Ausgabe 
18.1.1908 Viertes Blatt
 
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Preußen' völlige Freizügigkeit für die Arbeiter, aber nicht im gesamten Reiche. DaS Knappschaftswcsen ist die Grundlage der sozialpolitischen Gesetze gewesen. Deshalb muß c5 auch eine Möglichkeit geben, nun für ba§ ganze Deutsche Reich ein ein­heitliches Berggesetz zu schaffen. Aus diesem Grunde habe ich im Namen meiner Partei zu erklären, daß wir eS für das beste und richtigste halten, diese ganac Materie einschließlich der Ar« beiterrersicherung auf rcichSgesetzlichem Gebiete zu regeln. (Lcbh. Beifall links.) Den Arbeitgebern hat keineswegs am Herzen ge­legen, das Knappschaftsstatut zu Fall zu bringen, wie cs nach den Schilderungen des Abg. Hue scheinen müßte; er kann aller­dings nicht objektiv genommen werden, da er zur Siebenerkom­mission gehört hat, deren letzten Vorschläge die Scheiterung des Statuts herbeigcführt haben. Glauben Sie denn wirklich, daß die Arbeitgeber so unmenschlich gewesen sein würden, die Vorteile eines solchen Statuts für die Arbeiter nicht einzusehen, sodaß sie in dem letzten Moment zurückgegangen wären, um den Arbeitern das nicht zu geben, was sie ihnen vorher bewilligt und zugc-- standen hatten? Die Bergwerksbesitzer haben erhebliche Kon­zessionen gemacht. Sie haben nur insofern die Verhandlungen unglücklich geführt, als sie gleich von vornherein die äußerste Grenze ihrer Konzessionen angaben. Das hat auf feiten der Ar­beiter den Gedanken hervorgerufen, daß die Bergwerksbesitzer eine Machtprobe veranstalten wollten. Die Bergwerksbesitzer haben aber trotzdem noch nachher in den Verhandlungen nachgcgcbcn.

Es war auch zu einer Einigung gekommen dadurch, daß die Dergwerksbesitzer den Vorschlägen des Vertreters des deutschen Handelsministers entsprechend noch einen weiteren Schritt den Bergarbeitern gegenüber taten. Die Dergwerksbesitzer hatten an sich schon den gesetzlichen Bestimmungen durchaus entsprochen. Nach den gesetzlichen Vorschriften wäre eine Aenderung dcS Statuts gar nicht notwendig gewesen. Trotzdem kamen sie den Arbeitern entgegen. Zum Beispiel erhöhten sie das Sterbegeld von 20 auf 30 Mk., die erste Invalidenrente sollte nicht auf die Reichsrente angerechnet werden. Nach dem früheren Statut war ein Abzug hier möglich. Das sollte zu Gunsten der Arbeiter Wegfällen. Auch die rückwirkende Kraft für Invaliden vor dem 31. Dezember 1907 sollte kommen. Nur beim Kindergeld konnte man sich nicht einigen. Die Arbeiter waren aber auch schon hier mit den Vorschlägen der Arbeitgeber einverstanden. Die Ver­treter der Siebenerkommission wollten nur noch mal ihre Organi­sationen fragen. Nachdem sie das getan hatten, kam ein erneuter -Antrag, Der da§ Scheitern des Knappschaftsstatuts herbeiführte. Das mußte auf die Bergwerksbesitzer den Eindruck machen, als wollte die Siebenerkommission das Statut zu Fall bringen. Die Organisationen verlangten auch öffentliche Abstimmung, obwohl doch sonst die Herren von der Sozialdemokratie die öffentliche Ab­stimmung als etwas Unerhörtes ansehcn. Mit der öffentlichen Abstimmung wollte man aber die Aeltesten kontrollieren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich bin auch der Ueber- zeugung, daß bei einer anderen Art der Abstimmung das Statut zur Annahme gekommen wäre.

Ich will von dieser Stelle meinem tief st en Bedauern Ausdruck geben, zugleich im Namen meiner Fraktion, daß die Verhandlungen über das Statut gescheitert sind, daß eine Einigung nicht erzielt wurde. Die Kosten von 200 000 Mk. jährlich haben aber die Arbeitgeber keineswegs veranlaßt, eine solche Stellung einzunehmen. Beide Seilen waren in Mißverständnissen befangen, beide glaubten, mag. wolle

ihnen das neue Statut aufzwingen. Wäre dieses Mißverständnis beseitigt wordeu, dann wäre eine Einigung erzielt worden. Ich bedauere, daß die Verhandlungen keine Fortsetzung gefunden haben auf Grund der bereits geleisteten Arbeit. Ich will nicht Oel ins Feuer gießen, oder ©türm säen, wo e-5 nolwendig ist, daß Frieden herrscht. Wir wollen nicht Unfrieden feien, wenn eS gilt, eine für Arbeitgeber und Arbeiter gleich wichtige Vorlage ins Leben zu rufen. Wir wollen versuchen, die Mißstimmung und Erregung der Arbeiter zu beseitigen, die schon einen Streik befürchten ließ. Wenn man Licht und Schatten gleichmäßig verteilt, dann darf man nicht nur den großen Arbeitgebern einen Vorwurf machen, sondern muß auch den Arbeitern Sckuld zumessen. Nicht nur die Arbeit­geber sind hartnäckig gewesen, dasselbe gilt von den Arbeitern. Und doch gewährleistet das neue Statut ihnen große Vorteile. Einen 'praktischen Wert wird die Besprechung im Reichstage nur dann haben, wenn wir die bestehenden Gegensätze nicht er­weitern, sondern sie zu beseitigen suchen. (Lebhafte Zu­stimmung bei den Nationalliberalen.) Wir verurteilen weder die Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer. Der Vertreter des Handelsministeriums hat seine Vermittler­rolle in ganz ausgezeichneter Weise geführt. Nach unserer Meinung sollte man eine parlamentarische Kommission zur ©chasfung des Statuts einsetzen. Daß endlich Frieden eintritt, ist der einmütige Wunsch unserer ganzen Neichstags- f r a k t i o n. (Lebhafter Beifall links.)

Preußischer Geheimrat Meißner geht auf die Vorwürfe des sozialdemokratischen Redners wegen Unregelmäßigkeiten beim Nullen ein. Er weist die Behauptung, daß die preußische Regierung der Oeffcntlichkeit falsche Zahlen darüber mit« geteilt habe, auf das allerentichiedenste zurück. Allerdings sei in einigen Fällen befremdlich hoch genullt worden. Nun haben mir allerdings später der Kommission des Ab- geordnetenhauies vertraulich mitgeteilt (Hörti hört! bei den Soz.) ich habe durchaus keinen Anlaß, das zu verschweigen daß auf einzelnen Griiben bis zu 28 Proz. genullt worden sei. Wir waren gar nickt berechtigt, derartige Mitteilungen, die rein private Dinge behandeln, der Oeffentlichteit zu übermitteln. Gelächter bei den Soz.) Handelt es sich denn hier etwa um irgend welche bergbauamtlichen Dinge? Das sind doch rein wirtschaftliche Sachen. (Sehr richtig 1) Der Handelsminister ist gar nicht berechtigt, der­artige wirtschaftliche Dinge von einzelnen Zechen zu veröffentlichen. Dann hatten wir aber auch noch einen anderen Grund; wir wollten dadurch die Strciligkeitcn zwischen Arbeitgebern und Arbeltnehmern, die damals schon so bedeutend waren, nicht noch vermehren. (Bei­fall rechts, Lachen bei den Soz.)

Abg. v. Brockhausen (kons.): Die Erklärung des Staatssekretärs hat uns befriedigt, so daß wir keinen Anlaß haben, auf die Inter­pellationen näher einzngehen. Auch glauben wir, wichtigere Dinge bei der gegenwärtigei, Geschäftslage zu erledigen zu haben. Darum haben wir gegen die Besprechung der Jnterpellation gestimmt. Wir haben heute von den Interpellanten em alles bekanntes Lied gehört. Es war ein Feldzug gegen Preußen, gegen die preußische Regierung und gegen das preußische Parlament. (Sehr richtig 1 rechts.) Preußen hat eS an Mitteln zur Reorganisation deS KnappschaftS- wesens nicht fehlen lassen. Der preußische Landtag hat stets dabei sich von der Achtung vor den berechtigten Interessen aller Beteiligten leiten lassen. Er hat das Prinzip des HerrscherhausesJedem daö Seine" sich zu eigen gemacht. Die preußische Gesetzgebung ist

immer zum Wohle der mnwervemittelken Klasien ausgefallen., (Gelächter der Soz.; sehr richtig I rechts.) Nur durch die weit­sichtige Politik Preußens, die zur Verstaatlichung der Eisenbahnen geführt hat, ist es in Preußen möglich gewesen, eine liberale Steuergesetzgebung durchzusühren. (Sehr richtig! rechts.) Dr. Osann sprach 'sich hier für die geheime Stimmabgabe bei den Knappschaftswahlen aus. Sein Fraktionsg^uosse Hilbck hat im Abgeordnetenhause den entgegengesetzten iLtandpiinkt vertreten. Mag sich aber die u a t i o n a l l i b e r a l e Partei mit dieser internen Angelegenhet abfinden. (Sehr richtig I bei den Natl.) Mit Freuden haben wir die Bemerkung des Staatssekretärs aufgenommen, daß die preußische Negierung nichts unternehme aus Angst vor irgend einer Partei. Daß das Knappschaftsstatnt nicht zustande gekommen ist, wird auch von uns bedauert. Die preußische Regierung hat durch Vermiltelungsvorschlage ihr möglichstes getan, um eine Einigung herbeizuführ'en. Es müssen jetzt beide Teile nachgeben, damit es zu einer friedlichen Lösung der Frage kommt. Die Bergarbeiter sollten sich doch überlegen, ob sie durch Halsstarrigkeit mehr erreichen. Wenn die Arbeiter sich zur Wahrung ihrer Interessen zusammenlun als christliche und königstreue Männer, so werden wir unS nicht dagegen wenden, wohl aber dann, wenn sie sich unter dem Deckmantel von Gewerlschaften zusammentun, um die gegenwärtige Gesellscvaftsordnung zu beseitigen. Meine politischen Freunde wünschen, daß bald Ruhe und Frieden in die Bergarbeiter­kreise einziehen. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Mugdan (fr. Vp.): Die Verhandlungen dieses Hauses müssen zeigen, daß die Mehrheit hinter den Arbeitern steht. Es ist bedauerlich, daß der Staatssekretär sich nur auf formelle Er­klärungen beschränkt hat. Die reichsgesetzliche Regelung der Bergbau­angelegenheiten kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Bergarbeiter haben ein gutes Recht darauf. Vom preußischen Abgeordnetenhause ist für die Bergbauinteressen nichts zu erhoffen. Also auch in dieser Hinsicht ist das größte einzelstaatliche Parlament Deutschlands anderer Meinung wie das Reichs- Parlament. Das loird auf die Dauer ein Unding. Hier sollte ein geeignetes Wahlgesetz Abhilfe schaffen. (Beifall links.) D i e Zechenbesitzer haben an dem Z w i st allein schuld. Sie haben in den letzten Jahren Millionen verdient und wollen nur die Arbeiter tvegen ein paar Pfennigen zum Streik zwingen. Es Iväre klug von der Regierung, ivenn sie die Vergbaubesitzer zur Mäßigleitmahnen würde. Die Bergarbeiter allerpolilischenRichtungen sind einig in ihren Klagen. Die Regierung sollte daher das Interesse der Grubenbarone nicht in den Vordergrund stellen. (Beifall links.)

Abg. Höffel (Rp.): Auch wir halten eine Versöhnung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern für notwendig. Bei einigem guten Willen läßt sie sich erreichen.

Das Haus vertagt sich. ' ' ' ' .-'T'

Abg. Dr. Spahn (Ztr.) erklärt persönlich, daß er und alle Ab­geordneten des Zentrums sich stets um die. Stimmung der Berg­arbeiter bekümmert haben. Auch sei das Zentrum stets für die geheime Wahl eingetreten.

Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung; Diehseuchengesetz, Telc- graphengesetz und Scheckgesetz.

Schluß Uhr.

Aus StaSt stnO

Gießen, 18. Januar.

Arbeiter - Ucberfluß in den Städten nnd Arbei.er- niangel ans dem Lande.

Aus Anregung des Oberpräsidenden der Provinz Hessen- Nassau ist im April v. I. unter Beteiligung insbesondere <ruch der hessischen Regierung der Mitteldeutsche Ar­beitsnachweis-Verband gegründet worden. Haupt­ziel des Verbandes ist die Schaffung eines Ausgleiches zwischen dem Arbeiterübersluß in den Städten und dem Arbeitermangel in den kleineren Gemeinden und besonders auf dem platten Lande: also die Versorgung der kleineren Stadt- und Landgemeinden mit Arbeitern aller Art, insbe­sondere auch mit landwirtschaftlichen Arbeitern (Tage­löhner, Knechte, Mägde). Die gesteckten Ziele sucht bei Ver­band in der Weise zu erreichen, daß an möglichst vielen Orten kleine Arbeitsnachweise ins Leben gerufen werden, sei es in Anknüpfung an gut geleitete .Herbergen und Ver­pflegungsstationen, sei es einfach in der Art, daß sich der Bürgermeister bereit erklärt, auf Ersuchen eines Arbeit­gebers oder eines Arbeitnehmers, der stellenlos ist, bei den übrigen Arbeitsnachweisen telephonische oder auch schrift­liche Anfrage zu stellen. Es wird also der größte Wert nicht aus Bureauarbeit, Ausfüllen von Tabellen usw., son­dern einfach auf recht häufigen Gebrauch des Telephons gelegt; und die ganze Vermittlungstäligleit kann für gering bemittelte Arbeitgeber wie Arbeitnehmer kostenfrei, ge­schehen. Neben diesen mehr für den lokalen Arbeiterbedarf und zur Versorgung der Wandernden dienenden Ortsarbeits- nachweise haben dann die bereits seit längerer Zeit organi­sierten paritätischen Arbeitsvermi-tlungsstellen der größeren Städte die Ausgabe, alle von den kleinen Arbeitsnachweisen ihres Bezirks dort eingehenden Meldungen in Listen zu­sammenzustellen und diese an die Städtcsche Arbeitsvermitt­lungsstelle zu Frankfurt a. M. einzuschicken, die auf Grund dieser Einzelmeldungen Sammel-Vakanzen-Listen und Zu­sammenstellungen der freien Arbeitskräfte herausgibt, die einen gewissen Ueberblick über den Arbeitsmarkt in ganz Mitteldeutschland gewähren. Ortsarbeitsnachweise sind zur­zeit an etwa 100 Orten eingerichtet, Bezirksarbcitsnachweise bestehen oder steht deren Gründung unmittelbar bevor in- Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Tarmstadt, Worms, Bensheim, Kassel, Eschwege, Marburg, Hersfeld, Fried­berg, Gießen, Hanau, Rüdesheim, Oberlahnstein, Bingen, Herboru, Weilburg, Limburg, Wetzlar, Usingen und Kreuznach. Durch diese Organisation glaubt der Verband Arbeitgebern, die Arbeiter suchen, und den Arbeitnehmern, sowohl den wandernden als den orlsansüssigen, in jeder Weise entgegenzukommen. Ganz besonders wird er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken, daß die Leurenot der Landwirtschaft auf dem flachen Lande beseitigt und daß vor dem leichtsinnigen Abwandern nach den Städten gewarnt wird, das nur zur Vermehrung des Ar- beiter-Ueberslusses in den Großftädten führt. Zu jeder näheren Auskunft steht die Geschäftsstelle des Verbandes Frankfurt a. M., Saalhof, Saalgasse 31/33 zur Verfügung unb auch die Kreis- und Landräte fowie die Bürgermeister­ämter werden gern dazu bereit sein.

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Vom Staatsschuldbuch. Wiederholte Anfragen veranlaßen das Großh. Minntcrium, darauf hmzurveisen, daß zur Eintragung in das Hessische Staatsschuldbuch nicht nur hessische Staatsschuldverschreibungen, sondern auch Bar­beträge zum Ankäufe solcher von dem Slaatsschuldbuch- bureau, ferner von allen Hessischen Lokalkassenellen, von der Hessischen Landes-Hypothekenbank und außerhalb des Groß- herzogtums von allen Reichsbankanitalten angenommen werden Alle diese Stellen, insbesondere das Staatsschuldbuchburcau m Darmstadt, Lmsensiraße 1, erteilen jede auf das Staats- fchuldbuch bezügliche gewünschte Auskunft. Tie Vermittelung des Ankaufs solcher Schuldverschreibungen durch Großh. Hess. Kassen ersolgt provisionsfrei.

Pfarrpersonalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß­

Herzog haben den von dem Fürsten zu Leiningen auf die evang. Pfarrstellc zu Rothenberg präsentierten Pfarrvikar Julius Schönewolf zn Ober-Klingen für diese Stelle bestätigt.

** Kaiserkom m e r §. Die Marburger und Gie­ßener Burschenschaften feiern, wie alljährlich, so auch in diesem Jahre den Gedenktag der Wieder­errichtung des Deutschen Kaiserreichs gemein­sam und zwur hier in Gießen. Mit Rücksicht auf eine Ver­anstaltung des Gesellschaftsvereins mußte die Feier auf Mittwoch, 22. Januar, verschoben werden. Rach dem Eintreffen der drei Marburger Burschenschaften Ale­mannia, Arminia und Germania um 5 Uhr findet mit den drei Gießener Burschenschaften Alemannia, Germania und Frankonia zusammen ein gemein­samer Umzug mit Musik durch die Stadt nach dem Marktplatz statt und von hier aus geht es in denAndres". Abends 8 Uhr beginnt der Kommers mit Land es- vater in Steins Garten, den Alemannia-Gießen leitet. Unter den zahlreichen Einladungen, die ergangen sind, fehlt natürlich auch die Damenwelt nicht. Wie erinnerlich, sand im vergangenen Jahre der Kommers in Marburg statt und zwar am Tage der Reichstagswähl.

**DasoberhessischeBauernhaus. Der zweite Vortrag, den Prof. Dr. Walbe aus Darmstadt bei der Hessischen Vereinigung für Volkskunde und im Oberhess. Ge,chichtsverein hält, findet am nächsten Montag wiederum in der neuen Aula der Universität statt und wird sich mit dem oberhessischen Bauernhaus beschäftigen. Selbst­verständlich gelangen dabei wieder zahlreiche Lichtbilder zur Vorführung.

** Aus dem Bur ea u des Stadttheaters wird uns geschrieben: Die Voraussage, daß unser neues Stadttheater für viele Auswärtige Veranlafsung geben würde, öfter Gießen zn besuchen, hat sich glänzend bewährt und speziell die Frenrdenvorftellnngen^am Sonntag nach­mittag haben sich bereits einen festen Stamm auswärtiger Besucher erworben. Auch für die Nachmittagsvorstellung des nächsten Sonntags gibt sich lebhaftes Interesse kund, namentlich da Dielen Wünschen entsprechendHu - saren fieber" zur nochmaligen Aufführung angesetzt ist. Diese Aufführung des beliebten Schwankes war nur wegen der längeren Erkrankung des Herrn Reimer-Schlegel, der bekanntlich den Nippes svielt/so lange hinausgeschoben worden. Auch die Abenovorstelluna: Nestrohs bekannte ZauberposseLumpäeivagabundus" erregt so leb­hafte Nachfrage, daß Interessenten gut tun werden, zeitig sich Plätze zu sichern. Ausnahmsweise gelten für diese Vor­stellung Gutscheine.

. Aus dem Kreise Alsfeld, 15. Jan. Den Schüler-undJngendbibliotheken widmet unsere Kreisschutbehörde ihre besondere Aufmerksamkeit. Gegen­wärtig wird Der Bestand dieser Bibliotheken durch statistische Umfragen festgestellt. Dadurch gewinnt man behördlicher­seits ein sicheres Bild dieses so wichtigen Gegenstandes. Zu den neuerdings austretenden Bestrebungen um die Volks­bildung gehört wohl in erster Linie die Schaffung von Schüler- und Jugendbibliotheken. Das Fehlen derselben in so vielen Gemeinden wird wohl meist verursacht durch das Fehlen an Mitteln. Hier iväre ein dankbares Gebiet für unsere Darlehns- und Sparkassen vorhanden, die leicht bei Verwendung ihrer Ueberschüsse kleine Betrüge zur Gründung von geistigem Kapital leisten könnten.

X. Offenbach am Main, 16. Jan. Der heutigen S t a d t v e r o r d n e t c n s i tz u n g lag ein Antrag vor, allen städtischen Beamten und Lehrern, die aus der Stadtkasse ein Gehalt bis zu 5000 Mark beziehen, rückwirkend für 1907 eine Teuerungszulage in Höhe von 100 Mk. zu gewähren. Die unter 25 Jahre alten unverheirateten Beamten bezw. Lehrer sollen eine. Teuerungszulage von 50 Mk. erhalten. Stadlv. Ulrich (Soz.) beantragte, die Gehaltsgrenze für die Gewährung einer Teuerungszulage aus 3000 Mk. festzusetzen, weiter auch den städtischen Ar­

beitern eine Teuerungszulage in Höhe eines einmaligen Wochenlohnes zuzubilligen. Bon bürgerlicher Seite wurde empfohlen, den Antrag Ulrich, soweit er sich auf die Ge­währung einer Teuerungszulage an die städtischen Arbeiter bezieht, dem Verfassungsausschuß zu überweisen. Stadtv. Soehm (bürgerl.) trat dann aber dafür ein, die Abstim­mung über diese Sache sofort vorzunehmen und den Ar­beitern auch sofort eine Teuerungszulage zu gewähren. Die Vorredner ließen darauf ihre Bedenken fallen und Stadtv. Ulrich zog den ersten Teil seines Antrags, die Grenze für die Gewährung einer Zulage auf die Gehälter bis zu 3000 Mk. festzusetzen, zurück. Daraufhin wurde die Gewährung einer Teuerungszulage an Beamte, Lehrer und Arbeiter in der beantragten Höhe einstimmig geneh­migt. Die Vorlage über eine den städtischen Beamten zu gewährende Gehaltszulage wird baldigst er­scheinen.

O Gleiberg, 16. Jan. In den Räumen unserer Burg herrschte verflossene Nacht fröhliches Treiben. Schon früh am Abend leuchtete heller Lichterglanz den vielen Elften entgegen, die der Einladung des Gastwirtevereins gefolgt waren. Auch aus Gießen hatten fich viele Gästr eingefunden. Der geschmückte Rittersaal und seine Neben­räume waren bis ans den letzten Platz gefüllt. Ter Vor­sitzende, Gastwirt Nicbcrgall, begrüßte die Erschie­nenen, worauf der 2. Vorsitzende W. Be"n d e r-Iiodheim in längerer Rede Zweck und Ziel des Gastwirteverbandes her­vorhob. Sein Schlußwort galt dem Kaiser und ein mäch­tiges Hoch schallte durch die stille Nacht hin. Es würde zu weit führen, das so schön verlaufene Fest nt allen Teilen zu schildern. Den humoristischen Teil hatten mehrere junge Leute aus Rodheim übernommen. Aber auch die zu Gehör gebrachten Gesänge, Quartette iniD gemischten Chöre hiesiger Gesangsfreunde fowie die Weisen der Krofdorfer Kapelle wurden beifällig aufgenommen. An drei Dienstboten, die 10 und mehr Jahre bei Krofdorfer Wirten bedienstet sind, sowie an Burgwirt Niebergall für 25jährigen Wirtschafts- betrieb wurden Diplome überreicht. Den Glanzpunkt bildete die Verlosung, die nahezu 200 Gewinne aufwies. Um '-Jittlernad)t begann der Tanz, der unter der Leitnnq des Tanzlehrres Will-Gießen bestens verlief.

o o f dors, 16. Jan. Am Montag, 20. Jan., abends 8 Uhr, redet der Generalsekretär der christlich-sozialen Partei, Herr Ruffer aus Dillenburg, im Freundfchen Saale über wichtige ^.agessragen (s. Anzeigenteil).

= <5*ra ntenb ad), 15. Jan. Tie Errichtung einer GemeinHe-Försterstclle für Frankenbach, Ober- foriterex Strupbach, ist zum 1. April gesichert. Mit der stelle, welche die Waldungen der Gemeinden Crumbach x- st?^an*en&aC$' Pfarrei und Kirche Crumbach und Pfarrei Rodheim mit einer Größe von 539 Hektar umfaßt, ist ern Jahreseinkommen von 1000 Mk. verbunden. Das Ge­halt steigt von drei zu drei Jahren um 50 bezw. 100 Mk. bis zum Höchstgehalt von 1500 Mk.

U5 den* Kreise Marburg, 15. Jan. In Hachborn wurde bei einem Mann, der tags zuvor 500 Mk.

hatte, ein gebrochen. 8er Betreffende, per mit feiner Z-rau an dem Abend bei Bekannten zu Besuch S?tSyIjrattc I^och vorsichtshalber bat Geld zu sich gesteckt! Der Dieb mußte deshalb resultatlos abziehen. gRoTh u? n LU11 151 Ian. Im Fechenheimcr

Wald wurde gestern abend em vergiftetes Reh zur

Raubzeug, vorwiegend Füchsen, nieder- gelegt Al^ heute früh darnach gesehen wurde, war eS x i[t nun offenbar gestohlen

worden nnd es t)t anzunehmen, daß es entweder zum cigenex Gebrauch oder uach Berkaus an dritte Personen Wit werden soll. Die Polizei hat sofort iimfanS Recherchen angestellt. Alle hiesigen Wildbrethändler lvur- dcn von dem DiebMl bcnaHrichtigt. luuu