Ausgabe 
21.1.1908 Erstes Blatt
 
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sitzungen geben uns doch befriedigende Ausblicke für die kom-i wende Saison. .

Seit Jahren wird in den beteiligten Kreisen lebhafte Stiegt über die im Baugewerbe herrschenden Mißstände geführt und namentlich darauf hmgewiescn, das; gerade diesem Gewerbe sich besonders oft ungenügend vorgebildete, in anderen Berufen ge­scheiterte Existenzen zuwenden, ohne daß sich nach der Lage der Gesetzgebung eine Möglichkeit zur Ausschließung dieser tech­nisch und häufig moralisch ungeeigneten Elemente biete, so sehr dies auch wegen der für die Bauarbeiter, wie für das Publikum daraus erwachsenden Gefahren zu wünschen wäre.

Die ständigen Bestrebungen der Handwerkskammern haben denn auch zur Annahme eines Gesetzentwurfs geführt, wonach Bauunternehmern und Bauleitern der Gewerbe­betrieb untersagt werden kann, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden hinsichtlich dieses Gewerbebetriebes dartun. Der Untersuchung muß die An­hörung von Sachverständigen, deren Ernennung bei handwerks­mäßigen Gewerbebetrieben nach Anhörung der Handwerkskammer erfolgt, vorangchen. Ein Mangel an theoretischer oder prak­tischer Vorbildung kann aber bei den Personen nicht geltend gemacht werden, die die in der Gewerbe-Ordnung vor­geschriebene Mei st er Prüfung in dem Don ihnen. ausgeübten Gewerbe bestanden haben.

Mit diesen Bestimmungen soll insbesondere ein wirksamerer Schutz den am Bau beteiligten Arbeitern gegen Unfälle ge­währleistet werden. Gegen wertergehende Forderungen nach dieser Richtung bestehen bie~ aller schwersten Bedenken. Die Baukon­trolle z. T. in die Hände von gewählten Arbeitnehmern zu legen, muß die größten Unzuträglichkeiten im Gefolge haben. Auf der Baustelle darf nur Einer Herr sein, soll die Autorität nicht verloren gehen, das ist der Meister, der auch die Verantwortung zu tragen hat.

Der zurzeit dem Reichstag vorliegende Gesetzentwurf über die Sicherung der Bauforderungen dürfte weiterhin geeignet sein, eine Reihe von Mißständen zu beseitigen, insbes. dem Kleinhandwerker die Früchte seiner Arbeit an Neubauten zu sichern. Wenn ich auch nicht verkennen will, daß der Ge­setzentwurf vielleicht nicht alle Wünsche, die das Baugewerbe hat, erfüllen kann, so dürste er doch im allgemeinen geeignet sein; eine gesunde Bauweise fördern zu helfen. In einer An­zahl von Wünschen, die wir dem Reichstag unterbreitet habens haben wir insbesondere auch ausgesprochen, daß die Baufor- berintgen bei solchen Neubauten, bie an Stelle eines abgebroche­nen ober zerstörten Gebäubes errichtet werden, einen gleichen Schutz genießen sollen, wie Neubauten, bie auf unbebauten Gruubstücken aufgeführt werden. In den letzten Tagen hat denn auch die Kommission durch Annahme eines dahingehenden An­trags diesen Wünschen Rechnung getragen.

Die Bekleidungsgewerbe haben insbesondere unter der großen Konkurrenz der Industrie zu leiden. Die Maßschneide­reien können nur schwer gegen die immer mehr überwiegende Konfektion aufkommen. Insbesondere ist cs bei letzterer oft die erhebliche Verbilligung der angebotenen Ware, welche den Maßschneidereien einen Teil der Kundschaft hinwegnehmen. Ganz besonders aber ist es das Schuhmachergewerbe, das unter der erdrückenden Konkurrenz der Großindustrie zu leiden hat. Wäh­rend auf dem Lande noch mehr die von den Schuhmachern hergestellte Ware bevorzugt wird, ist nicht zu leugnen, daß bei den Schuhmachern in den Städten und deren Umgebung das Anfertigen für die Kundschaft finnbig im Abnehmen begriffen war. Vielleicht ist es mit ein Erfolg, der in den letzten Jahren betätigten Bestrebungen nach besonderer Ausbildung des Nach­wuchses im Handwerk, wenn heute wieder, wenn auch langsam, die Nachfrage nach guter Maßarbeit reger geworden ist.

Die Nahrungsmittelgewerbe haben wie alle an­deren ebenfalls unter dem Anwachsen der Konkurrenz zu leiden. Besondere Klagen kommen von diesen Seiten, daß bei Liefe­rungen für staatliche und kommunale Institute vielfach von einem Verdienst keine Rede mehr sein könne. Ungünstig werden insbesondere die Preise beeinflußt durch die Konkurrenz der Brotfabriken, der Konsumvereine und der Warenhäuser, durch diese Gründungen des Großkapitals, denen gegenüber die Hand­werksbetriebe naturgemäß einen schwierigen Stand haben.

Was ich im übrigen von der Preissteigerung der Rohmaterialien, der ungünstigen Beeinflussung der Geld- und Kreditverhältnisse vorhin für das Baugewerbe gesagt habe, das gilt selbstverständlich für alle übrigen Gewerbe.

Was nun die Frage der Lehrlingsverhältnisse an- geht, die die gesamten Gewerbe betrifft, so wird hierüber ein anderer Referent berichten.

Hinsichtlich der Frage der Lehrstellenvermittlung haben wir die Einrichtung getroffen, daß solche durch das Bureau der Kammer erfolgen könne. Sic erfolgen weiter durch die städtischen und privaten Arbeitsämter, die Zentralstelle für die Gewerbe, durch einzelne Innungen und den Aliceverein, Abteilung für schulentlassene Waisen.

Interessant ist ein Nachweis über das Prüfungswesen im Kammerbezirk, das uns die Wirkung des Handwerkergesetzes von 1897 auf diesem Gebiete vor Augen führt. Beteiligt bei diesen Prüfungen sind einmal die Kammer selbst, die Orts­gewerbevereine und Innungen des Landes.

Es haben die Gesellenprüfung bestanden in

1902 1903 1904 1905 1906 1907

1056 1564 1546 1806 1882 1863

Aus dem Jahre 1907 stehen noch 4 Ausschüsse aus, so daß voraussichtlich die Prüfungszahl aus 1906 wiederum übcr- Ichvitten wird.

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- machen möge durch Ankauf alten bäuer­ischen Hausrates, der doch unseren städtischen Räumen nie zur Zierde gereichen könne, dagegen dem alten Bauernhause meist seinen höchsten Reiz verleihe. Immer mehr verschwinde aus den Bauernhäusern der altehrwürdige Webstuhl, dem man heute eigentlich nur noch im Schtitzerlande begegne, das alte Mobiliar, das alte Geschirr. Einige ganz köstliche Einblicke in alte oberhess. Gemächer mit ihren ehrwürdigen Schränken, Truhen, Tischen, Stühlen, Uhren, Lampen :c. gewährte uns Prest. Walde, während hetite das oberhess. Bauernhaus zu­meist mit Tannenholz- und Nußbaummobeln aus städtischen Abzahlungsgeschäften kläglich angefüllt werde. Der deutsche Bauer halte ja gewöhnlich mit großer Zähigkeit, mit Fleiß und Treue am Alten fest, an der Eigenart der Väter und Vorväter, und noch mehr als der Bauer sonstwo im Reiche dec bei uns in Oberhcssen. Doch gar bedauerlich sei es, wenn auch er, freilich immer noch weniger als der Bauer in anderen deutschen Gauen, von seiner alten Innenausstattung, von seiner ursprünglichen Tracht sich trenne. Um so wichtiger ist es, mitzuarbeiten an der Aufrechterhaltung des guten Alten, an der Eigenart auch der oberhess. Markte und Feste, an dec Bewahrung der ganzen oberhess. bäuerl.DOriginalität all io ihrer Mannigfaltigkeit.

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®er Vortrag, den Prof. Walbe übrigens zu kürzen beabsichtigt hatte, um damit aber auf energischen Widerstand der Versammelten zu stoßen, wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, und Geh. Hofrat Prof. Dr. Haupt stattete dem Darmstädter gelehrten Architekten den Dank aller An­wesenden ab. Auch wir ziveifeln mit Prof. Haupt nicht daran, daß die beiden Montagsvorträge Prof. Waldes bei­tragen werden an der Förderung des teilnahmsvollen 93er* "andmsses der Städter für das oberhess. Land und seine Bevölkerung.

Sein. Der jrntge Verein besteht erst fett etwa einem halben Jahr und hat sich in dieser Zeit als recht aufstrebend und lebensfähig erwiesen. Die Stadt Nidda hat in unserer Ge­markung ein Quellen gebiet, umfassend etma 1300 Quadrat­meter, zur Ergänzung ihrer Wasserleitung angvfauft. Schon stund der Eisenbahnfiskus, der bisherige Wasserabnehmer der Stadt Nidda, mit dem Eigentümer in Unterhandlung, um sich von seiner bisherigen Wasierliferantin unabhängig zu machen. Das rechtzeitige Eingreifen der Stadt Nidda sicherte dieser ihren bisherigen guten Kunden. Tas Quellengebiet wird mit 5000 Mrnck bezahlt.

r. Scho tten, 21. Jan. Als Nachfeier von Kaisers Ge­burtstag findet hier in der Turnhalle vorn 1.3. Februar ein Festspiel,Der deutsch-französische Krieg von 1870/71", statt. Das Festspiel kommt in vier Abteilungen mit 27 lebenden Bildern zur Vorführung, ca. 70 Personen wirken mit.

O Laubach, 19. Jan. Am Freitag beging ber MissionSvere in (Heidenmission) sein 50jührigeS Stif­tungsfest. Seit 50 Jahren haben im ersten evang. Pfarr­hause unter den Geistlichen Schick, Draudt und Nebel Frauen und Jungfrauen zum Besten der Heidenmission Kleidungsstücke gefertigt und den Missionarsfrauen zugeschickt. Bei der Feier waren 45 Teilnehmerinnen, worunter auch die Gräfin Mutter erschienen. Die beiden Pfarrerstochter trugen ein von Pfarrer Nebel verfaßtes, auf die Mission sich beziehendes dramatisiertes Gedicht vor, das allgemeinen Beifall fand.

() Marburg, 20. Jcm. Für bie hiesige Universität werden im Staatshaushaltsetat bei den einmaligen außerorbcnt- l^hen Ausgaben diesmal 106 600 Mk. gefordert, gegen 77 500 Bdark im Vorjahre. Verwendet sollen werden 10 000 Mk. für Erbauung eines Tierstalles beim hygienischen Institut, für Un­terbringung der Tiere, an denen Pros. v. Behring Versuche mit neuen Impfstoffen anstellen will. 'Ferner 43 800 Mk. für An­bauten der medizinischen Klinik, 1000 Mk. für Herstellung einer Dienstwohnung, sowie 15 800 Mk. für Einrichtungen und An­schaffungen in der chirurgischen Klinik. Bei den dauernden Ausgaben werden 21597 Mk. mehr gefordert, die sich auf bie verschiedenen Fakultäten und Institute verteilen.

h. Frankfurt a. M., 20. Jan. Im Hauptbahnhof entgleisten heute früh beim Rangieren zwei große leere vier- Lchsige Schnellzugswagen und sperrten längere Zeit das Hauptgleise, weil ein Wagen sich quer gestellt hatte. Die Taunus- itnb Bebraer Züge erlitten Verspätungen, bis das Hindernis beseitigt war. Einer Dame, bie gestern von Köln hier eingetroffen war, würbe unterwegs das Handtäschchen ge­stohlen, in dem sich außer Fahrgeld Schmucksachen im Werte von 3000 Mk. befanden.

w. Hanau, 21. Jan. (Tel.) Auf der Südseite des Hanauer Ostbahnhofs ereignete sich heute vormittag 51/2 Uhr ein größeres Eisenba hn-Unglück. Ter von Erbach tommenüe Per­sonenzug 456 stieß bei der Einfahrt auf Gleis 3 auf eine dort haltende Maschine nebst Packtragen, die entgleisten und stark be­schädigt wurden. Elf Reisende und drei Zugbeamte wurden leicht verletzt. Sie erlitten Kvpswulidcn, Quetschungen und Houtab- schürfmrgcn. Bis tauf den Zugführer, ber ins Krankenhaus kam, tonnten sich bie Verletzten sämtlich nach Hause begeben. Die Strecke nach Babenhausen ist auf etwa drei Stunden gesperrt, der Verkehr wird durch Hülsszüge aufrecht erhalten. Schuld an dem Unglück trägt der Steliwerlswärter, ber das Stctl- rcerf antöeinenb zu früh aus freie Fahrt stellte.

** Der Burschenschaftsk ommers, ber morgen abenb hier zum Gedenken der Wiedererrichtung des deutschen Kaiserreichs ftattfinbet, erleidet in seinem Programm in >o lern eine Abänderung, als die Marburger Burschenschaften an ihm toegen eines Todesfalles nicht teilnehnveu. Infolgedessen fin­det auch der Umzug durch die Stadt nicht statt. Tie Leitung des Kommerses hat die Burschenschaft Germania.

Worte des Ministerialrats Dr. Usinger in Schl:; gesunden, die beit Handwerkern bie günstige Perspektive eröffnet habe, daß Hessen in bezug auf bie praktische Förderung des Handwerks nach wie vor an bet Spitze der brutschen Bundesstaaten stehen werbe. Auch S. K. H. der Großherzogi -sei dem Handwerk aufrichtig zuge­tan und habe sich ihm alstzeit als aufrichtiger und wohlge­sinnter Protektor erwiesen. Er glaube deshalb den 2. hessischen Handwerkertag nicht besser eröffnen zu können als mit dem Rufe: S. K. H. der Großherzog lebe hoch!" Tic Veriammlnng stimmte lebhaft in den Hochruf ein.

Gewerberat Falck fuhr bann fort, der Hanbwerkertag solle zu einer allgemeinen Aussprache über bie Lage des Handwerks bienen, die daraus zu folgernden Beschlüsse müsse später die Handwerks kämmet fassen. Er bitte, alle kleinlichen Bedenken bei Seite zu lassen und seine Meinung srank und frei zu äußern.

Ministerialrat Dr. Usinger dankt bem Vorsitzenden im Namen der Regierung und der anwesenden Vertreter staatlicher Behörden für bie ihnen gewordene Einladung und Begrüßung. Daß die Großh. Regierung Fragen, die den Handwerkerstand seit Jahren bewegten, mit Aufmerksamkeit verfolge und das Hand­werk zu fördern bestrebt sei, brauche er wohl nicht nochmals ausdrücklich hervorzuheben. Nach den auetrennenben Worten des Vorsitzenden könne er annehmen, daß alle, die nicht un­mögliches von der Regierung und ihrer Hilfe verlangten und welche die Verhältnisse nicht nach Einzelvorgängen, sondern in ihrer Gesamtlage beurteilten, sich hiervon schon durch eigene Er­fahrung überzeugt hätten. Hock^crsrculich sei cs, daß sich das Handwerk mehr wie srüher wieder auf die ihm innewohnende unverwüstliche Kraft, damit auf sich selbst besonnen und bezüglich feiner Gesamtleistungen in den letzten Jahren einen schönen Schritt vorwärts gemacht habe. Mit dieser Entwicklung gehe Hand in Hand das gesetzgeberische Bestreben, dem Handwerk sozial die für cs notwendige Stellung in unserem Erwerbs- und Wirtschasts- leben wieder zu verschaffen. Taß die hierauf bezüglichen Fragen heute zur Diskussion kamen, sei der Handwerkerkammer zu danken, bereit stetige, ruhige und innerhalb der Grenzen des Erreichbaren sick) bewegende Tätigkeit die seitherigen Erfolge zum großen Teil zu danken seien. Tcr Redner schloß mit der Versicherung, daß die Handwerker in Verfolg gerechtfertigter Wünsche und Bestre- brnrgen in ihrer Regierung stets eine bereitwillige Förderin haben würden.

. Nach diesen mit Beifall dufgcnomnicnen Worten begrüßte Beig. H eh l i gen st ac d t die Anwesenden im Namen der Stadt. Der Oberbürgermieister habe ityit beauftragt, sein lebhaftes Be­dauern auszusprechen, daß er durch andere dringende Geschäfte an der Teilnahme verhindert sei. Er betonte das warme Jntereffe der Stadt Gießen für das Handwerk uni) gab der Freude Aus­druck, daß Gießen zum Tagungsort des 2. hessischen Hcmdwerkcr- tages ausersehen worden sei. Sodann begrüßte er die Teil­nehmer im s)?anien des Ortsgewerbevereins Gießen, ber zu seinem Teil an der Förderung und Hebung des Handwerks beizutragen suche. Er schloß seine warmherzige Begrüßungsansprache mit den besten Wünschen für einen guten Erfolg der Tagung und gab ber Hoffnung Ausdruck, baß die Teilnehmer eine angenehme Erinnerung an Gießen mit nach Hause nehmen möchten.

Tas Handwerkskammer-Mitglied Stadtv. Pc tri-Gießen be­grüßte im Namen dcr hiesigen Handwerker und wies auf die wachsenden Anforderungen hin, die von allen Seiten an die Handwerker gestellt würben. Er schloß mit einem Glück auf für Den Erwlg bcc Tagung.

Sodann erstattete Syndikus En gelb ach folgenden Bericht über die Lage bes Handwerks, feine Aufgaben und Ziele:

Ich will den zuversichtlichen Ton, mit dem dcr Vorsitzende vorhin geschlossen hat, nach keiner Richtung hin abschwächeu, aber wir müssen uns vergegenwärtigen, daß wir augenblicklich in einer Zeit uns befinden, in der die Wirkung der Preis- teigerungen dcr letzten Jahre immer noch lebhaft ungünstig ist. Es liegt auf der Hand, daß der Kleingewerbetreibende in -rster Linie unter den Folgen verteuerter Einkaufspreise zu leiden hat, daß der Jnbnstrielle, der Großkausmanii, viel leichter über solche hinauskommt.

Unter der Verteuerung aller Lebensbedinguu- gen ber letzten Jahre leidend, hat das Jahr 1907 für das Handwerk im allgemeinen recht ungünstig abgeschnitten. Ins­besondere aber hatten die gesamten Baugewerbe unter der Verteuerung des Geldes und der Erschwerung des Kredits zu leiden und zwar in einem Maße, der in einzelnen Städten den Charakter einer wirtschaftlichen Krise angenommen hat. Tie Diskonto-Politik der Neichsbcmk hat unserem Handwerk die schwersten Opfer auferlegt und umso empfindlicher waren diese Opfer, als schon in normalen Zeiten die .Kreditverhältnisse im Baugewerbe recht schwierig sind. Die Folgen zeigten sich in einer Verringerung der Bautätigkeit und rückwirkend in dem Rückgang der Verdienst- und Einkommenverhältnisse der meisten Baugewerbetreibenden. Die Gestehungskosten waren durch die Preissteigerung aller Rohstoffe _ erheblich höher geworben, die verminderte Bautätigkeit verschärfte die Konkurrenz, so daß gegcn- über den erhöhten Gestehungskosten eine Preiserhöhung für die äst liefernden Arbeiten meistens nicht durchzuführen war. Auch die Arbeiterfrage läßt vielfach zu wünschen übrig. Die stark in Anspruch genommenen industriellen Betriebe hatten fortgesetzt die Arbeitskräfte herangezogen, so daß in manchen Zweigen d es Handwerks das Angebot von Arbeitern die Nachfrage nicht erreichte. Der Sommer dürfte aber wieder bessere Verhältnisse bringen, die Spannung auf dem Kapitalmärkte «Kämt zu weichen, die Herabsetzung des Bankdiskonts, die Er- llurungen vom Regierungstische in einer der letzten Ncichstags-

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Zweiter hessischer handwerkertag.

_ v Gießen, 20. Januar.

xer zweite hessische Hanbwerkertag, ben bie hessische Hani>- Werkskammer einberuscn hatte, fanb heute vormittag im hiesigen Neuen Saalbau statt. Es waren wohl über 400 Handwerker aus allen Teilen bes Laiches erschienen unb auch bie Behörden be- ^oeten ihr reges Interesse am Wohlergehen bes Handwerks durch bie Entsendung von besonderen Vertretern. Tie Großh. StaatsregiLrung war durch beit Vorsitzenden ber Ministeriat- abtedung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Mmistcrial-

A'1- Finger unb Regierungsrat Dr. Wagner vertreten, bie Großh. Zentralstelle für Die Gewerbe burch Ncgierungsrat Noack unb Gewerberat Reuter, bie Minifterialbauabteilung burch Baurat Wagner, bie Provinzialdirektion unb bas Kreisamt Gießen burch Regterui^srat Welcker, die Stabt Gießen durch Beig. Heyligen- staedt unb bie Stabtvv. Heichelheim, Jann, Krumm, Löber, Schaff- staedt, Simon, Troß unb Winn, das Kreisamt Schotten durch Kreisamtmcmn Haber körn, die hessische Handwerker-Zenttal- genoisenschast durch Direktor Dr. Paesch usw.

Dec Vorsitzende der Handweriskammer, Gewerberat Falck von Mainz, eröffnete die Tagung mit herzlicher Begrüßung der Anwesenden und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Tagung so mißerordcntlich stark besucht sei. Insbesondere begrüßte er bw Vertreter ber Behörben. Tie Regierung habe ja ber Lage dcs hessischen Handwerks stets reges Interesse entgegengebracht und es zu fördern gesucht. Freudigen Widerhall hatten die

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AleSner Feuilleton. bte an b?n größeren Heerstraßen, haben hoch ummauerte I JerstäruntiLmpr-k-

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WNLSMWWWDUW Bauernhaus und führte namentlich sehr hübsche Exempel trachen. Geradezu verächtlich nennt er

aus dem Württembergischen vor, wie aus bem Schwarz- 7 VC?rCn 311 blc^en nituuen Schönheiten manches älteren walde, wo Mensch und Tier und Korn cinträchtiglich unter - cr -oauernhauses den stumpfsinnigen rohen Ziegel- einem Dache beisammen sind, wie bei uns vielfach auch im Housbau hauptsächlich in den Bahnhofstraßen einer bedauerlich Vimelsberge, während in der Metterau diese Dreieinigkeit großen Anzahl Städten benachbarter Dörfer. Es ist sehr nicht fejW, sondern eine reinliche Scheidung getroffen bemerkenswert, daß sich die gute alte Tradition, namentlich wrrd. Wie vor acht Tagen bei Gelegenheit des Lichtbilder- auch in ber mannichfaltigen und volkskünillenschen Gestalluna

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Bauart des niedersächsischen, fränkischen u!ib hessischen?Ctf be^e,iec ^chst zweifelhaften Segnungen Bauernhauses demonstriert hatte, führte er uns m ^6^" /onnte. Dadurch aber ward ber wundervolle ursprüng- Wort und Bild in das ober hessische Bauernhaus, zeigte uns f 3 c3 cincr g^ßen Reihe oberhessischer Ortschaften zer- dessen Tapeten und dessen Mobiliar einst und jetzt, sowie ' lnbemman bort, ohne Rücksicht auf die besonderen besonders reiches unb vielfältiges Bildermaierial Skalen Umstände, bie Umgebung, die Landschaft, den unterstützt, hie Abbrenzung der oberhessischen Bauerngrund- Städten das nachahmte, was man in diesen zumeist schon nlh ^-apCten ül ben Räumen bes westlichen als unbrauchbar und veraltet beseitigt hatte. Es ist da un-

4Ubo ?fkqen|el!1eECt£lteeiim "Ech »icl Schönes und Reizvolles geradezu barbarisch ver-

phantastischLMustcr^Ler^Sen So.Qnct)cr Stiautr verkaufte an Prof. Walbe beklagte, wie phantasielos, im Verhältnis zu Orotzltadtilche Sammler seinen altvaterischen prächtigen Haus- den rruheren Wündbekleidungsiünstlern, die ländlichen Wem- ' Ot>CC C an ba§ Germanische Atuseum zu Nürnberg, brnder unserer Tage sind, ^ehr lebhaft vor Augen geführtFU0 mat!. beu^e bl,L(^ ganze oberhess. Zinimerfluchtcn wandern ^bhTeCmiCr^KÄtl^rern-burrd) bte Walbefche Bilder- ^ONN. Ein Bauer m PohlgÖns hat eines ber schönsten ober.

in bcr ^6^111111^ sllscheu Baueinhauser vor einigen wenigen Jahren auf das Bauernhauses und seines entsetzlichste verstümmelt durch Uebertünchung, Versetzung und attCTieQUÄ ^Fenstern, Toren w. w? ÄiJ Sxgen unerngesriedigt au der Straße. Andere, naattnUich Mabnuno" be^ef^cn Sorten die eindringliche

' nant£ntll£9 -»iahnung, daß doch memand sich ,um Rlltschuldige» an diesem

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