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19.3.1908 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Donnerstag, 19. März 1908

158. Jahrgang

Nr. 07

tv-Nch mit NuSnahmr bef Sonntag«.

General-Anzeiger für Oberhchen

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mit ist die Sache erledigt.

Sehr .'richtig ist die Frage des Alkohols. In Ostafrika ist sie ja gelöst, weil Alkohol an Eingeborene nicht verkauft werden kann. Der Palmwein, der einheimische Alkohol, ist mit einer Ziemlich hohen Steuer belegt. Eine Abänderung der Alkoholgesetzgebung ge­hört aber in das Gebiet der internationalen Abmachungen.

Herr Arr.ing hat midj freundlicherweise gewarnt vor einer Ueberschätzung der Eingeborenenkultur. Wir haben doch folgendes festzulegcn: Erstens: Im ganzen tropischen Afrika gibt es lein ein­ziges Land, welches auf Plantagenkultur angewiesen ist, mit Aus­nahme einiger kleiner Gebiete, in denen die Arbeiter in einem nicht erfreulichen Zustande der Fronde gehalten werden.

...... ~ das ausschließlich auf

Die Pflanzer und Pflanzergesellschaften brauchen notwendig Arbeiter, um Werte zu schaffen.

we fiel Wir haben dagegen selbst ein Laim,

Eingeborenenkultur aufgebaut ist, und das ist das einzige Land, das prosperiert,Togo. Es ist nicht die Rede davon, daß diePlantagen gegenüber den Eingeborenenkulturen unterdrückt werden sollen, aber ich habe gesagt und behaupte, daß sie nur in gewissem Um. fange in Qstasrika existieren können. Herr Arning hat einen

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®te .tefiener KamINeoblStter- werden dem ,Hnaetaer* viermal wöchentlich betgelegt, da« Krttsblati ffti Öen Krets Gießen" zweimal wöchentlich Der «hesstiche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion. Txvedttton and Druckerei! Ed)ul* strotz« 1. Expedition and Verlag < LE 6L Redaktion. LE 112. leL-Qlbtj 21nietaer<Bufeau

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Hohe Löhne, Wohnungen usw. und vor allen Dingen gute Behandlung ist dabei die Voraus- setzung. Wehe dem Pflanzer, der einmal den Rainen Bana mtali böser, ungerechter Herr, erhält, er bekommt nie einen Ar­beiter! In Usambara sind jetzt 100 Pflanzungen mit einem Be­darf von 25 000 Arbeitern, der für 1910 schon auf 36 000 be-

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rechnet wird; sie müffen kontraktmäßig jedes Jahr ein neueS Stück in Kultur nehmen. Die Kontrakte werden auf sechs Monate gemacht, 180 Arbeitstage; aber der Neger arbeitet nickt^ hinter­einander, sondern durchschnittlich vier Tage in der Woche. Er hält es mit der Arbeit genau so wie der Berliner! Ein bißchen Beschäftigung ist ganz gut, sie darf nur nicht in Arbeet a u § a r t e n I (Heiterkeit.) Wenn Herr Ledebour Gouverneur von Ostafrika wird, dann darf er nicht den Achtstundentag einführen, sondern den N u l l st u n d e n t a g, wenn er sich populär machen will immer den 18. März und den !. Mai umschichtig! (Heiterkeit.) Ick habe das Protokoll eingesehen, daS über die Verhandlung des Staatssekre­tärs mit den Pflanzern ausgenommen ist. Ich babe aber daraus nur ersehen können, daß immer er der Wortführer war, daß immer nur er den Herren gegenüber seinen Standpunkt geltend gemacht hat, und daß die Herren offenbar nicht so redegewandt waren, auch ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Ich möchte darauf nicht so großes Gewicht legen, daß die Pflanzer draußen desavouiert seien; ich habe cS anders gehört. Man glaubt nun, daß die vorgeschlagene Taborabahn eine sehr große Wirkung üben, die Neger veranlassen werde, immer näher an sie Bahn heranzukommen, ihre Schamben zu bauen und fleißig zu arbeiten. Wenn das nur nicht eine Utopie ist! Wir dürfen den Neger nicht Jo hoch tarieren. Er ist nicht Willens­mensch, er ist auch nichk^selbst fleißig, läßt die Weiber arbeiten- Wenn wir auf die freie Arbeit der Neger rechnen, werden wir minderwertige Ware bekommen, die auf dem Weltmarkt eine schlechte Note erhält. Ich möchte nun durchaus nicht die horten Urterle annehmen, die über die beiden höchsten Vorgesetzten in der Kolonie gefällt werden. Nur ein Stimmungsbild aus derU f a m b a r a p o st", wo mit etwas sarkastischem Humor ein alter Afrikaner aus Tanga über den neuen Kurs urteilt. Da heißt es in bezug auf die Ablehnung des Gesuches der Pflanzer um Unterstützung durch das Gouvernement iei der Anwerbung von Anwärtern:Unser Gouvernement steht der Anwerbung wohlwollend ablehnend gegenüber. (Heiterkeit.) Denn in Nuanza wohnen so viele Inder, nm die Felle der Ziegen^und Ochsen zusammenzuschachern, sowie auch einige Tausend Säcke Erdnüsse heranzubringen, daß man die Eingeborenen der beiden Bezirke für die Inder reservieren muß. Der Wert der Ausfuhr von Nuanza ist dem von Tanga gleich. Da aber in Nuanza nur Inder, in Tanga nur Deutsche sind, darf inan den Indern die Träger nicht wegnehmen! Exzellenz Dernburg mit seinen Be­gleitern, den wirklich und unwirklich Geheimen Raten, stellen sich den Eingeborenen so vor: treu, fleißig, reinlich, von hervorragen­der Intelligenz, der nur nachcasi" (Arbeit) brennt. Ich habe die Einaeborenen nach 26iähriger Erfahrung ungefähr so ge­funden: Sie sind mit Ausnahmen Menschen, die, wenn sie in eure» päischer Haut steckten und in Deutschland lebten, keiner der ^vor­hin genannten Herren mit der Kneifzange anfaffen würde. Dort würden sie folgendes Zeugnis bekommen:Unzuverlässig, träge, lügenhaft, stinkt vor Faulheit". Ich möchte nur dringend wünschen, daß diese Stimmung draußen recht bald verschwindet, daß wir bald wieder Frei- und Gleichmut erhalten. Gerade in den Tropen ist daS sehr nötig.

Um den Neger zur Arbeit zu erziehen, wird vorgeschlagen erstens: die Aushebung. Da? halte ich nicht für richtig. Dann: Arbeitsmarken, wie sie der Bezirksamtmann in Wilhelmstal in West-Usambara ausgegeben hat. Das wäre zu empfehlen. Drittens: die. Hüttensteuer, weil sie einen moralischen Druck auf ihn ausübt.

Die Hüttensteuer beläuft sich für das ganze Jahr nur auf 4 Nkark. Ich hatte meine Freude an ihr. Sie brachte schon im ersten Jahre 400 000 Mark, und jetzt nach zehn Jahren liefert sie 1 800 000 .Mark. Sie ist durchaus nicht drückend, da sie von dem Neger in wenigen Tagen abtzearbeitet werden kann. Wenn der Neger sieht, daß er durch seine Arbeit etwas erreicht, dann Däm. wert auch bald in seinem dicken Schädel der Gedanke auf, ob es vielleicht nicht ganz gut wäre, hin und wieder zu arbeiten, um etwas zu erwerben. Damit wird die Hütten st euer zu einem K u l t u r m i t t e l, das nebenbei noch die beste Ein. nähme der Kolonie ist.

Ich bin mit dem Staatssekretär in verschiedenen Punkten zu­sammengekommen, wo früher Gegensätze bestanden. Ich unter, schreibe in dieser Beziehung vollkommen, was ich in einer Schrift Mit Dernburg in Ostafrika" des Journalisten Adolf Zimmer, mann, eines Reisebegleiters des Staatssekretärs, gelesen bähe: Alle» in allem kann man sagen, daß unsere Eingeborenenpolitik in den 20 Jahren seit unserer Besitzergreifung gut war; die senti­mentalen Strömungen, die sich neuerdings zeigen, werden hoffent. lich keinen Schaden anrichten." Wir müssen Fortschritte machen und uns dem Ideal der Humanität nähern. Wir muffen aber auch vor. sichtig sein, und dürfen keine Sprünge machen. Wir haben keine unfreundliche Gesinnung gegen die Neger. Niemand wird mir vorwerfen können, daß ich die Neger streng ober grausam behandelt habe. Ich stand großartig mit ihnen, weil ich sie gut verpflegte. Beim Neger geht nämlich die Liebe durch den Magen. (Heiterkeit.) Wir müffen uns aber von allzu großer Sentimentalität freihalten. Den Neger ä Ja Onkel Toms Hütte gibt's nicht mehr. Er ist nicht für die Arbeit geschaffen und muß erst langsam , dazu erzogen werden. Dor meinem Gouvernementsgebäude saß einmal ein . roßer, breit­schultriger NegLi. und formte sich. Ich fragte ihn:Was machst Du hier?" und er entgegnete:Nini kati Banal" Das Ijcffji: 1° viel wie:Ich sitze hier"; aber zugleich heißt es ruck:Ick be­finde mich reckt wohl, denn ich habe nichts zu tun." Und schließ­lich liegt noch der Sinn darin:Was fragst Du, Schafskopf, mich, ob ich was zu tun habe." (Heiterkeit.)

Wichtig ist die Frage der deutschen Besiedelung. Der Staatssekretär verhielt sich dagegen zunächst sehr absprechend. Wir haben aber den dringenden Wunsch, so viel deutsch» Ansiedler lu ie nur möglich nach Ostafrika zu bringen, damit wir e i ne deutsche Kolonie schaffen. Wir haben dort herrliche, Hoch­länder, die besiedelt werden können. Hoffentlich legt der Staats­sekretär dieser Besiedelung keine Schwierigkeiten in den Weg. Wir müssen endlich dabin kommen, daß auf den Hochflächen des Uhchclandes deutsche Dörfer mit Schulen und Kirchen entstehen. Das Land steckt voll ungehobener Schätze. Wer ^ben Landwirt, schäft und Viehzucht noch Tropeukultur treibt, wird em reicker Mann. Deutsche Ansiedler in Afrika sind aber auch ein großer Nutzen für die Heimat, denn jede Familie muß all­jährlich für etwa bis 300 Mark Waren aus der Heimat beziehen. 10 000 Familien in Afrika bedeuten für das Mutterland einen Umsatz von 30 Millionen Mark, darum müffen wir uns über

Deutscher Reichstag.

125. Sitzung, Mittwoch, 18. März.

Am Tische des Bundesrats: Dernburg, v. Linde- guist, v. Rechenberg, Graf Zech, Self, Dr. Goli- nell i, Quade.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.

Der Kolonialetat

(Zweiter Tag.)

Staatssekretär Dernburg:

Gestatten Sie mir, mit einigen Worten auf die Ausführun­gen des gestrigen Vorredners zurückzukommen. Die Herren haben mir die Ehre getan, die Arbeit der Kolonialverwaltung,, insbeson­dere auch in der Kommission anzuerkennen. Die Kolonlalve''wal- tung ist den .Herren dafür sehr dankbar; auch sie bat in der Kom­mission wertvolle Anregungen erhalten. Das ist um so anerken­nenswerter, als die Situation außerordentlich kompliz'ert ist und Matemcn aus sämtlichen Ministerien und Reichsämtern behandelt werden mußten. Daß bei dieser Gelegenheit das eine oder das andere versehen werden kann, ist selbstverständlich. Ichunter- streicke die Worte, die über die verdienstvolle Tätig­keit der Missionare gestern gesprochen worden sind. Hoffentlich stellen sie auch in Zukunft das labora vor das o r a voran. Herr Spahn vermißt eine deutliche Erklärung des ethischen Programms der Kolonialverwaltung. Ethik ist meines Erachtens der Gei st, mit dem man feine Geschäfte treibt. Herr Spahn hat unch kon- trafti-rt mit Aeußerungen des Pater Acker. Demgegenüber stelle ich aus seinem Vortrage fest, daß er unter Kolonisation, ganz gleich ob bei Plantagen oder Ansiedlungskolonien, verst-'hi die höchste Nutzbarmachung der Bodenschätze und vor allem Der Men­schen zugunsten der Wirtschaft der kolonisierenden Nation, wo­gegen diese verpflichtet ist zur Wiedergabe ihrer höheren Kultur und befferen Methode. Das ist auch das ethische Programm der Kolonialverwaltung.

Herr v. Richthofen siebt in Sachen der Ugandabahn nicht auf Seiten der Kolonialverwaltung. Er ist gern bereit, belehrt zu werden. Ich will nicht so unbescheiden sein, den Versuch zu macken, eher könnte es umgekehrt sein. Aber einen Satz will ich auSsprechen: Konkurrenz heißt, wenn zwei sich be­mühen, einen wirtschaftlichen Erfolg zu er­zielen. Dazu gehört aber notwendigerweise auch, daß die wirt- sckaftliche Konkurrenztätigkeit auch einen Nutzen bringt. So lange muß jede Konkurrenz machtlos fein, fo lange das nicht der Fall ist. Das trifft gegenwärtig auf die Ugandabahn zu. Kommt einmal die Zeit, wo wirklich für einen Konkurrenzbetrieb Waren genug vorhanden sind, bann werden wir uns die Sache neu über­legen können. Vorläufig aber haben wir noch mit der eigenen Kolonie zu tun.

In der Arbeiterfrage sind wir alle einig, auch im wesentlichen über die Mittel, Die hierbei erforderlich sind. Nur darauf möchte ich Hinweisen, daß es sehr schwer ist, eine gemein­same Formel für alle Schutzgebiete zu finden.

Die Inderfrage ist nack Ansicht des Herrn Spahn etwas Ru leise gestreift worden. Da? ist vielleicht nicht ganz zutreffend. Ich glaube, Darüber ist kein Zweifel, daß die Inder zurzeit not- wendig sind. Der Grund liegt in der einfachen wirtfchaftlichen Situation. Die Inderftage ist zunächst eine wirtschaftliche, dem­nächst eine politische. Sie kann eine nationale werden. Aber die Aussicht, daß sie da§ wird, ist vorläufig noch nicht sehr nabe gerückt. Wirtschaftlich steht es aber so: Der Eingeborene kann nur sehr wenig kaufen und verkaufen; er ist nur an ganz fletne Quantitäten und nur an ganz kleine Preise gewöhnt. Wenn man diesen Mann in Bewegung setzen will für das wirtschaftliche Leben der Heimat, so muß man einen billigen Zwischen- bandel haben. Denn je höher die Kosten des Zwischenhandels sind, um so geringer sind die Aussichten, den Neger zur Produk­tion und Konsumtion zu bringen. Da der indische Zwischenhandel aber höchstens 33 Prozent der Kosten in Anspruch nimmt, wie der der Weißen, vor allem aber, weil ein weißer Zwischenhandel zur Zeit noch nickt vorhanden ist, können wir zunächst von den Indern nickt absehen. Ich wiederhole, daß wir uns nach keiner Richtung überschwemmen lassen.

Sodann eine Bemerkung über meine Erklärungen bezüglich der Auswanderung nach Ostafrika. Gewiß ist es unsere Ausgabe, denjenigen unserer Landsleute, die zu einer Auswanderung nach Ostafrika sich entschließen, entgegenzurommen. Dagegen gingen auch nicht meine Ausführungen, daß die Leute, die da hinausgehen, etwa abgeschreckt oder ihnen nicht nach Maßgabe des Möglichen die Wege geebnet werden sollen. Wogegen ich mich ausgesprochen habe, ist das: Es steht zur Zeit nicht hinreichend fest, ob und in welchen Gegenden Deutsch-Ostafrikas auf die Dauer sowohl von gesundheitlichem als von wirtschaftlichem Gesichtpunkte Leute, Kleinbauern oder kleine Plantagenbesitzer existieren können, irr.b ich muß deshalb den dringenden Wunsch haben, daß nach gar feiner Richtung irgend welche Verstreckungen, Zusicherungen, Ermunte- rungen von Der Regierung zu einer solchen Auswanderung mis- gehen, weil dadiwck die Regierung eine Verantwortung übernähme, deren Tragweire sie selbst zu übersehen nickt in der Sage ist.

lieber die Fragen, die sich mit der Rechtspflege befassen, und mit einer Kodifikation und Verbesserung werde ich erst mich äußern, wenn der Antragsteller der Freisinnigen seine Resolution begründet Haben wird. Was die Schulfrage anlangt, so hat man in der Vudgetkammission anscheinend einen nicht ganz richtigen Eindruck von Der Stellung Der Verwaltung gegenüber der Resolu­tion gewonnen Die Verwaltung hat sich nicht gegen die Resolu. tion gewehrt, und ich kann mitteilen, daß ich telegraphisch Die Er­öffnung der Europäer schule in Daressalam angeordnet habe. Da-

kleinen Seitenhieb gegen mich gerichtet wegen meiner Neigung, Dinge in Zahlen auszudrücken. Er hat ein Exempel aufgeinacht. Er jagt, Der Staastsekretär hat gerechnet, 15 000 Hektar Plan- tagenland bringen 1 600 000 Mk., rechne ich Das um auf das un­geheure Schutzgebiet, bann gibt das 9,6 Milliarden. Herr Dr. Arning wird cs mir nicht übel nehmen, wenn ich dies Exempel noch einen kurzen Satz weiterführe. 90 Millionen Hektar brauchen 90 Millionen Menschen, und 90 Millionen Menschen kosten 13% Milliarden; 9,6 Milliarden bringen sie, bleibt Fehlbetrag: vier Milliarden. (Heiterkeit.) So wollen wir doch beide nicht reck- nen. Weil Die Plantagen nicht Das produzieren, was im Lande selbst konsumiert wird und keine Nahrung für Die Neger selbst, so Dürfen sie nicht überwiegen und muß Die Negerkultur überwiegen. Mann kann nicht ein Land von 10 Millionen Einwohnern von Dingen abhängig machen in seiner Produktion, die den Schwankun. gen des Weltmarktes unterliegen. Das ist das einzige Argument, das ich gc^en die Plantagenwirtschaft angeführt habe.

Abg. Ledebour (Soz.):

Unsere Stellung zurKolonialpolitik hat sich nicht geändert. Wir stehen ihr nach wie vor ablehnend gegenüber. Mit einer so ufer­losen und nebelhaften, imperialistischen Politik wollen wir nichts zu tun haben. Wir sind grundsätzliche Gegner Der Unterwerfung unD Ausbeutung fremDer Völker. Dec L>taats- fefretär gibt sich einer merfroürDigen Illusion hin, wenn er glaubt, oaß Afrika in absehbarer Zeit ein Plantagenland weroen wird. Daran ist nicht zu denken. Den Gegensatz zwischen Weißen und Schwarzen kann der freundliche Bureaukratismus nickt aus- gle'chen. Die Bahnvorlage ist nur für Die Panzerplatten-Patrio- ten von Vorteil. Stanley schwärmte vom Kongo als von einem afrikanischen Sommernachtstraum. Und was ist daraus geworden? Die grauenhafteste Gewaltherrschaft! Wird's mit unseren Kolonien besser gehen? Der Staatssekretär hat recht: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Das beweist ja das Beispiel des Königs Leopold. (Heiterkeit.) Und wie hat man's in Ost­afrika getrieben? Die Hungersnot ist von der deutschen H-eres- verwaltung bewußt herbeigeführt worden. (Abg. v. Sichert ruft: I bewahre!) Die Vorräte sind bewußt zerstört worden. (Beifall reckts.) Ihr Veifallsgeheul ist recht bezeichnend. (Lachen rechts.) Freilich, ein Vater verleugnet ja nicht einmal seine miß­ratenen Kinder. Seine Sachverständigkeit hat sich ja im Mün­chener Petersprozeß genügend gezeigt, als er den Aufstand am Kilimandscharo auf die Wirkungen von Zauberern zurücksührte. Das ist fauler Zauber. (Heiterkeit.) Und als Gouverneur soll Herr v. Siebert an das Schöllerscke Konsortium 160 000 Hektar Land zu dem Preise von 7 Pfennig pro Hektar verkauft haben. Das wäre unverantwortlich. Selbst den Pappenheimern von der Wilbelmstraße war das zu stark. Und der Nyaffa-Gesellschaft machte er Versvrechungen, deren Erfüllungen er später selbst bei Der Regierung hintertrieb, (v. Siebert ruft: Der Mann muß gehängt werden! Heiterkeit.) Soweit will ich nicht gehen. Die Ausführungen des Staatssekretärs über Die Arbeiterfrage waren int ersten Teil eine Fanfare, im zweiten eine Chamade. Mit Prügeln löst man diese Frage nicht. Unsere Beamten in Den Kolonien sind Durchaus unbrauchbar, weil ihnen bas wirkliche Ge­fühl bürgerlichen Stolzes fehlt. Sie sollten sich an den Eng­ländern ein Beispiel nehmen. Aber es gibt ja keinen Bürger- stolz mehr im deutschen Volke. (Lachen.) Das Ideal deS deut­schen Bürgers ist ja ein schneidiges Talmi-Junker­tum. Mit dem Schießprügel will man politische Kontroversen ausfeckten. Der Beamte glaubt etwas ganz besondere? zu sein. Er gibt sich immer so, als ob er nur zufällig den sogenannten Bunten Rock ausgezogen hat. Das Reserveoffizierstum erscheint ihm als Inbegriff der Seligkeit. (Lacken rechts, Beifall bei den Soz.) Solche Leute haben kein Verständnis für wirtschaftliche Fragen. Wie ist es dock anders geworden seit dem 18. März 1848! (Lachen rechts.) Die Nationalliberalen und Freisinnigen sind ja feit diesen Tagen völlig entartet. (Lachen.) Von Leuten, die die Politik eines Fürsten Bülow unterstützen, ist freilich nicht zu erwarten, daß sie die Traditionen von 1848 wahren. (Lachen.) Wir verdammeii Die Kolonialpolitik in jeDer Beziehung.

Abg. v. Siebert (Npt.):

Herr SeDebour hat wieder reckt alte Kamellen vorgebracht, die schon im Wahlkampfe gegen mich verwendet worden sind, und die jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. Die Quelle Lede- bours ist sehr trübe. Es ist eine Schrift des Dr. Hans Wagner, Der sich an Dr. Peters unD mir reiben wollte. Die Geschichte mit her Nyassagesellschaft ist richtig; ick habe in Dem Falle meine Ansickt geändert. Ick weiß nickt, ob es nicht Dem Abg. Seh e» bour auch einmal passiert, Daß er eines besseren belehrt wird. (Zurufe von allen Seiten des Hauses: Nein! Nein! Große Heiterkeit.) Die anderen Vorwürfe sind völlig haltlos.

Ich freue mich, daß wir unsere Kolonien jetzt mit ganz an­deren Augen ansehen als früher. Der dreijährige Krieg im Sud- toeft hat unserem Volk Die Augen geöffnet; man sieht jetzt, was dort los ist und man macht jetzt auch Rentabilitätsberech­nungen auf. Gleichzeitig fangen auch unsere Tropenkolonien an, sich günstig zu entwickeln. Daß Der Etat von einem Staats­sekretär borgelegt wird, der die größte Kolonie aus eigenem Augenschein kennt und demnächst auck die zweitgrößte besuchen wird, ist nur freudig zu begrüßen. (Zustimmung.) Leider wird der Etat der Schutztruppen noch immer als gesonderter Etat, her- ausgenommen aus dem der Schutzgebiete, borgelegt; nur fo würde sich da? Bild der Kolonien dem Volke richtig darstellen. Bebauer, lich ist weiter die Behandlung derKolonien als Zoll- anSland. Wir Deutschen sind die einzige Nation, die bic Ko­lonien so stiefmütterlich behandeln, aus Furcht vor Repressivmaß- regeln des Auslandes. Die französische Industrie wacht mit größ­ter Energie darüber, daß in die französischen Kolonien nur ihre eigenen Artikel hineinkommen.

Die wichtigsten Fragen sind die Eingeborenen, u n b Arbeiterfrage und der Eisenbahnbau. Bei der Ein­geborenenfrage hat sich der Staatssekretär uns in je. der seiner Reden immer mehr genähert. Er ist, und besonders gestern, immer milder und entgegenfommenber. weit, herziger geworden. Ich stelle fest, daß gestern die Aeußcrung ge­fallen ist:das Wohl Der Pflanzer liege der Regierung am Her. zen!" Dann:die Regierung erkennt die berechtigten Jntereffen der Pflanzer an!" Ter Entschluß der Dlegicrung, den Pflamern in der Arbeiterfrage so weit wie möglich zu helfen, bedeutet einen großen Fortschritt. Das sind alles Dinge, die draußen in Ostafrika mit großer Genugtuung vernommen werden. Ich kann nur drin­gend bitten, daß sie auch reckt bald Wirflichkeit wenden, denn lei. der kommen immer bedenklichere Klagen aus der Kolonie. Heute ist in der Usambara-Post vom 22. Februar schon von einem E x - oduS der Deutschen die Rede. (Hört! hört!) Ich kann auch ganz die Worte des Staatssekretärs über die Behandlung der Eingeborenen unterschreiben und mache ein Relervatio nur in bezug auf Die freie Arbeit und ihre Resultate.