Ausgabe 
20.3.1908 Drittes Blatt
 
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Freitag, 20 März 1908

1S8. Jahrgang

Nr. 08

Erscheint kSgNch mO CuÄnafritt bei GsmttayL

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Dec Feind verlor 58 Männer tot, 7 Männer, einige Weiber

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Die *<5teß<net Samiltenblättet" werden dem .Anzeiger" otermal wöchentlich beigelegt, bad Kretsblati für öen Kreis Sieben" zweimal wöchentlich Der ..hefsticht Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Präsident Graf Stolberg:

Ich bitte, alle Zeichen des Beifalls ober Mißfallens Tribünen zu unterlassen. Ich würde sonst zu meinem Bedauern genötigt sein, die Tribünen räumen zu lassen, ruft: Die Saubengelda oben! Unruhe links.)

Abg. Erzbergcr (Zentr.)

Deutscher Reichstag.

126. Sitzung. Donnerstag, 19. März.

Am Tische des Bundesrats: Dernburg, v. Lindequist, b. Rechenberg, Graf Zech, Dr. Solf, Quade, Dr. Golt» n e I I i.

ÄotattonSbrud and Vertag bei 8rüblichen UntDerfhälfl Buch, anö Stitnürulkerei.

9L ß n e », Dietzen.

Führer dem Hauptmann von Erckert verlieren wir einer der besten und ritterlichsten Offiziere; die Verluste sind aber außer­ordentlich schwere, die Anstrengungen für die Truppen selten große gewesen, erst nach vier Tagen konnte zum ersten Male abgekocht werden. Die Witterung war heiß und trocken, das letzte Vley- wasser reichte nicht cininal zum Tränken der Kamele. Simon Copper ist schwer geschädigt, aber noch nicht endgiltig beseitigt."

Das ist auch ein Dokument, das mehr als alles andere ge­eignet ist, die Worte des Vorredners zu unterstreichen. Haupt­

hervorragende bezeichnet zu

Redaktion. Txvedttton and Druckerei' Schul- stratze ?. Txveditton and Verlag 61. Redaktion: 112. IeL'9Ibtj Anzeiger<Dietzew

ruft zur Journalistentribüne herauf: Das wäre ja noch , , wenn man hier im Reichstag nicht seine christliche Weltanschauung sagen dürfte!

wurden gefangen, der Rest der Werft zerstreute sich nach Süden und Südwesten. Auf unserer Seite fielen Hauptmann von Erckert, Leutnant Edinger und 12 Mann, schwer verwundet wurden 9 Mann, leicht verwundet 3 Offiziere, 5 Mann."

Das Expeditionskorps tvar in der Gesamtstärke von 430 Weißen mit 4 Maschinengewehren und 700 Kamelen von zwei verschiedenen Punkten aufgebrochen. Am 11. hatte es sich vereinigt, am 15. war Simon Coppers Aufenthalt erkundet. Am 16. griff Haupt­mann von Erckert Simon Copper mit 2 Detachements unter den Hauptleuten Grüner und Willeke an und stel selbst beim Beginn des Gefechtes. Hauptmann Grüner übernahm das Kommando und befahl dem im Halbkreise um die Werft liegenden Expeditionskorps den ununterbrochenen Anlauf gegen den Feind. Dieser wurde in zwei Stunden von Stellung zu Stellung geworfen, bis er um ^8 Uhr vormittags seinen ver­zweifelten Widerstand aufgab und in regelloser Flucht

Erbeutet wurden 29 Gewehre, zahlreiche kleine Herde Vieh, einige Pferde. Die

verdient als eine selten werden: in ihrem tapfere»

Hungg: Seiten

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auseinanderlief.

Munition, eine

Leistung des

Mehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefien

"s^eurA Kaiser 8 (Laden).

ge ausgestellt- _ ohenliiöd; -einen bi'toysüeu SSL 'ba raö u>u>.

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Abg. Erzbcrgcr (Zentr.) seht seine Rede fort.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (frcis. Vpt.):

Gestatten Sie mir zunächst, daß ich auf den kleinen Zwischenfall mit der Journalistentribüne mit einigen Worten zurückkomme. Als Herr Erzberger von der un­sterblichen Seele des Negers sprach, ertönte auf der Journalisten­tribüne ein Gelächter. Es läßt sich nicht leugnen, daß im Hause selbst eine gewisse Nervosität über das wieder­holte Eingreifen der Journalistentribüne herrscht. Es ist auf der anderen Seite ohne weiteres zuzugeben, daß die Herren auf der Journalistentribüne ihrerseits etwas nervöser werden, da in der letzten Zeit Anforderungen an sie gestellt sind, w i e d i e s bisher noch niemals der Fall war. Selbst­verständlich berechtigt das die Presse nicht, hier gewissermaßen mitzuspielen und ihr Urteil durch Zwischenrufe oder sonstige Zeichen abzugeben. Allein ich bin ausdrücklich gebeten wurden, festzustellen, daß es sich nur ich kann wohl sagen um die Taktlosigkeit eines einzelnen Herrn handelt, daß aber die Ge­samtheit der Pressevertreter unter allen Um­ständen dagegen protestiert, daß in einer gewissen All­gemeinheit gegen die Presse hier vorgegangen wird. Diesem Wunsche wollte ich Nachkommen. AuZ der Rede des Abg. Erz- bergcr klang eine gewisse versöhnliche Stimmung heraus. Freilich hat er den Staatssekretär nicht in uneigen­nütziger Weise gelobt. Er hat die Verdienste des Staatssekretärs für seine Partei in Anspruch genommen. Erfreulicherweise hat sich der Staatssekretär in Afrika besonders um lie Rechts­pflege gekümmert. Eine Nevisionsinstanz für Strafsachen des Schutzgebietes könnte vielleicht dem Oberlaudesgericht in Ham­burg ungegliedert werden. Dorthin kommt auch die koloniale Akademie, und Hamburg wird ja immer mehr der Verrnttttungs- vunkt zwischen Deutschland und den Kolonien. Die Berufungs­instanz muß aber in den Kolonien selbst liegen. Unser Antrag auf Trennung der Justiz und der Verwaltung ist viel vorteilhafter als dec Zentrumsantrag. Wir müssen dem Rechtsempfinden des Negers Rechnung tragen. Freilich dürfen wir die deutsche Juristensprachc nicht in Afrika einführen. .(Hei-

den Standpunkt. Der Staatssekretär verliest eine frühere Rede. (Erzbergcr ruft: Das ist eine spätere Rede!)Nein, vom 3. Februar 1907. Herr Erzbergcr meint, ich hatte mich der Ansicht sein er Partei ganz besonders genähert. Da muß ich etwas zitieren, was ich vor der Hauptwahl gesagt Labe, am 8. Januar 1907. Ich habe damals ausgeführt, daß der Ein. geborene ber wichtigste Gegenstand der Kolonien ist, und ich habe auf das sogenannte ethische Programm hingewiesen. Freilich hat es nicht ganz den Beifall des Herrn Erzbergcr, lveil ich es nicht immer mir dem Religiösen vermische. Ich sprach davon, daß, nenn man mit Gewalt eingriffc in uralte Gewohnheiten, Familienrcchte usw., man zu Aufständen komme. Die Bcwegungsfähigkeit darf nicht zu statt eingeschränkt werden usw. Das ist in der Hitze des damaligen Wahlkampfes Herrn Erzbergcr entgangen. (Heiterkeit.) Ich könnte Sie noch mit einer ganzen Anzahl ähnlicher Zitate unterhalten. Zum Bei'piel in München habe ich betont, daß die Beamten alles vermeiden müß­ten, was nack Willkür aussieht. Bezüglich des ora et labora, das ich in labora et ora umgctauft habe, habe ich in, Stutt­gart mich auf einen Ausspruch eines Missionars berufen: Es komme darauf an, daß die Erziehung der Neger zur Arbeit erfolgt! Auf diesem Standpunkt stehe ich noch heute. Erst muß der Mensch zu wirklichen Bedürfnissen kommen, erst muß er leiblich fatt werden, dann wird er auch seelisch hungrig werden. Meine Worte haben ein ganz außerordentliches Echo in der ganzen Hörer­schaft gefunden, und diese bestand in keinem Fall aus Mitgliedern des Zentrums. Daraus geht hervor, daß die Ideen, die ich aus­gesprochen habe, von allen gebildeten Deutschen ohne jeden Unter, schied der Partei geteilt werden. Das muß hier ausgesprochen wer­den gegenüber der Sequestration, die hier "orgenommen werden soll, gegenüber der mittleren Partei des Hauses. Das halte ich für meine Pflicht.

Daß ich die Missionen nicht nach jeder Richtung unterstützt habe, ihre Tätigkeit nicht gewürdigt habe, wird man mir nicht vor. werfen. Ich halte aber für richtig eine Trennung zwischen den Aufgaben der Mission, Verbreitung des Christen­tums und der Durchführung einer Kolonisation nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Ji. der Frage der Europäcrschule in Daressa­lam tut mir Herr Müller-Meiningen grimmiges Unrecht. Ich habe die Schule wieder eröffnen lassen, und ich wünsche nut, daß die Schüler kommen. Das wird die Probe aufs Exempel fein. Herr Erzberger sagt, ich hätte in der Kommission erklärt, die Far. mcr seien falsch informiert, man müsse ihnen den Kopf zurecht setzen. Das letztere habe ich ganz bestimmt nickt gesagt, und ich habenicht gesagt: informiert, sondern orientiert. Der Staatssekretär spricht wdann über die Kolonialanleihe, betont nochmals, daß es aus den verschiedensten Rücksichten wünschenswert sei, daß die Kolonien dritten gegenüber ihre eigenen Schulden haben, die sie aus eigenem verzinsen und abtragen und führt als einen der Gründe für die Kolonialanleihe auch an, daß die Käufer dieser Anleihe für die Kolonien interessiert würden, denn die Kenntnis der Schutzgebiete sei doch jetzt immerhin noch sehr mager.

Abg. v. Treuenfels (rons.)

begründet folgende Resolution: Der Reichstag wolle be. schließen, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, in dem (Asetz- enttourf zur Feststellung des Reichs Haushalts-Etats für das Jahr 1909 eine Summe anjuforbcni zur Errichtung eines Denkmals in der Reichshaupt st adt für b i e in Südwestafrika gefallenen Offiziere, Sani, tätsoffrzi.re, Militärbc a m ten , Unteroffi, ziere und Mannschaften.

Staatssekretär Dernburg:

Die Worte des Vorredners waren geeignet, in aller Brust ein lebhaftes Echo auszulösen. Es ist keineswegs zuviel gesagt, was er den Beamten und Soldaten nachgerufen hat. Auch auf feiten der Verwaltung ist dieses Gefühl vorhanden. Es ist ein Aufruf, von meiner Wenigkeit unterzeichnet, den Reicksämtern und den verfchiedenen Aemtern der Bundes­staaten zugegangen, ein solches Denkmal zu errichten. Ich habe keinen Zweifel, daß das Volk nachfolgt. Es wird immerhin wohl im Sinne der Verwaltung fein, wenn Sie diefer Resolution bei­treten, weil man nicht voraussehen kann, ob die notigen Summen für ein würdiges Denkmal Zusammenkommen werden.

Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um Ihnen folgendes mitzutcilen: Sine heute mittag von Oberstleutnant v. Estorff eins getroffene Depesche meldet:Am 16. d. Mts. griff das Expe­ditionskorps gegen Simon Copper unter Führung des Hauptmanns von Erckert die Werst Simon Coppers mitten in der Kalahari

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terkcit.) Die Ausübung des Züchtigungsrechtes muß gesetzlich ge­regelt werden. Wir verurteilen die Prügelsttase in jeher Form, aber wenn die Verwaltung meint, nicht ohne sie auskommcn zu können, dann soll wenigstens die Züchtigung möglichst einge­schränkt und zum Teil durch Geldstrafe ersetzt werden. Die Ein­geborenenkommissare werden die Behandlung öcr Arbeiter zu kontrollieren haben, sie sollten auch in Dienststreitigkeit-»n unter­scheiden. Den Häuptlingen sollte die Rechtsprechung -in Bagatell­sachen überlassen werden.

Wir halten das neue S y st c m des Staatssekretärs für richtig und unterstützen es gern. Wir hoffen, l ß ter Staats­sekretär wohl die Vorteile der europäischen Kultur ' ujriJa verpflanzen wird, aber nicht die Nachteile und Schattenseiten, dazu rechne ich die unselige konfessionelle Ver­hetzung. (Beifall links.) Ich erinnere an die Aushebung der Regierungsschule in DareSsa' in. Dadurch wurden Kreise ver­letzt, die sonst der Kolonial crtonltung sehr sympachis p gegen­überstehen. (Sehr richtig!) Es wurde schon gcfürcktet^daß sich ein kleiner Shstemwechse! anbahnte, und daß die ganze Sache aus taktischen Rücksichten gc liehen war. (Dernburg ichüttelt lachend mit dem Kopf.) Es ist rfreulich, daß d-r (Staate-'fretär das in Abrede stellt. Jedenfalls ..ünschcn wir, .' er keine Schwa rzen-Politik treibt. (Große Heiterkeit.) Ick sage es aus Sorge, daß nicht etwa eine böse Krankheit mseres Mutter­landes auf die Kolonien übertragen wird. Davor behüte uns der Himmel! (Beifall links.)

Staatssekretär Dernburg:

Ich sehe in der freisinnigen Resolution und ebenso in der des Zentrums den Wunsch, die Verwaltung zu unterstützen 'n ihrem Bestreben, die Rechtspflege in den Kolonien zu heben. Man muß bei Rechtsftagen in den .Kolonien unterscheiden zwischen Rechtsstrei- tigkeitcn und Strafangelegenheiten der Weißen unter sich, sowie der Weißen mit den Schwarzen, die vor einem Gericht stattfinden und den Rechtsstreitigkeiten der Schwarzen, die vor einer anderen Be­hörde ausgetragen werden. Bezüglich der ersteren ist die T r e n - nung von Iustiz und Verwaltung in allen Kolonien durchgeführt. Hinsichtlich der Gerichtsbarkeit der Schwarzen führt auch Herr Müller-Meiningen aus, daß von dem gegenwärtigen System der Verwaltungsgerichtsbarkeit nicht unmittelbar abgegan. gen werden kann. Es gehört dazu eine außerordentlich intime Kenntnis nicht nur der Sprache, Sitten und Gebräuche und Rechts- auffassungen, sondern auch der rechtsuchenden Personen. Tas ist natürlich keine Kleinigkeit. Wollte man jeden Schwarzen mit Prügel bestrafen der sich in seinen Aussagen widerspricht, soennte man jeden Zeugen gleich einmal von vornherein zur Aufmunterung verprügeln lassen. (Heiterkeit.) Es dauert unter Umständen eine Stunde und länger, bis man herausbekommen hat, was so ein Mann eigentlich weiß, was er gehört hat, in welchem Sinne er aussagen will, ob für den Kläger oder den Beklagten. Ich war in Labora bei einem Gerichtshof, wo mindestens 300 Menschen hie Korona bildeten. Es gehört eine unendliche Geduld dazu und vor allem ein sehr tiefes Eindringen in die Vsh. chologie des Negers, um in einem Bericht Recht zu finden. Aber ich habe die Ueberzeugung, daß Recht gefunden worden ist.

Eine andere Sache sind aber die Zivilsachen zwischen den Schwarzen, die sind gar nicht unbedeutend, zumal Inder und Ara­ber als Farbige auch unter die Verwaltungsgerichtsbarkeit lallen. Es sind sehr schwierige Fragen da zu lösen, Besitz., Erbrechtsfraaen usw., wo der indische ober mohamodanische Kultus berücksichtigt werden müssen usw. Da würden wir auch gar nichts erreichen können, wenn wir einen noch so gut borgcbildeten Beamten aus dem Hamburger Kolonialinstitut hinschickcn. Die Waniamwesi zum Beispiel sprechen durchaus nicht die Sprache an der Küste. Man muß sich durch freiwillige Gerichtshöfe unterstützen lassen. Tas geschieht denn mich. Zum Beispiel dort in Labora, wo ich es gesehen habe, durch den Mali, einen Araber, der dort als Dolmet- sckcr fungiert und eine Anzahl anderer angesehener Leute, die eine A ' t Senatorenbank bilden. Was erforderlich ist, das ist genügendes Personal für die Rechtspflege, was bisher nicht vorhanden ist.

Nichtsdestoweniger fasse ich meine Aufgabe, und da stehe ick in einem gewissen Gegensatz zu den Herren auf der äußersten Linken, nicht dahin auf, die Schwarzen auf ewige Zeiten nack ihrem eigenen Verfahren ritfiten und aburteilen zu lassen. Es muß nach und nach gelingen, sie in eine, einer höheren Kultur entsprechende Rechtsordnung hineinzufügen. Das wird natürlich lange dauern, aber wird auch ein Prüfstein sein für den Umfang, in dem europäische Kultur eingedrungen ist, denn nichts ist ein so guter Gradmesser für eine Kultur, als das Rechtswesen, das angenommen und gern angenommen ist. Gewisse Bedenken habe ich gegen das Wort Kodifikation. Ich möchte nicht von vorn­herein behaupten, daß wir zu einer Kodifikation des Eingeborenen­rechts kommen werden in dem Sinne einer Festlegung und Kom­binierung der Nechtssätze, die teils auf Volksjustiz, teils auf Ge­bräuchen oder anderen NecktSanschauungen basiert sind. Wir haben eine Kommission eingesetzt und einen Fragebogen ausgear­beitet und ihn in die Kolonien verschickt. Er hat den Zweck, fest- zustellen: Was sind die Nechtsanschauungen? Zweitens durch Vergleichung dieser Fragebogen: Gibt es in den verschiedenen Ko- Ionien unter einander ähnliche ober gleiche Nechtsanschauungen? Der Samoaner hat sicher ganz andere als der Suaheli. Warten Sie die Fragebogen und ihre kritische Sichtung ab; dann werden wir uns entscheiden, ob kodifiziert werden soll. Eine Partei­frage ist das nicht. Ich habe mich an Herren aller Rich­tungen gewandt, bei denen ich Interesse voraussehte, auch an Herrn Südekum von der äußersten Linken und auch an Herren, die dem Zentrum nahestehen.

Im vorigen Jahre habe ick verschiedene,Anordnungen erlassen über die Regel ungder Prügel st rase. ES hat einen un­geheuren Lärm veranlaßt, daß verlangt wurde, es solle über jede Verhängung der Prügelstrafe ein kleines Protokoll gemacht werden. Das ist als ungeheure Belastung empfunden worden. Natürlich werden die weiteren Versuche, die wir machen werden, nock als größere Belastung empfunden werden, auch das Recht der Plantagenleute und der Karawanenführer unter gewisse Ga­rantien zu bringen. Das werden wir tun. Wir werden der Re­solution gern Folge geben, wenn sie angenommen wird.

Die Gingtborenenlommiffare sollen zunächst darauf sehen, daß die für die Anwerbung von Arbeitern erlassenen Vorschriften richtig ausgefnhrt werden. Zweitens sollen sie eine Art Justiz bilden und auch eine Art schiedsrichterlicher Tätigkeit ansnvcn, aber nur aus dem Arbeitsverhältnis. Weil aber bie 'Vertretung der Schwarzen vor Gericht gegenüber den Weißen außerordentlich erschwert ist, sollen sie ex officio es übernehmen, wo sie sich von der Ernsthaftigkeit des betreffenden Streitfalles überzeugen.

Herr Erzberger meint, ich hätte früher über Südwest­afrika mich optimistischer geäußert als jetzt. Erfreulicherweise hätte ich meine Anschauung geändert. Leider m u tz ich ihn da enttäuschen. Ich st ehe heute noch auf demsel -

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Präsident Graf Stollberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Der Kolonialetat.

(Dritter Tag.)

Abg. Erzberger (Zentr.):

Wrr stehen an einem Wendepunkt der Kolonial­politik. Sie werden es einem Mitglied«: des Zentrums nicht verübeln, wenn es diesen Wendepunkt darin sieht, daß der jetzige Staatssekretär sich in allen wesentlichen Punkten auf die For­derungen gestellt hat, die wir seit Jahren in der Kolonialpolitik vertreten haben. (Heiterkeit und hört! hört!) Vorbei ist das System der Systemlosigkeit, endlich haben wir ein Kolonialpro­gramm. Welche Schmähungen haben wir uns im Wahlkampf ge­fallen lassen müssen iWerhättedamalSan diese Wand- I u n g gedockt! Hätte aber damals die Kritik nicht so entschieden eingesetzt, die Vertuschung wäre geblieben. Sie können uns unsere Genugniung wahrhaftig nicht verdenken, daß der Staatssekretär unsere Grundsätze sich zu eigen gemacht hat. Wir treiben voll­kommen objektive Politik und haben das Wort Spahns, daß wir uns auch zu Herrn Dernburg durchaus sachlich stellen wurden, wahr gemacht. Es war ja ein Schauspiel für Götter, in der Budgetkommission zu sehen, wie Herr Dernburg grade von denen am stärksten angegriffen wurde, die das nationale Emp­finden gepachtet haben, während mir cs gewesen sind, die sich an feine Seite gestellt haben. Ob wir damit glühende Kohlen auf Die Häupter unserer Gegner gesammelt haben, lasse ick dahin­gestellt; ich begnüge mich, diese rein sachlichePolitikdes Zentrums vor aller Welt festzustellen. (Schallendes Gelächter.) Aber woher diese überraschende llebereinstimmung zwischen uns- Wir sind die Alten geblieben, also muß der Staats­sekretär unsere Anschauungen übernommen haben. (Dr. Arendt ruft: Sehr richtig!) Herr Dernburg vorn März 1908 gefällt uns viel besser, als Herr Dernburg vorn Januar 1907. (Große Heiter­keit.) Herr Schrader hat gestern behauptet, daß alle Parteien in der freundlichen Beurteilung des Programms des Staatssekretärs einig seien. Der Meinung bin ich nicht Ich erinnere nur an Herrn v. Liebert. Nun bestehen ja allerdings unter den alten Afrikanern die größten MeinungSvei schic- dcnheiten. Sie sind noch schlimmer als unsere Juristen; .renn drei zusammen sind, so haben sie fünf verschiedene Meinungen. (Heiterkeit.) Sie sollten sich aber nicht immer so auftpiclen, als ob sic allein nur etwas verstehen und wir grauen Theoretiker nichts. Ich will auch einmal in die Kolonien gehen. (Heiterkeit.) Wir begrüßen cs, daß der Staatssekretär sich auf Den Standpunkt der Negererhaltung gestellt hat. Freilich gibt es auch in Afrika eine Art von Hakatisteu, die die Neger am liebsten enteignen möch­ten und die den paar weißen Ansiedlern das Monopol geben möch­ten, Wollen wir denn aber aus Ostafrika einen Sklaven, fta a t macken? Die negercr haltende Politik des Staats, sekretärs unterstützen wir also, auch seine Maßnahmen dazu, aber einen Mangel bedauern wir? Kultur und Ethik hat er aus seinem Programm ausgeschlossen. Er sollte diesen Gedanleu aud) deshalb Rechnung tragen, weil er sonst die Bevölkerungskreise, die die Kolonialpolitik von christlichen Ideen getragen wissen wollen, vor den .Kopf stoßen würde. Ein weitausschaucnder Staatslnann denkt auch an wirtschaftliche Rückschläge; bann würde ein Kolonial­programm, das auf Zahlen aufgebaut ist, zusammeickreche.i. Der (Eingeborene ist keine Zahl; er ist ein Mensch mit unsterb­licher Seele. (Aus dem Zentrum ruft man: Dort oben wird gelacht!) Erzbergcr: Das wird man doch hoffentlich noch im Deutschen Reichstage sagen können. (Rufe aus dem Zenrrum: Auf oen Tribünen lachen sie! Skandal!)

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mden, abzuhotcn chen 12 und 3 llhr rstauungd-Jnserat- >: Lrednersw l^p. ftiNwoch abend im )ut vertauscht B. g daselbst.____________

ttisch. Schäferhund tcrenwlar Melaus.

i bei Görlach, , Eberstadt b. Lich.

scher angverem.

den 21. März, lhr, im Postkeller.

Versammlung

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