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Erstes Blatt
Freitag 24. Januar 1808
'Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
von den
158. Jahrgang
Stimniungsbilö aus -em Reichstage.
Berlin, 23. Januar.
Attfgewiirmte Gerichte.
Auch heute mar der Reichstag auf allen Seiten Polizei bewacht. Erfahrungen früherer Jahre haben
Nr. W A De, Siebener SnMger erid)ctni täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich StctzenerKamiliendlälter; Iwein,al roöcbentl.K' eis» lattfürdenUrcirSlehen (Tienetng und Freitag); groeunal monatl Land« e?iriKt>uftlid)c Settfrageu
Internes Fer^rlieeon.
— Ein deutscher Künstler, der lange schon bem Gesichtskreis, aber noch lange nicht der dankbaren Erinnerung unserer detltjchen Kunstfreunde entschwunden ist, August Withe'tmi, ist soeben in London gestorben. Wilhelmi, em Angehöriger der auch durch ihre Weine weithin bcl’muilen und berühmten Wiesbadener Familie, hat cm Alter von 62 Jahren erreicht. Am 21. September 1842 zu Usingen geboren, zeigte er früh große inusikalische Talente, die er am Konservatorium ztl Leipzig auobildete. Im Rahnten der Leipziger Gewandhaus-Konzerte erzielte er arich seine ersten größeren Erfolge. Eine an Triumphen, an Erfolgen imb goldener Eriue überreiche Tournee führte Wilhelms dann dnrch alle europäischen Länder ivie dnrch Amerika, und der Ruhm seines Namens erfüllte lange die künstlerische Welt. Voii seilten Kunslreisen durch halb zivilisierte Länder, von seinem Konzert vor dein Sultan in Kotistantinopel wußte Wilhelms ergötzlich zu erzählen. Die Sache Richard Wagners saiid in Wilhelms uom erstell Augenblick an einen begeisterteil Anhänger imb als 1876 bie ersten Festspiele in Szene gingen, da stand mid) August Wilhelms als Konzertmeister und erster Geiger des Bayreuther Orchesters unter des Meisters eifrigsten Getreuen. Tie Poplliarisierung der Wagnerscheil Musik in England ist ebenfalls ivesenllich ein Verdienst Wilhelmjs. Seil einer Reihe von Jahren lebte er in London, wo er als (Zeigen- Professor am vornehnistell Konservatorium eine fruchtbare Tätigkeit entwickelte. Tre Konzertreije>l Hal er seit 10—12 Jahren aufgegeben. Wilhelms ivar übrigens Besitzer berühmter mit) beionder- kostbarer Geigen. Ter srühe Heimgang des trefflichen Künstlers wird in seiner deuljchen Heimat lvie in England, dein er lange angehörte, gleich lebhaft beklagt worden.
— D ie einstigen Jenaer Studenten haben sich zußarnmengetan, um dem neuen Universitätsgebäude, das kn nächsten Sommer emgeweiht werden soll, eine große künstlerische Gabe zum Angebinde zu überreichen. Aus allen Teilen deS deutschen Vaterlandes lausen die Beiträge dazu ein. (Zahl- ftclfc: Uiucvrsitätsaktuar Herzer, Jena.) Geplant ist, die Wandest- gänge der neuen Universität mit einer Reifc großer Darstellungen aus der Geschichte der Jenaer Hochschule zu schumctcn, in Bcr> binbuitg mit ixen alten PWfessorenporträts, die bisher ein fast Perges jenes Tajem auf der Universitätsbibliothek führten. Drei
Hüter der öffentlichen Ordnung in der Nelchshailptstadt 311 dieser Vorsicht bestimmt; aber der Janhagel blieb wie gestern auch heute a.;§, und nun wird die Schutzmannschast, die seil einer Woche kaum aus den Kleidern gekommen ist, sich wohl Ruhe gönnen dürfen. Im Sltzungssaale haben die gestrigen aufregenden Szenen keine Spur hinterlassen. Bei schwach, besetztem Hause und leeren Tribünen schleppten sich die Verhandlungen, matt und träge hin. Es gab ein alles Menu, ausgewärmt: Scheckgesetz und Majestätsbeleidi- gungSvorlage rind Tierhalterentwurf. 9?uc mit dem Mittel- und Hauptstück wurde endgiltig aufgeräumt: überraschend schnell, ohne jegliches Eingehen auf den Gegenstand selber verabschiedete man das Gesetz über die Bestrafung der Majestätsbeleibigung in dritter Lesung. Nur derKönlgs- berger Schandsäulenartikel erfuhr noch einmal die verdiente Würdigung. Herr Gyßling, der vorgestern ivährend der zweiten Lesung seiner Mandalspflicht im Abgeordnetenhause hatte genügen müssen, nahm heute die Gelegenheit wahr, um die Behauptung des Abg. Heine, die Harlungsche Zeitung habe den Denunzianten gespielt, als unwahr nachzuweisen und die schinähliche Brunnenvergiflung, die von der Sozialdeuiolralie getrieben wird, nach Gebühr zu kennzeichnen. Er stellte feit, daß gerade die Harlungsche Zeitung sich gegen eine slrafgerichtliche Verfolgung des sozlaldemotratljehen Blattes ausgesprochen hat und seine empörende Leistung lediglich der öffentlichen Verachtung überliefert haben wollte.
Vorher hatte man die erste Lesung des Scheckgesetzes zu Ende geführt und den Entwurf einer Kommission überwiesen. Für ein Echo der gleichzeitig im preußischen Abgeordnetenhause geführten diskontpolitlschen Debatte trug Dr. 21 reubt Sorge, und Herr Kämpf packte ihn an seinem blmetallistischen Pferdefuß. Eine eingehende sachliche Beleuchtung fand die Scheckfrage noch durch den freisinnigen Verircier von Bremen, der an der Hand einer Eingabe der dortigen Handelstammer der Kommission für ihiZ Arbeit beachtcnsivertes Material an die Hand gab. Auch die Beratung des Tierhaltergesetzes brachte zwar Stadthagensche Reden und einen Ordnungsruf für ein Mitglied der Rechten, aber sonst der Kurzweil sehr wenig. Es ging — em in der parlamentarischen Geschichte seltener Fall — noch aus der zweiten Lesung zilr Prüfung an eine Kommission, weil das Zentrum das, was es m der ersten Lesung den dringenden sachlichen Bedenken des Freisinns versagt halte, seinen Freunden vom Antiblock, den Sozialdemokraten, nicht weigerii wollte, als diese heute den gleichen Antrag stellten.
hessische Ziveite Rammet.
N. B. D a r m st a d t, 23. Jan.
Am Ministertische: Minister deS Innern Braun, Geh. Rat Dr. E i s e n h u t h.
In der um 9i/2 Uhr eröffneten Sitzung wird bie Beratung über die
Reform des Schulwesens
fortgesetzt. Minister des Innern Braun bemerkt zunächst, er habe das Wort ergriffen, um der Anschaumig des Abg. Dr. David entgegenzutreten, als ob sich die Großh. Regierung prinzipiell gegen die Einführung einer Einheitsschule sträube. Das sei nicht der Fall, er glaube vielmehr, daß die zur Beratung- stehenden Anträge recht beachtenswerte Gedanken enthalten. E^ komme aber hier auch aus das „Wie" und „Wann" an. Die
Negierung habe ihre Stellung zu den Anträgen schon im 31. Landtag sehr eingehend dargelegt, und sie habe jetzt keinen Anlaß, sich gegen die Annahme der Ausschußanträge auszu- sprechen, sie könne sogar dem Verlangen bezüglich der Vorschulen zupimmen, insofern sie damit einverslauden sei, feine Borschulen mehr einzurichtcu. Dagegen müsse sie doch Bedenken, tragen, die jetzt bestehenden Vorschulen aufzuheben, bie sich als ein Bebürfnis erwiesen haben. Sie müsse auch die Forderung ablehnen, den Volksschulbesuch obligatorisch zu machen und zur Erreichung dieses Zweckes die Privatschulen zu verbieten. Die Regierung stellt sich damit auf denselben Standpunkt, wie die Zweite Kammer bei der früheren Beratung der Sckmlanträge. Die Regienmg stehe den Reformen in der Volksschule keineswegs ablehnend gegenüber, und sie habe dies auch durch die warme Unterstützung aller darauf gerichteten Bestrebungen bewiesen. Man müsse aber bedenken, daß ivir cs auch hier nur mit Mensck-enwerk zu tun haben, das nur vom besten Willen geleitet werden kann. Wenn der Ausschuß verlangt, daß zu den Kosten der bestehenden Schulen kein Staatszuschuß mehr geleistet werden solle, so könne er betonen, daß das Interesse des Staates an den vorhandenen Vorschulen nur sehr gering sei. In Hessen bestehen an den Gymnasien und Realschulen l.j Vorschulen, an den höheren Bürgerschulen 14. Dagegen belaufe sich die Gesamtzahl der Schüler - auf 2000, an den Volksschulen dagegen aus 200 000. Ein finanzielles Interesse des Staates bestehe nur an 10 Vorschulen mit etwa 050 Schülern, und von diesen Schulen erhalte die Negierung noch Geld heraus. Die versuchsweise Einführung eines Jiesormgymnasiums werde die Negierung in Erwägung ziehen, wobei natürlich erste Voraussetzung sei, daß sich auch die nötige Anzahl Schüler dafür findet. Dem dritten Teil des Antrags, der den fremdsprachlichen llnterridit der höheren Schulen erst etwa in der Tertia beginnen lassen will, haben Pädagogen erklärt, es sei zrvciselhaft, ob in diesem Falle das sprachliche Ziel ohne Ucberbürbung der Schüler in den höheren Klassen noch zu erreichen sein werde. Auch der dritte Teil des Antrags, ben Lehrplan für die drei untersten Klassen der höheren Schulen mit dem für das 4„ 5. und 6. Schuljahr der allgemeinen Volksschule in Uebereinftimmung zu bringen, enthalte gleichfalls einen berechtigten Kern, doch glaube er, daß die Annahme dieser Forderung einen noch größeren Andrang zu den höheren Berufen zur Folge haben würde. Zurzeit sei die Negierung mit einer Reform des Lehrplans der VvlkS- schule beschäftigt, bei dem auch der Gedanke erwogen werden soll, die Summe der geistigen Kräfte der Gesamtheit des Volks noch .intensiver nutzbar gemacht werden kann. Hauptsache sei aber, daß die Volksschule ihre selbständigen Ziele nicht aus dem Auge verliere. Sie habe in erster Linie dem Unterrich-tsbc- dürfnis des Volkes zu bienen und nicht zuerst dem Unterrichts- bedürfnis der 9500 Schüler der höheren Lehranstalten. Es würde nach seiner Meinung aber au di eir Fehler sein, die wffffnschoft- üd?en Ziele der höheren Schulen zu beschränken, zumal man kaum annehmen kann, daß nad) dem geänderten Lehrplan ein Teil der Volksschüler zu den höheren Schulen übergehen wird. Auch die Forderung auf Beschränkung der Höchstzahl der Voltsschülcr auf 40 in einer Klasse müsse, so wünschenswert ja die Durchführung wäre, schon in Rücksicht a. f die h.h n Kosten und den Lehrermangel abgelehnt werden. Bezüglich der nationalen Einheitsschule sei die Regierung mit der Ausschußmehrheit einverstanden. Beim Bundesrat könne aber die Negierung in dieser Richtung keine Anträge stellen. Der Gedanke einer gemeinsamen Volksschule habe etwas sehr sympaiisches und bestrickendes, aber man überschätze doch wohl die Wirkung dieser Einheitsschule in Bezug auf den Ausgleich der sozialen Gegensätze ganz bedeutend. Unsere nationale Schule werde nicht durch die Einhellsschule gewährleistet, sondern durch eine stetige, zuverlässige, auf Erfahrung beruhende Arbeit. (Beifall.)
Abg. Dr. Osann führt aus, es sei im Hinblick auf die schon früfcr über die Schulreform gepflogenen Debatten kaum angebracht, auf die ganze Sache einzugehen. Er wolle aber doch .bemerken, daß auch seine Partei mit Vielem von dem, was die Anträge wollen, durchaus einverstanden sei, und ihre volle Unterstützung finbe. Seine Partei werbe mit am Platze fein, wo es gilt, mit Praktischem an die Lösung der Ausgaben heranzutretcn. Man müsse aber dabei beachten, daß Hessen allein nicht voranschreiten könne, und auch aus das übrige Deutschland Rücksicht nehmen. Sehr dankenswert wäre es gewesen, ivenn die Regierungsantwort schon früfcr erfolgt wäre. Der Gedanke einer nationalen Einheitsschule sei in seiner Partei ; 1 r ftynpathisch ausgenommen worden und and) viele von den Anregung n Dr. Davids würden bei ihr auf sruch baren Boden lallen. Es handle sich hier nicht um eine Parteisache, sondern
der Darstellungen sind auf Grund der bis jetzt angcfammeltcn Mittel bereits in Auftrag gegeben: Otto Ubbelohde (Goßfelden bei Marburg) malt den Empfang des aus der Gefangenschaft fcimfefccnben Kurfürsten Johann J-ricdcich, des Stiftes ber Universität» am Fürstenbrunncn bei Jena im Jahre 1552; Ernst Liebermann (München) schafft an einem reizvollen Nachtbilde: der Ndatfcneatiker Erhard Weigel, der Stolz Jenas im 17. Jahrhundert, hält seinen Studenten eine astronomische Vorlesung auf dem Observatorium seines originellen, jetzt leider zerstörten Hauses: im Hintergründe im Mondschein die Baugruppe des alten Kvlleg.enhosts (um 1660). Professor Hans W. Schmid: kWcimar) erhielt den Auftrag Au dem Gemälde: Goethe und Earl August von Weimar im Geipräche im allen Jenaer Schloßhofe (1796). Als vieries Bild soll eine Darstellung der berülymtcn Antrittsvorlesung Schillers (1789) in Auftrag gegeben werden. Ereignisse aus der Geschichte der Hod)schule im 19. Ja';rh. werden zur Fvrtsührnng des Äildcrzyklus bis aus die Gegenwart zur Tar- ftcUung kommen, sobald die nötigen Mittel eingegangen fein werden.
ipc. Shakespeare-Funde. Dein Konservator ber Shakeipeare-Sammlung in des Dichters Geburtsort Strmtorb ifi cs, gelungen, zwei Manuskripte, Originalausgabe bes .Sommer- n a cl) t s 11" n u m" aus bem Jahre 1600, und ein Exemplar der zweiten Ausgabe bei? „Lustigen Weiber von Windsor" aus dem Jahre 1619, bem Slrat'ord-Musernn einznveileiben.
— Literarisches Preisausschreiben. Ter Ein- fenbuugstermin bcS uom Verein zur Verbreitung giuei- votlStüm- Ocher Schrillen unter 'DhtmuTuug ber hervorragendsten literarischen und lachinännischenAutoritäten kürzlich erlassenen Preisausschreibens zwecks Gewlunuug nuiileinüliiger Bücherlisten für Volks- und Hausbüchereien ist vom 31. Januar auf den lö. März bs. IS. oer- fd)obeit worben. Nähere Auskunft erteilt bic Ge>chäitsstelle bes Vereins zur Verbreitung guter volkstümlicher Schriften Berlin W. 57, Mansteüistr. 6.
— Eine Ausstellung „M ünchen 1908" will Münchens Leven und Schassen verführen. Es sollen selbst d.e nüchternsten Dinge m3 täglichen Gebrauches, soweit möglich, in ihrer naturgemäßen Umgebung zur Wirkung gebracht werden, aber nicht nur in allem, was Münchens Handwerk, Industrie und Handll ausstellen, sollen )id) die Beziehungen zwischen diesen Gebieten und der angeroanbteu Kunst äußern, sondern auch in
um Fragen rein pädagogischer Natur. Sehr ersreulid) sei, daß bie Sozialdemokratie Mitwirken wolle an bem Ausgleich ber sozialen Gegensätze. Seine Partei stcfc jedoch ganz in Ucbereinfnmmung der Negierung auf dem Standpunkt, daß hierzu die ersten vier Schuljahre keineswegs geeignet oder gar ausreichend seien. Die sozialen Gegensätze bildeten sich erst, nachdem die Schulbank längst verlassen sei, und da sei es ja gerade die Sozialdemokratie, bie diese sozialen Gegensätze nad) jeder Richtung hin ücri'djärft. (Widerspruch bei den Sozialdemokiaten.) Nehmen Sie doch nur irgend ein sozialdemokratisches Blatt zur Hand. (Abg. Ulrid) ruft: Offenbacher Zeitung.) Nein, gerade das Osscn- badjer Abendblatt, Herr Ulrich, kann hier als typisches Beispiel angeführt werden. (Unruhe.) Die Verhetzung geschieht doch nidyt von unserer Seite, sondern von Ihnen. (Beifall und Widerspruch.) Mit Nedst habe aud) der Minister auf die Staaten: verwiesen, in welchen bereits Einheitsschulen bestehen, aber die Gegensätze trotzdem grosser und fdjärfer sind als bei uns. Zum Schluß betont Redner, daß unser fcssisd>es Sd)ulwcsen sich aus den Vedurfnissen des Volkes herausgebildet hat. Niemand werde leugnen, daß es sich aus einer hohen Stufe der Eillwicklung befindet.
Abg^ Ucbel erklärt, daß seine Partei auf dem Boden der Aussd)ußanträge stehe. Dr. Davids Gedanken über die Eiw- heitssdule Jeicn beachtenswert, aber nicht durchführbar. Besonders bie Einheitsschule sei ein Phantom, bie in den Anträgen enthaltenen Ideale Fönnicn vor dem materiellen Ausschwmig der Gegenwart nid)t Stand halten.
Abg. Noack bält die Anträge für geeignet, der Schaffung einer Einheitsschule die Wege zu ebnen. Reformbedürftig fei das Mädchenfchirlwcsen, besonders in den priDaren höheren Schulen, d nn dort würden die Mädchen sozusagen volkSsremd eripgai, aber gerade für die weibliche Jugend dec oberen streife fei es notwendig, daß sie mit dem Volksleben vertraut würden.
Abg. Reinhart tritt,für Erweiterung des weiblichen 5'orl>- b'ildun^s.ocsen ent und wünscht die Erieilung von Hai's.virtschafts- iintcrcidjt an den Mädchenvol'sschiiten. Redner rorberlegt dann die Behauptung Tr. Davids, daÜ Amerika das Eldorado der Arbeiter und bcck Vvlksec.ziehung sei. Gerade das Gegenteil sei der Fiall, das bdmciie die Mafsenrückwcmderung deutscher Arbeiter von dort.
Geh. Rat. Tr. Eisenhuth kdilt mit, die Negierung beschäftige, fiel) zurzeit mit ber Frage ber Einführung des haus- wirtschaftlichen Unterrichts in den Müdchenvoltsschuleu. Mit der Emheitssd-ule würde ein sozialer Ausgleich nicht gesdwffen. Nedneo. tritt batm energisch der Ansck-auung entgegen, als sei die Volts-» sck-ule eine Armenschule. Nicht die soziale Betätigung, sondern bic, wissenschaftliche Ausbildung müsse bei einem ordnungsmäßigen' Schulwesen im Vordergrund stefcn.
Damit ist, die Teöatre beendet und die Versammlung nimmt folc:t/'c A u S sck>u ßan trä g e an; An d.e Kammer das terfudjen zu rtdücn 1. Weitere Vorschulen nicht mehr zu er- r t d) t e tt und fernerhin zu den Kosten der bestehenden Vorschulen staatliche Zuschüsse nid)t mehr zu leisten; 2. die versuck)s- weise Enrichtung eines Rc so rm g Y m na s i u m s in Erwägiingj zu diefcn; 3. ten Uebertritt der Volks schule in die, höheren Schulen mögl'.dist ^u erleichtern, ferner dem Antrag auf Beschränrung ter Schuler der Bcllsschuillasseu auf die Zahl von 40 keine Folge zu geben und enblid) die Antllige Ulrich für erledigt zu erklären. Zu dem Antrag, betr. Einsülwnng der nationalen EinheckSschule hatte sid) das Ministerium dahin ge--l äußert, daß zur Herbeiführung der erstrebten Reform des Ijöfcren. Schulwesens die Reichssd-ulitommission nid)t zuständig fei, untx;' bie Reg terung drShalb dem Anträge nicht näher treten könne. Ter Ausichuß stimmt^oer dtegicning darin zu, mit der Maßgabe, daß man es als wünschenswert bezeick/nen könne, wenn die Reichö- schulkommisfion begutachtend und anregend auf eine möglichste Vere.nfcitlid)ung der Lel-rplane in den einzelnen Bundesstaaten einwirken würde.
Es en'olgt nunmehr die Abstimmung über den in zweiten Lesung fcrtigaestellteit Jagdgesetzcntwurf.
Minister Braun fcbt fccvvr: Das Gesetz, wie es aus den' Beratungeii der zweiten Kätmner fcrc-orgegaiigen sei, sei zwar für die Regierung unannehmbar, er fcge jedod) die Hoffnung, daß c5 durck)die Besdstüsse teS anderen Hauses und die Nekomuni-- kation eüie auch für bie Negierurrg akzeptable Gestalt annehmen iiiöge und ersuche fcshalb dem Gesetzentwurf zuzustimmen.
Abg. Molthan erklärt, daß ec und seine Freunde zu-» stimmen werden. TaS Gesetz wird darauf mit allen gegen bie Stimmen der Skbgg. Illrinhart und Gutftcisch angensrnmen.
Schluß oex Sitzung 1 Uhr, morgen fcüf) 9 Uhr Fortsetzung.,
öen mu|itali|dx-n Verunstaltungen, in den Aufsühcungcn auf einer neuen Schaubühne, in sportlichen Wettbeioerbeii, in Volksfesten und im Vergnügilngspack soll burd) die Pflege guten Ge- schmads ein Z^el fultureilen Sehend unb Sdmffcns gezeigt werben. Die Gesainllvirkung der Ausstellung „München 1908" soll einen Fvrtfd)ritt im Ausstellung Korsen bedeuten.
— Kapellmeister gehälter in Amerika. Mart, spricht so oft von den fabelhaften Gagen, die berühmte Sänger in Amerika erhalten. Aber die Dirigenten von Ruf und Namen stehen ihnen kaum nacp in dem, was sie verdienen. So erhält der italienische Kavellmeister Eampanini an der Newyorkcr Oper 4000 Mk. die Woche. Die Gage Gustav Mahlers an der Metropolitan-Oper beträgt für die Saison vom 1. Februar bis zum 15. April 80 600 Mk. Muck erhält von dem Sinfonie-Verein in Boston für eine Saison von fünf Monaten 60 000 Mk. Ter Konzerttiercin von Pittsburg bezahlt dem Dirigenten seines Orchesters Emil Paur 50 000 Mk. und Karl Pohlig bezieht in Philadelphia 32 000 Mk. Bei Virtuosen sind freilid) die Summen noch phantastischer. Padcrewski hat man bei einer Tournee von 80 Konzerten ein Minimum von 6000 Mk. für den Abend garantiert, aber seine Tournee bringt ihm säst das Doppelte, im ganzen etwa 1 000 000 Mk.; Kubelik verdient auf seiner Tournee eine halbe Million Mk.
— Kleine Knnstchronik. John Henry Mackey hat in Amerika 13 unveröffentlichte politische Aussätze Dtax Stirners aus dem Jahre 1848 entdeckt, welche m der Wochenschrift »Morgen* zur Veröffentlichung gelangen. — »Der Aiann mit den drei Frau en , bie neueste Operette von Franz Lehar, würbe am Theater an ber Wien zum ersten Akale au'geiührt. Tie großen Erwartungen, bie aus ben Komponisten ber »Lustigen Witwe" gesetzt worben waren, erfüllte^ sid) nicht in vollem Aiaßc. Lehar arbeitet diesmal mit den größten orchestralen Mitteln und ungemeinem ^Raffinement, aber die Ursprünglichkeit der Erfinbiing, ber eigentliche Grund feiner bisherigen Erfolge blieb mit Ausnahme einiger hübscher Nummern aus. Die Idee des Librettos van Iiilius Bauer i|t recht lustig, aber die AuSiührlmg zu fchwersällig. Tre Aufnahme der Operette ivar wegen LeharS großer Beliebtheit ziemlich warm, blieb aber gegen frühere Erfolge well zurück..
FerMprech • Anschlüsse r toe dir Redaktion 113, 5erlag u. Expedition 61
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monatlich 75 Pf., viertel.- a jährlich Mk. 2.30; durch Abhole- u. Zweigstellen
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Mg Zeilenpreis: lokal 15Pf^
Xz auswäns 20 Pfennig.
Wi/ Berantwortlich
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K Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Anis.-Vuch- und Steindruckerel. kl. Lange. Redaktion, Expeditton und vruckerei- Schulstratze 7. M“? Ä; SljS
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