudis- blvUolhek befindlichen Exemplar der amtlichen stenographischen Berichte über die Reichälagsoerhandlungen gemacht.
Es »st sonach tem Zweuel, daß Herr ReichSiagsabgeordneler Vathnann im Irrtum war und Herr Rechwanwalt Kaufmann Recht hatte.
Gießen, 20. Januar 1908.
_______________ Prof. Luley, Oberlehrer.
14 -^agen zugesteUlen schiilllichcit ÜJhucilunq beruht, so halle ich mich für berechtigt und ve'pfiichlet, nachstehend das zu vexöffcnb lichen, was teb, wenn ich urchl durch em mehrere Tage hindurch dauerndes Leiden zu meinem lebhaften Bedauern am Besuche der Versammlung verhindert gewesen wäre, Herrn Lattmaim an der Hand meines Auszuges aus dem Protokoll der ReichStagssitzunq vorn 27. Februar 1907 persönlich entgegnet hätte. ES heißt dort iii einer Rede deS Abg. Liebermann v. Soiiüenverg:
_ »Wenn zwei bürgerliche Parteien sich in der s t i ch w a h l gegenüberslehen, und die Sozialdemokratie den Ausschlag Hal, mag bei einzelnen Politikern — und ich nehme meine Partei nicht anS —
d e r W u n s ch auf tauchen, öie f 0 z i a t d e mo k ra 1 i s ch e n stimmen vielleicht zu b e k 0 in m e n. W 0 i ch aber eine Einwirkung habe, mirö das nie und nimmer ge- > chehen. Einmal, vor en. 12 Jahren, als wir in Waldeck bei einer Nachwahl kärnp'ten, hat ein Parteifreund von mir iii Berlin auf eigene Faust mit dem Herrn Kollegen Auer (Bern.: einem der ersten Führer der Sozialocinolratie), glaube ich,
Er soll zum Preis von 15 Mk. freihändig beschosst werden.
Bei den K a n a l i s a t i 0 n s a r b c i t e n hatten die ausführenden Unternehmer die Verpflichtung übernommen, die dabei in Mitleidenschaft gezogenen Gas- und Wassenleitungsröhren wieder in ihren früheren Zustand zu bringen. Es hat sich dabei vielfach die Ersetzung der gebrauchten Röhren durch neue als notwendig erwiesen. Die Anschafsungskosten dieser neuen Röhren iverbeü auf die Stadtkasse übernommen.
Für die S t a d t g ä r t n e r e i ist die Beschaffung einer Anzahl Schläuche nötig, deren freihändiger Ankauf beschlossen wird.
Zur Vergrößerung des V i e h m a r k t p l a tz e s ist die Auffüllung der dafür borge)ebenen städtischen Wiese erforderlich, wozu 800 Kubikmeter Grund gebraucht werden. Der auf dem von der Stadt, bezw. der Plockschen Stiftung gekauften trüber Eulerschen Besitztum gefundene Kies soll zur Ausfüllung verwendet werden, wa-u er sehr geeignet ist. Für seinen Transport sind außer den vorhandenen Feldbahngleisen 100 bis 150 Meter weiter erforderlich, außerdem einige Kippwagen. Für die Beschaffung werden 1000 Mk. gefordert. Der Platz, ivr der Kies gegraben w^d, soll als Müllgrube verwendet iverden.
Die von Stadtv. H e l f r i ch angeregte leihweise Beschaffung Don Gleisen und Wagen empfiehlt sich nach der Meinung des Vorsitzenden der hohen Kosten halber nicht.
bei denen die Entscheidung in der Hand b e r Sozialdemokratie lag, um die Stimmen der Sozialdemokrat en an gehalten rooibeii sei und b e - i) a u p t e t, sie hätien nur deren Stimmen erhalten nicht d a t u in a n gehalten.
Da die Aussage des Herrn Kaufmann auf einer ihm von mir smon vor längerer Zeit mündlich gemachten und ihm 14 Tagen zugestelllen fchiüllichen ÜJhncilunq beruht, s
Tie Stratzeaherstellungen.
Wie der Vorsitzende aussührt, muß sich die Jung heule schlüssig machen, welche Straßen in diesem gestellt werden sollen, damit sie bei der Aufstellung des Voranschlags berücksichtigt werden können. Es lverden an Wiederherstellungen (teils der Fahrbahnen, teils der Bürgersteige, teils beides) vorgesehen: Teile der Bleichstraße (Kostenaufwand 24 000 Mk.), Moltkeslraße (16 000 Mr.), Sclwnzenstraße (12 000 Mk.), Steinstraße (8000 Mk.), Rodheimer Straße (3400 Mk.), Bahn- hosstraße <32 000 Mk.), Schulstraße (12 500 Mk.), Walltorstraße (27 500 Mk.), Denselstraße (2200 Mk.), Kreuzplatz (12 200 Mk.), Kirchenplatz (2100 Mk ), Lindenplatz (2000 Mk.), Asterweg (10 000 Mk.), Gartenstraße (1800 Mk.), Wetzsteingasse (1400 Mk.) und Wolkengasse (800 Mk.); zusammen 169 900 Mk. Der Bürgersteig aus der Westseite der Marburger Straße wird 28 000 Mk. erfordern. Neu hergestcllt sollen werden die Fortsetzung der Liebig- und der Wilhelmstraße nebst Querstraßen und einige Straßen in der Schwarzlach, wofür 102 000 Mk. nötig sind, so daß im ganzen 300000 M k. für Straßenbauten not* wendig sind.
Neue vrveitten gegen die sigarreir-Vüiiöersie.
Von den Verteidigern des Banderolprojcktcs für Zigarren werden zwei gleichartige Befteuerungsformcii als Beweis für die leichte Durchführbarkeit des Projektes mit Eifer angeführt und zwar: 1. bas amerikanische Banderolsystcm, 2. die in Deutschland seit zwei Jahren eingeführte Banderole für Zigaretten und Zigarettentabak. Neben bcu bisher von fachmännisck-cr Seite angeführten Argumenten gegen bic Banberolc für Zigarren veröffentlicht bic „Sübbeutsche Tabakzeitung" in ihrer letzten Ausgabe neue schwernnegenbe Bedenken. Man darf näm'iid) nicht außer Acht lassen, daß der Amerikaner nur ganz frische Zigarren iinb Zigaretten raucht, während der Deutsche bekanntlich ebenfalls frische Zigaretten, aber nur gut abgelagerte Zigarren konsumiert.
Die Folge davon ist, baß bie deutschen Zigarren eine um drei bis sechs Monate längere Lagerzeit erforberlich machen, bevor sie in bie Hänbe der Konsumenten gelangen. Diese Lagerzeit erhalten sie jetzt in der Regel beim Zigarrenhändler. Welchen Einfluß hätte nun in dieser Beziehung ine Banderole? Soll die Banderole vom Händler beim Empfang der Ware, also ohne Gewährung . ines Zahlungsziels bezahlt werden? Dies wird _ dem größten Teile der Häiidler unmöglich sein, da diese durchschnittlich zu schwach fundiert sind, um solche Vorauszahlungen zu leisten. Selbst wenn aber dieser ModuS eingeführt würde — wir bezweifeln bie Möglichkeit von dessen Durchführung — bann bliebe ben Hünblern nur der eine Ausweg, von den Fabrikanten die Lieferung vollkommen konsumreifer, b. h. brei bis sechs Monate gelagerter Ware zu forbern unb biese Ware nur in kleinen Mengen, sozusagen von her Hanb in ben Munb ju kaufen. Dieses Einkaufssystem ist bezüglich ber Zigaretten gang unb gäbe, aber nur aus dem vorhererwähnten Grunde, bei dieser Gattung möglichst frische Ware zu haben.
Der Zigarrensabrikation bliebe also, wie die „Südd. Tabak- Fitung" behauptet, nur die Alternative, entweder die Banderol- gebühr ebenso wie die Ware durchschnittlich 7i/z Monate zu kreditieren, oder ein ständiges Lager von fertigen Fabrikaten für durchschnittlich vier Monate zu unterhalten. Das hieraus resultierende Mehrerfordernis an Betriebskapital beträgt im gün- stigsten Falle 20 Proz., int ungünstigen Falle 35 bis 40 Proz. Don den kleinen und mittleren Fabrikationsbetrieben sind min- bestens 80 Proz. diesen Ansprüchen nicht gewachsen. Deren Inhaber wären die ersten Opfertiere des Vanderolprojektes.
Stimmungsbilö aus dem preutz. Abgeordnetenhaus«.
Berlin, 23. Januar.
Btoei interessante Interpellationen beschäftigten die zweite preußische Kammer am Donnerstag. Die Autoren waren die Konservativen, die von der Regierung Maßnahmen zum Schutz, des erwerbstätigen Mittelstandes gegen Schädigungen durch hohen Bankdiskont und Maß - nahmen gegen die a u 10 mo b il i st i sche Kilometer- fr esse rei ^verlangten. Tic Ban kd is wnt in terpe Nation kam ja etwas post festum, nachdem der Bankdiskont wieder herunter ge- kMtgen ist. Nichts beftoroeniger führte sie zu einer langen Aus- einanberjeßung, in der namentlich die Tätigkeit der Preußenkais e bie Hauptrolle spielte. Selbstverständlich blieb, wie bei jeder das Genossenschaftswesen streifenden Erörterung im Ab- geordnetenhause, das Rededuell zwischen den beiden feindlichen Brüdern auf dem Feibc des Geriosfenschaftsrocsens, zwischen Herrn K r e t h u. Herrn Tr. Crüger, nicht aus. Herrn Kreth sekundierte der Präsident der Preußenkafse, Tr. H e il i ge n st a dt, wie fick) das ja an den Fingern ab zählen ließ; für Crügers Anschauungen hatte schon vorher der Nationalliberale Tr. Friedberg eine Lanze gebrochen. Bon hüben unö drüben wurden einc_ Neil)e Vorschläge gemacht, wie man der Geldknappheit in krttstchen Zeiten steuern oder ihr womöglich Vorbeugen könnte. Aber mir über wenige Vorschläge vermochte man sich zu einigen, und bei Lichte besehen, sand ganz ungeteilte Zustimmung nur der Finanzminister, der ben Scheckverkehr als Mittel zur Emichränkung bes Bargeldumlaufs in allen Tonarten pries. Es gab eine Zeit, ba Herr v. Rheinbaben von diesem zweifellos zweckmäßigen Verfahren noch nichts wissen wollte unb die Linie nut kühlem Lächeln abwies, wenn sie auf diesen Modus des Geldverkehrs als nachahmenswert hinwies. Tempora mutan- tur, et nvs re.! Wch eines war bemerkenswert in Rheinbabens Txirleg ungen: Die Erklärung, baß eine Erhöhung des Ka- pitals der Preußen lasse unabweiSlich sei. Und eine an stand 1 ge Erhöhung, wenn auch — vielleicht nicht gerade die Von der GefolgsäMst des Herrn Kveth geforderte Verdoppelung! Es wiar fchade, daß die Rede Tr. Friedbergs, den das Stenogramm spater wieder als einen klarblickenden, sachkundigen Finanzmann erivies, bei ber Misevablen Akllsttk des Saales fast unverstänblich vlieb. ^.esü) erireulicher war etz, baß Crügers mächtiges Organ nicht eine Silbe ferner wirkungsvoklen, überzeugenden Argumcn- tatioir verloren gehen ließ. Mit ben sinarizpolitischeii Utopieen der Interpellanten fprang er nicht eben gliinpflich um, und was Dcrr v. Rheinbaben zum Ruhme der Preußenkaise gesagt hatte, mußte , dein frvlfumigen, Ktitiker dazu bienen, die Unzulängliche kett bieicd Staalshilse-Instituts zu «weifen. Jiides ber Zeiger rückte Vor, und urplötzlich als noch Herr Münster berg von der Freisinnigen Vereinigung kurz gesprochen, war ein Schlußantrag eingebrachl und angenommen. Iraner darüber empfand nur einer: der Abg. Arendt, dem, so. das Wort abgeschnitteii wurde. Wer er wird sich rovunchieren: Beim Etat will er doppelt so lange über diese Sache reoen, wie er heute geredet hätte! Fürchterliche Aussicht! Mit vollen Segeln gings nun an bie zweite Interpellation, die gegen bie Auswuchs e de S A u to mo b i l i s m u s. Graf Carmer begriurbete sie, temperamentvoll, mit schneidendem Sarkasmus und bod) sad-lich. Nichts hat er gegen bas Auto als Biwkehrsmittel ein-zuwenden. Aber den gemeingesährlid-en Kilo- metersresseril will er bas frevlerische Handiverk legen. Auf ben]eiben Ton waren die Darlegungen aller anberen Redner gestimmt unb ber Eisenbahnminister war sickstlid) froh, baß er gesetzgeberiid)2 MaßnalMeii gegen den Unfug der GefäkMdnng ber össenllichen Straßen an kündigen konnte. Daß der Justtz- nunifier uno der Aiinister des Innern, die nicht erschienen waren, von konservativer Seite deS'halb bös gerüffelt wurden, war nicht übel, unb emigermlaßen pikant war es auch, »venn dieselben Redner, freitid) nur fub wfa bie hohe Protektion ber Autonwbi listen frittfierteii. Auch diese Debatte, bic Dr. Müller-Sagan w.rlungsvvll mit dein Worte des WÄlensteinschen Kapuziner-- schloß: „Wie aber kann man die Kned-re loben ? Kommt doch das Aergerns von oben!" — auch sie wirb nod) ihre Fortsetzung erfahren. . .
Hierzu werben aus ber Versammlung heraus eine Anzahl Wünsche geäußert, so von Stabw. Brück.
Stabtv. Grünewald ist mit den gemachten Vorschlägen ein» verstanden, bittet aber, auch den Wegen an unb außerhalb ber Perü- phcr.e ber Stadt Aufmcrksamkeir zu schenken. Es mangele hier an Spaziergängen, bie and) bei schlechterem Wetter gangbar seien, bie aber unbedingt notwenbig sind, wenn man Leute hierher ziehen will. Eigeiitlid) habe man zurzeit nur ben Wcg durch bic Wiese zum Philosophemvalb unb z.'.rück durch die Grünoerger! Straße. Er benfe bei feinem Wunsch vor allem an bie Frankfurter Straße, ben Leihgesterner Weg unb bie Robheimer Straße. Eventuell kann in Verbinbung mit bem Kreis ohne allzu große Kvsten für bie Stabt auf ber einen Seite biefer Straßen ein fester Fußsteig angelegt werden. Ferner gibt er zur Erwägung anheim^ ob man nicht zwischen ben einzelnen von Spaziergängern benutzten Wegen Runbgänge anlegen könne, bie die Rückkehr zur Stabt auf, einem anberen Wege ermöglichten. Auch bie Weges uach ber. sdstmen Aussidst seien üt sehr schlechtem Zustand unbK -um Teil überhaupt nicht passierbar.
Ter Vor sitzenbe bemerkt dazu, daß an ber Robheimer Straße, innerhalb ber Gießener Gemarkung, sich ein erl)öhter Fußsteig befstide und der K*rci5 beabsichtige, auch an den übrigen Kreisstraßen in ber Nähe der Stadt solche Fußwege anzulcgcn^ äiniädjft an der Licher Straße. Er ^ibc in den letzteii Fahren bei to: Vorlage ber Kveisrechnung stets gerügt, daß bei ben für bie Straßenunlerhaltungen vorgesehenen Mitteln Ersparnisse gemocht würben unb werbe aud) in Zukunft darauf bringen, baß bic nicht verwendeten Mittel zu Vertofcrungcn vettvenbet würben. Für die Verbindung der einzelnen Wege kämen bie bei ber Feld- bereinigung anzulegenben Wege in Betracht. Tic Vcrbcsserungf bcr Wege nach der schönen Aussicht könne erfolgen, wenn erst ber borlige Bebauungsplan vom Ministerium genehmigt sei, was tu aller Mrze zu errvarten sei. Man könne bann die Wege in der Richtung der späteren Straßen anlegen.
©tobt». T r o ß hält ben Zustand des Fußsteigs an ber Rod- Heimer Straße fchon vom Schladsthof ab für criorbcrlidj, nament-* lid) bis zur Allee nad) der Haardt, welche Strede sehr stark auch von Nichtspazicrgängern begangen werde. Aud) eine Verbesserung ber Äeleucl-tung sei dort sehr wünschenswert.
Ter Vorsitzende glaubt, daß bic Verbesserung ber bortigen: Beleuchtung wohl im Laufe dieses Jal/rrs erfolgen könne.
Stadtv. Grünewald ist der Ansicht, daß man mit der Herstelluna der Wege nach bcr schönen Aussicht nicht warten solle, bis ber Bebauungsplan genehmigt sei. Wegen ber Querwcge für Spaziergänger solle man sich mtt der Felboereinigung üt Verbinvung setzen.
Ter Vorsitzende bemerkt, daß letzteres schon geschehen fei und bie ihm bekannt geworbenen Wünsche seien von ihm zur Äumtm» der Feldbercinigmigsüimmiifioii gebradst unb von ihr im weitgehendsten Maße berücksichtigt irorben. Der für ben Aul- weg beschlossene Bebauungsplan weroe übrigens bie Versammlung bemwid-jr noch einmal beschäftigen, ba die Anlieger eine Eingabe an bic Bürgermeisterei gerichtet hätten, in ber sie daS Verlangen äußerten. Daß ihre Grundstücke Ächt in bie Feldbcrcinigung ein* bezogen würben, weil sie Baugelänbe seien.
Stabtv. Wallenfels bittet, zunächst einmal an bie Verbesserung to Straßenverhältnisse in ber inneren Stabt zu denken.
Stadtv. Gabriel will dafür Sorge getragen haben, daß bei ber Sttaßenl-crstellnng auf bic zukünftige elektrische Aal-n Rücksidst genommen wirb. Er empfiehlt möglichste Vvr.ocnbung von Klempilaster, nvit bem man z. B. bei Körn gute Erfahrungen gemadjt habe.
Ter Vorsitzenbe bemerkt bazu, bas fei geschehen. Klein* pslastcr Eömte aber nur aus vorher chausstert gewesenen Straßen angelegt iveroen.
Stabtv. Simon bittet, ben Bebauungsplan für ben Aulweg aud) bcr landwirtschaftlichen Teputaticm vorzulegen, ba hierbei Untbroirt|d^Q]tlid)c Interessen in Frage kamen.
0 rsitzenbe bemerkt, bas sei nicht angängig, da bie lanvw. Deputation mit BcbauungSpl.uien nichts zu tun habe u Stadtv^ Schafsstaebt bittet um baldige Herstellung d.s alten Weges über oen Nahwungsoerg. Er wird irnd) Nlitteilung dcs VoriitzenE im Frühjahr hergestcllt werben.
v.r hälL. bie Verbesserung des Fußsteiges in
der 9tord- und Ost-Anlage hiy nötiger, als bic Herstellung bes Fußsteigs an ber 'Marburger Straße.
Stabtv. Eichenauer bemängelt bie unzureichenbe Straüen- uameiulicl) m den Zuiuhrsttaßeu zum Bahnhof, b'me essere yietntgung fei dort besonbers am Platz, damit bie hierher,


