Ausgabe 
21.11.1908 Zweites Blatt
 
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21115 dem Militär-Wochenblatt. Versetzt: tk Ostrowski, Major und Adjutant der Feldzeugmeisterci, »ls Zlbteil.-Kommandeur in das Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. 31 c. 25. Ernannt: Frhr. v. Preus chen, Hauptm. u. Komp.-Chef im Leibgarbe-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, zum Adjutanten der 5. Div. Ein Patent seines Dienstgrades verliehen: dem Hauptm. und Komp.- Chef Frhr. v. Hoiningen, gen. Huene, im Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. Zu Komp.--ChesS ernannt unter Beförderung zu Hauptleuten: die Oberlts. v. Schröter, Bauer v. Bauern im Leibgardc-Inf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Stamm im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Zum überzähligen Haupt­mann befördert: der Oberlt. Platz im 5. Bad. Jnf.-Regt Nr. 113, unter Versetzung in das Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) 9tr. 117. Zum Oberlt. befördert: Lt. Wätjen im Leib.-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24. Vom Kommando als Jnsv.-Ofsizier enthoben: Anger. Oberlt. im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) 91 r. 118, an der Kriegsschule in Danzig. Stamm, Lt. und Er­zieher am Kadettenhause in Oranienstcin, in das Jnf.-Leib- regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 versetzt.

* Die bevorstehende Handelskammerwahl sin- det anscheinend in den beteiligten Kreisen nicht die Beachtung, die sie gerade diesmal verdient, da es sich um eine Neuwahl der ganzen Handelskammer handelt. Da iit es denn freudig zu be­grüßen, daß im Inseratenteil der heutigen ??ummcr auf die schon am Dienstag statt findende Wahl hingewiesen und auf einen gewissen Mangel aufmerksam gemacht wird, der der seitherigen Zusammensetzung der .Handelskammer anlraftet. Wir meinen das Fehlen eines sachverständigen Mitgliedes aus der Eisen -und MetallfabrikationL-branchc. Dieser Industriezweig ist in unserem Handelskammerbezirk und speziell in der Stadt Gießen in stän­diger Zunahme begriffen und sie wirb sich noch mehr ausdehnen, wenn erst einmal die Lahnkanalisation durchgeführt ist. Wir sind der Ansicht, daß man in der Zusammensetzung der Handels­kammer hierauf Nüch'icht nehmen und einen Vertreter dieser In­dustriezweige in die Handelskammer wählen sollte. Ten in dem erwähnten Inserat gemachten Vorschlag halten wir für sehr be­achtenswert, weshalb nachdrücklich darauf hingewiesen fei.

* * Zur Handclskamm erwähl. Wir iveisen daraus hin, daß die Vertretung eines Wahlberechtigten bei der Wahl nur in dem Falle, daß kein Prokurist vorhanden ist, durch einen anderen volljährigen kaufmännischen oder technischen Beamten erfolgen kann.

** T> as Wohltätigkeitssest, das zum Besten der hiesigen Krankenschwestern heute abend im Hause des Gesell­schaftsvereins stattsindet, verspricht einen sehr erfreulichen Verlauf zu nehmen. Voll Eifer wird an der eindrucksvollen Ausstattung der Säle gearbeitet, nm ein möglichst freudiges, farbenvolles Bild harmlosen Jahrmarkttreibens zu erreichen. Tannengrün und Tannendust erfüllen die Räume, zierliche Häuschen und hübsche Buden laden zu Kram und Kauf ein, alle die da kommen, um mitzufeiern und mitzuhelfen an dem Werke der Anerkennung unb der Dankbarkeit. Alles, ivas das Herz begehrt, ist hier in reichern Maße zu haben und als erfreuliche Zugabe erhalt jeder Käufer einen freund­lichen Blick aus frohen Fraucnaugen. Jeder gebildete Ärtteleuropäer füllte herbeieilen, denn wer nur ein klein bißchen etwas auf sich hält, muß sich sagen, daß es eigent­lich nicht ohne ihn geht, und daß das Fest so um eine seiner schönsten Anziehungskräfte betrogen wird. Also aus ihr Frauen und Männer, -Fräulein und Mäimlcin und wirket mit an dem wohltätigen Feste.

Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß voraussichtlich keine Wiederholung von Gerhart Haupt­mannsElga", die am Sonntag abend aufgesührt wird stattsinden kann. Unter allen Umständen ausgeschlossen ist eine Wiederholung vonDonna Siana*, die am Mittwoch als Festvorstellung zu GroßherzogS Geburtstag gegeben wird, da mit dieser Aufführung ein Gastspiel verbunden ist.

Kunstverei n. Ein großer Teil der erst seit Sonntag ausgestellten Gemälde verbleibt nur noch einige Tage in der Ausstellung. Die Kollektion Oskar und Elise Gras- München ist nur noch 14 Tage ausgestellt. Ein baldiger Besuch der gegenwärtigen Ausstellung sei daher empfohlen.

"Ein hübsches Honorar. Per Humorist Otto Reutter hat für sein zweitägiges Gastspiel im Kolosseum die hübsche Summe von 1600 Mark erhalten.

* * Ein Nachspiel zum Falle Rothschild. Am 18. Dezember d. I. kommt vor der Strafkammer die Straf, fache gegen die beiden Vorstandsmitglieder der Darlehnskasse zu Ober-Mockstadt, Bürgermeister a. D. Mickel und den früheren Rechner Harth, beide von Ober-Mockstadt, sowie gegen den früheren Rechtsanwalt Ktarenaar von hier wegen Untreue zur Verhandlung. In der Sache handelt eS sich nm folgendes: Kurz vor dem Zusammenbriich des Bankier Roth- schild-Büdingen kam er nut Klarenaar nach Ober-Mockstadt. Hierbei veranlaßte R. die beiden angektagteu Vorstandsmit­glieder der Kasse ihm Papiere im Werte von 40 000 Mark auszuhändigen, obgleich R. nichts zu fordern hatte. Im Gegenteil war Rothschild der Kasse bedeutende Summen schuldig. Am selben Tage steht eine weitere Sache gegen Rechtsanwalt Klarcnaar wegen Unterschlagung an.

** Der Verband der DetaillistenVcreine im Großherzogtum Hessen hielt am Freitag in Frankfurt am.Main eine Ausschußsitzung ab. An Stelle des seitherigen Vorsitzenden Schwab-Darmstadt, der wegen Wegzuges von da den Vorsitz nicdergelegt, erstattete der 2. Vorsitzende, L upv-Darm­stadt, Bericht. Der Verband besteht etwa ein Jahr, zählt etwa tausend Mitglieder und hat vor allem feste Stützpunkte in den Städten Darmstadts Offenbach, Bensheim, Gießen, Fried­berg und Worms. Hieraus trat man in die Tagesordnung ein. Bezüglich des neuen Wahlstatuts der Handelskammer Darmstadt, das das Klassenwahlshstem nach den drei Erwerbsgruppen In­dustrie, Groß- und Kleinhandel, vorführt, wurde bestimmt, daß der Verband es den einzelnen Vereinen üeeriäßt, für oder gegen diesen Wahlmodus sich auszusprechen. Wegen des Hausier­handels strebt der Verband an, daß die im Gesetz vorgesehene Steuer nach^den einzelnen Branchen voll bezahlt und die Fest­setzung, des Satzes nicht den Stcuerbcamten willkürlich überlassen wird, somit die im Gesetz enthaltene Ausnahmebestimmung weg- sällt. Der Verband hoffte weiter, daß die Besteuerung der Filialen im 34. hessischen Landtag zum Gesetz erhoben, und eine solche für Waren h ä u s e r und Konsumvereine er­folgt. Das Verbot der Osfenhaltung der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen wünscht er baldigst beseitigt. Der Festlegung des Osterfestes auf einen bestimmten Tag steht der Verband günnia ge­genüber und hält den Sonntag vor dem 1. April für den geeig­netsten. Eine Regelung des Submifsionswesens wünscht de.

band bald in die Wege geleitet und begrüßte den Erlaß des Großh. Ministeriums Über Regelung der staatlichen Li.ferungen. Gegen eine Inseraten-, GaS - und elektrische Licht-Steuer sprach sich sodann der Verband aus, dagegen erachtet er die soge­nannten Tuchversandliäuscr als eine beöeuienüc Schädigung Der lokalen ©eidjäite und fordert zur Bekämpfung derselben aus. Zum Schluß wurde bestimmt, daß bet Verbandstag un März 190J in

Darmstadt abgehalten werden soll. (Wir find übrigens der An­sicht, daß der Verband, der auch die Förderung der wirtschaft­lichen Verhältnisse hessischer Geschäftsleute erstrebt, seine Ta­gungen sämtlich in Hessen und nicht in Franksurt haben sollte, denn böse Beispiele verderben gute Sitten. Red.)

Warn u n g. In letzter Zeit kamen wiederholt nachts Waschediebstähle in Hausgärten vor und zwar hat es den Anschein, als ob die gestohlenen Stücke zum Selbstgebrauch entwendet und so eine Ermittelung der Täter um so schwieriger ist. Wir können den Hausfrauen nur empfehlen, nachts keine Wäsche im Freien zu lassen.

* * Einbrüche. In verflossener Nacht wurde an einem Hause in der Kirchstraße ein Einbruch versucht, der Täter wurde aber gestört und ergriff die Flucht. Ec hatte bereits eine Fensterscheibe ausgeschnitten, als er bemerkt wurde. Auch am Güterbahnhofe wurde ein Einbruch begangen. Der Dieb hatte eine Fensterscheibe eingedrückt und war in den Bureauraum eingestiegen. Hier erbrach er eine Schublade, fand aber Geld nicht vor und so ließ er von weiteren Ver­suchen ab.

" Die Fleischbeschau im Großherzogtum Hessen. Im 3. Vierteljahr 1908 stellt sich die Zahl bei Schlachttiere, die im Großherzogtum Hessen der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: 203 Pferde und andere Einhufer (gegen 225 im 2. Vierteljahr), Ochsen 4702 (4218) Bullen 842 (488), Kühe 8898 (8579), Jungrinder 11491 (9174), Kalber 21 174 (22 792), Schweine 91 651 (79 541), Schafe 2758 (1991), Z-egen 2175 (10969).

* * Des Land mann es Arbeit. Freudig begrüßt bei Landmann die schon lange ersehnte feuchte Witterung. Die Aussaat der Winterfrucht machte bei der monatelang an­haltenden Trockenheit außerordentliche Schwierigkeiten. Der Boden war derart ausgetrocknet, daß die Zugtiere nur mit der allergrößten Anspannung ihrer Kräfte den Pflug durch die Schollen brachten. Nicht selten konnte man daher in Dietern Herbste mit einem Viergespann pflügen sehen. Das ausgesäete Korn steht allgemein sehr dünn. Ails ganz be­sonders trockenen Aeckern ist höchstens s/< dc§ Saatgutes auf­gegangen, doch hofft man, daß die übrigen Körner unversehrt im Boden ruhen und durch die Feuchtigkeit jetzt noch zum Keimen kommen. Der Weizen, der zur Entwicklung reichliche Feuchtigkeit nötig hat, wird erst in diesen Tagen der Erbe aiwertraut. Viele Stoppel- und Kleeäckcc liegen noch un­berührt da. Sie waren beim besten Willen nicht zu bear­beiten. Hoffentlich hält das milde Wetter noch einige Zeil an, damit diese Arbeiten noch vor Weihnachten zum Teil erledigt werden können und nicht alle bis zum Frühjahre liegen bleiben.

- 1. Lollar, 20. 91 ov. Wie verlautet, soll die An­stellung eines Pfarrassislentcn für die hiesige Ge­meinde, die zum Kirchspiel Kirchberg gehört, beabsichtigt sein. Die hiesige Bürg erg esellschast hielt am Donnerstag, 19. bS. MtS., abends, im Vereinslokalzur Germania* eine Versammlung ab, wobei u. a. der Beschluß gefaßt wurde, am 13. Februar n. I. ein Winterfest im größeren Stile abziihalten. Der Verein wird sich für die Folge auch mit Kommunal-Angelegenheiten befaffen. Leider war eine Be­sprechung darüber in der anberaumten Sitzung nicht mehr möglich, da wegen der Feie^abenbstunbe eine vollständige Er­schöpfung der Tagesordniing nicht ftattfinben konnte.

O Laubach, 20. Nov. Der im Sommer d. Js. ge­gründete-Verein für gesellige Unterhaltungen be­ginnt seine Tätigkeit am Sonntag, 29. b. MtS., durch ein Konzert. Welche lebhafte Anerkennung diese Bestrebungen gefunden haben, geht daraus hervor, daß für den Zweck be­reits nahe 600 Mk. gezeichnet wurden. Das an der Spitze stehende Komitee gedenkt drei Konzerte von auswärtigen Kräften und drei Vorlesungen abhalten zu lassen. Der 58 Jahre in Diensten stehende Schäfer Philipp Spuck, ber 22 Jahre in städtischen, die vorhergehenden 36 Jahre in Gräflichen Diensten znbrachte, hat, da sein Nachfolger un­brauchbar war, seinen Dienst wieder übernommen, den er trotz seiner 74 Jahre bis zum 1. April 1909 zu bekleiden gedenkt.

n. Lorba ch, 20. Nov. Heute morgen ereignete sich auf dem hiesigen fürstlichen Gutshof ein recht bedauerlicher Vorfall, dem ein in den besten Jahren stehendes Alen schenk eben zum Opfer siel. In der Scheuer war Die Dreschmaschine in vollem Gang, mehrere junge Männer waren mit dem Wegschaffen des Strohe? und dem An- und Abhängen der Getreidejäcke beschäftigt. Auf bis jetzt un­aufgeklärte Weise wohl durch einen TranZmissionsriemen wurde einem Arbeiter die zweizinkige Gabel den Händen entrissen, die beim Niederfallen den von hier gebürtigen Ver- waltcr W. Schäfer so unglücklich im Nacken traf, daß sie ihin da? Genick abstach. Der Tob trat auf der Stelle ein. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene, seit etwa 11 Jahren in Diensten des Gutspächters Kling stehend, ist 33 Jahre alt und unverheiratet. Er war ein Mcnjch von seltener Treue, der bei seinem Herrn in jeder Hinsicht unbegrenztes Vertrauen genoß. Seme Eltern und Geschwister verlieren an ihm eine kraftvolle Stütze.

h. Frankfurt a. M., 19. 91 ov. Hier wurde heute der Bahnarbeiter Heinrich E p p e l v e r h a s t e t, der im Jahre 1906 in Mannheim einen Einbruch in bas dortige Alt ertumS- museum verübte und alle Münzen im Werte von vielen taufenden 9)larE stahl. In seinem Besitz wurden noch 33 -Münzen vorgesunben, barunter eine im Werte von annähernd 1000 Mark. Den größten Teil der Münzen hat er in Frankfurt und Umgebung verkauft. Im Hause Berger­straße 284 wurde ein Mädchen ohne Arme und Beine geboren. Das Kmb ist vollkommen gesund und lebens­fähig. Die Eltern leben in sehr dürftigen Verhältnissen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Weickartshain bekleidet Att» bürgevmeifler Trueller feit 25 Jahren das Amt eines Orls- qerichtsvorslchers. U e b e r s a h r e n und schwer verletzt wurde am Bahnhof Büches der Fuhrmann Kaufmann.

Wiefecner Strafkammer.

)( G i c. 20 Nov. Großhändler und Gewichtsrevifiou.

Ein hiesiger jwiuiifant hatte sich gemtigert, die in seinem Be­triebe benutzten Maße und Gewichte ber polizeilichen Prü­fung zu unterwerfen, weshalb ihm ein auf 6 Mark Geldstrafe lautender Strafbefehl vom Amtsgericht zuging. Beim | Schöffengericht begründet er den von ihn erhobenen Einspruch damit, er »er Großhändler, habe keine Verkaufsstelle für den

öffentlichen Verkehr und könne er deshalb nicht inrter das Gesetz fallen. Er berief sich auch aut einen Erlaß des preußischen Handels­ministeriums, nach dem der Zwang polizeitechnischer Revisionen auf Großhändler nicht mehr angewendet werden soll. Das Schöffen­gericht wies den Einspruch mit der Begründung zurück, baß nach dem Strafgesetzbuch der strafbar sei, der sich sonst eine Verletzung der Vorschriften über Maße und GewickUe schuldig macht: auch verlangt die Gewichtsordnung für das Deutsche Reich, daß beim Wiegen im öffentlichen Verkehr nur nach Vorschrift des Gesetzes verfahren werden barf, wobei es dem Landesrecht überlassen ist, die Ausführungsvorschristen 3u regeln. Nach den hessischen Poli- zeivvrschriften hätte der Angeklagte die Revision dulden müssen, bn er im Kleinen an einen unbeschränkren Kundenkreis verkauft Ijat. Hierdurch ist ber Begriff der Oeffentlichkeit, wie auch ber des Kleinhandels gegeben. In her infolge seiner Berufung ge­pflogenen Strafkammerverhandiung liefe ber Angeklagte durch sei­nen Verteidiger geltend machen: von einem öffentlichen Verkauf könne nur dann die Rede fein, wenn ber Verkauf in einem offenen Laden ftattfinbet, ber Angeklagte habe aber keinen Laden, sondern nur einen Lagerraum, in dem der Versandt bewirkt wird. Wenn er auch kleinere Quantitäten an hiesige Handwerksmeister abgegeben hat, so könne von einem Kleinverkauf nicht geredet werden, ba in der Hauptsache nur Großbetrieb statt findet und er nicht an jeden beliebigen Waren aögibt. Der Vertreter ber Staatsanwaltschaft gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß das Gesetz zwischen Gro^- und Kleinhandel leinen Unterschied mache und ber Angeklagte trofebem strafvav wäre, wenn er auch keine kleinen Quantitäten abgegeben hätte. Die Strafkammer ging von <:cm Standpunkt aus, der Zweck des Gesetzes sei, die Käufer kleiner Quantitäten, die das Gewicht nicht kontrollieren, vor Schaden zu schützen. Sic war mit dem Schöffengericht einig, daß durch den ißerEauf kleinerer Quantitäten Maren an einen unbeschränkten Persvnenlreis, sowohl ber Begriff bcs Kleinhandels als auch ber bcs öffentlichen Verkehrs gegeben sei. Somit ist der An­geklagte verpflichtet, die Revision zu dulden und feine Berufung wurde z u r u cf g e io i e f e n.___________________________________________

Die Verlegung der Gesamt-Vahnhofr zu Friedberg.

Schon feit Jahren zeigen sich Die Bahitt-v.s^erhältnisse zu Friedberg bei dem stets wachsenden Verkehr, den nament­lich auch die beiden Welterauer Bahnen und die Homburger Babu brachten, als durchaus unzulänglich. Das abschüssige Bahnhofsgelände an der Ufa läßt eine lveitere Verbreite­rung des Personen- und Güterbahnhofs nicht zu. So ent­stand vor etwa fünf Jahren der Plan, den Bahnhof weiter ,üdtvärts gegenüber der Zuckerfabrik zu legen, wo die Ter­rainverhältnisse einer Neuaulage durchaus günstig sind, zu­mal hier die Ausdehnung nicht durch die Stadt gehindert wird. Schon damals begann die Eisenbaynverwaltung mit dem Ankauf des Geländes, um der Geländespekulation vor­zubeugen.

Die PlänesürBahn Hofsverlegung sind fertig­gestellt und haben im Rathaus zu Friedberg offen gelegen. Das großzügige Projekt hat fast allgemeinen Anklang ae- funden. Auch die Stadtvertretung hat ihre Freude darüber ausgesprochen und nur einige unbedeutende Wünsche an das Projekt geschlossen. Tas Gesamtgelände für den neuen Bahnhof umfaßt die Fläche ton 400 000 Quadratmeter; die größte Länge beträgt 1,<00 Meter, die größte Breite am Güterbahuhof 330, Meter, am Persvnenbahuhof 200 Meter. Die gesamte Anlage schließt sich westlich an Fauerbach an und erstreckt sich von der Brücke der Homburger Bahn über die Mainweserbahn bis zum jetzigen alten Bahnhofsgebäude. Der Güterbahuhof mit seinen Zufuhrstraften, Rampen-An- lagen und Schuppen stößt direkt an das Gräflich Solms- Rödelhcimsche Hofgut in Fauerbach, von dem er durch Straße, Tamm und Stützmauer getrennt ist. Mc 8 Güter­gleise und 9 Rangiergleise erstrecken sich bis zpr Zucker­fabrik. In das Gelände fallen in Fauerbach eine Feld- Scheune und drei Wohnhäuser an der Klausenstraße, wovon eines noch int Dau begriffen ist. Im Güterbahnhof wer­den an Hochbauten errichtet: ein neuer Maschinenschuppen, ein Wasserturm, ein elektrisches Werk und ein Uebernach- tungsgeoäude für das Güterpersonal. Ter Personen­bahnhof kommt auf Friedberger Seite gegenüber der Zuckerfabrik. Tie Verlängerung der Hanauerstrafee imd Bis­marckstraße, von der eine neue Straße, Wilhelmstraße, direkt auf das Empfangsgebäude stößt, verbinden Stadt und Per­sonenbahnhof. Tas Empfangsgebäude wird bedeutend größer als das jetzige, cs wird 50 Meter lang, 22 Meter breit, mit einem Vorbau von 22 Meter Länge und 6 Meter Breite. Daran schließen sich die Personcnunterführungen zu den fünf Bahnsteigen. Nördlich schliefet sich an das Einpfangsgedäude der Fürstenpavillon, Anlagen, Bahn- meifterbureau mit Wohnung und ein Uebernachtungs-Ge- bäude für das Personenzugspersonal, südlich wird der EU- güterschuppeu und das Postgcbäude errichtet. In das Ge­lände des Personenbahnhofs fallen die Gebäude der Gebrüder Ulrich, der Firma Mayer uno die alte Bahnmeisterei, welche entfernt werden müssen. Hier ist für später auch noch die Erbauung von 36 Wohnungen für Bahnbedienstete vor­gesehen. Die bestehende Wegunterführung an der Zucker­fabrik wird abgebrochen und durch eine mächtige Straßenunterführung von 175 Meter Länge, 15 Meter Breite und 5 Meter lichter Höhe ersetzt, sämtliche Güter- und Personenzüge werden darüber führen. Ver­schiedene Lichtschächte und weiße Ziegelverblendung der Wände sollen für gute Belichtung sorgen. Von hier führt eine 18 Meter breite Straße zum Personenbahnhof und eine 15 Meter breite Straße entlang der Zuckerfabrik zur Straße Friedberg-Assenheim. Tas jetzige Straßenviadukt an der Fauerbacher Straße muß 7,5 Meter verlängert werden.

Ter neu anzulegende Bahnhofsvorplatz foll von der be­stehenden Bismarckstraße zugänglich gemacht werden. Tiefe Straße muß die Stadt Friedberg auf ihre Kosten Herstellen. Das Empfangsgebäude soll ein imposantes Gebäude werden. In den Plänen ist auch bereits für später die Verlegung derStrecke Homburg Friedberg, sowie der zwei« aleisigc Ausbau vorgesehen. So haben die Pläne selbst für die Zukunft Vorsorge getroffen. Alles in allem genommen, kann man in Bezug auf das neue Bahnhofsprojekt sagen, daß es für Friedberg höchst günstige Verkehrsverhältnisse schaffen und der Stadt einen Bahnhof geben wird, wie ihn wohl kaum eine Stadt Deutschlands in ber Größe Friebbergs haben dürfte. Die Gesamtbaukosten des Bahnhofs belaufen sich auf 6,8 Millionen Mark.

Spenden für Radbod.

Tie vom Kronpiinzenpaar eingeletiete Sammlung hat bis heute 60OuO Mk. ergeben. Ter Großherzog von Baden fpendele 1000 2)lt, die Stadt Karlsruhe ebenfalls 1000'Mk., 'M ii n ft e t 2000, Esfen 5000 All. Der König vonIlalien hat für die verunglückten Italiener 10000 Lire überweisen lassen.

Die Sammlung des Gießener Anzeigers:

Bisher qmmerc: 1043. Pik., W. Si. o., ijabrilanl Rinn, Heuchelheim, 50., Ungenannt 1., W. ti>. 10., P. Zimmer 2, K. W. 1., H. '21. I. 2., Piarrer Fischer, gesammelt m der Ge­meinde Trohe, 11.55, Ungenannt 3., Krogmaim 10., H. 'M. 3., Ungenannt 10, Tr. M. 10., K. B. 1., Tr. Bernbeck 3., Wilh. Rudolvh 20., L. F. 1., Frau Th. H. 4., Lehrer Straub 3., Pro». Biichhold 5., C. (5. 3., Fritz A. 10., H. Z. 3., Pfarrer Kohler, 'Mufcheriheim, 3., gejainmelt vom Kinderlljch bet Dr. meb. Liebe'fchen HeilanstaltWalbhoj'-Elgershaujen, Kreis