Ausgabe 
3.11.1908 Zweites Blatt
 
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vollzogene Tatsache der Annexion noch der Anerkennung einer Konferenz unterbreitet werden mußte. Die Frage ist nur zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei zu ordnen. Das Vorgehen des russischen Kabinetts kann nur die guten Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn stören und wird als eine Unfreundlichkeit empfunden. DerSeccoü)" veröffent­lichte eine Unterredung mit dem zurzeit in Patlanza weilen­den französischen Ministerpräsidenten Clö- m e n c e a u, der die Abhaltung einer K o n f e r e n z zur Lösung des Annexionsprogramms für durchaus nötig erklärt. Clemenceau fügt hinzu: Nie­mals waren Frankreich, England und Rußland in dem Wunsche nach Erhaltung des europäischen Friedens so ein­mütig, wie deute. Frankreich und England sind über alle der Konferenz vorzulegenden Punkte völlig einig, und die öffentliche Meinung Europas ist für sie.

Das sieht ja beinahe aus, als wenn man es auf eine Demütigung Oesterreichs und Deutschlands abgesehen hätte.

Präsidentenwahlen in Amerika.

Am heutigen Dienstage wird es sich entscheiden, wer der Nachfolger Roosevelts werden wird. Eigentlich finden ja heute nur die Wahlmännerwahlen statt, deren Zahl 483 beträgt und die daun den neuen Präsidenten zu wählen haben werden. Ernstlich in Betracht kommen nur zwei Kandidaten, Taft (Republikaner) uns Bryan (Demokrat), .der schon zweimal durchgesalten ist und wahrscheinlich aucy dieses Mal wieder durchsallen wird. Von Taft heißt es, daß er ganz in die Fußstapsen Roosevelts treten werde, und daß daher die Politik, soweit die Beziehungen zum Deutschen Reiche in Betracht kommen, keine Aenderung er- loideu werden.

Deutsches Reich.

Prinz und Prinzessin August Wilhelm von Pre ilßen sind gestern abend von Venedig nach Florenz ab­gereist, von wo sie sich nach Nom begeben werden.

Zur Erkrankung deS Staatssekretärs des Auswärtigen. Die »Nordd. Allg. Ztg." meldet: Staats­sekretär von Schoen ist am Samstag während einer Ver­einigung der Internationalen Konferenz über das Urheber- recht von einem Unwohlsein befallen worden, das ihn einige Wochen den Amtsgcschäften fcrnhalten wird. BiS zu seiner Genesung ist der Kaiser!. Gesandte in Bukarest Wirkt. Geh. Rat von Kiderlen-Waechter mit der Leitung des Auswärtigen Amtes betraut worden.

Der Achtuhr-Ladenschluß in Berlin. Infolge des Achtuhr-LadenschlusseS machten sich in den Geschäften gestern abend bedeutende Verschiebungen des Verkehrs geltend. Dem plötzlichen Andrange von Fahrgästen nach 8 Uhr abends werden die Bahnen Rechnung tragen müssen.

Ausland.

Kaiser Wilhelm trifft, wie jetzt feftsteht, zu seinem Jagd- aujenthalt in Eckardsau nächsten Samstag 6 Uhr abends in Schönbrunn ein, wo er in den Frcmdcn-Appartements absteigcn wird. Um 7 Uhr abends findet bei Kaiser Franz Josef eine Tafel zu Ehreir Kaiser Wilhelms statt, an der der Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, der deutsche Botschafter v. Tschirschch- Bögendorsf und der Attachec der deutschen Botschaft Graf Rogeneck teil nehmen werden. Nach der Tafel werden die beiden Kaiser miteinander in den Appartements des Kaisers Franz Josef bis ?sur Abreise Kaiser Wilhelms nach Donaueschingen verweilen, die um 10 Uhr abends erfolgt.

Der Feldzugsplau des deutschen Kaisers. Am Montag nachmittag wandte sich int Unterhause William Redmond von der irischen Nationalpartci mit der Anfrage an den Kriegs- minister Haldanc, ob tatsächlich ein Feldzugsplan des deutschen Kaisers zur Beendigung des Burcnkricgs in England cingegangen sei und ob der Minister, wenn es so ist, das Dokument zu veröffentlichen gebcnfc. HalDane erwiderte darauf, im Archiv des KriegsminiUeriums sei kein derartiger vom deutscl^en Kaiser stammender Feldzugsplau vorhaltdeu. Er könne daher, sagte der Ministet- unter der Heiterkeit des Hauses, dem Wunsche Reo- monds, das Schrijtstüct verösfcutlicht zu sehen, and) nicht Nach­kommen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 3. 'Jlovember 1908.

** Vom Gro ß h. Hofe. Prinz e s.s i n Heinrich Von Preußen traf gestern nachmittag mit dem Prinzen Sigismund und der .Hofdame Fräulein von Oertzen aus Schloß Heiligenberg zu längerem Aufenthalt im Neuen Palais ein. Prinz Heinrich kam am Abend mit dem Adjutanten Kapitän leulnant von Knesebeck, int Auto von Innsbruck kommend, ebenfalls int Neuen Palais Wohnung nehmend.

** Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Oberleutnant Matick im Telegraphen-Bataillon Nr. 1, seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm <2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Professoren. S. M. H. der Großherzog haben den Oberlehrern Franz Bock an der Vikloriaschule uub dem Lehren nsttznseminar zu Darmstadt, Ferd. Boden­stein am Gymnasium zu Bensheim, Karl Größer am Herbstgymnastum zu Mainz, Adolf Kemmer am Ludwig Georgsgymnasium zu Darmstadt und Gust. Laute­schläger an demselben Gymnasium den Charakter als Professor erteilt.

* In Audienz empfangen rottrbe von Sr. Kgl. Hoh. dem Grobherzog am Samstag u. a. Oberlehrer Dr. Gundel von Gießen.

Forstpersonalten. S. K. H. der Grobherzog haben den Vortragenden Rat bet dem Ministerium der Fi­nanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, Geh. Oberforstrat Wilhelm Scyd auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen, treu und ersprießlich geleisteten Dienste unb unter Verleihung deS KomturkreuzeS 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Grobmütigen in den Ruhestand versetzt und den Forstmeister Julins Hein zu Viernheim unter Verleihung des AmtötitelS Oberforstrat zum vor- trageitden Rat tn der Abteilung für Forst- und Kameral- Verwaltung deS Miitisteriums der Finanzen ernannt. Er­ledigt ist die Stelle des Obersvrsters der Oberförsterei Biernheim und die Stelle des ForslwartS derForstwartci L e h n h c i m.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Emst Fuhry ans Hochheim eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Klem-Auhenn. Entlassen wurde der Lehrer an der Gemcindeschule zu Climbach Heine. Rüder auf fein Nachsuchen.

* * Steuerpersonalicn Der Großb Steuer- äufseher Au.g. Gravelius in Gießen imiröe ui den Aus­

seherbezirk Ober-Jngesheim versetzt. Erledigt ist die stelle des Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Worms und die Stelle eines Steueraufsehers bet dem Hauptsteueramt Gießen.

Bergwerkswesen. Sc. Kgl. Hoh. der Groß- herzog haben dem Obersteiger Emil Keller zu Wölfers­heim aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Stlbernen Kreuz dc§ Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen. Der Schichtmeister auf dem Braun­kohlenbergwerk LudwigShoffnung Friedr. Karl Rothe zu Wölfersheim wurde zum Obersteiger auf dem Braunkohlen­bergwerk LudwigShoffntmg ernannt.

* Nachträgliches zur Landtagswaht. Wie verlautet, soll die Oppenheimer Wahlmännertuahl bean­standet worden sein und eine nochmalige Wahl stattfinden. Die beanstandete Wahl endete mit dem Siege der freisinnigen Liste (Kandidatur Korell), für den 451 Stimmen abgegeben wurden, während sich auf die Kandidatur des National­liberalen, Dr. Winkler, 243 Stimmen vereinigten. (Die Sache klingt nicht recht glaubhaft, da die Prüfung der Waylen Sache der Stammet: ist. Red.) Justizrat Dr. Schmitt hat in einem Schreiben an das Staatsministe­rium sein Mandat als Abgeordneter für den Wahlkreis Mainz-Land niedergelegt und ist somit in der Lage, das Mandat für Mainz-Stadt annehmen zu können. Im Wahlkreis Mainz-Land werden die Wahlmänner wahr­scheinlich den Altvürgermeister Löffel Holz (Kastel) nehmen. Der R u d e r v e r e i nUndine" in O f f e n - bad) hat sich nach der Landtagswahl bemüßigt gesehen, in einem Zirkular bekanntzumachen, daß eraus natio­nalem Boden" stehe. Der Bors ende derUndine", der linksliberale Fabrirant Ludwig Kapp us, der wegen seines Eintretens für Ulrich in allen nationalen Wäß.eroersamm- lungen angegriffen worden ist, hat den Vorsitz nieder­gelegt, weil die Vereins Kundgebung offensichtlich den Zweck hatte, ihn wegen seiner politischen Stellungnahme herabzusetzen.

* Dte Landtag-(Abgeordneten-)Wahl für die Stadt Gießen findet ain Samstag, 7. Novbr., vormittags 10 Uhr statt.

* * Der Gießener Eisveretn hält am Mittwoch seine orbentticl ? M i k g l i e o e r v c r s a m m l u n g ab. Es wird dabei die Erhöhung der Beiträge, eine Folge der allgemeinen Mchr- ausgaben, beantragt werden.

"Frauenturnen. Am Sonntag, 8. Nov, vorm. 9 Uhr, findet eine Turnstunde für Leiter von Francn- abtcilungcn in der Ttirnhalle in Butzbach statt. Ter Uebungsplan lautet: 1. Stehen, Drehungen, Echrittartcn. 2. Freiübungen, in Verbindung mit Schrittarten. Leiter: Gaiiturnwart Will. 3. Eine Frauenturnstunbe im Tnrnverein Butzbach; Zeitdauer ®/4 Stb. Leiter: Fisch-Butzbach. 4. Stütz- unb Gaugarten aus ber Schwebekante. Leiter: Günther-Mar­burg. 5. Schaukelringe. Leiter: Schüler-Wetzlar. 6. Kenlen- schwtngen in Verbindung mit Wiegeschritten unb Schrittwirbel. Leiter: Will. 7. Spiele. Berichterstatter Prof. Wamser- Butzbach.

* Fa hrrabmÜrder. Vor ber Hauptpost würbe gestern nachmittag von einem Unbekannten ein Fahrrab Bi arte Wartbnrgia 9lr. 70045 gestohlen. Der Eigen­tümer hatte bas Rab auf ber Straße stehen lassen, währenb er auf ber Post etwas besorgte unb bicsen Moment hatte ein (Sanner zur Ausführung bcs Diebstahls wahrgellommen.

" K ö r p c r v e r l e tz tl u g. Gestern abenb 11 Uhr meldete sich auf ber Polizei ein junger Manu mit blutenbem Kopfe unb gab an, in ber WaUtorslraße von Unbekannten geschlagen worben zu fein. Hoffentlich gelingt es, bie Täter festzustcllen.

* * Zur Notiz über ben Selbstmord aus Wieseck (Gieß. Anz. vom 2. Nov.) bittet uns ein Angehöriger, mit­zuteilen, daß der Landwirt Th. Sch. nicht dem Trünke ergeben gewesen sei, sondern die Tat lediglich lucgeit Familieuverhält- nissen begangen hat.

= Lollar, 2. 9Zod. Tie Frau des Barbiers H. P. schreibt uns:In Nr. 258 desGieß. Anz." befindet sich, eine 9üNiz aus Lollar, betreffend Den Barbier H. P., iuelche der Wahrheit nicht entspricht. DÄsclbe war nicht derartig betrunken, daß er andere Gaste in feier Wirtsä-afr belästialc, und ban öenselben nach Haus gebrockt wurde, sondern er ilt ganz allein nach Hause. Auch machte er keinenBlauen", sondern er hatte den ganzen Morgen gearbeitet. Ebensowenig i)t er gleich zu Bett georadyt worden. Bon großem Durst war bei ilM nichts zu bemerken. Wie sich die Sache mit der Flasche zügel rag en hat, kann niemand sagen, am allerwenigsten der Arlikelschrciber. Sb die Flasche vom Tych gefallen ist, ober ob cd dieselbe zerschlagen hat, ist von niemand gesehen worden. Als die Verletzung bemerkt wurde, saß er vor dem Tisch auf dem Sofa."

Wetterfeld, 2. Reod. Heute früh, am 2. SUrchweih- taffe, wurde der SOiaurcr Karl Biehl ans Lauter auf dem Wege von ber Müller)chen Wirtfdtask nach Haufe von 2 jungen Burschen überiallen, in den Groben gestoßen uitb mit einem Messer mehrfach ins Gesicht gestochen. Auch erhielt er in Den Arnt eine 5 Zcittimclcr tiefe Stidpvunhe. Die Ur sackte, ber Tat sowie die Täter jinD unbekannt. Der schwer Verletzte begab sich sofort mit dem 5 Uhr.zug in bie Klinik nach Gießen. Twtz der eifrigen Nachiorschunt^u ber Gendormeric tonnten bis jetzt die Täter nickst entdeckt werden.

b. Nieder-Bessingen, 1. Nov. Heute starb der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Friedrich Horst im nahezu vollendeten 88. Lebensjahre. Seine Gattin ging ihm vor 3 Jahren im Tode voraus 1899 konnten bie Friebrich Horst Eheleute in voller Rüstig­keit bn§ Fest ber golbenen Hochzeit feiern.

? TraiS-Horloff, 2. Nov. Am Samstag mittag würbe ber verheiratete, schon bejahrte Bergmann Eber von Utphe von anbeten Arbeitern auf einem Felbwege von hier nach Uiphe tot auf gef an ben. Da Eber schon morgens den Heimweg angetreten hatte, ist er mehrere Stunden ge­legen, bis er gefunden wurde. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.

H Butzbad), 1. Nov. In der hiesigen Volksschule wurde mit Beginn des Schuljahres in der Oberklasse als neuer Unterriu)tdgegeii|tano für Mädchen der Haushal- tungsunterricht eingeführt. Gestern wurde nun dieser Haushaltungskursus mit einer Prüfung durd) den Schul- vorstand geschlossen. Die Neueinrichtung hat fid) gut be­währt und aufs beite eingeführt, so daß sie eine dauernde Bereicherung des Lehrplans bleiben soll.

fe. Friedberg, 2 Nov. Gestern tagte hier eine Mctzgcr- i ersammlung, die die Gvü n b u n g e i n e r M e tzg e r I n n u u g für F-ricdbcrg unb Umgegend beschloß. Der Süd west, b e u 11 d) e Arbeitgeberverband hielt hier gestern eine gut besuchte Bersamminng ab. Mitglieder des Verbandes aus oessen, Baden, Württe mberg, Hess -n-Nchfau und dem Elsaß luaren cr|ü;ienen. einem Referat über die Bedeutung des Vcr- uaito oas Geiicralsetrettir Wolfs» Heidelverg erstattete, wur­den Ortsgruppen in utiebberg und Sämhetm gegründet.

R. Bobenyausen b. Mücke, 1. Nov. Gegenwärtig herrschen in unserem Orte heftige Klagen über die Wasserleitung, die bis jetzt tadellos funktioniert hat. Der untere Teil des Dorfes erl>ält Wasser genug, während der obere Teil weniger, mitunter gar feind erhält. Worauf dies zurückzusühren ist, konnte bis jetzt nod) nicht fest- gestellt werden: entweder ist die trockene Witterung schuld oder der untere Teil hat zu viel Bedarf an Wasser. Hoffentlich wird es bald gelingen, den Uebelstand zu be­seitigen.

Vorn Vogelsberg, 2. Nov. Die Wasser- leitungsbauten breiten sich im Vogelsberg fortgesetzt aus. Man kann schon jetzt sagen, daß niinbestens die Hälfte der Orte mit Wasserleitungen versehen sind. Fortgesetzt sind Leitungen im Bau unb Pläne in Vorbereitung. Vollenbet würben jetzt wieber Leitungen zu Altenbiirg, Lltzenhain, Schwarz, Rainrob unb Ober-Breibenbach im Kreise Alsfeld, Kaulstoß, Helpershain unb Babenhausen im Kreise Schotten. Tazu kommt noch ba§ neu eröffnete Gruppemvasserwerk bei Slongcnrob.

X Bad-Salzhausen, 2. Nov. Heber die nun schon seit Jahresfrist veranstaltete Bohrung nach einer Quelle wird (mit Recht) größtes Stillschweigen beobackstet, und Unbcjughm i|t Der Zutritt zum Bohrhans nicht gestattet. Jedod) ist soviel in die Oessentlichleit gedrungen, daß das Bohrloch schon über 600 ?Jccter tief ist unb bereits Soole angetrofsen worden ist. Die Bohrungen werden Tag und 3iacht unausgesetzt fortgesetzt.

X N i d d a , 2. Nov. Gestern abeiti» veranltaltete der Turn­verein Nidda eine sehr gelungene Abendunterhaltung. Frl. Detrez und Frl. Atüller, erstere Gelang (Sopran), letztere Klavier, sowie Herr Sdrgler (Tenor) unb Herr Jockel (Della- mation), alle aus Darmstadt, hatten ihre Mittvirlung zugesagt, ebenso Herr Menzel unb Frl. Uhl von Nidda (Klavier). Es war eine an schönen Darbietungen reiche Abenduitterhattung,jinb wurde allen Dickwirkenden von dem den großen Saal von Kraft bis auf den letzten Platz füllenden Publllum reicher Beifall gezollt. Ein T7)eakerstückDer falidst Anton" beschloß bie Dar­bietungen. Ter Ertrag der Abendunterhaltung kommt der Kasse des Turnvereins zugute, der im nächsten Jayre sein 5 0jähr. Jubiläum zu feiern gedenkt.

Q Laubach, 2. Nov. Das Rhein-Mainsche VerbandStheater, das gegenwärtig auf einer Gastsvicl« reise in Obcrycssen sich befindet, brachte am gestrigen Abcn- im Solrnser Hof das Alolieresche Lustspiel »Der Geizige^ zur Älufführung. Die Darstellung war in allen Teilen vor­züglich, baß eS schwer fällt, Einzelne heroorzuheben, man müßte benn ben Darsteller bcs Jakob, Koch unb Kutscher HarpagouS, erwähnen. Der Besuck) war vorzüglich. Das Haus ber verstorbenen Mattern Wiv, Bahnhofstraße, ging zum Preise von 2500 Mk. an Kausmaun Justus über.

() Marburg, 2. Nov. In dem nahen Dorfe Eln­hausen brannte heute das Wohnhaus nebst Scheuer des Landwirts Arnold nieder. In Frankenberg wurde vergangene Nacht ein E i n b r u ch s d i e b st a h l ver­übt. Ten Dieben fielen Slleidungsstücke und Geld in bie Hände. Mit dem Frühzuge sollen vier verdächtige Männer in der Richtung nach ^Marburg gefahren sein. Man glaubt, daß die Täter mit den aus Wehlheiden entsprunge­nen vier Verbrechern identisch lind. In Laasphe wurde ein Mann von einem wildgewordenenBullen verletzt.

-s- Hass en Hausen, 2. Nov. Der 70 Jahre alte Zimmergeselle Heinrich Meiner auS Winnen, ber 26 Jahre bei bem hiesigen Zimmecmeistcr Benber gearbeitet hat, hat am 31. Oktober sein Hanbiverk niebergelcgt. 9(m 4. Oktober vorigen Jahres feierte er sein 25jährigeS Jilbiläum. Möge bem Veteranen ber Arbeit ein heiterer LebenbSabenb be» schieben sein.

** Kleine 9Ji i 11 c i t v n <i c n o u 5 Hessen unb ben Nachbarstaaten. In Boden rod wurde Bürgcrmeistlw W i s s i g einstinimig iviedcrgcivühtt. Bei der Posthilfstelle üt Merkcnfritz ist eine Telegra phenanstalt mit öffent­licher Fernsprechftelle unb Unsallmeldestclle eingerichtet wor­ben. Der Pachter des Grüjl. Psenburg unb Bübingen-Meer' holzschen Äofgutes Marienborn, Skreis Bübingen, Miller hat Das Gut an ben Oekoiwmen Schmidtborn ans Slässel für 115 000 Mk. Abstand abgetreten. In Hanan erschoß s i ch in der .Kaserne der Fctdivebel Günther der 8. SWmpagnie deS 166. Infanterieregiments. Der (Srnnb zur Tat ist unbekannt. In Gaulsheim bei Bingen wurde gestern abend ber 17 Jahre alte Schmidt von einem Zuge überfahren und schwer verletzt.

Provittjial-AuSschuß der Provinz Oberhesfen.

L. Gießen, 31. Oktober.

Zur Ausführung von Arbeiten zur Hn ter Haltung des Lahnufers auf der Hessisch-Preußischen Landes- grenze bei Friedelhausen sind 6500 Mark erforder­lich. Hiervon trägt die Staatskasse -/$ mit 4333 Mark und die Hebernahme des Restes mit 2167 Mark wurde der Freiherrlich von Mrdeck zur Rabenau'schen Nad)laß-Ver- wattung zu Friedethausen angesonnen, da sie als Gemar- tungsinhaberin verpflichtet erschien, an der Hnterhattung mitzuwirken. Sie lehnte aber einen Beitrag in der geforder­ten Höhe ab, weil es sich nicht um Hnterhaltung des Fluß­bettes, sondern um be|fen Regulierung handele, und weiter, weil ein öffentliches Jntereße nicht 'vorliege. Der Kreis­ausschuß des Kreises Gießen besck)loß jedoch, dem Ansinnen beizutreten und die Nachlaßverwaltung für schuldig zu er­kennen, den geforderten Beitrag zu leisten. Auf Grund des eingelegten Rekurses halte sich der Provinzial-Ausschuß mit der Sache zu bescbästigen. Nachdem zunächst Augenschein eingenommen worden war, wurde heute stteitig veihandett, eine Entscheidung jedoch nicht getroffen, sondern die Ver­handlung behufs Ergänzung des Aktenmaterials vertagt.

Mols A1 l e n d o r f von G r ün berg hat ohne vor­herige baupolizeilid)e Genehmigung einen Sd)uppen errich­tet. Da er Ijierbei den gesetzttcl) vorgeschriebenen AbstanÄ von 7.50 Meter von der Grenze des' Bahnhofs nicht ein» hielt, gab ihm das Großh. Kreisamt Gießen mit Polizei- oefehl die Entfernung des Schuppens auf. Llllendorf ver­folgte hiergegen das Red)tsrnittel des Rekurses an ben Provinzial - Ausschuß. 9cad) vorgängiger Augenscheins­einnahme wies dieser heute den Rekurs kostenfällig zurück.

In der Sache: Reklamation gegen die Bürger- meiste r w a h l zu S a a s e n, in der am vorigen Samstag schon Verhandlung stattgefunden hatte, wurde nad) Ver­nehmung iveiterer Zeugen zum Schluß verhandelt. Der Provinzial-AussdMß be,d)toß den Rekurs des Wilh. Schepp gegen das Erkenntnis des Kreisausschusses zu verwerfen und die Wahl des Max Stark zu bestätigen.

Der landarme Taglöhner Daniel Dittmann, der schon im Jahre 1905 in Gießen und in Marburg wegen >irankl)eit verpflegt werden mußte, wurde kurz darauf in Steinperf wieder hilfsbedürftig und blieb es bis zu seinent Tode. Durd) seine Verpflegung und Beerdigung sind 92 Mk. Kosten entstanden, bereit Ersatz Steinperf zunächst von dein Landarmenverband Staffel verlangte. Da dieser die Er­stattung ablehnte, wandte sid) der Ortsarmenverband Stein-