Ausgabe 
3.1.1908 Erstes Blatt
 
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rehte5 neuen TrnnpferS des Norddeutschen Lloyd auf den Namen Gießen" gemacht und gleichzeitig ein Bild davon übersandt wird. Die Taufredc hielt Geh. Ncgierungsrat Dr. Will-Char- lottenburg, ein geborener Gießener. .

Für die Zuschrift, das Bild und btc Wahl Gießens als Nmnengeberin spricht die Versammlung besten Dank aus.

Eineelektrische" Frage.

Direktor N a p p m a n n wendet sich an die Stadtverordnetcn- dersammlung mit dem Ersuchen, den Preis für den elektrischen Strom, den er bei den kinematographischen Vorführungen braucht, gleich beni zu Kraftzivecken verwendeten zu berechnen, anstatt, wie dies seither geschehen ist, die höheren Lichtpreche anzu­setzen. Tas Gesuch geht an die zuständige Deputation.

*

In dernichtöfientlichen Sitzung wurde die Bildung der Kommissionen und Deputationen vorgenommen Gewählt wurden:

Baudeputation:

Haberkorn, Haubach, Hcyligenstaedt, Jughardt, Orbig, Petri.

F i u a u z k o m m l s s i o n:

Dr. Biermer, Emmelius, Heichelheim, Leib, LooS, Lchaffstaedt, Wallenfels., ,

Deputation für das G a s-, Wasser- u. Elekt r.-W e r k :

Georgi, Eichenauer, Haulmch, Heichclheun, Heyllgeustaedt, Hiihn.

Iuristijche Kommlssion:

Georgi, Herstigeustaedl, Keller, Dr. Biermer, Dr. Gutfleisch, Grünewald, Dr. Schäür.

Land-- u n d f o rst w. Kommission:

Faber, Helfrich, Huhn, Löbcr, Simon, Dr. Wimmcnauer.

S ch l a ch t h a ii s k o ni m i s s i o >i:

Dr. Haberkorn, Helfrich, Krunmr, Tros;, Kiiell, H. L. Sach Schlörb, Schneider.

Schuldeputation:

Georgi, Heichelheim, Jann, Krunim, Löbcr, Schasfstaedt.

Sozialpolitische K o m m i s s i o n:

Dr. Biermer, Dr. Ebel, Dr. Gulfleisch, Heyllgeustaedt, Huhn, Krumm.

Deputation für den Arbeitsnachweis:

Emmelius, Faber, Plank Winn, Cchrütfetzer Hensel, Lackierer Alitsen, Eljendreher Krüger, Schreiner sJ)lännd)e.

V ers ch l u ß k o m nris f io n:

Habenicht, Heichelheim, Jughardt. -

Marktkommission:

Brück, Faber, Helfrich, Jughardt, Orbig, Plank.

Pferde markt-Kommlssion:

Brauereibesitzer Bichler, Weinbändier Schwan, Gabriel, Heflrich Troß, Universitäts-Stallmeister Creutzburq, Rent,:er H. Emmelius, Ingenieur Gutmann, Rentner D. Heil, HoflohnkutscherHuhn, Kreis- vetermärarzt Knell, Schlachthoidirektor Modde, Polizc:amtman>l Remhart, Oberstleulnam K. Schmidt, Hauptmann A. Schröder, Kani- mann L. Sundhcim, Apotheker Schwieder.

Einqrlartierungs-Kommission:

Bruck, Faber, Helfrich, Huhn, Leib, Löbcr.

W l r t s ch a f t s k o m m i s s i o n:

Gabriel, Habenicht, Jughardt, Lelb, Orbig, Winn.

U r k u n d S k o m m i s s i o n:

Mitglieder: Helfrich, Jughardt, Simon. Ersatz: Eichenalrer, Helm, Leib.

Theaterkommifsioii:

Georgi, Haubach, Heichelheim, Hcyligenstaedt, Landgerichts- direktor Bücking, Musikalienhändler Ehallier, Prof. Dr. Fromnte, Schafsstaedt.

Kommission für Brenn material:

Heyligenstaedt, Löber, Schafsstaedt.

Armen depntation:

Brück, Jann, Löber, Troß, Walleiisells, Pfarrer D. Schlosser, Pfarrer Schwabe, Dekan Bayer, Polizciamtmann Reinhart, Pro­fessor Dr. Stamm.

BerkehrSko ni Mission:

Eichenauer, Gabriel, Grüiiewald, Habenicht, Helm, Krumm, Leib, Wmn.

Schulvorstand:

Georgi, Heyligenstaedt, Dr. Ebel, Orbig, Prof. Dr. Fromme, prakt. Arzt Dr. Bötticher.

Kuratorium der höheren uild erweiterten

M ä d ch e n s ch u l e :

Mitglieder: Georgi, Jann. Ersatz: Emmelius.

,. "....... - n.i ii

Aus Stadt und Land.

Gießen, 3. Jan. 1908.

Gedenket der hungernden Vögel!

** Eine Ehrung Professor D. Stamms. Das 'Großh. Oberkonsistorium hat unterm 12. Dezember v. I. an den Präsidenten der eoang. Landessynode, Prof. D. Stamm in Gießen, der am 15. Dezember seinen 70. Geburtstag feierte, folgendes Glückwunschschreiben ge­richtet:

Hochgeehrter Herr Präsident! Am 15. d. Mts. begehen Sie einen Dag, der allen, die Ihnen persönlich oder amtlich nahe stehen, eine willkommene Gelegenheit gibt. Ihnen chre Glück- und Segenswünsche darzubringen. Wenn auch wir uns den Glückwünschenden anschließen, so möchtet: wir bei dieser Ver­anlassung nicht verfehlen. Ihnen die Wertschätzung und dank­bare Empfindung auszusprechen, womit wir Ihre Tätigkeit als Präsident der Evangelischen Landessynode von dem Tage an begleitet haben, an dem Sie, nach bereits langjähriger er­sprießlicher Mitarbeit «n der Synode, dieses hohe und verant­wortungsvolle Amt übernahmen. Insbesondere sind wir wie die ganze Landeskirche Ihnen schuldig, die selb stv er leugnende Hingebung, mit der Sie den mit dieser Stellung verbundenen Pflichten jederzeit zu genügen bestrebt gewesen sind, die Selb­ständigkeit des Urteils, die ruhige Klarheit und den sicheren Takt, mit denen Sie die Verhandlungen der Landessynode ge­leitet und auf der Höhe weiterer Ziele und vornehmer Gesichts­punkte erhalten haben, mit herzlichem Dank anzuerkennen. Möge der treue, Gott, dem Sie an so hervorragender Stelle zu dienen bemüht sind. Ihnen beim Eintritt in ein neues Jahrzehnt eines arbeitsreichen Lebens die Kraft und Freudigkeit erhalten, um auch hinfort der Landeskirche Ihre wichtigen Dienste zu leisten, und möge Er Seinen Segen zum Wollen und Vollbringen geben! Großherzogliches Oberkonsistoriunr.

* * Erledigt sind: 2 in# evang. Lehrern zu be­setzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Raun­heim und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 5. Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Nidda.

* * Oberjägermeister. S. K. tz. der Groß Her­zog haben den Hofjägermeister Forstmeister Walter Frei­herr ban der Hoop zum Oberjägermeister ernannt.

* * Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 5. Nov. wurde Regierungsassesfor Wilh. Rahn zu Worms zur Rechtsanwaltschaft bei der Kammer für Handelssachen zu Worms und dem Amtsgericht WormS zugelassen.

** Landesbauge werk schule. S. H. der Großherzog haben den Architekten Ruö. Gg. Ernst Blaum zu Tarmstadt zum Hauptlehrer an der Landes- LaugewerLschule zu Tarmstadt ernannt.

** Großjährigkeitserklärung. Am Montag fand nach derTarmst. Ztg." in Roßla die Feier der Großjährigkeitserklärung S. D. des r st e n I o st C h r i -- füan zu Stolberg-Roßla statt, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses und der hessischen ersten Kammer. Tas Recht des Fürsten vertrat bisher in der hessischen ersten Kammer S. E. Graf Kuno zu Stolberg-

** Hessische Landes-Hypothekenbank. Der vor­läufige Bericht über das zu Ende gehende Geschäftsjahr kann ersreulichcrweqe feftstellen, daß sich der Obligationen-

Umlaus um rund I8V2 Millionen auf Mülwnen Mr, der 2 a r l c h e n s b e ft a n d um rund 21 Millionen auf 90,4 Millionen $it. erhöht hat. Für die Oblrgatwnen hat der hchtschc Staat die Zinsgarantie übernommen: sie stehen damit tm Rang von Staatsrentenpapieren und sind münoelsicher ui allen d^itfchen Bundesstaaten. Das Institut, mit rein gemeinnützigen Aufgaben, untersteht staatlicher Leitung. Die Vorstandsmitglieder und Be­amten der Bank sind Großh. Staatsbeamte. An Hein 9 Mül. Mk. betragenden Betriebskapital ist der Staat nut 92 Proz. beteiligt; der Rest befindet sich in den Händen von Kommunal- Verbänden und kommunalen Sparkaßen-Anstalten. .pctüate tit» teiligung ist ausgeschlossen. Die Ausleihungen fmb gesetzlich auf das Großherzogtum Hessen beschränkt. Die Obligationen sind eingeführt an den Börsen zu Berlin, Frankfurt a. 1Je., München und Leipzig, woselbst auch die neuesten Emisfwnen zur dkotiz gebracht loerden sollen. . m ,

** Tie Luftschiffahrt in Rußland. Von sehr ge­schätzter Seite schreibt man uns: Tie Luftschifsernachricht in per Nr. 1 kann ich ziemlich sicher aufklären. Gemeint ist zweifel­los Professor P ö s ch e l, Rektor dec Fürstenschule St Afra m Meißen. Sie sehen daraus, daß Gurliltsche uub andere Vor­stellungen von den ftubenhockerischen und gegenwartfremden Philo­logen doch nicht ganz zutreffend sind. Ter Leiter der alt- berühmten und streng humanistischen Anstalt bringt es sehr wohl fertig, dem militärischen Luftschiffwesen (nicht nur dem Spocr) nebenher wichtige Dienste zu leisten.

"Aus dem Bureau des S t a d t t h e a r e r s wird uns geschrieben: Ain Sonntag Nachmittag findet zu Volks- preiscn eilte letzte Aufführung derEhre" statt, in der Fraulein Sylva die Alma und Direktor Stcingoetler den Grafen ^.rau spielen lueiben. Ter Sonntag abend bringt bei kleinen Preisen Die Orientreise" den übermütigen Schwank von Blumen- tbal und Kadclbtirg. Das lustige Stück behandelt bie Abentetter, die aus dem Uebet'faU eines Orientexpreßzuges resultieren, und dürste besoiiders heutzutage da ja das Bandenwesen bei den interessanten Rationen des Orieitts ivicder flori rt, auf verständnis­

volle Heiterkeit zu rechnen haben.

** Bei der jetzigen Kälte frieren die Wasser­leitungen leicht ein. Wir empfehlen deshalb sorgfältige Beachtung der vom städt. Wasserwerk wiederholt gegebenen Anleitting zum Osfenhalten der Leitungen.

"Tas neue Theater. Drei Jahre lang hatte ein Dienstmädchen aus der Gegend von Alsield einer Herrschast in der Lndwigstraße treu gedient, es mußte znm Jahreswechsel die Stelle auigeben, weil ihre Eltern sie mehr in ihrer 9lä()e in Als elb haben wollten. Ter Tag des Scheidens kam immer naher und die Herr- fchast merkte, daß der Abschied dem Mädchen recht nahe ging. Am letzten Tage schivamm Bettchen in Tränen und war von ihrei Hausfrau uicht zu beruhigen. Ta nahm sie am Rachmittag der "Dienstherr ins Gebet, er tröstete sic mit dem Gedanken, daß sie iDren Eltern naher sein iverde und daß doch die Dienstherrschaften m Alsfeld auch Menschen waren, bei denen sie es gewiß gut haben ivürde. Aber dieser Zuspruch bcivirkte das Gegenteil, deml unter erneutem Träneuerguß klagte Betlcheu:Aber m Alsfeld ist doch kein neues Theater wie in Gießen, wo ich doch jede Woche wenigstens einmal hingehen durfte.

S. Watzenborn- St etnberg, 2. Jan. Zum Weih-

nachtsfeste sind uns wieder, wie in früheren Jahren, von dec Direktion des Braunsteinbergwerkes durch Direktor Dr. Esch, sowie auch von der Fernie'schen Verwaltiing in Gießen durch Direktor a. D. Pascoe recht ansehnliche Unter» stützilngen für hülfsbedürftige Bergmannsfamillen zugegangen. Ebenso sind von den genannten Herren und weiterhin von den Hcrxen Rinn u. Kloos in Heuchelheim und Kommerzien­rat Heyligenstaedt m Gießen namhafte Beträge zur Ein­richtung der hiesigen Krankenpflege st ation gespendet worden. Allen gütigen Gebern herzlichen Dank!

Grün berg, 2. Jan. Heute sind 25 Jahre verflossen, daß Fräulein Balser an den hiesigen Schulen atsJndustric- l e h r e r i n tätig ist.

x Beltershain, 2. Jan. Ein Rekrut der 3. Komp, vom Inf.-Regt 168, aus dem Elsaß gebürtig, der in Butzbach diente, fuhr über Neujahr mit einem Kameraden von hier nach Beltershain in Urlaub. Am Neujahcstag abend blieb ec bei Gastwirt Hach hier über Nacht, und sagte, er wolle am 2. Jan. mit seinem Kameraden wieder zur Garnison zurückkehren. Als man heute morgen nach ihm sah, war er verschwunden und hatte einen Sonntagsanzug des Wirts sowie dessen Ueber- ziehe unrd Hut mitgenommen. Seine Uniform mit Seiten­gewehr und Mütze fand man nachher im Walde nach Rein- l-ardshain zu. Ter Elsässer ist demnach desertiert. Die zuständige Gendarmerie wurde sofort benachrichtigt.

Schotten, 2. Jan. Das fünfzigjährige Dienst­jubiläum feierte heute in körperlicher und geistiger Rüstig­keit unser allvcrehrter Geh. Regierungscat Schönfeld. Wir wünschen dem um das Wohl des Kreises und des ganzen Bogels- bergcs hochverdienten Beamten und Mcnschensieund noch viele Jahre ersprießlichen Wirkens.

X Wal lern Hausen b. Nidda, 2. Jan. Das Neujahrs­fest wurde hier mit einer schrecklichen Bluttat begangen. In einer Wirtschaft entstand ein Streit, in dessen Verlauf ein Tienst- knecht einen Stich bekam, daß ihm das Eingeweide heraus­drang. Dec Verletzte wurde noch in der Nacht auf Anordnung des Arztes in die Klinik nach Gießen verbracht. Ms Täter wurde ein in Nidda ansässiger, aus Ostpreußen kommender Arbeiter und ein Bahnarbeiter von auswärts ver­haftet. Tie Ursache des Streites war, wie gewöhnlich, der Trunk.

-t- Friedberg, 2. Jan. Die Gäste der Herberge zur Heimat, deren Zahl mit Eintritt der rauyenJahres­zeit sich erklärlicherweise zu heben pflegt, stellen in diesem Winter sich zahlreicher ein, als in der entsprechenden Zeit- veriode des Vorjahres. Zu der seit mehreren Jahren in tiefer Weise üblichen Bescherung am Ch r ifta b end, der eine Feier unter Leitung eines Geistlichen mit einer Ansprache, Gesang von Weihnachtsliedern und Begleitung des Posaunenchors vorausgeht, hatten sich diesmal von den Bewohnern der Landstraße 72 Teilnehmer eingefunden. Sie erhielten eintägige Verpflegung und ein Nachtquartier, Kleidungsstücke, soweit die Mildtätigkeit solche gestiftet und soweit Einzelne Bedarf hatten; ferner erhielt jeder ein Paar neue Socken, Konsekt, 3 Zigarren, Aepfel, Nüsse il dgl. Am folgenden Mittag verließen sie in zwei großen Trupps die Stadt, 34 zogen die Stütze südlich in der Richtung nach Frankfurt, der Rest marschierte nördlich auf der Straße nach Gießen zu. Merkwürdig mischen sich da die Menschen, Jünglinge, Scanner und weißköpsige Greise, aus fast allen Gesellschaftskreisen, vom Baron herab bis zum ärmsten Tag­löhner, aus den Zwischenstufen der verkommene Akademiker, der herabgekommene Äauimann, oer gesunkene Handwerker, entgleiste Existenzen verschiedenster Art, die Urbilder Maxim Gorkischer Geftalten; dann noch, in mehr legaler Sphäre, der wandernde Handwerksbursche und der aus der Walze be- sindliche, ehrlich arbeitsuchende Fabriker. Wie schwer, diesen weiten Unterschieden in der Unterstützung gerecht zu werden, belsend, aber ohne Förderung des Bohemetums, ein Problem, fast nicht lösbar.

R.-.B. Darmstadt, 2. Jan. Heute nachmittag ^5 Uljr ereignete sich auf dem Maui-Neckac-Bahnhof ein schwerer Eis enbahnunf all. Der 28jäl)cige verheiratete Bahn- arbeiter Müller aus Seeheim war beim Ueberschreiten der Geleise zu Fall gekommen und wurde in diesem Moment von einem cuisahcenden Rangierzug ersaßt und zermalmt. Ec starb auf dem Transport zum Krankenhause. Am Reu- jahcstage gegen 6 Uhr abends versuchte sich auf dem hie­

sigen Marktplätze ein 28 Jahre alter Schneider au? Wisn mit Lysol zu vergiften. Ec wurde in bewußtlosem Zustande aufgefunben und in daS städtische Krankenhaus ver­bracht.

Offenbach, 2. Jan. der heutigen Stadtver­ordnetensitzung nahm Bürgermeister Dr. Dullo Bezug auf seine am 16 .Nov. in der Beleihungsange- legenheit erlassene öffentliche Erklärung und betonte, daß einige Wendungen unglücklich gewählt seien, es ihm aber ferngelegen habe, die Stadtverordneten falsch zu infor­mieren. Er habe im guten Glauben gehandelt. Die Anträge auf Gewährung einer Teuerungszulage an die Be­amten und Lehrer für 1907, auf Errichtung von elf neuen Schulstellen an den hiesigen Schulen re. wurden an die Aus­schüsse verwiesen. (Frkf. Ztg.)

M-.acburg, 31. Dcz. In der gestern abend abgchaltenen Versammlung des Liberalen Volksvereins wurde als Kandidat zum Landtag für den Wahlkreis Marburg Prof. S ch ü ck i n g ausgestellt.

üZ Kirchhain, 1. Jan. Der Händler K. Ronimi von Ätiederwaid wollte gestern abend hier seine Töchter von einem Tanz abholen und fuhr mit einem Schlitten, in welchem sich außer ihm noch ein junger Kaufmann befand, durch die Stadt. In der Nähe des Niarklplatzes fiel dec Schlitten bei einer scharfen Drehung um und ging in Trümmer. Ronimi wurde herausgeschleudert, erhielt eine klaffende Kopfwunde und blieb bewußtlos liegen. Der rasch hinzugezogene Arzt stellte Gehirnerschütterung fest. Der eben­falls im Schlitten befindliche Kaufmann konnte sich durch einen Sprung reiten und kam mit dem Schrecken davon. Das Befinden des Verletzten ist nicht daS beste.

Weilburg, 31. Dez. Der Minister des Innern hat die von den einzelnen Kreisverwaltungen beschlossene Wirtsckaftskonzessionssteuer nicht geneh­migt, oa diese eine allzu große einseitige Belastung ein­zelner Erwerbszweige darstelle. Der Kreistag des Ober- mhnkreises beschloß daher die Einführung einer Umsatz­steuer von 1 Proz.

Frankfurt a. M., 2. Jan. Die am 17. v. Mts. von einem Reisenden auf 'dem Bahnhof Offenbach erfolgte Anzeige, er sei während der Fahrt von Fulda nach Frankfurt a. M. imEilzug 14 unterwegs von Mitreisenden beraubt worden, entbehrt nach dem Ergebnis der gepflogenen Erhebungen jeder Begründung. U. a. ist feftgeslellt worden, daß der betreffende Reisende einen Teil der ihm angeblich geftohlenen Sachen bereits vorher in Fulda versetzt hatte. Von der Staats- anwaltschast ist demgemäß das Ermittelungsverfahren eingestellt worden. Uebec ein Familie ndrama, das sich im zweiten Stock des Hauses Mittlerer Hasenpfad 16 in Sachsenhausen zugetragen hat, wird der Frkf. Ztg. berichtet. Die in jenem Hause wohnende 54 Jahre alte Witwe Mathilde Deibel, ge­borene Zeiß, aus Nassau wurde seit einigen Tagen mit ihrem 26 Jahre alten Sohn Wilhelm-, der als Kaufmann in einem hiesigen Geschäft angestellt war, vernüßt. Als man gestern die Wohnung öffnete, bot sich den Eintretenden ein entsetzlicher Anblick. Frau Deibels lag tot auf dem Bett mit einem Schuß in der rechten Schläfe und der Sohn lag schwer verletzt auf der Erde, so daß keine Hoffnung mehr besteht, ihn am Leben zu erhalten. Er trägt am Kopf ebenfalls eine Schußwunde und ist völlig bewußtlos. Der Revolver lag auf dem Zimmer­boden. Wer die Schüsse abgegeben hat, ist iwch nicht aufgeklärt. Man vermutet, baß beide beschlossen haben, gemeinsam in den Tob zu gehen. Man glaubt, daß sic die Lat am Silvefterabcnb zur Ausführung brachten.

§ Frankfurt a. M., 2. Jan. Am 5. d. Mts. feiert! Direktor Adam B rch t sein 25jähriges Jubi-- läum in den Adlerwerken vorm. H. Kleyer. A. Brecht wurde geboren am 12. April 1859 zu Eppingen (Baden) und trat am 5. Januar 1883 in das damals rasch auf­blühende Velozipeügeschäst von Heinrich Kleyer ein. Hier anfangs als Buchyalter beschäftigt, wurde er bei dem schnellen Wachsen des Kleyerfchen Geschäftes im Jahre 1886 zum Prokuristen ernannt. Bei der Umwandlung der Adler-Fahrradwerke in eine Aktiengesellschaft am 5. Juli 1895 wurde Adam Brecht als Direktor in den Vorstand gewählt. Brechts Verdienste beim Emporblühen der Adler- iv er Ec liegen im Gebiete des Finanzwesens und der Ver« waltung.

Universitäts-Nachrichten.

Profesior Hoffa t-

Gestern uachin. um 41/, Uhr erhielten wir folgendes Tele­gramm:

Berlin, 2. Jan. Professor Albert Hoffa ist tu Köln auf der Rückreise von Antwerpen nach Berlin gestorben.

Geh. Atedizinalrat Professor Dr. Hoffa stand auf der Höhe seines Ruhmes. Er war in Richinond am Kap der guten Hoffnung geboren, fmölerfe in Marburg und Freiburg, wurde 1883 Assistcni an der chirurgischen Klinik in Würzburg, habililkerle sich dort 1886 und wurde 1897 Prosessor. Sen 1902 wirkte er in Berlin.

Prof. Hoffa war em hervorragender Orthopäde. Er war in Begleitiing seines Assislenlen Dr. Glüßner am Weihnachtsabend zu einer Konsultation nach Antwerpen gereist. Schon auf dem Wege dahin machten sich bei ihm Herzschnierzen, Beklenunungen und Angstgefühle beinertbar. In Antwerpen besserte sich der Zustand etwas. Geheimrat Hofsa lag dort fast zwei Tage zu Beit. Er stand in ärztlicher Behandlnng und konnte dann die Rückreise an- treten. Der Weg nach Berlin sollte in tiirzen Strecken zurückgeleqt werden. Am 27. Dezember wurde Köln erreicht. Hier ver- jchlimmerte sich der Znftand wieder derart, daß Professor Aiatthes zugezogen wurde, der die Ueberführung des Patienien in das Augnsiahospital veranlaßte. Bald machten sich Zeichen bedenk­licher Hcrzfchwache geltend, und nun ist Geheunrat Hossa ver­schieden. Die ärztliche Diagnose lautete auf Verkalkung der Kranz- gefaße des Herzens und fand m der Obduktion vollkommene Be- Itätigimg. 4,ie Leiche wird nach Berlin ubergeiührt, wo am Sams­tag die Beerdigung ftattfiiidet. Hossa starb un 49. Lebensjahre.

., - Ter frühere Professor der Physik an der Technischen Hoch­schule m Eharlottenburg, Adolf P aalzow, ist ge­lt 0 r b e n. u

Ergebnisse der IuvaLldenvetstcherung für oas Jayr 1906.

qi dem Reichstage ^gegangene Nachweisung umfaßt die 1lDaIlbekl1ur|-lct)Cr^lUQ^anftalten und 9 zugclasstnc Kässtnein- firföm?1' rmi Jahre 1906 auf Grund des Jnvalibrn-Bec- ircherungsgesetzes bestanden.

npfrt?9QQ4<^ ^l^erungSträger besaßen am Jahresschluß ius- roW ^orltandsmitgliedcr. 42 Hilfsarbeiter der Borstäiibc, 020 üusichußniUgtieder 364 Kvntrollbearnlc, 2 Rcnienftellcn, 124 2440 besondere MarkcnDerkaussstetlen und etwo «sc-o mit der Einziehung der Beiträge beauftragte Stellen.

h -..y11 -wochenb ei trägen wurden bei den 31 Invaliden- ?.Cnl!?rcUfn9öan|tattcn rund 640 Millionen Stück verwendet, die ?rlos von 156 544 529 Mack ergaben. Hiervon entfielen.

Arbeiter, russischer oder österreichischer Staatsangc-i Hörigkeit rund Milliouien Wochenbeiträge im Werte von 473 883

13 S81 k4?L-rE--ng°n betrug bie Einnahme aus 'HP^,,bCI(Zltn:c<6"ufa das Jahr 1906 wurden 135193 Jientcn als im Jahve 190b zugcgangen behandelt, nämlich