Ausgabe 
20.3.1908 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

mtrntt v. Erker, den Sohn einer alten Mi.närfam'Iie, habe ich persönlich gekannt. Im Interesse dieser braven Leute bitte ich Sie, der Resolution zuzusrimmen. (Bewegung.)

Abg. Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg (6. L F.):

Wir haben eben wieder vernehmen müssen, daß, obgleich der eigentliche Feldzug schon zu Ende ist, doch unsere Truppen immer noch die gleiche Tapscrkeit bewähren und die gleichen Opfer von Todesmut seitens unserer Soldaten und Offiziere ge­bracht werden müssen. Es ist für jeden Deutschen ein rief be­trübendes Bewusstsein zu denken, daß auch jetzt noch, nachdem die schwersten Kämpfe überstanden sind, solche sch to e r c n Opfer an edlem deutschen Blut, sowohl von Offizieren als von Mannschaften, gebracht werden mußten. Es ist nur ein Bedürfnis, dies hier auszusprechen. Ich glaube im Namen meiner Politischen Freunde zu handeln, wenn ich versichere, dass wir den Toten ein ehrendes Andenken stets bewahren werden. ^(Lebhafter Beifall.)

Die Kolonialdebatte hat bisher im allgemeinen gezeigt, daß tieferes Einverständnis als in früheren Zeiten der Fall war, über unsere Kolonialpolitik herrscht. Ich möchte hier anerkennen, daß die Persönlichkeit und die energische Tätigkeit des Staates- sekretärS hierzu ganz wesentlich beigetragen hat. Ich mochte aber auch darauf Hinweisen, daß andere Gründe mit dazu beigetragen haben, daß allmählich ohne Unterschied der, Partei im deutschen Volke und im ganzen Deutschen Reich sich ein immer größe­res Interesse für koloniale Fragen entwickelt bat. Früher war in der Verwaltung eine gewisse Nervosi­tät vorhanden, weil es uns an jeder kolonialen Tradition fehlte. Das ist jeßt besser geworden. Das Verhältnis zwischen Einge- borenenkultur und Pflanzerkultur ist schwierig. , Wir dürfen die Eingeborenenproduktion nickt unterschätzen. Andererseits müssen wir uns aber auch bewußt sein, daß der Neger nicht fähig ist, zu einer eigenen Kultur zu komme:-. Das beweiftn die Ereig­nisse der letzten Tage i> Haiti. (Lebhafte Zustim­mung.) Der Redner fordert Anhebung des Schambenverbots, d. h. deS Verbots für Beamte, in ihrem Bezirk Land zu erwerben. Eine Dezentralisation sei notwendig, das überflüssige Schreibwerk müsse vermieden werden. Die Lokalbeamten sollten den Gou­verneuren gegenüber grössere Selbständigkeit erhalten. Die Rege­lung ber Ärbeiterverbältnisse wird noch viele Schwierigkeiten machenv Erfteulick ist es, daß der Staatssekretär bereits eine Regelung in die Wege geleitet hat. Durch die Vermittlung der Häuptlinge wird die Regierung wohl auch Arbeiter bekommen. Der Redner schliesst mit der Hoffnung, daß unsere Kolonien immer mehr Verständnis im Volke finden werden. (Beifall.)

Vizepräsident Kaempf:

Der Herr Vorredner hat eingangs seiner Rede den Ge­fühlen Ausdruck gegeben, welche die Mitteilung des Staatssekre­tärs des Reickskolonialamts über die traurigen Kämpfe in Südwestafrika und Kamerun und die damit für uns verbundenen Verluste Hervorrufen mußte. Ich glaube, daß das gesamte Haus diese Gefühle teilt und bin der Ansicht, den Ge­fühlen des Hauscs Ausdruck zu geben (die Anwesenden erheben sich), indem ich Sie auffordere, sich zu Ehren dieser ge­fallenen tapferen Offiziere und Soldaten, so­wie aller derer, die in den früheren Kolonialkämpfen ihr Leben gelassen haben, sich von Ihren Plätzen zu erheben.

Abg. Eichhorn (Soz.):

Herr Dr. Müller-Meiningen bat mit bezug auf die Presse eine Bemerkung gemacht, die ich so aufgefaßt habe, als ob er im Auf­trage der gesamten Presse einem der Herren Preßver­treter eine Rüge zu erteilen hatte. Ich bin der Meinung, daß, wenn die Herren dort oben einmal etwas laut werden, oder wenn sie sich einmal von ihren Gefühlen etwas hinreißen lassen, wir uns nicht besonders darüber aufregen sollten. Wir sind nicht unfehlbar und die Herren dort oben auch nicht. Ein Anlaß, der Presse eine Rüge zu erteilen, lag nickt vor.

Es hat sich plötzlich ein kolonialer Block von rechts bis zur bürgerlichen Linken herüber, einschließlick des Zentrums ge­bildet. (Abg. Storz (D. Vp.) ruft: Und Schippel?) Alles ist berauscht vom Programm des Staatssekretärs. Ja, wie unterscheidet es sich denn eigentlich von früher. Die Offenheit und Ehrlichkeit des Staatssekretärs ist das einzige, waS uns an ihm gefällt. Als wir die Zustände so schilderten, wie er es jetzt tut, mußten wir uns den Vorwurf der Verhetzung und Verleumdung gefallen lassen.

Sie wollen daran nicht erinnert fein und nennen es olTe Kamellen. Aber diese ollen Kamellen sind schuld an den Zu­ständen und an den Opfern, deren Ehrung sich soeben das ganze Haus angeschlossen hat. Es ist eine Unwahrheit, daß wir unsere braven Soldaten beschimpft hätten. Wir erkennen die Treue unserer Soldaten an, denn sie find Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blut. (Lebhafte Zustimmung der Soz.) ES sind unsere Brüder, die Söhne des Volks, die dort drüben kämpften, nicht die Angehörigen Ihrer Klasse allein. Auch wir erkennen ihre Treue, die Tapferkeit an, mit der sie sich geschlagen und ihre Pflicht erfüllt haben. (Hört! hört!) Aber diese Treue hat zur Voraussetzung, daß ihr Leben nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird: das ist aber unter dem bisherigen System geschehen. Eichhorn kritisirt sodann die Kolonialpolitik im Sinne Ledebours.

Abg. Dr. Paasche (natl.)^

Ich glaube, das deutsche Volk kann denen, die in Afrika im Kampfe um Deutschlands Ehre gefallen sind, nicht genug danken. (Beifall.) Ich bedauere, daß heute die Trauerbotschaft kommen mußte, daß wieder so viele brave Deutsche gefallen sind. Ich spreche die Hoffnung aus, daß es uns gelingen möge, bald Ruhe und Frieden in unseren Kolonien wieder herzu- stellen. (Beifall.)

Ich glaubte anfänglich auch, dem Abg. Schrader zustimmen zu können, daß wir alle einig seien in der Beurteilung des Pro­gramms des Staatssekretärs. Nun hat dieser aber hervorgehoben, daß er einen prinzipiellen Unterschied macht zwischen der Eingeborenenkultur und der Pflanzerkultur. Er will ein ganz neues System einrichten, einen ganz neuen Kurs einschlagen. Er hat erklärt, daß die Schwarzen in ihrem eigenen Interesse zur Arbeit erzogen werden müssen und nicht im Interesse der Pflanzer und Farmer. Ich bedauere, daß er hier einen so großen und fundamentalen Unterschied konstruiert hat, der tatsächlich weit geringer ist, als es den Anschein hat. D i e um Sichert denken doch'nicht daran, den Neger zur Arbeit zu erziehen nur für die Pflanzer- und Plantagenwirtschaft. Auch ihnen liegt nur daran, die Neger überhaupt zur Arbeit zu er­ziehen. Ich bedauere, daß der Staatssekretär zwischen Neger­kultur und Plantagenkultur einen solchen Gegensatz schafft. Ich stehe auf einem anderen Standpunkt. Ich habe auch ein Recht, über diese Frage mitzusprechen. Ich habe seit 25 Jahren koloniale Vorträge gehalten und an dem Budget der Kolonien mitge­arbeitet. Der Standpunkt, den Neger human und gerecht zu behandeln, ist allgemein und nichts neues. Der Neger mutz zur Arbeit erzogen werden. Das ist ein Grundsatz, mit dem alle Ver­treter der kolonialen Politik einverstanden sind. Ich kenne die Kolonien praktisch und nach eigenen Erfahrungen, die ich gemacht habe, kommen nur d i e Kolonien vorwärts, bei denen die Arbeit der Weißen und der Schwarzen Hand in Hand geht. Vorbildlich ist in dieser Beziehung die englische Kultur in Westindien. Der Neger kann ohne den Weissen keine Kultur erwerben. Wenn er der Herr wird und der Weiße ihm die Zügel überläßt, bann kommt keine Kultur zustande, sondern eine Unkultur. Der Neger zieht, wenn er die Macht hat, die Zügel viel schärfer an gegenüber dem Weissen, als umgekehrt. Ich habe in Portorico und anderen Ko­lonien Spanier gesehen, die vollkommen verwildert waren, weil sie mit dem Neger lebten. Das ist die Folge, wenn man den Neger sich selb st überläßt. Haben wir nicht alles getan, die Eingeborenenkultur zu heben und zu pflegen? Man ist davon zurückgekommen, nicht weil ein Herrcnstandpunkt herrscht, sondern weil die Neger noch nicht gewohnt sind, selbst für sich zu sorgen und fleißig zu arbeiten. Wir haben doch die Hungersnot so oft gehabt, auch noch dieses Jahr. Die Neger können nicht produzieren und vor allem nicht konservieren. Wozu haben wir denn Kolonien? Die Neger z u heben undzuerziehen, das ist nicht die Aufgabe der politischen Kolonial- arbeit. (Lebhafte Zustimmung.) Das habeii die Missionare beider Konfessionen schon längst getan und mit Erfolg. (Sehr wahr!) Dazu braucht man keine politische Machtentfaltung. (Sehr wahr!) Wenn wir mit Kolonialpolitik angefangen haben, so gilt es für ein volkreiches Land entweder, Abfluß zu finden für überschüssige Bevölkerung oder in hochtropischen Kolonien Nah­rungsmittel zu erzeugen, die wir im eigenen Lande nicht ge­nügend erzeugen können. Das ist nicht Ausbeutiingssystem, son­dern Schn!» unserer heimischen nationalen Entwicklung. (Beifall.) Darum gehen wir hinaus in die Kolonien.

Niid werk mit bloßen NegerkuUuren wir dieses Ziel nie und" nimmer erreichen können, muß neben der Negerkultur der Pflug des Landmannes einhergehen, und brauchen wir die Unterstützung der Plantagenbesitzer wtb kleinen Ansiedler. (Beifall.) Die Arbeiterfrage wird hier so dargestellt, als ob es sich um die extremsten Gegensätze handelt. Der Staatssekretär hat uns in der jwmmission gesagt: In Daressalam laufen die Weißen mit Nilpferdpeitschen herum, er habe selbst eine auf dein Kassenbureau liegen sehen! Das kann er hier auch haben: er wird hier auch auf dem Pult vielleicht den Spa. zier stock des Herrn Rendanten finden. (Heiterkeit, Gelächter bei den Soz. uiib im Zentr.) Sie sind nicht draußen ge. wesen, aber ick bin da gewesen und habe mit vielen Herren in Deutsch-Qftafrika verkehrt, und ich kann Ihnen sagen, lvas hier der Spazierstock ist, ist dort die Reitpeitsche, die Nilpferdpeitsche. (Gelächter im Zentr. unb bei den Soz.) Lachen Sie, so viel Sie wollen. Gehen Sie hinaus, Herr Eichhorn, nach Ostaftika und Sie werden niemand finden, der schlägt. Ich habe viele Planta, gen dort gesehen, die Leute werden gut genährt, gut behandelt. Man weiß dort: ein satter Neger ist ein williger Neger. Die Leute haben dort nicht den Unterstützungswohnsitz wie bei uns, und der Plantage icke sitze r muß damit rechnen, daß morgen die ganze Bande verschwunden ist. Er ist durch sein eigen, stes Interesse gezwungen, für die Leute zu sorgen.

Sie sagen, der Aufstand ist durch die Roheit der Aus- beuter verursacht. Waren es in Südwestafrika die Aus- beuter? Nein, die herrschsüchtigen Hereros haben in ber grau­samsten Weise sich gegen die Herren, die wir hort sind, empört und Frauen unb Kinder hingeschlachtet. (Zuruf von ben Soz.: Betrügereien!) Das ist doch ein trauriger Zustand, wenn hier irn^Reichstag unsere Deutschen draußen als Be­trüger und Schufte hingestellt werden! (Große Bewegung, lebhafter Beifall.) Ich halte mich verpflichtet, zur Ehre der Deutschen, die dort hinausgehen, zu "rklären, das find nicht die schlechtesten Leute. (Stürmischer Beifall.) Die Leute tragen draußen für ein neues Deutschland ihre Haut zu Markte und bringen mehr Opfer als mancher, ber hier hinter den Fleisch, köpfen sitzt. (Stürmischer Beifall, Lärm bei den Soz. unb im Zentrum.)

_ Dann die Ansiedlerfrage: Auch da verhält sich bet Staatssekretär zu meinem Bedauern recht ablehnend. Er sagte gestern: wer kommt, der ist willkommen! Würde es nur in den Kolonien so lauten! Man macht draußen, nicht nur ber Staats­sekretär sondern auch bie Beamten, jedem, der hinausgeht, Schwierigkeiten nach jeder Richtung, man verlangt Ftft die Hinter­legung eines Retourbilletts. (Hört! Hört!) Da soll nun einer frohgemut draußen arbeiten und die Leute wollen und können arbeiten.

Gewiß ist jetzt für viele Ansiedler noch nicht Platz, noch fehlen die Vorbedingungen, aber die soll man eben schaffen. Das schöne Hochland hat weite, weite Plätze mit fruchtbarstem Boden und gesundem Klima. Schaffen Sie Tausende unb Abertansende von Ansiedlern dahin, bann ist die Kolonie wieder gefestigt. Schaffen Sie die Vorbedingung, Eisenbahnen. Es tut uns leid, daß man aus den Worten des Staatssekretärs heraushören mutzte: Wir brauchen keine Ansiedler!

Präsident Graf Stolberg:

M. H., in den letzten Tagen sind mehrfach während der Reden einzelner Mitglieder des Hauses Zeichen des Mißfallens von der Journalistentribüne gegeben worden. Ich habe bereits i Gelegenheit gehabt, diese Störung der Ordnung zu rügen. Ich I will aber noch einmal darauf aufmerksam machen, dass ick im Wiederholungsfälle genötigt sein würde, diejenigen Tribünen, ' von denen solche Störungen ausgehen, räumen zu lassen.

I , Wenn ein Mitglied des Hauses gegenüber solchen Storungen i einen übrigens von mir nicht gehörten unpar ameu- tarisch en Ausdruck gebraucht hat, so bedauere ich das.

Die Journalisten verlassen unter höhni­schem Lachen des Zentrums die Tribüne.

Am Schluß der nachfolgenden Verhandlungen geht der Er­gänzungsetat an die Budgetkommisfion, die Resolutionen werden angenommen.

Freitag 1 Uhr: Fortsetzung.

Schluß Uhr.

Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 19. März.

Der KultuSetat ist nun doch nicht in einer Sitzung er­ledigt worden. Und dabei war die Debatte im Abgeordneten- tzaufe doch nicht sonderlich aufregend. Nur einmal wehte eine etwas schärfere Tonart durchs Haus, als nämlich dasSystem Niedler" an der techmschen Hochschule zu Eharlollonburg zur Sprache kam. In der gioeitcn Lesung hatte der Abg. Beumer die Lehrtätigkeit des bcEamitcn Charlottenburger Professor Ingenieurs Riedler unter bte Lupe genommen und den in weiten Kressen ge­schätzten Akademiker bezichtigt, auf Kosten seiner Dozentenlätigkeit eine allzu ausgedehnte geschäftliche Praxis zu üben. Er halte auf diese angebliche Verquickung der geschäftlichen und der Lehrtäng- leit des Professors, die er alsSystem Niedler" titulierte, die Ab­nahme der Besuchsziffer der Hochschule zurückgeführt. TaS gab den Abg. Fassbender und N o s e n o w Gelegenheit, sich dos angegriffenen Dozenten warm anzunehmen, ein Vorgehen, das Herr Dr. B e u m e x nochmals mit einer energischen Unterstreichung feines Standpunktes beantwortete. Namentlich ein unbedachter Vorstoß Riedlers gab Dr. Beumer Gelegenheit zu einem wirk­samen Gegenhieb: Professor Niedler hatte in der Presse Herrn Beumer verdächtigt, jein Kamps gegen das System Niedler sei da­her zu erklären, dass er Beamter einer Riedler semdlichen In- buftriegruppc sei. Tas stimmt nicht, und so konnte Herr Beumer denn diese etwas leichtherzige Unterstellung mit aller Schärfe zurückweisen. In der Sache selbst erstanden Herrn Niedler eine Anzahl EideShelser m seinen FaEultätsgeiwssen: die Fakultät Halle ben Minister beauftragt, in ihrem Namen gegen Beumers An­schauungen über eine verhängnisvolle Wirkung desSystems Riedler" zu protestieren. Dieses Auftrages entlcbigte sich dann der Minister auch. Aber aus Eigenem fügte er hinzu, er werde die ganze Niedler-Angelegenheit nochmals sorgfältig prüfen. Wozu, wenn dabei alles im Lot ist? Was sonst in der Debatte erörtert wurde, waren nur Minima, oder wenigstens war die Behandlung der aufgeworfenen Fragen nur recht minimal. Zum Falk Matheus, den der Volksparteiler Caf s e l noch einmal in recht sachlicher Form erörterte, gab die Negierung eine ziemlich sadenscheimge Erklärung ab; wertvoll war nur die Mit- teilung, das; der Minister ans Anlaß dieses Falles ben Lehrern und sonstigen beteiligten Stellen den Erlass mögen H andhab u n g der Zuchtrnittol nochmals in bie (Srinneriing gerufen hat. Und nun ging* um das Schicksal des 10. h aup t am11 i d) c n r e i 3 f cb u 11 n i p c E t o r s , ben bie Regierung m Potsdam cm- stellen wollte und ben die klerikal - konservative Mehrheit in der zweiten Lesung bemouslrauv gestrichen Hal. Lange Debatten gab es nicht; Neues war ja auch nicht mehr zu sagen, unb nur die enbgültige Abstimmung bot Interesse. Tas Hans füllte sich, wah­rend die Vertreter der Linken und der Regierung für die Be­willigung der Forderung unb der Konservative v. Heybebrand gegen lic sich ins Zeug legte. Die Abstimmung war iiaiiienn tich , ihr Ergebnis ivar bas F e st h a 11 e u ber konservativ- E l e r i k a l e u M o h r h c i l an i h r e r S t e 11 u n gnad m e in zweiter Lesung. Mit 180 gegen 143 Stimmen wurde der Kreis-- schnlinspektor begraben. Mancher Halle d* anders erwartet, unb aus ber Negiernngsbank sah man bl i ich weg enltäuschle Mienen. Dann halte man für Diesmal genug unb bas Haus vertagte sich auf Freitag, anscheinend mit bem festen Vorsatz, den Gojämtelai au diesem -rage unter Dach unb Fach zu bringen.

Aus SiaOt Ukw LtZsrd.

Gießen, 20. Mürz 1908.

Abänderung des Handeiskamrnecgesetzss.

Wie bekannt, werden die Mitglieder der Handelskammern nach Art. 19 des Gesetzes vom 6. August 1902 auf 4 Jahre gewählt. Labet hat alle 2 Jahre bie Hälfte der Mitglieder regelmäßig auSzuscheiden. Da mit diesen regelmäßigen Er­gänzungswahlen auch die Ersatzwahlen für bie in der

Zwischenzeit aus persönlichen Gründen auSgeschiedenen Mit- glieder vorgenommen werden, ist es wohl möglich, daß eine Handelskammer alle zwei Jahre eine mit dem Geschäftsgang wenig vertraute und der seitherigen Geschäftspraxis der Handelskammer vielleicht fremd gegenübcrstehende Mehrheit neuer Mitglieder erhält. Die kurze Wahlperiode und der jedesmalige Ersatz der Hälfte der Mitglieder sind daher offen­bar dem ruhigen und gedeihlichen Wirken der Vertretung des Handels nicht günstig. Die Handelskammern haben daher eine 6jährige Wahlperiode und den Ersatz von einem Drittel der Mitglieder alle 2 Jahre empfohlen. Es ent­spricht dies übrigens der ursprünglichen Negicrnngsvorlage, die erst auf Anregung der Zweiten Kammer bie jetzt beklagte Fassung erhalten hat. Auch eine andere Vorschrift des Gesetzes wird in Handelskreisen als verbesserungsbedürftig bezeichnet. Nach Artikel 5 deS Gesetzes kann sich ein Wahl­berechtigter bei der Wahl der Handelskamincrinitglieder, außer durch seinen Prokuristen und einen bevollmächtigten Angestellten seines Geschäfts, durch einen von ihm dazu mit Vollmacht versehenen anderen Wahlberechtigten vertreten lassen. Wie vor kurzem auf dem Handelskammertag in Mainz aus­geführt wurde, hat dies zu Mißständen geführt. Man hat bet den Wahlen in manchen Bezirken mit Blanko-Vollmachten einen bedauerlichen und mit der Würde der Handelskammern nicht zu vereinbarenden Mißbrauch getrieben. Die Handels­kammern wollen daher die Möglichkeit der Vertretling durch einen anderen Wahlberechtigten ausgcschaltet, die der Vertretung durch den Prokilristen oder einen bevollmächtigten Angestellten dagegen erhalten wissen. Es deckt sich diese Anregung mit einem jüngst der Kammer zugcgangenen Antrag des Ab­geordneten Molthan. Wie dieDarmst. Ztg." hört, ist der Zweiten Kammer der Landstände ein Gesetzentwurf wegen Aenderung des Hanbelskammcrgesctzes zugegangen, in dem die erwähnten Vorschläge ihrem ganzen Inhalt nach berück­sichtigt sind,

*

* Der Artillerie-Verein feiert nächsten Samstag in der Turnhalle am OswaldSgarten sein Winterfest. Zahl­reiche Einladungen sind bereits ergangen. Den Vorbereitungen und dem uns vorliegenden Programm nach zu urteilen, dürfte das Fest einen guten Verlauf nehmen, da ausgezeichnete Kräfte im theatralischen Teil Mitwirken.

-p Burkhardsfelden, 17. März. Bei den Qiiell- fassungsarbeiten der projektierten Wasferleitung in unserer Ge­meinde, ausgeführt von der Tiefbau-Firma Bender-Gießen, ist bis jetzt ein sehr günstiges 9(c|ultnt zu verzeichnen. ES ergeben sich bereits bei einer Tiefe von ca. 6 Mir. nahezu 400 cbm reines Quellwaffer am Tag und bei der vorge­sehenen Ticse dürfte noch weit mehr zu erwarten sein. Schon jetzt würde das Wasser für 45 Orte ausreichen. Es wäre somit eine sehr günstige Gelegenheit für unsere Nachbargc- mcinden, sich dein hiesigen Wasserwerk anzuschließen.

.= Friedberg, 18. März. Die Handelskam mer hat sich in ihrer letzten Sitzung gegen ben im Reichsamt des Innern aufgestellten Entwurf beir. Regelung des Apotheker- wescnS ansgesprochen, ba der Gesetzentwurf feine radikale

Reform bedeutet. So lange aber eine solche nicht durchge- sührt wird, hält sie das im Grobherzogtum Hessen bestehende gemischte System für bas empfehlenswerteste. Bei Schaffung neuer Apotheken ist die hessische Kommunalapotheke dem preußischen unprojekticrten Reichs-Personalsystem vorzuziehen. Für ben Fall, daß der vorliegende Entwurf Gesetz werden sollte, erklärt sich die Kammer entschieden gegen die vorge­sehene Betriebsabgabe. Es entspricht nicht den Grundsätze» des Rechts und der Billigkeit, die zur Ablösung von Apo- ihekenbercchtlgungen erforderlichen Mittel den Interessenten aufzulegen. Zu dem Gesetzentwurf über die Aenderung des Börsengesetzes spricht sich die Kammer einstimmig für die Freigabe des Termin Handels in Getreide aus. Zu der Frage der Schädigung des ansässigen Detailhandels durch die Wanderlager stimmt die Kammer der Erhöhung der Wanderlagersteuer zu, ebenso tritt sie für Be­grenzung der VertragLdauer im Wanderlagerbetrieb bis höchstens 3 Wochen ein, dagegen hält sie eine Vorschrift, wonach die Erteiliing einer Erlaubnis zum Betrieb eines Wanderlagers von dem Nachweis eines Bedürfnisses ab­hängig gemacht werden soll, für-verfehlt, undurchführbar und unbillig. Hinsichtlich der Besteuerung von in Hessen an­sässigen Filialen auswärtiger Geschäfte betont die Kammer wiederholt die Dringlichkeit einer allgemeinen Re­form der Gewerbesteuer, die in ihrer heutigen Gestalt zu der größten Ungerechtigkeit führt. Sie ist ferner ein­stimmig der Ansicht, daß die Filialgeschäste und Warenhäuser durch eine Sondersteuer intensiver zur Besteuerung herange­zogen werden müssen, sieht jedoch von bestimmten Vorschlägen a'^Elcher Art diese Sondersteuer aufzuerlegen sei.

Lfeneci.

Konku r s e in Hessen, lieber das Vermögen der Frau E tu Ute B n r E Witwe geb. Bereuet von Gießen, z. Zt. in M'mchen, luurbe am 9. März öaä Konkursverfahren eröffnet Rechtsanwalt und Notar Nomheld in Gießen wurde zum Konkursverwalter ernannt. KouEursforberungen sind bis zum 30. März bei dein Amtsgericht Gießen cmzumelden. lieber das Vermögen bes Gerbermeisters Georg S p a r w a s s e r II, Sohnes des Adam Sparwasser in 'Butzbach wurde am 9. März das KouEursversahren eröffnet. Rechtsanwalt Ohnacker in Butzbach wurde zum Konkursverwalter- ernannt. KouEursforderungen sind bis zum 1. April bei dem Amtsgericht Butzbach anzumelden. Heber das Vermögen ber Firma H. Bindewalb, Möbelfabrik m Friedberg, Inh.: Hilmar und Friedrich Bindewalb sowie August Görtz, wurde am 10. März das Konkursverfahren eröffnet. Heber bas Vermögen beS Friedrich Bindewalb unb über das des H i l m a r Binbeivald in F r i e b b e r g wurde am 11. März das .Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Jockel II m Friedberg wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- ft rderungeu m diesen 3 Konkursen sind bis zum 31. März bet bem Amtsgericht Friedberg aiizumelbeu. lieber bas Vermögen des l l b e v l Wallenfels, alleinigen Inhaber der Firma Ehrlstian Wallenfels zu Gießen, wurde am 11. 'März das KvnEurSoer- iabreit eröffnet. Kaufmann Louis Althoff zti Gioßen wurde zum KonturSver-walter ernannt. StonturStorberimgen sind biS zum v>. April bei dein Amtsgericht Gießen anzuinelben.

iraut -S©i^e V. Hk. 1.35 al.

D5/io Zollfrei! -- Muster an jedermann!-

ält Seidenfabrikt. Kenneberg, Zurich.