Ausgabe 
21.11.1908 Zweites Blatt
 
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Wetzlar, 5., ftram Bette 10 Mk., Verein Städtischer Beamten, Gienen, 50.-, Dr. St. 3., W. Bi. 3.-, L. 9JL 2.-, M. F. 5.-, A. K. 5., Klasse 5c der Städtischen Mädchenschule 8.10. Zu- sam>nen 1308.65 Mk.

Dermi totes»

In der gestrigen Landiagssigung der 2. sächsischen Kammer erklärte der Präsident Dr. Mehnert die Bieldung, daß der am Dienstag verstorbene nationalliberale Reichs- tagSabgeordnete Oberstudienrat Professor Dr. Rühlmann Selbstmord verübt habe, als unwahr. Rühlmann sei einem Nierenleiden zum Opfer gefallen.

* Zwei famose Zollstückchen hat nach der Allg. Fl- Ztg. ein französisches Genie erdacht und ausgeführt. Er gab in Calais zwei Kisten Sandschuhe auf, die eine nach London, die andere nach Edingburgh: natürlich unter Angabe fiktiver Adressaten. Tie Sendung traf in London ein, wurde natürlich nicht ausgelost, und als man die Kiste öffnete, sand man in derselben lauter linke Landschuhe. Kurz darauf stellte ein unbekannter Liebhaber von linken Handsckstihen ein Kaufangebot und das Offert, welches allerdings nur die Fracht deckte, wurde mit Vergnügen akzeptiert. Dieselbe Kvmödie wiederholte sich in Edingburah, nur fanb man dort lauter rechte Landschuhe in der unlxst-llbaren Zbiste. Das Ende des köstlichen Schmuggels war, wie in jeder Komödie, eskriegten" sich auch hier die rich­tigen Paare. Der zweite Fall spielt in Stuhlweissenüurg. In der dortigen Bahnstation langte eine grosse Sendung franzö­sischen KDgiraks an, welche, da der Adressat nicht zu finden war, versteigert wurde. Da die Sendung die Marke der Firma Martell trug, brachte die Feilbietung einen sehr bedeutenden Erlös, welchen ein paar Tage später ein Unbekannter, der sich aber als Besitzer des Ausgabo-Rczepisses legitimierte, und die aufgelaufene Lager- miete bezahlte, richtig erhob. Die Käufer desMartell-Kvgnals" fanden alsbald, dass sie auf schmähliche Weise betrogen seien, denn ihr Kognak war der gemeinste Fusel.

* Auchein Grund. (Vor Gericht.) Richter (zum Gauner): Warum arbeiten Sie nicht?!" Gauner:Ich war vor acht­zehn Jahren bei einem Doktor, der hatte mir das Arbeiten untersagt!" Richter: . Und da sollen Sie heute noch

nicht arbeiten?" Gauner:Ja, seit damals bin ich nicht wieder bei dem Doktor gewesen!"

Kleine Tageschronik.

Nach verschiedenen ernsten italienischen Blättern, ist die Heirat beS Herzogs der Abruzzen mit M i ß Ellins sicherer denn je. Zuvor werde der Herzog jedoch eine neue Wissenschaft- lichc Forschungsreise unternehmen.

Grai Rhena, der Sohn des verstorbenen Prinzen Karl von Baden, ist infolge eines UnglücksfolleS plötzlich in Bern geworben.

In Neumarkt in Bayerir ist einer der l e h t e n Vete­ranen von 1849, der 86jährige Pfründner Rößler ge- st o r b e ii.

Auf der Zeche Mörlenbach bei Metz wurden durch schlagende Wetter vier Mann verletzt, darunter einer t 3 t l i ch.

In Varel (Oldenburg) herrscht große Wassernot. Ter Mangel ist auf das Fehlen einer Wasserleitung zurück- zulühren.

(ßericbtsiaaL

ss Marburg» 20. Nov. Tie Strafkammer vernrtellte heute einen Gerichtsdiener, der einen seiner Obhut anver- trauten Gelungenen hat entweichen lassen, zu 10 Alk. Geldstrafe.

Spldplan Oes Neuen Siebener Liadttheaters.

Sonntag den 22. Nov., abends 7% Uhr: ,Elga." Drama von Gerhart Hauptmann. Ende gegen 9 Uhr. Dienstag den 23 Nov., abends 8 Uhr: 7. Diensiag-Aboimement-Vorstellung: Tie berühmte Fran/ Ende 10l/4 Uhr. Mittwoch den 25. Novbr., abends 7 Uhr: Zn Großherzogs Geburtstag: Gastspiel von Herrn Löffler vom Kgl. Hostheater in Wiesbaden:Donna Diana/ Lust­spiel in 5 Akten von Morelo. Freitag den 27. Novbr., abends b Uhr: BolksvorsteUung:Im weißen Rößl." Hierauf:Als ich roieberfain." Ende.11 Uhr.

Giessener Wetterdienst.

voraussichtliche Witterung für Hcsieu am Sonntag den 52. November: Zunächst Abkühlung, Regen- und Schneeschauer, später wieder stärkere Trübung, Erwärmung und Regeniälle. Nördliche, später westliche Winde.

Schneebericht des Skiklub Wandervogel vermittelt vom Landwirtscha'Uichen Wetterdienst in Gießen. Flachland und Mittelgebirge wieder febneeirei.

Cingdanöt

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.)

Tie Berechtigung der technische» Arbeitzweige zur Handels- kammerwahl.

Man schreibt uns:

Es ist idxm wiederholt an dieser Stelle über den Wert der technischen Arbeit im Wirtschaftsgebiete Giessens gesprochen wor­den. Tock immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß für die technischen Industrien Giessens eine genügende Vertretung in die Handelskammer vorhanden sein muss.

Die in der Oesfentlichkeit Giessens nur bescheiden bekannte Größe der heimatlichen technischen Arbeitszweige hat in den letzten Jahren eine Umsatzzifser erlangt, die ielyr wohl eine verstärkte Vertretung in der Handelskammer wünschens.vert erscheinen lässt.

Am besten reden in dieiem Punkte die Zifsernhöhen.

Der, in Giessen, nicht uiuebcutenbe zbohlenhandel erlangte in letzten Jahren einen Umsatz von ungefähr 1 Million Mark, die Äftmkindustrie einen solu)nu von 5 Millionen Mark, dagegen die technisck>en Arbeitszweige einen Umsatz von über zwölf Mil­lionen Mark

Wenn man die Löhe dieser Werte ins Auge fasst, tritt recht deutlich das Recht, aber auch die Pflicht zur Sktätigung am öffentlichen Leben hervor.

Die techngchen wr.,ei szweige haben in diesem Punkte eine Ersckjeinungspflicht, welche in der Gesundheit ihres Aroeitswertes cm Wesen der Volkswirtsch.-'t beruht.

Sämtliche technische:: i.Jt.iCH , nd Werterzeugende Arbeits­zweige -qnb liefern hierdurch die Existenzmittel für tausende von Familien im Stadt- und Landkreis Giessen. Sie schaffen in ihrer Eigenart für sichere, den Wirtschaftskrisen nid>t ausschlaggeoeud angehörenden Einnahmequellen, und bilden somit ein ungemein wichtiges Bindeglied zwischen den lanowirtschaftlichen Betrieben und denen des Handels.

Turck) das weitere Aufblühen dieser Industrien wird die Zahl der Konsumenten erweitert und gibt dem Handel Gelegen­heit zur Tätigkeit. Wie wahr diese Anssckft ist, zeigt sich in dem Ansturm der Geschäftsreisenden in dem hiesigen Bezirk. Firmen, die sonst nicht in - Oberyesseu ihren bep/nberen Absatzmarkt er­blickten, legen beute einen großen Wert auf eine energ.schere Be­arbeitung dieser Gegend. Tie Gleichrnüssigfoit in biejem Absatz­gebiete wird von allen anerkannt und zugleich von allen die Wahrnehmung einer sich nicht übereilenden, aber gesund steigen­den Verbrauchs-Ziffer.

Will man diese Verbrauchswerte erhöhen, bann schaffe man der technischen Industrie Gelegenl-eit, iljre Interessen auf dem direktesten Wege wahr nehmen zu können, und das wäre eine zweckentsprechend und starke Vertretung in der Handelskammer. Die Interessen dieser Industrien sind sehr weitgehende und durch ihre Bestimmungswerte geeignet, auf lange Zeit, weit über Deutsch­lands Grenzen hinaus, Absatzgebiete zu behaupten und noch neue dazu zu erwerben. Der Grad der Sicherheft spielt hierbei im volkswirtschaftlichen Sinne eine nicht zu unterschätzende Rolle und sollte den Wahlberechtigten zur Handelskammer bei der Auf­stellung der Kandidaten zum Fingerzeig dienen. Das Vordrängen der eigenen Person ist nicht Jedermanns Sache und viele der Besten haben sich erst selbst entdeckt, nachdem Andere sie gefunden und erkoren haben.

Wenn nun die berufenen Vertreter eines grauen verles der technischen Industrie Gießens infolge ihrer persönlichen Bescheiden­heit nicht zur öffentlichen Betätigung an die Handelskammerwahl berantreten, was hindert dem Allgemeininteresse, hier verbessernd einjugreifin. Es liegt eine absolute Notwendigkeit vor in dem Weitblicke für gedeihliche Entwickelung der Stadt Gießen und der Provinz Oberhessen, daß die technische Arbeit eine sacktgemäße Vertretung, Sitz und Stimme in der Handelskammer erhält, und werden zu diesem Zwecke außer dem Bcrgwerksdirektor Münker, Kommerzienrat L. Heyligenstaedt und Kommerzienrat H. Schassstaedt benamt. Es ist nicht genug, daß wir die Werte schassenden Arbeitsz-weige dieser Herren als Einnahme­quellen besitzen, cs ist nocwenoil, diesen ein großes Feld ir ei er Betätigung zu schaffen, das geeignet erscheint, der Wohlfahrt unserer Gegend dauernden Segen zuzufühven.

(Drighial*Dral?tinclOun$cn.

Berlin, 21. Nov. (Privattel.). Zum Prozeß Ruhland B i e v m e r sei and dein Urteil weiter mitgeteiü, daß die Urteils­

begründung von absolut erbrachtem Wahrheitsbeweis spricht und annimmt, daß hinter Abg. Köhler -Langsdorf bei dem Antrag in der 2. Karniner Professor Rußland gestanden hat. Die Verteidiger Prof. RulstandS halten ein Jahr ® e f ä n g n i 5 und öie sofortige Verhaftung Prof. BiermerS d), sowie 600 Mk. Buße beantragt. Tas Urteil erklärte jedoch den Ange» klagten straffrei.

Hamm, 21. Nov. Die Bergwerksgesellschaft Trier verössentlicht die Perluslliste mit 341 Namen. 260 davon sind Deutsche, 31 Ausländer. Bei der hiesigen Sammelstelle sind 100 000 Mk. cingegangcn. Jin Kranken­haus ist ein Schwerverletzter gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der ihren Verlegungen Erlegenen auf 5.

R o m, 21. Nov. Dic letzten Raa, rich.cn aus Sizilien und Calabrien laufen überaus trostlos. Tie Eisenbahn­linie Reggio-Sanlanzaro ist an mehreren S.ellen durch Erdrutsch zerstört. Die Verbindung mit der gesamten Unt^u g arejJoj ist uiucrvro..,cn. I. Etzi.ro drang das klafter in den u^ra-oo, uno viere wurden sortge-

schwemmt. J.t der Prorinz Ccftaiw lucrben uO Personen als vcrichivu.tden gemeldet.

Paris, 21. November. Echo de Puris meldet aus Tanger: Die Ucbccreichung des s pa ntjcheu Ordcns Ponr le Msrite an Den General d'Amude hat Anlaß zu einer neuen iiunbgcbung Deutschlands gegeben. Der deutsche Konsul weigerte sich, der Feier bcizumvhnen, an der sich alle Mitglieder des Konsulat-Korps beicilißtcn.

ToUIvn, 21. Ava. 2,ic Lage u e gebrandeten Kreuzers Eondv ist auDaucrno kritisch. Es heißt, die spitze des Feliens sei in das Innere des Schissxs etnge- Drunßcu. Tie Flöttmachungsaroe.ten werden durch hohen Seegang sehr erschwert.

London, 21. Nov.Daily Telegraph" meldet auS Konstantinopel, die serbische Mission habe keinerlei Abkommen nut der Türkei bezüglich einer Allianz getroffen. Die Mission sei vollständig gescheitert.

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Wilbelmstraße zwischen Ludwig- und Ebelstraße .

Gießen, den 19. November 1908.

GroßherzogUche Bürgermeisterei.

Atecum.

Bergstraße..................

Bismarckstraße

Bleichstraße..................

Bruchstraße..................

Dreibäufergasso ......

Ebeliiraße..................

Gartenstraße' zwischen Ludwigstr. u. Schiffenberg. Weg Goetbestraße.................

Gutenbergstraße - Hessenstraße ...........

JohanneSstrahe Kavlansgasse ............

.Katharinengaffe LieÄgftrave zwischen Ludwig- und Querstraße . . . .......... Lonystraße Ludwigstrage ........ 'Neuenweg Plockstraße . - - Riegelpsad (unterer) Schiffenberger Weg ..................

Südanlage Zwischen Garten- und Bleichstraße. . . -

Bekanntmachung.

Wir haben aus Zweckmäßigkeitsgründen die Anordnung ge­troffen. das; vom 1. Dezember ds. Js. ab die Abfuhr des Hauö- kehrichtS in den nachfolgenden Straßen am Montag, Mittwoch und J-rcitag zu den beigesetzten Zelten erfolgt.

LiksernU von MlziUterilllien.

Im Jahre 1909 werden zum Walzen der Kreisstraßen des 51 reifes Gießen 7500 cbm Vasaltkleiufchlag und 2000 cbm Bindematerial erforderlich. Die Angebots­unterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten (Landgraf Phftipp-Platz Zimmer Nr. 20) zur Ginsicht der Bewerber offen. Daselbst können Angebote bis zum 10. Dezember d. Js. abgegeben werden.

Giessen, den 21. sJloDcinbcr 1908.

Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

J.V.: Kalbfleisch. B*/»

Ersfttafsige, gut eingeführte Venicherungs^Gesellschaft l.Uniakl-

Haftpsticht-, Elnbr.-Diebst.) sucht für Gießen und Umgegend rührigen

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NeublUl der Zrren-AHalt bei Giessen.

Auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 werden die nachstehend angegebenen

Glaserarbeiten

in zwei Losen getrennt, zur Vergebung ausgeschrieben.

Los I.: ca. 51 qm Elchenholzfenster mit Verglasung und Beschlag

Los II. ca. 55 qm Eichenholzfenster mit Verglasung und Beschlag

ES kann auf ein oder beide Lose zusammen angeboten werden. Zeichnungen und Verdingungsunterlagen können auf unserem Bauburean, Licherstraße, eingesehen werden, woselbst auch die Angebotsfornmlare, ohne Zeichnlmgen, so lange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben werden.

Die Angebote müssen nach Losen getrennt, in beson­deren Umschlägen verschlossen und mit entsprechender Auf­schrift versehen, porto- und bestellgeldfrei bis spätestens zum Eröffnungstermin am

21. Tezcmder 1908, vormittags 11 Uhr

an uns gelangen.

Zuschlagsfrist vier Wochen.

Gießen, den 18. November 1908.

Großh. Hochbcmamt Gießen Neubaublireau Irrenanstalt.

J.V.: Schön. (B/

Zum baldigen Eintritt wird em verheirateter

mittleren Alters für bauemb gesucht.

Offerten mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften über bis­herige Tätigkeit fmb unter 6690 an die Geschäftsstelle beS Gießener Anzeigers zu richtem ______

Nesiaurmtt zum Löowerr.

(Reneuweg)

Samstag, den 21. November

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Jsartaler.

Zum Vortrag gelangen Original-Kompositionen von TLomaS

Koicbat. Auftreten in 'JianonQltuftüniciL

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Angebote erbeten unter 6720 an die Geschäfts­stelle des Giessener Anzeigers.