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22.1.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch 23. Januar 1908

158. Jahrgang

Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten

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Der Lietzener Anzeiger etlcbetm täglich, auß« Sonntags. - Beilagen: o ter mal wöchentlich

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lich bringen wird; erst bei mehr als

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Verantwortlich für den politischen Teil:

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ßtmaqme von Anzeigen V 1 » * u. Land" und.lSenchts-

gj Rotationsdruck und Verlag der vriihl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schuiftratze 7. Anzeigenteu^^H."'

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-Tie Spannung von 100 bis 500 Kilometer Entfernung, innerhalb bereit gegenwärtig gleichmäßig die Gebühr von 1 Mi. gilt ift ziemlich groß. Auf Anregung au§ Hanbclskrcisen ,oll tun eine Zwischenstufe von 75 Pfg. für Gespräche auf Ent- iernungen von 100 bis 250 Kilometer eingeführt werden. Me Maßnahme wird nach dem bisherigen Verkehr einen Einnahme a u s f a l l von 130 000 Mk. mit sich bringen, burch . n aiio die Mebreinnahme aus den Ortsgebühren reichlich aus- ^glichen wird. Es ist anzunehmcn, daß die Ermäßigung zum großen Teile den Kreisen von Vorteil sein wird die durch llbschafsung der Pauschgebühren zu stärkeren Zahlungen im Ortsverkehr herangezogen werden.

Für Gießen fällt in die neue 7o Psg. Zone der ganze rhe^ üsch-westfälische Jndustriebezirk mit ^üoeldorf, Barmen, Elber- !eld, Crefeld, Duisburg, Essen Dortiuund ferner Aachen Köln öonn, Trier, Saarbrücken, Metz, Straßburg (Els. , die ganze 'nheinpsalz, Worms, Mannheim, Heidelberg Karlsruhe, Stutt­gart, Tübingen, Heilbronn, das nordwestliche^Bayern nnt Wurz- !urg, Bamberg, Fürth, Nürnberg, der größte ^ von Thbrmgcn mit Meiningen, Eisenach, Gotl-a, Erftirt, ^^^!^ner

Braunschweig, .Hannover, Osnabrück, Cassel, DnlesÄ^, Münster Westfalen) usw. Zusanlmenfasicnd kann behauptet.werden, da > den weitaus größten Teil der hiesigen p>>-rn- bie Reform eine Gebührenermäßigung mit iicy onngen wrro; erst bei mehr als 2000^Ortsgesprächen Mr uh öüebc für die jetzigen PausäMbul-ren-Teilnehmer eine Erhöhung (inlreten, die aber in vielen Fallen in der ^'rabwtzung der Gebühren für Gespräche nach auSwarts einen Ausgleich tutben

hessische ZMite Kammer.

Darmstadt, 21. Jan.

Am Ministertisch: Minister des Innern Braun, Mini- sterialräte Becker, Usinger.

Nach Eröffnung der Sitzung um lOVa Uhr verweist bas Daus eilte Anzahlzur vorläufigen Beratung" gestellte Anträge und Vorstellungen an bie zuständigen Ausschüsse, darunter eine Vor- stelluiig um Errichtung eines AmtsaerichtS in Rüsselsheim, und um Erbauung einer Eisenbahn von Weinheim a. d. 23. nach Neaar- steinach, sowie ein dringlicher Antrag des Abg. Tr. ö" r e n a Y betr. bie Umleitung des Güterverkehrs von Mombach nach dem Niederrhein über die rechtsrheinische Linie.

Abg Molthan begründet den letzteren anstelle des be­hinderten Antragstellers und weist auf die f dimere Schädigung der Gemeiiide Mombach hin; man müsse verlangen, daß die Regierung allen ihren Einfluß zur Beseitigung der ganz unver­ständlichen Umleitung der Güterzüge geltend mache.

Abg. Adelung beklagt, daß. kein Vertreter bc5 Finanz­ministeriums zugegen sei, um sofort die Erklärung lster ab­zugeben, daß sie selbstverständlich für bie Beseitigung der Um­leitung eintreten werden. Tie so hoch entwickelte landwirtschaft­liche Kultur von Mombach werde dadurch aufs schwerste go- scl)üdigt.

Abg. Bähr bespricht das mangelnde Entgegenkommen des preu ßis chen Ei senb a hnfisku s.

Abg. Ulrich erklärt daS Verhalten desselben und be­sonders auch die Umleitung der landwirtsck)aftlick)en Produkte von Mombach über die rechtsrheinische Linie für eineuner­hörte Rücksichtslosigkeit" und verlangt, daß das ganze Haus geschlossen dagegen protestieren solle. Ter Abg. Bähr habe sich sehr milde ausgcdrückt, er hätte nur direkt sagen sollen, datz wir beim Abschluß deS GemcinschaftsvertrageS übcrS Ohr ge­hauen worden sind.

Abg. Reinhart ist ganz damit einverstanden, daß die Regierung ihren stärksten Einfluß ausübe, um eine Abstellung vorhandener Mißstände m erreichen. Er müsse sich aber gegen

dings auf Veranlassung von Reichstagsanregungen, die in Un­kenntnis der wirklichen Verhältnisse eine unangemessene Ver­zinsung der Reichspostkapitalien annahmen. Die Zeetungsbei- lagen wurden im Preise verdoppelt. Nun kommt auch der Fern­sprecher an die Reihe.

Der Resormplan sieht zwar auch einige kleine Erleichte­rungen vor, aber zugleich bringt er ungeheure Verteuerungen eines bisher uneingeschränkten Verkehrs, an den man seit andert­halb Menschenaltern gewöhnt ist.

Sehen wir nun einmal zu, wie der mene Tarif in bie Taschen der Fernsprechteilnehmer hineingreifen würoe! Tie Ver­billigung für bie bisherigen Grunogebührenanschlüsse um 10 Mk. jährlich über um 2/2 Mk. vierteliährlich kommt doch nur wenig in Betracht; daS wäre kein genügender Anlaß zu dieser Reform. Und da die meisten Teilnehmer über 400 Gespräche jährlich lüijrcn, so spielt wohl auch die Befreiung von deren Voraus­bezahlung keine nennenswerte Rolle.

Bei den Vauschgxbührenabonnenten von heute wird aber bie neue Gebührenordnung erstaunliche Aenderungen zeitigen, wenn )i2 nicht etwa auf bie meisten Gespräche verzichten wollem Gegenwärtig zahlen Vauschabonnenten in kleinen Siüdten mit 101 bis 200 Anschlüssen jährlich 120 Mk., und sie sprechen durchschnittlich rund 2000 mal im Jahre. Nach dem neuen Tarif würden es 50 Mk. Grundgebühr + 100 Mk. Gesprächsgebühr sein, also 150 Mk. im ganzen oder 30 Mk. mehr als jetzt. Bei dem kleinen Gesck)äftsmann des Städtchens, der noch mehr spricht als der Turchschnittsabonncnt, ist die Verteuerung meist noch weit größer.

Wer jetzt für 150 Mk. 10 000 mal jährlich ober knapp 30 mal am Tage spricht etwa jede Stunde dreimal, also in einem Geschäft mit mehreren Nebenanschlüssen und zahlreichen Personen gar nicht viel! der hätte 540 Mk. jährlich zu zahlen. Der Akquisiteur und Agent, der Industrielle und Staufmaun, der Spediteur und Vermittler würden das sehr bitter empfinben. Bei 50 000 Gesprächen jährlich Hütte man fünf Anschlüsse zu bezahlen (= 500 Mk.) unb außerdem 2040 Mk. an Gesmäcbs- geoühren. Und bei dem Rekord von 100 000 Gesprächen jährlich wären es rund 5000 Mk. statt 180 Mk. Gewiß, es wird zweifel­los heute manches entbehrliche Gespräch geführt, aber bas Ge­schäfts- und Privatleben hat auch seine wichtigen Impondera­bilien, und man darf nicht vergessen, daß der telephonische Nachrichtenverkehr oft genug den Brief-, Personen- unb Güter­verkehr in Bewegung setzt. Tie Aushebung der Zwei-Pfennig-- karte hat einen durchaus nicht immer unwichtigen Nachrichten- unb Geschäftsverkehr unterdrückt. Auch eine Verteuerung des Fernsprechers kann empfindliche Schädigungen zeitigen.

Eine etwaige Reform müßte also sehr reiflich erwogen und geprüft werden. Die Denkschrift der Reichspost vermag von aem Vorhandensein eines zwingenden Anlasses zur Aenderung der seitherigen Gebührenordnung nicht zu überzeugen. In aller­erster Linie müßten bie Handelskammern gegen solche Verkehrs­erschwerungen Stellung nehmen. Tie Darmstädter Handelskam­mer crtlärle nach derTarmst. Ztg.",daß es am erfreulichsten für Handel unb Gewerbe sein würde, wenn der seitherige Tarif beibchalten werden könnte. Sollte dies jedoch durchaus nicht angängig sein wegen der von der Reichspoftverwallung auf- gestellten Behauptung einer ihrer Leistung seitens der Gcfprächs- interessenten nicht entsprechenden Gegenleistung, so könnte sich bie Handelskammer nur unter bet Bedingung mit der gänzlichen Beseitigung des Pauschg-'bührentarlfs uno snuer Er etzuug burch Erhebung von Grund- und Gesprächsgebühren cinü^riianben er­klären, wenn folgende Festsetzung der Gesprächsgebühren statt- finbet: Für jede Verbindung roirb eine Einzelgesprächsgebühr von 4 Pf. erhoben. Diese Gebühr muß sich, wenn in einem Rechnungsjahre von einem Anschluß aus mehr als 2000 Ge­spräche geführt würden, für die Gespräche von 2001 bis 6000 um je einen halben Pfennig auf 3Vs Psg. und für bie weiteren Gespräche um je 1 P g. auf 3 Pfg. ermäßig n. Hierdurch würde einesteils die Reichc-postverwaltung entsprechende Euinahmen er­zielen, während anderenteils bie Verkehrsinteressenten nicht über Gebühr belastet werben würden."

DaS deutsche F-crnsprechwefen hat sich seit der am 1. April 1300 in Kraft getretenen Gebühr en-Orbnrmg sehr stark ent­wickelt. Von 1881 bis Ende 1899 waren es bloß 195 078 an­geschlossene FernspreMellen. In den folge-,iden sieben Jalnen wuchs diese Zahl um ca. 392 000, also aus 587 000 weitere Sprechstclleu. Mit Vahern und Württemberg waren eS noch beinahe 100 000 mehr. Es kommen von bcn 62 Millionen Ein­wohnern im Reich auf knapp 100 Menschen schon 1 Fern- precher. Es muß daher Pflicht der Reichspostverwaltting sein, Verkehrsmittel und -Weae nicht einznschränken, sondern nach Be­darf auSzubauen. Podbielski derNichtfachmann" hat auf diesem Gebiete doch unstreitig große Verdienste sich er­worben ! __________

ber Fernspr--l»-btihrm wird in der S-ut-t. W nur für biegroßen ©eWäfte (W-r-nbLuirr. ^Skus. leuie usw.) in den Großstädten emtreten, tue etne Mehrbelastung Dohl vertragen können."

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Tie Erhöhung der OrtStarife sollte 12 Millionen Mark her­beischassen. ES werden aber viel weniger sein. Em großer Verkehr von ca. 500 Millionen Poft endungen wurde damit aber aufs schwerste gesck)ädigt und teilweise vernichte^ Diese Maßregel bedeutet zugleich eine Un ahigkei serklarung drr Rci^- post ilnerseits auch nur teilweise dasselbe zu leisten, nms früher die Privatposten >wch mit Nutzen schassen konnten, be­merkt sehr richtigDer Tag" dazu. Will man setzt mit Abiicht; dem Teil des Nachrichtenverkehrs, der sich nach der Unter­drückung der Zwci-Psemiigkarten wenigstens mittels des ^rn- spreckurs teilweise zu helfen suckst, auch das Lebenslicht aus­bla en? Und das in einer Zeit drohenden wirtfchaftlicksen Nie­dergangs und empfindlicher Teuerung, wo man nach einer alten Regel der Staatsiöeislstit den Geschästsstvckungen gerade durch Verkehrserleichterungen vorbeugen muß!

Was das Jahr 1900 an Reformen gebracht hat, wird an­scheinend Stück für Stück wieder rückgängig gemacht. Ate Stan- psennigpostkarten und die billigen Ortsbrucksachentarife, die sich I vorzüglich bewährt hatten, wurden lurrerhand beseitigt, aller-

ausgewogen.

Tas Lelephonkapital der ReichSpost verzinst sich sehr gut, nicht mehr bloß mit vier, sondern bereits mit sechs v. H., wo­von 2 Va v. H. als Ueberschuß über dem Normalzinssatz der Anleihen von 31/2 v. H. übrig bleiben. Tie Post un engeren Sinne ohne Telephon und Telegraph dürfte wohl eine Kapitalverzinsmig von 3025 v. H. anstveisen. Ain Telegraph arbeitet die Post mit einem Defizit. In anderen Landern ist letzteres übrigens auch ber Fall. r, f,.r

Umso erstaunlicher ist, baß man letzt die Pailschgebuhren beseitigen unb allgemein durch teuere Gesprächsgebühren ersetzen will in ber ausgesprochenen Absicht, bannt eine Einschräntung der Telephonbenutzung herbeizuführen. Wenn vereinzelt bie Pauschgebührenanschlüsse ungebührlich oft benützt werben, so mag man für solche Fälle eine Staffelung ber Pauschgebühren em- treten lassen; bas System selbst ist gut unb auch vom Stand­punkt der Verwaltung durchaus berechtigt. Es ist deshalb berechtigt, weil es, richtig angewandt, den Verkehr, tn einem Maße belebt wie feine andere Methode der Tarifbemessung. Las ist der Grund, weshalb sich die Pauschgebührenbezahlung oder was dasselbe ist das System der Abonnements in Ver­kehrsanstalten aller Art durchgesetzt hat, besonders häufig bet Straßenbahnen, aber auch innerhalb der Elsenbahitverwaltung. Tie Monatskarten für die württembergischeli Eisenbahnen sind zwar der Pcrsonentarisresorm zum Opser gesallen, ledoch auch heute noch gibt es zahlreiche Abonnementskarten für Arbiter unb Schüler ans ben preußischen unb bcn übrigen beutscheii Eisenbahnen. Man kann also nicht sagen, baß bte Pauschgebubren auSbem Rahmen unserer ofsiziellen Tarifpvlitik herausnelcn. Unb man wirb es hoffentlich auch nicht als einen Grundsatz dieser Tarifpolitik statuieren, baß es weise sei, ben verkehr zu uertcuren, ohne bie Absicht einer Gewinnsteigerung, ju bem einzigen Zweck, bem Publikum bas Telephonieren abzngewohnen.

Aus ber Reichs-Fahrkartcnstcuer hoffte man 50 Millionen herauszufchlagen. Aber nicht bie Hälfte biescr Summe wirb bas Reich heraus gewinnen, Preußen wirb vermutlich babci vcr-

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Zur Klärung ber ganzen Frage wird es jedenfalls gut fein, neben dieser Verteidigung der Pläne der Neichspostverwaltung auch eine gegenteilige Ansicht zu hören. Wir fügen baljer an dieser Stelle folgende Darlegungen au, die uns von einem anderen, mitten im Gefchästsleben fteheiiden Herrn gemacht wurden:

Die Aendernng der Fernsprechgebührenordnung.

Ter erste deutsche Fernsprechgebührentarif von 1881 wies für Anschlüsse bis zwei Kilometer als jährlichen Abonnemcntü- beitrag 200 Mk. auf. Seit 1884 zahlte man einheitlich 150 Mark jährlich, die dann seit 1891 für Anschlüsse bis zu 5 Kilonteter vorn Vermittlungsamte gelten. Tie Gefprachsanzahl war dabei unbeschränkt. Ter gegenwärtige Tarif trat bann am 1. April 1900 in Kraft. Dieser Tarif sieht bekanntlich eine Pauschgebühr mit unbeschränkt vielen Gesprächen vor, als auch ein Abonnent mit nichtigerer Gruubgebühr unb mit Ge­bühren für jebcs einzelne Gespräch, beibes nach verschicbcncn Größenklassen bcS Teilnehmernetzes abaeftuft.

Nun gebeult uns plötzlich bie Neichspostverwaltung mit einem neuen, völlig unerwarteten Tarif zu beglücken. Die zu bieiem Zweck heiausgegcbene Denkschrift begründet ihn wie folgt:

Die Paufchgebührenzahlung hat ohne Zweifel zu einer Benutzung der Anschlußleitimgen geführt, bie über bad Maß des wirtschaftlich Notwenbigen ober Nützlichen weit hinausgeht. Wie bie tägliche Erfahrung lehrt, werden bie Pauschgebühren- Anschlüsse oft zu Gesprächen benutzt, bie aller Wahrscheinlichkeit nacl) ohne Schaben für bie Sache unterbleiben könnten unb auch unterbleiben würden, wenn sie einzeln bezahlt werden müßten. Insbesondere wird vielfach, was -sich in einem Gespräch zusammensassen ließe, durch verschiedene Gespräche mitgetcilt.'

Es wird der Reichspoftweiivaltnng also zu viel telepho­niert, sagt mit Recht die ,/Frkf. ,Z<g." zu dieser Begründung. Wir haben cs in unserer Tarispolitik weit gebracht. Konsequem ist aber das Reichsposlamt nicht. Zahllose Briefe um> Po<l- karten, darunter sicherlich 90 Prozent aller Ansichtskarten, wer­den tagtäglich versandt, die ebenfallsüber das Maß des wirtschaitlich Nolivcndigcn und Nützlicheri weit hinausgehen" und ohne Schaben für bie Sache unterbleiben könnten". Warum macht sich bie Post nicht la ncf) hier burch eine entsprechende Gebührenbemcssung zum Erzieher eines sorglos verschwenderischen Publikums? Und vielleicht überlegt sich nun auch die Eisen- bahnverwaltung einmal, ob sie nicht, etwa durch die Aushebung der Sonntagssahrlarten ähnlichen pädagogischen Zwecken dienst­bar werden kann. Statt alle Sonntage nach Eronbcrg zu fahren unb von ba a».n den Feldberg zu steigen, könnten die Ziailksurtcr wohl auch ohne Schaden für bie Sache" sich, im Stadtwalde ergehen und die Eisenbahnfahrt sparen. Tie Ver­fasser der Tenkschrist werden dem entgegenhalten, daß _c§ sich hier um ganz verschiedene Tinge handele, da bei Briefen und Postkartcn unb ebenso bei Eiseubnhnsahrten für jebe einzelne Benutzung einer- Verkehrsanftalt eine besondere Gebühr gezahlt werbe, währenb bei ber Telephonbenutzung bas System ber Pauschgebühren bestehe, bie einen besonberen Anreiz zu hüu- sigem Tclephouieren geben. Mit dieser Unterscheidung tristt man aber nicht das, worauf es hier ankommt; denn in beiden Fällen liegt die Sache so, daß durch niedrige Gebühren eine Verkehrssteigerung veranlaßt wird, die vom Standpunkt eines strengen Hausvaters über das Maß d?s wirtschaftlich Notwendigen yinausgeheu mag. Bisher hat man sich darüber keine Graulen gemacht, weil Post und Eisenbahn bei dielen nichtigen Tarifen vortrefflich gediehen und gerade die Telephonverwaltung erzielt ja unter der Herrschaft des jetzigen Tarifs zugestandenermaßen eine durchaus befriedigende Rente. Das System der Paufa)- gebühren hat vollkommen das erfüllt, was man von ihm er­wartete : die Zahl duw Telephonanschlüsse hat sich enorm vermehct und diese Vermehrung hat alle Ausgabenerhöhungen reichlia)

Die neue zernsprechgebührenordnung.

Mit einer bedauerlichen Verzögerung geben wir im Nach- übenden eine Besprechung der neuen Fernsprechgebührenorbnung viebc-T, bie uns aus unserem Leserkreise zugegangen ist. Die Darlegungen decken sich gar nicht mit unseren Ansichten, aber vir halten die darin ausgesprochenen Gedanken doch für in- icreffaiit genug, um sie an dieser Stelle mitzuteilen. Ter sehr resck-ätzte Einsender schreibt:

Ter ArtikelUnsere Postverwaltnn^ in Nr. 2 des Gießener Anzeigers vom 3. ds. Mts. entlM über bie von ber obersten lZvstbchörbe vorgeschlagene Aenbcrung ber F-ernsprechgebührcn- orbiiung verschiedene Unrichtigkeiten und Ungenauigkcilcn. Eine JiicDtigitcIlung dürfte bei ber Vcbeutuny, bie der Fernsprecher im Geschäfts- wie im Privat-Verkehr einnimmt, im allgemeinen In- leresse liegen.

Bei bem neuen Entwurf hanbelt c5 sich zunächst nicht um dieEinführung einer Grunbgebühr anstelle einer Pauschgebühr", denn für etwa 43 Prozent aller bestehenben Anschlüsse werden ,-tzt schon Grund- und Gesprächsgebühren gezahlt, sondern um u gänzliche Aufhebung des Paufchaebührensystems. Nach der t>Om Ncicys-Postamt veröffentlichten Denkschrift fallen alle ^cil- ncömcr nach Maßgabe des Gebrauchs, bcn sie vom Fernsprecher -,nneben, zur Gebül-renzahlung herangezogen werben. Es ist satistisch seftgeftellt, baß von einem Pauschgebührenanickstuß aus hu Durchschnitt fünf Mal mehr Ortsgespräche geführt werben, cls von einem Grunbgcbührenanfchluß. Unter bcn Pauschgc- lihreii-Teilnehmcrn gibt cs aber eine große Zahl von folchen, ie ihren Anschluß bcfonberS weit über den Turchichnitt hinaus, -mm Teil über 50 000 Mal im Jahre benutzen; ein Teilnelmier "ku in einem Jahre sogar 100 000 Ortsgespräche von 1 einer 'Lprcchstelle aus geführt.

Diesem Unterschied in der Benutzung der Anschlüsse entspricht Die jetzt geltende Abstufung der Gebühren nicht. Die 8iC- läuft dal)er darauf hinaus, die wenig Sprechenden zu Litlaften und die Teilnehmer mit lebhaftem Verkehr dafür stärker U-Lranzuziehen, Zu diesem Zwecke wird außer der Beseitigung -er Pauschgebühren eine Ermäßigung der Grund gebühr »orgcidjlagcn unb zwar in allen Stufen gleichmäßig um je Ist Mari Für Gießen würbe sich bie Grundgebühr hiernach aui L0 Mk. lährlich stellen. Ferner soll bie Verpflichtung aus- ^ehoven werben, baß jährlich eine gewisse Miubestzahl von Orts- <..ci ächen (5. 3t. 400) bezahlt wirb, mögen biese ftattgefunben ijaben 'ober nicht. Eine Anrechnung ber Grunbgebuhr ans bie Zahl ber erfolgten Gespräche, von ber in bem betr. Artikel ljhi 3. bs. M,ts. bie Rebe ist, hat auch bisher Nicht stattge- funben.

A11 Gesprächs gebühren soll ber bisherige Saß bon 5 Pfg. für bie ersten 2000 Verbindungen eines jeSen Rech- rilingsjatzres beibchalten werben, dagegen sollen für die fol- ccnbcn Verbii'.dungcn von 2001 bis 6000 nur je 4 Va Psist uno i^cr UOOO zu je 4 Pfg. erhoben werben. (Tic Konscrenz., bic laitcr bem Vorfitze Krätkes am 7. Januar in Berlin Itattianö, lat inzwischen bekanntlich biesen Satz von 5 Pfg. einheitlich Luf 4 Pfg. ermäßigt unb bic Grunbgebühr bei weniger als L00 Anschlüsse auf 40 Mk. herabgesetzt. T. Rcb.) Voneiner «rheblichen Verteuerung" beS Fernsprechverkehrs kann hrernaa) rim allgemeinen nicht bie Rebe sein, denn der vorgeichlagene Laris stellt sich für alle Teilnehmer, bie jetzt schon Grunb- uns «GesprächSgebühreli zahlen, günstiger als ber bisherige, da er ri?.;:cn Ermäßignngcii von 10 Mk. (HcrabsctzunA der ^und- ^ebüyr) bis zu 30 Mk. (Hinzutritt des Fortfalls der 400 ^flichtgespräche) gewährt. Eine Gebührenermäßigung erfahren 'err.cr die jetzigen Pauschgebühren-Tcilnchmer mit nicht befon-

2er? starkem Verkehr; für die Pauschgebührcn-Teilnehmer mit: ,.ohcn Gefprächszahlcn tritt eine Erhöhung der Gebühren cm. Unter Zugrundelegung des bisherigen Verkehrs würde der Taris für 60,5 Prozent aller Teilnehmer eine Gebührenermäßigung itrgeben, für bie übrigen eine Erhöhung. In Wirklichkeit wirb »aber die Zahl der Gespräche bei den jetzigen Pauschgebühren- -äi.schlüssen erheblich zurückgehcu und demeiitsprechend der Pro- iienifatz der Teilnehmer, die künftig weniger zahlm werden !cls bisher, noch steigen.

Nach den Bereümungen ber Postverwaltung soll ver neue 'Paris allerbingS eine Mehreiunahme von 1000 000 Mk. er­geben, bic jeboch zu einem Gebühren nachlaß im Fer nverkehr benutzt werden soll. Tic in Aussicht genommene Reform ber Fernsprechgebühren stellt somit keinearge Belästigung für bic Abonnenten" bar, fonbern erstrebt nur eine gleichmäßigere i lllmstigung von Leistung unb Gegeiilcistung.

Tic Fern aebühren betragen z. Zt. auf eine Entfernung dis 25 Kilometer einschl. 20 P>g.

Eichener Anzei

General-Anzeiger für Oberhessen

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