Erstes Blatt
Samstag 21. November 1908
biä »-mÄA'iouh" Rot«tions?rui und Verlag der vrühl'schen Aul».-Vuch- und Lteindruuerei R. Lange, vedattlon, Lkpedilian und vrnckerei: Schnlstratze 7.
158. Jahrgang
vezagSvret J: monallich75V^ vierteljährlich Mt. 2.20; dlirch 3 Abhole- a. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; burd) die Post Mk. 2.—vlenel- jährt. ausjcht. Beilellg. Zeilenpreis: lokal 15'VU auswärts 20 Pieiung.
Beran« wörtlich für den oolilischen Teil, für .Feinlleion^ unb -Peniiijchles': Ernst zlnbedon, tut «Stadt u. Vanb“ und.Gerichts-
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General-Anzeiger für Oberhessen
Nr. 275
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Anzeiger Wiegen.
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Die heutige Nummer umfaßt 18 Selten.
politijdyc Lvocheuschau.
Gießen, 21. November.
Selbsttäuschung, wenn nicht noch lveit schlimmeres ist es, die dem deutschen Do'.ke jetzt einreden möchte, daß nach der Aussprache -Wischen dem Kaiser und denl Kanzler alles wieder in bester Ordnung sei. Eine etwas ruhigere Beurteilung, ja eine gewisse Klärung der Loge ist iehl allerdings wieder eingetreten, man weiß wenigstens, das; der Reichskanzler im Amte bleibt und daß im übrigen nicht viel mehr zu erwarten ist, als eben bloße Verspreche ungen. Das Verbleiben des Kanzlers im Amte gibt die Gc- wißhrit, daß unsere augenblickliche politische Stellung in der Welt nicht unnötigerweise noch weiter erschwert werden soll. Man dar) sich «sogar getrost der Hoffnung hingeben, daß die bitteren Erfahrungen der letzten Wochen nicht so bald vergessen sein werden und daß Fehler und Unachtsamkeiten, wie die vom Auswärtigen Amte verschuldeten nicht wieder Vorkommen. Ob wir über diese Errungenschaften hinaus noch ein besonderes Ministerverantwortlichkeitsgesetz oder sonstige feste Bürgschaften für die Stetigkeit der Reichspolitik unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit erhalten werden, das wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wenn der Reichstag sich noch einmal mit diesen Fragen beschäftigt. Man wird vielleicht entgegnen: an einem Kaiserworte dürfe man nicht drehn noch deuteln. Gewiß nicht. An den besten und ehrlichsten Absichten des Kaisers zweifelt ja auch niemand, aber damit diese Absichten auch zu einer gedeihlichen Wirkung kommen, dazu bedarf es eines unerschütterlichen Vertrauensverhältnisses zwischen der Krone und dem Volke, wie wir es in den letzten Jahren leider nicht gehabt haben. Der aufrichtig monarchisch gesinnte und kaisertreue Staatsbürger muß es leider immer wieder von neuem erleben, wie weit der Kaiser und das deutsche Volk von einer innerlichen Verständigung entfernt sind und wie fremd sie sich ost gegenüberstehen. Auch in den jüngstverflossenen Tagen ist es manchem nicht leicht geworden, ein Gefühl tiefer Bitterkeit zu unterdrücken, als er hörte, daß der Kaiser sich sorglosen Bergnüguimen hinge- geben habe, während die ganze Nation, von Scham und Schmerz durchzittert, sehnsüaicig auf ein erlösendes Wort aus dem Munde des Kaisers wartete. Lange, bange Tage vergingen, und der Kaiser ließ den Kanzler ohne Antwort aus seine dringenden Meldungen über die Vorgänge im Reichstage und die Stimmung des deutschen Volkes. So etwas trägt nicht dazu bei, den Fürsten und das Volk einander näher zu bringen. Man liest es in diesen Tagen, daß man vom Kaiser doch keine demütigende Erklärung habe erwarten dürfen, das würde doch nut der Kaiserwürde und dem An sehen des deutschen Reiches schlecht überein stimmen. DaS ist vollkommen richtig, und an so etwas wie einen Kanossagang des deutschen Kaisers hat auch kein Mensch gedacht. Aber ein freundliches Wort in dieser ernsten Zeit, und alle Herzen wären dem Kaiser zugeflogen, Kaiser und Voll hätten sich eins gefühlt und alle Schwierigkeiten wären leicht beseitigt. Die Erinnerung an das Bild des Kaisers mit der Unterschrift: Nemo mc impune laeessit! erregt in solchen Stunden nicht gerade srobe Empfindungen, aber es ist doch nicht gut, das Gefühl des Gerränktseins gar zu tief Wurzel fassen zu lassen. Es gibt für den Augenblul wichtigere Aufgaben, Aufgaben, an die das ganze deutsche Volk einig herantreten muß, wenn die Lösung gelingen soll. Darum soll man sich auch nicht der Hoffnung verschliefen, daß die Zeit der Mißverftändnisse und der Verstimmunaen zwischen dem deutschen Volke und seinem Kaiser vorüber gehen möge. Wenn die zunächst durchlebten schweren Tage der ersehnten und erwünschten Verständigung die Wege geebnet haben sollten, dann wird man sick schließlich nur freuen dürfen, daß alles so gekommen ist. Ter Kaiser beklagt sich darüber, daß er vom deutschen Volke verkannt werde, die eigentliche Schuld liegt aber wohl daran, daß unverantwortliche Ratgeber fort und fort bemüht gewesen sind, künstliche Schranken aufzurichten, zwischen dem Kaiser und der Nation. Tie Lektüre der ausgeklebten Zeitungsausschnitte scheint nicht die richtige Methode gewesen zu fein, den Kaiser über die wahren Strömungen im Volke zu unterrichten. Vollste Offenheit hierüber und der gute Wille auf beiden Seiten, sich zu verstehen, wird das beste Mittel fein, alle zukünftigen Mißverständnisse im Keime zu ersticken und einen dauernden. Zu stand des gegenseitigen Vertrauens l)erbeizuführen.
Ohne gegenseitiges Vertrauen und ohne guten Willen sind auch Ausgaben, wie die R e i ch s f i n a n z r e f o r m nid): zu lösen. J.n Reichstag hat jetzt die Beratung dieser schwie- rigen Frage begonnen, und wer hoffte und wünschte nicht, daß sie zu einem befriedigenden Abschluß kommen möchten.
Unserem Hessenlande und feinem F ü r st e u h a u f e ist hohe Freude wiederfahren durch die Geburt des zweiten Prinzen. Mit unserem Großherzoge, dessen 40. Geburtstag wir dieser Tage feiern werden, freut fick) das ganze Land über dieses Ereignis, das mit dazu beiträgt, vergangene trübe Zeiten vergessen zu madjeit.
Von den politischen Ereignissen des Auslandes verdient in erster Linie der Tod des Kaisers und der Kaiserin von China erwähnt zu werden. Man war anfänglich geneigt, diesen fast gleickizeitigen Tod des Schattentaifers und semer ener- gifchen Tante, der Kaiserin-Regentin, auf ein Verbrechen zurückzuführen. Das bewahrheitet sich aber nicht, es scheint tatsächlich ein eigenartiger Zufall gefügt zu haben, daß der Tod diese beiden fast gleichzeitig dahingerasst hat, die sich auf der Höhe des Thrones ihr Leben lang feindlich gegenüberstanden. Wie sich die Geschicke des Rie,enreicheS fortcut gestalten werden, an dessen Spitze ein zartes unmündiges Kind steht, wer mag das Voraussagen. Der neue Regent gilt inöejfen als eine sympathische und aufgeklärte Per,ön- nchkeit, die westlichen Reformen Eingang im Reiche ver
schaffen will. Die Ruhe im Lande ist bisher nid)t gestört worden, und man kann daher wohl annehmen, daß die Modernisierung Chinas auch fernerhin ungestört von statten gehen wird. Bei den gewaltigen Umwälzungen un.erer Toge auf geistigem, kulturellem und politischem Gebiete läßt sich eine fort» fchriltliche Entwickelung natürlich auch von China nicht dauernd sernhalten. Die Sorge unsrer Diplomaten und Staatsmänner muß es nur fein, darüber zu wachen, daß diese Entwickelung nicht Bahnen einschlägt, die eine Gefährdung der heutigen Kulturwelt bedeuten.
Fast scheint es, als wenn die europäische Diplomatie im nahen Orient auf diesen wichtigen Punkt nicht genügend Wert gelegt hätte. Dian hat gar zu lange über den „kraulen Mann" am Bosporus gefp^ttett und es darüber verabsäumt, die Entwickelung der Dinge genau zu verfolgen. Nur so hat eS geschehen können, daß wir im nahen Orient urplötzlich Verwickelungen gegenüber stehen, deren Lösung von Tag zu Tage schwerer wird. Zur Zeit weiß offenbar lein Mensch io recht, was aus dem Balkan vorgeht. Verhandlungen ,ind anfzeknüpft worden, aber man hört von Rüstungen und Kriegsdrohungen, von eigenartigen Bündnissen und anderem mehr. Sieue Ueberraschungen auf dem Balkan find fast mehr als wahrscheinlich. E. A.
Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 20. Nov.
Das Crnbevunglück auf der Zeche Radbod.
Nur auf wenige Tage, und wahrscheinlich nickst über den Sonnabend hinaus, ist die zweite preußische Kammer wieder zusammengelrcten: Das furchtbare Grubenunglück aus Zeche Rad- vod hat den Präsidenten veranlaßt, früher, als mans ursprünglich für notwendig hielt, das Hohe Haus zusammen zu rufen, lind mag auch manchem Volksvertreter die Ladung zu dieser kurzen Tagung eine unwillkommene Unterbrechung des mühsamen Eindringens in die labyrinthischen Gänge des preußischen Bc- soldungsresormgesetzcs bedeutet haben, die breite Oesfcntlichkeit wird es Jordan v. Kröckcr Dank wissen, daß er für eine schleunige Erörterung der das ganze Volk beschäftigenden Frage nach den Ursachen der Hammer Katastrophe durch die preußische Volksvertretung sorgte. Und selbst wenn, wie kundige Thebaner raunen, nicht solvohl die Rücksicht auf die Beunruhigung der Oessentlichkeit als vielmehr die Rücksicht auf die angekünmgle Reichstagsdevatte über das gleiche Thema es war, was am letzten Ende den Präsidenten veranlaßte, den Vollsbotcn £;<£ Signal zum Sammeln $u geben, auch bann wird man es willkommen heißen- daß für Die dringend notwendige Erörterung vor dem Forum des Parlaments schleunigst Gelegenheit geboten wurde. Mit Befriedigung darf man seststellen, daß diefc Aussprache ihrem Zweck, Beruhigung zu schassen und die Aussicht auf vollkommenere Abwehrmaßregeln gegen sriche Katastrophen zu begründen, schon am ersten Tage gerecht geworden ist. Trotz der Versuche des sozialdemokratischen Redners, aus diesem, die ganze d.uiiche Wclt erschütternden Unglück parteipolitisches Kapital zu sckstagen, ist der Gesamteindruck der Erörterung der: In sachlicher Verhandlung werden Regierung und Volksvertretung Mittel unb Wege ausfindig machen, um unglückliche Zufälligkci.en aus dem Berg- werksoetriebe auszujchalten, soweit dies in Menschen Kräften steht. Dafür gibt die Art, wie der Handelsminister, und die Art, wie die Sprache der bürgerlichen Parteien die Frage behandelten, ausreichende Bürgschaft. Nickst daß Herr Delbrück auf die kurze, aber inhaltreiche Begründung der Zentrumsinterpellation durch den Frhrn. v. T w i d c l mit der rhetorischen Eleganz, und mit dem glänzenden Dispositionstalent geantwortet hätte, das man sonst an diesem Minister zu bewundern Gelegenheit hat. Aber man gewann die Ueberzeugung: Dieser Minister ist ehrlich bestrebt, die Mängel und Schäden, an denen der Bergwerksbetrieb krankt, gründlich zu heilen, und er wird dieses Bestreben zu verwirklichen wissen. DaZ Bekenntnis deS Ministers für die Notwendigkeit umfangreicher Resormmaßnahmen, seine Ankündigung einer dahinzielendcn Vorlage beeinflußten die Reden der Vertreter der bürgerlicken Parteien ganz unzweideutig: Die Ausführungen der Herren Krause-Waldenburg (Kons.), Eickhoff (srs. Vpt.), Schulze-Pelkum (frks.) und Dr. Friedas r g (ntl.) gipfelten samt und sonders in einem Vertrauensvotum für Herrn Delbrück. Keinem von Liebedienerei unb Schmeichlergesinnung erzeugten, sonbern einem voll verdienten. Und Herr Seiner!, der namens der Sozialdemokraten nicht nur die Regierung, sondern auch die Zechenverwaltung heftig angriff, fand für seine Darlegungen nirgends Gegenliebe als bei feinen Freunden und — Herrn Korsanty, bern Berg- werkssachverständigen der Polen, die offenbar auch dies namenlose Unglück für ihre Agitation unter den oberschlesischen Bergleuten auSzubcuten willens sind. — Morgen geht die Debalte weiter — u. a. steht auch Herr Korfanty auf der Rednerliste . . .
Die Geburt des zweiten hcffenpiinzsn.
Die gestern in den Mittagsstunden schnell im ganzen Land bekannt gewordene Nachricht von der glücklichen Geburt eines zweiten Sohnes unseres Großherzogspaars hat in ganz Hessen lebhaste Freude hervorgerusen, die sich vor allem in zahlreichen Glückwunschtelegrammen an die glücklichen Eltern äußerte. Hier in Gießen legten die öffentlichen Gebäude alsbald Flaggen schmuck an und in der Bürgerschaft wurde das freudige Ereignis alsbald eifrig erörtert. Don dem lebhaften Depeschemvechsel zwischen Gießen und Darmstadt fei folgendes mitgeteilt. Auf die vom Pro- vinzialauSfchuß und Provinzialtag überfandten Glückwünsche der Provinz Oberhessen erhielt Provinzialdircktor Geheime- vat Dr. Breidert gestern mittag folgendes Telegramm:
„Ucbermitteln Sie bitte der Großherzogin und meinen herzlichsten Dank für die freundlichen Glückwünsche.
Ernst Ludwig."
Der Glückwunsch der Stadt Gießen hatte folgenden Wortlaut:
An Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin, Darmstadt.
Tie 9iad)rtd)t von uer glücklichen Geburt des ziveueu Prinzen har in der Burgerfcha'l Gießens die kenDigfie Au'nahme geuinden.
Ew. Königlichen Hoheiten geflalte ich nur, namens der otaöi Gießen die bestell Glück- und Segeuswünjche ehrfurchtsvoll zu uuleibreuen.
Meeum, Oberbürgermeister.
Die alsbald angegangene Antwort lautet: Oberbürgermeister Mec»un, Gießen.
Der Bürgerschaft Gießens dcrzlichen Tank auch von der Groß- herzogin. Ernst ü u b iu i g.
Don Darmstadt wird uns noch geschrieben:
Die glückliche Geburt des zweiten Prinzen in unserem Fürstenl)ause nnirbe in der Residenz mit all,eiliger Freude begrüßt. Man zählte mit Spannung die :oeithin hörbaren Salutschüsse, die von der 1. Batterie des 2ö. Artilleriekorps au, dem Exerzierplatz abgefeuert wurden und als nach den ersten 21 Schüssen nach kurzer Pause der 22. Schuß erdröhnte, stieg der Jabel, nxil nach altem Brauch die Geburt einer Prinze,,in mit 21, die eines Prinzen aber mit 101 Schüssen verbündet wird. Sofort wuroe jn allen Schulen der Stadt der Unterricht geschloffen und alle öffentlichen und zahlreiche Privatgebüude hißten die Fahnen. Bald darauf begann auch der Reigen der Gratulanten nach dem Refidenzschloß, wo der Graß Herzog die Glückwünsche Der Minister Dr. Ewald, Tr. Gnauth und Dr. Braun, des Bürgermeisters Dr. Glässing u. a. entgegennahm. Im neuen Palais wurden zahlreiche kostbare Biumenfpenden abgegeben und im Laufe des Tages trafen Glückwunschtelegramme vom Kaiser, dem Zaren paar, Prinz und Prinzessin Heinrich und den übrigen Verwandten, sowie zahlreichen anderen Fürstlichkeiten ein. Da das freudige CrcigniS erst in 4 Wochen erwartet wurde, war auch noch keine kirchliche Fürbitte erlassen worden. Dafür wurde heut sofort vam Großh. Oberkonfistorium für nächsten Sonntag in allen K.rchen des Landes ein öffentliches Dank- gebet angcordnct. Nach einem am Abend ausgegebenen Bulletin ist das Befinden der hohen Wöchnerin und des gefunden kräftigen Prinzen andauernd gut
Aus Stadt und Land.
Gleßcn, 21. November 1908.
Totensonntag.
Nur das Leben ist dem Menschen begreiflich — vor dem Tode steht er wie vor einem unergründlichen, bedeutsamen Rätsel, das er nicht tzu lösen, nicht zu fas,'en vermag. Aber das Leben ist ungestüm und weit und wild — es tollt und tobt dahin auf feinen Wegen und jagt über die Toten und über biu Gräber — ohne Aufenthalt, ohne Besinnen. Einmal nur im Jahre macht es halt vor dem Tode. Aus herbstlichen Wegen geht es gesenkten Hauptes nach den Orten, die uns heilig sind, die manches Menschen ganzes Glück umschließen. Blumen und Kränze häuft es auf die stillen Hügel, und der Wind fegt darüber hin und zerzaust die Schleifen und entblättert die Blumen — eine nach der anderen. Am Feste der Toten. Es ist einer der wenigen Ruhepunkte in unserem rastlos jagenden Leben, ein Tag stillen He denkens; herb und ernst wie nur wenig andere Tage im J.ihre. Wehmütig steigen die Bilder vergangener Tage herauf und irren mit weyen Schauern vorüber. Die Toten find bei uns zu Gaste geladen und all unser Fühlen und all unser Denken gehört ihnen an diesem Tage, der ein Tag des Friedens und der Buße ist. — Der Tag soll aber nicht nur den "Toten geweiht sein — erst recht den Lebenden, denn wie bald können sie Tote sein, und feine Reue unb feine Klage macht sie wieder lebendig. Das Fest der Toten soll uns daran erinnern, daß wir nicht nur Menschen >ind, sondern auch daran, daß wir nur Menseben sind mit Fehlern und Narben und Schäden, und daß jeder der Vergebung bedarf und der Verzeihung seiner Mitmenschen, diib wie sind wir voll Dün.el und voll Ueberhebung. Wie- vicle der armen verunglückten Bergarbeiter von Radbod haben vielleicht in Verstimmung und Groll ihr Heim verlassen, der Zukunft die Versöhnung überlassend. — Da kam der Tod. Grausig und erschütternd ist dieser Gedanke: ohne Hoffnung eingeschlossen in den brennenden Stollen, dem Too unentrinnbar gcgenübergestellt — und langsam, ganz langsam, Schritt um Schritt sterben in den Qualen der Verzweiflung. — Unb wer morgen an ben" Gräbern seiner Sieben steht, der möge auch des harten Geschickes der Bergleute von Radbod gedenken und des Elendes der armen Hinterbliebenen, die mitten aus der Freude des Sebens heraus in die fürchterliche Trauer des Todes versetzt worden. Denn der Tag der Toten ist auch ein Tag des Mitleides und des Erbarmens. —h.
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** Tageskalender. Stadttheater: Sonntag abend ?i/2 Uhr: Elga.
Kolojseum: Täglich Vorstellung.
Kinematograph: Programmwechsel.
K a i s e r p a n o r a m a: Programmwechsel. (Reise zu den Indianern Südamerikas).
Universitätsbibliothek: Ständige Ausstellung von Handschriften, alten Drucken usw.
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Lü. Landesuniversität. Der ordentl. Profeffor deS Sanskrit und der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft Dr. Christian Bartholomae, derzeit Rikior der Landesunioersität, hat einen Ruf an bie Universität Straßburg erhalten.
" LandwirtschastSkehrer. S. K. H. der Groß- herzog Haden Dr. Adolf Munzinger zum zweiten Land- wlrtfchaftslehrer an der landw. Winterschule zu WormS, den Tr. Vogeley zum zweiten Landwirifchaftslehrer an der landw. Wmterschule Alzey und Dr. H. 2)1 at) zum zweiten Landwirtschastslehrer an dec landw. Winterschule Michelslabt ernannt
" Bahnpersonalien. S K. H. der Großherzog haben den Eifenbahnbauinspektoc und Vorstand einer iMaschineninsprition in der Hefsifch-Preußnchcn Eisenbahn- gememschafl, RegiecungZ. unb Baurat Henry Jordan zu Mainz auf fein Nachfuchen aus dem Staatsdienst entlassen.


