'ovjevibe Tatbestand doch Nicht, wenn wir auch in der Kommsipon leider, zum Teil durch die Schuld des Zentrums, nicht mehr erreicht haben; aber in Zukunft wird die bloße Achtung-?- und Ehrverletzung, z. B. das Sitzenbleiben bei einem Hoch nicht bestraft werden können, sondern nur die Ehrverletzung im strengen Wortsinne, die Häufung der subjektiven Momente: Absicht der Ehrvcr. letzung, Böswilligkeit, d. b. die boshafte Freude des Täters an der Handlung, und drittens die reifliche Ileberlegung wird, wenn nicht eine vollkommene Erkennung der ?lbsichten der gesetzgebenden Faktoren eintritt, in Zukunft die Majestätsbeleidigungen auf ein Minimum reduzieren.
Auf den geschmacklosen Schandsäulen-Artikel will ich nicht eingehen. Ich weiß nicht, ob Heines Vorwurf gegen die „Hartungsche Zeitung" richtig ist; ich bezweifle es, daß sie denunziert hat. Aber auch ich muß doch sagen, daß historische Majcstätsbeleidigungspro- zesie oft sehr gefährlich sind. Man soll da sehr vorsichtig sein mit der Verfolgung, sonst wird leicht das Odium des politischen, des parteiischen in die Judikatur gebracht. Selbst die Japaner haben 1903 die Bestrafung der Verletzung des 9lhnenkultus aus ihrem Strafgesetzbuch herausgebracht. Die Hauptsache ist nicht die Wortfassung, sondern eine verständige Abivendung durch Richter und Staatsanwälte. Daher begrüße ich die Erklärung des Staatssekretärs. Ich hoffe, daß auch außerhalb des Hauses die Staatsanwälte seine Auffassung beachten werden. In der Kommission hat der Staatssekretär an da? Anstandsgcfühl des Publikums appelliert. Gewiß, das Volk ehrt sich selbst, wenn es den Träger der Staatsgewalt, der Staatsidec, ehrt. Wer den König beleidigt, beleidigt den Staat. Das ist die englische Rechtsaufrasning, der Volksspiegel, in dem sich die hohe, Achtung vor der Königswürde spiegelt, deren Träger sich ehrlich bemüht, in den Kampf der Meinungen nickt einzutreten. (Hört! hört! bei den Soz.) Hätten wir eine ähnliche Kautsckukbestimmung wie in England, jedes Jahr würden Zehntausende verurteilt werden. Daß in England seit einer Generation keine Majestätsbeleidigung mehr verfolgt worden ist, das ist die Folge der weiteren Freiheit in der Meimmgsäußerung, die man dem englischen Volk zugesteht.
Das Volk denkt in England so monarchisch, weil man ckm Vertrauen sckenkt. Wir sollten von England lernen. Je weniger Masestätsbeleidigungsverfolgungen, desto höher das Ansehen der Majestät selbst. Man erziehe das.Volk zur größeren politischen Reife durch vernünftige politische Freiheit. Ern kleiner Schritt in dieser Richtung ist die Vorlage, deshalb nehmen wir sie auch ohne Aenderung an, hoffen aber, daß bei der recht baldigen Revision des Strafgesetzbuches diese Freiheit noch ganz bedeutend erweitert wird. (Beifall.)
Abg. Wcllstein (Ztr.): 1897 hatte die Sozialdemokratie auck die Au Hebung der Masestatsbeleidimingsparagraphen beantragt. Damals begründete das Bebel hauptsächlich ans der P'vckologie der Majestätsbeleidigungsprozesse, die zu einem Teil durch Denunziationen hervorgerufen würden. Die falsche Handhabung, die Auslegung der Paragraphen sei bie Hauptveranlaffung der Klage. Heine hat im Grunde genommen heute nichts anderes ausein- andergesetzt. Da ist es aber dann ganz unlogisch von der sozialdemokratischen Fraktion, wenn sie irgend welcher, wenn auck nur kleinen Verbesieruug des Gesetzes, die einer solchen falschen Auslegung einen Riegel vorschiebt, sich entgegenstellt.
Dbg. Dr. Wagner (kons.): Im sozialdemokratischen Zukunfts- ftaate, wo nur das sogenannte proletarische Empfinden als Gott- heit verehrt werden wird, werden Bestrafungen wegen Beleidigung der Hohenpriester dieser Gottheit voraussichtlich in einem Umfange eintreten, daß unsere Strafbestimmungen das reine Kinderspiel dagegen sind. (Sehr wahr!) Die zahlreichen Ketzerberichte auf den Parteitagen geben einen Vorgeschmack davon. Dafür nur ein Beispiel: Als die „Zukunft" die Sozialdemokratie angegriffen hatte und einige Genossen trotzdem daran arbeiteten, fragte Bebel in Dresden nach leidenschaftlicher Rede, was verdient wohl der für ein Urteil, der trotzdem an diesem Blatte mitarbeitet? Darauf wurde „Prügel" gerufen, und stürmischer Beifall der Versammlung verzeichnet das Protokoll. (Heiterkeit.) Die konservative Partei wird der Vorlage zustimmen. Unseren allgemeinen Standpunkt hat bei der ersten Lesung der Abg. Giese dargelegt. Diesen Standpunkt trägt die Kommissiousfassung nickt allenthalben Rechnung, und einige meiner Freunde haben deshalb ernste Bedenken, ob die Vorlage die Autorität der Krone gerrügend schützt. Jedoch werden auch diese, wenn auch nicht leichten Herzens, zustimmen. Wir Deutschen haben dann auf diesem Gebiete die freiesten Bestimmungen von allen Völkern. Bestraft doch selbst die französische Republik Beleidigungen des Präsidenten mit Gefängnis nicht unter drei Monaten, und auch England hat härtere Bestimmungen. Wenn dort seit 1823 ein solcher Prozeß
nicht mehr anhängig wurde, so hat da§ Verdienst daran nur der nationale Eharaktcr des englischen Volkes, seine teils angeborene, teils ancrzogcne Achtung vor der Autorität, vor allem vor der Autorität der Krone. Möge unser Volk in dieser Beziehung vom englischen Volke lernen und mögen auch bei uns Prozesse ivegcn MajestätZbeleidigung überhaupt ganz verschwinden. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Heine (Soz.): Ich muß das Königsberger Gericht gegen Herrn Osann in Schutz nehmen. So schlecht ist es denn doch nicht. Die Beleidigung der Königin Luise hat es vollständig außer Betracht gclasicn, sondern ist zur Monarchenbeleidigung auf einem ganz anderen Schleichwege gekommen. Trotz der Erklärung des Staatssekretärs können wir unsere Befürchtung nicht unterdrücken, weil wir nicht an eine so plötzliche Aeude- rung einer Judikatur glauben, die von Jahr zu Jahr die Maschen der gerichtlichen Praris enger zieht, um jedes, freie Wort zu fangen. Wie der Geist der Justiz ist, das zeigen ja die Mitglieder des Reichsverbaudes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Gnade Gott dem Genossen, der in die Hände eines solchen Richters fällt! Wir haben die freiesten Bestimmungen — sagt Dr. Wagner. Ach, du lieber Gott, und die verknechteste Praxis!
Staatssekretär,Dr. Ricberding: Es entspricht nicht dem Brauch des Hauses, Prozeße, die rechtskräftig noch nicht abgeurteilt wor. den sind, hier zu erörtern. Der Königsberger Prozeß befindet sich noch in der Schwebe, da gegen das Urteil der ersten Instanz von beiden Seiten Revision eingelegt worden ist. Es ist möglich, daß die Sacke vor demselben oder einem anderen Gerichte nochmals zur Verhandlung kommt. Die Art, das Urteil hier im Hause zu kritisieren, sollte doch Wohl nur dazu dienen, das Urteil der unabhängigen Männer zu becin- ffussen. Wenn Herr Heine hier erklärt bat, daß das Königsberger Gericht versucht habe, das, was nickt im Gesetz stehe, auf Schleichwegen zu erreichen, so erkläre ich, das ist eine Beleidigung de? Königsberger Gerichtshofes von unabhängigen Männern, die ich mit Entrüstung zurückweise. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Roeren (Ztr.): Mir ist der Königsberger Prozeß in seinen Einzelheiten nicht bekannt. Wenn es aber wahr ist, daß aus der Kritik der Denkmalsfeier und aus dem historischen Rückblick über die preußische Geschichte des letzten Jahrhunderts, mag sie auch noch so geschmacklos und taktlos sein, wenn es wahr ist, daß daraus eine persönliche Beleidigung des jetzigen Kaisers konstruiert wird, so glaube ich, daß nicht nur jeder Jurist, sondern auch jeder Laie sich darüber wundern wird.
Abg. Gros fwirtsck. Vag.): Ick kann wohl sagen, daß ick in meiner Eigenschaft als Rickter mehr zur Findung des objekliven Reckts und der Wahrheit beigetragen babe, als Herr Heine mit seiner spitzfindigen Rhetorik. Ich erkläre auch, daß ick niemals dem Reickverbande gegen die Sozialdemokratie augebört habe. Nachdem ick aber Herrn Heine gehört habe, werde ich schleunigst diesem Verbände beitreten. (Große Heiterkeit rechts.)
Abg. Heine (Soz.): Wenn Herr Gräf bisher im Neichsverbande nickt war, bann geht ihn ja die ganze Geschickte nichts an. Wenn meine Rebe dazu beigetragen hat, so freue ick mich, daß er seine wahren Ansichten dahinter verstecken kann. Uebrigens habe ick nickt gesagt, daß die Königsberger Richter Schleichwege gehen, ich habe nur erklärt, daß die Judikatur Schleichwege gegangen sei. (Lachen reckts.)
Abg. Osann (uatl ): Ick habe nicht gesagt, daß der Redakteur in Königsberg wegen Beleidigung der Königin Luise verurteilt ist. (Widerspruch b. d. Soz.) Jeder Student im ersten Semester weiß, daß das unmöglick ist. Ick greife in keine Erörterung über einen schwebenden Prozeß ein. Ich stelle aber fest, daß das Reichsgericht schon dahin entschieden hat, daß auch eine mittelbare Majestäts- beleidigung strafbar ist.
Damit schließt die Debatte.
Der sozialdemokratische Antrag auf Aufhebung aller Paragraphen, die die Majebätsbeleibigung betreffen, wird gegen die Stimmen der Antragsteller ab gelehnt. Darauf wird die Kommissionsfassung gegen bie Stimmen bet Sozialdemokratie an - genomme n.
Das Schcckgesetz.
Erste Lesung des Scheckgesetzentwurfs.
Abg. Nocken (Ztr.): Die Ausdehnung des Scheckverkehrs wird ohne Zweifel den Bedarf an Metallgeld einschränken und dadurch einen günstigen Einfluß auf den Bankdiskont ausüben, was volks
wirtschaftlich von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Wir sind in Deutschland in bezug auf den Scheckverkehr noch weit zurück gegenüber anderen Ländern. ES scheint sick aber nun auch bei uns ernstlich zu regen. Behörden und Gemeinden sollten damit den Anfang machen. Die Bureaukratie ist ja freilich schleckt von alt- geivandelten Bahnen abzubringen. Die rechtliche Regelung des Scheckverkehrs ist die erste Vorbedingung für die Ausbreitung de? Scheckverkehrs, um Mißbräuchen vorzubeugen, die viele sonst kopfscheu macken könnten. Wir stehen darum dem Entwurf sympathisch gegenüber und wünschen seine nähere Beratung in einer Kommission von 14 Mitgliedern. Die Regierung möge auch bald an die Postscheckfrage herantreten.
Abg. Arnold (kons.): Die Verallgemeinerung des Scheckverkehrs ist durchaus billigenswert. In England und Amerika beherrscht der Scheckverkehr das Zahlungsgeschäft. Schon Japan besitzt ein Scheckgesetz, nur das Deutsche Reich bisher noch nicht. Der Redner begrüßt die Stempelfreiheit. Hoffentlich wird der Verkehr jetzt ein allgemeiner werden.
Abg. Weber (natl.): Die Regierung verdient Dank, daß sie, den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht werdend, den Vorschlägen der Sachverständigen ge.olgt ist und den Scheckverkehr nicht steuerfiskalisch ausiiutzen will. So optimistisch bin ich nun nicht, anzunehmen, daß nach Erlaß des Gesetzes der Scheckverkehr allgemein werben wirb, aber ohne Frage wird bie rechtliche Grundlage und Rechtssicherheit Gutes bringen. Wir halten unter allen Umstanden daran fest, daß die Vorlegungsfrist nicht über zehn Tage ausgedehnt werden darf. Dem Postscheckverkehr sind wir keineswegs abgeneigt, ja wir halten dieses Gesetz hier erst dann für recht wirkungsvoll, wenn wir den Postscheckverkehr haben, aber es darf damit keine Postsparkasse verbnndeii werden. Gerade die staatlichen Autoritäten, die hinter den Postschecks ständen, könnten mehr zur Ausbreitung deS Scheckverkehrs beitragen. Der Postscheck hat sich anderwärts glänzend bewährt. Kommissionsveratuug halten wir nicht für notwendig.
Uiiterstaatssekretar Wermuth betont, daß der Scheck kein Kreditpapier sein soll, sondern ein Zahlungsmittel. Die Vorlegungsfrist von 10 Tagen sei das äußerste, was gestattet werden könnte. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft halten sogar sieben Tage für genügend. Die Berechnungsstellen sollen sich über das ganze Reich erstrecken. Schon deswegen ist eine Verlängerung der Frist nicht angebracht.
Abg. Dr. Frank (Soz.): Die Arbeiterschaft hat kein großes Jnteresie an dem Gesetz. Wir werden ihm aber zustimmen, ba es der Entwicklung ber Volkswirtschaft entspricht.
Abg. Raab (wirtsch. Vgg.): Sehr begeistert sind wir nicht für die gesetzliche Regelung einer geschäftlichen Maßnahme, die sich ja auch ohne Gesetz hätte entwickeln sollen. Wer weiß, ob nicht bie Freiheit der Sache zuträglicher wäre. Wir werden aber zustimmen und hoffen, baß bie Herren, bie sich über bas Scheckgejetz freuen, nicht enttäuscht werden.
. Abg. Mommsen (fr. Vgg.): Ich freue mich, aussprechen zu können, daß ber Entwurf ein Musterbeispiel dafür ist, wie ein Ge. setz sein soll. Die Grundsätze, die sich im Verkehr zu feststehenden entwickelt haben, werben hier respektiert. Möge es auch auf anbe. ren Gebieten dahin kommen, bann werben wir por manchem Mißerfolge bewahrt bleiben. (Sehr richtigl links.) Es mag ja sein, daß das Gesetz an sich vielleicht den Scheckverkehr nicht wesentlich fördern wird. Aber zum mindesten wirb bie gesetzliche Regelung des Scheckverkehrs nicht schaden, und es ist doch nicht ausgeschlossen, daß sic nützt. Die Vorlegungsfrist auf 13 Tage zu Derlängem, davor möchte ich bringend ivarnen. Die Praxis ist auch stets, den Scheck höchstens acht Tage im Umlauf zu lassen. Wo dies langer der Fall ist, sind sickerlich Mißbräuche eingerissen. Wir müssen dafür sorgen, daß ber Scheck reines Zahlungsmittel bleibt und daß er nicht in Dutzenden und mehr Händen umläuft, um so allmählich ein ganz bequemes Papiergeld zu werden, was er nicht sein soll. Nur auf biefe Weise können wir den Scheck zu einer wirtschaftlichen Bedeutung verhelfen. 10 Tage Umlaufsfrist ist durchaus angemessen, und nur in einigen Ländern, die wir nickt als Vor. bild für uns nehmen wollen, haben wir eine längere Frist. Red. ner schließt mit dem Wunsch, die Vorlage unverändert anzunehmen.
Abg. Wagner-Württemberg (südd. Vp.) tritt ebenfalls für bie Vorlage ein.
Das Haus vertagt sich hierauf.
Morgen 1 Uhr Wahlrechtsinterpellation, dann Fortsetzung von heute.
I - Schluß gegen 6 Uhr.
vom Landes-Pfsrdezuchtverein.
j Eine außerordl. Generalversammlung d:s Lan- f des-Pferdezucht Vereins für das Großherzogtum 'Hessen fand am 19. Januar 19 08 in Darinstadt statt. !Sie mar aus allen drei Provinzen stark besucht und wäre, wie itnan uns schreibt, noch stärker besucht gewesen, wenn die Tagesordnung bestimmter zum Ausdruck gebracht hätte, daß eine Gefahr
. tür das Fortbestehen des Vereins bestände.
Es ist das alte Lied. Die Laiibwirtschastskammer fordert -unbedingte Unterordnung und Auslieferung aller Einrichtungen des Vereins und Auslieferung des Vermögens. Da dies auf 160000 Mk. bewertet wird, da außerdem nicht das unbedingte Vertrauen besteht, daß die Landw irtfchastskammer der Hoheit Zielen, der sich der Landespserdezuchlverein gesteckt bat und denen er bisher so erfolgreich zustvebte, mit gleichem Eifer weiter folgen 'leixb, so ist es dem Vorstand des Vereins nidjt leicht, ohne weiteres sich unb seine Bestrebungen dem bisher iwch recht schwankenden Schiff, Landwirtschaflstammer genannt, anzuvertrauen. >
Tic schon vor längerer Zeit vom Vorstand mit der höchsten Stelle der Landwinschaftskammer gepflogenen Verhandlungen grp- fellen in denn Ergebnis, daß dein Vorstand gesagt wurde: Wir haben das Geld, das Geld gibt uns die Macht und von dieser Macht werden wir Gebrauch machen.
Tas war das vorläufige Resullat in.' den Verhandlungen mit der Landwirtschaflstammer.
In der heutigen Generalversammlung wollte der Vorstand des Landes-PserLezuchtvereins von seinen Mitgliedern Horen, wie sie sich zu der zukünftigen Gestaltung der Tätigkeit des Landes- .Pferbezuchtvereins stellen: bedingungsloses Aufgchcn in der Land- wirtschaftskammer oder Fortbestehen d.s Landes-Pferdezuchtvereins unter Beibehaltung seines Vermögens, und Anschluß an die Landwirtfchaftskammcr unter Wahrung seine anerkannten Bestrebungen.
Es sei hier gleich festgestcllt, daßdas Vertrauen der Mitglieder zum Vorstanddes Vereins sich in wiederholten Kundgebungen äußerte, daß man das FortbestehendcsLandes-Pfcrdezuchtvereinsall- fertig wünscyte und daß der Vorstand ermächtigt wurde, indiesemSrnne in weiter eV er Handlungen MitdemVorstandderLandwirtschaflskainmerein- zutreten.
! Es wiederholte sich also hier int Land:spferd?zuchtverein am 19. Jan., was sich im landwirtschaftlichen Provinztalvercin in Oberhessen am 21. Dezember in Gießen, und am 9. Dezember im landw. Verein für Rheinhessen in Mainz zutrug, lleberall die Parole: „Abwarten, zum Auflösen ist immer noch Zeit, wir wollen erst sehen wie der Hase läuft."
Ter Vorstand des Ländcs-Pfcrdezuchtvereins war vollzählig zur Stelle. Der Präsident, Oekonomierat Müller -Neuhof, begrüßte die Versammlung und i)mitte besonders dem Kreisrat Dr. Wallau uno dem Präsidenten des landw. Vereins der Provinz Oberhessen für ihr Erscheinen und betonte den Zweck der außer- ordentlichen Versammlung. Hierauf erteilte der Präsident dem General Bcck das Wort zu einem kurzen Bericht über das Bestehen des Landes-Pjerdezuchtvereins aus seinen Anfängen: Vor zirka 30 Jahren wurde der Fohlen- und Pferdemarkt iu Darm stzadt gegründet, ber mit bescheidenen Mitteln seine Tätigkeit begann. Neben diesem Markt entstand der Landes-Ps-erdezuchtverein; diese Vereine arbeiteten dann gemeinsam. Trotz der anfangs bescheidenen Mittel wurde es dem alteren der beiden Vereine Möglich, aus seinen Erspranissen ein Grundstück zu erwerben,
den Pfevdemarktplatz, auf diesem Unterkunstsräume zu errichten. Dieses Grundstück ist mit den Jahren außerordentlich wertvoll geworden und repräsentiert in der Hauptsache das oben genannte Vermögen. — Unter dem Vorsitz des Lbersthofmacschalls p. Wester - weller und unter dem Zufluß von Mitteln, die die Staals- regierung bereitstellte, kamen die beiden Vereine zu hoher Blüte. Die Ziele, die der Oberlandstallmeister den Vereinen steckte, führten zu den Körungen der wirklich brauchbaren Zuchttiere und zur Einrichtung des Zuchtbuches. Tie Bereinigung des Fohlen- und Pferdemarktvereins mit dem Landes-Pferdczuchivercin fand im Jahre 1888 statt. Es war eine Art Personalunion. Tie Rechnungen der beiden Vereine wurden getrennt geführt.
Tcr Vorsitzende eröffnete nunmehr die Diskussion über das Fortbestehen des Landes-Pferdezuchlvereins in der bisherigen Form. Wird die Landwirtschaftskammer, falls fich der Verein auflöst, in der Lage sein, mit gleichem Eifer, mit gleichem Erfolg fördernd auf die Landespscrdezucht einzuwirken? Unternimmt sich die Landwirtschaflstammer nicht, wenn sie alles von einer Stelle aus einrichten und meistern will? Würde sic nicht besser tun, dem Landes-Pserdezuchlverein sich anzugliedern und ihn die Aufgaben erfüllen lassen, die unter bisheriger glücklicher Leitung dem Lande große Erfolge auf diesem Gebiet versprachen.
An der Diskussion beteiligten sich eine ganze Anzahl Herren. Tie Mitglieder des Vorstands der Landwirtschastskanimcr, Oeko- nomicrat Walther, Oekonomierat Fritsch, Oekonomierat Dettweilcr- Wintersheim, Lbcrlandstallmeister v. Willich, Kreisrat Dr. Wallau, Präsident des landw. Provinzialvereins für Obcrhcsscn S ch lenck e und -andere. Letzterer spricht seine Verwunderung darüber aus, daß man dem Landes-Pferdezuchtvercin, der immer eine Sonderstellung unter den landw. Vereinen eingenommen habe, nicht mehr cntgcgcnfommc. Habe diese doch durch den Vizepräsidenten der Kammer, Bähr-Herr cnhag, dem oberhessischen Obstbau Verein gegenüber in der Hauptversammlung am 29. Tezember erklären lassen, daß man dem oberhessischen Obstbauverein ein gewisses Feld für seine Tätigkeit liberlasscn wolle, daß man dem oberhessischen Obstbauverein Mittel hierfür überlassen wolle. Ueber die Verwendung dieser Mittel sei dann der Verein der Kammer verantwortlich. Wes dem oberhess. Obstbauverein gegenüber der Kammer möglich sei, müßte ihr erst recht dem LandeS-Pferde- zuchlverein gegenüber möglich fern. — Oekonomierat Walther wendet sich gegen die Ausführungen des Präsidenten Schlenke. Der oberhess. Obstbauverein erhalte keine Mittel der Kammer und kritisiert die Verhandlungen des landw. Provinzialvereins vom 21. Dezember. Da ihm Präsident Müller dazu einige Zeit läßt und ihn erst etwas verspätet ermahnte, zur Sache zu sprechen, sah sich Herr Schlenke genötigt, die gar nicht hierherige Kritik der Verhandlungen des Provinzialverems für Oberhessen scharf zurückzuweisen.
Sonst rvurde sehr sachlich verhandelt und der Vorstand des Landcs-Pferdezuchtvereins kann nur erfreut sein über die Einmütigkeit, mit der die Erfolge des Lanides-Pferdezuchtvereins aniTimint wurden. Mit derselben Einmütigkeit wurde beschlossen, den Landcs-Pfcrdezuchtverein weiter bestehen zu lassen und so Anschluß an die Landwirtschastskmnmer zu suchen. Ter Vorstand erhielt dazu die Ermächtigung. Es ist zu wünscheir, daß er damit Erfolg hat, indem man auf der anderen Seite nicht zu sehr auf Machtmittel pocht, .um andere gefügig zu machen.
KporL.
— Fußball. Das für Sonntag angesctzte Verbunds- spiet zwischen der 1. Aiannschasl bco Marb u r g e r und des Gießener F u ß ba l lk t n bs von 1900 mußte leider ausjallen ba der bestimmte Schiedsrichter nicht erschienen war. Beide Parteien
einigten sich daher zu einem Gesellschaftsspiel, bas mit 1:1 Toren unentschieben cnbetc. Der amgeweichte Platz ließ^ ein sicheres Spielen nicht zu. Gießen war während des ganzen Spieles elivas im Vorteil, doch wurden die gegebenen Chancen nicht verwertet.
Märkte.
[] Kirchhain, 21. Jan. Heute wurde hier der erste diesjährige Vieh markt abgehalten. ES standen 350 Stück Rinder zum Verkauf. Ter Handel ging flau, ebenso auch auf dem Schweinemarkt, der mit 350 Schweinen befahren war. Die Preise stauben hoch.
— Kartoffelmarkt-Bericht uom 20. Januar 1908. Friedberg (Hessen): 9iote Sorte Bik. 1.90—2.10, Magmun boiium 2.30—2.50, weiße runde 1.90—2.10, Gelbfleischige, weiße, 2.25 bis 2.35. Marb n r g : rote Sorte Mk. 0.00, Magmun bonunx Pik. 0.00, weiße runde Alk. 0.00. Frankfurt a. Ai.: Rote Sorte Pik. 1.90—2.10, Piagnivn bonum 2.40-2.60, weiße runde 1.90 bis 2.10, Gelbfleischige, rote, 2.25—0.00, weiße 3.00. Wiesbaden: Piagnnm bonum 2.75, weiße runde 2.65. Pi a >i n h e i rn : Maguum bonum Mk. 2.75—2.80, Gelbflr-ischige, blaue 3.25—3.50, lote 3.75 bi§ 3.80. Hagen: Magnum bonum 2.80—2.90. Gelbfleischige rote 0.00—0.00, weiße 3.25—3.4Köln: iNote Daber Pik. 0.00—0.00, andere rote Sorten 0.00, Magnum bonum 0.00 bis 0.00, weiße nmbe 0.00—0.00, Gelbfleischige, blaue Pik. 3.00-0.00, rote 2.70—0.00, weiße 3.70 bis 0.00. Frankenthal: Rote Sorten 2.10, Aiaguuur bonum 2.20, weiße xunbe 2.00, Gelbfleischige, blaue 3.00, rote 2 75, weiße 3.00. Torlmnnd: Aiagniim bonum Pik. 3.00, Gelbfleischige, rote Pik. 2.80, weiße 3.30. Saarlouis: Role Sorten 2.50, Piagnnm bomin* 0,00, weiße runde 2.50. Pi ü n st e r: Piagnnm bonum 2.60-2.75, Gelbfleischige rote 3.00 bis 3.10, weiße 3.75—4.00. Safjig-Plaidt: Rote Sorten 2.40, Magnum bonum ,2.70, Gelbfleischige, weiße, 2.30. Willrch b. Kreielb Magnum bonum 2.70, Gelbfleischige weiße 2.70—2.80. (Alles per 50 Kilogr.).
Meteorologische Beovischruugen der Station Gießen.
Höchst Temperatur am 21.-22. Januar = + 2,2 ® C.
Niedrigste „ 21.-22. = — 3,7 0 u.
Januar
1908
Barometer am 0° reduziert
Temperatur der Lust
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke 1
Wetter
21.
2"
763,1
4- 1,9
3,6
67
NSE
2
Sonnenschein
21.
9"
761,9
— 2,8
3,7
1UÜ
ENE
2
KlarerHunmel
22.
761,8
-4,9
3,1
98
N
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