Ausgabe 
3.1.1908 Erstes Blatt
 
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frieslanb) such drei Personen, ein

nzeige:

Am 26. Dezember wurde Herr August v. Schönebeck, Major beim Stabe des Dragoner-Regiments König Albert von Sachsen (Ostpreußisches) Nr. 10, von fremder Hand erschossen in seiner Wohnung ausgesunden. Das Regiment verliert in ihm einen Stabsos.izier, mustergülrig in jedem Dienstzweige, das Offizierkorps ein allvereyrtes und geliebtes Mitglied, der Kommandeur seine beste Stütze. Sein Andenken wird in hohen Ehren gehalten werden. Im Namen des Offizierkorps: Graf von der Groeben, Oberst und Regimentskommandeur.

eAanöei.

Zulassungen zur Frankfurter Börse. Zugelassen wurden 30 Millionen Mk. 4 proz. vor dem 1. Januar 1918 nicht rückzahlbarer Pfandbriefe Reihe 13 der Temschen Hypo- thekenbank in Meiningen. Die Zweigstelle der Bank für Handel und Industrie beantragt die Zulassung von 5 Mill. Mk. 4 proz. Anleihe der Stadt Offenbach.

Privatwechsel--Zinsfuß. Der Rückgang des Privat­diskonts hat schon an der Montagsbörse keinen rechten Eindruck mehr gemacht. Er erklärt sich zunächst daraus, daß die Wecküel- käuser bei dem jetzigen Satz naturgemäß sehr gern langsichtige Wechsel hereinnehmen, während anderseits das Angebot von Wechseln stark vermindert ist, da die Geldnehmer mit langsichtigen Entnahmen bis zum neuen Jahr warten wollen. Unter diesem Zusauunenwirken muß der Diskontsatz heruntergehen, zumal sein Stand in letzter Zeit doch nur als ein durch die Verhält­nisse hervorgerufener Ausnahmesatz gelten konnte. Es wird sich nun darum handeln, wie die Rückzahlungen an die Reichs­bank den offenen Geldmarkt beeinflussen werden. Wie ein Ber­liner Korrespondent derK. Z." von erster Bankseite hört, sind die Geldbeschaffungen seit dem letzten Lage der vergangenes Woche erheblich gestiegen, so daß die Bank zweifellos mit riesigen Summen in Anspruch genommen wird. _ Namentlich auf Lombaro.rechnung haben große Entnahmen stattgefunden. Ties mag auch mit an der Zurückhaltung der Börse während der letzten beiden Tage schuld gewesen sein.

Die a in e r i k a n r > ch e Krise in deutscher Be­le u ch t u n g. In dem Jahresbericht der Hamburger Handels- kammer wird die amerikanische Krisis kurz ivte folgt geschildert: Es ist zu hoffen, daß es sich in Teulschlcind nur um ein Wetler- leiid)ten des jenseits des Meeres sich auslobenden Gewillers handelt, denn im großen ganzen erscheint die Lage nicht nur unseres (des deutschen) Handels, sondern auch der Industrie mib der Schiffahrt als gesinid. Wenn die nicht mir den deutschen, sondern allen eurooäijchen Aicirkten letzt durch die krisenarligen Verhältiiisse auf­gedrungene Zurückhaltung uiid em niedrigeres Niveau der Preise dalnn führen, den für die _ flüssigen Umlauismittel zu groß ge­worbenen Bestaub an Wechseln wieder herabzumindern, so wird das un Interesse einer baldigen Koniolidalion der wirlscha-tlichen Verhältnisse sreudig zu begrüßen se.n. Ebenso tute die privaten Unternehmer jetzt täglich die Erfahrung machen, daß Geldmarkt und Koiijlliiktur ihnen Zurückhaltimg an'erlegen, jo sollen auch die Kommillieii, die lich zumeist nur um die Beobachtung der gesetz­lichen Formalitäten küniinern, und im übrigen ihren Kredit Uir unerichöpflich halten, ihre Unternehmungen zügeln, insbesondere wo es sich nm den Erwerb von Privatunternehmtiiigen oder um eme nicht sogleich euiträgliche Festlegung von Geldern handelt. So wird aitch dieser Wendepunkt in der Kurve unseres Wirljchaus- lebetlS hosfemlich bald ohne gewaltsame Störungen überwunden werden. _____

auf hem Eise beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und ertrunken. In Starkrade ist eine Anzahl Personen auf dem Eise eingebrochen. Zwei Mädchen und ein Knabe wurden als Leichen gelandet.

In Paris sinb infolge der Kälte mit Schneefall vier Personen erfroren. Auch aus anderen Teilen Frankreichs kommen Nachrichten über plötzlich eingetretene große Kälte, die argen Schaden angerichtet hat.

il a. ein großer und 16 kleine Brillanten, Rubine, Türkises und 137 Saphire.

Kleine Tageschronik.

In dem in der 9Uihe von Coburg gelegenen Dorfe Weischau vergiftete der begüterte Landwirtssohn Fischer feine 17 jährige Geliebte, die sich in gesegneten Umständen befand, mit Nitrobenzol. Der Mörder redete dem Mädchen ein, daß cs sich 'um ein Heilmittel handele. Er wurde verhaftet.

Zwischen B r i x e n und Klausen an der Brennerbahn: ein großer Felssturz ; beide Geleise wurden demoliert. Von dem Nachts fälligen Personenzug enigleisten die Lokomotive und sechs Magen. Einige Passagiere wurden verletzt. Ter Ver-- kehr ist gestört.

Am 30. Dezember wurde in Neapel eilt spanischer M ö n ch samt seiner Geliebten und deren Bruder kubamscheu Polizisten übergeben und nach Kuba eingeschisft. Ter.Mönch, ein gewisser Gonzalez, hatte IV2 Millionen unterschlagen.

Aus Ajaeeio auf Korsika wird gemdbet, daß dort der Priester Coresolt, das Haupt der dortigen schismatischen Gemeinde, bei einem E i n b r u ch s b i e b st a h l e in eine katho­lische Kirche von Gendarmen abgesaßt und ins Gefängnis ab­geführt wurde.

Tes großen englischen Gelehrten Lord Kelvin Vermögen von nahezu einer Million Lstr. geht an die Witwe über, aus­genommen 5000 Lstr., die für wisseuschastliche Zwecke der Uni­versität Glasgow vermacht worden sind.

Man meldet auS Paris: Heue de Tollegrand-Perigord, Prinz von Sagan, hatte mit dem Deputierten Grafen Castell an e auf der Straße einen heftigen Wortwechsel, der zu Tätlichkeiten führre. Vor dem Polizeitommissar wurde jestgestellt, daß mit den tätlichen Beleidigungen der Graf be­gonnen habe. Als Ursache wird ein Gerücht bezeichnet, das mit der beabsichtigten Wleberverheiratung bir geschiedenen Gräfin Castellane, geb. Anna Gould, zusammenhängt, als deren künf­tiger Gatte der Prinz von Sagan gilt.

In Newyork ivurde ein italienischer Verbrecher namens Silviestro verhaftet. Er hatte in Fondi in der Provinz Rom eine Hütte angezünbet, in der seine bildhübsche Braut wohnte, die ihm den Abschied gegeben harte. In den Flammen fanden fünf Personen ihren Tod, da der rachsüchtige Liebhaber mit gespanntem Gewehr jeden Fluchtversuch der Bewohner ver­hinderte.

Nach einer Meldung aus St. Johns auf New-Braunschweig ist der Dampfer der Canadien Pacific Linie feit 25 Tagen über­fällig. Er befindet sich auf der Fahrt von Antwerpen nach Amerika, und da bisher über seinen Verbleib keine Nachrichten eingelausen sind, befürchtet man, daß er samt seiner Besatzung und 400 Passagieren untergegangen ist.

Als in Goch am 1. Januar ucr Sohn des Ehepaares Au- stoots seine Eltern wecken wollte, fand er den 72 fahrigen Vater tot auf und die 79jährige Mutter dem.Sterben nahe. Die alten Leute hatten in dem kleinen Schlafzimmer die ganze

SrerschrsfQaL.

Freiburg, 2. Jan. Tie Strafkammer verurteilte den Schneider Josef Erzberger, der wiederholt unter Miß- brauch des Namens seines Bruders, des NeichstagSabg. Erz­berger, Betrügereien und Diebstähle begangen hatte, zu zwei Jahren zwei Monaten und einer Woche Gefängnis, sowie zu fünf Jahren Ehrverlust. .

N a ch t Ofen und Licht brennen lassen.

Auf dem Hammrich, zwischen Tjaklegec und Breinermoor (Ost- Mann und #üei Frauen,

Vor sieben oder acht Jahren verhandelte man gleichfalls im Nordosten der preußischen Mon­archie einen Prozeß mit ähnlichem Hintergrund. Ein Gutsbesitzer war ermordet worden und man zieh die Frau und deren zweiten Mann und früheren Liebhaber der Schuld. Damals begegnete man in einem großen Teil der Presse dem Versuch, das ostelbische Junkertum für die Mordtat verantwortlich zu machen. (Was um so falscher war, als es sich nicht um eine Nitkcrgutsbesitzersamilie handelte, sondern um die Inhaber eines Bauerngutes.) Leiden­schaften sind an keine Kaste, feine gesellschaftliche Schicht gebunden. Sie sind auf den Höhen der Gesellschaft leider ebenso heimisch wie in ihren Niederungen, und hüben wie orüben gibt es Menschen, die sich nicht zu bändigen lernten; Denen Selbstdisziplin und sittlicher Wille zerbrachen, wenn oie Wogen einer heißen Leidenschast über tynen znsammen- ichlagen. Vielleicht ist das Menschenlos und dann bliebe dem Chronisten nichts anderes als mit melancholischem Bedauern ausmerken: so ist das Leben. Vielleicht aber gäbe es doch eine Möglichkeit, dergleichen Tragödien einzuschränten, wenn

alle sich endlich gewöhnen wollten, den Räuber am häus- ächen Herd zu disfanieren und gesellschastlich zu ächten. Heute umstrahlt ihn in gewissen Kreisen die Gloriole des urschen Kerls, und dieses Irrlicht hat schon manchen in ucn Sumpf geführt. Manchen, der von Haus aus eine liebenswürdige und ritterliche Natur war. Und der nur schuldig wurde, weil die andern esja auch tun" und .veil er der schleichenden Feigheit solchen Tuns sich über» paupt nicht bewußt wurde.

bereits gemeinschaftlich in einem Badeort ohne Wissen des Gatten. Wie jetzt verlautet, hat v. Göben auch am Abend des Mordes den Versuch gemacht, sich ein Alibi zu sichern. Vor der Ausführung der Tat waren )ie Jagdhunde des Majors, die gewöhnlich in dem Schlaf­zimmer des Majors lagen, nach vorn gebracht worden. Nach der Tat begab sich Herr v. Göben nach Hause und ging zu Bett. Hauptmann v. Göben schreibt im Alleinsteiner Militärgefängnis seine südafrikanischen Er­innerungen.

Die Nachforschungen nach der angeblich von ihm in den Fluß Alle geworfenen Schußwaffe sind in vollem Gange. Die Verhandlung gegen den Hauptmann v. Göben wird bereits in den nächsten 14 Tagen stattfinden.

In derNordd. Allg. Ztg." finden wir folgende Todes-

Die Tragödie von Allenstein.

Der unglückselige Hauptmann v. Gäben hat, wie wir ' gestern meldeten, am Silvesterabend, ein umfassendes Ge­ständnis abgelegt; um dieselbe Zeit ist auch die verdächtige und schwer kompromittierte Frau des Getöteten in die Untersuchungshaft abgesührt worden. Trotzdem sieht, man nod) nicht recht tlyr; vermag die Motive nnd die psycho- . logischen Zusammenhänge noch nicht zu überblicken, kann jedoch bereits ziemlich sicher entscheiden, daß es sich Wohl um einen- Mord handelt, nicht um die fache Tat eines Ueberraschten, seiner Sinne nicht ganz Mächtigen.

Frau Toni v. Schönebeck wurde einst in einem Wucher-Prozeß genannt, in dem mehrere Offiziere als Zeugen aufzutreten gezwungen waren. Einige die,er Herren waren durch den Aufwand, den sie als Verehrer der schonen und lebenslustigen Frau machten, in die unangenehme Lage gekommen, sich an Wucherer wenden zu müs,en, um sich über Wasser zu halten. Frau v. Schönebeck war mit Offizieren in bürgerlicher Kleidung wiederholt in Berl'in in vielbesuchten Weinlokalen. Sie ist die Tochter des verstorbenen Patentanwalts Richard Lüders m Görlitz. »

Fran v. Schönebeck ist nach Ansicht ihres Hausarztes schwer hysterisch und Morphinistin. Ueber das Geständnis des Hauptmanns v. Göben können nähere Angaben noch nicht gemacht werden, da die Ver­handlungen über die Mitschuld der Frau v. Schönebeck noch schweben, v. Gäben will nach seinem Geständnis die an sich vorbedachte Tat in einem an Wahnsinn gren­zenden Zustande von Liebesraserei begangen haben. ,

Frau Toni hatte Verehrer schon in früher Jugend, und tum Manne bekam sie nicht den, den sie sich_ gewünscht hatte. Das mag wohl auf die Gestaltung ihrer Ehe den un» günstigsten Einfluß ausgeübt haben. Völlig entfremdet waren sich die Ehegatten seit einem Vorfall, der schon mehrere Jahre zurückliegt, v. Schönebeck kehrte damals unerwartet von einem Jagdausslug in demselben Augen­blick zurück, als ein junger Offizier seine Wohnung verließ. Seitdem hatte er mit seiner Frau kaum noch eine äußere Gemeinschaft. Es scheint, daß alle ldiejie Dinge die Geistes­gesundheit des Majors beeinflußt haben und daß Haupt­mann v. Goeben sich berufen fühlte, seine Frau von ihm zu befreien. Daß er von langer Hand etwas geplant hat, geht daraus hervor, daß er sich in einem Allensteiner Laden eine schwarze Larve gekauft hatte. Diese wurde von Kriminalkommissar Wannowskt in oer Wohnung des Hauptmanns saft ganz verbrannt rn der A,che gesunden und beschlagnahmt. Ter Major erwachte als v Göben beim Einsteigen durch das Fenster Geraufch machte. Wah­rend er aus den Eindringling anlegte und vergeblich ab­drückte, erhielt ex den tödlichen Schuß Die be,a)lagnahm- ten Briefe deuten auf ein gemeinschaftliches Vorgehen des Hauptmanns und der Majorsfran. v. Goeben schrieb zwar vorsichtig, aber d.och so, daß Fran v. Schönebeck ihn ver­stand und Bescheid wußte.

Hauptmann v. Göben gehörte seit ungefähr neun Mo­naten dem masurischen Feloartillerie-Regiment Nr. ,3 an. Er ist eine schlanke, aber nicht besonders sympathische Erscheinung. Dem Offizier-Korps näherte er sich1 nur toemg, dagegen war er bei seinen Untergebenen sehr beliebt. Das unerlaubte Verhältnis zwischen den beiden schuldigen ent­spann sich bald, nachdem v. Gäben nach ^lenstem ver­ätzt worden war. Eine Zeit spater lebten die Beiden

'Mordtaten. In der Provinz Hannover sind in 1 Der Silvesternacht drei Morde verübt worben. In Hannove.i cibjt wurde am Reujahrsmorgen in ber Straße Rotzmühte 1 die geschiebene Fran bes Reisenben Schulze mit burchschninener Kehle evmorbet awgemuben, ohne baß es bisher gelungen ist, beit Täler u ermitteln. In Tehrenberg bei Hameln würbe der Knechi Schröder mit burchschninener Schlagader und schweren Verletzungen am Halse tot ausge'nuden. Der mutmaßliche Täter, cinSchmiede- neselle aus Ällberiussen, würbe verhallet. Ter dritte Worb hat sich m der Heide ereignet. Jäger sanden bei Bispingen die Leiche eines jjionncs von etwa 40 Jahren mit einer Schußwunde im Rücken. In Berlin ist wieder einmal, jedoch diesmal erst mehrere Wochen nacl) geschehener Tat, em Ai 0 rd enlbeckt worden. In einem Hause der Memelerstraüe wurde der greise Tischler Jeskes, Der seit dem 19. Dezember nicht mehr gesehen wurde, ermordet in icinev Wohnung auigefimben.

- Berlin, 2. Jan. Ein neues M o t 0 r l u s t s ch i s f wurde heute mittag von ben in Berlin anweienben tommandierenben Generalen besichtigt. In ber Gonbel nahmen Platz als Führer Hauptmann von Sperling, Dbermgcnienr Bnsenach und Prinz R u p p r e ch t v 0 n B a y e r n. Tas Lnitschiff stieg auf, mmioDerterie über bem Schießplatz, veränderte die Höhenlage, beschrieb allerlei Kurven mib kam bann nieder zu Boden, worauf an Stelle bes Prinzen General v. Bernharbi bie Gonbel bc|tieg. Nachbem bas Lustschisf von neuem gclmibet hatte, trat es einen Ausflug über Berlin an, von bem es erst m ben Nachmitlagsstunben heimkehrte. Jin Schlosse B e 11 e u 11 e kam heute Feue r aus. Im Schlaf, zimmer beS Prinzen mib ber Prinzessin Eitel <> r i c b r i d), bie im Schlosse weilten, war eine Garbme m .stammen anfgegongeii; bas Feuer sprang bann au, ben Fußbaben uber. Auf Beucht beä Prinzen ivurbe bie Feuerwehr alamiert Tas Feuer würbe in kurzer Zeit beseitigt. Als Ursache bes Branbes i|t bie Ueberheizung eines OienS aiiznsehen.

* Eine Familie nkata str ophe hat sich am Silvester­abend in dem Dorfe Velmead bei Fleed in Hampshire abgespielt. In Velmead tötete der Major Henry Coat es Phi­lipps s ei ne Schwieger m utter und verletzte deren Rechtsanwalt durch Növolverschüsse lebensgefährlich. Ter Täter hatte sich im Burenlrieg glänzend ausgezeichnet. Er wurde im vorigen Jahre von seiner Gattin geschieden. Im Dezember vorigen Jahres drang er in ihr HauS ein und machte einen vergeblichen Versuch, seine Gattin und sich selbit durch Leuchtgas zu töten. Er wurde hierauf vor Gericht auf ein Jahr ver­pflichtet, den Hausfrieden , seiner Frau nicht zu brechen. Das versprechen war am Silvestertage abgelaufeu. ?lm Abend waren die Niutter seiner Gattin, Mrs. Suchte und ihr Rechtsanwalt Smith als Gäste amvcsend. Als um Mitternacht Mrs. Philipps die Haustür öffnete, sprang der Major aus dem Gebüsch plötzlich auf sie zu und drang in das Haus em. Hier zog er einen Reiterrevolver hervor und feuerte der Mutter der Mrs Philipps ins Gesicht und dem Rechtsanwalt Smith in bie Hüfte Der Revolver war mit dehnbaren Kugeln geladen. Tie beiden Attackierten stürzten sofort benmßtlos nieder. Mrs. Philipps rannte schreiend davon und sprang in einen Schrank unter der Treppe. Ter Mörder folgte ihr nach und schrie:Dies ist deine letzte ChanceEr ergriff die zu Tode erfchrollene ^rau, hielt ihr den Revolver vor das Gesicht und feuerte. Seltfamer- weise ging die Kugel fehl. Mrs. Philipps stürzte ledvch bewußtlos nieder, und der Major jagte sich eine Kugel durch den Kops. Er blieb sofort tot. Die ganze Schreckenstat ereignete stch im Handumdrehen. Ter Diener, welcher eben mit einem brennenden Silvesterkuchen in den Flur trat, sah zu 1 einem Entsetzen bay Blutbad. Mrs. Philipps blieb gänzlich unverletzt.

* Einbrecher und Diebe. Aus dem Gefängnis in Prag floh vor ein paar Monaten der Einbrecher Wasmski, nachdem er den Gesangenaufseher Kautzfl) niederge- schossen hatte. Er wurde aber in Lemberg in der Wohnung eines Messinggießers beratet. Es bedurfte zehn Personen, um ihn zu fesseln Wasinski entkam aus dem Senibcrgcr Gefangen­haus mit seinen Zellengenossen Schwarzer und ^zhptur seither , sanden in vielen galizischen Städten verwegene Diebstähle statt. Wasinski gesteht einige Einbrüche zu, leugnet aber den Mord an Kautzkh. Nun verdächtigt man ihn auch eines Einbruches un ' Kalusser Steueramt, wo 50 000 fronen geraubt wurden. ' Als d i e b i s ch c W e l t r e i s c n d e entpuppen sich Alexander Lu- ' pascu und Nanette Michalescu aus Jassy, Berliner PerlenduPe, 1 bie in Czernowitz fcftgciwuuncn wurden. Beschlagnahmt sind

111 885 Invalidenrenten, 12 569 Krankenrenten und 10 739 Al­tersrenten im durchschnittlichen Jahresbetrage Von 162,88 Mark, 1 163,29 Mark und 160,80 ALark.

Beitragser st att ungen wurden im Jahre 1906 fest­gesetzt: bei 153 224 HeiratSsällen, 710 Unfällen und 32 827 Todesfällen, wobei sich der durchschnittliche Betrag auf 37,70 Mk., 78,46 Mk. und 80,41 Mk. stellte.

Auf diese reichsgesetzlichen Entschädigungen wurden allein zu Lasten der 40 Versicheruilgsträger, also ohne den An­teil des Reichs, im Rechnungsjahre 1906 102 651 360 Mark ge­zahlt, und zwiar air Renten 94 215 214 Mark, an Beitragserstatt­ungen 8 436145 Mark. Die hierzu noch tretende Leistung des Reichs belief sich auf 48 757 607 Mark. ,

Für das Heilverfahren wurden' 13 468 262 Mark auf- gciDenbct: hierbei sind die Von Krankenkassen, von Trägern der Unfallversicherung und von anderer Seite gezahlten Kösten- zuschüsse in Höhe Von 3 478 139 Mark bereits in Abzug gebracht. Der obige Betrag umsaßt u. a. die Unterstützungen an Angehörige der in Heilbehandlung genommenen Versicherten in Höhe von 1 157 239 Mark. Darüber hinaus wurden aber noch weitere 754 162 Mark gewährt.

T-ie gesamten Ausgaben für JnValidenhauspflege beliefen sich auf 690 563 Mark. Hiervon wurden durch Einbehaltung der Renten der Pfleglinge 153 719 Mark erstattet und ,durch Zu­schüsse Von anderer öcite 29 089 Mark ersetzt, so daß den Ver­sicherungsträgern eine Reinausgabe Von 407 751 Mark erwuchs.

An Verwaltungskosten ihrer I) an pt wurden 15 863 753 Mk ausgegeben, was aus 1000 Mk. der Einnahme aus Beiträgen eine Ausgabe von 93 Mark, auf 10J0 Mark per gesamten Aus­gaben eine solche von 119 Mark bedeutet. Auf die einzelnen Arten verteilen sich die überhaupt als Verwaltungskosten aufzufassen- den Aufwendungen so, daß Von 1000 Mark auf die allgemeine Verwaltung 582 Mark, auf die Kosten für die Einziehung der Beiträge 154 Mark, auf die Kosten der Kontrolle 97 Marl und auf sonstige Kosten 167 Mark entfielen

Insgesamt haben fich un Jahre 1906 die Einnahmen auf 214 583 183 Mark, die Ausgaben auf 133 597 752 Mark be­ziffert, so daß sich ein Vermögenszuwachs von 80 985 431 Mk. ergibt.

Am Schlüsse dos Jahres 1906 belief sich das Vermögen der Versicherungsanstalten und der für die reichsgesetzliche Ver­sicherung bestimmte Teil des Vermögens der Kasseneinrichtungeu aus 1 318 525 631 Mark, wozu noch der Buchwert der Jnventarien nrit 5 096 435 Mark tritt. Von 1000 Mark Vermögen waren 18 Mark im Kajsenbestande vorhanden, während 936 Marl in Wertpapieren und Darlelfen und 46 Mark in Grundstücken an­gelegt marrm Die durchschnittliche Verzinsung des in Wertpetpiereu und Darlehen angelegten Teiles betrug 3,53 v. H. des Ankauss- preiscs.

Kleine K u u st ch r 0 uik. In der Tonhaüe zu nd) en, in ber bas K a i m - 0 r ch e sl e v konzertierie, kam es am 2. b. Ri. zu einem höchst peinlichen Sluitrnt. 9!ach bem ersten Satz bei c-dur-3mfome von Beelhoven erklärten bie Musiker plötzlich open latip, nicht mehr weiteijpielen 511 wollen, wenn nicht bet 9)1 nsik- r e 5 e n i e n t ber9)1. 9t 91, Rnbols Loius, ben Saal verlasse Es erhob fid) baraui ein arger Xumult, währenb hohen fiel Louis ans bem Saale entfernte. Tas Publikum nahm zum Ten für, zum Teil gegen ben Kritiker Stellung. Nachbem allmählich wieber Ruhe emgetveten war, konnte bas Konzert zu Ende geführt werben. Jebe 9tuninier wurde stürmisd) apvlaudiert.

e>ienencc 'ibetievoicmt.

voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag den 4. Jcwuar >908: Foridauer beS Fraftwitterung. Keine Aendernna.

OrigSttaL-OrahtincLSrrngett.

Venedig, ... Jan. .Tie wegen Mr,reeS ui Untersuchungs­haft befindliche Gräfin Tarnows la unternalim einen Selbstmordversuch, indem sie sich mit dem Bettuch zu erhängen versuchte. Dies wurde jedoch rea)tzeitig bemerkt und die Gräsin gerettet. c

Triest, 3. Jan. Seit 24 Stunden wütet hier eine furcht­bare Bora, welche großen Schaden anrichtete. Tie Arbeiten im Freihafen mußten eingestellt werden. Ein Wächter wurde vom Slurin ins Meer geschleudert und ertrant. Auch in der Stadt wurden mehrere Personen zu Boden geworfen und verletzt. _.

Bukarest, 3. Jan. In der Petro le nmgrube Airg» viste wütet ein großer Brand. Bislfer wurden drei Tote und vier Verwundete geborgen. Man befürchtet noch weitere Menschenv.riuste.

Barcelona, 3. Jan. In der Nobadorstraße wurde eine neue Bombe gefunden, die nod) unschädlich gemacht wvben konnte, bevor sie explodierte.

Paris, 3. Jan. Eine hier weilende junge Russin namens Lurtu bot sich erschossen, aitgebhcb weil ihr ooin terroristischen Komitee die UcVertvagimg einer gefährlichen Atijiion verweigert wurde, um bie sie gebeten haue. Sie ist bie -rechter eines reichen russischen Kaufmanues imb mußte wegen Teilnahme an einem Romplot, bas entbetft würbe, au5 Rußlanb flüchten.