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24.1.1908 Erstes Blatt
 
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Volrtryehe CagessÄ>aW»

Straßendemonstrationen tn Braunschweig.

Die Ansammlungen auf den S trotzen dauerten gestern bis in die späten Abendstunden. Sämtliche Zugaugs- straßen zum Scküvß waren polizciuch abgesperrt, bas Rathaus schon vorher mit einem Polizeikordon umgeben Worden. Ter Herzog-Regent verlies; nach dem ersten Akt des Lohengrin das Hosthcaicr und kehrte noch dem Schloß zurück, da beabsichtigt war, irach Schluß der Vorstellung eine Kundgebung gegen ihn zu veranstalten. Aus dem freien Platz vor dem Cafe Hohcn- zotlern hatte fiel) eine johlende und pseisende Menge, etwa Lausend Personen, eingcfimben, die die Polizei vcrhölmte und mit Flaschen) u!nd dergleichen pewarf. Schließlich hieb die Poli­zei mit dem blanken Säbel drein und zerstreute die Menge. Tabei kamen mehrere Verletzungen vor. Gegen 12 Uhr herrschte nur den Straßen völlige Ruhe. Für beute find umfassende Vorkehrurrgen getrossen, nm eine Wiederholung _ der Stratzen- fjenen zu verhindern. Tie Polizei hat Anweisung erhalten, keinerlei Jlnsammlungen zu dulden und erforderlichen Falts mit Hilfe Les Militärs energisch von der Waffe Gebrauch zu machen. Es sind für heute ecwa ein Tutzend Versammlungen vorgesehen. Lre Zahl der Verwundeten läßt sich) nicht genau feststellen, heil diese sich größtenteils nach Hause begeben haben, ohne die öffentliche liuiahliatwn aufzusuchen.

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Die deutsche Politik in der Ostseefrage wird durch diedcowvje Wremia" auch nach den durch das russische Commumgud vom 20. Januar gegebenen Aufklärungen verdächtigt. Teutschland habe, so schreibt das Blatt, die Frage, ob die Ostsee als mare clausum anzusehen sei, angeregt, um in Friedenszeiten die Ostsee in ein mare teutonicum zu ver­wandeln, im Falle eines Kr-eges aber die Besastetzung der Ostsee- küften zu verhüten: die Ostieefrage sei somit ausschließlich deuchches Interesse. Temgegenüber kann, wie dies bereits durch das Telegramm des Wölfischen Bureaus vom 17. Januar geschehen ist, wiederholt auf das Bestimmteste erklärt werden, daß die Frage des mare clausum bei den Ostseeverhandlungen überhaupt nicht erörtert, mithin auch niemals von deutscher Seite angeregt worden ist. Gleichzeitig wird eine andere falsche Nachrcht derWawje Wrcmja" richtig gestellt: Tie Meldung, daß ein russischer Marineoffizier das amerika­nische Geschlvadcr begleite, erwies sich als unwahr.

An-Land.

Genf, 23. Jan. Die Polizei setzte gestern die Haus­suchungen tn den Wohnungen verdächtiget Russen fort. U. a. beschlagnahmte sie in der Wohnung des in München verhafteten Terrortsten Sarawitsch, der hier eine Villa besitzt, eine Anzahl wichtiger Schriftstücke, die den Gerichtsbehörden in Bern zugesandt worden sind.

Paris, 23. Jan. Die Gerüchte über die angeb­lichen Zwischenfälle im Kabinett wegen der marok­kanischen Angelegenheit mehren sich. Man scheint in ge­wissen Kreisen überzeugt zu sein, daß ein ernster Kon­flikt anläßlich der morgen stattsindenden Interpellation ausbrechen wird.

Madrid, 23. Jan. Der König hat aus Anlaß seines Namenstages fünf zum Tode verurteilte Personen begnadigt.

Ans Stadt itnd Land.

Gießen, 24. Januar.

Aus der StadtverordneLerr-Bersammlung.

Das neue Jahr scheint für unsere städtische Vertretung recht arbeitsreich zu werden, fand doch gestern schon die dritte Sitzung in diesem Jahr statt. Erfreulich war der gute Besuch der Sitzung es fehlten nur ganz wenige der Stadtväter und auch diese waren durch Krankheit oder sonstige dringende Verpflichtungen verhindert. Dieser Arbeitseifer verdient um­somehr Anerkennung, als eigentlich nur ganz kleine Gegen­stände auf der Tagesordnung standen, die denn auch durchweg sehr glatt erledigt wurden. Eme größere Debatte entstand nur bei der Beratung der für 1908 vorgesehenen Straßen­bauten. Dec Vorsitzende schlug im Namen der Deputation eine stattliche Anzahl von S t r a ß e n h e r st e t l u n g e n vor, teils Wiederherstellung alter durch die Kanalisation besonders in Mitleidenschaft gezogener Straßen, teils Herstellung neuer Stcaßenzüge. Es sind hierfür ini ganzen 300000 Mk. für dieses Jahr vorgesehen und aus der Versammlung heraus wurden noch wettere Wünsche Icuit, rote übrigens stets, wenn dieses Schmerzenskind unserer städt. Verwaltung zur Beratung steht. Auch die elektrische Straßenbahn wurde von ihrem eifrigsten Befürworter bei dieser Gelegenheit wieder er­wähnt. Sehr dankenswert waren die Ausführungen des Stadtv. Grünewald über die Notwendigkeit, auch bet nassen, Wetter gut gangbare Spaziergänge vor der Stadt da­durch zu ermöglichen, daß die hauptsächlich dafür in Frage kommenden Ftißwege entsprechend befestigt werden, und auch der Wunsch nach Schaffung von Nundgängen, damit mau nicht immer auf demselben Weg zur Stadt zurückkehren muß, ist sehr berechtigt. Daß die Beratung atich die herkömmliche Debatte über den Straßenschmutz zeitigte, ist selbstver­ständlich. Viel helfen die Klagen darüber ja nicht, aber etwas besser kann es es bei einiger Sorgfalt jetzt schon werden, wenn auch die Hauptsache die Zeit tun miiß, die mit der voll­ständigen Neupstasterung der Stadt atich bessere Neinigungs- verhältnisse bringen wird. In das Gebiet dec Zukunftsmusik gehört auch die anläßlich des Winnschen Neubaues an der Bahnhofstraße erörterte Ueberbrückung der Wieseck zwischen Bahnhofstraße und Frankfitrter Straße, wenn nicht das Ent­gegenkommen der Anlieger diesen großzügigen Plan jetzt schon zur Ausführung kommen läßt. Dagegen wird die Schaffung eines Verbindungswegs zwischen Seltersweg und Süd-Anlage (durch die Ktlbinger'sche Hosrcite) schon in aller Kürze Tat­sache locrben, da die Versammlung die dazu erforderliche Ueberbrückung des Schoorgrabens genehmigt hat. An sich nicht sehr in die Wagschale fallend, aber doch von dem starken sozialen Empfänden unserer gesamten Stadtverwaltung zeugend ist dec auf Eintrag unseres städtischen Arbeiter-Ausschusses ge­faßte Beschluß, den städtischen Arbeitern bei der Erhebung von Invalidenrenten, bei den Kontrollversammlungen und bei Beerdigungen die dazu erforderliche freie Zeit ohne Lohn­abzug zu gewähren. Die Mitteilung des Oberbürgermeisters, daß die Kaualgebührenordnung und das Ortsstatut über die Wertzuwachssteuer bereits am vergangenen Samstag den Kreisausschuß passiert haben und nunmehr dem Ministerium zur Genehmigung an dec wohl kaum zu zweifeln ist vorliegen, wurde mit Befriedigung ausgenommen, bamit die Nutzbarmachung dieser beiden neuen Einnahmequellen unserer Stadt schon für den 1. Februar zu erwarten ist.

"Der Hof ball, der anr Mittwoch abend im alten Palais zu Darmstadt stattfand, war von 29q Personen besucht. Vor allem waren anwesend die hohe Diplomatie,

der Adel, die Gesandten, Minister, Parlamentarier, die Kreis­räte, die Bürgermeister der größeren Städte, Gelehrte ?c so­wie das Offizierkorps und die Familien der Hofgesellschaft. Zum ersten Riale waren die Kreisräte und die Bürgermeister der größeren Städte eingeladen und erschienen. Von Gießen waren Se. Mag. Rektor Prof. Dr. Leist, Oberst v. Müller und Gemahlin, Landgerichtspräsident Coulmann und Ober- bürgenneifter Mecum anwesend. Der Tanz begann bald nach dem Erscheinen des Großherzoglichen Paares um 8.10 Uhr und dauerte bis Punkt 1 Uhr. Das Großherzogspaar be­teiligte sich, wie immer, lebhaft an dem Tanzen. Die Tanz­karte enthielt: 1. Walzer, Fran^aise, 2. Walzer, Lancier, 3. Walzer, Tischwalzer, Fran^aise und Blumenwalzer. Die Großherzogin trug ein taubengraues duftiges Spitzen- Mullkleid mit Brillanten besetzt. Der Großherzog war in Artlllerieunlform. Um 10 Uhr wurde in den Nebenräumeu das Souper serviert. Die Musik wurde von der Kapelle des Dragener-Regiments gestellt.

Vom Großh. Hofe. PrinzundPrinzessin Reinhard zu Solms-Hohensolms-Lich kehrten am Donners­tag wieder nach Potsdam zurück. Am 25. ds. Mts. werden I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin zi,r Feier des Geburtstages Sr. Bl. des Kaisers die Reise nad) Berlin antreten. Im Gefolge werden sich befinden: die Hofdame Freiin von Rolsmann, der Oberstalttneisier, der diensttuende Kamniecherr I. K. H. der Großherzogin und der Flügeladjutant Rittmeister Freiherr von Massenbach. Tie Ankunft in Berlin findet am 26. vorniittags statt. Die Rück­kehr nach Darmstadt erfolgt am 23.. ds. Nits, abends.

** Der parlamentarische Abend, her gestern auf Einladung des Präsidenten Haas in sämtlichen Räumen des Stände Hauses stattsand, war, wie uns aus Tar mstadk drahtlich gemeldet wird, von insgesamt 82 Personen befuäst. Anwesend waren S. K. H. der Großherzog, die Minister und, Ministerial­räte, die in Tarmstadt wohnenden Mitglieder der ersten Sammer, fast sämtliche Abgeordnete der zweiten, Kammer, Hofmarschalt von llngcrn-Sternberg, Geh. Käbinettsrat Itömh'ld, d.e Par- lamenlsvercchterstatter der Zeitungen ujw. Kreisrat Tr. Wal­lau hielt einen Vortrag über seine Reife nach Ostasien, die er seinerzeit als Reichstagsabgevrdneter machte. Er schilderte seine Erlebnisse und Eindrücke recht anschaulich und erzählte u. a., daß er überall Spuren seiner hessischen Heimat vegegnet fei. So habe er B. öfters Automobile der Opelichen Fabrik in Nüsselsheim angetroffen und in Peking habe er vorzüglichen Wem getrunken, der aus dem Hotel Trapp in Friedberg ge­wesen sei. S. K. H. der Gro ß herzo g, der bis lange nach Mitternacht blieb, unterhielt sich u. a. längere Zeit mit dem Abg. Köhler über dessen Heimatdorf Langsdorf und bemerkte im Laufe des Gesprächs launig, daß er Langsdorf besser kenne, als Abg. Köhler fetbst, denn sein Kammerdiener stamme dort­her. Gespräche politischen und allgemeinen Inhalts führte der Fürst namentlich mit den Abgg. Ulrich, Adelung, von Bren- tano 'Und Dr. Gutfleisch. Auch die anwesenden zwölf Jour­nalisten ließ er sich vorstellen und unterhielt sich iy liebens­würdiger Weise mit ihnen.

* * In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Pfarrer Bechtols- Heimer von Gießen und Bezirkssparkassendirektor Müller von Butzbach.

" Richterpersonalien. S.K.H. der Großherzoghaben den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenbiirg Otto v. ^Pfister und den ßanbrid)ter bei dein Landgericht der Prosinz Obcrhessen-Dr. Julius Friedrich zu Lanb- gerichtsräten bei biesen Gerichten ernannt unb bem Amts­richter bei bem Amtsgericht Nibba Rub. Sellheim ben Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt.

" Erlebigt sinb: eine mit einem euang. Lehrer zu besetzenbe L e h r e r st e l l e an ber Gemeinbeschule zu B a u f ch - heim. Mit ber Stelle kann Organistenbienst oerbunben werben. Eine mit einem euang. Lehrer zu besetzenbe Lehrer­stelle an ber Gemeindeschule zu Burkharbsfelben. Mit ber Stelle ist Organisten- unb Lektorbienst verbunden.

* * Die Gehaltsverhältnifse ber städtischen Be­amten und Lehrer werden, wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, schon in aller Kürze die Stadtverordneton-Versammlung be- sck>aftigen. Tie Kommis,ion hat sich in letzter Zeit eifrig damit beschäftigt und ihre Beratungen nunmehr nahezu zu Ende geführt.

* * Die Schwurgerichtsfitzungeu der Provinz Ober­hessen für das 1. Quartal 1908 beginnen Montag, 9. März, vormittags 9^2 Uhr. Zum Vorsitzenden für diese Periode ist Landgerichtsrat Holzapfel bestellt.

" A us d e rn B u r e a u d e s S t a d t t h e a t e rs. Zahlreichen Wünschen entsprechend hat bie Direktion für nächsten Sonntag nachmittag noch eine Vorstellung von Raimunds berühmter ZauberposseDer Verschwender" zu Heinen Preisen angesetzl. TiS beiben ersten Aufführungen bes Werkes waren ausverkauft, unb fanben ben lebhaftesten Bestall, ba sowohl Darstellung wie Aussiattung außerordentlich Sehenswertes bieten. Tie Musik bes Werkes (bie von Kourabin Kreutzer herrührt) wirb voii ber Kapelle des hiesigen Regiments ausge'ührt. Der Sonntag abend bringt ben übermütigen SchwankDie Orientreise" von Blumen­thal und Kabelburg, ber schon bei ber ersten Aufführung bie aus­gelassenste Heiterkeit entjessell hat. Auch biese Vorstellung sinbetzu kleinen Preisen statt.

"Die Viehzählung hatte im Kreise Gießen folgenbes Ergebnis: Es waren ain 2. Dezember 1907 in den 80 Gemeinden des Kreises vorhanden 3906 Pferde, 8 Esel, 35 474 Stück Rindvieh, 10 769 Schafe, 35 132 Schweine, 7397 Ziegen, 132 220 Stück Federvieh und 2056 Bienen­körbe. Maulesel gab es gar keine. Tie meisten Pferde hatte Gießen (782), bie meisten Esel ebenfalls (3), währenb htiisichtlich bes Rlnbviehbestanbes Heuchelheim mit 1146 Stück an ber Spitze stand. Schafe gab es in Lich mit Hof Albach, Colnhausen unb Mühlsachfen am meisten, nämlich 753. Beim Schweinebestanb ftanb Lang-Göns mit 1444 Stück an ber Spitze, bei ben Ziegen Wieseck mit 418, beim Febervieh Gießen mit 6417 Stück unb bei ben Bienenstöcken ebenfalls Gießen mit 187 Stück. Die Stabt Gießen hatte zu verzeichnen: 782 Pferbe, 3 Esel, 467 Stück Ninbvieh, 43 Schafe, 965 Schweine, 290 Ziegen, 6417 Stück Febervieh unb 187 Bienenstöcke.

ft- Lich, 22.Jan. Vom 18.20.Jan. hielt der hiesige Ge­flügel-, Vogel- und Kaninchenzuchtverein seine 4. Lokal-Geflügelausstellung ab. Die Ausstellung wurde Sanistag eröffnet; Sonntag nachmittag fand Konzert der Gießener Regimentsmusik statt, bas sehr zahlreich besucht war. Zur Prämiierung waren bem Verein 7 Ehrenpreise der Landwirtschaftskammer zugegangen, 8 wurden dem Verein gestiftet, teils in Lich, teils von den Nachbarvereinen.

Preise erhielten: 1. Ganse: PH. Ostheim, Echzell II., Johs. Engel, Birklar III., R. Weiß, Hos-Graß III. 2. Enten: Pecking: Hch. Heller IV., Lich Ehrenpreis, Indische Laufentcu: Rentier peller, Lid) II., Hch. Zimmer III. 3. Hühner: Langshan: Hch. Bünbing, Echzell II.; Plymouth-Rocks, gespeichert: K. Hildebrand, Gettenau Ehrenpreis; Mechelner, gesperbertt Oetcmomierat Hof-

mann, Hof-Gill Ehrenpreis; Wyandottes, weiß: Karl Albach, Lich Ehrenpreis, III., HL; silber: H. Schmidt VII., Lich III., W. Wick, Marburg III., Heß, Echzell Ehrenpreis, Karl Heller, Lid) II., Jak. Stein, Lid) II.; golö: Wick, 'Marburg II., HL; rebhuhistarblg: Ostheim, Echzell II,; Schollen, grau: Müller, Bettenhausen II.; yiinorfa, schwarz: Stent. Bettenbausen III.; Italiener, rebhuhn­farbig: Grotefendt, Lich III., K. Heller, Lich Ehrenpreis, fürstliche Gulsverivallung Ehrenpreis, III., Vogt, Lld) III.; schwarz: Radetzky, Lich I., II.; gelb: Düringer, Birklar III.; Hamburger Silberlack: Radetzky, Lich II., Stotz, Arnsburg Ehrenpreis. ©ainmelElaffe: Silber-Wyandottes: Wick, Marburg Ehrenpreis; rebh. Jtal.: Fürstl. Gntsverlvaltnng II.; Hamb. Silberlack: Radetzky, Lich^EhrenpreiS; Bronze Puten: Steiner, Colnhanfen I., II.; Gold-Fasanen: H. Zimmer, Lich Ehrenpreis. 4. Tauben: Weiße dtsch. Kröpfer: Fritz Roth, Lick) II., K. Schäker, Lick) Chrenspreis, I.; blaue: H. Zimmer, Lid) Ehrenpreis, III., fürstl. Gntsverlvaltnng II., gelbe: Schcster, 9ich Ehrenpreis, III.; Berliner Kropier: Weißel IX in Müschen- , beim II. Blaue Strasser: Wick, Marburg III., fürstl. Gulsver- Wallung III., III. Role Weißschivänze: Engel, Birklar II. Schon) Homer: Osthelm, Echzell I. Brieüauben, gehämmert: Hofmann, Lid) HL, Gerhardt, Birklar II, Müller, Bettenhausen Ehrenpreis, II.; blaue: Schäfer, Lid) III; schwarze: ders. II., Zimmer, Lich IL Die Vorbereitungen zu dem am 27.29. .Juni d. I. stattfindcnden Gaulurnfeste des Turngaues Heffen lind rege im Gange. Als Festplatz wurde eine sehr große Wiesenfläche an der Straße nach Nieder-Bessingen ausge- ivählt. Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich hat das Protektorat und Oberamtsrichter Rausch ben Ehrenvorsitz übernommen.

XKaulstos, 22. Jan. Heute weilten Kreisamtmann Haber- korn-Schotten und Kulturrat Wißmann-Gießen hicx, mn üfig: die Inangriffnahme der Arbeiten an hiesiger Quellwasserlei­tung mit der Gemeindevertretung zu beraten. Die Arbeiten werden demnächst ausgeschrieben und Ende März soll mtt dem Bau begonnen werden. Die Anlage kostet ca. 20 000 Mk.; die Quellen liegen auf Gemeindeigentum ganz in der Nähe des Dorfes.

-t- Fried berg, 23. Jan. DaS HauS des Apothekers Albert Gennes, Kaiserstraße 40, wurde an Heinrich Heß, Besitzer eines Schuhwarengeschäfts, für 52 000 Mk., bas Haus des Rentners Georg Stein tlßer II., BlSniarckstraße 19 an ben Rechtskonsulenten Christian Hofmann hier für 29000 Mk. verkauft. Die Stablkaffe, bie von Llegenschaftsoerkäufen in hiesiger unb Jauerbacher Gemarkung neucrbingS eine Abgabe bezieht, ist beshalb an bem in letzter Zeit regen Umsatz in bedeutenden Wertobjekten auch interessiert. Beispielsweise er­wachsen ihr Einnahmen aus dein vorerwähnten ersten Geschäft von 520, aus bem anberen von 232 Mk.

0 Friebbcrg, 23. Jan. Zwecks Erbauung einer Turn- un b Fe st Halle hatte bre Stabt ein Preis­ausschreiben erlassen, auf bas zahlreiche Pläne einliefen. Das Preisgericht hat nun folgenbe Preisvertetlimg vorge- genommen: 1. Preis, 500 Mk., Architekt Lanbau-Augs- burg; 2. Preis, 300 ML, Selbert-Alannheim; 3. Preis, 200 Mk., Reinharb-Mainz. Die Pläne von Greb-Darmstabt unb Karle-Braunfchweig werben angekaust.

d. Bab-Nauheini, 23. Jan. Vor einigen Tagen hat sich hier ein Rodelklub gebildet. Er stellt sich bie Aufgabe, ben Nobelsport, ber in biefem Winter zum ersten 2)lal auch von Erwachsenen aus allen Gesellschaftskreisen iinserer Stabt aiisgeübt mürbe, nach Kräften zu unterstützen Iunb zu heben. Die Grünbung biescs neuen zeitentsprechenben Vereins muß besonbers unsere Frauen interessieren, ba ihnen ja auch Mltglieb- unb Wahlrecht eingeräumt worben sinb. Nicht löcniger als 4 Damen haben Sitz unb Stimme im Vorstanb bekommen. Hoffentlich werben bie Winter ber lommenbcit Jahre wieder so anhaltende Schneefälle bringen rote bie letzten Dezembertage, bamit bem Robelklub auch wirklid) bie Möglichkeit zu zweckentsprechenber Arbeit gegeben wirb.

k- Mainz, 23. Jan. Der von der Bürgermeisterei bezüglich der Gebaltsregulierung der Volks sch ullehrer mit» geteilte Entwurf hat durch den Beschluß des Schulvorstandes eine wesentliche Abänderung zugunsten der definitiv ange- ftellten Lehrer erfahren. Während der Entwurf die Er.ei^ung des Höchstgehaltes von 3500 Mk. durch 10 dreijährige Zulagen von je 200 Mk. also nach 30 Dienstjahren vor)ah, foflj dieser nach dem Beschluß des Schulvorstandes nunmehr durch 8 dreijährige Zulagen von je 225 Mk. und eine solche von 200 Mk. nach Ablauf von 27 Dienstjahren wie nach dem seit­herigen Modus erreicht werden. Der im Entwurf vorge­sehene Grundgehalt von 1500 Mk., die auf 700 Mk. erhöhte Wohnungsentschädigung, eine Funktionsznlage von 700 Mk. für die Hauptlehrer, sowie das Inkrafttreten der neuen Gehalts-- fätze vom 1. April 1907, werden beibehalten. Durch diese Abänderung wird erreicht, daß die Lehrer im mittleren Lebens­alter wo die Ausgaben des Familienvaters namenttich durch die Ausbildung der Kinder naturgemäß am höchsten sind etwas höhere Gehaltssätze erhalten und der Höchstgehalt drei Jahre früher erreicht wird.

2LußerordenLlicher 8. Kongreß der Freie» Verrinigmrg Deutscher GewerLschasteu.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Berlin, 22. Jaiu

Ein außerordentlicher Kongreß der Freien Verftnigung der deutschen Gewerkschaften begann heute tn Bökers Festfälen. Na­mens der Geschästskommisfion eröffnete der Vorsitzende Fritz Kater um *^2 Uhr die Sitzungen. Er wies darauf hin, daß die Augen der ganzen Arbeiterschaft, soweit sie auf dem Boden des Klasscnkampfes stehe, auf diese außerordentliche Tagung gerichtet seien. Die Wichtigkeit des Kongresses beweise schon der außerordentlich starke Besuch durch die Delegationen, der doppelt so groß sei, als bei früheren Tagungen. Er könne den Kongreß nicht besser und würdiger eröffnen als mit einem Protest gegen die Säöelherrschaft, die in diesen Mo­naten gegen demonstrierende Arbeiter in willkürlicher Weise zur Anwendung gebracht worden ist. Ob Sozialdemokraten, ob Anarchisten, wir stehen durchgängig auf dem Standpunkte, daß das Volk mit allen ihm nützlich erscheinenden Mitteln versuchen muß, die heutige Klassenherrschaft zu stürzen und das Prole­tariat zu befreien.

Die Resolution hat folgenden Wortlaut: Der 8. Kon­greß _t>er, Freien Vereinigung Deutscher Gewerkschaften nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Vorgehen der Berliner Po­lizeibehörde gegenüber den um die Volksrechte demonstrierenden Arbeitern und arbeitslosen Proletariern.

Der weitere Inhalt der Resolution bezeichnet die herrschende Krise und die damit verbundene Arbeitslosigkeit als ein Pro­dukt der heutigen Gesellschaftsordnung und fordert das Prole­tariat aller Länder auf, einen immerwährenden Kampf gegen dieses System zu führen. Der Kongreß erklärt sich solidarisch mit den um ihre Rechte demonstrierenden Arbeitern. Die Resolution gelangte einstimmig zur Annahme.

Den Geschäfts- und Rechenschaftsbericht für die Zert vom 1. Januar 1906 bis 30. September 1907 erstattete der Vorsitzende der Geschäftsrornmission Fritz Kater. Nach Anhörung dieser Berichte vertagte sich der Kongreß auf Donnerstag früh.

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Die heutigen Verhandlungen begannen mit dem Bericht ders Mandatsprüfungskommission. Dieser Bericht hatte eine längere Ms rüst'io n zur Folge, in die die später zur Verhandlung komm.es»