Ausgabe 
13.4.1908 Erstes Blatt
 
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stündlich. Alles in allem gewann man von ihrem gestrigen Spiel I allen Umstünden eine aus der Nalur schöpfende erireuliche Kunst hrnn^hnVö. <$<a.|-t n bu a.&*ccn Vorbedingungen zu einer Vortrefflich war auch der Talbor Bakofs. Als Äurleigi) zeigte

brauchbaren Darstelleriir gegeben sind.

Tas Hans war zuguterletzt recht gut besucht, wenn auch nicht ausoerkaust, der Beifall iür den (Saft, aber besonders iur Frl. Achterberg und Herrn Roden sehr schineichelhast.

Voll Oberregisseur B a k o f war das Stück passend und würdig in Szene gesetzt. Die Szenerie war recht hübsch, nicht zu bunt. Auf eine bis ms kleinste ausgemhrte Charakterisierung des zwischen Gotik uiid Renüssance stehenden Zeitalters der Elisabeth legen wir ;n Gießen mit ritecht keinen sonderlichen Wert. Das Zujainmen' spiel zeigte eine sorgsame Abglültung. Mail hatte das Geiühl, als ob Regie wie Künstler gerade an diesem letzten Spielabeno noch alles einsetzten, um sich uns den Sommer über unvergeßlich S" machen und im nächsten Herbst mit besonderer Freude und An- tellnayme enlpfangeil zu werden. Tas ivird den meisten auch gewiß gelingen.

In einem Rückblick aus die verflossene Spielzeit will ich inden nächsten Tagen das zusammensassen, was das neue Haus an pari- schritten uns gebracht har. k.

GerichtrZaat.

Mü,rchen, 11. April. Im Prozeß gegen den Schutzmann Schauer wegen Erschießung des Studenten Moschel wurde heute Mittag 12V, Uhr das Urteil gesprochen. Die ®e- schworenen verneinten die Schuldsragen, worauf das Gericht den Angeklagten f r e i s p r a ch. Die Prozeßkosten wurdeil der Staats­kasse auserlegt. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte in Notwehr gehandelt hat und durch den Schutzmann Döbler nicht genügeild uiiterstützt wurde.

Sport.

Fußball. Am Sonntag nachmittag spielte die 1. Mcmnsch des Gießener Ballspiel-Klubs 19 0 4 gegen eine komb. 1. uiid 2. Mannsch. des At a r b u r g e r F u ß b a "l l - K l u b s und

Ernannt wurde H. Harth in Nidda zum Schrerb-- : gehilfen bei dem Amtsgericht Nidda.

* * Kinematographen - Theater. Seit einiger : Zeit hat auch Gießen sein ständiges Theater lebender Bilder, : das sein Heim im oberen Seliersweg ausgeschlagen hat und : sich bei Jung und Alt steigender Beliebtheit erfreut. Das macht sich namentlich in den Samstagen geltend, da an diesen Tagen Programmwechsel ist. In der Tat ist allen, die sich einmal eine Stunde angenehm unterhalten wollen, ein Besuch des hübsch ausgestatteten Theaters sehr zu emp­fehlen. Gerade das jetzige Programm bietet wiederum viel amüsautes und interessantes, zunächst ein bewegtes drama­tisches BildDie Tochter des Türmers", dgnn eine auf­regende Flucht von Sträflingen, eine allerliebste Hunde- varietevorstellung, einige heitere Lotteriegeschichten usw. Einen Blick in die Geheimnisse der Zirkuswelt gewährt die Vorführung des Clowns Sidney und eine den phantasie­vollen Reiseerzählungen Jules Vernes entnommene Dar­stellung führt uns nach dem Mond. Sehr vertraut wird hier die Zeil in Frankfurt anmuten, die in hervorragend deutlichen Bildern rasch vor unserem Auge vorüberzieht. Die Bilder sind so genau zu sehen, daß man selbst die Auf­schriften an den Straßenbahnwagen deutlich erkennen kann.

* * I m Kolosseum findet Diese Woche nur am Mitt­woch Vorstellung statt und zwar eine Benesizvorftell- ung für Die hier sehr beliebte Soloschauspielerin und moderne VortragsLünstlerin Minny di Cerenotti-Strauß.

** Hofrat Rothschild ist in der Nacht vom Samstag aus Sonntag im hiesigen Untersuchungsgefängnis eiugetrosfen. Heute vormittag hatte er bereits seine erste Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter. Er soll sehr schlecht ausfehen und namentlich das Gehen fällt ihm sehr schwer. , | , ,| ;

** Diebstahl. Aus dem Treppenbau eines Hauses in der Plockstraße wurden heute früh ein Paar Herrenstiefel und auch die dort niedergelegten Brötchen gestohlen.

** ©in für den Reiseverkehr hoch bedeutsames Unternehmen wird in der nächsten Zeit mit Unterstützung einer großen Zahl von Verkehrsunlernehmungen, unter denen namentlich die deutschen, schweizerischen, holländischen Bahnen u. s. f. sich befinden, in Berlin ms Leben treten. Tie Aufgabe des neuen Unternehmens, das den NamenInternationales öffentliches V e r k e h r s b u r e a u" führt, wird sein, über alle auf das Reifen bezügliche Fragen unentgeltlich Auskunft und Rat zu erteilen, und zwar joivohl tut mündlichen als schriftlichen Verkehr, aut Anfragen nicht bloß etwa aus Berlin, sondern auch aus dem Übrigen Teutschland, ja aus allen Teilen der Welt. Das Bureau lvird durch Angestellte, die zum großen Teil Beamte der einzelnen Länder, also genaue und authentische Kenner des be» treffenden Landes sind, und dlirch einen großen, bestens organi­sierten Apparat von Auskimfismaterial,in der Lage sem, jede auf Das Reisen bezügliche Ausklinn über Land und Leute, Reisezeit, Reiseroute, Kosten, UnlerkunflSverhältniffe u. a. m. folort und aufs pünktlichste zu erteilen. Ta das Bureau kein Erwerbsunternehmen i<t, werden die Auskünfte dieseslebenden Baedekers" absolut un- parteusch sein.

Steinbach, 11. April. Dem aus unserer Ge- ntembc scheidenden Lehrer Eißfeller wurde gestern abend eine überraschend großartige und wirkungsvolle Ab­schieds feier zuteil. Nach Einbrecheu der Dunkelheit zogen beim Scheine zahlloser Lampions der Kriegerverein, die beiden Gesangoereiile und der Turnverein in stattlichem Zuge, gefolgt von Alt und Jung, fast des ganzen Dorfes, vor die Wohnung des Scheidenden. Hier brachten einige von den beiden Gesangvereinen vorgetragene Abschiedslieder die weihevolle Stimmung des Augenblicks, die wohl in den Gemütern-aller Anwesenden Platz gegriffen hatte, zu schönem Ausdruck. Hieraus widmete der Präsident des Krieger­vereins Keßler dem Scheidenden warme Worte des Dankes und übermittelte ihm die besten Wünsche für das Leben in der neuen Heimat, lvorauf der also Geehrte in be­wegten Worten herzlich dankte für die für ihn so über­raschende Ovation^ Nach dieser kam es noch zu einer zweiten Feier int Saale desRitter", wohin sich die Mit­glieder der Vereine und viele andere zusammengefuuden hatten. Als der Gefeierte nach kurzer Zeit auch hier er­schien, wollten die Toaste kein Ende nehmen. Bemerkens­wert war die Ansprache des Gememderatmitglieds Heinrich Haas, der das Verhältnis von Lehr- zu Nährstand in treffenden Worten beleuchtete, eine Anerkennung der hohen Bedeutung des oft so schweren und erschwerten Lehreramtes, dessen Aufgabe es nicht nur sei, zu unterrichten, sondern auch und dies nicht in letzter Linie, zu erziehen und Lücken und Fehler der häuslichen Erziehung auszuiütlen und wieder gutzumachen. Die übrigen zahlreichen Ansprachen einzeln anzufuhren, wäre zu weitschweifig, aber alle spräche« deu vielen Verdiensten, die Lehrer Eißseller sich hier, namentlich , in dem Vereinswescn, erworben, und der Sympathie, die er bei Alt und Jung genoß, genügend das Wort. Als sich gegen Mitternacht der Saal zu leeren begann, ging wohl niemand ohne dce Ueberzeugung, einige schöne und stim- : mungsvolle Stunden verlebt zu haben, seinem Heime zu.

" Lich, 12. April Bei der gestern dahier Vvrgenommenen Krcistagswayl pir den Wahlbezirk Luch wurde 2}ürqenneitler ; Dörmcr zum Mitglied einstimmig gewählt.

t. Sonböfcf, IT. Apri!. Bei I>er g-effem hier borgens«- menen Kreistagswahl wurde Apotheker Welker vonAllen, dorf einstimmig wiedergewählt.

-m. Nieder-Wöllstadt, 12. April. Gestern abend um 8 Uhr kam ein betrunkener Dreschmaschinen- a r b e i t e r in die Wirtschaft des Georg Wilh. Schmidt Hauptstr. 20. Als der Betrunkene einige Zeit daselbst zu." gebracht hatte, kam es zwischen ihm und dem Sohne des Gastwirts, Otto Schmidt, der als Metzger in dem Geschäft tätig ist, zum Disput. In seinem Verlauf schlug Otto Schmidt dem Betrunkenen derart an den Kopf, daß er sofort t o t z u s a m m e n st ü r z t e. Schmidt, der noch gestern abend verhaftet wurde, ist verheiratet.

Fran kfurt a. M., 12. April. Heute vormittag brachte her 23 Jahve alte Ignaz Bernhardt aus Schlettftadt seiner Ge. liebten Kathr. Nizmer in deren Wohnenug, Rodelheimer Land­straße 16 einen Schnitt in die Pulsadern bei. Darauf brachte CT s ich selbst einen Schnitt in den Hals bei und verstarb bald an der erlittenen Verblutung. Tas Mädchen wurde in wußtlosem Zustande in das Städtische Krankenhaus übergeführt

Vermietete

* Br an de. Durch eine Feuersbrunst wurde das Theater Saint Jean zu OPorto vollständig zerstört. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Da der Brand zu einer Zeit ausbvach, wo keine Vorstellung statlfand. In Derby Rosd, einer engen Stvaße int Mrd en Londons brach in einem drei­stöckigen Hause Feuer aus, das schnell um sich griff. Trotz herv- stcher Rettungsarbeit eines in der Nahe wohnenden Mllabsahrerä, dem es gelang, vier Kinder aus der Glut zu retten, verbrann­te n zwei Kinde«. Zehn andere Personen erlitten teils Brand­wunden, teils verunglückten sie beim Herausspringen.

* Bombenattentate wurden am gestrigen Sonntag in Frankreich und Rußland verübt. In Tourcoing (franz. Tcp. l'toröj explodierte in dem Eingang zu oem Gebäude des Polizei. k o m Ni i s s a r i a t s des brüten Arrondissements eine Äunbe, die auf die Schwelle gelegt wovden war. Ein Chauffeur, der den Zünder der Bombe hatte auslöschen wollen, wurde schwer im Gesicht verwundet. Im Kommissariat und an den benach­barten Gebäuden zersprangen fäintlidie Fensterscheiben. Ein aus Belieng stammender Anarchist wurde verhaftet. In der großen Industriestadt Lodz explodierte im Hause des Tuchhändlers Beer­mann eine Bombe.- Beermann wurde der Leib vollständig a u f g e r i s s e n. Seiner Frau wurde eine Hand abgerissen und die Bcinc zwölfmal durchlöchert.

Kleine Tageschronik.

Magdeburgs Stadtverordnete beivllligten dem Ober- b ärger m eist er Dr. Lentze eine beträchtliche G ehaltser- höhn n g. Dieser lehnte fie aber mit Rücksicht aus die schlechte Finanzlage a b.

Gme D iebesbande von Volksschule r n wurde in dein westfälischen Orte Sevinghausen ermittelt. Die Zungen unternahmen gemeinsame Raubzüge und lieferten die erbeuteten Sachen ui einem Versteck ab. Bisher sind 15 Schüler verhaftet.

In Leipzig wurde wegen Veruntreuung tm Amte von der Staaisailwaltschaft die Verhaftung des Rechtsanwalts Bürde vorgenommen.

Ter als zerstückelte Leiche vor einigen Tagen im Tiergarten au'gefundene ermordete Knabe ist als der 1893 in Ungarn geborene Mische Schneiderlehrlmg FeitaS genannt Blecher erkannt worden. Er war seit einem halben Jahre bei dem Schneider- iuei|ter Laub in der Lehre. Der Vater des Ermordeten ist Witwer und Kassierer in einem Abzahlungsgeschäft.

Tel P ariferPetit R S p u b l i q u e" erzählt General Pau, Kommandant des 20. Korps, soll von einem Deutschen, dessen Identität bisher nicht festgestellt wurde, be­schimpft und g e o h r \ e i g t worden jein.

In B rüffel würbe ein frecher Raubmord in einer der belebtesten Straßen begangen. Drei Personen drangen in einen I u w e l i e r 1 a b e n em, erwürgten bie Inhaberin und eiiiwenbcien eine große Menge Juwelen. Als zufällig em Polizist an dein "abcn vorüber ging, ergriffen bie Diebe die Flucht. Es gelang jeboch, alle zu verhaften.

Der aut bent Newa-Fluß bei Petersburg plötzlich eingetretene Eisgang s ch w e in m t e eine provisorische Brücte fort, auf welcher sich ü b e r 100 Männer, Frauen und K inder befanden. Tas Eis stürzte über die Brücke hinweg und spülte die Menschen hinab. Eine unbeschreibliche Palük entstand. Glücklicherweise standen ßiir Rettung der Hinabgesttirzten Boote zur Berkügmig. Ten Wettern gelang es unter Lebensgefahr, fast Alle zu retten.

Während der Vorstellung eines militärischen Dramas im Ambique-T Heater zn Parts kam es seitens des Piibltkums zu lebhaften Protest-Kundgebungeir besoiibers wegen Der fchcüibaren Hinrichtung eines zum Tode verurteilten Soldaten.

Gie11 eine leichte Unsicherheit, war aber sonst durchaus am Platze. Wir sehen in ihm einen jungen Künstler von eifrigem Streben und keineswegs geringer Begabung von uns scheiben, Der in manchen Charakterrollen, wie z. B. bent Oberlehrer tmGroßen Tag", nut sicherem unb klugem Blick bas Rechte zu treffen wußte. Wein- gärtner war nut ber imglückltchen Rolle des Leicester betraut- Gr brachte für ihn bie blenbenbe Erscheinung mit. Gesprochen aber hat er ihn nur zum Teil überzeugend. Ter kurze Dialog mit Uurleigl) ging dadurch, baß er feine Rolle wieber einmal höchst mangelhaft memoriert hatte, vollkommen verloren. Das Schmeich' lyrische aber stanb ihm vorzüglich, unb was immer und überall [einen obersten darstellerischen Vorzug bedeutet: kein äußerliches und zu lautes Pathos störte; wie ja erfreulicherweise überhaupt lüstern ber böse Geist Deklamatorius fast ganz verbannt war und der gute Genius ber natürlichen Sprechweise vorherrschte, ohne in platten Alliagston zu verfallen. Man fanb bie mittlere Diagonale Zwischen Wischern Pathos unb glatter Prosaik.

.ier Gegensatzu Elisabeth konnte von vornherein um so weniger herauskommen, als Helene 91 d) ter berg bie in einigen Jahren eine vorzügliche Elisabeth werden wirb, bas tiefere Crgan besitzt, eine prachtvolle Stimme, bie fie nur zu eintönig be- Dnnbelt. In ber Parkszeue war sie gleich zu Anfang von hni- tei&enber Leibeiischanlichkeit in ihrer jubelnden Freude, nahm ober wider |o bie Steigerung vorweg. In ber ganzen langen Abschieds- ijene hielt sie einen Heien monotonen ©runötou ohne jede Färbung fest. Tiefci Tämmerton einer Seele, die mit der Welt abgeschlossen hat, ging aber bock; zu Herzen. Unb in dieser Szene war fie in jebenr Zuge die hohe, königliche Frau, bie helbenhafte Dulderin -pter, aber boch erst hier besaß ihre Maria bie rührenbe, inelandio- lilcbe öcbineiöenslinte, bieder Gram, bas lange Kerkerelenb" in ihr Antlitz geschrieben hat. Tie wilben Accente bes Trotzes des Wider,pruches und der Verteidigung waren mit Recht ohne' iede harmonische Klarheit. Unb so war beim ihre Diaria ganz und gar kein Bilb schlichter Größe unb Einheit. Tas aber jolls auch gar nicht fein, unb gerabc um biefer Zwiespältigkeit b b biefev Vermenschlichung willen ist ihre Alaria Stuart die beste 'die >ch seit langen Jahren gesehen habe. Frl. A. haue sich auch recht vorteilhaft zu kleiden und zu frisieren verstanden, unb ihre Er- schemung war wahrhaft königlich; ,hr fehlte aber jegliche Weich- beit; schroff vielmehr unb energisch ging sie ms Zeug. Ihrem tiefen L-vaan mfien |idi weiche Töne wohl schwer abgewumen, aber ihr fcljoiic5 Lprachinstrument scheint sie bock) noch nicht geniigenb zu kennen ju sie iclieint in diesem Betracht noch nicht einmal auf dem rechten 'iL^ge zu fern. Jedenfalls hatte Dir. Steiiigoetter, als er sie als Heroiiu- gewann -Denn Frl. Hocker wirb wohl feine Heroine mehr bef nun pielen, fonberu wahrfchernlich Frl. Eardung ersetzen), besonderes Sfl \UnLer *,ut "chi daran, daß er bieses junge bildsame Talent nichi ziehen lapt. Ebensowenig wie Roden, beffen übet- !!!?A x11 tflcr-l|CimLtei 3U,U Vesten ber gestrigen Voritellima Ö ^r m jedem Moment mtereffant war. Die flammende Sprache ber -cidenschast, die ben purer mit sich reißt, bleibt unter

Gieszener Stadttheater.

Maria Stuart.

.. erste Spielzeit in unfernt neuen Stabttheater enbele mit bem Gastspiel einer Künstlerin, bie vom nächsten Wrnter ab unserer Bühne als eins der wichtigsten öhlgliebet angehören soll. Grete Hocker komnst zu uns vom Stabttheater rn 'Mainz. Trottbem wirb es chr nicht ganz leicht sein, bie Sympathien der Gießener U gewinnen. L-e stellte am Sonntag bie Königin Elisabeth bar- Diesejungfräuliche" Königin spielt Komöbie vor aller Welt - vor ben Gesandten unb ben Ministern, vor ben Günstlingen unb vor dem Staatssekretär, bem fie bie Verantwortung für das Todes- jvtcü aufbürben will. Wenn sie ber Stuart in ber berühmten Gartenszene zuruft :Jetzt zeigt Ihr Euer wahres Gesicht, Mulabn" so bürste Mana ihr dies zuruckgeben; ist es bock) außer beAlnter- rebung mit Mortimer unb dem großen Monolog im vierten Akte ber einzige Auftritt, in bem fie bie Aiaske fallen läßt, bie je nach

Augenblicks Besorgnis für bas Wohl Eng- S' heuchlerisch frommen Augenaufschlag ober Züge weichlicher Milbe aufwetsen, immer aber dazu bienen muß, das einzige ^iel Wegrümnen der Mana, zu verhüllen und über die echten Empsind- ungen und Ziele zu tauschen. Dazu bedarf es einer beioiwcren Kunst der Belebung bes Gesichtsausdruckes. Ob der Frl. Höcker eigen ist, möchte man nach dem gestrigen Abend füglich bezweuelu. t a!10c. sowohl bie falte Härte als bie Heuchelei der fallen gle.ßnenschen Romain". Ihre Vorzüge sind groß? Sicher- heit unb Äiihnenkunbe; ihr Organ t|i wohlllmgend, wenn auch die ^hPnfnn?6^11?05 ^wer-ftüssig, ihre Erscheinung nicht ohne Wucht jedenfalls Eindruck machend. Zuweilen, namentlich m ihrem ei'ic i

Mortimer, traf sie auch das Gle.ßnerüche und hier unb ba hatte man auch bas Empfinden, daß sie mit tnuerr -J.arme eine Rolle auSzustatten vermöchte. Tie Elisabc-tv gibt ia dazu nur äußerst Kärlich- Gelegeuheu. Ob sie aber die siÄn .keu blaßere Buhueusianr jelbsischöplend au.zngeslalleu oo bkibt corlaufig recht lragllch. T°ch °x >nag s-m, daß d - wem, auch meister,tch kach!°>,e BeiangenheU sie hi cherle, ihr 'aän s können ,u -nttalt-n. Jeden,au- land sie sich tu d,e Akustik Uttlee-S Shea,er» nur schwer, 7'e dl.eb zu Ansang just nallkammen , naerk

perstellung von Sicherungsanlagen 743 921 Mk. :c., ins­gesamt 57 918 525 Mk. Aus Anlaß der Herstellung neuer Brücken wurden im Direktionsbezirk Mainz 249 eiserne 'ckeberbauten und aus Anlaß der Erneuerung und Verstär­kung vorhandener Brücken 105 eiserne Ueberbauten ausge­führt. Aucb zur Hebung der Leistungsfähigkeit der Werk­stätten wuroeu, wie die Denkschrift hervorhebt, sowohl aus den laufenden Mitteln der Betriebsverwaltung, wie aus be­sonderen Mitteln bedeutende Summen aufgewendet. Zur Erhöhung der Betriebssicherheit wurden elf weitere Bahn­höfe mit einem Kostenaufwand von 223500 Mk. für elek­trische Beleuchtung eingerichtet, auf andern die Gas- und Petroleum-Glühlichtbeleuchtung verbessert.

Aus dem Kapitel:Organisation und Verwaltung" ist zu entnehmen, daß bei Beginn der Eisenbahngemeinfchaft ein Eisenbahndirektionsbczirk Mainz gebildet wurde, dem der größere Teil der vormaligen Hessischen LudwigSbahnstrecken und verschiedene preußische Staatsbahustreckeu augchören, und gleichzeitig die Direktion der Oberhessischeu Eisenbahnen in Gießen aufgelöst und der Königlichen Eisenbahudirektion Frankfurt a. M. unterstellt wurden. Mit der Einführung der preußischen Verwaltungöordnung wurden auf hessischem Staatsgebiet im Direktionsbezirk Mainz 5 Eisenbahnbe­triebsinspektionen (2 in Mainz, 2 in Darmstadt, 1 in Worms und 2 in Frankfurt), dazu eine Anzahl Maschinen-, Werkstätten- und Verkehrsinspeklionen, zusammen 16 Hess. Inspektionen errichtet.

Eins der interessantesten Kapitel bildet die Darstellung über das Personal, dessen Löhne, Woylfahrtseiurichtungen usw., sowie über das Erträgnis der Eisenbahngemeinschaft, woraus zu ersehen ist, bay das Personal von 6238 auf 12 810 Köpfe, also auf mehr als das Doppelte, vermehrt worden ist, während sich die jährlichen Gehaltsbezüge von 5570000 Mk. auf über 11000 000 Mk. erhöhten.

2111$ Stadt und Land.

Gießen, 13. April 1903.

** Kanzleirat Demuth f. Eine Trauerkunde, die wohl die gesamte Einwohnerschaft mit großer Betrübnis vernehmen wird, ist heute zu melden: Kan^lcirat Wilhelm Demuth, der zwei Menschenalter hindurch seine ganze Krast in den Dienst unserer Stadt gestellt hatte, und in seiner verantwortungsvollen Stelle hoch und niedrig mit gleichem Entgegenkommen stets hilfreich zur Seite stand, ist aus diesem Leben abgerufen worden. Wilhelm Demuth war ein Gießener Kind und seiner Vaterstadt allzeit treu ergeben. Er war am 20. November 182-1 geboren uud nach dem Besuch der Volksschule und der Realschule 1840, also in seinem 16. Lebensjahre, als Schreiber in den Dienst der Bürgermeisterei getreten. Unter 7 Bürgermeistern hat De­muth gearbeitet, und die Entwicklung der Stadt von ihrer bescheidenen Größe jener Zeit bis 19 unser Jahrhundert nicht allein miterlebt, sondern auch m seiner treuen und gewissenhaften Berufserfüllung miterftrebt. Mir offenem Blick hat er die Wandlungen verfolgt, die das 9000 Ein­wohner zählende Gießen seiner Jugend bis zu seiner jetzigen Blüte durchmachte. So konnte es kommen, daß der alte Herr gleichsam zu einem lebenden Archiv für alle städtischen Einrichtungen wurde und selbst nach seinem vor 5 Jahren erfolgten Rücktritt von feiner Stelle als erster Stadtsekretär mußte er manchmal noch zu Auskünftserteilungen yeran- gezogen werden, wenn alle sonstigen Hilfsmittel versagten Sehr ungern nur sah man den alten Herrn und hilfsbereiten Berater der Bürgerschaft vor 5 Jahren aus seinem Amte scheiden, unb die Trauer um den verstorbenen treuen Sohu der Stadt unb gewissenhaften Beamten wird groß und all­gemein fein. Der Name Wilhelm Demuths aber wird allzeit m der Geschichte Gießens fortleben als leuchtendes Beispiel echter Bürgertreue!

** Hkfsische Handwerkskammer. Am vergangenen Freitag fand in ben Diensträumen ber Hanbwerkßkamnier zu Darmstabt in Erlebigung bes Beschlusses bes Gießenei! Hanbwerkertages eine Sitzung ber Antragsteller zum Ver» bingungswesen statt, in ber ihnen, wie beschlossen Ge­legenheit gegeben werben sollte, ihre Wünsche und "Anträge persönlich der Ministerialabteilung für Bauwesen zur Kenntnis zu bringen. An der Sitzung nahmen daher auch die Ver­treter ber Ministerialabteilung, wie auch ber Aufsichtsbehörbe ber Kammer, ber Abteilung III in Großh. Minifterinui bes Innern teil. Die mehrere Stunben währende Sitzung hatte für bie Antragsteller insofern besondere praktische Bedeutung als eine gründliche Aussprache hinsichtlich der zum Ver-' dmgungswesen uorliegenben Wünsche nach allen Seiten hin möglich war. Aus ben Kreisen ber Antragsteller würbe denn auch am Schlüsse der Verhandlungen der Befriedigung und ' bem Danke Ausbruck verliehen, ber obersten Baubehöcbe die Anliegen direkt vorzubringen Gelegenheit gehabt zu haben.

0 Uebertragen wurde bem Lehrer an ber höheren Bürgerschule zu Rimbach i. O. Simon Schwarz eine Lehrer- stelle an ber höheren Bürgerschule zu Groß-Gerau. ;