Ausgabe 
20.7.1908 Zweites Blatt
 
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dem auf Aufforderung des OctSgeistlichen diese Waldseier geschloffen wurde, tarn gewiß allen Festteilnehmern von Herzen.

X Groß-Eichen. Der von hier gebürtige junge, talentvolle Künstler Ernst Ein,er, zurzeit m Karlsruhe, hatte auf der Hessischen Landesausstellung in Darmstadt ein OelgcmäldeAndacht im Walde" ausgestellt. DaS wirkungsvolle Bild wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von Hessen angekauft.

K AuS OberHessen, 19. Juli. Seit der abge­laufenen Woche ist man mit dem Einheimsen dcS KorneS beschäftigt. Die Ernte ist eine gute Mittelernte. Tie Folge davon ist, daß die Brotpceise sinken. In manchen Orten der Wetterau ist der Vierpfünder-Leib bereits 4 Pfennige abgeschlagen.

Darmstadt. Zur Hoftascl im Jagdschloß WolfSgarten waren dec ,Darmstädter Zeitung" zufolge, SamStag geladen: der kommandierende General des 18. Ar­meekorps, Exzellenz v. Eichhorn nebst Gemahlin, der Staatssekretär deS NeichSschahamts S y d o w und der Gouverneur von Mainz, General der Infanterie v. G o ß l e r und Gemahlin.

ed Darmstadt, 20. Juli. Der Bureaugehilfe Karl Bernhard, der seit einer Reibe von Jahren bei den Nechts- anwälten Schmehl I und II beschäftigt war und Unter­schlagungen begangen hatte, hat sich tn der gestrigen Nacht im Garten seiner Eltern an einem Baume erhängt. Vorher hatte er seinen Prinzipalen noch schriftlich Mitteilting von seinen Verfehlungen gemacht.

Darmstadt, 19. Juli. Einen jähen Tod hat heute früh ein Soldat aus Worms erlitten. Ter seit gestern abend zum Besuch seiner Mutter, einer im Dessunger Stadtteil wohnenden Witwe, weilende Willy Boger ooin i 18. Inf.-Regt, in WormS begab sich heute früh zum Baden nach dein großen Woog. Im Wasser bekam Boger plötzlich einen Herzschlag und obgleich er em guter Schwimmer war, ver­sank er an der tiefen Stelle.

w. Wetzlar, 19. Juli. Ein sehr wichtiger An­trag unseres Bürgermeisters von Zengen stand in jüngster Stadtverordnetensitzung zur Beschlußfassung auf der Tagesordnung. Die Stadtoerordneten-Versammlung wolle beschließen: .Das Königliche Kricgsminislerium zu bitten, in erster Linie auf den Bau der Unterofsizierschule Wetzlar durch den Fiskus hinzuwirken. Die seitens der Stadt beschluß- nnb emgabegemäß gemachten Anerbietungen: Freie Hergabe deS erforderlichen Bauplatzes von 6 ha, Unentgeltliche Ge­brauchsüberlassung eines Exerzierplatzes von etwa 50 ha. so­wie deS Grund und Bodens für die von der Heeresverwaltung herzurichtenden Schießstände, Kostenfreie Legung von Gas-, Wasser und Kanalleitung blS an das Unterofsizierschulgrund- stück.* Der Antrag wurde mit großer Stimmenmehrheit an­genommen.

Braunfels, 19. Juli. In unserem klimatischen Kurort wird an einem der Sonntage im August ein Bazar in ähnlicher Weise wie in früheren Jahren veranstaltet werden. Im Schatten der prächtigen Linden des fürstlichen Herrngartens werden Verkaufsstände und Jahrmarktsbuden aller Art errichtet iverden, eine Militärkapelle wird konzertieren und zum Tanze aufspielen, die hier weilende Gesellschaft des Rhein-Mainischen Verbandstheaters wird eine Vorstellung geben. Der Ertrag soll gemeinnützigen Zwecken dienen.

Dreihausen (Kr. Marburg), 20. Juli. (Tel.) Selbst­mord. In der Nacht von Samstag zu Sonntag durch­schnitt sich hier ein in den 60er Jahren stehender Mann in einem Anfall von Geistesstörung den Hals.

Frankfurt a. M., 18.Juli. In einer Flasche, die am Mainuser in Sachsenhausen angespült wurde, fand man folgenden Brief:Frankfurt, den 14. Juli. Meine lieben Eltern und Verwandten! Verzeiht mir diesen ver­zweifelten Schritt, aber unsere Liebe und die Verhältnisse lassen es nicht anders zu. Da wir nicht vereint leben können, wollen wir vereint sterben. Heinrich Schmidt und 9(nna Müller aus Offenbach." Anscheinend handelt es sich um eine Liebestragödie.

K. Frankfurt a. M., 19. Juli. Verband land - wirtschaftlicher Genossenschaften. Zu den General­versammlungen 1. des Verbandes der landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften für den Regierungsbezirk Kassel, das Fürstentum Waldeck und den Landgerichtsbezirk Frankfurt a. M. und 2. der Zentralgenoffenschaftskasse, die hier tagten, waren aus allen Teilen deS Verbandsbezirks zahlreiche Teilnehmer er­schienen. Zunächst fand die Generalversammlung des Ver­bandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften statt. Aus dem umfangreichen Bericht geht hervor, daß 1907 ein er­freuliches gewesen. 97 Genossenschaften umfaßt der Verband, dessen Umsatz gegen das Vorjahr um 63 Proz. gestiegen und der 1907 52 Millionen Mark betrug. Das eigene Vermögen beträgt 1 183 000 Mark, wovon 517 000 Mk. Reserven ent­halten sind. Bei den 66 Kreditgenossenschaften des Ver­bandes flössen die Einlagen reichlich, sie haben eine Höhe von 9'/, Millionen erreicht. Die Rückzahlungen betrugen 17,21 Proz. mehr als im Vorjahre, em günstiges Zeichen bei der herrschenden Geldknappheit. Ter Verband zählt rund 10 000 Mitglieder. Die 20 Molkereigenossenschaften des Ver- bandeS erzielten im Berichtsjahre einen Nettogewinn von 119 000 Mk. 22 Millionen Liter Milch verarbeiteten sie zu 775 000 Kilo Butter im Werte von 2/10 Mill. Mk. Zum Schlüsse ivurde bemerkt, daß im Berichtsjahre keine der Einzelgenoffenschaften irgend ein geschäftlicher Verlust getroffen habe. Nach einer kurzen Pause ivurde in die General­versammlung der ZentralgenossenschastLkasse, die sich auf die- selben Bezirke erstreckt wie der obige Verband, eingetreten. Nach dem Geschäftsbericht hat die Kaffe zu der Zeit, ivo der Reichsbankdiskont seinen Höhepunkt erreichte, ihren DarlehnSzmSsatz, 41/* Prozent, in laufender Rech- nung nicht erhöht. Diese Stabilität deS Zinsfußes sei vor- nehmlich für die Landwirte von höchster Bedeutung. Sie 'ünnten ihre Einnahmen nicht jo teicht steigern, wie die Industrie und müßten mit ganz bestimmten Einnahmen rechnen. Die von den Mitgliedern der Kasse übernommene Haftsumme beziffert sich auf 1585 000 Mk., der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 101/< Million Mark.

Homburg v. d. H., 19. Juli. General derIn­fante r i c z. D. v. Golz, ä la suite des Ingenieur- und PionierkorpS, »st nach langem Leiden heute nacht gestorben.

** Kleine Mitteilung- ' er? dessen und den Nachbarü aalen. Auf dem Rittergut Freienhagen m Sturhefien kam e5 am 18. d. M. zu einem blutigen Rcnkontre. Eine Rotte polnischer Arbeiter drang in das Geschäftszimmer des Gu:soorstehers und mißhandelte diesen m roher Weise. In der Notwehr schoß dieser auf den Rädelsführer und machte ihn durch einen Schuß ms Bein kampstiniähig. Darauf gelang es, die an­deren drei festzunehmen.

Bei Zeppelin.

Friedrichshafen, 19. Juki.

Professoren und Studenten der Universität Tübingen trafen gestern in zwei Extrazügen hier ein, um dem Grafen Zeppelin eine Huldigung darzubrittgen. Gleich nach der Ankunft formierten sich die 700 Stu­denten und nahmen vor dem C-uartier des Grafen Zeppelin Aufstellung. Graf Zeppelin erschien auf dem Balkon. Ter erste Chargierte des Korpseuepia" gab in einer kurzen Ansprache dem Interesse der Studentenschaft an der Erfindung Zeppelins Ausdruck, beglückwünschte den Grafen und brachte ein dreifaches Hoch auf ihn aus. Graf Zeppelin dankte für den (Empfang und die Ehrung. Seine Absicht, den Gästen das Luftschiff im Flug vorzu­führen, sei leider durch ein lleines Mißgeschick vereitelt worden. Er lade sie aber ein, sich tn zwei bereitstehenden Dampfern zur Besichtigung des Luftschiffes nach Manzell zu begeben. Graf Zeppelin fuhr in seinem Motorboot voran und machte den Erklärer. Leider ereignete sich während der Besichtigung ein Unfall, der aber gut ab­lief. Ein Teil des Bodens der Ballonhahle brach durch und 60 Studenten fielen iiis Wasser. Sie konnten aber alle gerettet werden und ihre Reise fort- setzetl, ohne Schaden genommen zu haben. Am Abend fand ein Festkommers im Kurhaus statt, an dem der König von Württemberg und Graf Zeppelin teilnahmen.

Tie Fahrten des Luftschiffes werden wahrscheinlich Ende der nächsten Woche fortgesetzt werden. B. T.

(ßcricbtsfaaL

Sittlichkeitsvergehen. Ter 76 Jahre alle Lehrer F. Sch. ans Niedernhausen im Odenwald wurde nm 18. d. Mls. von der Strafkammer zu Darmstadt wegen Sittlichkeitsvergehen zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich au Schulkindern vergaugeu.

Parts, 17. Juli. DaS Zivilgericht der Seiue hat das Scheid ungsgejuch des Ehepaares Lemoine zu Guusteu der Galliit Leinoines, des jaljcheu Diamanten'abrikanten, der augenblicklich noch immer flüchtig ist, ausgesprochen.

Universitäts-Nachrichten.

Professor Heinrich On i n cke, der Direktor der uiedizinischen Kliiiik in Ktcl, tritt in den Ruhestand mid siedelt nach Frank­furt a. Di. über.

Die Regierung des Kantons W a'a d t hat die Ent- laffung der in der französischen Schweiz nichtiehr gern gesehenen deutschen Professoren Ku hl en b eck »rnd Van Bleuten in L a u s a >i n e beschlossen. Zuvor hat sich der Akadcuiische Senat mit großer Majorität für die Eutlassuug der beiden Professoren ausgesprochen. Professor Bau Bleuten ist seiner Entlassung durch Einreichung seiner Demission znvorgckommen.

Sport-

London, 17. Juli. (O l i) Ni p i s ch e S p i e l e.) Ter Schliiß des W e 11 a u ch e n s hatte folgendes Ergebnis: Zürne r (Deutsch­land) erster, Behvens (Tentschland) zweiter, Walz (Deutsch­land) iind Geidzik (Bereinigte Staaten) beide gleich für dritten Platz.

Moskau, 18. Juli. Aus der A u t o m o b i l f e r n s a h r t New york Paris traf hier heute als erster P r o t o s ein.

vermischtes.

"München, 18. Juli. Ter deutsche und österreichische A l p e n v e r e l u hielt heute seine 39. G e n e r a l v e r s a m m l u ng ab. Koniiuerzieurat v. Pfister begrüßte die Erschienenen und ge­dachte des 60jährigen Regierungsjubiläums Kaiser.Franz Josephs, an ivelchcn em Huldigiingslelegrainm abgejandt wurde. Tie vom ZeutralanSschuß beautragte Abänderung der Statuten wurde ge­nehmigt und beschlossen, ein alpines Musen m i n Ai ü n ch e n zu errichten. 'Als Ort der nächsten Generalversammlung ivurde Wien, der übernächsten Lindau gewählt.

* B o m Wetter. Ter gestrige Sonntag brachte eine Reihe schwerer Gewitter, die aii vielen Orten großen Schaden anrichteten. Sehr heftig ivar der Gewilterstnim in Berlin', so daß infolge der Regengüsse Ueberflniiiugen eintraten. Im Grunc- wald wurde der Rohrleger Springer, der sich unter einen Baum geflüchtet hatte, v o m B l i tz erschlagen. Em über Dres­den und Umgebung medergegangeues Gewitter richtete einen ge­waltigen Schaden an den Feldirüchten an. Tie Bäume sind reihenweise niedergelegt. Ter Festzug der Elbgausänger, an dein 4000 Personen teilnahmen, wurde von Panik ergriffen. Mehrere Teilnehmer erlitten ernste Verletzungen. Ein Zug der Cchmal- spurbahu TresdenRadeburg wurde bei Radebeul umgeworfen. Tie Strecke ist gesperrt. Tie Wasserkatastrophe tu Ga­lizien hat 42 Gebäude zerstört, worunter sich 21 Wohnhäuser be­fanden. In den Fliiten kamen 26 Personen um, 5 werden noch vermißt. Am E o m e r s e e und am L a g o Ai a g i o r e s ch n e t t es bis zu 1000 Meter Meereshöhe heiab. Alle Gebirgswaffer steigen. Tie Etsch droht die User zu überschwemmen. Ter Eomer- jee ist aus den Ufern getreten. Die elektrische Eisenbahn Mai­land-Lugano wurde durch einen Bergsturz unterbrochen. In Ä e ii u a schwoll der Bisagno fünf Bieter über normalen Stand und richtete bedeutenden Schaden an Brücken und Fabriken an. In Ai a i l a n d herrscht andauernd kaltes R e g e n w e t l c r. Ein starker S ü d st u r m wütet an der M i 11 e l in e e r k ü ft e. In der Stadl Toulon sind durch den Sturm zahlreiche Unfälle herbeigeführt worden. In St. Louis sind sämtliche Boote von ihren Ankern losgerissen und viele gesunken. Tie übrigen erlitten ernste Havarien. Tie Unterseebootmanöver, welche auf der Reede von Toulon stattsinden sollten, mußten verschoben werden. Ein heftiger Orkan wütete auch im Ebrotal in Spanien und ver­ursachte großen Schaden. Wie amtlich gemeldet wird, hat em Unwetter m mehreren kleinen spanischen Häfen 42 Opfer gefordert. Während der letzten Tage wurden die russischen Gouvernements Ai i n s k und Ai o h i 1 e w von wütenden Stür- m e n heimgesucht. Auch aus Teile des Gouvernements Kiew griffen letztere über. Au der Fastoivobahn bildeten sich Seen, die den Bahndamm überschwemmten, so daß die Züge nicht weiter konnten.

* Eisenbahn un fälle. Bei Fessen heim (Oberelsaß) iprangen die Lokomotive und ein Personenwagen der Kleinbahn aus dem Gleis, fielen um und wurden zertrümmert. D-er Heizer und der Hckornoliv führen wurden schwer verletzt. Bon den Reisen­den erlitten einige Damen Verletzungen. Auf der Station Las- v a r Herzegowina fand ein Zusammenstoß zwischen einem Per- soncnzuge und einem Gitlerzuge statt. In Florenz entgleiste ein mit vielen Passagieren oesetztec elektrischer Straßenbahnwagen beim Pa,fieren der Earraia-Brücke und stieß mit großer Getvalt gegen em Haus. 10 Personen wurden verletzt, unter ihnen dre, schwer.

* Der begeisterte Landmann im Theater. Heber die Erlebnisse eines Mecklenburgers werß dieN. Hamb. Ztg." folgendes hübsche Geschichtchen zn erzählen: Karl H.. em echter Erbpächter aus der Teterower Gegend war nach Hamburg gekommen, um Dort ein Geschäft abzu­wickeln. T<rs Geschäft gestaltete sich sehr günstig pir ihn,

und er beschloß, da er erst am andern Tage feine >xintaf wieder aufsuchen wollte, sich zu amüsieren. Er besuchte, nachdem ereinen Tüchtigen gehoben" hatte, ein Vorstad.» Theater, das eine äußerlt wannende .Handlung zur Tar- stellung bringt. Unser Mecklenburger war ganz Auge und Ohr. Er berauschte sich förmlich und ftrrtc die Vorstellung, so daß seine Nachbarn mehrfach Zeichen von Unwillen von sich gaben. Ten guten Obotriten ließ das kalt. Als fein Nachbar zur Linken ihn dann aber energisch zur Ruhe er­mahnte, meinte der Erbpächter gelassen: , Ick heb mm Geld bitohlt un kann mi amuseern, wie ick will." Als aber eint ganz spannende Szene kam, wollte der Biedere ob bei Schandtat, die sich da oben abspielte, laut demonstrieren, wurde aber von seinen Nachbarn daran gehindert. Er setzte sich nieder. Sein Klappsitz war aber m die Höhe geschlagen und mit einem Aufschrei setzte sich der Bauer auf den Boden. Tas war ihm zu stark. Schnell erhob er sich wieder und versetzte einem hinter ihm sitzenden Herrn eine schallende Lhrseige mit den Worten:Tat hest sor bat Stauhl- roegtrcfTen." Ter schlagfertige Landbewohner wurde von einem Polizcibeamten aus dem Theater geleitet; da der Beleidigte aber feinen Strafantrag stellte, ging die Sache für den schlagfertigen Mecklenburger noch glimpflich ab

Kleine Tagec-chroutk.

Am Mittwoch harte der Lehramtskandidat Luder aus Cet- ting z-Oberbayern, vom Sankt Bartholomäus am Königsee aui eine Besteigung des Waymanns unternommen und iput:< seitdem vermißt. Gestern wurde er tot an den Felswänoe» ausgefunden. Ter Verunglückte war über 100 Meter abge.

Infolge Versagens der Bremse ist in Reutlingen ein Lastantomobil einer Brauerei auf einen Chgusseestein au>- gefahren. Ter Chauffeur ist toi, der Bierkutscher schwer verletzt.

Bei einem A u t o m o b i l u n g l ü ck verletzt wurden unwen Franzensbad der Bankdircktor Rcichenseld und Fräulein Mürber-: vom Deutschen Bolistheater in Wien.

Zwischen Brügge und Gcui rannte das Automobil einrt Kaufmannes, in welchem sich vier Personen be'anden, gegen einen Baum und wurde in den Graben geschlendert. Alle vier Personen wurden veletzt, zwei schwer.

Erzherzog Rainer, ein Onkel des Kaisers Fran; Joses, fuhr mit seiner Gemahlin in dem Orte Gmünd, wo er j«d zum Sommerauscnthalt befindet, spazieren. Tabei wurde er vor. einem Unbekannten mit gezogenem Messer angegriffen. Ein Wiener stürzte sich aus den Attentäter und cs gelang ihm, dem Manne das Messer zu entreißen, und ihn in den Straßengraben zu werfen. Tcr Attemäter, der betrunken war, ist verhaftet worden.

Bei Turek ^Polens wurde ein Ueberfall auf einen Postwagen verübt. Durch die Explosion einer Bombe wurden der Postillon und zwei Soldaten getötet und ein Soldat verwundet.

Der in M alrnö kürzlich verhaftete Bautischler Stern gestand ein, mit dem verhafteten tWurcr Rosberg am Abend vor dem Attentat aus das englische L o g i s s ch i f fA l m a - t h c a" zwei Kilogramm Dynamit in den Hafen gebracht za hoben, wo sie von dem zuerst verhafteten Tischler NUson in Empfang genommen worden seien. Stern und Rosberg sind darauf in die Stadt zurückgekehrt, während aus dem Schiss bu Explosion entstand. Stern gestand ferner ein, gemeinsam mit Nilson vor einiger Zeit einen Dynamitdiebstahl bei Malmö ver­übt zu haben. Nilson und 'Rosberg bestreiten die Schuld.

In der italienischen Stadt Gerace (Calabrien) ist man einer svstematischen Engelmacherei von erschreckendem Um- sang auf die Spur gekommen. In dem Hospiz, das von <m Frankreich ausgewicsenen St. Anne Schwestern geleitet wird, sink im vergangenen Jahr von 144 Findelkindern 1 43 a u s M a n gel an Nahrung gestorben.

hahschieh.

Ein hygienischer Gießener Spaziergang *

Liebe Leserin, wenn du öieUetdit zufällig noch nidt eingefleischte Frauenrechtlerin und als solche dann allctbutg« durchaus verpflichtet bist, dein zartes Näschen unentwegt in icdea Treck, der diese Welt verunziert, mfthincin zu stecken, bann über- schlaac diesen Artikel und slechlc lieber weiterhin himmlische Rosen ins irdische Leben, das ist jedenfalls appetitlicher. Tie nüber- standssähigercn Riechorgane der Herren Stadtverordneten werden das aus sie gemünzte solgcndc besser aushalten.

Nicht von den allzulangjährigen, seitens der guten Gießener mit antikem Stoismus ertragenen Abscheulichkeiten der ein uni» immer noch durchzusühreudeu Kanalisation, nicht von dem unleidlichen Truck der Stcuercrhöhung, der mxb nicht hoch genug erscheint, um, nach dusterer Prophezeiung, bit Stadt ganz unb gar zu entvölkern, soll hier die Rede sein, sondern nur von einigen groben Verstößen gegen bie ein­fachsten Regeln der fegenspendenden, über Gießen hochÜ ungehaltenen Göttin Hygieia. Es soll die Rede sein von Rückständigkeiten derteuren" Vaterstadt, zu deren Beseitigung große Anforderungen an den geplagten Stadksackel nicht ersorder- lich, sondern lediglich einiger guter Wille und ein geringer Aus- wand von Energie und an Geldmitteln in nur geringem Um­fange genügen würde, um unserer Provinzialhaupt-, Universi- täte* und Garnisonstadl in mancher Hinsicht das Odium fürderhin zu ersparen, -hinter moderner Anschauung grundlegender Gesund- heitsrcgcln nachzuhinken.

Sparsamkeit ist eine schöne Tugend des Einzelnen und soll ein oberster Grundsatz jeder Gemeindevertretung sein, aber sie ist nur au loben, wenn sie am rechten Platze geübt wird. An unseren Plätzen (und Straßen) aber macht sich, ivas ihre Reini­gung betrifft, eine Sparsamkeit breit, die geradezu ver­derblich genannt werden muß. Es steht wissenschaftlich fest, daß der Staub einer der grimmigsten Feinde der Ge­sundheit ist unb so lange wir es noch nicht verstehen, diesen ewig sich erneuernden Gegner von unfern Verkehrswegen ftroa elektrisch abzusaugen und so lange die sogen, teueren Staubvcr- tilgungsmfttcl mehr stinken als nutzen, so lange muß ihm immer noch mit Besen und mit Schippe zu Leibe gegangen roerben. Aber auch mit vielen, mit verschwenderisch vielem Wasser mus er vorher abgelöst und bei Nacht entfernt iverden! Gekrd« wird ja auch bei uns so leidlich, aber auf trockenem Wege »nd in den Stunden des lebhaftesten Verkehrs, gegossen rcfp. gt- sprengt wird wenig. Zur Abstellung dieser widerwärtigen, einer Stadt ganz unwürdigen Stcnibmlsere ist werter nichts notig 1. die Kontrakte mit den Fuhrleuten, welche die Sprengiäsi" bespannen, nrüssen revidiert resp. verbessert werden, bic Lcuic sind eben, wenn es nottut, anderwärts beschäftigt und oft nid)t zu finden; 2. die Hydranten müssen öfter und reichlicher ge­öffnet, e s darf durchaus nicht an Wasser gesoari werden; 3. bie Straßenkehrer, meinetwegen reichlicher entleer', müssen gezwungen werden, daß sie m den sruheften Morgenstunden ihr segensreiä)cs Werk unter strengerer Aufsicht beendet haben- Sind das etwa einer gesundheitlichen Maßregel von allergrößte: Bedeutung gegenüber unerhoNe Forderungen? Sind da irgent- welche unübersteiglichc Hindernisse? Ist namentlich die chrfa^c Zunft der Straßenkehrer der Stadt wegen da, oder ist cs, Vic es fast scheint, umgekehrt? Ein klein ivenig Energie, m. L- und stramme Anweisung der ousführendcn Auisichtsbcawten (un­genügende und lässige entläßt man beizeften) und es ÜopiX alles.

Und nun lade ich bie Stadtverordneten in ihrer Gesaimbil- eineKommission" tulS hier nicht, höflichst zu einem klein» Spaziergang in und um unsere schone 2labt ein. Entschuldigung wegen anderweitiger dringender Abhaltung wird, bei bet Wichtig'

*) Bon sehr gesclfätztcr Seite ging uns nachstehenbc Satire aus hiesige Perhältrnsie zur Veröffentlichung zu. Wir entsprechen diesem Wunsche, ohne uns alle vorgebraMten Beauftanduuz « und insbesondere Die Form der Beschwerden im cinzelnea -u eigen zu machen.

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