Ausgabe 
22.1.1908 Erstes Blatt
 
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Der zweite Hofball in dieser Saison findet heute

wurde dem

ab»

auf

Nach einer Meldung des

New-York, 21. Jan.

New York Hera Id

aus Rio de Janeiro entstanden die

Großherzog Angersbach,

Die Kammer nimmt nunmehr die in der vorigen Woche gebrochene Beratung über die Vorstellungen inbetreff der Kreisvrrmeffnngs'amter und der Kreisgeometer wieder auf. Abg. Wolf geht noch einmal sehr eingehend

das Thema ein und polemisiert gegen den Äbg. Heidenreich, der mit seinem Antrag die Verbilligung der Vermessungsämter, die er anstrebe, nicht erreichen werde. Redner erklärt sich nach wie vor für das Festhalten an den selbständigen Kreisver­messungsämtern. Tie Meinung, daß sich das Institut selbst erhalten müßte, teile er nicht. Tas könnte nur dann der Fall sein, wenn der Staat auch die von den Kreisvcrmessungsämtern ?,u leistenden Arbeiten bezahlte. Redner bedauert, daß sich die Regierung so schroff gegen den Antrag Heidenreich erklärt habe, die Grundgedanken hätte man wohlwollend prüfen können. Redner führt dann noch zahlreiche Einzelheiten aus der Praxis an und befürwortet einen Zusatz zum Ausschußantrag:und daß die Tagegebühren für Feldarbeiten bei allen Feldarbeiten 17 Mk. betragen und diejenigen für Zimmerarbeiten erheblich herab­gesetzt werden sollen".

Abg. Ulrich stellt dem Vorredner gegenüber fest, daß die Beschwerden der Bevölkerung in den letzten zwei Jahren nahezu verstummt sind; es hätten nach den Erhebungen der Regierung von über 1000 Gemeinden nur 62 Klagen über das Vermessungs­wesen erhoben. Ihm sei Vieles interessant gewesen, was der Vorredner aus der Geschäftspraxis seiner früheren Kollegen hier erzählt habe. Redner empfiehlt, sich auf den Boden des Ma­terials der Regierung zu stellen und schlägt vor, die 30 bis 35 Aemter auf 40 bis 45 zu erhöhen und eine Einheitlichkeit der Organisation unter einem Ministerium zu erstreben.

Darauf wird die Debatte abgebrochen und auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagt.

*

Ter angebliche Vertrauensmißbrauch, den man zu­nächst dem Mitglied des Gesetzgebungsausschusses Abg. Tr. Fulda vorwarf, weil er Berichte über die vertraulichen Verhandlungen der 6eiben Gesetzgebungsausschüsse über die Wahlrechtsvorlage in sozialdemokratische Parteiblätter lancierte, veranlaßte den S e -- niorenkonvent der Zweiten Kammer zu einer weiteren Sitzung, da sich herausgestellt hatte, daß diese Mitteilungen gleichzeitig auch, in anderen Blättern erschienen waren. Es soll nunmehr die Erste Kammer benachrichtigt werden, daß die erfolgte Veröffentlichung durch ein Mißverständnis zweier Abgeordneter erfolgt sei.

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je fünf ttstcheii sorvie in Tie Ein Preisger Heimat-, sichligune Hauser i Preisnern 1908 itatt an Geh. 5 finben bu Gartenbau orte imm slandmL i zur Sorbe und baß eine befb sich auch bei Gart

abend im Alten Palais zu Darmstadt statt.

** Pfarrpersonalien. S. K. H. der haben dem Pfarrverwaller Johs. Hoehne zu die coang. Pfarrstelle daselbst übertragen.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen

Aus Stadt und Cand.

Gießen, 22. Jan. 1908.

Vom Gießener Juftizgebändc.

Im I u st i z g e b ä u d e soll die Einführung einer Zentralheizung erfolgen, für die im neuen Staatsvor­anschlag 24 200 Mark und ferner für eine Hausbeschließer- wohuung beim Justizgebäude 10 000 Mark angefordert werden. Die Heizung im Justizgebäude wird in Ansehung der für das Schwurgericht bestimmten Räume durch eine Warm­luftanlage, im übrigen durch 55 meist alte, abgenutzte, sehr verschiedenartige Lesen bewerkstelligt. Diese Einrichtung gibt, wie zur Begründung der Forderung betont wird, schon seit langem zu berechtigten Ablagen Veranlassung; denn abgesehen von der hierdurch bedingten erhöhten Feuersgefahr, dem un- verhältnißuiäßig großen Kohlenvcrbranch und der ungleichen Erwährmurrg der einzelnen Räumlichkeiten, bildet die Be­sorgung so zahlreicher Feiierungsanlagen eine kaum zu be­wältigende Aufgabe für den Hausbeschließer. Eine Abhilfe läßt sich nur durch die Einführung einer Zentralheizung schaffen, deren Betriebskosten sich nicht höher belaufen werden als die der jetzigen Lokalheizung. Die Errichtung des Hausbeschließergebäudes ist, da im ehemaligen Justiz­gebäude die Räume längst unzureichend sind, auf dem daran angrenzenden Gartengelände in einer Lage geplant, daß von dem Neubau aus die vordere Seite und die Eingangstür des Justizgebäudes übersehen werben kann. 3 um 9teubau eines Amtsgerichtsgebäudes werden für Erwerbung von Gelände für den Bauplatz 60 000 Mk. gefordert. Zur Erläuterung dieser Forderung wird bemerkt:

rüchte über ein geplantes Attentat auf die ameri­kanische Kriegsflotte dadurch, daß ein deutscher Dampfer Chemikalien für Zündholzfabrikation gebracht hatte. Auch nach Meinung von Marineautoritäten war fein ernstes anarchistisches Attentat geplant. Die Aus- sührung eines solchen wäre in amerikanischen Häfen leichter gewesen.

Deutsches ReLetz.

Berlin, 21. Januar. Tas Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Etatberatung fort und verwies zunächst den Etat der Seehandlung an die Budgetkommifsion zurück. Tann wurde der Etat der Münzveriva ltung und eine Anzahl kleinere Etats erledigt. Hierauf wurde die Debatte über den Landivirtschafls-Etat fortgesetzt und die ordentlichen Ausgaben genehmigt. Nächste Sitzung Donnerstag. Konser­vative Bankdiskont-Interpellation, Automobil-Antrag, Antrag Hitze (Zentrum) wegen Sienbcrung des Einkommensteuer­gesetzes und Fortsetzilng der Etatberatung.

^"«11 iörigJ^nt,

In dem Justizgebäude in Gießen sind in dem Erdgeschoß daS Amtsgericht, in den beiden oberen Geschossen das Land, gericht und die Staatsanwaltschaft nntergebracht. Für dies, sämtlichen Behörden sind die zur Verfügung stehenden Räum­lichkeiten unzureichend. Am schlimmsten ist der Platzmangel bei dem Amtsgericht. Obwohl für die Zwecke der Grundbuch- anlegung besondere Räume in einem benachbarten Hause crmietet, der Amtsanwalt und sein Personal in den für das Schwurgericht bestimmten Räumen im obersten Geschoß unter­gebracht und im Erdgeschoß alle irgend in Betracht kommenden Räumlichkeiten, wie Beratungszimmer usiv. zur Unterbringung von Beamten herangezogen worden sind, fehlt es an der erforderlichen Anzahl von Richterzimmern, ein zureichenden Lokalitäten für die beiden Gerichtsfchreibereien, für die Akten, die Bibliothek usw., nicht minder an geeigneten Warteräumen für Anwälte und Publikum. Unter Zugrundelegung bei dermaligen Bedürfnisse würden für das Amtsgericht das Land­gericht li. die Staatsanwaltschaft zusammen etwa 40 neue Dienst- räuine zu beschaffen sein. In dem jetzigen Juslizgebäu.de ist dies nicht angängig. Es muß daher ein Neubau auf zu eriverbendem Nachbargelände in Aussicht genommen werden, der lediglich den Zwecken des Amtsgerichts zu dienen hätte, während das jetzige Gebäude ausschließlich dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft bei diesem Gericht zu überiveisen wäre.

Ilitta sand nicht statt. Trupps von Demonstranten veranstak- teten Um-züge. Auf der Marschall- und Krvnprinzenbrucke so­wie in der Karlstraße und ber Königgrätzerstraße ereigneten sich ernstere Zusammenstöße mit ber Polizei, Siebte blanke Waffe gebrauchte. Die Exzebenten waren meist halb­wüchsige Burschen. Vor einem Hause am Schiffbauerbamm er* hielt ein Schutzmann einen Schuß in ben Mantelkragen. Er selbst wurde Nicht verletzt. Tie Hauptexzedenten wurden ver- haftet. lieber die Vorgänge m Hannover wird uns ge­meldet: Mittags waren etwa 600 Arbeitslose vor dem Ge- schästshause einer Zeitung versammelt, um den dort ausgegebenen Arbeitsmarkt" in Empfang zu nehmen. Einer der Arbeitslosen wurde gegen einen die Ruhe aufrecht erhaltenden Schutzmann tätlich, so daß der Beamte gezwungen wurde, von dem Säbel Gebrauch zu machen. Daraufhin drangen mehrere Ar­beitslose mit offenem Messer auf ben Beamten em. Einer ber Exzedenten wurde so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werben mußte.

AusLassd,

London, 20. Jan. In dem Wahlkreise Mittel- Devonshire, wo ber konservative Tcn.ifceformer am Samstag den Liberalen das Mandat entriß, brachen große U n =- ruhen aus, die bis Sonntag abend anbauerten. Während der Nacht von Samstag auf Sonntag waren die kleinen Städte und Dörfer m diesem Wahlkreis fast im Kriegs- zustand. Tie Unruhen erreichten ihren Höhepunkt in Newton-Abbot, wo viele Gewa lttaten verübt würben. Em hervorragendes Mitglied der lokalen konservaliven Orga­nisation würbe tot aus dem Fluß gezogen. Er scheint das Opfer eines politischen Attentates geworden zu sein. Eine liberale Volksmenge bewarf die Häuser ber Konservativen mit Steinen und griff den konservativen Klub in Newton Avbot an. Gestern mußten viele Opfer der Unruhen ins Krankenhaiis gebracht werden.

Eine Kriegslist der Frauenrechtlerinnen ist von einer Zeitung entdeckt worden. Es wnr beschlossen worben, daß eine der Frauenrechtlerinnen in Niänncr- kleidern das Parlament betreten und eine Rede halten sollte. Zii diesem Zwecke war eine Wahlrechtlerm bestimmt worden, die mit einem sozialistischen Abgeordneten große Aehnlichkeit hat.

Hüll, 21. Jan. In einer heute abgehaltenen Ver­sammlung ber Arbeiterpartei würbe ein sozialistischer Antrag eingebracht, bas Statut ber Partei dahin abzuälidern. baß als ihr letztes Ziel bie B e s e it i g u ng bes Kapitalis­mus und bic Verstaatlichung des Eigentums auf- z u st eilen sei; ber Eintrag würbe mit 951 000 gegen 910000 Stimmen abgelehnt.

Paris, 21. Jan. Abbul Asis hat seinen älteren Brub er 2)1 u l e i) NIu Hamed, den er seit seiner Thron-' besteigung im Jahre 1894 gefangen gehalten hatte, nunmehr frei gegeben. Muhameb erfreut sich bei ben Nomaden Nordmaroklos großer Beliebheit.

Die Voss. Ztg. meldet au§ Tanger: Nach hier umlaufen­den Gerüchten hätten bie Franzosen bei Settat eine Nieberlage erlitten und 35 Tote und 35 Verivunbete gehabt. Es heißt ferner, baß sie Settat wegen Munitions­mangel hätten aufgeben müssen.

Petersburg, 22. Jan. Eine Vorlage, betreffend die Erneuerung der russischen Flotte wirb demnächst ber Reichsduma zugehen. Das Marineministerium beansprucht für biefen Zweck 41/2 Milliarben Mark, bie auf 15 Jahre verteilt werben sollen. Die Duma wirb bie Vor­lage in bieser Fassung ablehnen.

Li bau, 21. Jan. Neuerdings ist eine Matrosen­meuterei ausgebrochen, die jedoch vom Militär unterdrückt würbe. Zahlreiche Verhaftungen würben vorgenommen.

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Me maßlosen Uebertrcibungen bes Abg. Ulrich verwahren, die er nur als Entgleisungen dieses gewiegten Parlamentariers bezeichnen könne. Tcim derselbe kenne genau die Vorteile, bie wir bei ber Gemeinschaft erreicht haben. Auch die Arbeiter- - Verhältnisse seien bei der Gemeinschaft wesentlich bessere ge­worden. ..

Präsident Haas weist darauf hin, daß mit derartigen schroffen Ausdrücken nichts erreicht, sondern nur die Stimmung noch mehr verbittert werde.

Minister Braun erklärt, obgleich er in der Sache nicht zuständig sei, so wolle er doch als Mitglied der Regierung entschieden Verwahrung einlegen gegen die Bemerkung, daß die Regierung beim Abschluß des Gemeinschaftsvertragsübers Ohr gehauen" wurde. Er frage den Herrn Präsidenten, ob bieser den wiederholt gebrauchten Ausdruck gehört hat und für zulässig hält, den Abg. Ulrich noch mehr unterstrichen hat. Es sei nicht des Redners Sache, festzustellen, ob diese Ausdrücke noch varlamentarisch erlaubt sind, er müsse aber für seine Perfon und im Namen der Regierung aufs schärfste und nach­drücklichste Verwahrung einlegen.

Präsident Haas erklärt, er habe den gerügten Ausdruck nicht gehört. Wenn er gefallen sei, so muffe er ihn als par­lamentarisch unzulässig bezeichnen und zwar, umsomehr, als ja auch die Mehrheit des Hauses dadurch betroffen wird.

Abg. Ulrich bemerkt, daß er sich mit den optimistischen Anschauungen des Abg. Reinhart nicht einverstanden erklären könne. Er bleibe bei feinen Ausführungen und sei überzeugt, daß Preußen sich auch nicht bedenken würde, ähnliche Ver­träge wie mit Hessen auch mit anderen süddeutschen Bundesstaaten abzuschließen. PreußeA' würde vielmehr alle zehn. Fmger darnach lecken, wenn es noch mehr solcher Verrruge abschließen könnte. Die anderen Staaten würden sich dafür bedanken. Auch in Offenbach sei zuerst eine Menge Leute mit dem Vertrag zu­frieden gewesen, jetzt, nach den neuen Umleitungsprojekten, finde man doch ein großes Loch darin.

Abg. Köhler bringt ebenfalls Beschwerden gegen den preuß. Eisenbahnfiskus vor. Der Vertreter Hessens in Berlin fei, zu altum sich noch auf die Hinterbeine zu stellen". Tort müßte ein Jüngerer für die hessischen Interessen eintreten.

Abg. Raab meint, Preußen scheine es geradezu auf eine systematische Schädigung der hessischen Interessen abgesehen zu haben.

Abg. Breidenbach beklagt bei dieser Gelegenheit, daß trotz aller Beschwerden und Klagen die schweren Mißstände auf dem Bahnhof zu Friedberg noch immer nicht abgestellt wur­den, trotzdem sie allseitig als ber Abhilfe bedürftig anerkannt wurden.

Präsident Haas unterbricht den Redner und bemerkt, es werde mit dieser Bemerkung einem befreundeten Bundesstaat eine böswillige Absicht unterschoben, er müsse dem Redner eine Rüge erteilen.

Abg. Bähr polemisiert in umständlicher Weise gegen den Finanzminister und meint, derselbe sei wohl nur deshalb nicht zur heutigen Sitzung erschienen, um der Tebatte aus bem Wege zu gehen.

Ministerialrat Tr. Becker erwidert, der Minifler habe auch noch anderes zu tun, als in der Kammer Rede zu stehn, er sei in einer anderen wichtigen Sitzung beschäftigt. Uebrigens habe doch kein Mensch wissen können, daß der vorliegende Gegen­stand nicht, wie sonst stets üblich, einfach dem zuständigen Aus­schuß überwiesen werden würde. Aus die Bemerkungen des Abg. Bähr, der Minister sei der Tebatte absichtlich aus dem Wege gegangen, die Regierung denke, laßt nur die in der Kämmer immer reden, wir machen doch, was wir wollen, sowie auf die vom Redner noch unterstrichenen gerügten Worte des Abg. Raab bezüglich der systematischen Ausbeutung Hessens erwidert Redner, er müsse es ablehnen, aus das Niveau des Abg. Bähr herabzusteigen. Derartige Beleidigungen der Negierung sollte auch ein Abgeordneter nicht aussprechen, der nicht zu den Ge­lehrten des Hauses gehört und von denen der Abg. Bähr einmal sagte, sie verständen es, ihre Rügen in feinere Formen zu kleiden. (Heiterkeit und Bravo!)

Nach weiteren tSernerfunken ber Abgg. Ulrich, Bähr und einer Entgegnung des Ministerialrats Dr. Becker schließt bic Debatte. Weil ein Antrag auf Verweisung des Antrags Dr. Frc- nay an einen Ausschuß nicht gestellt wurde, wird geschäftsord- nungsmäßig der Präsident einen Referenten dafür bestimmen.

Lehrer Jak. Jacquernar zu Velbert (Rlxsinpreußen) eine Lehrerstclle an ber Genieinbefchule zu Flomborn. Erledigt ist bie mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Lindenstruth. 2)lit der Stelle ist Lektordienst verbunden.

** Für ibi e Sitzung ber StadtverordneteN4 Versammlung am Donnerstag, 23. Jan., nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Auslosung von Schuld­verschreibungen. 2. Baugesuch von Otto Schaaf für den Selters­weg. 3. Baugesuch der Firma Winn u. Co. für die Bahnhof­straße. 4. Gesuch von H. Musch um Genehmigung zur Ein­richtung eines Kellerraums auf früheren Stadtbachgelände. 5. Ge­such des W. Kilbinger um Genehmigung zur Ueberbrückung des Schoorgrabens in der Süd-Anlage. 6. Tieferlegung eines Ent­wässerungsgrabens bei der Irrenanstalt. 7. Schutzstreifen bei ber Irrenanstalt. 8. Beleuchtung des Schlachthofes. 9. Be­leuchtung des Polizeigesängiiisses. 10. Gesuch des Georg Bichler um Verpachtung eines städtischen Flutgrabens zur Füllung seiner Eisteiche. 11. Abortanlage bei ber Stabtknabenschule. 12. Un­tersuchung der Blitzableiter. 13. Genehmigung von Rechnungen. 14. Viehzählung, hier Vergütung an bie Zähler. 15. Tie Aus­führung bes Reichsgesetzes bei Abänderung der Gewerbeordnung Dom 30. Juni 1900. 16. Beurlaubungen der städtischen Ar­beiter. 17. Voranschlag der höheren uno erweiterten Mädchen­schule. 18. Voranschläge für Straßenbauten für 1908. 19. Her­stellung eines Bürgersteigs an der Nordseite der Marburger Straße. 20. Gesuch des Ph. Heinr. Keller um Erlaubnis zuw Schankwirtschaftsbetriebe auf der Eisbahn. 21. Desgleichen des Moritz von Zwerger für das Haus Burggraben 9. 22. Desgll des Karl Röfinger für das Haus West-Anlage 64. 23. Desgl. des Jakob stttstl für das HauS Neuenweg 28. 24. Desgl. des Ludwig gen. Georg Ehrhardt für das Haus Ludwigsplatz 15. 25. Desgl. deS Eberhard Vianden für Saitbgraf Philipp-Platz 10.

** Ausstellung für bas Gastwirts-Gewerbs und Kochkunst-Ausstellung. Bisher sind aus Gießen und ber Provinz bie Anmeldungen verhältnismäßig spärlich. Was aber zur Anmeldung gekommen ist, verspricht eine ganz außergewöhnliche Augenweide zu bieten. Nicht weniger als sechs Prunk- und Hochzeitstafeln sind bisher von Gießener 'Ausstellern in Aussicht gestellt, darunter zwei von ben beiden hiesigen Kellnervereinigungen, bie gegenseitig in Konkurrenz treten wollen. Oie hiesigen Metzger haben sich vereinigt, um einen hochmodern eingerichteten eleganten Metzgerladen mit allen technischen und maschinellen Einrichtungen für den Hand­verkauf auszustellen. Besonders zu begrüßen würde es sein, wenn, der Anregung des geschästSführenden Ausschußes ent­sprechend, es sich ermöglichen ließe, neben der Kochschul- Abteilung der Aliceschule auch die beiden Klassen der Koch­schule unserer Stadtmädchenschule an der Ausstellung zu be­teiligen. Die Nachfrage nach Ausstellungsräumen hat besonders von außerhalb unserer Provinz von Tag zu Tag zugenommen, so daß die Interessenten aus Gießen und Oberhessen, die die Ausstellung beschicken wollen, gut tun, mit ihren Anmeldungen nicht zurückzuhalten, da die Auswahl günstiger Plätze immer knapper wird. Die Anmeldungen werden der Reihe nach berücksichtigt. In der gestrigen Liste der Ehrenförderer sind Regierungsrat We lcke r von hier, Hoftraiteur Poser von Reuß und Bahnhofsrestaurateur Fritz Avieny in Butzbach nachzutragen.

** Der Gastwirt Peter Prell, der Inhaber der Stadt Mainz", ist am Montag abend gestorben. Mit ihm ist ein Gießener Original aus dem Leben geschieden, das weit über unsere Provinz hinaus bekannt war. Prell war in Krefeld geboren. Er war gelernter Seidenweber, diente beim Kaiserin Augusta-Regiment, das damals in Coblenz in Garnison lag, und hat den Feldzug von 1870/71 mit» gemacht. Verwundet wurde er nach Gießen ins Lazarett verbracht, in bem er feine spätere Gattin kennen lernte, eine Gießener Bürgerstochter, bie als freiwillige Krankenpflegerin tätig war. Nach Beenbigung des Krieges heiratete Prell und übernahm bas Gasthaus zurStabt Mainz" am Kreuz- platz, das bic Prellschen Eheleute bald zu hoher Blüte brachten.Pitter", wie man den Wirt zurStadt Mainz" nannte, hatte stets vorzüglich gepflegte Biere und feine Frau hielt auf eine gute Küche, aber das allein veranlaßte nicht die zahlreichen Gäste, Offiziere, Professoren, Studenten, Kauf­leute, Handwerker und Landwirte, in derStadt Mainz* Einkehr zu halten. Anziehungskraft übte die originelle Derb- heit aus, womit der Prell seine Gäste zu behandeln pflegte. Besonders waren eS bieReiseonkels", bie in Gießen zu tun hatten, bie gern und oft in derStadt Mainz" Gast machten, um sich über die jokosen Em- und Ausfälle des Wirtes zu amüsieren. Mancher Reisende blieb, wenn erPitter" gerade bei guter Laune antraf, bis zur späten Stunde sitzen und nicht selten kam es vor, daß die Gäste über die Barschheit des Wirtes Tränen lachten. Viele Episoden aus Prells bester Zeit sind heute noch bekannt, die verdienten, von einem Chronisten verzeichnet zu werben. Peter Prell, bem seine Gattin im Tode vorausgegangen war, hat m ben letzten

politifcb« Cagesfcbatu

Demonstrationen Arbeitsloser.

In Berlin und Hannover haben gestern Temonstrationen Ar- bettsloier stattgefunden. Als sich in Berlin gestern nachmittag gegen 4 Uhr ungefähr 2000 Arbeitslose gegenüber dem Reichs- tagsgebaude auf dem Schiffbauerbamm zmammengefunden hatten und von der Polizei zerstreut werden sollten, wurden von dem Neubau des Operettentheaters Ziegel gegen die Poli­zisten geworfen, worauf die Schutzleute blank zogen. Wäh­rend eine Anzahl Schutzleute von der Brücke aus auf bic Temoii- einhieb, drang auf der anderen Seite eine Abteilung berittener Schutzleute ein, die ebenfalls blank ge­zogen hatte Wie die in der Nähe befindlicl)en Personen be­haupten, soll auch em Fe ue rw e r ks r pe r explodiert lern, der vielleicht von den Schutzleuten für einen Schuß ge­halten wurde, woraus diese auf färntiidje Leute einschlugen von denen eine Anzahl am Kvpfe verwundet wurden. Tie Polizei jperrte die Arbeit auf dem Neubau. Ein- zweite Meldung be­sagt: Tie von etwa 8500 Personen besuchten Versammlungen von Arbeitslosen wurden teilweise wegen Lokaiübersüllung xrotv Sellich geschlossen. Die einberufene Anarchistenversamm -